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2026-02-28

Erchie in Apulien zelebriert San Giuseppe, den Vatertag

Der Vatertag in Italien, der am 19. März stattfindet, ist generell dem heiligen Vater San Giuseppe gewidmet. Der Vater von Jesus Christus ist hoch angesehen im katholischen Italien. Kein Wunder also, dass jeder zweite Mann in Italien Giuseppe, Josef, heißt. Auch in Apulien wird der Vatertag als Geburtstag von San Giuseppe zelebriert, ein Fest mit Prozessionen. Serviert werden die köstlichen Zeppole di San Giuseppe und gleichzeitig nimmt man den Feiertag zum Anlass, überall den Abschied vom Winter zu feiern – und voller Vorfreude den Frühling zu begrüßen. Dieser besondere Feiertag wurde erstmals im Jahr 1479 erwähnt.
In Süditalien ist um diese Zeit der Frühling bereits voll in seinem Element, die Obstbäume blühen, zwischen den Olivenbäumen sprießt das fette Grün. Die Tage sind schon angenehm warm, wenngleich die Nächte noch sehr kalt sein können. Die Regenschauer werden seltener, dafür begleitet blauer Himmel und die hochstehende Sonne durch den Tag.
Zelebriert wird der Feiertag je nach Region oder Gemeinde durchaus unterschiedlich. In Giurdignano im Salento wird der Vatertag mit den wundervollen Il Tavole di San Giuseppe – den gedeckten Tischen des heiligen Giuseppe – zelebriert und die Armenspeisung nachgelebt. Ich hatte euch dorthin bereits im Blog mitgenommen.
Auch der Ort Erchie in der Provinz Brindisi im Salento zelebriert den Vatertag und Winterabschied mit der üblichen Prozession. Im vergangenen Jahr durfte ich den besonderen Feierlichkeiten, die sich über zwei Tage erstrecken, beiwohnen. Anlässlich seines Ehrentages wird San Giuseppe nach der Messe am Vorabend des 19. März auf der Sänfte aus der Wallfahrtkirche Santuario di Santa Lucia getragen – und hält dabei als sichtliches Merkmal das kleine Jesuskind auf dem Arm.
Ein Bildnis, das wir eher von Darstellungen der Mutter Maria kennen. In Erchie wird er von sehr vielen Menschen und von der Blaskapelle begleitet und zu einem großen Vorplatz gebracht.
Natürlich begleitet von den in Apulien alle Festivitäten schmückenden bunten Lichtern.
Dort erwartet ihn ein riesengroßer Scheiterhaufen, aus Stroh und Olivenreisig aufgetürmt und mit Bildnissen von San Giuseppe geschmückt.
Eine fast ebenso große Bühne steht in der Nähe – und die Bewohner und Gäste Erchies warten, teilweise amüsieren sich schon auf dem Platz die Kinder in den kleinen Fahrgeschäften.
Rund um den Scheiterhaufen, keine Sorge, Giuseppes Statue wird in ausreichendem Abstand platziert, zelebrieren Feuerschlucker ihre Kunst. Im späteren Verlauf werden zwei große Reispapierballons in die Luft entsendet – zum Gedenken an zwei Mitglieder des Organisationsteams, die diesen besonderen Tag leider nicht mehr erleben durften. Bin ich ein bisschen berührt angesichts dieser schönen Geste? Ja, bin ich.

Es folgen Reden, die üblichen langen Danksagungen, und es werden Geschichten erzählt. Natürlich wird San Giuseppe gesegnet und mit einem gemeinsamen Vaterunser bedacht.
Immer mit dem grandiosen Enthusiasmus und Pathos, wie ihn nur Italiener parat haben. Während wir mittlerweile in der dann doch noch sehr kühlen Frühlingsnacht ordentlich frieren, wird der Countdown heruntergezählt – und dann beginnt ein grandioses und minutenlanges Feuerwerk, das wunderschön anzusehen ist. Ich finde, jeder Winter, der so laut und kunstvoll verabschiedet wird, jeder Frühling, der so bunt begrüßt wird, kann sich darauf etwas einbilden! Was für eine Show uns geboten wird!
Am Ende des Feuerwerks entzünden die letzten Raketen den Scheiterhaufen, der dann mit imposanter Macht dank seiner Größe niederbrennt – unter den Ahs! und Ohs! und Applaus von uns Zuschauern. Habe ich eben noch gefroren? Na, nun garantiert nicht mehr! Im Gegenteil. Es war ein grandioses Spektakel, ehrenamtlich organisiert und absolut sehenswert!
Keiner Feier in Italien ohne gemeinsame Speisung, sie lässt uns zu dem Stand führen, an dem Ehrenamtliche in feiernder Stimmung die schon seit Tagen vorbereiteten, regionalen Köstlichkeiten verteilen.
Sie laden uns großzügig ein zu Wein und Pasta mit Muscheln und Tomaten, die in riesigen Pfannen in viel Olivenöl geschwenkt werden, und uns wärmt wieder einmal mehr die unglaubliche Lebensfreude und Gastfreundschaft der Apulier*innen das Herz. Allein wie sich diese Menschen über einen Teller Pasta freuen können – mich erdet es ungemein.
Und über allem liegt die frohe Aussicht auf den Frühling, der tagsüber bereits deutlich präsent ist.

