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2026-07-02

Vermaledeite Zeit!

Die Dinge sind schwierig und bleiben es leider auch. Wer hier regelmäßig mitliest, weiß, dass ich im letzten Dezember die große Freude hatte, nach Israel reisen zu dürfen. Lange Zeit nach dem grauenvollen Überfall auf Isral am 7. Oktober 2023 und dessen ebenso grauenhaften Folgen, vor allem für das palästinensische Volk. Endlich, nach den Friedensvereinbarungen, schien es langsam wieder möglich für Israel zurück in die Zeitrechnung zu finden, in der es wieder nach langen schwierigen Jahren, die auch hier wie überall mit der Covid-Pandemie begonnen hatten, Touristen begrüßen konnte.

Das weitere Verhalten der israelischen Regierung steht – absolut zu Recht – in der Kritik und gehört unbedingt beendet. Dass ich das genauso sehe wie die allermeisten Menschen auf diesem Planeten, setze ich als bekannt voraus unter meinen Lesern. Ich finde es fürchterlich und menschenverachtend. Wie alle Kriege auch völlig sinnlos. Wobei ich mir nicht anmaße, alles, was dort vor sich geht, wirklich begreifen zu können.

Es tut mir weh, meine letzten Reiseberichte für mich zu behalten, ist es gefühlt nicht die richtige Zeit, darüber bloggen zu können. Aber … da ist noch meine Zeit in Jerusalem. Dem Jerusalem. Meine Ausflüge zu den besonderen Orten am See Genezareth. Die Weine Israels!
So viel will noch erzählt werden. Es gibt doch auch immer noch dieses so besondere Land, das ich kennenlernen durfte, in dem so viele Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religionen in Frieden zusammenleben. Frieden für alle wollen! Das Land, das eben auch geflüchteten Menschen seit Jahren – nicht nur aus der Ukraine – aus anderen Krisengebieten ein neues Zuhause bietet. Ein Land voller offener, für den Frieden betender Menschen, herzlicher Menschen – so, wie ich sie erlebt habe. Die mir eine wunderbare Zeit in dieser Schönheit, ihrer Menschlichkeit, der Besonderheit ermöglicht haben. Und mich viel über Leben im Krieg, Neuanfang und Optimismus gelehrt haben.

Diese Menschen arbeiten auch im Tourismus Israels. Sie erleben seit Covid eine fürchterlich lange Zeit des Verzichts, mussten sich teilweise neue Existenzen suchen, haben ihre Agenturen verloren und mussten in andere berufliche Tätigkeiten, die womöglich überhaupt nicht ihrer eigentlichen Leidenschaft entsprechen, wechseln. Und oft sind es die Ärmsten, die in diesem Bereich arbeiten, nicht wenige Menschen davon übrigens arabischer Abstammung. Sie leiden besonders unter dem kaum noch möglichen Tourismus. 

Vor einigen Wochen bin ich eingeladen worden in die israelische Botschaft in Berlin. Eingeladen waren alle Besucher Israels, die seit 2015 Israel bereist haben, sei es mit den Delegationen über die Botschaft im politischen Austausch. Sei es, wie ich, auf Einladung des israelischen Tourismusministeriums auf einer Pressereise, oder wie ich es im Vergleich gerne nenne: Spaßreise (sie war pure Freude), und in der Folge Botschafter für das Land Israel geworden sind.
So verstehe ich mich eben auch. Als Botschafterin trotz oder wegen aller Widrigkeiten zum Trotz. Ich bin keine für diese Politiker und ihr Handeln, aber ich möchte Fürsprecherin für das Land und die Menschen Israels sein. Ich möchte weiterhin über ein besonderes Land, das Leben dort, die wundervollen Menschen, die fantastische Landschaft und die unfassbar leckere Küche schreiben. Das ist mir ein Bedürfnis. Und damit die Menschen, die dort leben und eben auch unter dieser vermaledeiten Situation leiden, unterstützen.
Mich hat auf diesem Sommerfest entsetzt, die Menschen erzählen zu hören, die aus dem gesamten Bundesgebiet, teilweise auch aus dem Ausland angereist sind, wie sehr sie aktuell, also wieder in unserem Land, unter antisemitischen Angriffen zu leiden haben, weil sie Juden sind. In Deutschland geborene Menschen, die hier immer lebten und sich jetzt nicht mehr wohlfühlen dürfen in ihrer Heimat – weil sie Juden sind. Das darf doch nicht sein!

Das darf nicht die Konsequenz sein, die wir hierzulande ziehen, dass Menschen in eine Verantwortung genommen werden – für die sie in keiner Weise verantwortlich sind! Haben wir denn wirklich so sehr wenig aus den vergangenen 100 Jahren deutscher Geschichte gelernt? Und sollten vor allem wir Deutschen uns aktuell nicht zunächst an die eigene Nase fassen im erstarkten und lauten Rassismus seitens der demokratisch gewählten Regierung?

Ron Prosor, der Botschafter Israels in Deutschland, sprach treffend und versöhnend in seiner Rede anlässliches des Sommerfestes: „Diejenigen, die Israel erleben – das hält jahrlang! Die israelische Realität sehen, verstehen. Und umgekehrt. Ich freue mich, weil ich hier diese Menschen sehe, die Israel seit 2015 bis 2025 besucht haben. Es gibt kein besseres Mittel, Israel zu verstehen.”

