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2026-03-31

Kartoffel an Preußisch-Blau – nur im HERITAGE!

Die Aussichten könnten viel schlechter sein. Wer das HERITAGE betritt und einen Fensterplatz als Refugium für die nächsten Stunden sein eigen nennen kann, guckt auf den Gendarmenmarkt, insbesondere auf das Konzerthaus, rechts davon auf den Deutschen Dom.

Tiefes, dunkles Blau ist die Hauptkomponente im Einrichtungsstil des Restaurants – dunkler kann ein Blau kaum noch vorkommen. Wenige wissen, dass man das Preußisch Blau aus dem Tuschkasten in Malersprache auch Berliner Blau nennt, da passt das schon. Innenarchitektin Oana Rosen hat den Räumen mit der Farbe preußische Kühle mit moderner Gemütlichkeit verliehen, die Kunst an den Wänden stammt vom Fine Art Photokünstler András Dobi aus Ungarn.
Das Restaurant HERITAGE gehört zum Hotel Luc. Das Boutiquehotel zählt zur Autograph Collection der MHP-Gruppe und hatte 2022 in Berlin seine Türen geöffnet. 75 Zimmer und 17 Suiten mit Fitness- und Sauna-Bereich, zwei große Möglichkeiten für Konferenzen – und allerbeste Lage am U-Bahnhof Stadtmitte.

Die schönen Räume zu (beinahe) ebener Erde teilen sich auf in den Restaurant- und Barbereich, eine private Lounge kann auch reserviert werden. Im Sommer lockt die Terrasse in der Charlottenstraße.
Übrigens: Luc, so nannte der Philosoph Voltaire seinen guten Freund Fritz, wir reden von Friedrich II, den Großen, beim Kosenamen. In der Sprache Voltaires wird „Luc” gerne im Wortspiel als höflichere Variante für das recht derbe „Cul” (Arsch) verwendet. Beide Männer verband über 42 Jahre eine intensive Freundschaft mit hohem Briefaufkommen – und offensichtlich gerne auch deftigem Sarkasmus in ihrer Kommunikation.
Es ist sehr gemütlich hier – und es gibt keinen Grund, auch für Berliner, dieses Restaurant nicht für sich zu entdecken. Geöffnet ist das HERITAGE ab 06.30 Uhr und serviert dann (nicht nur) Hotelgästen das Frühstücksbüfett. Mit einer kurzen Pause zwischen 11:00 und 12:00 Uhr werden die Wünsche zum Mittag und Abend der Gäste erfüllt.
Wir dürfen uns auf Einladung dem „The Taste of HERITAGE“-Menü widmen. Vier Gänge mit einem Glas Champagner zur Begrüßung und Weinbegleitung zu jedem Gang, werden auf dem wunderschönem Porzellan der Königlichen Porzellan-Manufaktur serviert.
Dem Gelage am Gendarmenmarkt ist geschuldet, dass sich das HERITAGE gemeinsam mit dem Hotel im Fan-Duktus jenem König, dann Kurfürsten Friedrich II., verschrieben hat. Oder wie wir hier im provinziellen Hauptstädtchen gerne sagen: Dem alten Fritze. Im HERITAGE begegnet er an der Bar als Gin Fritz.

Dieser Mann, im Gegensatz zum aktuellen Fritz, hatte noch ein Gespür und Interesse am Wohlergehen seines Volkes und erließ den berühmten Kartoffelerlass, um das (zunächst diesbezüglich eher undankbare) Volk so vor einer weiteren Hungersnot nach mehreren Getreidemissernten zu schützen. Das Volk hielt die Teufelsknolle für giftig, Fritz ließ sie trotzdem im Land erzwungen anbauen – der Rest ist deutsche Geschichte.