Am Vatertag selber wird natürlich weiter gefeiert. Auch innerhalb der Familien wird der besondere Tag den Vätern gewidmet: Sie werden mit Rosen und den köstlichen Zeppole beschenkt. In Echrie werden auf der Piazza rund um die relevante Kirche Echries, die Wallfahrtskirche Santa Lucia, viele Tische aufgebaut. An bis zu 40 Tischen werden Speisen angeboten, die die Ehrenamtlichen und Mitgliedeer der Vereine gekocht und gebacken haben, von den Unternehmen der Stadt finanziell unterstützt. Das Festmahl, La Mattra, besteht aus den Speisen der Region. Was auffällt: Sie sind besonders hell, vielleicht der nun immer früher aufgehenden Sonne entsprechend: Taralli, Salate aus Kichererbsen, frittierter Fisch, Blumenkohl, L’ampasciuni (eingelegte Zwiebeln der Traubenhyazinthe), Pasta – heute mit Honig serviert, frittierte Pettole und Chiacchiere, getrocknetes Obst und Nüsse.

La Mattra bezeichnet im lokalen Dialekt eine rechteckige Holzkiste, in der früher große Mengen Mehl mit Livieto madre und Wasser mit den Händen zu dem Teig für das Pane Pugliese verknetet wurden – sie steht symbolisch für Wohlstand und Überfluss und auch sie wird man ausgestellt anlässlich des Festes hier und dort aufgebaut sehen.
Aus einem Teig aus Mehl und Wasser werden in Echrie kleine Küken – die L’Uccellino – geformt, gebacken und mit einem Gruß vom San Giuseppe als Glücksbringer verteilt! Früher war es der Brauch, beispielsweise, wenn eine Unwetterkatastrophe drohte, dass man diese Vögelchen zerbröselte und ihren Teig in alle Winde zerstreute – damit sollte ein etwaiges Unheil abgewendet sein.

Natürlich folgt ganz Echrie auch am Vatertag dem Ruf in die Kirche, San Giuseppe, der Schutzpatron der Arbeiter, Zimmerleute und der Familie, hat in der Nacht in die Kirche Santa Lucia zurückgefunden. Erneut wird er in einer Prozession im Tageslicht durch die Stadt getragen und gefeiert – mit dem Segen des Erzbischofs von Oria. Das passiert genau um 12 Uhr und alle gedeckten Tische werden dabei gesegnet. Salutschüsse signalisieren das Ende des Umzugs und geben gleichzeitig den Startschuss zum gemeinsamen großen Mittagessen zu Ehren von Vater San Giuseppe.

Bei strahlendem Sonnenschein mit leichten Schäfchenwolken werden Fahnen geschwungen – von den „Brüdern” der Erzbruderschaft der Unbefleckten Empfängnis (ja, selbst die unbefleckte Empfängnis hat sich das Patriarchat offensichtlich angeeignet), auch die Blaskapelle ist wieder lautstark dabei.

Es ist Frühling in Echrie und ganz Apulien – und ab jetzt werden in Süditalien offensichtlich wieder die Sonnenbrillen getragen. Also lasset die Feste beginnen!

2026-02-24

10 Jahre Lyon Street Food Festival

Ach Lyon!
Les Berges du Rhône, face au Grand Hôtel-Dieu © Brice Robert Photographe for Only Lyon Tourisme

Damals … naja, also als ich noch mit wahlweise dem (sehr geliebten) Citroën AX oder später dem Peugeot 106 si von Berlin über Aachen nach Südfrankreich in die Cevennen gefahren bin, lag auf dem Weg immer Lyon. Die Ausfahrt von Lyon zu passieren, das war immer das Zeichen, dass der größte Teil der Reise hinter uns lag und der Süden Frankreichs begann. Ab Lyon war irgendwie … Urlaub. Nur noch vier Stunden bis nach Saint-Jean-de-Buèges – aber ab da mit viel mehr Abwechslung, die uns wach sein ließ. Oft sind wir in der Nacht (wir waren immer Nachtfahrer) durch Lyon gefahren und haben diese schöne Stadt in völliger Ruhe genießen dürfen.

