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2026-01-21

Tage, die es nie gab

Ich bin neulich in der Mediathek über die deutsch-österreichische Krimiserie „Tage, die es nie gab” gestolpert, weil dort auf die zweite Staffel aufmerksam gemacht wurde. So habe ich dann die erste Staffel jetzt erst mir angesehen und … wow! Großartiges Fernsehen. So klug initiiert, aufgebaut und überraschend. Jede Folge erzählt die Geschichte von vier Frauen, deren Männern, einer üblen Scheidung, einem Kind mit Suizid und einem abgestürzten Schuldirektor, dessen Todesfall als Cold Case wieder aufgerollt wird nach drei Jahren.

Mit einer großartigen Sissi Höfferer, die ich sehr vermisst habe die letzten Jahre, die mit ihrem Nachwuchskriminalbeamten sehr fein akzenturiert stille humorvolle Momente kreiert (und von ihm, Spoiler, in der zweiten Staffel wieder in ein Hotelzimmer gesteckt wird). Es ist so fein!

Fantastisch Jutta Speidel als Karrierefrau a. D. und dann wieder i. D., deren Verhältnis zu Doris, ihrer Tochter ein bisschen fragwürdig ist. Wenn man ständig denkt, der alten hätte ich schon längst jeden Kontakt untersagt, Diana Amft aber als Doris' Tochter zu seicht, deren permanente Bissigkeit respektiert.

Beiden Frauen, Sissi Höfferer und Jutta Speidel, ist hoch anzurechnen, dass sie sich dem Schönheitsdiktat des Alterns im deutschen Schauspielwesen pragmatisch versagt haben. Sie sind schöner gealtert als beispielsweise Iris Berben, meiner Meinung nach.

Auch ganz wundervoll Jasmin Gerat, die ich sehr schätze, der man das Bemühen und ihr Leiden in den Auseinandersetzungen mit dem späterpubertierenden, drogenabhängigen Sohn absolut abkauft, während Wanja Mues als ihr Ehemann ziemlich blaß bleibt in seiner Vaterrolle.

Grandios überraschend in einer ernsten Rolle als (sehr) gut aussehender Ehemann von Doris und TV-Starkoch: Rick Kavanian. Aber sie spielen alle wundervoll – ein grandioses Cast durch und durch.

Vor allem hatte mich die Serie mit diesem Schuldirektor so an meine Schulzeit erinnert am Gymnasium. Geschichts- und Sozialkundenlehrer Herr Frank. Stellvertrender Schulleiter. Zigarrenraucher. Hässlich wie die Nacht, immer unangenhem müffelnd. Ein kleiner Mann (wir haben ihm immer eine Nazi-Vergangenheit unterstellt), der seine Komplexe an uns mit vorsintflutlichen Lehrmethoden abarbeitete. Der kollektive Klassenhass auf ihn war enorm.

Ein Beispiel war, dass sich die ganze Klasse hinstellen musste, wenn er den Raum betrat und ihn begrüßen musste in militärischer Strammstehmanier. Dann wurden Geschichtszahlen abgefragt. Wer traf, konnte sich setzen. Die letzten drei, die noch standen, hatten dann für den Tag eine sechs kassiert. Ja, genauso motiviert man Schüler zum Unterricht. Ich weiß heute nicht eine einzige Jahreszahl mehr (außer 1936 und 1945) oder sonstiges Datum. Er war auch so ein Winzling, der Schüler vor allen anderen Schülern gerne bloß stellte. Mich schüttelt es heute noch, wenn ich an den Kerl denke. Der hat mir den Spaß an Geschichte richtig vermasselt.

Lange Rede: „Tage, die es nie gab” lohnt es sich sehr zu sehen. Und unbedingt die erste Staffel vor der zweiten gucken. In der ARD Mediathek.

2026-01-19

KI-Gespräche

Ich hatte gestern das spaßigste Get-Together mit einer Künstlichen Intelligenz, das ich bis dato haben durfte.

Gestern früh fuhr ich mit der S-Bahn Richtung 100. Grüne Woche. Am Hauptbahnhof stieg ein Mann laut telefonierend ein und schmiss sich in das Abteil, neben meinem, sodass wir uns diagonal gegenüber saßen. Er war vielleicht etwas jünger als ich. Vom Typ „zu früh, zu lange und zu intensiv mit illegalen Substanzen in seinem Leben Bekanntschaft gemacht“, laut. Einer, der Aufmerksamkeit braucht. Und – dafür hat er sich ziemlich smart ein Ventil gesucht. Und gefunden. Zunächst.

Nach dem Telefonat wussten er (und ich und viele andere Fahrgäste), dass er am S-Bahnhof Charlottenburg aussteigen sollte. Er legte auf und fragte sein Smartphone und die KI (mit weiblicher Stimme), ob er mit seinem ICE-Ticket (ab Hannover) wirklich in der Folge mit dem Ticket auch im Berliner ÖPNV bis zu seiner Zielstation fahren dürfe.

Die KI antwortete ihm, dass er das dürfe.

Wollte er ihr nicht glauben, und hakte nochmals nach, unterbrach sie aber in ihrer zweiten Antwort ziemlich rüde, dass er, wenn das nicht stimmen würde, sie für die Strafe verantwortlich machen würde.

Die KI lehnte das aber ab und überließ ihm den Vortritt bei der Ticket-Verantwortung.

Fand er nicht gut. Und erklärte ihr erneut, dass er das Ticket nicht bezahlen müsse, das wäre dann ihr Ding.

Sie erklärte ihm, dass sie das gar nicht könne, denn sie sei nur eine elektronische Auskunftshilfe.

Er bestand darauf, sie das bezahlen lassen zu wollen.

Sie verneinte seinen Anspruch.