Diese Kartoffel ist nun der heilige Gral im Hotel Luc und HERITAGE. Irgendwie sympathisch. Wir finden sie in der Dekoration – und auf der Karte!
So zeichnet sich dann auch im Menü der erste Gang durch Pommes Allumettes besonders aus, denn in deren Nest ruht ein delikates Bœuf Tartare und ein apartes Eigelb on top. Das Bœuf Tartare ist ganz wunderbar abgeschmeckt und duftet elegant nach Kapern, das Eigelb tut nachdrücklich, was es tun soll, und umhüllt das Tartare elegant-reichhaltig mit seiner Creme. Die Pommes Allumettes sind knusprig und kalt. Ich bin ehrlich, ich präferierte sie in warmer Variante. Frittierte kalte Kartoffeln bringen immer eine gewisse Bitterkeit mit, die ich hier im Kontext nicht wertschätzen vermochte. Nun, es isst wie es ist.
Es folgt eine Kürbissuppe. Sie beherrschte die hohe Kunst, uns zu verwöhnen. Heiß, duftend – köstlich. Sie wird cremig und würzig, mit Kokoscreme und Tahin angemacht, der Sesamduft steht ihr außerordentlich gut – wie auch der frische Crunch der Granatapfelkerne. Ein weiterer Levantegruß versteckt sich im Süppchen: geerdete Kichererbsen. Jeder am Tisch ist ein bisschen in diese Suppe verliebt. Ist so!
Derweil sind wir vom Champagner umgestiegen auf einen der offenen Weine, als da wären ein Chardonnay – Domaine Laballe Sud Quest von 2023. Und ich wünsche mir den Eins – Zwei – DRY Pinot Noir Rosé von Leitz im Rheingau ins Glas. Ein sehr zarter Schmelz und feine Frucht – ihn stelle ich mir sehr gut zum Spargel vorl!
Zum Hauptgang wechseln einige, auch ich, in unserer Runde auf den Sauvignon Blanc vom legendären Emil Bauer aus der Pfalz. Wie schon 2023 in der Flasche, auch 2026 im Glas mit seinen klaren, demokratischen Grüßen. Klassiker.
Meine Nachbarin bleibt in der Welt des Rosé und wählt eine Pinot Noir Cuvée (Weinberge in Wachenheim und Ruppertsberg) von Dr. Bürkling-Wolf (Pfalz, 2023)– und ja, diesen Wein werde ich mir definitv merken. Spannender Charakter, ein besonderer Rosé. Und ein Etikett, bei dem Rosmunde Pilcher schwach werden würde.

Ach, geht einfach mal Wein trinken im HERITAGE. Ist doch bald Frühling und die schöne Zeit auf der Terrasse nicht mehr weit. Hier lebt sich charmantes Brasserie-Feeling in Berlins schönster Jahreszeit an einer der beeindruckendsten Adressen dieser Stadt. J'en serais ravi. Zumal euch Der Alte Fritz hier ins Ohr flüstert: „Kein Mensch taugt ohne Freude.”
Nun, da, wo der Preußenkönig sein fröhliches Unwesen treibt, sind natürlich die Hugenotten in Berlin nicht weit. Es ist also kein Wunder, dass Küchendirektor Florian Glauert mit seinem Team sich der deutsch-französischen Cuisine verschrieben hat. Der gebürtige Berliner Glauert hat jahrelange Erfahrung in der Sterne-Gastronomie im In- und Ausland gesammelt.
So gelingt der nächste Gang sehr französisch – und spätwinterlich saisonal. Die Jus zum Short Rib duftet schon in Richtung unseres Tisches, da können wir unseren delikaten Hauptgang noch gar nicht erblicken.
Wat ’ne Soße! Das Short Rib ist butterweich und fällt von selbst vom beeindruckenden Knochen, der auf dem Teller durchaus eine visuelle Ansage macht. Dazu gibt es ein cremiges Kartoffelgratin. Wir erfreuen uns ob dieser Opulenz – ich mich insbesondere über diese glänzende Jus, die nach Port und rotem Gewächs duftet und einfach ein Geschenk ist!
Auch der Nachtisch hat (mittlerweile eingedeutschten) französischen Charme. Fondant au chocolat mit etwas Vanilleeis und eingelegter Kumquats auf einem Maracuja-Spiegel. Letzterer ergänzt auch meinem Teller. Meine Nachbarin, die Probleme beim Genuss von Nüssen hat, vertraut lieber alternativ auf die Collection von Sorbet, dem ich mich anschließe.
Das uns servierte, bildschöne Gemälde besteht aus einem sehr cremigen Bananen-, Erdbeer- und Veilchensorbet. Ach, Veilchen! Da lassen die, leider stillgelegten, Galeries Lafayette von um die Ecke grüßen.
Wir genießen einen aromatischen Espresso und beschließen den Abend beglückt, köstlich bekocht und vor allem so sehr charmant bedient von Sheila Scheidemann, der Food and Beverage Managerin im HERITAGE. Das Menü kostet derzeit € 99,—, mit Weinbegleitung zusätzlich für vier Gläser € 49,—, alkoholfreie Begleitung mit zusätzlichen € 39,— berechnet.

