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2026-06-15

Französischer Wind im the Main im TITANIC Gendarmenmarkt Berlin

Selbst die gesündeste Beziehung benötigt dann und wann einen Tapetenwechsel. Diesen hat Familie Aygün, die Betreiber des Hotels TITANIC Gendarmenmarkt Berlin, ihrem Beef Grill Club (by Hasir) 2026 radikal verordnet. Mit der kompletten innenarchitektonischen Umgestaltung ist auch eine neue Restaurantleitung ins Boot geholt worden. Einen neuen Namen gibt es obendrauf: the Main (by Beef Grill Club)!

the Main möchte unter sich Küchenleitung von David Creuzet – aus Paris stammend, hat sich nach Deutschland verliebt – am hugenottisch eingefärbten Straßenumfeld wie dem Gendarmenmarkt, vor allem der Hausadresse Französische Straße 30, frankophil-international präsentieren. Creuzet kocht elegant französisch mit wenig Chi-Chi, dafür absoluter Konzentration auf sein gutes Handwerk.
Für einen italienischen Einfluss auf der neuen Karte zeigt sich Sous-Chef Matteo De Angelis (rechts im Bild), der aus Rom stammt, kreativ. Er komplettiert das Menü mit luxuriös begleiteter Pasta, neu konstruierter Burrata und einem cremigen Tiramisù con Pistacchio …
Der den früheren Beef Grill Club dominierende Reifeschrank ist einer transparenten Theke gewichen, in der immer noch die fleischigen Klassiker in sehr großzügigen Cuts auf ihre Zubereitung warten.
Echte Fleischfans brauchen sich diesbezüglich keine Sorgen machen. Doch wird sich die Karte künftig mehr der Raffinesse der französischen und internationalen Haute Cuisine annähern. Natürlich mit den saisonalen Produkten der Region.

