2010-04-10

Konfuzius sagt …

… „es wird Frühling!“


(Alle Fotos Pentax K7 und DA* f2.8 16-50mm)

Denn Konfuzius steht in den Gärten der Welt gerade mit den Füßen im Blaustern (und wird von einem hässlichen Bauzaun umrandet, deswegen davon kein Fotomaterial.)



Gestern sind Frau Indica und ich spät am Nachmittag kurzerhand weit raus in die Erholungsgärten nach Marzahn gefahren, gucken was die japanische Kirschblüte spricht.



Diese erzählt zwar bereits vom Wollen aber auch noch von vornehmer Zurückhaltung. Auch die Magnolien stehen in den ersten Startlöchern, schätzungsweise noch sieben Tage mit etwas Sonne hier und da und es macht „Bäng“ in der Berliner Botanik.



Es ist ein besonderes Jahr in der Vegetation. Der überlange Winter hat die üblichen Winter- oder Frühblüher wie den zweiblättrigen Blaustern, Taubennessel, gelbe Windröschen erst spät zum Leben erweckt (hier in Berlin kann man jetzt an den kalten Stellen noch immer Schneeglöckchen blühen sehen),



während die in den ersten Frühlingswochen blühenden Pflanzen wie Osterglocken in den späteren Startlöchern stehen: man hat also Winter- und Frühlingsblüte dieses Jahr in einem. Das ist selten und somit eine rare Gelegenheit, die Welt in einer neuen überaus reichen Schönheit zu sehen!

Ein paar voreilige in voller Pracht erblühte Pflanzen gab es gestern schon in Marzahn. Dort ist die Forsythie deutlich weiter als hier in Tempelhof.



Und natürlich locken in einem angelegten Garten hier und dort ein paar gesetzte Frühlingsfarben. Überall grüßen kleine Osterglocken und gelbe Narzissen, erste Tulpensorten. Die Bäume tauchen ins frühlingshafte frische Grün, es ist schlicht eine der schönsten Jahreszeiten – wie jede andere auch im Jahr – und dieses Jahr ist sie besonders schön und reichhaltig.



Die legendäre Kirschblüte kündigt sich in Marzahn an, offiziell wird geladen am kommenden Sonntag, 18.4.2010 zum Kirschblütenfest.



Immer wieder bin ich hin- und weg von dieser Schönheit in den Gärten. Und noch nie habe ich es geschafft in die Gärten bei strahlenden Sonnenschein zu kommen. So sind auch diese Fotos wieder geprägt von eher düsterem Himmel und dunklen Farben, denn die Bilder sind gestern bei eher magerem Wetter und zur einer für die Pflanzen-Fotografie im Verhältnis späten Stunde entstanden. Dafür hatte ich das Pentax DA 16-50 f2.8 mit und drauf, es lohnt sich unter solchen Lichtbedingungen – aber kein Objektiv musste ich mir jemals so hart erarbeiten wie dieses! Liebe auf den ersten Blick spielt eine andere Musik.



Aber es ist immerhin schön weitwinklig, um immer noch nicht den kompletten orientalischen Garten abbilden zu können! Kicher. (Das ist natürlich eine plumpe Lüge aber bei den Weitwinkeln stehen immer rechts und links unbefugt Menschen im Sehbereich, was soll man da machen, will man ein höflicher Mensch sein?)



Mit Frau Indica noch im fast leeren Tee-Haus eingekehrt (unbedingt gucken!) und bei Chrysanthemen-Tee mit vielen Kostbarkeiten



schöne Gespräche geführt, dazu Ehefrauengebäck geteilt (als gemeinschaftlich Unverheiratete) und Waffelkrümmel gefangen.



Später als einzige Besucherin durch den japanischen Garten geschlichen.



Es hat seine eigene Größe in dieser Stadt irgendwo spät, dafür fast alleine unterwegs zu sein. Also drei Stunden Urlaub gehabt: in China, in Korea, in Japan – und das alles in einer Stadt namens Berlin.



Dieser Ort muss in 7-10 Tagen der schönste Ort in dieser Stadt sein! Da bin ich sicher. Froh bin ich, dass ich dieses Jahr rechtzeitig die Jahreskarte für die vier Gärten gekauft habe. Die, wie ich gestern gelernt habe, nun für fünf Gärten gilt – denn die Parklandschaft vom Flughafen Tempelhof gehört ab sofort dazu!

Übrigens kamen wir später am Abend zurück nach Kreuzberg, wo es offensichtlich stärker geregnet hatte. Wenn da mal nicht Konfuzius seine sehr freundliche Hand für uns im Wetter-Karma hatte …

2010-04-09

Blick aus dem Küchenfenster



Meine gestrige unverhoffte Fensterputzaktion (auf der einen Hälfte der Wohnung, man soll nicht übertreiben und den Akt als solches auch in vollen Zügen genießen) erinnerte mich an die Aktion von Barabaras Spielwiese vom letzten Herbst, die ich immer vergessen habe durchzuführen. Möglicherweise haben auch ungeputzte Fenster den Blick verhindert, ich erinnere mich nicht mehr …

Ich wohne in Berlin in der denkmalgeschützten Bärensiedlung, die der Besitzer gepflegt verfallen lässt. (Solltet Ihr dem Link folgen, kann ich Euch versichern: die Mieten haben sich deutlich verändert.) Die Anlage ist geprägt von großen Hinterhöfen mit viel Grünflächen und altem Baumbestand.