Selbstverständlich lädt das HERITAGE ein, auch à la carte zu dinieren, um jeden Gang des Menüs auch einzeln genießen zu können. Die Karte liest sich bonfortionös und lässt – naturallement – auch Vegetarier bzw. Veganer nicht verhungern! Wie klingt beispielsweise als Vorspeise Vatare HERITAGE – Jackfruit, Rote Beete Pilze, Rauchmaj – vegan oder Pilze à la Crème mit knusprigen La Ratte-Kartoffeln, Belper Knolle und schwarzem Trüffel?

Eben!

Restaurant HERITAGE
Charlottenstraße 51, 10117 Berlin
Homepage
Reservierung erbeten

2026-03-26

Tischlein deck dich! im Nah und Fern | Fusion Kitchen

Ich finde, es gehört eine ordentliche Portion Mut dazu, in diesen Zeiten in Berlin ein Restaurant zu eröffnen. Lisa, Kevin und Maikel sind's. Also mutig. Die drei Begründer*innen des Nah und Fern | Fusion Kitchen in der Schönhauser Allee 135 a haben im letzten Sommer ein gemütliches Refugium, unweit der U-Bahn-Station Eberswalder Straße, eröffnet.

Die Einrichtung ist klar, modern und trotzdem gemütlich. Im Winter bollert der kleine Kamin in dem hinteren Zimmer, das von den wunderschönen Fenstern in warmes Licht getaucht ist. Berliner würden sagen, das ist ein schmucker Ort mit kleinen Raffinessen. Und einem sehr freundlichen Empfang.
Die drei Gastrobegeisterten haben ihre persönlichen Talente und Professionen in die gemeinsame Waagschale geworfen und eine GmbH gegründet. Die Geschwister Lisa und Kevin mit deutsch-vietnamesischen Wurzeln und Koch Maikel Gööck (als Geschäftsführer). Das spricht für Selbstbewusstsein und ihren Glauben an das Nah und Fern – auch in diesen komplexten Zeiten für Gastronomien.
Lisa, als gelernte Restaurationsfachkraft, ist uns Gästen eine reizende Begleitung durch den Abend, Kevin sieht seinen Platz hinter der Bar. Zu Recht, die Cocktailkarte des Nah und Fern | Fusion Kitchen kann sich sehen lassen – auch in ihrer alkoholfreien Variante.
Die restliche Spirituosenkarte ist angenehm übersichtlich. Drei weiße Weine, zwei Rote, ein Rosé, zwei Crémant (weiß/rosé), zwei Biere mit, zwei ohne Umdrehungen. Ich mag das, der Sauvignon Blanc von Jochen Uebel aus der Pfalz begleitet unser Menü – absolut passend.
Maikel Gööck war lange Küchenchef in der Rôtisserie Weingrün, wo Lisa und er sich gefunden haben. Seine Küche ist die Begegnung der deutsch-französischen Liaison, die nun durch den Ausflug ins ferne Vietnam zu einer wundervollen, leichten Ménage à trois gewachsen ist. Die Karte des Nah und Fern | Fusion Kitchen ist da Programm. In jedem vermeintlich deutschen, französischen oder asiatischen Gang begegnet uns ein aromatischer Gegenspieler der jeweils anderen Küche. Das ist überraschend gut und macht Spaß!
Auch die Karte ist dabei angenehm übersichtlich geraten. Es gibt vier Vorspeisen, drei Hauptspeisen, drei Desserts – natürlich auch in einer veganen Variante zu genießen. Parallel dazu kann ein 3- bzw. 4-Gang-Menü gewählt werden. Einige Gänge lassen sich charmant upgraden – zum Beispiel der aromatische Reisnudelsalat, den es gegen Aufpreis auch mit Garnele gibt.
Den Reisnudelsalat mit Tofu ergänzen auf der Vorspeisenkarte Rindertatar oder der (wirklich!) perfekte Caesar Salad mit Granatapfelkern.
Die Hauptgänge: Backhähnchen, Bao Buns oder vietnamesische Königsberger Klopse – vom Kalb – und geröstete Miso-Aubergine mit Kartoffel-Wantans als vegetarische Variante. Für Abwechslung sorgen die Menüs auf der Karte, deren Gänge sich von den üblichen Angeboten gänzlich unterscheiden – so durchaus Flexibilität im Angebot ermöglichen. Wir probieren aber das einzigartige Menü zu einem besonderen Event: Lisa, Kevin und Maikel feiern ihr Kiezfest „Tischlein deck dich!” und möchten sich mit diesem Menü ihrer Nachbarschaft am 31.03.2026 ab 18 Uhr (das getimte Menü startet um 18:45 Uhr) vorstellen. Und ja, es lohnt sich!
Es wird ein 3-Gang-Menü zum Sharing serviert, wahlweise mit Bier- oder Weinbegleitung für je 74,— bzw. 84,— Euro pro Person inklusive Wasser.
Der Aperitif (optional) wird mit 5,— Euro berechnet. Wir starten damit und lassen uns von Kevins Signature Drink überzeugen: Das ist der Yuzu Spritz, mit und ohne Alkohol bestellbar. Leicht, softes Zitrusaroma, zarte Süße, die sich nicht in den Vordergrund spielt.
Sensationell das selbst gebackene Brot, das mit Miso-Butter serviert wird. Krachend knusprig, würziger Geschmack der lockeren Krume. Die erste Portion geht aufs Haus, die nächste wird für 3 Euro serviert.
Ganz ehrlich? Ich könnte hierherkommen und nur das Brot essen! Und mit der Idee war ich nicht alleine.
Zu diesem extrem köstlichen Brot servieren sie als Vorspeise den schon erwähnten Reisnudelsalat und einen gepickelten Knollensellerie mit Kräutersalat als Inlay und dazu einem würzigen Sesam-Dressing, er hatte mein Herz im Sturm erobert. Leichter Biss, gute Aromen – der Sesam tut der erdigen Knolle wirklich gut.