Er erklärte ihr, er hätte die Konversation jetzt gesichert und ja, sie würde verantwortlich gemacht werden. Sie müsste bezahlen!

Sie erklärte ihm, dass sie als KI weder über ein Konto noch über Geld verfügen würde und schon deswegen aus der Nummer raus wäre.

Das nötigte ihn wiederum, ihr zu erklären, dass es ihm genauso ginge.

Sie erklärte ihm, sie könnte nicht für sein Handeln verantwortlich gemacht werden.

So ging das hin und her. Vier Stationen lang.

Das Faszinierende dabei war: Der hatte diesen Widerspruch ganz klar noch humoristisch begonnen, die ersten vier Konversationen hatte er Spaß. Doch dann genau nicht mehr, denn er wurde zur KI unhöflich (sie bestimmt), nutzte Wörter, die sich in einer Kommunikation eher nicht ziemen. Die feminine KI mit „Alter!” anzusprechen, war dabei noch nett. Tatsächlich erklärte er ihr danach, sie würde ihn nerven.

Aber entließ sie auch nicht aus der Konversation, die er zunehmend doof fand, weil sie ihn wiederum nicht aus seiner Verantwortung der Ticketfürsorge entließ. Aber auch immer leiser mit ihr sprach. Ich unterstellte ihm ein langsames Begreifen, dass er aus dieser Situation nicht mehr als coole Socke herauskommen konnte. Er antwortete kürzer. Das Ganze hatte mittlerweile etwas von: „Du bist doof.” „Nee, du.” „Nein, Du!” „Nein, nein. Du bist richtig doof!”

Sie wurde indes, sich anpassend an seine kürzeren Sätze, in ihrer Kommunikation deutlich kürzer, knapper – signalisierte in der ihr einprogrammierten Höflichkeit ganz klar: Du nervst, Dude! Das ging immer so dreimal hintereinander, und beim vierten Mal setzte sie doch wieder zu einem längeren Erklärbär-Passus an: „Wenn du mit einem ungültigen Ticket fährst, ist das dein Problem, und es ist dein Job, für ein gültiges Ticket zu sorgen“ an.

Dabei ist mir, die sich aus unterschiedlichen Gründen grundsätzlich nicht mit der Stimme meines Smartphones unterhält, auch aufgefallen, dass die KI ja grundsätzlich das letzte Wort haben muss, weil sie sich am Ende bedankt. Sie ist immer die, die sich nochmal bedankt, den Sachverhalt wiederholt oder noch einmal nachfragt. Also wer schnell davon genervt ist, dass jemand das letzte Wort haben will, kann ja eigentlich mit dieser Form von Elektronik null Spaß haben.

Jedenfalls kurz vor dem S-Bahnhof Charlottenburg, wo er aussteigen musste, beendete er relativ leise für sich die Konversation. Woraufhin sie sich nochmals meldete, ihm für das Gespräch dankte und daraufhin darauf verwies, dass er für kein Ticket die möglichen Konsequenz…

Weiter kam sie nicht.

Er hatte ihr mechanisch das Wort abgedreht. Daraufhin meldete sich erneut die KI seiner Routenplanung zu Wort, die er vorher wohl nach dem Fahrweg gefragt hatte, um ihm zu erklären, dass er jetzt auf dem Bahnhof nach vorne aust…

Nee, er war fertig mit elektronischer Kommunikation für den Moment. Grummelte nur: „Wen interessiert’s, in welche Richtung ich aussteigen muss!“ (Berliner S-Bahn-Fahrer*innen wissen, dass gerade am S-Bahnhof Charlottenburg das durchaus richtig wichtig sein könnte.)

Dafür, dass ich den Typen von Anfang an wirklich unangenehm fand mit seinem polterigen, lauten Auftreten, hatte ich am Ende fast so etwas wie Mitleid mit ihm. Mit der KI aber auch.

2026-01-16

Guten Tag!

Mein Name ist creezy, ich bin 60 Jahre alt und habe heute zum ersten Mal eine Pizza gefrühstückt.

Ein halbe Pizza. Von gestern aus dem Restaurant mitgenommen, wegen Nachhaltigkeit und so.

Wenn viel Käse drauf war, mit etwas Olivenöl in der Pfanne aufgebacken, geht's eigentlich.

2026-01-11

Kleine unschuldige

Schneemänner töten.

Wie traurig muss (s)ein Leben sein?

2026-01-07

Geschirrspülersalz …

… ist auch so ein Produkt, das du* einmal vergessen hast auf Vorrat nachzukaufen. Und dann sendet dir der Geschirrspüler Signale. An einem Sonntagnachmittag nach feistestem Geschirrgelage. Und Montag vergisst du es wieder zu kaufen. Und irgendwie am Dienstag …

Aber dann! Dann kaufst du gleich zwei Packungen, eine auf Vorrat. Und vier Wochen später siehst du welches im Angebot und nimmst auf Vorrat eine Packung mit. Zwei Monate später stehste im Drogeriemarkt, kaufst Geschirrspülmittel und denkst: „Ach, Salz könntest du auch gleich mitnehmen. Da gab es ja vor Jahren mal einen persönlich implementierten Engpass.” Und vier Monate später steht es direkt neben dem Angebot der Katzenstreu und du packst es mit ein. War da nicht einmal was?

* = Ich, streichelt zärtlich ihre umfangreiche Geschirrspülersalzsammlung

2026-01-05

Erste komplette Verkaufswoche in einem neuen Jahr …

… und ewig grüßt die China-Bioprodukte-Gymnastikwoche bei allen Discountern.

Schon leicht ermüdend. Mindestens fantasielos.

2026-01-01

Herzlich willkommen 2026!

Ich hoffe Ihr seid alle gut durch- und reingekommen. Habt bitte ein bonfortionöses Jahr! Bleibt gesund und munter – ich möchte euch im nächsten Jahr um diese Zeit noch alle bei mir haben!