Asien klingt auch hier und dort an, z. B. mit dem perfekt gebratenen Tuna Tataki mit Kaviar-Krönung. Und mit der französischen Zwiebelsuppe und Gruyère, einer Rinderconsommé, dem Lammkarree in Kräuterkruste oder dem Café-de-Paris-Steak grüßt die Grande Nation nicht schüchtern in den Gängen.
Oliver Töremis (rechts im Bild) ist der Exot im the Main: der seltene gebürtige Berliner. Er öffnet als Restaurantleiter und Sommelier des Hauses seine erlesenen Flaschen und freut sich besonders darauf, mit der neuen Karte verstärkt auch neue Weinschätze heben zu dürfen. Spürbare Freude, wenn man mit ihm darüber spricht, künftig noch mehr die französischen Weingüter ins Haus zu holen. Zur Seite stehen Creuzet und Töremis ein motiviertes und lebendiges Serviceteam auf sehr hohem Niveau, das vielsprachig den internationalen Gästen des Hauses den perfekten Aufenthalt garantiert. Man fühlt sich hier als Gast in jeder Sekunde ausgesprochen wohl.
Ich darf Journalistin Anke Sademann anlässlich ihrer Pressedinnereinladung begleiten – und habe selber aber das Vergnügen, die neue Bar-Lounge-Restaurantwelt des the Main unbeeinflusst einer Pressemitteilung auf mich wirken zu lassen. Das Restaurant befindet sich nun in der Endphase seines dreimonatigen Soft-Openings. Am 18. Juni ist die offizielle Eröffnung, danach möchte man sich in der Hauptreisezeit (nicht nur) den Gästen des feudalen Titanic Hotels präsentieren.
Gleich der Eingang erinnert an eine typische Berliner Hinterhofzufahrt früher Jahre und dank der neuen Lichtinstallationen aber auch an ein von Rot dominiertes Studio 54 in New York. Im Restaurant grüßen jede Menge Lichtschwerter im Design. It all comes back! Dass künftig auch einmal im Monat zu einem Dine-and-Dance-Evening geladen wird, wundert also nicht.
Direkt in diesem Entrée liegt die Bar, die sich als Einladung aller Bewohner und Besucher Berlins versteht. Integriert in das luxuriöse Hotel TITANIC Gedarmenmarkt Berlin, möchte das the Main künftig ein Treffpunkt der internationalen Berliner Vielfalt sein und versteht seine Bar als gleichberechtigtes Zuhause der Gäste zum Restaurant.
Nach links öffnet sich die Bar in einen gemütlichen Raum, in dem sie eine Theke komplett umläuft.
Rechter Hand darf in der gemütlich-gediegenen Lounge natürlich auch dem qualmenden Laster gefrönt werden. Geradezu öffnet sich dann der Restaurantraum des the Main mit 125 Sitzplätzen, einem Außenbereich und offener Küche, die in ihrer faszinierenden Länge, dennoch fragil in die räumliche Konzeption des großen Raumes konzipiert wurde. Vielleicht sitzt man etwas tief in dem Ledersofa, aber immer sehr bequem.
David Creuzet serviert uns einen Querschnitt seiner neuen Karte und Oliver Töremis kredenzt uns mit höflicher Noblesse seine (perfekt ausgewählten) Weine. Begrüßt werden wir klassisch und charmant, très français mit Austern, Zitrone und geliebter Échalotte-Vinaigrette, dazu einen Champagner Moët Chandon Rosé. Deliziös!
Die folgend beschriebenen Gänge sind keine besondere Offerte für die Presse: „the Main zum Teilen” ist Bestandteil der Karte und als Menü ab zwei Personen zu bestellen. Mit einem Preis von 99,— Euro pro Person bildet es die Karte in ihrer Vielfalt komplex ab. Uns wird es in einer Variante für drei Personen serviert.
Dem Entrée folgt eine Auswahl der Vorspeisen, alle natürlich auch einzeln à la carte zu bestellen. Das Tuna Tataki mit Sesam, Yuzu, Koriander und Kaviar trifft man immer öfter auf den Karten der gehobenen Berliner Küchen. Die hervorragende Qualität des Thunfischs spricht für sich. Das the Main Tatar Tokyo Style ruht auf einem sehr knusprigen Brioche-Taler, ist deutlich gewürzt mit leicht süßlicher Note und wird mit einem vorbehandelten Jaune d’Oeuf serviert. Der Crunch des Brioche, der zarte Schmelz vom Rind – das macht einfach Spaß! Ponzu und Nori sorgen für den asiatischen – sprichwörtlichen – Hauch.
Von mir visuell vermeintlich als Polenta identifiziert, enttarnt sich eine als im Dreieck servierte Pommes Anna, einfach mit zarter Röstung und Würze, das Luxustopping regelt Sauerrahm mit Kaviar. Die größte Freude löst bei uns allen die Burrata aus: Sie wird auf einem Bett von knackiger junger Artischocke, leicht gegrillt und mit zartem Petersilienpesto mariniert, serviert, die alleine schon dem Magen eine öffnende Grundstimmung vermittelt und ein aromatische Erlebnis mit knackigem Biss ist. Dazu die perfekte, säuerliche und cremig fließende Burrata mit Haselnussspalten, die sich unter einer großzügigen Haube von Sommertrüffeln versteckt. Grandios!
Ein Weißwein, ein Grauburgunder von Konrad Salwey aus Baden (2024) begleitet unsere Vorspeisen. Hell im Glas ist er ein würziger Begleiter zu dem Arrangement unterschiedlicher, eben aucha asiatischer, Nationen mit seiner Mineralik und Aromen gelber Früchte.
Den Primo, die Pasta, lassen wir aus – aber ihre Variationen lesen sich durchaus losgelöst von Nonnas Hausfrauenkunst. Die Sugo der Rigatoni hat Vodka gesehen, Tagliatelle kommen al Tartufo, Ravioli mit Meeresfrüchten in einer Hummer-Bisque und Spaghetti in Limetten-Creme mit Dill werden mit Kaviar serviert (ab 18,– bis 38,– Euro). Durchaus eine Empfehlung für den Mittagstisch!