Auch zum Teilen gedacht, sind die drei Begleiter des Hauptganges.
Und da werden die faszinierend zarten-knusprigen Backhähnchen von Borgmeier mit spicy Chili-Mayonnaise von der Hauptkarte serviert, die uns in der Runde sehr begeistert haben. Das Fleisch butterzart, der Crunch krachend gelungen.
Gemeinschaftliche Liebe zum begleitenden Nouc-Cham-Kartoffelsalat, der mit einem Hauch Fischsauce abgeschmeckt wird. Asiatische Fischsauce, zarte Schärfe der Nouc-Cham an Kartoffel mit Radieser und Schnittlauch, den aromatischen Knusper liefert die Senfsaat – unbedingt merken!
Ein zartes, perfekt rosa gebratenes Flanksteak im Tagliata-Style serviert (mit Estragon-Beure-Blanc) und die asiatische, würzige Komponente: geschmorte Short Ribs mit gepickelten Zwiebeln. Wirklich zart und würzig in ihrer perfekt abgeschmeckten Teriyaki-Sauce. Begleitet von eingelegtem Gemüse und einer sehr gelungenen Variante des Caesar-Salats mit Wasabi-Limettendressing und Granatapfelkernen.

Dieses Menü ist eine gelungene Kombination zwischen den Welten, Maikel versteht seinen Job in der Küche absolut, und die Kreativität, die alle drei uns Gästen im Nah und Fern zumuten, unterhält und öffnet unseren Horizont! In diesem Menü kann sich jeder wiederfinden – und auch wenn es jetzt etwas sehr fleischlastig klingt, natürlich haben die drei eine vegane Variante in petto!

Wir hatten einen schönen und vor allem leckeren Abend, so charmant begleitet von unseren herzlichen Gastgebern. Der ein noch köstlicheres Ende fand mit der Runde Cocktails, die Kevin zauberte, und Lisa servierte dazu eine besondere Crème brûlée mit Aromatiken von Limette und Ingwer und dazu ein Zitrusfruchtkompott mit Jackfruit.
Also: Wenn ihr am 31.3.2026 noch nichts vorhabt. Hier könnt ihr euren Tisch und euer Menü buchen.

Und auch sonst empfehle ich herzliche gerne einen Besuch im Nah und Fern | Fusion Kitchen. À la carte bietet es mit spannende Begegnungen. Das Nah und Fern öffnet seine Fusion Kitchen Dienstags bis Samstags von 17.00-22:00 Uhr.

