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2026-02-22

Die RIVO Spreeterrassen

Die RIVO Spreeterrassen sind wunderschön – aber auch etwas versteckt – an der Spree auf der Kreuzberger Seite gelegen und servieren mediterrane Küche mit einem Hauch Levante-Style. Mir hat der Besuch sehr viel Spaß gemacht!

Es gibt eine Tradition im Sommer, die gepflegt werden will. Bei der bevorzugten italienischen Eisdiele in der Skalitzer Straße wandern zwei Kugeln Eis in das Cornetto und dann wird gemütlich hochgelaufen zum Schlesischen Tor und zur Spree hinunter. Dort findet der Eisgenuss meist sein logisches Ende – weil nämlich aufgegessen – und dann guckt man beglückt über die Steinbrüstung und bewundert auf der gegenüberliegenden Seite die Schiffe entlang der East Side Gallery und die Oberbaumbrücke. Ganz nebenbei ist man gerade ziemlich happy mit dem eigenen Berlin.
Und rätselt, was für eine Restauration sich unterhalb dieser Mauer wohl befindet? Zur Lösung dieser Frage müsste man die Treppen herabsteigen, um das RIVO zu entdecken. Aber … wer macht das schon so ins Blaue, denn selbst wenn im Sommer die Terrassen bestuhlt sind? Alles wirkt eine Spur intim und es gehört schon eine Portion Chuzpe dazu, auf Entdeckung zu gehen.

Dass ich neulich einer Einladung ins RIVO folgen durfte, hatte mich dann sehr vorfreudig gestimmt, dieses Restaurant erleben zu dürfen. Und das sogar in einem Winter, in dem die Spree rund um die Oberbaumbrücke zugefroren ist und die Terrasse des Restaurants direkt am Eis abschließt – was selten genug vorkommt.
Ich habe dann aber doch nicht die Schlittschuhe genommen, um vorzu(r)eisen. Vom U-Bahnhof Schlesisches Tor sind es keine vier Minuten bis zum RIVO, das zur FARO Gruppe gehört, zu Fuß. Die Anreise mit dem Auto mit langer Parkplatzsuche kann man sich wirklich sparen, zumal die RIVO-Bar hervorragend bestückt ist, von Talenten bedient wird und auch die Weinkarte umfangreich und abwechslungsreich durch aller Menschenländer gestaltet ist. Auf der Karte bietet sich eine feine Auswahl von Cocktails als Aperitivi an.
Mein persönlicher Favorit: der Negroni, dessen Bitternis den Magen vorsortiert für das, was kommen mag. Der Espresso-Martini zeugt ebenso von edlem Aperitivo-Charme. Wie schon angemerkt, die charmanten Menschen hinter dem Bartresen, verstehen ihr Handwerk!

Wer nach Nennung der Cocktails vermutet, hier würde italienisch verwöhnt, liegt genau richtig! Dabei ist die Karte des RIVO angenehm übersichtlich: sieben Vorspeisen, acht Hauptgänge, zwei Desserts. Vorrangig Süditalien grüßt mit einem Hauch Frankreich. Etwas Levante-Küche zeigt sich vor allem in den Beilagen, die gerne püriert auf die Teller kommen. Wer es luxuriös mag, darf sich gerne optional eine Portion Trüffel der Saison oder Imperial Kaviar zu seinem favorisierten Gang dazu bestellen. In beiden Kategorien findet sich je ein veganes Gericht.