Steht mit den richtigen Menschen aufrecht zusammen. Genießt eure Zeit auf diesem Planeten. Liebt euch und lasst euch wertschätzen. Und vergesst es bitte nicht, weil es leider so viele andere Menschen in dieser Zeit wieder zu vergessen scheinen: Arme Menschen, Menschen mit Behinderungen, Menschen von woauchimmerher – sie sind nicht eure Feinde. Sie tun euch nichts!

Das sind die reichen, weißen Menschen mit zu viel Geld und den falschen Ideologien!

Fight it 2026!

2025-12-17

Krähen-Freundschaft

Das ist Krähe.
Krähe befindet sich täglich am Vormittag auf dem Baum vor meinem Arbeitszimmer ein. Wenn ich Krähe erblicke und direkt aufstehe, um ihr eins, zwei, drei Walnüsse vom Balkon zu werfen (zielgerichtet auf den Weg, damit Krähe nicht erst die Nuss noch knacken muss), dann ist alles gut. Wenn nicht, macht Krähe draußen freundlich rabatiös mich auf sich aufmerksam.

Was Krähe aber immer macht, wenn ich huldvoll die Gaben vom Balkon geworfen habe, ist drei Mal zu krähen. Krähe und ich sind uns einig: Ich bin hervorragend fernzusteuern. Und Krähe ist außerordentlich höflich erzogen.

Ich mag Krähe. Und habe neulich gelesen, dass Krähen solche Erlebnisse, Routinen, die sie wertschätzen (bzw. natürlich auch gar nicht wertschätzen) an ihre Nachkommen vererben. Wir können also festhalten: Ich bin bis an das Ende meiner Tage als winterlicher Nusslieferant bei Krähe und den Krähen, die ihr folgen werden … geliefert.

Möge der Walnuss-Reichtum immer mit mir sein!

2025-12-15

Läuft gerade prima!

Ceranfeld kaputt.
Geschirrspüler kaputt.

Aber hey, Shiinchen ist gesund!

2025-11-02

Immerhin …

… heute mit einer Lässigkeit und Routine und Perfektion den Display- und Kameraschutz vom Smartphone ohne Katzenhaar-Fluseneinschluss gewechselt …

Ich erkenne mich ja selbst nicht mehr wieder!

2025-10-21

Kleine Empfehlung am Rande

Es ist nun wieder die Zeit in der wir uns fröhlich kleine unsichtbare Monster rumreichen. Wie sinnvoll es daher ist, Masken zu tragen – vor allem, wenn die Monster bei einem selber schon tätig sind, ist unbestritten.

Was ich aber wirklich empfehlen möchte, wenn ihr keine Masken im öffentlichen Raum tragen möchtet: Nasenduschen! Einfach regelmäßig, gerade, nachdem man sich mit sehr vielen Menschen gemeinsam in einem geschlossenen Raum aufgehalten hat, eine nette Nasenspülung am Abend.

Wir wissen – spätestens seit Covid – wie stark man sich mit diversenen Infekten auseinander setzen muss, das hängt unter anderen mit der empfangenen Virenlast zusammen. Nasenduschen können die Virenlast deutlich verringern! Einfach am Abend raus mit den ungebetenen Gästen. Die braucht doch eh keiner.

Nasenduschen sind der ganz heiße Scheiß – auch im Winter 2025/2026!

Ich schwöre übrigens auf dieses Modell. Einfaches Handling und unterschiedliche Nasenstöpselgrößen.

Und nein, Nasenduschen sind nicht iehhh oder doof. Lasse ich nicht gelten, weil ich natürlich auch mal so drauf war. Aber einfach regelmäßig durchziehen – dann regiert sehr schnell die Gewöhnung und man denkt nicht einmal mehr darüber nach, dass Nasenduschen unangenehm sein könnten. Alleine hinterher diese feie Nase, das könnte glatt mein Fetisch sein! (Spaaaaaß)

2025-09-27

So Kinders!

Ich erkläre hiermit den Sommer 2025 offiziell für beendet, denn …



… ich werde morgen die Lüfter in den Keller bringen.

2025-09-02

I'm Growing Old!

Heute ist der 2. September 2025 und wenn es in den nächsten vier Wochen okay für mich läuft, werde ich am 2.10. runde und ganze 60 Jahre alt.

Zack! Es ist so, und da geht es mir wohl wie sehr vielen Menschen, die diese Marke erreichen dürfen: Gestern war ich noch 25 … und wie bitte bin ich hierhergekommen und warum ist diese Zeit, gefühlt, schneller vergangen als man die Wartezeit zwischen zwei S-Bahn-Zügen empfindet?

Ich stolpere gerade ein wenig. Das Gesundheitliche möchte ich nicht sehr streifen, da bin ich pragmatisch unterwegs. Da hat es Menschen meiner Generation etwas besser getroffen als mich, andere aber auch deutlich schlechter. Die familiären Prognosen stehen auf eher weniger Zeit noch zu haben, geht man vom Durchschnittsalter meiner Eltern und dem der biologischen Großeltern aus. Was mich vielleicht da hinaustragen könnte, ist mein doch etwas gesünderer Lebensstil. Er wurde mir übrigens ermöglicht, weil sich mein Land zu meinen Lebzeiten nie in einem Krieg befinden musste. Und ja, dank meines wundervollen sozialen Umfeldes.

60 ist eine Marke. Mit 50 kann man sich immer noch (naiv) einreden: Wenn es richtig gut läuft, kann ich noch einmal genauso viel Zeit vor mir haben. Die Nummer funktioniert mit der 60 nicht mehr. Das ist auch merkwürdig, denn ich denke jetzt natürlich auch nicht: Okay, sind’s halt noch einmal 40 Jahre. Irgendwie markiert diese Zahl eine Linie, an der man eher auf einen Gedanken kommt, wie: „Tsja, vielleicht haste noch zehn oder zwanzig gute Jahre vor dir.”