Ich habe das Glück direkt vor meinem Küchenfenster und dem Balkon einen riesengroßen Spitzahorn stehen zu haben, der das Jahr über einen tief weinroten Blattbestand trägt und von mir sehr geliebt wird. Denn er dient als perfekter Sichtschutz, gleichzeitig ist er Vogelinformations- und -aufenthaltszentrale. In dem Baum sitzt auch abends der Herr Amsel und singt Talytha ihr Abendlied. Momentan hüpfen die Blau- und sonstigen Meisen in ihm hin- und her wie kleine Flaumflummies. Er ist ein Grund, warum ich noch nicht ausgezogen bin aus dieser Wohnung – ich habe noch keine Lösung gefunden, wie ich diesen Baum mitnehmen könnte. Der gesamte Hinterhof ist vor allem im Frühling blühend eine Augenweide. Dieses Jahr hat das hochmotivierte null Ahnung habende Hausmeistergärtnerteam sogar die Forsythien ausnahmsweise einmal nicht direkt vor der Blüte zurück geschnitten. Ich sah mich letztes Jahr gezwungen, das höflich anzusprechen. Und tatsächlich musste ich die botanische Realität diskutieren.



Da die Katzen ihren Futterplatz unterhalb des Küchenfensters haben, will es das Ritual, dass mindestens einmal täglich Tally und ich (sie auf meinem Arm) am Fenster stehen und gemeinsam hinausgucken, um Vogelinventur zu machen oder Hunde-TV gucken. Sie schnurrt dabei begeistert und zur Belohnung gibt es danach einen kleinen Schluck Milch. Ein schöner intimer Moment des Tages. Gucken wir gemeinsam nach rechts aus dem Fenster, sieht man im Hintergrund unten die Müllanlage stehen – der Müllgang ist hier immer mit einem ordentlichen Fußweg verbunden. Die ehemalige Teppichausklopf- als auch Wäschetrocknungsanlage liegt rechts unterhalb meiner Wohnung. Teppiche werden hier kaum noch geklopft, wie wohl anderswo auch. Und Wäsche hängen dort unten interessanterweise nur die polnisch sprechenden Nachbarn auf. Scheint eine Kultur zu sein, die dieses Land ebenfalls verloren hat. Ganz rechts oben seht Ihr die Ausläufer meines kleinen Balkons. Hier wohnen Rosmarin, Rose, Thymian, Lavendel und andere blühende Feinheiten und der kleine schwarzweiße Kater sitzt dort gerne auf dem Balkon und singt wie Caruso in den weiten Hof, der eine wundervolle Akkustik für kleine vierpfötige spanische Minnesänger bietet.

Küchenblicke von anderen Food-Bloggern. Hier geht es zu Barbaras gesammelten Werken

Der Baustein oben auf dem Fensterbrett dient als Sammelsurium für allerlei Küchenhandwerkzeug, das in den zwei Schubladen, die meine Küche nur beherbergt, keinen Platz hätte. Die Idee so einen Stein zu bemalen und als Küchenaccessoire zu benutzen, hatte meine Mutter in den 70igern aus einer Brigitte entnommen. Unser erster Stein war in 70iger Jahre-Schreiendgrün. Mich hat dieser Stein zeitlebens durch mein Leben begleitet und er war das erste Utensil, was ich mir für meine eigene erste Küche für das Küchenbrett bastelte.

2010-04-07

Migration

2010-04-06

Zukunft

2010-04-04

Der Kuchenladen

Neulich mit Frau Indica ihr erstes freies Wochenende nach Wochen zelebriert und mit ersten Frühlingssonnenstrahlen gekuschelt. Der kulturelle Beitrag war der Besuch der Fotoausstellung „Porträts und Stillleben“ von Vera Mercer, die ich nur empfehlen kann! Ihre Fotos sind eine große Freude und Inspiration für mich.

Danach mussten wir den von mir neulich zufällig in der Kantstraße 138 gefundenen „Der Kuchenladen“ testen, der mit solchen Schaufenstern für sich wirbt:



Während ich bereits zum zweiten Mal meine erste Wahl Aprikosen-Mandel-Tarte zugunsten einer Friesentorte aufgab



(beim meinem ersten Besuch war die Mascarpone-Cheese-Torte mit Erdbeere und Basilikumzucker schuld, wegen der ich direkt zu Hause Basilikumzucker „angesetzt“ habe), entschied sich Frau Indica für Espresso-Schokolade, die hier aufgrund schlimmer leidenschaftlicher Tortenanblickverwackelung nicht gezeigt werden kann. Damit die Aprikosen-Mandel-Tarte nicht weinen muss, haben wir uns hinterher noch ein Stück geteilt.



Die Torten sind allesamt im Geschmack sehr wundervoll, schmecken genau nach den Zutaten aus denen sie vorgeben zu sein, dabei immer unauffällig – also offensichtlich nicht aromengetunt – und offerieren eine angenehme längst verloren geglaubte Säure, die sie nie zu süß geschmacklich erscheinen lässt. Ein ursprüngliches Recht, dass der Tortenkonfektionsware heute ja leider nicht mehr zugestanden wird. Kurz: dieser Konditor hat wirklich mehr als nur Ahnung von seinem Metier! Und so hat der Kuchenladen mit Abstand das beste und unterschiedlichste Tortenangebot in der Stadt, das mit in letzter Zeit begegnet ist und – ist endlich mal NICHT in Mitte sondern im wundervollen Charlottenburg etabliert!