Das stimmt so sehr! In seiner Rede bat er uns alle freundlich, wir mögen weiterhin Botschafter Israels sein. Und ja, ich möchte das. Wie gesagt, es gibt noch so viel zu erzählen …

Es war mir ein Bedürfnis, das einmal aufzuschreiben: Lange Rede, kurzer Sinn: Erlaubt mir bitte weiterhin, in einem positiven Sinn über Israel zu schreiben – als das Land, das es eigentlich ist: Sensationell schön, voller Herzlichkeit, ein besonderes Land!

2026-06-27

Es ist schon ein bisschen merkwürdig anzusehen, …

… fährt man* dieser Tage im provinziellen Hauptstädtchen mit öffentlichen Fahrzeugen, diese jungen Mädchen, Frauen zu sehen, die den üblichen Online-Schminktutorials dem Trend „Glow, mehr Glow, ganz viel Glow” zum Opfer gefallen sind und stellenweise aus „ganz viel Glow”, vermutlich, weil mehr wichtig ist, „super viel Glow” in ihr Gesicht malen.

Glow ist in. Soweit ist's klar.

Aber wenn sich auf „super viel Glow” aus dem Schminkkasten dann natürliches 40-Grad-Glow darauf legt, dann liegt die Assoziation mit Öl eingeschmierter Schweinespeckschwarte einfach sehr nahe.

*Von einer aus der Schminkgeneration „bloß ja nirgendwo glänzen” gesendet.

2026-06-12

Die junge Generation kocht famos!

Es dürfte Lesern meines Blogs bekannt sein, ich gucke sehr gerne die Küchenschlacht. Aktuell läuft eine Championsweek, heißt: Sechs Gewinner*innen der Vorrunden stellen sich erneut dem Wettkampf, um Ende des Jahres in die große Schlussrunde einziehen zu dürfen. Der Titel Hobbykoch des Jahres und 25.000 Euro Hauptgewinn winken. Sie sind allerdings dann auch hart erarbeitet, finde ich!

Und auch dieses Mal ist die Runde sehr jung. Vorrangig Menschen unter und rund um die 30 Lebensjahre. Und was sie auf den drehbaren runden Tisch zaubern, ist fantastisch, kreativ, zeigt deren herausragendes Können.

Ich bin begeistert. Und damit zeichnet sich eine Entwicklung ab, die mich doch froh stimmt. Das Interesse vieler junger Menschen in diesem Land am Essen, am Kochen. An der Zubereitung hervorragender Produkte, dem Erlernen spezieller Zubereitungen in Workshops oder schlicht den üblichen sozialen Medien. Dass junge Menschen heute u. U. auch viel weiter reisen als meine Generation noch, wird auch hineinspielen. In der internationalen Küche macht man ihnen auch nicht mehr sehr viel vor. Toll!

Zunehmend kommen ältere Hobbyköch*innen kaum noch über die wöchentliche Ziellinie – vermutlich bewerben sie sich inzwischen auch weniger. Meine Generation, mit den gleichen Interessen, wird sich schon dort durchbeworben haben. Aber wer dort jetzt kocht in der Küchenschlacht, kocht einfach auf einem ganz anderen, deutlich höheren Niveau – als es in den Anfangsjahren dieses Formates üblich war. Und das freut mich sehr.

Man lernt nicht mehr von den Profiköch*innen sondern von den Teilnehmer*innen – besser geht’s eigentlich nicht. Und die Entwicklung vorrangig anhand der Teilnehmer festmachen zu dürfen. Ich finde es respektabel.

Und … in dieser Woche habe ich erst einmal aufgehört zu streamen. Ich finde alle so grandios, dass ich nicht möchte, dass die Woche zu Ende geht. Kann so ein Format von seinen Zuschauer*innen ein schöneres Lob bekommen?

2026-06-09

Rad fahren

Utopia hat einen kurzen und schmerzlosen Artikel über die Vorteile des Radfahrens für den Körper und die Psyche verfasst.

Jetzt könnte man meinen, eine kluge Regierung – ob in den Städten oder die des Bundes – würde in einem Land, das zunehmend vergreist, im Hinterkopf haben, wie lange körperliche Fitness der Menschen wichtig ist (die vielschichtigen Gründe muss ich da ja nicht aufzählen). Wie sinnvoll also wäre es, in der Infrastruktur immer mehr auf das Fahrrad zu setzen, Radwege auszubauen, Radwege zu reparieren?

An meiner Wohnung sind am Sonntag anlässlich der ADFC Berlin - Fahrradsternfahrt 2026 die Teilnehmer des (nur) einen Familienstranges vorbei gefahren. Es waren so viele Eltern mit ihren Kindern, die offensichtlich das Fahrrad zu ihrem alltäglichen Verkehrsmittel gewählt haben. Lt. offiziellen Meldungen sollen es insgesamt 30.000 Teilnehmer gewesen sein (wenn ich die Bilder sehen, kann man sicherlich noch einmal mindestens 10.000 darauf legen.) Mir erscheint die offizielle Zahl erstaunlich nach unten korrigiert.