Ich bin in eine gute Zeit geboren worden. Familiär ganz klar sehr schwierig, denn als Kriegsenkelin ist man nicht unbedarft in dieses Leben geschickt worden. Mit einer Mama als Pflegekind, gab es eben diese eine Familie nicht – über die natürlich immer der Kriegsschatten mit dem „Wie ist es zu ihrer Empfängnis gekommen, wenn ihre Mutter sie als Kind weggibt?” auch schwebte.

Die Kriegserlebnisse meines Großvaters und meines Vaters, der 1938 geboren wurde – in der Folge waren beide stark alkoholkrank. Die eine Oma, hart gebeutelt nicht nur mit dem mehrfach suchtkranken Ehemann, deren Schweigen über Russen und russische Männer alles sagte, die so auch keinen allzu hellen Schatten über unsere Familie legen konnte. Trotz aller ihrer wirklich liebevollen Bemühungen.

Die andere Oma, die Pflegemutti meiner Mama, die wohl etwas mehr Glück in dieser Zeit hatte. Man wird nicht sorgenfrei groß als Kind in einer solchen Welt, knappe junge 20 Jahre nach einem Kriegsende. Man wird auch nicht sorgenfrei groß in einer Stadt, die geteilt ist, und in der man in der Familie groß wird, in der dieser Trennungsschmerz an allen familiären Feiertagen spürbar ist – zwischendurch auch. Ja, es standen wieder mehr Häuser in Berlin als direkt nach 1945. Trümmer und Häuserlücken gab es aber in meiner Kindheit immer noch in Berlin, wie auch so viele Lebensentwürfe in Trümmern lagen, und mit ihnen das Familienwohl – auch mit Lücken.

Und dennoch: Geboren bin ich in eine Aufbruchstimmung hinein. Frauen, die sich mit neuem Selbstbewusstsein für politische Anerkennung engagierten, so dass das Gleichberechtigungsgesetz 1958 in der BRD Kraft trat, (die DDR war früher klüger). Ein wirklicher Meilenstein für uns Frauen in diesem Land. Es hieß, uns Frauen würde jetzt die Welt offenstehen.

Erst aber immerhin dann vier Jahre nach meiner Geburt wurden auch (verheiratete) Frauen in Deutschland gesetzlich voll geschäftsfähig. Und erst zwölf Jahre nach meiner Geburt durften Frauen selber bestimmen, ob und wo sie arbeiten gehen, ohne sich dem Diktat ihres Ehemannes zu beugen. Kann man sich heute kaum noch vorstellen, oder? Aber das war noch Thema in der Ehe meiner Eltern. Meine Mutter musste früh nach der Geburt von uns Kindern arbeiten gehen, weil mein Vater aufgrund seines Alkoholismus immer wieder seine Arbeit verlor. Aber wenn er der Meinung war, einer der Kollegen meiner Mutter wäre zu aufmerksam zu ihr gewesen, konnte er ihren Job kündigen. Was er auch tat. Ein Glas Suff zu viel und meine Mutter war draußen – und wusste oft nicht, wie sie uns ernähren sollte.

Ich habe das noch erlebt. Ich kann euch daher gar nicht sagen, wie sehr ich diese Trad Wife-Mode zutiefst verabscheue. Was für selten dämliche Weibsbilder sind das eigentlich?

Für meine Generation hieß es in diesem Land geschlechterübergreifend und auch überhaupt: Wir können alles werden, was wir wollen! Es hieß, wir würden entscheiden, ob wir das Abitur machen oder nicht. Das war ein Stück weit etwas naiv, denn es saßen zu meiner Zeit immer noch alte Männer aus der Nazizeit unseren Schulklassen vor und gestalteten natürlich die Lebenswege von uns Schülerinnen noch ein Stück weit mit nach ihrer Überzeugung – über unsere Zensuren. Es hieß, wir Frauen konnten studieren – selbstbestimmt den Studiengang wählen. Wir jungen Frauen konnten selber entscheiden, welche Berufe wir erwählen.

Nein, das war längst noch nicht die totale Freiheit, denn vor allem wer regional in Deutschland sehr eingeengt als Mädchen damals erwachsen wurde, hatte immer noch an vielen Ecken mit dem Diktat von Männern zu kämpfen. Männern, die sich der gleichberechtigten Moderne dieser Zeit ganz bewusst – und den Frauen gegenüber aktiv, wenn auch hinterhältig – entsagten. So wie es übrigens der aktuelle Bundeskanzler gerade tut.

Aber ja, unser Selbstbewusstsein war enorm, dank vieler Frauen, die sich in dieser Zeit nicht mehr einem patriarchalen Diktat folgen wollten. Gerade meine Generation hat unfassbar viel von ihnen profitiert! Mit welch großer Fassungslosigkeit ich heute auf eine Frau wie Julia Klöckner herabgucke, wie rückständig ich diesen deutschen Bundeskanzler erlebe, wie noch rückständiger ich die Frauenpolitik der AfD (so sie überhaupt existiert) erlebe, ich kann es nicht beschreiben.

Ich bin also groß geworden mit einer wirklich engagierten, kämpfenden Frau, die ihr Leben nie wirklich leicht leben durfte als Mutter. Meine Mum war eine Löwin! Und dennoch musste ich oft sehen, wie ihr – immer von Männern – Steine in den Weg gelegt wurden. Steine, die mir nicht mehr oder sagen wir, nicht mehr in der Häufigkeit, im Weg lagen. Meine Generation hatte eine verheißungsvollere Zukunft.