2026-02-22

Die RIVO Spreeterrassen

Die RIVO Spreeterrassen sind wunderschön – aber auch etwas versteckt – an der Spree auf der Kreuzberger Seite gelegen und servieren mediterrane Küche mit einem Hauch Levante-Style. Mir hat der Besuch sehr viel Spaß gemacht!

Es gibt eine Tradition im Sommer, die gepflegt werden will. Bei der bevorzugten italienischen Eisdiele in der Skalitzer Straße wandern zwei Kugeln Eis in das Cornetto und dann wird gemütlich hochgelaufen zum Schlesischen Tor und zur Spree hinunter. Dort findet der Eisgenuss meist sein logisches Ende – weil nämlich aufgegessen – und dann guckt man beglückt über die Steinbrüstung und bewundert auf der gegenüberliegenden Seite die Schiffe entlang der East Side Gallery und die Oberbaumbrücke. Ganz nebenbei ist man gerade ziemlich happy mit dem eigenen Berlin.
Und rätselt, was für eine Restauration sich unterhalb dieser Mauer wohl befindet? Zur Lösung dieser Frage müsste man die Treppen herabsteigen, um das RIVO zu entdecken. Aber … wer macht das schon so ins Blaue, denn selbst wenn im Sommer die Terrassen bestuhlt sind? Alles wirkt eine Spur intim und es gehört schon eine Portion Chuzpe dazu, auf Entdeckung zu gehen.

Dass ich neulich einer Einladung ins RIVO folgen durfte, hatte mich dann sehr vorfreudig gestimmt, dieses Restaurant erleben zu dürfen. Und das sogar in einem Winter, in dem die Spree rund um die Oberbaumbrücke zugefroren ist und die Terrasse des Restaurants direkt am Eis abschließt – was selten genug vorkommt.
Ich habe dann aber doch nicht die Schlittschuhe genommen, um vorzu(r)eisen. Vom U-Bahnhof Schlesisches Tor sind es keine vier Minuten bis zum RIVO, das zur FARO Gruppe gehört, zu Fuß. Die Anreise mit dem Auto mit langer Parkplatzsuche kann man sich wirklich sparen, zumal die RIVO-Bar hervorragend bestückt ist, von Talenten bedient wird und auch die Weinkarte umfangreich und abwechslungsreich durch aller Menschenländer gestaltet ist. Auf der Karte bietet sich eine feine Auswahl von Cocktails als Aperitivi an.
Mein persönlicher Favorit: der Negroni, dessen Bitternis den Magen vorsortiert für das, was kommen mag. Der Espresso-Martini zeugt ebenso von edlem Aperitivo-Charme. Wie schon angemerkt, die charmanten Menschen hinter dem Bartresen, verstehen ihr Handwerk!

Wer nach Nennung der Cocktails vermutet, hier würde italienisch verwöhnt, liegt genau richtig! Dabei ist die Karte des RIVO angenehm übersichtlich: sieben Vorspeisen, acht Hauptgänge, zwei Desserts. Vorrangig Süditalien grüßt mit einem Hauch Frankreich. Etwas Levante-Küche zeigt sich vor allem in den Beilagen, die gerne püriert auf die Teller kommen. Wer es luxuriös mag, darf sich gerne optional eine Portion Trüffel der Saison oder Imperial Kaviar zu seinem favorisierten Gang dazu bestellen. In beiden Kategorien findet sich je ein veganes Gericht.

Ich werde im ersten Gang doch wieder schwach bei dem Pulpo, der auf einem Beet von schwarzem Bohnenpüree ruht. Ach, so zart bekommen ihn nur Italiener hin! Gut abgeschmeckt, wird er mit einer leichten Ziegenkäsecreme und S’chug serviert, das eine prägnante Schärfe auf den Teller bringt und durchaus südlichen Charme vermittelt.
Das Püree zurückhaltend, aber in Kombination mit den anderen Beilagen war seine Aufgabe, aufmerksamer Begleiter zu sein, gut gelöst. Visuell sowieso! Der Oktopus war wirklich zart, gut gewürzt – eine Freude. Eine gute Wahl von mir.
Auf den anderen Tellern tummelten sich eine ordentliche Portion Rindertartar mit einer noch erstaunlicheren Portion Schnittlauch, frisch gehobeltem Meerrettich und Senfkaviar oder luftige Jacobsmuscheln auf Erbse, mit Vanille und Minze abgestimmt und Croûtons für den Crunch.
Beim nächsten Mal würde ich die Ceviche bestellen, die fruchtig mit Ananas, Koriander und Mais auf dem schönsten Teller am Tisch serviert wurde. Der Testlöffel hatte mich sehr begeistert!
Preislich liegen alle Vorspeisen bei 16–21 Euro. Glücklich macht das dazu gereichte würzige Sauerteigbrot mit einer fantastischen Kruste.