Sinnvolle Politik für die Bürger in diesem Land, sichere Radwege für Erwachsene und Kinder – sie sind ein echter Bedarf. Worauf warten die verdammt noch einmal?

2026-06-06

Unmöglich!

Zwischen der vorherigen und gestrigen Plasmaspende soll ich ein Kilo an Gewicht verloren haben.

Was gar nicht sein kann, denn dazwischen lagen acht Tage Italien, italienisches Essen, Wein und fast täglich einen Chinotto.

2026-05-18

Aus der Reihe, …

… was wir Deutschen auch nicht so richtig gut können:

Wale in Ruhe sterben lassen.

2026-04-14

Das macht so echt keinen Spaß mehr!

Also irgendwie habe ich gerade merkwürdiges Karma beim Einkauf.

Freitag bei Aldi. Der Wocheneinkauf für meine hochbetagte Nachbarin. Ich überlege, ihr eine Packung Erdbeeren mitzubringen, und stehe mit einer anderen Kundin vor der (einreihigen, schon sehr ausgesuchten) Stiege, und wir gucken nach einer Packung mit unversehrten Früchten. Nicht wirklich lange. Ich habe gerade erst angefangen zu gucken. Da brüllt uns von hinten eine Kundin ins Ohr: „Sie sagen Bescheid, wenn Sie fertig sind!“ Und das war nicht wie eine höfliche Bitte formuliert, sondern wie die typische Berliner Unverschämtheit, wenn es der Eingeborenen nicht schnell genug geht.

Später, ich bin am Bandende, also letzte Kundin an der Kasse. Fange an, die Produkte auf das Band zu legen und stehe vor dem Wagen, der am Ende des Bandes steht – wo ich auch meine Ware noch hinlegen muss. Kommt die nächste durchgeknallte Kundin, schiebt meinen Wagen zur Seite und will anfangen, ihre Ware auf das Band zu legen. Offensichtlich mitten in die von mir ausgesuchten Produkte. Gut, da bin ich dann mal grob geworden.

Heute bin ich erneut bei Aldi und fische aus der italienischen Wurstware eine Packung heraus, in der die Salsiccia an vielen Stellen sehr grünlich schimmerte. Deutlich. Da ich gerade kein Personal sehe, aber ein Stapel leerer Kartons vor dem Kühlregal liegt, erlaube ich mir, die Packung dorthin zu legen. Als ich dann die Mitarbeiterin im nächsten Gang sehe, sage ich ihr Bescheid. Bekomme nicht etwa ein Dankeschön, dafür den Rüffel, dass das aber nicht so gut sei, denn wenn sie die Kartons in die Presse gäben …

Ey, Mädel. Es wäre dein Job gewesen, dafür zu sorgen, dass die Packung längst aussortiert gewesen wäre?!

Ich hätte inständig die Bitte: Könnten wir uns alle mal wieder ein bisschen erden, höflicher miteinander umgehen und anständig miteinander kommunizieren?

Also wie Menschen, die sich so benehmen, wie sie auch gerne von anderen Menschen behandelt werden wollen? Ginge das? Bitte?!

2026-04-09

Es gibt ja nichts, …

… was es nicht gibt!

2026-03-29

Ich und mein Monk

Ich passe tatsächlich weitreichend in das künstlich geschaffene Weltbild eines Monks. Hängst du deine Bilder in nicht Millimeter gleich abgemessenen Abständen und Höhen auf und gibst ihnen zudem noch einen Schwung zur Schräghängung – und ich bin deine Freundin.

Nicht.

Das hat viel mit dem Thema Hochsensibilität zu tun. Monken schafft Ordnung, suggeriert Klarheit, lenkt die Antennen nicht ab, während sie Signale empfangen. Vermeintlich. Das ist so, damit lebe ich. Deutlich leichter, seit ich um die Zusammenhänge weiß. Mein Monk ist immer bei mir und tut mir nur geht so gut. Aber mittlerweile kann ich ihn hier und dann streicheln und ab und zu belustigt belächeln. Das ist natürlich auch das große Geschenk, das einem das Leben macht, wenn man dann das Glück hat, zur älteren Frau zu werden. Schrullige ältere Frau zu sein, es kümmert mich nicht mehr, was die anderen denken.

Dieses Monken hat beispielsweise dazu geführt, dass ich, seit ich selbständig wohne, nie farbige Wände in meinen Wohnungen hatte. Klassisch weiß, Raufaser – was anderen langweilig vorkommen mag, ist mein heiligster Schutz. Wenig Buntness hilft meiner inneren Ordnung. Da mutet es regelrecht wahnwitzig an, dass ich seit letztem Jahr überlege, eine Wand in meinem Wohnzimmer in einem zarten Türkiston tünchen zu wollen.

Tünchen. So ein schönes Wort! Wird auch viel zu selten verwendet: Ich tünche, du tünchst, wir tünchen. Lasst uns mehr tünchen! Naja, also nicht in meiner Wohnung, da nur die eine Wand, vielleicht. Es ist schon ein irrsinniger innerer Rock’n’Roll für mich, dass ich überhaupt darüber nachdenke.