Ich werde im ersten Gang doch wieder schwach bei dem Pulpo, der auf einem Beet von schwarzem Bohnenpüree ruht. Ach, so zart bekommen ihn nur Italiener hin! Gut abgeschmeckt, wird er mit einer leichten Ziegenkäsecreme und S’chug serviert, das eine prägnante Schärfe auf den Teller bringt und durchaus südlichen Charme vermittelt.
Das Püree zurückhaltend, aber in Kombination mit den anderen Beilagen war seine Aufgabe, aufmerksamer Begleiter zu sein, gut gelöst. Visuell sowieso! Der Oktopus war wirklich zart, gut gewürzt – eine Freude. Eine gute Wahl von mir.
Auf den anderen Tellern tummelten sich eine ordentliche Portion Rindertartar mit einer noch erstaunlicheren Portion Schnittlauch, frisch gehobeltem Meerrettich und Senfkaviar oder luftige Jacobsmuscheln auf Erbse, mit Vanille und Minze abgestimmt und Croûtons für den Crunch.
Beim nächsten Mal würde ich die Ceviche bestellen, die fruchtig mit Ananas, Koriander und Mais auf dem schönsten Teller am Tisch serviert wurde. Der Testlöffel hatte mich sehr begeistert!
Preislich liegen alle Vorspeisen bei 16–21 Euro. Glücklich macht das dazu gereichte würzige Sauerteigbrot mit einer fantastischen Kruste.

Eine vegane Variante wäre Schwarze Walnuss mit Beeten und Petersilienwurzel gewesen.
Im Glas begleitete uns ein Cloudy Bay Sauvignon Blanc aus dem schönen Neuseeland (2024). Ein eleganter Weißwein, der edle tropische Früchte im Glas zeigt, wie Stachelbeere und Passionsfrucht, etwas Grapefruit. Leichter Genuss, aber eine erhabene Präsenz.

Der vegetarische Gang im Secondo: Spitzkohl, Barigoul, Trüffel, den nur niemand von uns wählte. Ich bestellte den Kabeljau mit andalusischem Kartoffelpüree, Tapenade und Cime di Rapa. Sehr fein, geschmacklich gut abgestimmt, und die würzige Tapenade aus schwarzen Oliven wie auch die leicht bittere Cime di Rape sorgten für geschmackliche Abwechslung auf dem Teller, der von dem grünen Kartoffelpüree farblich dominiert wurde.
Den Kabeljau hätte ich mir hautseitig etwas krachender gewünscht, aber er war perfekt glasig und gut gewürzt. Auf den Tellern meiner begeisterten Mitesserinnen: Petersilien-Risotto mit Walnuss, Kräutersaitling, Ziegenkäse und Trüffel – eine Portion, die von meiner Nachbarin nicht zu bewältigen war.
Auch die Lobster Linguini sahen fantastisch aus.
Und die Damen mit dem Dry Aged Rinderfilet (ganze 250 Gramm) teilten mit uns ihre Contorni – die man ganz italienisch – extra zum Gang wählen kann im RIVO. Unsere Gänge begleiteten wilder Broccoli, Trüffel Parmesan Fries (ich brauche keine Trüffel auf Pommes) indes im fluffigen Trüffelpüree – was für ein Vergnügen! Das hatten wir wiederum alle sehr ins Herz geschlossen. Die Hauptgänge liegen preislich bei 23–42 Euro, Beilagen ab 6 Euro.

Zu meinem Kabeljau war der Schiefer-Riesling von Nik Weis (St. Urbans-Hof) der erwachsene Begleiter. Bis 60 Jahre alte Reben auf blauem Schiefer (Mosel) und rotem Schiefer (Saar) gezogen, im Stahltank ausgebaut und lustige 11,5 % Vol. Dieser Wein hat eine edle, kühle Präsenz, leichte Raucharomen mit weißen Blüten von Aprikose und apfeliger Säure. Spaß im Glas!

Holy crunch! Steht Crème brûlée auf der Karte, ist sie meine – altes Naturgesetz.
Die im RIVO ist ein Gemälde mit ihrem Beeren-Potpourri und in der Creme mit leichter Nougat-Note. Maik, der uns den Abend mit seiner höflichen Aufmerksamkeit perfekt gestaltete, schenkt uns dazu einen Sauternes 2022 von Chateau Jany aus dem Bordeaux ein.
Ein feiner Desertwein, der weiße Früchte und Honig im Glas verschmelzen ließ, die im Abgang einen Hauch Earl Grey dalassen. Fein.
Fazit: Ich bin froh, endlich einmal die Treppen zum RIVO gegangen zu sein. Wer sich das traut, wird ein wirklich charmantes Restaurant (bzw. Eventlocation) in allerbester Berliner Lage vorfinden.

