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2024-04-20

Erasitexnes Psarades – Meeresküche im Hafen von Heraklion

Ich esse für mein Leben gerne am Meer. Ein Restaurantbesuch direkt am Hafen oder am Strand – das ist ein Selbstläufer. Da stimmt einfach alles für mich. Und dafür muss nicht einmal zwingend Fisch auf dem Teller liegen. Frische Luft, Wellenschlag, das Kreischen der Möwen als Begleitmusik, die Masten der Segler klappern im Wind oder das Gluckern unter dem Bug der Motorboote am Steg. Besser geht es atmosphärisch für mich kaum!
Im Erasitexnes Psarades am Hafen von Heraklion hat man das alles (na gut, in der kälteren Jahreszeit genießt man das lieber hinter geschlossenen Türen) und richtig gute Küche. Es liegt vielleicht nicht im schönsten Teil des Hafens von Heraklion. Zu Fuß lässt man den zentralen Busbahnhof hinter sich, überquert etwas industriell wirkende Fläche und quert eine der Schnellstraßen. Aber dann wird man zuerst vom freundlichen trocken gelegten Fischerboot …
und dann vom maritimen Duft empfangen. Das Restaurant liegt unscheinbar in einem hohen Bungalow, macht aber mit dem großen Wandgemälde auf sich aufmerksam, das man locker noch von der anderen Seite des Hafens am Rocca al Mare erkennen kann.
Das Fischerboot, das vor der – wie eine Schiffskajüte gestaltete – Terrasse des Restaurants liegt, spricht für sich eine deutliche Sprache. Die Inneneinrichtung ist in den typischen griechischen Farben des Meeres – und sehr liebevoll mit größeren und kleinen Details gestaltet.
Alles verrät: Wir sind am Meer und hier wird Fisch gegessen!
Tnodoris Tsikanakis hat vor zehn Jahren dieses Restaurant von seinem Vater übernommen, das schon seit 40 Jahren an dieser Stelle existiert. Er und sein junges, sehr weibliches Team empfangen uns ausgesprochen freundlich und servieren in einer Geschwindigkeit, die ihresgleichen sucht. Nun ja, wir hatten uns – für griechische Verhältnisse – auch sehr früh angemeldet. Also waren wir die ersten anderthalb Stunden beinahe die einzigen Gäste. Konnten uns aber pünktlich gegen 22:00 Uhr davon überzeugen, dass das Erasitexnes Psarades bei den Herakliern sehr wertgeschätzt wird. Zu Recht.
Das Erasitexnes Psarades nennt sich also Fischrestaurant – und auf Fisch versteht man sich hier wirklich sehr gut. Auf den Sets kann man sich in den gängigen Namen der Winde üben, die in die Windrose gedruckt sind. Die Menükarte selber lockt mit typischen kretischen Gerichten und da die griechische Küche genauso auch grün ist und darin sehr lecker, nebenbei erwähnt, können Vegetarier und Veganer hier ebenfalls glücklich satt werden. Barrierefrei ist das Restaurant zudem ebenfalls.
Wir lassen uns vom Chef überraschen. Und er serviert uns als Vorspeisen aus der Küche marinierte Sardinen (€ 7,50), so frisch eingelegt, dass die Fischlein noch Biss haben und wie eben Fisch schmecken, nicht nur noch nach Essig.
Ihre Marinade aus Olivenöl, etwas weißem Essig und Zitrone ist frisch und köstlich. Das waren während des Aufenthaltes die besten Sardinen, die ich essen durfte, auf Kreta. Das geschmorte leicht würzige Wildgemüse (Stamnagathi) war noch knackig und wurde begleitet von herzhaftem Olivenöl und mit der richtigen Portion Zitronenfrische angemacht. (€ 5,50)
Gleiches gilt für die Dolmades (€ 5,–), die mich die Tage zuvor immer etwas an die erinnerten, die ich hier gelegentlich hier in Berlin aus der Dose esse. Hier hatten die Weinblätter noch den Biss, so wie ich ihn von früher her kenne, wenn die Mütter meiner Mitschülerinnen sie selber gemacht haben. Und ich durfte noch die Säure schmecken, in der die Weinblätter vor dem Kochen konserviert und geschmeidig gehalten wurden. Sie waren eine aromatische Offenbarung.
Unsere vierte Vorspeise ist uns hier auch nicht zum ersten Mal serviert worden, war aber auch wieder besonders gut: Saganaki mit Shrimps. Saganaki ist sowieso das Gericht meines Herzens, das ich von diesem Kreta-Ausflug für mich mitnehme!
Hier war es fantastisch, heiß serviert und fast schon eine Hauptspeise! Frische Shrimps in einer aromatischen Tomatensauce, die hier eine dezente Begleitung von Ouzo durchschmecken ließ und mit geschmolzenem Gravierakäse im Ofen gebacken. Zum Niederknien gut! Für € 9,–im Erasitexnes Psarades zu haben. Auch in der Muschel-Variante bestellbar.