Lange Einleitung. Kommen wir zurück zu meiner Monkigness oder heißt es Monkigkeit? Egal, bin ja eh für unglaubwürdige Wortschöpfungen bekannt. Mein Monk begleitet mich eher nach innen gerichtet. Dafür begleitet er mich ständig. Beispiele gefällig?

Wenn ihr Filme oder Fernsehen oder irgendwas mit Bildmaterial guckt, wo eine professionelle Maske ihre talentierten Finger im Spiel hatte, dann seht ihr Gesichter. Ich aber sehe weiße Striche auf der Oberlippe. Weil, der gehört da so hin! Das ist eine unumstößliche Maskenbildnerregel: Die Oberlippe gehört weiß gestrichen.

Keine Ahnung warum, vermutlich sieht dann die Lippe voller aus oder das böse harte Filmlicht zeichnet so weniger harten Schatten unter den Nasenbereich. Oder weil wir Zuschauer zu doof sind, das Ende der Lippen und den Anfang vom Philtrum zu erkennen. Dieser immer präsente Strich wird sicherlich einen solventen Grund haben, sonst würde er nicht ständig gezeichnet werden.

Nur: Ich sehe ihn. Und zwar ausschließlich. Er ist für mich das Element in einem Filmgesicht. Du kannst mich nach einem Film fragen, ob die Schauspielerin grüne oder gelbe Kontaktlinsen trug. Das weiß ich nicht, denn mein Monk und ich haben ausschließlich den weißen Strich auf der Oberlippe gesehen. Manchmal ist er so omnipräsent und überhaupt nicht verblendet, da möchte ich die jeweilige Täterperson in der Maske fragen, was sie sich eigentlich dabei gedacht hat.

Manchmal ist er ganz zart, kaum wahrnehmbar – dann entspannen Monk und ich uns sogar und können mit unseren Augen weiter hochwandern zum immer präsenten weißen Lidstrich im Auge, denn die müssen ja auch zwingend größer gezeichnet werden. Übrigens auch dann, wenn das Sujet der Schauspielkunst von Natur aus sehr große Augen bereits hat. Egal, Hauptsache Kuhauge gemalt.

Also … ich finde diesen weißen Lippenstrich völlig überflüssig und er nervt mich … seit immer. Er lenkt mich von allem ab. Von der Figur, dem Gesicht, dem Können des/der Schauspieler*in. Naja, nichtsnutziges Gegendere. Männer bekommen nämlich seltener weiße Lippenstriche gemalt. Außer Dragqueens, da wird auch der weiße Lippenstrich auf der Oberlippe gerne maximal überzeichnet. Nur, dort tut er meinem Monk inside weniger weh, weil bekanntermaßen Make-ups von Dragqueens nicht gerade eine Kunstform der Zurückhaltung sind.

So. Soviel zu meinem einen inneren Monk, der mich hart und zuverlässig seit Jahrzehnten begleitet. Ich habe mir diesen hässlichen Oberlippenstrich übrigens nie gezogen, als ich mich noch täglich sehr gerne geschminkt hatte, mit allem, was die Make-up-Industrie mir verkaufen wollte. Und ich freue mich sehr, dass ihr nun künftig auch nicht mehr in ein Filmgesicht gucken könnt, ohne diesen verderbten Strich wahrzunehmen. Herzlich willkommen in creezys Monkhausen!

Mein zweiter innerer Monk tanzt regelmäßig Pogo in … Kochsendungen. In Kochsendungen wird nämlich sehr gerne ein Plural eines Fachbegriffes einer uns fremden Sprache, der sich aber in den deutschen Sprachgebrauch eingemummelt hat, doppelt gebildet, der irrationale Plural verwendet: GnocchiS.

Da zieht mein innerer Monk regelmäßig zum Sprung an. Jetzt gibt es eine relativ klare Regel in der – mittlerweile ziemlich aufgeweichten – deutschen Sprachregelung, vor allem zu Latinismen und Italienismen, die es in unseren alltäglichen Sprachduktus geschafft haben. Und das betrifft in der italienischen Sprache vorrangig wohl das Vokabular der Küche und Musik.

Wir benutzen im Singular eben jenen, also „den Gnoccho“. Seltener „der Spaghetto“ (der kommt selten alleine), eher noch der Raviolo. Und verändern dessen Plural (o auf i) einfach nicht mit einem angelsächsischen „s” dazu. No way! Es bleibt auch in unserer Sprache der italienische Plural unverändert. Es sind Gnocchi. Spaghetti. Ravioli. Punkt.

Und das ist offensichtlich schwer zu verstehen – ich rege mich da weniger über Kochshowkandidaten auf – aber sehr bei den Profis vor den Kameras, die dann immer wieder von GnocchiS (also übersetzt Klößchenchen) oder RavioliS (Teigtaschenschen) sprechen. Immer und immer wieder. Das sind doppelte Pluräler – und glaubt es mir: „Doppelte Pluräler” das ist schon von Haus aus die allerhässlichste Wortkombination, die die deutsche Grammatik ihr eigen nennt!