Mit einem wirklich charmanten Service, einer kreativen Küche, die problemlos in frühere Urlaube entführt, und der Blick auf die Spree ist sowieso eine kleine Sensation für sich! Unbedingt probieren – nur: Besser vorher reservieren, denn als Eventlocation kann es auch passieren, dass das RIVO nur für die jeweilige Gesellschaft geöffnet ist.


RIVO - Spreeterrassen Restaurant & Eventlocation
May-Ayim-Ufer 9, 10997 Berlin
E-Mail: kontakt@rivo-spreeterrassen.de
Tel.: +49 (0)30 208477440
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag: 17 - 24 Uhr

2026-01-26

Scharfe Hauptstadt

Diesen Mittwoch, den 28. Januar 2026, startet in Berlin die erste True Italian Spicy Week mit dem Fokus auf das wunderschöne Kalabrien! Es wird jetzt wirklich heiß in der Stadt, egal wie kalt es draußen ist. Und auch lange heiß, denn diese Spicy-Woche dauert ganze zehn Tage!

In 31 der besten italienischen Restaurants in der Stadt könnt ihr für nur 18 Euro ein besonderes italienisches Gericht mit deutlicher Schärfe auf dem Teller und dazu einen scharfen Amaro Spritz genießen – der richtig Spaß macht.

Auch die Begleiter im Glas zum Event sind scharfe Dinger! Der kalabrische Spirituosenproduzent Caffo präsentiert die neue Red Hot Edition seines legendären Vecchio Amaro del Capo. Das ist die pure Essenz Kalabriens: der ehrwürdige Amaro, der bittere Kräuterlikör aus dem Land der scharfen Schoten, deutlich aufgepeppt mit Auszügen der Chili. Da wird einem gleich zweimal warm in diesem Winter.
Das kulinarische Jahr in Berlin startet also mal richtig spicy!

Keine Region Italiens ist so bekannt für ihre hervorragend würzige bis richtig scharfe Küche, wie die Kalabriens. Von hier aus hat die rote Peperoncini ihren Siegeszug auf den Tellern hinaus in die Welt gemacht. Nicht umsonst gilt die kalabrische rote Peperoncino als das Symbol für Glück und Gesundheit. Jede*r hat in Kalabrien, ganz Italien, mindestens eine rote Schote als Dekoelement, trägt sie als Kette oder Schlüsselanhänger. Klar, auch meine Küche ist mittlerweile der Ort von Glück und scharfer Lebensfreude!
Und wer könnte dem scharfen Aroma einer Nduja di Spilinga entsagen? Die zarte rote Streichwurst, unserer Teewurst ähnlich, die in dem heißen Stövchen warm serviert zu geröstetem Brot als Antipasto serviert wird. Sehr charmantes (nicht nur) Winterfood!
Oder auch als Sugo, als Sauce, mit etwas Tomate, dann am besten noch mit den Chips der getrockneten frittierten Cruschi (die haben zwar von der Basilikata nach Kalabrien rübergemacht – aber die Grenzen nehmen die benachbarten Regionen da nicht so eng) für den Crunch serviert. Trippa a calabrese, scharf dank der Peperoncini? Königsklasse.
Die Soppressata di Calabria DOP, die scharfe Salami aus Kalabrien, die aus magerem Schweinefleisch und gutem Lardo allermeist in Handarbeit produziert wird. Sie muss mit einer guten Portion Chili mindestens 45 Tage im Naturdarm reifen, bevor sie die Antipasti bereichert oder eine knusprige Pizza schmückt. Oder – meist dünner geformt – die Salsiccia di Calabria, die gerne zusätzlich zum Fenchel und Knoblauch mit Chili verfeinert wird, als Bratwurst serviert. Oder ihr Fleisch zu Kugeln geformt als Polpette, die jeder schnellen Pasta sehr gut zu Gesicht stehen. Kommt, Ihr kennt und liebt sie doch alle!
Mein Favorit ist eine Pasta mit einem aromatischen, festen Pilz, am liebsten natürlich einem Steinpilz, und dazu das aromatische, Schärfe spendende Chiliöl – natürlich mit einem kalt gepressten Olivenöl selber hergestellt. Das ist das Beste und es gibt gerade erdigen Pilzen ein so wundervolles Aroma von Frische.