Ja, ich gebe es zu: Ich habe Sehnsucht! Nach dieser Stadt, die seit 2.000 Jahren der südliche Gegenentwurf zu Paris in Frankreich ist. Die mit ihrer Entwicklung zu einer modernen Stadt mit kunstvoller Ausrichtung der französischen Hauptstadt wirklich Paroli bietet. Deren historischer Stadtbereich bereits 1998 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt worden ist. Wunderschön Vieux-Lyon, die Altstadt, die ein einziges wunderschönes Festival der Renaissance-Architektur ist! Oder der arbeitende Hügel, Croix-Rousse, das frühere Zentrum der Seidenweber. Schließlich befinden wir uns in der Region der früheren Seidenraupenzucht und Seidenspinnerei.

Der Zusammenschluss der größten Flüsse Frankreichs, der Rhône und Saône, die im Süden der Altstadt aufeinander treffen und mit ihren kleinen Nebenflüssen, Lyon fast so etwas wie venezianischen Charme verleihen, brachte Lyon den Titel wichtigste Handelsstadt im westlichen Europa ein. Es gibt so unendlich viel zu entdecken in dieser wunderschönen Stadt, die ihre Schönheit in die heutige Moderne hinübergerettet hatte.
Vue panoramique sur la Saône vers le quai Saint-Antoine, © VL for Only Lyon Tourisme

Und dann … Paul Bocuse. Der Koch aller Köche, Koch des Jahrhunderts, wurde in Collonges-au-Mont-d’Or in der Nähe von Lyon geboren und machte mit seiner Geschichte Lyon zum Mekka der Nouvelle Cuisine. Und das heißt in Zahlen: Alleine in Lyon locken 5.300 Restaurants um die Gunst ihrer Gäste aus dem In- und Ausland. Alle mit dem Erbe dieses großen Künstlers ihrer Zunft im Gepäck. Man kann hervorragend essen in Lyon. Und viel.

So feiert in diesem Jahr das Lyon Street Food Festival in den Hallen des Les Grandes Locos, der ehemaligen Lokomotiven-Hallen, sein zehnjähriges Bestehen. Vom 10. bis 14. Juni wird hier gekocht, probiert, gegessen und getrunken. Hierfür treffen sich 140 namhafte Köche aus dem In- und Ausland, die ihre Kunst zelebrieren und ihre Kochkunst einem Publikum aus Connaisseuren präsentieren. Lyon ist eine einzige köstliche Party mit Musik und Kultur – die nicht nur auf den Tellern stattfindet.
Le quartier Saint-Georges vu depuis la Saône, © NinOVersaLPhotographY for Only Lyon Tourisme

Lyon ist von Deutschland aus direkt mit der Bahn zu erreichen. Über 1.200 Kilometer Radwege machen das Automieten im Grunde überflüssig. Über 400 Leihstationen von Velo’v im Stadtgebiet verteilt, ermöglichen es Touristen, Lyon bequem mit dem Rad zu erkunden. Oder man setzt auf die City Card, die preislich mit 29,90 Euro für das 24h-Ticket beginnt, dafür kostenlose Nutzung des ÖPNV, freien Museumseintritt, Sightseeing Cruise auf der Saône und eine geführte Tour auf dem Croix-Rousse bietet.

Wer durchaus luxuriös residieren möchte in einer der spannendsten Städte Frankreichs – in die Räume eines Renaissancegebäudes aus dem 14. Jahrhundert ist das Hôtel Cour des Loges Lyon (Radisson Collection) frisch eingezogen. Florentinische Innenhöfe, französische Kassettendecken, römische Säulen – alles wurde charmant erhalten und mit dem heutigen Anspruch einer 5-Sterne-Hotellerie ergänzt. SPA-Bereich mit Pool, Fitnessbereich und 61 individuellen Zimmern bzw. Suiten, dem Bistro Le Comptoir und Gourmetrestaurant Les Loges – unter der Leitung von Küchenchef Anthony Bonnet, der sich schon mit 29 Jahren seinen Michelin-Stern erkochte.

Kurz: Lyon ist immer einer Besuch wert!