Und jedes Mal, wenn Björn Freitag, dessen Wortschatz eh schon nur zu 78 % aus „Mega” und „Krass” besteht, obendrein acht Mal in einer Sendung seit über zwanzig Jahren „Gnocchis” falsch sagt, ja, dann fühlen Monk und ich eine heftige Unwucht. Jedes verdammte Mal! Man, der Typ macht Food-Reisesendungen nach Italien – und bekommt es nicht hin im TV den korrekten Plural vom Gnoccho in seiner eigenen Heimatsprache zu bilden?!

Diese harte Unwucht fühlen Monk und ich ürigens auch, wenn Jurorin Sarah Henke immer wieder BruSCHetta sagt (ach so, wir sind bei der Küchenschlacht im ZDF – also im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, dem mit dem angeblichen Bildungsauftrag), anstatt Bruschetta mit hartem K, dann werde ich wirklich sauer. Bekommen die in ihren TV-Jobs wirklich keinerlei Spracherziehung? Oder überhaupt in ihren Jobs? Übrigens: Juror Thomas Martin bekommt die Pluralbildung eines italienischen Substantivs korrekt hin. Und das Bruschetta.

Wirklich, wenn mein 90-jähriger Nachbar das falsch ausspricht, geschenkt! Aber Moderatoren, Juroren, die in ihrem eigenen Kosmos und in ihrer eigenen Fachsprache – im öffentlichen Fernsehen – kommunizieren? Monk und ich können da einfach nicht amused sein.

Langes Blogpost, kurz gefasst: Ihr guckt halt TV, ich leide ständig, weil ich omnipräsent Dinge sehe oder Wörter höre, die meinem Monk die tägliche Dosis Extasy ist.

Hier übrigens sind ganz zauberhafte Pluräler der deutschen Sprache aufgeführt!

2026-03-28

Deutscher Journalismus

Geschichte über eine ältere Frau (über 80) und wie sie etwas unkonventionell lebt.

Bildredaktion dazu: Stockfoto, ältere Frau sitzt auf einem Stuhl und strickt, natürlich grauhaarig mit Brille.

Header dazu: Oma lebt so und so …

Im Artikel: Nicht ein einziger Hinweis darauf, dass diese Frau Kinder noch Enkel hat, also Großmutter ist.

Mich ödet diese zunehmende Drittklassigkeit der Schreiberzunft nur noch an. Das ist noch schlimmer, als schon alle Witze bereits dreimal gehört zu haben.

2026-03-21

Das ist alles so eklig!

Mich verstört gerade (neben allem anderen, was den Fall Identitätsdiebstahl der Collien Fernandes betrifft, wie hinterfragt wird – und das passiert nie ohne Hintergedanken –, warum Collien Fernandes ihren Ex-Mann ausgerechnet in Spanien angezeigt hätte?

Frau Fernandez hatte, nach eigener Aussage, im Januar 2024 in Deutschland Anzeige gegen unbekannt gestellt, als sie von ihrer gefälschten, sexualisierten Identität im Internet erfahren hatte. Nachdem sie erfahren hatte, wer der mutmaßliche Täter war, zeigte sie diesen in Person Ende 2025 in Spanien an.

Es ist bekannt, dass die gesamte Familie die letzten Jahre des Zusammenlebens auf Mallorca lebte. Es ist davon auszugehen, dass ein großer Teil der Herrn Ulmen vorgeworfenen Taten, wie Identitätsdiebstahl u. m., in dieser Zeit auf spanischem Boden geschehen sind. Herr Ulmen lebt dort wohl immer noch. Für Herrn Ulmen gilt bis zum Abschluss von Ermittlungen und gegebenenfalls daraus resultierenden juristischen Konsequenzen die Unschuldvermutung.

Insofern ist es mehr als logisch, dass die Anzeige in Spanien gestellt wurde und in der Folge die juristische Aufarbeitung dort auch erfolgen sollte. Was also soll diese Frage?

Aber darum geht es den meisten Hinterfragenden sehr wahrscheinlich nicht. Bekannt ist, dass Spanien in der Gesetzgebung – was auch den Schutz von Frauen generell anbelangt – um ein Vielfaches weiter als Deutschland (es vermutlich jemals sein wird) ist. Spanien ist auch viel weiter, was den Schutz einzelner Personen im Internet anbelangt. Frau Fernandes hatte zugegeben, dass ihr das bei der Anzeige bewusst gewesen war und mit ein Grund für sie gewesen war, auf die spanische Justiz zu vertrauen.

Da darf man ruhig bei einer solchen Frage in den Raum stellen, ob hier nicht wieder die übliche Täter-Opfer-Umkehr geschehen soll. Denn insgeheim wird damit gefragt: Warum wird der arme Mann nicht in Deutschland angezeigt (später mutmaßlich angeklagt), wo ihn womöglich die deutlich weniger harte Strafe treffen würde, weil die deutsche Justiz derartige Straftatbestände mangels ausreichender Gesetzgebung kaum ahnden wird? Insbesondere vor allem nicht existierte zum Zeitpunkt der Tat, was durchaus Einfluss hat auf ein etwaiges Strafmaß bei möglicher Verurteilung.