Begleitet wurde unser Essen übrigen bei einem von uns Gästen mit dem Retsina, während wir anderen uns den weißen Hauswein, einen Lyraraki, geteilt haben, frisch und vollmundig.
Als Hauptgang wurde uns eine mit Olivenöl im Ofen gedünstete Rote Meerbarbe (€ 55,–/kg) serviert. Einfach mit einem Zitronen-Olivenöl-Dressing mit einem Hauch Knoblauch und nochmals die wilde oder krautige Wegwarte, Zichorie (Stamnagathi), serviert. Ein zarter, sehr saftiger, schmackhafter Fisch. Er überzeugt mit seiner Frische. Shrimps, Oktopus oder Sardinen kann man als Hauptgericht ab € 8,– genießen, Pasta oder Risotto mit Meeresfrüchten ab 13,– Euro.

Die Vorspeisen fangen preislich bei 0.75 Cent für das Brot an und enden bei 10,00 Euro für das Fisch-Carpaccio. Sollte ich nochmals nach Kreta kommen, dann möchte ich unbedingt wieder hier essen gehen – und mich einmal komplett durch alle Vorspeisen essen. Wir haben vorher auch wirklich schon sehr gut gegessen – aber hier hatte alles diesen einen Tick mehr Eigenständigkeit, den Spritzer Zitrone, war weniger tot gekocht. Hier war einfach etwas mehr Liebe auf dem Teller! Danke an die Köchin Erisa und ihr Team für dieses köstliche Erlebnis.

Tnodoris Tsikanakis serviert mit seinem Team im Erasitexnes Psarades eine ehrliche und liebevolle Küche zu ebenso ehrlichen Preisen in einer maritimen Umgebung – wer Fisch liebt, sollte sich das Essen hier nicht entgehen lassen! Das Restaurant hat ganzjährig geöffnet – bis auf die eine Weihnachtswoche in der auf Kreta traditionell nur Fleisch gegessen wird.
Zum Nachtisch gab es frische Mandarinen und Halva. Die Mandarinen waren wieder ein Geschenk! Süß, saftig – mit dem Geschmack meiner Kindheit!

Erasitexnes Psarades
Geöffnet täglich ab 12:00-24:00 Uhr
Heraklion Port
71202 Kreta

2024-04-11

Enjoy—it's from Kreta, Teil II

Am zweiten Tag unserer Reise im Rahmen von „Enjoy—it’s from Europe” mit dem Themenschwerpunkt nachhaltig angebautes Gemüses von Kreta, sind wir von Heraklion aus einmal komplett durch die gesamte Insel auf die gegenüberliegende Küstenseite nach Psari Forada gefahren. Das Wetter war – im Gegensatz zum regnerischen Vortag – fantastisch und unser Fahrer hatte jede Möglichkeit genutzt, mich an meine gesundheitliche Wohlfühl- als auch mentale Toleranzgrenze zu fahren. Das möchte durchaus etwas heißen.


Psari A.C. – ein ganzer Ort für die Gurke!
Unseren ersten Stopp erreichten wir deutlich verspätet bei Psari A.C. Diese Genossenschaft existiert seit 2006 und seit 2010 hat sie sich aufgrund der erarbeiteten notwendigen Zertifizierungen als Gemüse-Exportgemeinschaft in der EU etabliert. Das Kerngeschäft ist hier hauptsächlich der Anbau der Gurke!