Falls ich euch jetzt Appetit gemacht habe und wer in Berlin gerne die scharfen Pasten Kalabriens oder Nduja oder Salsiccia Kalabriens kaufen möchte – in einer der drei Fillialen von Centro Italia werdet ihr mehr als fündig. Und: Keine Angst, sie tun gar nicht weh!
Die teilnehmenden Restaurants der True Italian Spicy Week findet ihr, wie immer, in der Map auf deren Homepage. In Mitte, Wedding, Tiergarten, Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Friedrichshain, Treptow, Neukölln, Schöneberg, Charlottenburg und Halensee – überall in diesen Berliner Bezirken wird es am Mittwoch scharf.

Und das liest sich auszugsweise so: Gefüllte Ravioli mit Nduja, Ricotta, Tomaten und Kapernpesto. Oder als Pizza Sapori di Kalabria (auch mit Nduja), Fiamme Ioniche. Platte mit kalabrischen kalten Vorspeisen, Salami, Prosciutto und Käse oder Salat mit Fenchel, Orangen, grünen Oliven und Tropea-Zwiebeln.
Fischfan? Dann sind es die Tagliolini Nudeln mit scharfen Sardellen aus Calabrien, Stracciatella und Bergamottenzeste und mit scharfem Brotcrumble, die durfte ich gestern bei Modi – Salumeria & Bistro (Ringbahnstraße 4, drei Fußminuten vom S-Bahnhof Halensee) für euch vorschmecken. Übrigens ein sehr charmantes Bistro, wo ich gestern bestimmt nicht zum letzten Mal war. (Liebe Grüße!) Wie immer bei den True Italian Events, bieten die teilnehmenden Restaurants mindestens eine vegane Variante an.
Bei Modi ist das die Casarecce Pasta mit einem Ragout von karamellisierten Cipolle di Tropea (so köstlich!), Tomate, Chili, gerösteten Brotkrumen. Und mit einem Hauch Lakritz – auch so ein Geschenk Kalabriens: Aber meine Blogleser*innen wissen das ja längst. Die Pastagerichte bei Modi waren gestern beide richtig gut, ich mochte die Schärfe der veganen Casarecce sehr!

Wir hatten dabei auch viel Spaß mit der Verkostung der scharfen Pasten von z. B. Delizie di Calabria oder La Bumba. Die Schärfe Kalabriens ist eine vornehme Schärfe. Manchmal kommt sie gleich vorne an und macht wach, verschindet aber wieder schnell. Manchmal lässt sie den Gaumen etwas auf sich warten, bleibt dafür länger. Aber sie tut nie weh, ganz im Gegenteil. Sie macht Spaß, weckt den Organismus und das Capsaicin der Chilischoten reget unseren Stoffwechsel an und fördert damit die Durchblutung – was wiederum die Infektionsbereitschaft des Körpers senkt. Die True Italian Spicy Week Fokus Kalabrien ist Medizin!

Also: Ab Mittwoch, 28.01. bis einschließlich 8.02.2026 – ein scharfes Pastagericht oder Pizza – dazu ein Capo Arrabbiato Spritz und einen Amaro del Capo Red Hot Edition als Digestif für 18 Euro. Das Jahr startet scharf. Alle teilnehmenden Restaurants findet ihr hier.
Und wenn die True Italian Spicy Week euer Interesse an Kalabrien geweckt hat – es ist eine traumhaftschöne Reiseregion Italiens mit einer wundervoll abwechslungsreichen Landschaft, tollen Küsten und viel Geschichte. Vielleicht überzeugen euch meine Blogposts zu dieser wunderschönen Region Italiens) Lest selbst!