Ja, Spanien schützt mittlerweile Frauen gegen Täter deutlich besser als Deutschland und ahndet generell Kriminaltaten im Internet in einem anderen Ermittlungstempo und mit einer anderen Strafverfolgung. Dem sollte man mit maximalem Unverständnis als Person in Deutschland begegnen, ihn hinterfragen und maximalen politischen Druck machen.

Einer Person, die von ihrem Recht Gebrauch macht, einen mutmaßlichen Täter dort anzuzeigen, wo er lebt, mutmaßlich Taten dort begangen hat, als Frage impliziert, ihr – dem Opfer – das vorzuwerfen, das ist unglaublich verlogen. Es ist eklig!

Mich macht es so sehr sauer.

Frau Collien Fernandes wünsche ich alle Kraft der Welt, das Geschehen irgendwann einmal verarbeiten zu können. Großes Mitleid habe ich mit dem Kind beider Personen.

2026-03-07

Heute bin ich zum ersten Mal …

in diesem Jahr gleich am Morgen nur mit Jeansjacke bekleidet einkaufen gegangen. Also … ich hatte schon noch etwas mehr an – aber Übergangsjacke war eben nicht mehr. So. Fantastisch. Es ist mir nämlich ein äußeres und inneres Fest, gewisse dicke Kleidung nicht mehr tragen zu müssen.

Allerdings betrübt mich doch ein wenig im Frühlingsrausch, das mich alles anschreit und um den Frühlingsputz bettelt. Die Wände und Ecken wollen entstaubt werden, die Fenster wollen geputzt werden. Die Griffe der Küche wollen geschrubbt werden, überall will Staub geputzt werden. Schränke rufen auch permanent nach Abspeckung. Der Balkon! OMG!!! Der Balkon! Und der Vorgarten und und und …

Örgs.

2026-02-23

Ich verstehe es immer nicht …

Gestern war ich in einem Restaurant. Ab 18 Uhr, ich war mit dem Besitzer verabredet und habe dann auch die Zeit in der das Restaurant (zum Glück) gut besucht war den Abend dort verbracht. So gegen 20:00 Uhr bin ich auf die Damentoilette gegangen.

Erst einmal habe ich feststellen dürfen, dass auf der Toilette (es gibt zwei Kabinen) in meiner das Toilettenpapier alle war. Nun steht in der Toilette ein Regal und in diesem Regal stehen sichtbar ausreichend viele Toilettenpapierrollen. Es wäre also gar kein Problem gewesen, die Papierrolle zu wechseln. Die letzte Besucherin wird bemerkt haben, dass sie die Rolle alle gemacht hatte. Und selbst, wenn man sich nicht zuständig fühlt – was hindert Frauen, Menschen, daran, zum Tresen zu gehen und zu sagen: Das Toilettenpapier ist alle? Wenn man etwas Verantwortung für die Gemeinschaft fühlt? Ich habe dann die Rolle gewechselt, es war eine Sache von drei Sekunden.

Ich verstehe es nicht. Niemand will auf eine Toilette gehen und feststellen müssen, dass das Papier alle ist. Und der Service bekommt das natürlich auch nicht ständig mit. Also, was zur Hölle ist das Problem?

Dann bin ich zum Waschbecken gegangen. Man kann sich dort die Hände waschen und am Automaten trockenpusten lassen, als auch Papier benutzen. Für die Papierhandtücher steht dort ein offener Korb direkt am Waschbecken.

Es lagen drei Papiertücher vor dem Korb, zwei Papiertücher hinter dem Korb. Und auch das kapiere ich nicht. Erst einmal verstehe ich nicht, was so schwer daran ist, so ein Papierknäuel zielgerichtet in den Korb zu bekommen. Und was, wenn es ausnahmsweise nicht klappt, so schwer daran ist, sich kurz zu bücken und die Sache in Ordnung zu bringen?

Wann sind wir deutschen Frauen zu solchen rücksichtslosen Ferkelinnen geworden? Und ich sage bewusst deutsche Frauen – denn ich erlebe solche Toilettenzustände eher nicht im Ausland. Also, was ist genau das Problem – wieso kann man eine Toilette nicht so hinterlassen, wie man sie selber vorfinden möchte? Was?

2026-02-18

Ich bin sehr verliebt …

… in dieses unglaublich schöne, kreative, intelligente (!), energiegeladene, künstlerisch abwechslungsreiche, genial von den Kameras geführte Stück Kunst und Musik, dass da Bad Bunny im Super Bowl vom Leder gerissen hatte.

Ich bin auf so vielen Ebenen beeindruckt und überzeugt, bin wieder einmal begeistert von dem riesengroßen Talent der Lady Gaga, möchte, dass Ricky Martin bitte nur noch melodramatische Chansons singt und liebe diese täglichen Reaktionen der Menschen im Internet, die einfach so wundervoll viel Spaß mit diesem Event hatten und sich davon haben die eigene Kreativität entzünden lassen.

Funfact No. 1: Ich weiß bis heute nicht, wer den Super Bowl gewonnen hat.

Funfacht No. 2: Die einzige Person, die das Spektakel (im schönsten Sinne dieses Wortes) ganz fürchterlich fand, ist der olle weiße, in die USA zugewanderte Mann mit schlechtester Frisurberatung, der gerade auf dem Präsidententhron seiner Demenz zollt – und kein Wort verstanden hat!