Jedes, der hier produzierten Schlangengemüse wird, wie von den EU-Zertifizierungen vorgeschrieben, ab der Ernte bis zur Auslieferung getrackt, sodass ihre Herkunft jederzeit nachvollziehbar ist. Für EU-Produzenten. Die Kritik, der am Tag zuvor besuchten Kooperativen hinsichtlich der viel lascheren Konditionen für nicht in der EU produzierenden vorgeblich Bio-Anbieter, sie klingt auch hier mehrmals durch. Man kann sich so wohl kaum grün sein, in diesem grünen Business.
Während wir auf der Terrasse der modernen Niederlassung von Psari A.C. mit der 1300 Meter großen Kühl- und Lagerhalle, heißen Kaffee, ziemlich leckere griechische Knabbereien – und natürlich sehr frische Gurken – serviert bekommen, fühlen wir uns familiär liebevoll aufgenommen. Erste Informationen erhalten wir über diesen Ort gemeinschaftlicher Organisation und Vertrieb: 69 Mitglieder mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren zählt diese Genossenschaft heute. Pro Erzeuger werden im Schnitt 8 Hektar Produktionsfläche bearbeitet; das ist nicht nur auf Kreta, sondern in ganz Griechenland überdurchschnittlich.
Im Hintergrund lockt Schnee auf dem Hausberg, gegenüber im Garten leuchten reife Zitronen am Baum.
Und wir sind mitten drinnen im Tagesgeschäft! Ständig fahren die Landwirte mit ihren größeren und kleineren Pickups vor und laden ihre Tagesernten ab. Die Mitarbeiter um uns herum sind sofort aktiv dabei, die Pickups an die Laderampe zu lotsen und entladen die Fahrzeuge so schnell, dass man kaum gucken kann. Schon steht das nächste Auto an der Rampe. Und dennoch wirkt das alles angenehm ruhig hier.

Die Guten ins Töpfchen – die Krummen ins Joghurt!

In der Halle selber werden die angelieferten Gurken vorsortiert. Vier Kategorien zeigen uns der Präsident Nikos Maroulakis zusammen mit Manolis Papadakis (Manager).
Die riesengroße Gurke links, die es nie in einem europäischen Supermarkt schaffen wird, nur weil sie der üblichen Handelsnorm nicht entspricht. Was ich für mich immer wieder bedauere, ich kaufe gerne Gemüse, das anders aussieht als gewohnt. Die zweite Gurke links, die wir so auf bei unseren deutschen Supermärkten auch finden – die formvollendete Normgurke.
Die beiden Exemplare rechts davon landen höchstens noch auf griechischen Märkten und vor allem das krumme Modell hat, mit seiner Entscheidung so lustig zu wachsen, sein Ende in der Kosmetikindustrie oder im industriell produzierten Tsatsiki beschieden.
Für frische Gurken in den Regalen auf dem EU-Festland verbürgt sich Maroulakis. Alle Gurken, die hier angeliefert und sortiert werden, verlassen noch am gleichen Tag in den Lkws die Kooperative in Richtung zentraler Verpackung, verlassen spätestens am folgenden Tag die Insel.
Das berührt mich dann doch ehrlich gesagt, vor diesem Gemüse zu stehen, zu erleben, dass es hier händisch vorsortiert wird – weil der Markt (wir) vorgeblich die perfekte Einheitsware nur kaufen will.

Maroulakis kann sich auch den Seitenhieb nicht verkneifen zu betonen, dass überall in der EU die Gurke in Folie verpackt ausgeliefert wird und somit deutlich länger frisch bleibt. Und nur die Deutschen hier mit der Ablehnung der Plastikfolie eine Sonderrolle für sich beanspruchen. Er gibt uns den freundlichen Tipp, unsere in Deutschland unverpackten Gurken besser selber in Folie einzuwickeln und so im Kühlschrank bei 8 Grad Celsius zu lagern. Weil sie so länger frisch bleibt, mindestens zehn Tage nämlich, wir länger Freude am Produkt haben.
Ach, ich halte es da wie gewohnt: Meine Gurken kommen nicht in den Kühlschrank, sondern einfach schnell auf den Teller. Was gar nicht verkehrt ist, denn wir lernen unter anderem, dass eine frische Gurke komplett grün ist – also auch in ihrem Inneren. Ist ihr Fruchtfleisch weiß, gilt sie unter Fachleuten als überlagert. Und wir hören das Plädoyer für den Genuss der Gurke mit ihrer Schale, wenn möglich. Als Lieferant der Vitamine C, K und B-Gruppe und den Mineralstoffen Kalium und Eisen ist ihr kompletter Genuss empfohlen. Sie besteht zu 96 % aus Wasser, da darf einfach nichts weg von dem, was die Vitamine enthält.
Psari A.C. ist heute der größte Gurken-Exporteur in Griechenland. Durchschnittlich 7.000.000 Kilo Gurken erreichen von hier die europäischen Märkte pro Jahr – Tendenz steigend. Der ganze Ort hier arbeitet für Psari A.C.. Entweder in der Niederlassung oder in den Gewächshäusern, die auf einer Fläche von 401,30 Hektar rund um den Ort stehen. Man versteht sich als Genossenschaft auch im sozialen Sinn. Das unterstreicht auch die Tafel unterhalb des Firmenschildes, auf der man den verstorbenen Mitarbeitern gedenkt.
Auch hier wird das gesamte Jahr – bis auf die besonders heißen Monate – angebaut. Wobei man auch hier in den Gewächshäusern immer wieder Tomaten, Auberginen und Paprika finden wird, die für den kretischen Eigenbedarf angebaut werden. In der Ruhezeit sollen sich die Böden regenerieren.