Am Wochenende ist das kleine Café fast schon zu klein und man kann sich glücklich schätzen,



erhält man noch einen Platz. Der umfangreiche Ladenbetrieb der Außerhaus-Kuchen-Käufer macht den Aufenthalt etwas umtriebig. In der Woche ist das besser und die Torten sind dann zum Glück genauso gut. Der Service, meist Herren in rosa Hemden, ist schnell und nimmt sich angenehm zurück. Der ausgeschenkte Kaffee schmeckt wundervoll, die Milch ist perfekt geschäumt und beides ist sein Geld schlicht wert. Die Preise stimmen und lassen zum Glück den typischen „Ist Mitte/ist in“-Zuschlag missen. Natürlich kann man dort die grandiosen Torte vorbestellen und die exaltierte Kaffeerunde im eigenen Heim genauso extatisch stimmen, wie sich selbst im Kuchenladen vor Ort. Bitte unbedingt hingehen, es wird für Euch ein glücklicher Moment sein!

Und nun sucht Euch Eure Lieblingstorte aus dem Schaufenster aus:




(Mein persönlicher Favorit: die Kuchen-Volière.)










(Die Torte für Herrn Exit allein! „Das weiße Hirschl am Tortensee“)

Der Kuchenladen, Mo-So 10:00 - 18:30 Uhr, Kantstraße 138 (zwischen Schlüter und Bleibtreustraße), 10623 Berlin – Tortenbestellung nach Bedarf und eigenen Ideen unter Telefon 030 310 184 24.

2010-04-03

O-Ton Berliner U-Bahn

„Jetzt nur noch 2x gewinnen!“ (Sa, 3.4.2009, direkt nach Abpfiff, 3:0.)

(Aus der Reihe: Wer uns Berliner jetzt immer noch nicht begriffen hat, …)

Nennen wir's Frühling!





2010-04-02

Metamorphose



(Passt zum heutigen Feiertag.)

2010-04-01

Feng Shui im Tempelhofer Hafen

Ich kann wie ein Rohrspatz schimpfen auf alles was in dieser Stadt bautechnisch verbrochen wurde, seit dem Fall der Mauer. Das einzige Gebäude der Berliner Neuzeit auf das ich nicht mit verzweifelter Qual gucke, ist das Jüdische Museum. Bei allem anderen wird mir im gemäßigten Fall unwohl. Insofern habe ich damals sehr kritisch geguckt, als man anfing den alten Speicher vom Tempelhofer Hafen zu entkernen, um hier eine der vielgeliebten 1:1 abbildbaren Einkaufshöllen zu integrieren. Da man dem Bezirk ein allgemeines Sterben vorhersagte – nachdem der Flughafen Tempelhof dicht gemacht wurde, der das prognostizierte Wiederbeleben dieses Bezirks in den ganzen 20 Jahren nach Mauerfall auch nicht ermöglicht hatte – fand ich den anlässlich seiner Schließung prognostizierten Bezirksbankrott etwas fern von der Realität geäußert: in keinem Bezirk der Stadt, trotz relativ mittiger Lage, gibt es so viel Büro-Leerstand wie hier. Und auch Miet-Leerstand, denn dank der 4. Stufe der Hartz-Konzeption, dürfen Menschen ohne Arbeit mit Familie keine Vierzimmerwohnungen mehr bewohnen. Dieser Bezirk war schon mit Flughafen mehr tot als lebendig.



Tempelhof sollte also nach Schließung des einen Lufthafens mit Restaurierung der anderen Wasserhafen reanimiert werden. Und auch wenn ich mir den Speicherausbau zur Straßenseite deutlich spannender gewünscht hätte, anstelle der farblosen weißen schnörkelfreien Fassade, zur Wasserseite hin haben sie einen ganz guten Job gemacht. Nun, nach gut einem Jahr der Öffnung, ist der Tempelhofer Hafen als Einkaufsmeile gut akzeptiert. Mittlerweile nimmt auch der Hafen-Ausbau Formen an, die ersten Anlegestellen sind gesetzt – alleine mir fehlt noch das Boot – und die gastronomischen Einrichtungen, in denen man gerne am Wasser sitzend seine Zeit verstreichen lässt, addieren sich in diesem Frühjahr von dem einen Café im letzten Jahr zu mehreren in diesem Frühjahr. Das Gebäude auf der Brücke, der so genannte Wieneke-Bau, das ich ihm Rohbau noch ängstlich als mögliche Parkhauszufahrt zu interpretieren bereit war, hat sich als Behausung für mehrere Fress-Etablissements und einem Ärztehaus geoutet und in der einen Restauration war ich neulich, um mich der Feng Shui-Kompetenz des stillstehenden Hafenwassers hinzugeben.



Noch wird gebaut am alten Speicher der Querachse vor der der alte Kahn „Tempelhofer Liebe“ liegt, die natürlich irgendwann ein Restaurationsschiff sein wird. Und wenn sie endlich wieder die Uhr vom Ullstein-Haus in Gang brächten, könnte eigentlich alles „chic“ sein da in Tempelhof am von mir so geliebten Wasser.