Zum Main Course schenkt uns Oliver Töremis einen La Vitalis, Cairanne (Domaine Jubain) aus dem Rhône-Tal ins Glas. Die Reben Syrah, Carignan, Grenache, Mourvèdre, Cinsault wachsen auf Schotter und kargem Lehm. Es ist ein sehr harmonischer Rotwein von 2020 mit der eindrucksvollen Note roter Beeren ohne aufdringlich zu wirken. Er bietet dem kräftigen Porterhouse Paroli, schmeichelt aber auch dem kräftig gewürzten Hummer mit seiner unaufdringlichen Eleganz einer Zartbitter-Praline.
So folgt also auf unserem Tisch der Anschluss an frühere Zeiten, als sich das Haus noch über den Grill definierte, qualitativ sehr hochwertiges Rind mit Hummer Thermidor! Serviert wird uns (für drei Personen) ein beeindruckendes US-Porterhouse, am Tisch geschnitten. Das Roastbeef ist geschmackvoll durchzogen, das Filet (Tenderloin) zart mit geschmackgebender Fettkrone. Wenn solo aus der Karte bestellt, sind mit 1,2 kg Gewicht hier für 179,– Euro mindestens vier Personen gut bedient. Im Menü heißt es offen Beef Mastercuts.

Dazu gibt es im Menü ein feines Kartoffelpüree mit Räuchernote, das zart und damit eindeutig, der feinen französischen Kochkunst geschuldet, durch das Sieb passiert ist: zart, butterig und wirklich ein delikater Begleiter zu den kräftigen Saucen und Fleisch. Pommes (Loaded Fries) gibt es auch, aber für mich finden sie neben diesem Püree nicht mehr statt!

In Knoblauch gedünsteter wilder Brokkoli mit Grilltomaten. Dazu gleichberechtigte, geschmackvolle Begleiter: die Kalbsjus und eine Sauce de Cognac (Remy Martin) mit grünem Pfeffer. Begeisterung über die würzige Beurre de Café Paris: Sie schmilzt mit leichtem Karamellgeschmack und einen intensiven Currynote im Abgang auf dem Fleisch, das sich selbstverständlich auch an Salzflocken und frisch geschrottetem Pfeffer auf dem Teller bedienen kann. Das Fleisch ist sehr rare serviert und saftig aromatisch.
Den Hummer Thermidor möchte ich nicht unerwähnt lassen. Er ist vom Garpunkt perfekt, so perfekt! Zart, leicht glasig, schmilzt er förmlich im Mund. Aber auch sehr würzig serviert, denn mit Gruyère gratiniert – dass man das zarte Hummeraroma leicht vermissen konnte. Diese Zubereitung ist sicherlich einzigartig, persönlich hätte mir etwas nussige Beurre gereicht – zumal alle Beilagen des Hauptganges durchaus Dominanz in ihrer eigenen Würze mit auf den Teller brachten.
David Creuzet und Matteo de Angelis zeigen ihr Können und vor allem, dass sie Spaß an Kräutern und Gewürzen haben. Übrigens: Die Fleischkarte mag zur früheren Grillküche etwas reduzierter scheinen, aber ein Chateaubriand zu servieren, lässt sich David Creuzet nicht nehmen! Und ja, es gibt auch feine Fischgerichte und Angebote für Vegetarier im the Main.
Die Auswahl an Desserts überzeugt ganz anders und besonders, nämlich mit auffällig zurückgenommener Süße. Auch hier wieder die Fusion der beiden Kochidentitäten: Im the Main wird die Italo-Legende Sorbetto al Limone zum Champagner-Zitronen-Sorbet. Das Tiramisù di Pistacchio (langsam reicht’s jetzt aber auch wieder mit der Pistazie) ist luftig, cremig und eben mit einer feinen Note dieses Sumachgewächses.
Die am Tisch mit Vanilleeis vorgelegte Baklava (von mir liebevoll Baklava-Whopper getauft) ist zart, auch sie ist in Kombination mit dem Eis nicht zu süß und sie wirkt mit ihrem Knusper erstaunlich frisch und leicht. Herausragend aber ist der New York Cheesecake mit einem Beerencoulis! Kein klassischer NY-Cheesecake, denn der sparsame Einsatz von Süßmitteln kommt diesem Cheesecake so sehr zugute. Er ist luftig, sein Boden kross – ein Dessertraum, der die übliche amerikanische Schwere vor der Eingangstür hat stehen lassen. Man kann, sollte aber das the Main nicht verlassen, ohne ihn probiert zu haben! Alle Desserts haben uns große Freude bereitet und – das ist ein kleines Wunder – es geschafft, uns genau nicht pappsatt zurückzulassen!