2025-11-30

Jules Winnfiiel und Paul Rost servieren Movie2Menü

Jules Winnfield und Paul Rost aus dem Bonvivant hegen seit vielen Jahren viele Gemeinsamkeiten. Die beiden – im sehr positiven Sinne – Enfants Terrible entführen uns Berliner*innen seit langer Zeit in ihre großartige und fantasievolle Welt der fleischlosen Gastronomie. Die Begeisterung und das Engagement, die neben dem Bonvivant kreativen Seitenprojekte mit denen sie und ihr großartiges Team die Berliner Gastroszene bereichern – sie sind extraordinaire! Und heben das Niveau dieser Szene in Berlin immens. Hier im Bild, Paul, Jules ist ja immer etwas fotoscheu.
Das neueste Projekt dieser beiden Freunde und Cineasten, die viele Stunden ihrer Freizeit gemeinsam auf der Couch vor dem Screen verbracht haben: Filme. Und dazu die passende Kulinarik auf den Tellern. Für diesen Spaß holen sie wiederum uns Gäste vom Sofa in die immer wechselnden Locations an die perfekt gedeckten Tische. Kinoerlebnis in echter 3D-Qualität!

Dazu läuft wechselnd einer ihrer Lieblingsfilme und das dazu von Paul Rost mit dem Bonvivant-Team kreierte mehrgängige Menü inklusive Mixology-Art. Das Ganze nennt sich Movie2Menü. Dass diese Locations zum Film passen müssen, ist selbstverständlich. Dass die Dekoration besonders liebevoll ist, wen wundert es?
Das Konzept zieht sich durch bis hin zur allerniedlichsten Menükarte, von der Chefkochratte persönlich präsentiert.
Zum Auftakt dieser neuen köstlichen Events wurde uns Ratatouille in dem Event-Restaurant Coco Boule am Moritzplatz gezeigt.
Ich hatte die wirklich sehr große Freude, dem Start und dem ersten Probelauf beiwohnen zu dürfen. Also durfte ich Mitte Oktober – zum sehr wievielten Male auch immer – mir Ratatouille angucken, der niedlicheste Rattenfilm ever, der uns wohl alle bezaubert hatte. Tatsächlich gab es nur wenige Arme, die hochgingen, als uns die Gastgeber fragten, wer Ratatouille noch nie gesehen hätte. Beeindruckende Spitzenreiterin: eine Journalistin, die vermutete, schon 50 Mal sich den unvergleichlich köstlichen frankophilen Trickfilmspaß von Pixar angesehen zu haben. Da kann ich nicht mithalten. Aber … ich verstehe sie.
Ach, Ratatouille! Die unfassbar eloquente, talentierte, großherzige Ratte, Rémy, mit feinstem Gaumen, die den verstorbenen Gourmetkoch Auguste Gusteau hochverehrt, und sich sein Credo „Jeder kann kochen!” ins Herz geschrieben hat. Die dem Küchenjungen Alfredo Linguini den Weg zu seinem genetischen Erbe weist, ihn die Arme der sehr ehrgeizigen und talentierten Köchin Colette treibt und dem Sous-Chef Sinner zeigt, wo der Maurer das Loch gelassen hat.