Gurkenanbau mit THE View!

Wir steigen in unseren Mini-Bus und fahren Richtung Küste und zum Ort gehörenden Strand Sidonia. Er gibt dieser Kooperative „Vegetables Sidonia Sun – with the aroma of Crete” den Slogan.

Okay, sollte ich je als Gurke wieder geboren werden, dann doch bitte dort! Die Gewächshäuser stehen hier wirklich bis an den Küstenabhang; zu unseren Füßen liegt am Strand der Ort – der sich natürlich im Sommer zu einem beliebten Touristenort wandelt. Auch hier sichern sich die Mitarbeiter der Kooperative dann im Tourismus ihr zweites Einkommen.
Die Gurken wachsen hier mit Blick direkt auf das Mittelmeer. Und das Mikroklima mit windarmen Sommern und sehr milden Wintern lassen hier fantastische Gemüse, übrigens auch Bananen, wachsen, deren Schädlinge ebenfalls ausschließlich mit Nutzinsekten in Schach gehalten werden. Insektizide sind hier passé.

A.C. TYMPAKIOU – zum Schluss ein bisschen Superlativ!
Ein ähnliches Prozedere erleben wir an unserem nächsten Stopp bei A.C. TYMPAKIOU, EU-deutsch: A. C. Tympaki. Ein neuer Superlativ erwartet uns, denn wir sind nun zu Gast in der größten kretischen Genossenschaft. Hier führt uns unterhaltsam und sehr selbstbewusst der Manager Ioannis Tzortzakaki durch die großen Hallen und Kühlräume.
Das Tagesgeschäft scheint in großen Teilen bereits erledigt zu sein. Unsere Verspätung vom Vormittag hatte sich ausgeweitet. Paprikaschoten in verschiedenen Farben werden hier sortiert und für den weiteren Versand fertig gemacht. Aber auch duftende Zitronen, extrem aromatische Datteltomaten und vereinzelte Gurken warten in den Kisten auf ihre weitere Bestimmung. Zur Begrüßung werden uns frische Zitrusfrüchte hingestellt – die Mandarinen schmecken wieder so gut!

Die Lagerhallen von Tympaki wirken deutlich größer als die Kooperativen, die wir bisher besucht haben. Hier ist aber auch die Geschichte des Unternehmens auch deutlich länger.
1945 wurde als Olivenöl-Kreditgenossenschaft von Tympaki (E.P.S.T) gegründet – und wie der Name schon verspricht, waren damals der Anbau von Oliven und Produktion von Olivenöl das Kerngeschäft. 1983 fusionierte man mit der OSPAKP (Erzeugergenossenschaft von Kokkinos Pyrgos) und fortan firmierte mal als Agro-Industrie-Genossenschaft von Tympaki.

Die Gründung der A.S. Tympaki in 2008 galt vor allem der Professionalisierung im Absatzmarkt. Diese Genossenschaft zählt heute 620 Mitglieder. Alle teilen sich die Ressourcen in der Produktion, Verarbeitung, Verpackung und im Vertrieb bzw. Speditionsbetrieb und übrigens auch Human Ressourcing. Bei der Größe ist es kein Wunder, dass das Spektrum der Produktpalette hier besonders groß ist und je nach Saison sehr unterschiedlich ist. Ach ja, Olivenöl wird hier auch weiterhin produziert.
In einer der Lagerhallen warten Unmengen von Kartons mit Melonen-Aufdrucken, dem Obst, das von hier aus als Nächstes in die Regale der EU ausgeliefert wird.