„Sensai“ heißt das Thai-Restaurant, das schon am Anfang zwei elementare Fehler für sich vereint. Es vergisst in seiner Feng Shui bedingten Harmonie die Kommunikation mit dem Kunden und weigert sich außen auf das Vorhandensein oder die Qualität seiner Speisen bildhaft hinzuweisen. Man muss blind Vertrauen schenken und das ist schwierig bei einem Restaurant, das den in Berlin üblichen Spagat von Thai-Küche zur Sushi-Küche macht, womit auch schon Fehler Nummer 2 benannt ist. Zwar liegen Thailand und Japan bekanntermaßen gemeinschaftlich im Asiatischen Teil der weltlichen Anordnung, Nachbarn sind diese Länder deswegen aber noch lange nicht und daher sind ihre Küchen als grundverschieden zu bezeichnen. Warum sich zunehmend immer mehr Läden aufmachen, uns einen nur minimalen Teil (Curryhuhn in rot-gelb-grün und Reisbandnudel) der einen Landesküche mit einem minimalen Teil (Maki, Sashimi) der anderen Landesküche im langweiligen Kollektiv zu offerieren, begreife ich nicht. Aber ich stehe ja auch immer noch fassungslos vor Döner-Buden, die auch Currywürste ohne Zusatzkennzeichnung „aus Rind“ anbieten oder einen auf türkischen Chinesen machen.

Es stehen trotz Sonnenschein draußen viele leere Stühle vor dem Restaurant, das sich innen im Feng Shui-Chic als rund und weich eingerichtet outet – mit ebenso vielen leeren Sitzgelegenheiten. Der mangels Arbeit gelangweilte sehr nette Kellner springt mit Ultraschallgeschwindigkeit auf mich zu und bevor ich in die Karte gucke von der ich eh keine Überraschungen erwarte, entscheide ich mich für eines der über der offenen Küche offerierten Tagesgerichte mit üblicher Tom-Kha-Kai-Suppe und einem Ananas-Minze-Shake und nehme draußen mit Blick auf's Wasser Platz.



Die Thom-Kha-Kai kommt sehr schnell und ärgert mich ehrlich gesagt, weil sie offensichtlich aus Tüten-Curry fabriziert wurde. Allererstes Merkmal dafür: sie ist schlicht versalzen – wie eigentlich alle Suppen dieser Art versalzen waren, die ich in letzter Zeit in dieser Stadt zu mir genommen habe (einzig akzeptable Ausnahme ist die aus dem dreckigen Imbiss in der Brunnenstraße.) Es fällt unangenehm auf, dass die Hühnerfleischstücke einen mundgerechten Passus offerieren über den sich ein Löwe freuen würde – hier mit einem Löffel zu essen, ist es allenfalls eine unangenehme und eine für die Klamotten schwer zu meisternde Herausforderung. Den Rest des Suppenamüsements teilte ich mit der Aufgabe, der in der Suppe in Übermacht vorhandenen in kleine aber eben nicht hauchdünne Streifen geschnittene gefühlt aus mindestens sechs Kaffir-Limetten-Blattsammlung Herr(in) zu werden. Ich überlege, warum ich nicht gleich in der Tierhandlung eine Packung Heu und einen Salzstein geordert habe … und gebe mit dem bitteren Gedanken hier zwangsläufig zu einem Hasen degradiert zu werden bei der Suppe auf.



Lustig finde ich immer, dass die Asiaten, die hierzulande Restaurationen eröffnen, das Speiseangebot in sträflicher Weise dem europäischen Geschmack anpassen, andererseits aber gerne die hier übliche Servierreihenfolge von Hauptspeise folgt Vorspeise gänzlich ignorieren. Der Hauptgang steht also schon auf dem Tisch als ich noch die Blattstreifen in der Suppe sortiere und friert trotz Märzsonne vor sich hin. Die Reisbandnudeln in einer dunklen Sauce sind reichlich bedacht mit Garnelen und frischem Gemüse und einem etwas zu gut gemeintem Haufen Röstzwiebeln. Auch das asiatische Gemüse ist im „Sensai“ bereits eingedeutscht, ich kann mich nicht erinnern, jemals bei einem Thai Rotkohl und Radieschen in meinem Curry gehabt zu haben. Alles in allem bestärkt mich dieser Ausflug einmal mehr in einem Vorurteil: Tempelhof ist kein Bezirk für Asiaten, das FengShui stimmt einfach nicht in diesem Bezirk. Allerdings, was soll ich sagen, ich kann mich eh nicht erinnern in Tempelhof jemals gut oder sogar außerordentlich gut gegessen zu haben!

Lobend erwähnen kann ich aber den Shake, der ist aus frischer Ananas gemacht, das beweisen die noch minimalen Stücke im Shake (weswegen man sich aber das Anreichen eines Strohhalmes auch hätte sparen können) und ist eine leckere Angelegenheit. Und der Blick auf's Wassser war auch reinigend. Nebenan gibt es übrigens Currywurst.

2010-03-31

Eiszeit

2010-03-30

Gegen die Kopfpauschale zeichnen!

Informiert Euch u.a. hier!

Aufruf für ein solidarisches Gesundheitssystem

Die Pläne der Bundesregierung zur Gesundheitsreform untergraben die Solidarität im Gesundheitswesen. Ihre Umsetzung wird auf dem Rücken von Patient/innen, Geringverdienenden und sozial Benachteiligten ausgetragen.