Fazit also: Das the Maik kann sich sehen lassen, einen Besuch – ob nur der Bar oder gemeinsam mit einem fantastischen Restauranterlebenis – empfehle ich sehr. Denn … mindestens der New York Cheesecake muss erlebt werden!


the Main
Titanic Gendarmenmarkt Berlin
Französische Straße 30, 10117 Berlin-Mitte
phone: Tel. 030 / 20 14 37 08 60
Öffnungzeiten: Mo–Do, 12–1 Uhr, Fr/Sa, 12–2 Uhr

2026-04-25

Mexikali Cantina – das Mexikali-Team eröffnet das erste Restaurant in Kreuzberg

Es ist … Dekaden her, da bin ich mit meinen Kolleg*innen auf Kosten unserer Arbeitgeber zur Belohnung eines sehr guten Geschäftsjahres (ja, damals gab es das noch) für einige Tage zu einem Incentive-Trip nach Miami eingeladen worden. Das war alles sehr nett, vor allem, weil es kurz nach dem Mauerfall war und einige unserer neuen Kollegen aus dem anderen Teil Deutschlands erstmals so weit bzw. überhaupt in die USA gereist sind. Deren Begeisterung zu erleben, war wunderschön. Das Essen vor Ort war indes grottenschlecht, und wenn ich an das Frühstück in unserem Apartmenthotel denke, wird mir jetzt noch anders.
Aber da war dieser kleine mexikanische Imbiss, ca. anderthalb Kilometer die Strandstraße hinauf von unserem Hotel entfernt. Ein wirklicher Imbiss, ein kleiner Kiosk, keine Innenplätze – nur ein – für amerikanische Verhältnisse – lächerlich kleiner überdachter Gartenbereich mit Stehtischen. Und da gab es Mexican Food zum Niederknien!
Frisch, lecker, spicy – der Mann hatte uns mit seinem Team wirklich über die Tage gerettet. Und mein Herz für die mexikanische Küche groß und weit gemacht. Ich denke heute noch so oft an diesen Imbiss und muss sagen, dass bisher leider kein Mexikaner in Berlin diese Lücke hatte füllen können.
Die Mexikali Cantina ist nahe dran, das zu ändern. Einige kennen schon die Mexikali Imbisse in der East Side Mall (Tamara-Danz-Straße 11) und Mall of Berlin (Leipziger Platz 12).
Mit der Mexikali Cantina hat sich Naoufal el Harrak jetzt den Traum eines eigenen mexikanischen Restaurants erfüllt.
Die Wrangelstraße in Kreuzberg hat sich in letzter Zeit zur Independent-Fressmeile entwickelt. Ganz ehrlich, wenn ihr neu in Berlin seid und Hunger habt: Fahrt zum Schlesischen Tor und schlemmt euch durch diese Straße. Oder bleibt gleich in der Mexikali Cantina in der Hausnummer 92 hängen. Das liebevoll eingerichtete Restaurant macht mit seinen bunten Farben Spaß. Die Küche serviert wirklich authentische, feine mexikanische Küche und natürlich die passenden Drinks.
Das Team hinter der Bar und im Service ist sehr charmant, Naoufal steht hier selbst in der Küche. Bis auf die Tortillas, wird hier alles hausgemacht. Die Salsas, drei sind es an der Zahl, alle vegan und unterschiedlich spicy, können sich sehen lassen.