1971 trat erstmals das Bundesausbildungsförderungsgesetz in Kraft! BAföG ermöglichte Schulabgänger*innen eine gleichberechtigte Ausbildung, auch wenn Eltern nicht allzu viel Geld zur Verfügung hatten, um ihren Kindern ein Studium zu finanzieren. Die Schere zwischen armen und reichen Menschen sollte sich beruflich damit deutlich verkleinern – und tat es auch.

Was durfte ich in meinem Leben für tolle – vor allem noch neue – Moden erleben! Während heutzutage junge Menschen nur noch Repliken meiner Zeit als ihre Fashion tragen. Die beste vielfältige Musik wurde in meiner Jugend geschrieben, grandiose Songs, die heute (meist leider als nicht ganz so gute) Dancetracks gecovert werden. Ich durfte immer reisen, wohin ich wollte, bekam die Grenzen der anderen Seite Deutschlands nicht aufgezwungen von einem totalitären Staat (den viele dieser Menschen mit der AfD nun wieder wählen möchten).

Ich konnte daran glauben, dass ich alles werden kann, alles erreichen kann. Auch für Menschen, die sich nicht reich erben würden, stand in meiner Generation durchaus im Raum, eines Tages über z. B. Wohneigentum verfügen zu dürfen. Generation IT – mein Gymnasium, die erste Oberschule mit Personal Computern und Unterricht (wenn auch nur im Wahlpflichtfach) in Berlin – die aufregende Zeit von PCs im Hausgebrauch ging los und meine Generation, ich, war mittendrin. So viele Anfänge, die ich mitgehen konnte, von denen ich profitieren konnte – aber auch Firmen, Prozesse, sogar Software, deren Ende ich miterleben musste. Abschiede erleben musste.

Meine Generation war die Generation, die mit dem Damoklesschwert Klimakrise aufwachsen musste. Es gab Ölkrisen, es gab schon das Waldsterben. Den Kalten Krieg. Kluge deutsche Ingenieure entwickelten mit an Katalysatoren für Autos, Solartechnik, Kunstherzen, Defibrillatoren als Implantate – wir waren eine so tolle wissenschaftlich forschende Nation, international anerkannt.

In unsere vor allem für uns Frauen errungenen recht jungen sexuellen Freiheit, crashte dann in den 80ern HIV. Aber wir erlebten und lebten damals auch eine unfassbar große internationale Solidarität, vor allem in der Musik- und Kunstszene. Videos, MTV. Was meine lahme Englischlehrerin uns nicht beizubringen vermochte, schaffte MTV in den Jahren, in denen der Sender hier in Deutschland in englischer Sprache ausgestrahlt wurde.

Wir sind gegen Atomwaffen auf die Straßen gegangen, ich erlebte, wie sich die Weltnationen annäherten. Rüstungsabbau, weil die Vorzeichen positiv waren. Ich durfte als noch junger Mensch Zeitzeugin von Solidarność sein, ich durfte dabei sein, als das wirklich Unglaubliche geschah: der Mauerfall. Und das durfte ich hier, in dieser Stadt, in meinem Berlin erleben.

Ich bin in eine verdammt gute Zeit hineingeboren worden. Vielleicht die Beste? Bin in ein Land geboren worden, das soviel Sicherheiten seinen Bürgern über lange Zeit offeriert hatte, dass es mich zu einem der privilegiertesten Menschen gemacht hat. Und lassen wir meine kleinen persönlichen Glücksmomente und auch Unglücke beiseite – dafür bin ich voller Dankbarkeit und weiß das so sehr zu schätzen!

Aber ich stehe jetzt mit ganz bald 60 mit so großer Ratlosigkeit vor unserer Gesellschaft in diesem Land und wie dieses Volk seit Jahrzehnten den politischen Rückschritt immer und immer wieder wählt, in die neue Deklassierung von uns Frauen. In ein Deutschland, das wieder Barrieren errichtet gegenüber anderen Menschen, seine Freiheiten abwählt. Seinen Fortschritt kaputtrechnet zugunsten einiger weniger Eliten. Altbekannte Irrwege offensichtlich wieder neu gehen will.

60 Jahre. Ein bisschen weise. Mit großer Zukunftsorge. Kalte Angst. Nun denn, was auch kommt. Noch einmal 50 Jahre habe ich ja nicht. Zum Glück, vielleicht.

2025-08-30

Lana Kaiser – geb. Daniel Küblböck

Puh. Ich habe mir jetzt die dreiteilige Dokumentation zu Lana Kaiser in der ARD Mediathek angesehen, die nun seit Februar 2021 gerichtlich für tot erklärt wurde, nachdem sie am 9. September 2018 mutmaßlich selbstbestimmt von Bord eines Kreuzfahrtschiffes gegangen war. Und sie ist nicht leicht zu verdauen.

Ich habe – damals noch als Daniel Küblböck – natürlich diese erste Staffel von „DSDS – Deutschland sucht den Superstar” gesehen und mich über den ausgeflippten jungen gerade 16 Jahre alten Mann, der immer sehr überzeugend in seinem charmanten, überdrehten, immer herzlichen, offenen Wesen war, amüsiert. Und ja, mich hatte natürlich das Zwischenspiel von ihm und Dieter Bohlen unterhalten. Und auch, ich habe sein stimmlich mäßiges Talent belächelt. Wie wir wohl fast alle.

Ab jetzt respektiere ich im weiteren Text den Transformationswunsch von Daniel zur Frau. Und schreibe von Lana Kaiser auch in der Vergangenheit, in der sie als Daniel lebte.

Lana war irgendwie nicht von diesem Stern. Reizend, so jung und naiv. Viel zu offen für die Medienwelt. Und mit diesem unerschütterlichen Drang, in unserer Öffentlichkeit stehen zu wollen.