1. Mit der Kopfpauschale zahlen alle einen Einheitsbeitrag - egal, wie viel sie verdienen. Damit stemmen Menschen mit niedrigem Einkommen die Entlastung der Besserverdienenden. Den angekündigten Steuerausgleich müssten Millionen in Anspruch nehmen, was angesichts geplanter Steuersenkungen und leerer Kassen nicht finanzierbar sein wird.

2. Mit eingefrorenem Arbeitgeberanteil werden Kostensteigerungen in der Gesundheitsversorgung allein den Arbeitnehmer/innen aufgebürdet. Das hat eine kontinuierliche Kürzung des Nettolohns zur Folge, denn die Beitragssteigerungen werden sich nicht immer durch höhere Lohnabschlüsse ausgleichen lassen.

3. Zusatzversicherungen sollen ausgebaut und der Wechsel zu privaten Kassen erleichtert werden. Damit verstärkt sich der Wettbewerb um Gesunde und Gutverdienende, der das öffentliche Gesundheitswesen ruiniert. Medizinische Versorgung wird in einem bisher nicht gekannten Ausmaß vom Geldbeutel abhängen.

Deshalb fordern wir: Die gesetzliche Krankenversicherung muss solidarisch finanziert und unter Einbeziehung aller Einkommen weiterentwickelt werden. Sie soll dauerhaft allen Menschen eine gesicherte medizinische Versorgung hoher Qualität garantieren - unabhängig von Einkommen und Alter.

Ich denke 100.000 Stimme dagegen sollten wir mindestens zusammen bekommen! Es geht um Eure gesundheitliche Versorgung, die Ihr jetzt schon teuer bezahlt und die Gesundheitsminister Rössler (FDP) nun zu Euren Ungunsten aber zu Entlastung der kleinen feinen Gruppe der FDP-Wähler Euch noch teurer bezahlen lassen möchte. Also bitte hier bitte gegen die Kopfpauschale zeichnen. Und verlinken bitte!

Film Stills



Wie neulich schon erzählt, waren Foxxi und ich vorletztes Wochenende fotografieren. VHS-Kurs „Film Stills“, zwei Tage durften wir im Rathaus Schöneberg eine Auswahl der Räume (einschließlich der imposanten Bibliothek) und herrschaftliche Treppen gemäß unseren Wunschszenen



ausleuchten lassen und die beiden Modelle mit denen von uns mitgebrachten Requisiten in Szene setzen. Das war alles in allem eine vergnügliche Arbeit und Übung.



Sehr interessant zu erfahren wie der Ehemann der Fotograf und Kursleiterin Ann-Kathrin Greiner, der Beleuchter von Beruf ist, mit vier 800 Watt-Redheads die Szenen ausleuchtete und was wiederum die Bewegung des Fotografen vom Ausgangspunkt mit dem Licht macht, selbst wenn der Aktionsradios wenige Zentimeter ausmacht.



Es hat seinen eigenen Charme wie man dann die Szene im Licht sieht, um später zu erkennen, was die Kamera aus dem Licht und der Szene macht. Gelungen! Aber: das Licht war wiederum zum Fotografieren dann doch zu wenig, über Blende 4 1/60 sind wir nie rausgekommen, Blende 2.8 war mehr Usus und das schränkt die Kreativität doch stark ein.



Trotzdem war's ein schönes Wochenende mit sehr netten Teilnehmern bzw. Fotografen, die ganz klar ihren Spaß nur am Metier, also der Kunst hatten und sich keine – wie sonst leider oft üblich bei Foto-Workshops – Schwanzvergleiche ihrer Technik liefern mussten.



Leider waren gestern in der von Ann-Kathrin freundlicherweise für uns – außerhalb des Zeitplans des Workshops – anberaumten Nachbesprechung nur sehr wenige von uns, die ihre Ergebnisse gezeigt haben – was für mich noch ein inspirierender Moment war. Schließlich haben wir alle mehr oder weniger die gleichen Szenen fotografiert, haben aber aufgrund unserer Anweisungen an die Modelle dann doch sehr unterschiedliche Impressionen aus den Szenen gewonnen.

2010-03-29

Freies Land bei spiegel.de

Samstag schrieb ich erstmals einen Forumsbeitrag bei spiegel.de zu einem Artikel, der die Kritik zu einer Fernsehsendung beinhalten sollte, jedoch eine einzige Zurschaustellung der Abneigung des Autoren zum Sujet der Sendung widerspiegelte. Ich erklärte höflich, dass ich die Dinge anders gesehen und erlebt habe. Ich wies aber den Autor auch darauf hin, dass ich es begrüßen würde, wenn sich die Journalisten des Spiegels einmal mit dem Gebrauch der regulären Anführungszeichen (die sehr wohl jedermann am PC setzen kann) als auch sich mit dem Unterschied eines Gedankenstrichs zum Bindestrich beschäftigen könnten.

Ein Zollzeichen ist nun mal ein Zollzeichen und kein Anführungszeichen und selbst wer nicht die Tasten findet, die im deutschen Schreibgebrauch Niedrig- und Hochstellung des Zeichens zu finden, ein Anführungszeichen sieht völlig anders aus als die Typo, die ein Zoll markiert und somit gehört das korrekte Zeichen verwendet. Und ein Bindestrich hat deutlich andere Aufgaben als der Gedankenstrich, der von spiegel.de grundsätzlich nicht genommen wird, und umgekehrt. Ich kann damit leben, wenn sich Gelegenheitsschreiber mit der deutschen Typographie nicht vollständig auskennen – aber von einem Profi, zu denen ich Journalisten zähle, erwarte ich, dass sich sich bemühen die Sonderzeichen (die ja nicht mal welche sind) korrekt zu setzen. Sonderzeichen, das kann mittlerweile jede Software!