Und wenn der böszüngige Chef-Kritiker Anton Ego, dem man nicht wirklich Gutes nachsagen möchte, kurz vor dem Ende von Linguinis Ratatouille – natürlich eine Co-Produktion mit Rémy – dahinschmilzt und in seine Kindheit zurückgeschickt wird – bei wem bleiben da die Augen trocken, denkt er an die der eigenen Omis wundervolle Kochkünste? Und dann ist da doch noch so viel Paris! Et l'amour!
Nein, es hätte keinen schöneren Start für Movie2Menu – Taste The Scene geben können! Der Aperitif zum Empfang mit Popcorn serviert. Die Tische liebevoll eingedeckt, die sich um Nachtisch als besondere Geheimnisträger präsentieren. Dazu Rataouilles Menükarte! Stimmungsvoll passend trinken wir die Kompost-Verköstigung – aus dem Mülleimer.
Zu den weiteren jeweiligen Szenen liest sich das dann wie Gutes Essen ist wie Musik, die man schmeckt: als Erdbeere, Käse, Arancini – erst einzeln, dann kombiniert probieren.
Gut, hatte bei uns nicht ganz so funktioniert – die Arancini fehlten, das war der Generalprobe sinnvoll geschuldet. Oder: Geistesblitz geküsst – gewitteriger Ziegenkäse, Rosmarinöl, Safranpilz – tatsächlich am Tisch vom Blitz getroffen. Selber mitspielen durften wir bei Haltet die Suppe auf!
Hier eine weiße, aromatische Tomatensuppe mit Pinzette zum selber abschmecken mit Basilikumöl – mit Pairing im Glas: Basilikum, Gin und Zitrone. Es folgten, vielleicht etwas zahm im Geschmack, die Omelette de Rémy

Ganz entzückend vom Bartender kreiert zu Linguinis Spezialgericht, Pom Blanc, Estragon-Sauce, Trüffelöl und Kartoffelcrunch:Wir feiern den Erfolg und die Un-Idiotie 1961er Chateau L’Amour mit gepimptem, nämlich geräuchertem, und neu gelabeltem Rotwein in Discountergröße.
Très charmant.

Ein bisschen böse, aber genauso stimmungsvoll: Rat Killer. Chartreuse, Gin, Sour machte im Moment der Entdeckung (und folgenden Bekämpfung) von Rémy und seinem familiären Überfallkommando im Restaurant auch bei uns richtig giftig etwas her.
So wurden wir mit dem Film von Gang zu 12 relevanten Szenen auf den Tellern
und in den Gläsern bis zum erdigen Dessert-Finale Überrasche mich! begleitet.

Aber vorher zelebrierten wir die feine Gefühlswelt von Anton Egos „Erweckung” vom bissigen Gastrokritiker zu einem Menschen mit Herz und Vergangenheit mit unserem eigenen Gemälde eines zarten Ratatouille auf dem Tisch.
Dieses Dinner war so kreativ und auch wirklich liebevoll umgesetzt, hatte uns allen so viel Spaß gemacht. Und warum sollen meine Augen trocken bleiben, wenn mir persönlich Auguste Gusteau aus dem Jenseits in einem essbarem handgeschriebenem Testament sein Erbe vermacht: „Jeder kann kochen”? (Oblate)
Klar, gab es beim ersten Durchlauf (in fremder Küche) den einen oder anderen Ruckler auf Zelluloid. Und vermutlich wird künftig nicht mehr ganz so abgezählt gekocht, hungrige Ratten kommen nie alleine! Aber: Das war einfach alles sehr herzerwärmend an diesem Abend und wurde von dem wundervollen Team – natürlich mit Baskenmützen – so charmant wettgemacht. Für die Kreativität, den Spaß, die Köstlichkeiten, die Jules Winnfield und Paul Rost uns bereitet haben: 1000 Herzen!

Diesen PopUp-Menüspaß von Movie2Menü wird es nun öfter geben!

Sechs spannende vegetarische (künftige Menüs werden sogar komplett vegan serviert) Gänge mit extra zu den Filmen konzipierter Mixology-Begleitung, Aperitif und After-Movie-Empfang für 129 Euro. Die nächsten Termine, Standorte und Informationen findet ihr ausschließlich auf dem Instagram-Kanal Movie2Menü!