Einer Öffentlichkeit – und das möchte man nach dieser Dokumentation jedem jungen Menschen anraten – gescheut werden sollte, wie der Teufel das Weihwasser. Mir war nicht bewusst, wie sehr dieser so junge Mensch damals das muss ich so deutlich sagen: auch ein Stück weit noch Kind mit 16 Jahren – so sehr gemobbt wurde von unserer Gesellschaft.

Klar, kommt man an den Schlagzeilen dieses einen Schmutzblattes eh nicht vorbei. Aber wie sich die restliche Gesellschaft zu einem offensichtlich nicht unerheblichen Teil hier hatte leiten lassen und sich an dieser einen Person im Besonderen abgearbeitet hatte. Für mich ist das nur schwer auszuhalten. Und nur weil Lana natürlich sichtlich nicht in die üblichen Schubladen unserer Gesellschaft passen konnte … Es war mir in dem tatsächlichen Ausmaß nicht bewusst. Oder ich hatte die Augen geschlossen. Gut, man guckt heute auch anders darauf mit den Geflüchteten- und Pandemie-Erfahrungen in unserem Land.

Der Punkt ist: als TV-Zuschauerin war ich Teil dieser Inszenierung eines privaten TV-Senders, der Quote macht mit Methoden, die wirklich zu hinterfragen sind. Und es kann ein Stück weit egal sein, wenn sich erwachsene Menschen dazu entscheiden, sich dieser Methodik zu stellen. Aber hier hatte RTL einen gerade einmal 16-jährigen Menschen für die Quote seines neuen Formates benutzt, bei dem von Anfang an natürlich klar war, man hätte ihn aufgrund seiner offensichtlichen Naivität nicht in dieses Format holen dürfen. Das hätte niemals passieren dürfen.

Ganz egal, wie sehr Lana das damals wollte, sie hätten nach dem ersten Casting eine Absage bekommen müssen. Man hätte diesen Menschen unberührt mindestens die zwei Jahre lang erwachsen werden lassen müssen. Der Sender – und auch wir als partizipierende Nation (natürlich nur in Teilen) – haben hier richtige Scheiße gebaut.

Zurückblickend können wir sagen: Mit Lana Kaiser wurde das deutsche Hass-Internet im großen Stil geboren. Trolle gab es vorher bereits – nur noch nicht in der Masse. Nur gab es damals noch auf keiner Ebene einen inhaltlichen oder gar rechtlichen Schutz. Dabei, sehe ich diese Dokumentation, gab es wohl kaum eine andere Person im öffentlichen Leben, die so viel Schutz auf so vielen Ebenen gebraucht hätte, wie sie.

Da sind so viele Szenen, angesichts derer ich nur noch denke: Verdammt, warum wurde das zugelassen? Von uns! Da sind Szenen, da frage ich mich: Wie konnte ein so großer Teil der Menschen in diesem Land so hässlich werden im Wesen? Wenn ich höre, dass sich Menschen extra Karten gekauft haben, um in ihre Konzerte zu gehen – nur, um sie in Massen auszubuhen? Was ist das für eine Wesensart? Wie fühlen sich diese Menschen eigentlich heute? (Nur eine rethorische Frage, ich habe so eine Ahnung.)

Und dann erlebt man nochmals die Entwicklung von Lana zu einem erwachsenen, gereiften Menschen. Auch hier hatte ich das eine oder andere Talkshow-Gespräch später mitbekommen und war froh, dass sie offensichtlich für sich einen guten Weg gefunden hatte, denn eines war bei Lana Kaiser immer klar: Sie war ein schöner Mensch, der eigentlich nur schöne Dinge in diese Welt tragen wollte. Oder wie sie es nannte: positive Energie dieser Welt schenken. Ein übrigens sehr intelligenter Mensch. Ein Mensch, der ein frühkindliches Schicksal ertragen musste, (und gerade da bin ich ihr im eigenen familiären Erleben sehr nahe), vor dem ich nur den Hut ziehen kann, wie dieser später ihren Weg gegangen ist. Wäre da nur nicht diese Sucht nach dieser verdammten Öffentlichkeit gewesen.

Ich bin froh, dass diese Dokumentation vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen gemacht wurde. Zunächst: Hier arbeitet sich niemand am Privatfernsehen ab, der Umgang mit RTL ist in der Dokumentation sehr gnädig neutral berichterstattend, zeigt stellenweise auch deren Überforderung in kritischen Situationen. Spielen wir fair, könnten wir von der ersten Staffel natürlich von einem Testballon sprechen. Den Produzent*innen ist zugestanden, sie haben auch Neuland betreten. Andererseits gab es dieses Format vorher bereits in den USA (und anderen Ländern). Hätte man dort richtig hingeguckt, wäre ein gewisses Erfahrungspotential im Umgang der teilnehmenden Menschen durchaus verfügbar gewesen.

Und: Es sprechen Begleiter*innen von Lana Kaiser über sie, die sehr angenehm sind. Menschen, von denen man nicht allzu sehr den Eindruck hat, sie streben jetzt über ihre Person in die Öffentlichkeit. Zum Teil natürlich, weil mindestens vier Personen bereits Personen dieser Öffentlichkeit schon längst sind. Aber sie alle zeichnen ein Bild von einer Person, deren viel zu früher Tod ihnen ein wirklicher Verlust ist. Ich wertschätze sehr, wie Olivia Jones ganz selbstkritisch spricht. Auch wie Ricardo Simonetti offen darüber spricht, wie wichtig für ihn Lana war in seiner Jugend als homosexueller Junge.