Aber der Spiegel setzt auf seinem Online-Portal ja auch die Ellipse direkt ans Wort, wo gar kein Wortteil ausgelassen wird – überall auf seiner Homepage insbesondere bei jedem Artikel auf der Startseite hinter dem „mehr…“ steht anstatt korrekt „mehr …“ – also falsch.

Vermutlich unnötig zu erwähnen, dass mein Beitrag von der Forums-Redaktion nicht freigeschaltet wurde.

2010-03-27

Wat ‘ne fiese Möpp

Montag habe ich mich noch über ein paar ausufernde Nieser amüsiert und die als Allergie auf den ersten echten Frühlingstag im Jahr abgetan – nach diesem Winter weiß man ja nie. Dienstag dann elementares Flachliegen, gelegentlich unterbrochen durch das Bedienen eines üblichen Reizes bei Entzündungen im Uro-Bereich. Das alles passierte schneller als ich auch nur Zwiebelsirup denken konnte. Das Ganze ging einher mit einer auf drei Tage festgelegten Sehunschärfe und einem direkten Verschluss der Ohren, was mich die Zeit über meinen eigenen Puls durch's Hirn hören und spüren ließ. Das macht insofern wenig Spaß, weil sich das Geräusch verstärkt, bettet man sich zu Bett. Nebenbei macht's nach einem Tag und einer Nacht schon ziemlich weich, nach drei Tagen und Nächten schlicht fertig. Ein passabler Vorgeschmack darauf, wie es sich anfühlen mag, wenn irgendwann einmal ein paar Stimmen zu viel in einem zu einem sprechen werden – würde ich gerne drauf verzichten! Mich hat's beeindruckt, die letzte Erkältung, die sich bei mir auf die Ohren gelegt hatte, gab's vor 20 Jahren und war eher die Folge einer nicht auskurierten Erkältung. Aber so direkt auf's Brot geschmiert? Ich kann mich nicht erinnern.

Ich habe bei keinem Infekt vorher so viele Taschentuchpackungen verbraucht wie bei diesem – und arbeite weiter an diesem Rekord. Und da ist nun das trügerische Gefühl, mich an sich ganz gut zu fühlen, aber dennoch wie eine bis auf die Schale ausgesogene Zitrone. Was mit daran liegt, dass ich das Fieber erst die letzten zwei Nächte – also schon auf dem Weg der Besserung hatte. Das hier ist also die fiese Nummer, die einen zu früh aufstehen lässt, um einen dann noch mal richtig niederzuknüppeln. Der erste Tag gestern wieder draußen, es mussten ja Taschentücher nachwachsen, bringt heute prompt wieder Hals- und Ohrenschmerzen.

Also lange Rede, kurzer Tipp: wenn Ihr diesem echt gemeinen Osterinfekt 2010 ansichtig werdet: direkt um- und abdrehen! Gar nicht erst sich auf die Diskussion, die eine Tröpfcheninfektion so mit sich bringt, einlassen. Das Ding heißt nicht ohne Absicht Infekt und nicht Konfekt!

2010-03-26

Premium- und Balkoncontent in einem



(Die kleine Mistbiene hat eben als ich ihr kurz den Rücken zugedreht habe, sofort versucht den Weg zu gehen, den die Besucherin letztes Jahr gegangen ist und hing schon im Katzennetz, das freundlicherweise gehalten hatte.)

2010-03-25

Bestes Fotografen-Blogpost 2010

für mich bis jetzt: Herr Olsen hat die Fototrends 2009/2010 in einem Foto zusammengefasst.

Neulich bei Facebook …

Yo!

2010-03-24

Dem Westerwelle ist zu wünschen …

dass er sich dieses Artikels über ihn und die darin enthaltene wahrheitsgemäße Kritik annimmt und sich direkt einen Coach besorgt, um sich seinen persönlichen und politischen Fehlern zu stellen.

Der Bürger, wie ihn Westerwelle sich wünscht“, sehr guter Artikel von Tanja Dückers bei ZEIT ONLINE.

2010-03-22

Die Wilde auf den Tisch!

Katha von esskultur feiert heute Premiere: sie hat die zahlreichen vom Koch Meinrad Neunkirchner kreierten Gerichte mit den kleinen faszinierenden und oft unterschätzten Attraktionen, die unsere Natur hierzulande bereit hält, in Worte gefasst und das Buch „„So schmecken Wildpflanzen““ geschrieben, das heute erschienen ist.



144 Rezepte aus 30 alteingesessenen Wildpflanzen wundervoll vom Fotografen Thomas Apolt in Szene gesetzt, machen Lust auf die kommenden grüne Jahreszeit und Sammelspaziergänge. Zum Auffinden der künftigen Tellergenüsse stehen in „So schmecken Wildpflanzen“ den Lesern ein Saisonkalender und der Wildpflanzen-Wegbegleiter erkenntlich zur Seite – so dürfte auch dem noch unbedarften Stadtkind dieses Buch ganz neue Gourmetwelten eröffnen. Anfangen können wir mit dem Nachkochen der Rezepte sofort, denn Gänseblümchen, Löwenzahn oder Brennessel stehen ja in ihren vegetativen Startlöchern und können so jungfräulich auf den Tisch. Appetitmacher sind sichtbar bei Klick auf das Buchcover.