Radisson Hôtel Cour des Loges Lyon
6 Rue du Bœuf, 69005 Lyon, Frankreich
Telefon: +33 4 72 77 44 44

2026-02-02

Das Tote Meer – the Dead Sea

Und dann stand ich da – zum ersten Mal in meinem Leben am Toten Meer!
Das erste Mal habe ich vom Toten Meer in der Grundschule im Erdkunde-Unterricht bei Frau Schmidt gehört. Frau Schmidt war eine strenge, aber durchaus herzliche Lehrerin, vor der wir alle großen Respekt hatten. Ich erinnere mich, dass ich bei Frau Schmidt über die Jahre dreimal im Unterricht nach vorne ging, mit der Bitte, auf die Toilette zu dürfen, denn ich habe mir mit einer Vorliebe – die ich heute nicht erklären kann – vor allem in ihrem Unterricht Milchzähne gezogen.

Jedenfalls erzählte uns Frau Schmidt im Rahmen des Lehrplanes irgendwann von diesem Meer, in dem man nicht wirklich untergehen kann – und ich war, wie alle Mitschüler*innen sehr davon fasziniert und konnte es kaum glauben. Nur: Frau Schmidt mit ihrer großen Hornbrille stand nie im Verdacht, uns Kokolores zu erzählen. Später begegnete mir das Tote Meer nochmals im Biologieunterricht, Thema Salz und Dichte. Nun, die Logik verdichtete sich – aber die Faszination blieb.


Ein Meer ist ein See ist ein Salzsee

Dann liegt es vor dir: Yam Hamelah! Tatsächlich sind wir im Bus schon eine Weile entlang des Toten Meeres gefahren, das unter einem falschen Label da so liegt – am tiefsten Punkt der Erdoberfläche. Es ist lediglich ein großer See, ein ziemlich toter See dazu, mit einem hohen Salzgehalt von bis zu 30 Prozent, normale Meere bieten da lediglich drei Prozent.
Das Salz des Toten Meeres besteht zum geringsten Teil, nämlich nur zu acht Prozent, aus dem (wenn man es so nennen darf) gesünderen Natriumchlorid. Magnesiumchlorid (53 %) und Kaliumchlorid (37 %) regeln hier vorrangig den Salzgehalt und diese Salze sind durchaus nicht ungefährlich für den menschlichen Organismus. Mit einer Gesamtfläche von 900 Quadratkilometern, mit einer Länge von 90 Kilometern und 17 Kilometern Breite ist er ein beeindruckend großer See. Er teilt sich in ein nördliches und ein südliches Becken. Die Rohstoffgewinnung aus dem See geschieht vorrangig im südlichen Bereich des Sees.
Und ja, Salzgehalt und Wasserstand variieren je nach Seebereich und Klimasituation. Dieser See trägt das Schicksal, das heutzutage die meisten Seen unseres Planeten leider erleiden müssen: Sie werden immer weniger.

Wenigstens muss man keine Sorge haben, hier von einem Fisch angeknabbert zu werden oder dem israelischen Ungeheuer von Loch Ness zu begegnen. Der See ist – von einigen hartgesottenen Mikroorganismen und Sooren abgesehen – so tot wie Ur-Ur-Urgroßomi.


Der Weg zum Toten Meer – ein visueller SPA-Aufenthalt

Wir hatten unser Tagesprogramm straff durchgezogen an diesem Tag, denn wir wollten nicht noch einmal erleben, wie am Tag zuvor: die Bootsfahrt auf dem See Genezareth in tiefer Dunkelheit, weil es halt auch in Israel im Dezember deutlich früher dunkel wird. Die Bootsfahrt war natürlich dennoch charmant, aber gesehen haben wir, außer dunkler, feuchter Materie und ein paar Lichtern am Ufer, nicht viel vom See. Bedauerlicherweise.
Alleine die Fahrt zum Toten Meer entlang der jordanischen Seite ist faszinierend, begleitet von vorbei huschenden Datteln, die sich mit der Wüstenlandschaft abwechseln. Dattelpalmen sind übrigens die einzigen Bäume, die mit dem Salzgehalt im Boden gut klarkommen.
Das Tote Meer war früher viel größer und natürlich sind die Böden hier immer noch sehr salzhaltig, was einfach nicht viel Flora natürlich gedeihen lässt. Die Wüstenlandschaft wird immer wieder von hohen Tafelbergen durchbrochen, die … bedenkt man, dass man sich mehrere hundert Meter unter dem Meeresspiegel befindet, dann so hoch gar nicht sind. Diese Landschaft ist einfach herrlich traumhaft schön!
Je nach Sonnenstand schimmert das Tote Meer grünlich bis dumpf-türkis oder in einem zarten Rosé.


Im Toten Meer baden – wie ein Ausflug in den Physik-Unterricht!