Tacos, Burritos, Quesadillas und Enchiladas. Da muss man nichts vermissen! Die Tacos con Costra in vielen Variationen sind das Signature Dish vom Mexikali Cantina. Von allen Varianten gibt es vegane Versionen, z. B. die Taxos Vegan Chorizo mit Soja-Granulat, Bohnen und Avocado.
Die Cocktailkarte ist übersichtlich aber gut bestückt, mein Favorit ist die Spicy Jalapeño Margarita. Die frischen Jalapeño Scheiben bringen feurigen Spaß ins Getränk.
Das merke ich mir auch für meine Sommerdrinks, ich wusste nicht, dass echte Schärfe im Glas so attraktiv sein kann!
Anlässlich des Openings hatten uns Naoufal und Miles, Chef im Service, den Chef’s Choice serviert. Das Menü mit Vorspeise, Drink, Hauptgericht und Dessert gibt es pro Person für 29,99 Euro.
Obligatorisch fanden Nachos mit den drei Salsas zu uns auf den Tisch. Dann liegen mit Limettensaft gesäuerte Chili-Garnelen in einer grünen Chili-Sauce, die schön scharf und frisch ist. Me encantó! Wer es vegan mag, bekommt diesen Gang mit Palmenherzen serviert.
Als flüssige Aufräumerin passt eine Mezacilta.
Die Tacos con Costra werden uns in der Variante Carne Asada serviert. Auf zwei Maistortillas mit Guacamole, Salsa Negra, und gebratenem Käse tummeln sich die 140 Gramm Ribeye, dünn aufgeschnitten mit gerösteten Chiles Toreados. Zartes Fleisch, runden Aromen. Portion … geht so.

Als Alternative der Hauptgerichte dürfen wir auch den Burrito klassisch als Pollo al Pastor probieren: langsam geschmortes Hähnchen mit gerösteter Ananas, dazu Bohnenmole, Guacamole, Zwiebeln, Koriander, Queso Fresco und Chipotle-Mayo.
Gute Würzung, zartes Fleisch – lecker! Und last but not least verwöhnen uns knusprige Churros mit Zimt und heißer Schokolade.
Ich fand’s sehr lecker – für meinen Geschmack könnte es hier und da schärfer sein, die Spicyness ist schon sehr dem europäischen Geschmack angeglichen –, aber das lässt sich bei der Bestellung formulieren. Ich mag den Style vom Restaurant, sehr relaxed, und es gibt auch einige Außenplätze für den Sommer in einer der lebhaften Straßen Kreuzbergs.
Die Mexicali Cantina freut sich darauf, euch von Montag bis Sonntag von 17:00 bis 22:00 Uhr ihre mexikanischen Köstlichkeiten servieren zu dürfen! Charmante mexikanische Grooves gibt es natürlich auch aufs Ohr.


Mexicali Cantina
Wrangelstraße 92
10997 Berlin

2026-03-31

Kartoffel an Preußisch-Blau – nur im HERITAGE!

Die Aussichten könnten viel schlechter sein. Wer das HERITAGE betritt und einen Fensterplatz als Refugium für die nächsten Stunden sein eigen nennen kann, guckt auf den Gendarmenmarkt, insbesondere auf das Konzerthaus, rechts davon auf den Deutschen Dom.