Übrigens legt man wenig Wert auf Verkäufe an (fast) Monopolisten wie LIDL etc. Tzortzakaki erklärt, dass sie so viel Gemüse produzieren und ausliefern, dass sie es sich einfach nicht leisten können, wenn solche Unternehmen dem Gemüse – aus nicht nachvollziehbaren Gründen – keine gute Qualität bescheinigen wollen in der Endabnahme, um lediglich die Preise zu drücken. Ja, wir lernen (nicht nur) hier einiges über schlechtes Benehmen der Einkäufer der großen Ketten. Das lässt mich ratlos zurück. Zumal: Auch ich bin Teil dieses unsäglichen Marktgebahrens.
Und wieder stehen die Mitarbeiter an den Verpackungstischen, sortieren und verpacken das frische Gemüse. Und es erwartete uns das gleiche Bild wie schon bei fast allen anderen Kooperativen, die wir auf Kreta besucht haben:
Immer wieder standen in den Hallen am Rand Verpackungsmaschinen, meist unter Folie verpackt, seit längerer Zeit unbenutzt herum. Einmal wurde scherzhaft betont, es gäbe keine Mitarbeiter mehr, die diese in sichtlich früheren Jahren produzierten Geräte, noch bedienen könnten. Immerhin, das Outsorcing der Maschinen – aus welchen Gründen auch immer – sichert den Menschen ein Einkommen. Zumindest in Mindestlohnhöhe.
Was für eine Paprika!

Szenenwechsel. Wieder fahren wir in die Vegetation und während ein Teil unserer Gruppe sich fröhlich auf dem Pickup zum Gewächshaus transportieren lässt, bin ich nach stundenlanger Fahrerei unendlich dankbar für 500 Meter Weg zu Fuß entlang der Oliven- und Zitronenbäume. Düfte, Gesumme, Natur und Sonnenschein – es ist wirklich herrlich. Übrigens auch in dem Gewächshaus, in dem jetzt noch grüner Spitzpaprika im Wachsen ist, um sich in schwarz-rote Spitzpaprika zu verwandeln.
Die wir direkt vom Strauch probieren dürfen – und die unfassbar knackig, süß, einfach verdammt lecker sind. Himmel, sind die gut. Und unbehandelt.
Davon könnte man mir monatlich problemlos eine ganze Kiste schicken! Und Olivenöl, das wir leider nicht einmal probiert haben.
Interessant im Gewächshaus, wo auch – wie zuvor in allen anderen Gewächshäusern – vertikaler Anbau betrieben wird, um mehr Gemüse produzieren und einfacher ernten zu können, die eine oder andere Reihe, wo testweise versucht wird unter geänderten Bedingungen anzubauen. Probeläufe, um höhere Erträge zu erzielen. Die auch wieder verworfen werden, wenn sich der erhoffte Erfolg nicht einstellt. Aber man möchte sich entwicklen und das zu beobachten, hinterlässt bei mir auch nachhaltigen Eindruck von dieser Reise.

Zurück zum Mini-Bus laufe ich wieder und freue mich wie Bolle darüber, dass mir vorher erlaubt wurde, die Zitronen frisch vom Baum zu pflücken.
Zum Teufel mit den Göttern, das war wirklich paradiesisch!

Enjoy it's from Kreta, Teil 1

2024-04-06

Merastri – kretische Küche vom eigenen Feld

Wir konnten auf Kreta in verschiedenen Restaurants die mediterrane Küche genießen – und haben uns übrigens schnell auf die üblichen griechischen Traditionen eingelassen: Von allem etwas bestellen, alles auf den Tisch und teilen!

Eines meiner absoluten Highlights war unser Abendessen im Merastri. Es liegt in Altstadtnähe unweit der historischen Stadtmauer in Heraklion in einer kleinen Straße. Der Eingang zu dem Restaurant in der neoklassizistischen Villa von 1930 ist nicht zu übersehen. In den Sommermonaten können Gäste auch auf der Terrasse und im großen Garten Platz nehmen.
Jetzt, an einem kühlen Abend im März, freuten wir uns über den Platz an der zentralen Feuerstelle mitten im Restaurant und bewunderten die alten – wie das gesamte Haus – denkmalgeschützten Bodenfliesen.
Um ihnen gerecht zu werden, wurde die Innenarchitektur klassisch gestaltet. Zurückhaltende Moderne mit bewusst eingesetzten Stilelementen, der Bauzeit der Villa nachempfunden.
Uns empfangen hell eingerichtete Räume, liebevoll eingedeckte Tische – und vor allem das so charmante Ehepaar Elena und Dagantas Mavromati. Beide haben vor 25 Jahren dieses Restaurant von der ersten Generation übernommen und zu dem preisgekrönten Juwel entwickelt, das es jetzt ist. Liebevoll eingedeckte Tische und die Speisekarte sind eine Verbeugung vor der traditionellen kretischen Küche. Alle Gerichte, die uns serviert wurden, hatten einen modernen, klaren Touch. Dabei setzen beide mit ihrem Team und insbesondere mit Köchin Olga ausschließlich auf die Qualität der hervorragenden Produkte, die diese Insel Kreta ihnen offenbart.