2025-11-25

Köstlicher Spaß im Gourmet-Bus Italiens

Zum Auftakt der zehnten Woche der Italienischen Küche in der Welt hatten gestern die italienische Botschaft in Berlin und die ENIT in den Gourmet-Bus eingeladen.

Mit üblicher italienischer Zeitvarianz starteten wir am ersten echten Wintertag bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein vor dem Rathaus in Berlin, um in dem exklusiven Gastro-Liner durch die Berliner Innenstadt zu cruisen. Faszinierend der Tischaufbau mit Weinglasstilhaltern im ZickZack-Mode – und hey: Der Weinschrank!
Währenddessen wurde uns ein sehr feines Menü, wie ein Spaziergang durch den Lazio (Rom) nach Venetien in die Toskana und wieder zurück nach Venetien, die Küche Italiens serviert. Begleitet von den wirklich hervorragenden Weinen der Cantine Famiglia Cotarella aus dem Süden der Toskana.
Gastgebende Küche war keine geringere als die von Roy Caceres und seinem namhaften Restaurant Orma Roma in Rom – mit einem Guide Michelin Stern prämiert.
Zur Begrüßung wurde uns ein Vino Spumante Cotarella Metodo Classico Brut (Dosage Zéro) eingeschenkt, ein für die Methode erstaunlich frischer, aber auch eleganter und komplexer Spumante, hellgelb im Glas, mit trockenem, intensivem Abgang. (Ich bleibe dabei: Trinkt mehr die Spumante Italiens.)
Fantastisch: Il Punto IGP 2023! Benannt nach dem Weinberg „Il Puntone” auf dem er angebaut wird. Der Weißwein, ein sortenreiner Sauvignon Blanc, in der Region Lazio angebaut, hatte mich so sehr begeistert. Was für ein Tropfen!
Eine wunderschöne hellgelbe Farbe mit einem Bouquet voller exotischer Frucht – schon in der Nase eine Freude bringende Intensität – und einem ausgewogenen Geschmack von resoluter Süße, einem Hauch Salz und einem sanften Touch Butter – trotzdem frische Lebendigkeit.
Nicht weniger grandios: Der Marciliano IGP, 2019. Umbria Rosso, 70 % Cabernet Sauvignon und 30 % Cabernet Franc in Umbrien angebaut, tiefrote Farbe im Glas. Viel Brombeere, Tabakwürze und ausgeglichener Tanningehalt.

Dazu wurde uns auf der Tour vom Roten Rathaus startend, entlang des Museumsviertels, eine Kurve genommen am Nikolaiviertel vorbei mit einem Abstecher über den Checkpoint Charlie und dann Potsdamer Platz an der Italienischen Botschaft, vorbei über das Brandenburger Tor …
… wieder in Richtung Rathaus, ein sehr feines Menü vom Chefkoch des Orma in Rom serviert. 65 Grad Celsius Carbonara Egg – eine dekonstruierte Carbonara mit Pecorino Mousse, darunter etwas knusprigem Guanciale auf einem Niedrigtemperatur-Eidotter mit frischem schwarzem Pfeffer. (Rom)
Es folgte ein Risotto aus Acquerello-Reis mit einem Hauch Butter, Vacche-Rosse Parmigiano Reggiano, einer Petersilienemulsion und Granatapfel. (Venetien)
Und als Secondo, Rindsbäckchen vom Chianina-Rind – in Chianti geschmort mit einem Kürbispüree und in Balsamico geschmortem Radicchio.
(Toskana) Den köstlichen Abschluss bildeten eine Käse-Selektion mit Honig und Marmelade aus dem Trentino – und das niedlichste Tiramisù (Treviso) ever.
Zwei Stunden italienische Köstlichkeiten und Lifestyle mit Berliner Sehenswürdigkeiten, netten Gesprächen und wirklich tollen Tropfen im Glas.

Oder wie wir Berliner sagen: Da kann man echt nich' meckern! Dankeschön für die Einladung – und den leckeren Spaß!