Während wir an der Industriezone (Gewinnung von Salzen, Phosphat, Brom und Pottasche) und am –für uns zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten – Massada vorbeifahren und in die belebteren Zonen auf der israelischen Seite dank der üblichen Hotelbauten kommen, erklärt uns Reiseleiter Karl eindringlich die Do’s und Dont’s im Toten Meer. Unter dem Strich ist der Aufenthalt im Meer tatsächlich nicht so ungefährlich und, wie ich im späteren Verlauf für mich feststellen durfte, dadurch irgendwie auch etwas langweilig.

Denn: Schwimmen ist im Toten Meer eigentlich nicht. Tauchen auch nicht wirklich. Auch wenn es vielleicht physikalisch durchaus möglich ist – natürlich gegen mehr Widerstände, dann nur mit wirklich gut sitzender Tauchmaske. Man will (und sollte) das Salz einfach nicht in die Augen bekommen und es bitte schön auch nicht versehentlich trinken. Nicht einmal probeweise. Der hohe Salzgehalt wirkt ätzend und tut auch den Filterorganen im eigenen Organismus kein bisschen gut.
Die maximale Aufenthaltsdauer im Toten Meer sollte nicht viel länger als 20 Minuten betragen. Der hohe Salzgehalt dehydriert bei längeren Aufenthalten den Körper, das kann zu Kreislaufproblemen führen, schlimmstenfalls bis zum Herzstillstand. Der auch Grund ist für die meisten Todesfälle durch Ertrinken in diesem See. Also 20 Minuten, dann am Strand das Salz auf der Haut etwas einwirken lassen für wenige Minuten für die dermatologische Wirkung, dann aber unbedingt mit Süßwasser sorgsam abspülen. Und Wasser trinken. Wer gefärbte Haare hat, sollte diese besser unter einer Badekappe verstecken, das Salz – laut Karl – macht interessante Dinge mit künstlichen Haarfarben.

Dass man nicht länger im Meer bleibt, dafür sorgt übrigens auch die Strandwacht sehr deutlich und regelmäßig mit Ansagen. Und tatsächlich lässt sich sagen: Alle, die hier professionell mit dem Meer arbeiten, zeigen einen wissenden Gehorsam vor diesem besonderen Medium.
Wir waren dieses Mal rechtzeitig im Hotel in Ein Bokek und durften sehr schnell einchecken im (beeindruckenden) Prima Oasis SPA Hotel, um schnell noch bei Tageslicht ins Meer hüpfen zu dürfen. Das war perfekt, die meisten Hotelgäste hatten ihren Strandtag hinter sich gebracht – wir hatten das Meer, das auch im Dezember nicht wirklich kalt ist (und im Sommer bis zu 40 Grad haben kann), im Prinzip für uns alleine. Und das war jetzt im Dezember noch angenehm warm, leicht erfrischend.
Tatsächlich treibt man wirklich problemlos auf dem Meer, muss sich aber auf den Drehpunkt konzentrieren, damit man eben nicht versehentlich mit den Augen und dem Mund in Kontakt mit dem Wasser gerät. Das Wasser umschmeichelt den Körper mit einer leicht öligen Schicht und das Bad wird obendrauf von einem leichten Schwefelgeruch begleitet. Das ist alles charmant und sehr gut auszuhalten, aber ich persönlich bin dann doch eher Fan von Schwimmen dürfen, Strecke machen, abtauchen.

Ich glaube aber sofort, dass es Patienten mit Hautkrankheiten oder auch Atemproblemen hier sehr gut gehen wird – und wie gut, dass Krankenkassen im Fall hier die Kosten von Kuraufenthalten übernehmen. Einige Hotels haben auch barrierefreie Zugänge mit Rollstuhlrampen, die in den See führen.



Das Prima Oasis SPA Club Hotel

Wie gesagt, unser Check-in war im Prima Oasis SPA Club Hotel perfekt vorbereitet, damit wir noch im Tageslicht das Meer genießen konnten. Roomcard und den Zeitplan, wann ein jeder von uns im SPA gebucht war, und wir durften in der obersten Ebene einen traumhaften Blick auf den See genießen

Das Hotel liegt direkt an der Straße, die es nur vom Strand und Toten Meer trennt, direkt an der Bushaltestelle. Es verfügt über ein Buffet-Restaurant als auch Fine Dining Restaurant, Bar, einem SPA-Bereich und einem Outdorpool.
Der hauseigene SPA-Bereich offeriert ein umfangreiches Wellnessangebot. Wir durften eine kuschlig-dreckige Thalassobehandlung genießen, der ich dann noch einige Sauna- bzw. Haman-Aufenthalte folgen ließ. Denen mein erstes Schabbat-Buffet folgte, denn inzwischen war Freitag und Karl hatte (die sehr wenigen von uns, die zuvor nie in Israel gewesen waren) in die Rituale des Schabbats eingewiesen. Das Prima Oasis SPA Club Hotel hatte beim Abendessen die koscheren, üblichen Schabbat-Gerichte separat von anderen Speisen angerichtet – und es gab auch einen Sitzbereich im Restaurant, der augenscheinlich vorrangig von Juden in Anspruch genommen werden durfte.