Und ich gebe zu, ich hatte Bad Bunny bis dato nicht wirklich auf der Liste. Klar, kennt man einige seiner Hits, weil die einen auch hierzuland hier und da begleiten. Aber was ist das für ein entzückendes Menschenkind? Wie unglaublich viele Gehirnzellen hat der? Was für ein Rückgrad? Was für gnadenlose Stylisten lässt der an sich ran – und wann kommt dieser Gegenentwurf Lateinamerikas zu Ken endlich als Barbie-Puppe?

Ich glaube, diese knapp 14 Minuten Ausflug in lateinamerikanische Geschichte, werden einen sehr großen Run auf spanische Sprachkurse auslösen und die Tourimuszahlen in Lateinamerika ordentlich wachsen lassen. Mehr kann man wirklich nicht verlangen von einer solchen Show.

2026-02-17

Wat ‘ne fiese Möp!

Dieser Infekt, der sich gerade herumschleicht. Täuscht ein bisschen an mit Halsschmerzen und Hüsteln. Tut so, als wäre er drei Tage später vorbei, um dich dann aber so etwas von aus der Bahn zu kippen.

Ich war fünf Tage lang froh überhaupt einmal am Tag das Katzenklo säubern zu können, mir eine Kanne Tee kochen zu können (und trinken zu können) und mir die Zähne zu putzen.

Nebenbei habe ich mich von irgendeinem zu früh geschlüpften Insekt im Schlafzimmer abstechen lassen.

Laut Test kein Covid, keine Grippe. Einfach nur eine Bronchitis aus der Hölle. Ganz ehrlich, diese erste Hälfte vom Februar kann weg.

High Five an eine sehr verständnisvolle, kleine, schrecklich gelangweilte, graue, zuckersüße Katze.

2026-02-12

Pickeldi …

… und Pickelda, Pickel sind für alle da!

Hört dat mit diesen Dingern jemals auf, frage ich mich?

Ich wette, die Dinger wachsen mit noch, wenn ich längst in der Kühlung der Pathologie liege.

2026-02-11

Am Grad …

der Verfilzung der Haare am Morgen, die unmögliche Abwesenheit von Nachtruhe ablesen können.

2026-02-10

Von nix gewusst!

Der Herr Buddenbohm, der, wie ich, gerade malade in den Seilen hängt, stellte gestern fest, dass er im Vorfeld nichts von den Olympischen Winterspielen in Milano-Cortina mitbekommen hatte. (Für die derzeit schwierigen Konstellationen sende ich sehr viele gedrückte Daumen.)

Mir ging es genauso. Zwar wurde ich wenige Wochen zuvor zu einem kleinen Presseevent eingeladen, das den Ort Borca di Cadore zusammen mit den Dörfern Cancia, Villanova und Corte uns vorstellte – wo auch ein Teil der Winterspiele ausgetragen werden bzw. Unterkünfte bereitgestellt werden. Das war sehr nett, aber irgendwie doch auch etwas launig – so ohne Bildmaterial und Kontaktdaten. Naja, NextGenerationEU macht das schon. Aber tatsächlich hörte auch ich an diesem Tag erstmals davon, dass die Olympischen Winterspiele 2026 stattfinden und dazu in Europa.

Offensichtlich ist der mediale, weltweite und auch deutsche Lärm über so viel Mist mittlerweile so überlaut geworden, dass kaum noch Energie bleibt, die kleinen schönen Dinge zu erfassen. Es ist die doppelte Last dieser Tage, nicht nur, worüber berichtet wird, sondern auch, wie geschrieben wird über die Skandale. Ich erlebe gerade eine große Vermissung des souveränen Journalismus meiner Jugend, der beschrieb, aufklärte und in Kolumnen sauber ein Urteil formulierte. Wir sind abgebogen zu einer Carmen Miosga*, die wirklich mal besser bei den Tagesthemen geblieben wäre. Die Art und Weise, wie sie ständig der als vom deutschen Verfassungsschutz in Gänze als rechtsextrem und somit demokratiefeindlichen begutachtete Partei jeden verdammten Sonntag den Teppich ausrollt, sie widert mich nur noch an.

Ansonsten gab es in der letzten Woche ein nettes Get together mit der einen Hälfte der Journalisten der Israel-Pressereise. Eine davon kam aus der Schweiz zu Besuch nach Berlin und alle anderen Teilnehmer*innen konnten sich unserem Termin kurzfristig anschließen. Die Nachbesprechung der Reise bei natürlich geteiltem Hummus (Hummus & Friends) war wirklich schön, und die Freude, diese reizenden Menschen wiederzutreffen, tut der frustrierten Berliner Winterseele im Glatteis mit BVG-Streik on top sowas von gut!

*Ich bin übrigens so alt, da wurden keine Mitglieder des BDNS, JF oder NS in die öffentlich-rechtlichen Medien geladen, weil es keine Notwendigkeit gab, Rechtsextreme inhaltlich zu stellen. Allen war klar, wofür die standen. Punkt. Und es ist auch klar, wofür die AfD steht. Punkt.