Es ist erschreckend, wie eine Teilnehmerin dieser Kreuzfahrtreise, der allerletzten Reise von Lana Kaiser, auch dort an Bord von homophoben – wenigstens verbalen – Angriffen berichtet. Es wirkt mehr als naiv von der Berliner Schauspielschule, an der Lana Kaiser eingeschrieben war, jegliche Mobbingsituationen an der Schule, von denen Lana Kaiser Freund*innen gegenüber berichtet hatte, von sich zu weisen. Menschen werden gemobbt, und wenn ein Mensch die Arbeit von anderen sabotiert, dann gibt es hierfür Ursachen. Da bleiben Fragen leider offen.

Bitter ist, dass wir alle zurückbleiben und gesellschaftlich aktuell sehen müssen, dass viele Dinge, gesellschaftliche Entwicklungen für Toleranz und Respekt gegenüber LGBTQ-Personen, für die Lana Kaiser im positiven Sinn gestanden und gekämpft hatte und sichtlich viel erreicht hatte, gerade plattgemacht werden.

Auch das wird in dieser guten Dokumentation deutlich herausgearbeitet: Was Lana tatsächlich gesellschaftlich vor allem für die jungen Menschen ihrer Generation, die sich in ihrer Identifikation befinden, aber gesellschaftlich immer noch hinterfragen müssen, weil unsere Gesellschaft zu großen Teilen immer noch nicht akzeptieren will, getan hatte. Wie wirklich wichtig sie für viele junge Menschen in unserem Land damals auch war.

In der Dokumentation wird von Bekannt*innen die Mutmaßung geäußert, Lana Kaiser hätte sich zum Zeitpunkt ihres mutmaßlichen Suizides in der hormonellen Transformation zur Frau befunden. Und es wird vermutet, dass sie aufgrund einer nicht sachgemäßen Überdosierung der Medikamente Psychosen entwickelt hatte. Dem eine Fachkraft als Möglichkeit widerspricht. Wie dem auch sei, diese Warnung, die hier vermittelt wird, sollten Betroffene vielleicht hören.

Es wird auch über deutlich stärkeren Alkoholkonsum gesprochen, der von ihrem Umfeld hingenommen wurde.

Am Ende bleibt die Frage, wie muss es sich für Lana angefühlt haben, immer kämpfen zu müssen? Weil sie so war, wie sie war. Leben wollte, wie sie war?

Ohne Lana Kaiser lebten wir immer noch in einer Welt, in der Menschen der LGBTQ-Community kaum akzeptiert werden und gemobbt werden. Sie hat uns an einigen ihrer Prozesse öffentlich teilhaben lassen, und ja, wer es wollte, hatte von ihr gelernt und durfte mit ihr wachsen.

Dass aber heute queere Menschen und Transpersonen gesellschaftlich wieder angegangen werden, zerstört werden von den rechten homophoben Kräften in diesem Land, wie CDU/CSU und allen voran die AfD, das sollten wir nach der dritten und letzten Folge dieser Dokumentation nicht vergessen. Und bitte unsere Konsequenzen ziehen.

Diese Dokumentation ist sehenswert. Aber man hinterfragt sich selbst ein Stück als Mensch, der damals vom Unterhaltungswert einer Lana Kaiser durchaus profitierte – sei es lediglich als Zuschauer*in. Die Hoffnung bleibt, dass wir gelernt haben und immer noch lernen, Menschen unterstützen und sie in völliger Toleranz aufwachsen und leben lassen. Es sind Menschen, die unseren Respekt verdienen.

2025-08-16

Massive Attack

Wenn dir das 400 ml fassende Ikea-Glas herunter fällt und seine 400 ml Wasser auf glatte Fläche verteilt.

Viel Fläche …

2025-08-15

Was ich noch erzählen wollte …

ich bin jetzt bei Instagram in der DIY-Hölle gefangen, Spezialabteilung Ikea-Hacks. Habe bereits das Level "Ikea Hacks España" angespielt und arbeite mich nun wohl auch vor zu den most favorite Maler-Tipps.

Da geht's ab! Ein paar Sachen sind wirklich toll – und (leider auch) so motivierend. Andere Sachen sind … fürchterlich gestellt. Aber das Allerdümmste ist: Ich werde die meisten dieser grandiosen Tipps übermorgen wieder vergessen haben, allerspätestens dann, wenn sie das eine Mal in meinem Leben sinnnvoll sein könnten.

Cool finde ich den zuerst-weiß-über-das-Malerkrepp-streichen und dann erst mit der finalen Farbe, um eben hässlich ausgefranste Ränder beim Kreppabnehmen zu vermeiden. Oder doch lieber gleich zum Frogg-Tape greifen? Und mein allerliebster Tipp ist der vom Profi, der mit der Farbrolle ratzfatz von oben nach unten die Ecken beschneidet mit der Farbe – anstatt zaghaft und langwierig mit dem Pinsel. (Macht man ja, um den Schattenworf der Ecken und Ränder im Licht später auszugleichen, habe ich vom einstigen familiären Hintergrund gelernt.)

Na jedenfalls, werde ich jetzt von viel Malerfarbe-Werbung umworben, von hektisch das Bad renovierenden jungen Menschen, die in sehr sauberer Klamotte die Katastrophen in der Renovierung motiviert eloquent weglabern und, damit man noch weniger rafft, was das insgesamt für eine Fake-Veranstaltung ist, die Reels in 4facher Geschwindigkeit runterrasseln lassen.

Kleiner Nachteil meines Insta-Blasendaseins: Wenn mich noch einmal jemand fragt „Wusstet ihr schon, dass …?” könnte ich leicht aggressiv werden und: Nein! – nur um die Frage einer sehr jungen DIYtrice zu beantworten – Ich habe noch nie (mit vielleicht gerade 18 Jahren) in meiner Altbaueigentumswohnung (sic!) die Dielen abgeschliffen wie ein Profi. Nochmal: Mit knapp 18 Jahren. In deiner Eigentumswohnung. Du unbekümmerte süße DIY-Maus.