Im Hotel stand ich vor meinem ersten Shabbat Elevator (Schabbat-Lift), den uns Nicole Dreyfus freundlich erklärte. Tatsächlich ist es in Israel in Gebäuden Pflicht, dass es Fahrstühle dieser Art gibt. Erst 2001 hatte die Knesset (Einkammerparlament des Staates Israel) festgelegt, dass es in Neubauten mehr als nur einen solchen Fahrstuhl geben muss.
Juden ist es verboten, am Schabbat, dem jüdischen Ruhetag, Feuer anzuzünden. Übertragen in die heutige Zeit, dürfen sie in der Zeit ab Freitag nach Sonnenuntergang bis zum Samstagabend und dem Erscheinen der ersten drei Sterne am Himmelszelt, weder einkaufen noch arbeiten noch elektrische Geräte bedienen. Da ein Fahrstuhl üblicherweise auf Knopfdruck nur reagiert, ist ein Shabbat Elevator im Prinzip ein moderner Paternoster mit Türen. Er fährt automatisch hoch und runter, stoppt automatisch auf jeder Etage und öffnet seine Türen, um Fahrgäste aufzunehmen bzw. auf der Wunschetage zu entlassen.

Nun, je nach Höhe eines (Hoch-)Hauses kann das eine Weile dauern. Ich habe leider den Fahrstuhl im Prima Oasis SPA Club Hotel nicht einmal die Türe öffnen sehen, während ich auf einen der anderen Fahrstühle wartete. Habe aber auch keine Menschen auf diesen Fahrstuhl in dieser Zeit explizit warten sehen. Jedenfalls bin ich von seinem rituellen Hintergrund durchaus angetan.
Den Tag ließen wir draußen im Hofgarten gemütlich mit spielender Katzenfamilie ausschleichen, während die hochtalentierte Sängerin in der Bar die Party steigen ließ.
Tatsächlich werde ich das Prima Oasis SPA Hotel als das Hotel mit den großzügigsten Loungebereichen in Erinnerung behalten. Überall, ob drinnen oder draußen, gab es gemütliche Sitzmöglichkeiten ohne Ende – nie gleich konzipiert!
Ob modern gestaltet, cosy oder luftig kolonnial – so konnte jeder nach Gusto seine persönliche Lieblingsecke entdecken. Mich hat’s begeistert.



Der Sonnenaufgang am Toten Meer – magisch!

Am nächsten Morgen stellte ich mir den Wecker angemessen früh, um den Sonnenaufgang auf dem Meer zu erleben. Das Wetter spielte klassisch nicht mit. Dennoch hatte ich eine wundervolle Zeit während meines Strandspazierganges, durfte mich der Fotografie hingeben und bekam Aufnahmen, die man bei klarer Sicht eben auch nie bekommen hätte.
Und vor allem durfte ich die einzigartige Schönheit der (harten) Salzblumen in stiller Ruhe betrachten.
Und das große Faszinosum der Gezeiten erleben. Während vor dem Sonnenaufgang das Wasser eine spiegelglatte, unfassbar kaum bewegte Oberfläche zeigte, ist, sobald die Sonne aufgegangen war, auch das Tote Meer zum Leben erwacht und zeigte von einer Sekunde auf die andere leichten Wellengang.

Ich durfte mir angucken, wie langsam das Strandleben erwachte. So früh noch einmal vor der Abreise ins Meer zu gehen, war gar nicht möglich. Die Strandaufsicht war da streng mit uns. Zurück ins Hotel zum Kaffee und zur Dusche, Frühstück und Abfahrt nach Masada.
Ich war am und im Toten Meer, erlebte meinen ersten Schabbat in Israel, habe einen Schabbat-Lift getroffen und niemand kann mir diese Erlebnisse mehr nehmen. Mit sehr viel Dankbarkeit getippt. Wenn das, die wundervolle Frau Schmidt wüsste.