2026-02-05

Serkan C.

ist tot. Verprügelt von einem Schwarzfahrer. 60 Euro gegen ein Menschenleben. Und der Vater von Serkan C. hatte in der Folge des Todes seines Sohnes einen Herzinfarkt. Wegen 60 Euro.

Serkan C. war alleinerziehender Vater von zwei Kindern im Teenageralter.

In italienischen Eisenbahnen wird seid Covid regelmäßig eine Ansage in den Zügen abgespielt, von einer sehr resoluten Männerstimme vorgetragen – sie klingt sehr anders als als die üblichen freundlich-dynamischen Ansagen – dass jede Beleidigung, Angriff gegen Zug-/Bahnhofsmitarbeiter mit einer Anzeige geahnet werden. In jedem Fall die Polizei dazu gerufen wird.

Diese Verrohung der Menschen findet offensichtlich woanders auch statt, das hilft uns nicht weiter aber es scheint, als hätten wir ein gesellschaftliches Problem.

Mein Tipp, wenn ihr Zeug*in eines solche Vorfalls einmal werdet an Bahnhöfen, geschlossenen Räumen in der Öffentlichkeit: Greift euch den nächsten Feuerlöscher und richtet den Strahl in das Gesicht des Angreifers. Niemand mag Löschschaum/-pulver in seinen Augen haben. Die werden dann ablassen, weil sie ganz andere Probleme haben. Und: Selbst, wenn sie fliehen, sie werden diese Probleme in einem Krankenhaus lösen lassen wollen. Was einen Zugriff ziemlich sicher durch die Behörden möglich macht.

Was Züge anbelangt, hilft es generell sich zu orientieren, wo die untergebracht sind. (Auch für andere Situatioen) Auf Bahnhöfen hängen sie mindestens in der Nähe der Wachhäuser.

Das ist dann Notwehr. Schlimmstenfalls muss man einen Feuerlöscher ersetzen, rettet aber ein Menschenleben.

Und:

2026-02-04

Das Epstein-Grauen

Vorgestern wird mir auf Instagram ein Clip reingespült von einer sehr verzweifelten, jungen Frau, die völlig in Panik und weinend immer wieder ruft: „Sie essen Menschen!” Das Ganze wird inhaltlich im Kontext mit den Epstein-Files kommuniziert und kam über einen Account, der sich vornehmlich für Frauenrechte stark macht.

Ich hatte das direkt weggeklickt, weil es mir als unseriös vorkam und ich die Vermutung hatte, dass dies einer dieser Internetinhalte sind, die gefaket lanciert werden, um Stimmung zu machen, Skandale zu pushen, dabei helfen, dass selbst Menschen, die sehr professionell Fakten analysieren und zurückhaltend argumentieren, ein Stück ins falsche Boot zu holen.

Und ich dachte in dem Zusammenhang auch direkt: Die Frau ist auf einem Drogen-Trip.

Natürlich will man selbst den abscheulichsten Gestalten unserer Gesellschaft keinen Kannibalismus unterstellen. Heute, nachdem ich den Clip ein bisschen auf mich habe wirken lassen und das Gesehene für mich reflektiert habe, muss ich feststellen, ich schäme mich, weil ich zuerst die hervor getragene Ungeheuerlichkeit damit abtun wollte, und der Frau Drogenkonsum vorgeworfen habe.

Wir wissen, dass die missbrauchten Frauen im Epstein-Millieu unter Drogen gesetzt worden sind. Und sehr viele von ihnen werden dieses Drogen genau nicht bewusst selbst eingenommen haben. Shame on me, dass ich das thematisch dieser Frau als ihr eigenes Verhalten unterstellen wollte. Denn gerade ich als Berlinerin weiß natürlich, dass Drogenkonsum sehr oft eine eigene persönliche Entscheidung ist – ganz oft leider eben auch nicht. Und meist trifft der letztere Punkt: junge Mädchen und Frauen.

Und zum Thema „Sie essen Menschen!”, kann man sich sehr sicher vorstellen, dass in solchen Kreisen mindestens sehr schlechte Witze darüber gerissen werden. Was, wenn diese Idee in den erlauchten engen Kreisen hochstillisiert wurde bis zum Machbaren?

Und, wenn Menschen sich so völlig abartig benehmen, wenn Menschen sich aufgrund ihrer Erfolge und Verbindungen sowieso für nicht justiziabel halten? Wenn Menschen sich aufgrund ihrer unfassbaren Reichtümer zudem für gänzlich unangreifbar halten, weil ihnen so viele Menschen (mit vermeintlicher Macht) wie Marionetten zuspielen (müssen), weil sie längst erpressbar geworden sind? Wenn Menschen generell gar keine Grenzen einer Gesellschaft mehr für sich erkennen, weil sie es einfach nicht mehr wollen? Wenn Menschen so unglaublich abgehoben sind mit den allerschlechtesten Eigenschaften menschlicher Daseinsform, die man sich überhaupt vorstellen kann?

Was soll diese Klientel eigentlich davon abhalten, menschliches Fleisch zu essen und dabei keinerlei Schuldgefühle mehr zu spüren?

Was?

Wie sehr ich es hasse, mich mit solchen Möglichkeiten in der Realität beschäftigen zu müssen.