Zu bestellen ist „So schmecken Wildpflanzen“ bei Katha selbst – die gerne signiert, beim heraus gebenden Löwenzahn-Verlag oder wie üblich bei Amazon. Wer Kathas Blog esskultur.at liest, der weiß, dass bei ihr hochkompetentes Wissen und kochende Leidenschaft einhergehen; wer ihr Blog nicht kennt, dem sei versichert: hier stimmt die Qualität!

2010-03-21

Film Stills



Macht Spaß so ein Rathaus nur für sich zu haben …

2010-03-19

Fenchel



Könnte ich momentan morgens, mittags und abends essen: frischer Fenchel, saftige Orange, gutes Olivenöl, Pfeffer, Fleur se Sel.

2010-03-18

Angestellt

Dieser junge Freund hier ist ein Angestellter (Vollzeit) im Berliner Botanischen Garten. Er hat sich dort für lau den Magen mit drolligen Insekten voll zu schlagen und zwischendurch immer mal wieder Modell zu sitzen. Beides macht er gut.

2010-03-16

Aufmerksamkeit

Gestern fragte ich auf twitter unter meinen Followern wie zur Zeit der Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Deutschland in denen der katholischen Kirche nahen europäischen Ländern wie Italien und Spanien über die Vorgänge in unserem Land diskutiert wird. Mich irritiert, wie fast jeden Tag aus irgendeinem beliebigen Flecken dieses Landes neue Berichte über Übergriffe (meist) katholischer Pfarrer und Lehrer gemeldet werden und zunehmend in unseren Alltag einfließen, als sei es beinahe schon normal und üblich.

Auch irritiert mich sehr, dass all diese Meldungen sich ausschließlich auf Vergehen berufen, die angeblich verjährt sein sollen. Da kann etwas nicht stimmen, das hieße, heute passiert das nicht mehr. Wenn das stimmen soll, was ist wann passiert, dass offensiver Missbrauch ausgerechnet nur hier nicht mehr erfolgt ? Missbrauch 2010 – tatsächlich nur von dem lieben Onkel in der eigenen Familie oder vom bösen Nachbarn in der Straße praktiziert? Zur Zeit sind so viele Fragen noch offen und wir scheinen uns immer mehr an den Skandal zu gewöhnen. Und da guckt ein ganzes Land einschließlich seiner Medien, die im Besonderen, auf diesen Papst, einen Papst der unsere Sprache spricht und erwartet eine öffentliche auf dem Vatikanbalkon zelebrierte Reaktion, die er natürlich nie geben wird – gar nicht geben kann. Denn das verbietet sich in diesem Konsortium alter Traditionen und täglich zelebriertem Stillstand. Rückt auch dieser Skandal immer mehr in Ratzingers persönliche Nähe: die katholische Kirche hat noch nie schlechte Erfahrungen mit dem Procedere des Aussitzens gemacht. Warum also nicht auch dieses Mal – zumindest es versuchen?

So interessierte mich, was sagt Europa zu diesen Missbrauchsvorwürfen? Missbraucht wird in dieser Institution doch nicht nur in Deutschland, wer will das ernsthaft glauben? Natürlich nicht repräsentativ aber doch von mir erwartet, die Hinweise von Hande von Vino Roma, die in Rom lebend und arbeitend, primäres Stillschweigen in den Gazetten des Landes vermeldet. Gelegentliche Gerüchte auf den Straßen, weiter getragen von Mund zu Mund, aber dass Zeitungen über den kirchlichen Skandal im Beinahe-Nachbarland berichten? Fehlanzeige! Missbrauch in der katholischen Kirche gibt es im Gottesstaat Italien nicht. Nun ist Berichterstattung im Berlusconi-Medienland eh ein Thema für sich, dennoch selbst für die linke Oposition scheint unser Thema in Rom kein Thema zu sein. Was natürlich eine Reaktion aus dem Vatikan, die einem Zugeständnis gleich käme, unwahrscheinlich macht – wir brauchen uns da wohl nicht zu wichtig nehmen! (Edit: bitte unbedingt den 1. Kommentar von Hande beachten!)

Markus von Text & Blog berichtet zumindest in Spanien von journalistischer Berichterstattung in der El País und somit auf dieser Ebene öffentliche Diskussion in den Kommentaren – die Sorge vor noch mehr Missbrauchsfällen ausdrücken.

Wie sieht es in anderen europäischen Ländern aus? Bekommt Ihr mit, wie in zum Beispiel Polen, Ungarn oder moslemisch geprägten Ländern unseres Kontinents über den Fall Missbrauch in der katholischen Kirche berichtet und diskutiert wird?

Und nebenbei MFA hat ein Stopp-Schild für (katholische) Kirchen herausgegeben.



Ich bin nicht für Sachbeschädigung und rufe auch nicht dazu auf. Aber man könnte so einen Flyer ja Sonntags vor der Messe den Menschen in die Hände drücken. Druck von unten kann Berge versetzen!

2010-03-15

Guck mal einer an!

Der olle Elefant bewegt sich doch, bei Blogger kann man jetzt selber Templates basteln mit dem Template Editor!