Prima Oasis SPA Club Hotel
Anschrift: Ein Bokek, Dead Sea 8693000
Homepage: https://www.prima-hotels-israel.com/oasis-spa-club-hotel-dead-sea
Mail: oasisds@prima.co.il
Phone: +972-3-5522220

2026-01-25

Crottole – Stadt des Honigs

Sich treiben lassen auf Reisen und widrige Umstände annehmen, sie sein lassen, das kann wirklich schöne Momente schenken.

Einen solchen Moment erlebten wir im Herbst letzten Jahres in der Basilikata. Und das kam so: Uns begleiteten eine kurze Zeit der Reise ein langjähriger Freund von Pino mit seiner Tochter. Beide waren auf dem Weg an die Küste des Tyrrhenischen Meeres, wo sie ihre Wurzeln haben. Die Tochter war zuvor noch nie in Matera und Pino wollte ihr die Stadt zeigen. Ich kann sowieso nicht oft genug in Matera sein und bin selbst über den kürzesten Ausflug in diese Stadt (in der ich immer öfter das Gefühl habe, dann zu Hause zu sein) sehr froh.

Also besuchten wir Matera. Dummerweise zwangen uns im Umfeld der Stadt uns nicht bekannte Bauarbeiten in Staus, die wiederum unsere Zeitplanung – Mittagessen mit einem Freund Pinos – ziemlich zerschossen hatten. Wir hatten uns verfranzt, das half dem Termin auch nicht auf die Sprünge (und nein, nicht immer ist Elektronik dabei eine Hilfe).
Irgendwann also vertagten wir das Treffen mit dem Freund und reisten durch die Gegend. Mit dem Wissen, wir sollten in baldiger Zukunft irgendwo eine Gelegenheit zum Essen finden – der Süden Italiens ist, ich erwähnte es mehrfach schon, zeitlich strikt geregelt, was das Pranzo anbelangt.
So fuhren wir durch die schöne Landschaft mit ihren Hügeln und landwirtschaftlichen Flächen (die Basilikata auch gerne als Garten Italiens bekannt), teilweise schon abgeerntet, teilweise schon wieder neu bestellt. Was sollte uns passieren?
Der Himmel war blau und mit hübschen Schäfchenwolken bestückt, wir hatten Urlaub und irgendwo im Hintergrund, 30 Autominuten (falls kein Stau stört) von Matera entfernt, erblickten wir einen der typischen Orte in der Basilikata. Gebaut rund um eine Anhöhe, auf deren Spitze ein Castello ruht.
Crottole. Wer alt genug ist, erinnert sich an die schweren Erdbeben in den Abendstunden des 23. November 1980 in ganz Süditalien, denen über 3 000 Menschen zum Opfer fielen und über 400 000 Menschen ihrer Wohnungen und Häuser beraubt wurden. Crottole hatte, wie viele Dörfer in dieser Region, schweren Schaden nehmen müssen.

Viele Menschen dieser Region sind daraufhin weggezogen, die wenigsten wollten hier mehr wirklich neu bauen. Dennoch sieht man der Stadt an, dass ihre Bewohner immer noch an sie glauben. Tatsächlich findet man die Spuren der grausamen Naturgewalt heute noch in dem Ort – und wenn es stützende Gerüste sind, die mittlerweile vor sich hinrosten.
Knapp 2000 Einwohner zählt Crottole heute – in der Sternstunde dieser Stadt, so um 1010 n. Chr., waren es über 13 000 Einwohner. Damals hieß sie auch noch Cryptulae, kleine Grotten. Der Tatsache gehorchend, dass heute noch unter der Stadt viele prähistorische Grotten zu finden sind. Das über allem thronende Castello Feudale entstammt dem 9. Jahrhundert n. Chr. – als diese Gegend vom Fürstentum Salerno regiert wurde. Auch das Castello zeigt heute noch die Wunden des Erdbebens.