Eine vegane Variante wäre Schwarze Walnuss mit Beeten und Petersilienwurzel gewesen.
Im Glas begleitete uns ein Cloudy Bay Sauvignon Blanc aus dem schönen Neuseeland (2024). Ein eleganter Weißwein, der edle tropische Früchte im Glas zeigt, wie Stachelbeere und Passionsfrucht, etwas Grapefruit. Leichter Genuss, aber eine erhabene Präsenz.

Der vegetarische Gang im Secondo: Spitzkohl, Barigoul, Trüffel, den nur niemand von uns wählte. Ich bestellte den Kabeljau mit andalusischem Kartoffelpüree, Tapenade und Cime di Rapa. Sehr fein, geschmacklich gut abgestimmt, und die würzige Tapenade aus schwarzen Oliven wie auch die leicht bittere Cime di Rape sorgten für geschmackliche Abwechslung auf dem Teller, der von dem grünen Kartoffelpüree farblich dominiert wurde.
Den Kabeljau hätte ich mir hautseitig etwas krachender gewünscht, aber er war perfekt glasig und gut gewürzt. Auf den Tellern meiner begeisterten Mitesserinnen: Petersilien-Risotto mit Walnuss, Kräutersaitling, Ziegenkäse und Trüffel – eine Portion, die von meiner Nachbarin nicht zu bewältigen war.
Auch die Lobster Linguini sahen fantastisch aus.
Und die Damen mit dem Dry Aged Rinderfilet (ganze 250 Gramm) teilten mit uns ihre Contorni – die man ganz italienisch – extra zum Gang wählen kann im RIVO. Unsere Gänge begleiteten wilder Broccoli, Trüffel Parmesan Fries (ich brauche keine Trüffel auf Pommes) indes im fluffigen Trüffelpüree – was für ein Vergnügen! Das hatten wir wiederum alle sehr ins Herz geschlossen. Die Hauptgänge liegen preislich bei 23–42 Euro, Beilagen ab 6 Euro.

Zu meinem Kabeljau war der Schiefer-Riesling von Nik Weis (St. Urbans-Hof) der erwachsene Begleiter. Bis 60 Jahre alte Reben auf blauem Schiefer (Mosel) und rotem Schiefer (Saar) gezogen, im Stahltank ausgebaut und lustige 11,5 % Vol. Dieser Wein hat eine edle, kühle Präsenz, leichte Raucharomen mit weißen Blüten von Aprikose und apfeliger Säure. Spaß im Glas!

Holy crunch! Steht Crème brûlée auf der Karte, ist sie meine – altes Naturgesetz.
Die im RIVO ist ein Gemälde mit ihrem Beeren-Potpourri und in der Creme mit leichter Nougat-Note. Maik, der uns den Abend mit seiner höflichen Aufmerksamkeit perfekt gestaltete, schenkt uns dazu einen Sauternes 2022 von Chateau Jany aus dem Bordeaux ein.
Ein feiner Desertwein, der weiße Früchte und Honig im Glas verschmelzen ließ, die im Abgang einen Hauch Earl Grey dalassen. Fein.
Fazit: Ich bin froh, endlich einmal die Treppen zum RIVO gegangen zu sein. Wer sich das traut, wird ein wirklich charmantes Restaurant (bzw. Eventlocation) in allerbester Berliner Lage vorfinden.

Mit einem wirklich charmanten Service, einer kreativen Küche, die problemlos in frühere Urlaube entführt, und der Blick auf die Spree ist sowieso eine kleine Sensation für sich! Unbedingt probieren – nur: Besser vorher reservieren, denn als Eventlocation kann es auch passieren, dass das RIVO nur für die jeweilige Gesellschaft geöffnet ist.


RIVO - Spreeterrassen Restaurant & Eventlocation
May-Ayim-Ufer 9, 10997 Berlin
E-Mail: kontakt@rivo-spreeterrassen.de
Tel.: +49 (0)30 208477440
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag: 17 - 24 Uhr