Die Besitzer des Merastri sind nämlich auch Landwirte, Winzer und Imker. Stolz erzählt uns Eleni, dass die meisten Produkte, die in ihrem Restaurant serviert werden, von ihr und ihrem Mann selber angebaut werden. Weine und Raki sind selbst gekeltert. Dolamdes sind natürlich in Weinblätter der eigenen Weinstöcke eingelegt wie die Oliven – die aber auch zu dem hauseigenen Olivenöl verarbeitet werden.
Die verwendeten Kräuter wurden auf dem eigenen Grund selbst gesammelt. Und auch der in den Gerichten verarbeitete Honig stammt von ihren Bergbienenvölkern. Das Fleisch indes stammt von ihnen bekannten Produzenten der Insel, deren Zucht sie seit Jahren vertrauen.
Die Gerichte von Merastri sind pure kretische Tradition und Kultur. Die Teller, die uns serviert werden, sind von einfacher und klarer Ästhetik. Die Starter – Brot, Tomaten und Oliven – schmecken intensiv. Der griechische Salat leuchtet in den Farben purer Lebensfreude, mit seinem soften, aromatischen Feta.
Kein Chichi, dafür durchgehend die Konzentration auf den Geschmack. Es wird nicht viel herumexperimentiert. Das im Holzofen gebackene Lamm ist unglaublich zart, die knusprige Haut schmilzt auf der Zunge.

Die Streifen der Rinderleber in Honig, mit Rotwein und Balsamico geschmort und mit Avocadocreme serviert, sind für mein Empfinden sehr durch. Die aromatische Sauce mit ihrem Thymian- und Rosmarin-Aroma voller Tiefe begleitet sie hervorragend.
Und das Highlight auf der Menükarte, die junge Ziege in einer Ei-Limonen-Sauce und wildem kretischen Gemüse (fantastische, von mir sehr verehrte Cardy) ist zart und saftig, voller Geschmack und Aromen. Die Sauce ganz leicht und frühlingshaft, einfach … fein. Alle, mehr als reichhaltigen Gänge werden von den landestypischen, im Holzofen gebackenen saftigen, gut gewürzten Kartoffeln begleitet.

Und während Elena auf ihren eigenen roten Hauswein schwört, gibt sie zu, dass der selber angebaute Weißwein ihren Ansprüchen nicht genügt und sie ihn daher zu Raki verarbeiten. Dieser wird uns als Digestif in drei Variationen – Natur, mit Minze und mit Granatapfel – serviert.
Uns empfiehlt sie zum Essen einen Psithiros Muscat of Spina 2023 (Weingut Silva), der in der Umgebung von Heraklion auf Kreta angebaut wird. Wir haben einen fruchtvollen, goldenen Wein im Glas, dessen Bouquet von Gras, Honig und sehr reife Früchte wie Melone und Steinobst erzählt. Geschmacklich ist da viel Pfirsich und Mineralität und wenig Säure im Spiel. Dieser Muscadet wird auf Tonkalkgestein angebaut, den Boden trifft man unbedingt wieder im Glas. Wir sind zu dritt – und verehren diesen Wein alle!
Das Dessert setzt unserem fantastischen Menü die Krone auf. Der Orangenkuchen mit Schafsmilcheis passt wider Erwarten tatsächlich – zum Glück – noch rein und ist die Offenbarung an Fluffiness, Orangenaroma, dazu das perfekt die Süße vom Kuchen relativierende cremige Schafsmilcheis – ein Dreamteam!

Und herzlichen Dank, liebe Olga, dass Sie Ihr Rezept für diesen fantastischen Kuchen mit mir so großzügig geteilt haben!
Das Halva ist mit Abstand das softeste und geschmackvollste Halva, das wir während unseres Aufenthaltes auf der Insel serviert bekommen haben. Ein wundervoller Abend wurde uns im Merastri geschenkt – und sollte ich wieder zurück nach Kreta kommen, dann garantiert auch wieder hierher.

Merastri
Chrisostomou 17
Heraklion 713 06, Griechenland