Als wir in Crottole auf der Via Nazionale hineinfuhren, grüßte uns stolz das Schild „Stadt des Honigs”. Das sind Neuigkeiten, auf die Menschen wie Pino, Sibi und ich (und auch unsere Begleiter) natürlich sofort hereinfallen. Ach, Honig! Durch die Straße rasende Traktoren, signalisierten deutlich welche Tageszeit geschlagen hatte!
Wir liefen ein paar erste Meter durch die Stadt, rechter Hand eine kleine Salumeria mit prachtvollem Gemüse in der Auslage, linker Hand eine Bar, Bar Trattoria Quaranta, die nicht wirklich den Eindruck eines Restaurants auf mich machte.
Aber das ist auch der Charme Italiens: Wenn man denkt, da geht man vielleicht besser nicht hinein, das sieht nicht sooo gemütlich aus – ruhig hinein mit euch! Meist passiert die Magie in irgendeinem Hinterzimmer und die Küche schmeckt göttlich!
Nun, Pino kennt natürlich die regionalen Gepflogenheiten seiner Heimatprovinz, also traten wir ein, fragten nach einem Mittagessen und wurden zu dem Zeitpunkt noch als erste Gäste in einen fantastisch, leicht skurril dekorierten Hinterraum geführt.
Der sich übrigens kurze Zeit später sehr füllen sollte – ein simples Zeichen dafür, dass wir hier mehr als richtig waren.
Mit einem irrsinnigen Tempo servierte man uns erst den Wein (zum Wasser) und dann die deftigen Antipasti mit Schinken, Speck, …
… feinstem Käse und Nodini, …
… Oliven und eingelegtem Gemüse.
Später Pastagerichte mit duftender Sugo …
die Orecchietti mit aromatischen Cruschi! Die übrigens in einem weiteren Hinterzimmer vor sich hin trockneten.
Beste einfache Küche mit den fantastischen Produketen der Heimat namens Lucania.
Während ich von der hochbetagten, sehr gepflegten Patronin ins Herz geschlossen wurde, von deren Erzählungen ich nicht so viel verstand, sie aber außerordentlich genoss – und das ist halt der Unterschied zu unseren deutschen einfachen Gaststätten, wo selten mehr Austausch stattfindet neben der Bestellung. Im italienischen Gegenentwurf freut man sich immer über neue Gesichter und will deren Geschichte erfahren.
Pino, der trotz seines Alters sich immer noch die Neugierde eines kleinen Kindes bewahren konnte, fragte natürlich auch nach dem Honig, den die Stadt zu ihrem besonderen Namen verholfen hatte. Ich liebe diesen Stolz der Italiener, den ich in Deutschland sehr vermisse: Da schafft jemand ein gutes Produkt, das vielleicht sogar prämiert wird, und die ganze Gemeinschaft derer Heimat ist stolz wie Bolle!
Kurz nachdem wir das Essen beendet hatten, betrat ein hübscher junger Mann die Szenerie, mit vier Honiggläsern im Beutel – und erzählte uns seine Geschichte und stellte uns seinen Honig vor. Und was für Sorten! Korianderhonig (Coriandolo) Süßkleehonig (Sulla), Trifoglio (Klee) und Millefiori (Tausend Blumen) – insgesamt elf Sorten – bekannt unter dem Namen L’Oro Dei CampiDas Gold der Felder!
Rocco Filomeno (links im Foto, rechts Pino) ist in Grottole aufgewachsen und fand schon als Kind Bienen spannend. Imker ist er erst nach seiner Ausbildung zum Friseur geworden. Seine Leidenschaft für die schöne Landschaft Lukaniens, die absolut nachvollziehbar ist, hat ihn zu einem mittlerweile im Land sehr anerkannten Imker werden lassen. Diese Liebe ist aus der seiner Familie zu ihm entstanden, denn sie war es, die ihm das erste Buch über Imkerei zusammen mit seinem ersten Bienenstock geschenkt hatten. Daraus sind binnen zwölf Jahren 150 Bienenstöcke geworden und er ist der Vater von über 90 000 Bienen, mit denen er je nach Jahres- und Blütezeit durch die Region zieht – ein Bienennomade. Und wird mit seinem Honig hochgeschätzt, von dem sein Millefiori 2020 als bester Honig dieser Bezeichnung in der Basilikata prämiert wurde, 2022 wurde sein Kastanienhonig mit dem Tre Grocce D’Oro (Grande Mieli D’Italia) sogar als bester Honig Italiens prämiert. Kein Wunder, dass alle seine Honige von 2025 – zumindest in seinem Onlineshop – ausverkauft sind. Und dass sich Crottole ihm zu Ehren nun Stadt des Honigs nennt.

Daran sind aber auch wir ein bisschen schuld, denn, obwohl er so liebenswürdig war, mir die mitgebrachten Honige zu schenken (und ich bin sehr dankbar dafür, sie sind wirklich köstlich!), haben wir alle noch vor Ort bei ihm ordentlich eingekauft. Für uns selbst, Pino und Sibi für die Trattoria. Aber … merkt euch den Namen L’Oro Dei Campi und die Webadresse für die nächste Honigsaison, schreibt ihm eine Mail, es lohnt sich wirklich!

Wir haben also Crottole zufällig gefunden, haben diesen Ort sehr satt, reich beschenkt und im Honigglück verlassen – und möchten unbedingt wiederkommen. Auch das ist die besondere Schönheit Italiens.