Lazy Sundy

2010-03-14

Film Stills



Freitag zur kurzen Vorbesprechung gewesen. Kommendes Wochenende an beiden Tagen von morgens bis abends die Kamera vor den Augen. Das Seminar heißt „Film Stills“ und Herr Foxxi und ich dürfen ein Wochenende lang ein Modell-Paar einkleiden, mit Requisiten quälen und professionell ausgeleuchtet in Szene setzen – das Ganze in weiträumiger geschichtsträchtiger West-Berliner Architektur. Ob dabei in Anmutung der alten Film-Photographie, wie ich sie - an dem Foto oben von der wundervollen Frau Indica unschwer zu erkennen – sehr mag und wonach die Umgebung des Shootings eigentlich schreit oder in farbenfroher Moderne unserer Zeit, steht uns frei zu entscheiden. Ich bringe ein Messer mit, ich hoffe Herr Foxxi denkt an den schwarzen Mantel, die langen Zähne und das Filmblut! Es wird anstrengend werden und sehr sehr spannend. Und hinterher sind wir wieder ein großes Stück klüger – ich freue mich schon sehr!

An dieser Stelle übrigens meinen herzlichen öffentlichen Dank an Frau Indica, die mir wie keine Zweite immer klaglos mit viel Freude und Geduld Modell steht – einfach so, zum Spaß!

2010-03-13

Auf wen ist in dunklen Seiten immer Verlass?

Auf die Titanic!


©Titanic

Ich taufe ihn dann jetzt mal liebevoll den „Guidoyota“.

Marktglück

Letztes Jahr war ich in Südfrankreich und davon ein paar Tage in einem meiner Lieblingsorte in den Cevennes und war – ganz simpel – sehr glücklich und geerdet, weil ich mir wertvolle Menschen nach so langer Zeit wieder in die Arme nehmen durfte, die Luft riechen, die Erde anfassen und endlich an das eine Grab eines ebenso wertvollen Menschen treten konnte. Dieses St. Jean de Buèges ist für mich der Platz an dem alles gut ist. Ich steige dort aus dem Auto und spüre förmlich im Hintergrund die eigenen Akkus wie von selbst voll laden.



Natürlich war ich auch in der Épicerie im Dorf einkaufen bzw. in der nebenan untergebrachten Cave, die neben dem Wein der Region auch die üblichen Besonderheiten der regionalen Produzenten anbietet, unter anderem Honig. Ein allerletztes Glas Miel de Cevennes gab es an dem Tag dort noch und das nahm ich natürlich mit. Früher habe ich immer bei einer älteren Dame den Kilobecher Honig de Lavande aus dem Dorf gekauft, ein Honig, wie ich ihn seither nicht mehr wieder getroffen habe. Leider ist die Dame mittlerweile verschieden und ein Imker direkt im Dorf ist nicht nachgewachsen. In Berlin zurück, habe ich später den Honig geöffnet und war perplex von seiner geschmacklichen Qualität. In diesem Honig ist jeder Sonnenstrahl drinnen, den man sich nur wünschen kann – ein tiefer warmer Geschmack, etwas herb im Abgang, tiefes Sonnengelb in der Farbe. Ich glaube, man muss Honig sehr mögen um mit diesem hier ins Reine zu kommen, so unverschämt geschmacksintensiv ist er. Definitiv kein Honig, den man im Tee versenkt. Ich war mehr als begeistert und beauftragte den damals ebenfalls vor Ort weilenden besten Ex-Freund der Welt mir noch ein Glas von dem Honig zu erkämpfen, in der Hoffnung, die Épicerie hätte vielleicht eine neue Lieferung erhalten. Hatte sie nicht. Im Internet habe ich ebenfalls gefahndet, es gibt zwar von anderen Produzenten Honig gleichen Namens aber der Produzent von „meinem“ Honig scheint von dieser Welt nichts zu halten. Ich hege und pflege dieses Glas Honig und trotzdem ist es schon unter dem Level der Hälfte seines Inhaltes abgesunken – mit Genuss und Bedauern gleichzeitig.

Heute früh war ich in Charlottenburg unterwegs und bemerkte, dass der Wochenmarkt meiner Kindheit im Pestalozzikiez noch offen hat und schlenderte darüber. Natürlich hat auch dieser Markt sich gewandelt und nicht mehr viel gemein mit dem üblichen Angebot der alten Wochenmärkte von früher. Heute muss alles betont Bio sein, der Käse betont Französisch, die Blumen betont exotisch, das Gemüse betont exquisit, selbst die Kartoffeln sind betont gereinigt … und manchmal vermisse ich die die Tradition der Kohlenkeller doch sehr. Im Schnitt kostet auf diesem Markt alles 1-2 Euro mehr als es auf den Märkten hier in Neukölln kostet. Charlottenburg. Eben. Dann lief ich an einem der Stände vorbei, der hauptsächlich lecker duftende Hartwurst anbietet und was stand da auf einem Podest? Mein Honig! Stehen einfach so mitten in Berlin auf einem Markt drei Gläser mit dem Miel de Cevennes rum und warten offensichtlich nur auf mich! Ganz nebenbei für beinahe die Hälfte des Preises, den man im unverschämt teuren Südfrankreich dafür bezahlt. Die Verkäuferin war sichtlich erstaunt über meine leidenschaftliche Freude und meinen kurzentschlossenen Großeinkauf.



Ich fühle mich heute wie ein Goldjäger, dem der Fund seines Lebens gelungen ist! Und die Adresse von dem Laden in Prenzelberg, wo es diesen Honig gibt, habe ich nun auch. Ich liebe diese Stadt!