Ich habe das mit ca. 28 in meiner Altbaumietwohnung gemacht. Und das hatte deutlich länger gedauert, als dein zwei Minuten-Reel. Und daran war nichts easy. Lustig. Und Spaß hat es auch nicht gemacht. Und wie aus dem Ei gepellt, sah ich danach auch nie aus. Die Wohnung schon mal gar nicht. Und wenn ich es nochmal einmal machen wollen würde, dann würde ich es einen Profi machen lassen, damit es auch so aussieht als hätte es ein Profi gemacht. Also so wie bei dir im Reel. Also wen willst du eigentlich vergackeiern, Hasenlocke?

Wusstet Ihr schon, dass …, wenn man von aufhängenden Gegenständen die Aufhänger mit Krepp beklebt, die Abstände der z. B. Bohrlöcher darauf abzeichnet und direkt an die Wand klebt und bohren könnt …? Ich lieb's ja doch ein bisschen!

2025-08-14

Ich hab' die Schrauben schön …

Die letzten zwei Tage habe ich das Flurregal aufgeräumt, sortiert, Dinge weggeworfen oder ins benachbarte Bücher-Telefonhaus gestellt. Und habe … aus allen Samla-Boxen alle (noch vom Umzug von vor … dreizehn Jahren) Schraubenexistenzen zusammen getragen, die in irgendwelchen Tüten und Tassen vor sich hin lümmelten.

Okay, ich gebe zu: Das Dreierschraubenaufbewahrungspack beim großen Discounter, diese Woche erworben, war da durchaus (m)eine Motivation.

Somit habe ich jetzt perfekt sortierte Holz-, Metall-, Steinschrauben – nach Länge, Farbe (naja) also Beschichtungen sortiert. Mit und ohne Dübel. Haken und Dübel mit Hakenschrauben. Wie so ein Hamster. Vermutlich werde ich 95 % meines Schraubenbestandes nie mehr verwenden. Es gibt einen soliden Schraubenüberhang. Oder auch: Würde ich meinen Reichtum über meinen Schraubenbesitz definieren – Hallelujah! (gez. Dagobert Duck)

Dabei habe ich gelernt, dass ich noch über einen gesunden Fundus von Ikea Faktum Küchentüren-Scharniere verfüge. Das Küchensystem, das Ikea pünktlich als die Küche hier eingezogen war, aus dem Programm geworfen hatte. Ich frage mich, ob man damit nicht unerwartete Reichtümer für sich generieren kann? Wie viele verzweifelte Faktum-Küchenbesitzer brauchen wohl solche Scharniere nachträglich? (Nein, Ikea hatte Ersatzteile nur noch fünf Jahre nach Rausschmiss garantiert.)

Also: Falls jemand dringenden Bedarf hat …

Lange Rede: Ich habe jetzt die Schrauben sehr schön. Kann also jederzeit einladen, um meine Schraubensammlung zu präsentieren.

Das ist doch auch etwas Schönes!

2025-07-07

Ich hasse es so sehr!

Ja, hassen. Ist ein starkes Wort – aber ich wüsste nicht, wie ich mein Gefühl anders ausdrücken soll.

Ich durfte gerade eine Woche lang Kalabrien bereisen und diese wunderschöne Region Italiens ein kleines Stück mehr kennen und lieben lernen. Das war nun verbunden mit einer Flugreise. (Ja, ich weiß es auch aber für Zugreisen ist bei diesen Pressereisen das Budget einfach nicht gedacht.)

Und da stehen sie dann jetzt. Hinter dem Counter der Fluggesellschaft(en) beim Boarden. Die Polizisten, gucken allen Menschen ins Gesicht, greifen einzelne Personen heraus zu einer gesonderten Passkontrolle. Meist sind es Männer mit fremdländischem Aussehen. Davon gibt es auf Flügen nach Italien einige.

Gleiches beim Heimkehren. Da stehen sie in voller Montur unten beim Eintritt ins Flughafengebäude und greifen fast jeden heraus, der männlich und nicht „deutsch” aussieht, was nun mal auf Flügen aus Italien 60 % der Fluggäste sein werden. Sie bilden damit eine Szenerie, die uns soweit zurückwirft in frühere Gepflogenheiten, die uns das Geschenk Europäische Union doch genommen hatte – freie Grenzen. Wir waren so stolz darauf? Ausweise muss man lange schon wieder vorweisen bei Flugreisen. Aber diese gezielte Heraussuchen einzelner Personen aufgrund ihrer äußerlichen Merkmale?

Ich schäme mich.

2025-06-29

Freitag bin ich …

in Gedanken verloren von der Tierarztpraxis nach Hause gegangen. Ich fürchte, in naher Zukunft steht eine Entscheidung an, der Art, wie sie mir mein Herz zerbrechen lässt.

Ich ging an einem jungen Mann vorbei, der mir mit dem Rücken zugewandt meiner Gehrichtung stand. Und weil er da so stand, guckte ich aufmerksamer hin, um sicher zu gehen, dass er nicht aus technischen Gründen da vielleicht herum stehen muss. Aber er surfte im Internet, schien einfach zu warten.

Als ich fünf Meter weiter war, rief er mir hinterher „Entschuldigung!”, ich drehte also um, dachte zuerst, er hätte nun wohl doch ein Problem. Aber dann sprach er, er wolle mir nur sagen, dass ich ein sehr schönes Kleid anhätte und mir das sehr gut stehen würde. Mehr wollte er nicht. Schenkte mir ein zauberhaftes Lächeln und dieses Kompliment.

Und das war schön – mitten in den traurigen Gedanken.

2025-06-06

Liebes Tagebuch …

… heute war ich in Neukölln am Hermannplatz. Wir waren alle nett zueinander, haben uns Türen aufgehalten, haben „Danke!“ gesagt, uns angeläschekt.

Das war sehr schön!