Tiefes, dunkles Blau ist die Hauptkomponente im Einrichtungsstil des Restaurants – dunkler kann ein Blau kaum noch vorkommen. Wenige wissen, dass man das Preußisch Blau aus dem Tuschkasten in Malersprache auch Berliner Blau nennt, da passt das schon. Innenarchitektin Oana Rosen hat den Räumen mit der Farbe preußische Kühle mit moderner Gemütlichkeit verliehen, die Kunst an den Wänden stammt vom Fine Art Photokünstler András Dobi aus Ungarn.
Das Restaurant HERITAGE gehört zum Hotel Luc. Das Boutiquehotel zählt zur Autograph Collection der MHP-Gruppe und hatte 2022 in Berlin seine Türen geöffnet. 75 Zimmer und 17 Suiten mit Fitness- und Sauna-Bereich, zwei große Möglichkeiten für Konferenzen – und allerbeste Lage am U-Bahnhof Stadtmitte.

Die schönen Räume zu (beinahe) ebener Erde teilen sich auf in den Restaurant- und Barbereich, eine private Lounge kann auch reserviert werden. Im Sommer lockt die Terrasse in der Charlottenstraße.
Übrigens: Luc, so nannte der Philosoph Voltaire seinen guten Freund Fritz, wir reden von Friedrich II, den Großen, beim Kosenamen. In der Sprache Voltaires wird „Luc” gerne im Wortspiel als höflichere Variante für das recht derbe „Cul” (Arsch) verwendet. Beide Männer verband über 42 Jahre eine intensive Freundschaft mit hohem Briefaufkommen – und offensichtlich gerne auch deftigem Sarkasmus in ihrer Kommunikation.
Es ist sehr gemütlich hier – und es gibt keinen Grund, auch für Berliner, dieses Restaurant nicht für sich zu entdecken. Geöffnet ist das HERITAGE ab 06.30 Uhr und serviert dann (nicht nur) Hotelgästen das Frühstücksbüfett. Mit einer kurzen Pause zwischen 11:00 und 12:00 Uhr werden die Wünsche zum Mittag und Abend der Gäste erfüllt.
Wir dürfen uns auf Einladung dem „The Taste of HERITAGE“-Menü widmen. Vier Gänge mit einem Glas Champagner zur Begrüßung und Weinbegleitung zu jedem Gang, werden auf dem wunderschönem Porzellan der Königlichen Porzellan-Manufaktur serviert.
Dem Gelage am Gendarmenmarkt ist geschuldet, dass sich das HERITAGE gemeinsam mit dem Hotel im Fan-Duktus jenem König, dann Kurfürsten Friedrich II., verschrieben hat. Oder wie wir hier im provinziellen Hauptstädtchen gerne sagen: Dem alten Fritze. Im HERITAGE begegnet er an der Bar als Gin Fritz.

Dieser Mann, im Gegensatz zum aktuellen Fritz, hatte noch ein Gespür und Interesse am Wohlergehen seines Volkes und erließ den berühmten Kartoffelerlass, um das (zunächst diesbezüglich eher undankbare) Volk so vor einer weiteren Hungersnot nach mehreren Getreidemissernten zu schützen. Das Volk hielt die Teufelsknolle für giftig, Fritz ließ sie trotzdem im Land erzwungen anbauen – der Rest ist deutsche Geschichte.

Diese Kartoffel ist nun der heilige Gral im Hotel Luc und HERITAGE. Irgendwie sympathisch. Wir finden sie in der Dekoration – und auf der Karte!
So zeichnet sich dann auch im Menü der erste Gang durch Pommes Allumettes besonders aus, denn in deren Nest ruht ein delikates Bœuf Tartare und ein apartes Eigelb on top. Das Bœuf Tartare ist ganz wunderbar abgeschmeckt und duftet elegant nach Kapern, das Eigelb tut nachdrücklich, was es tun soll, und umhüllt das Tartare elegant-reichhaltig mit seiner Creme. Die Pommes Allumettes sind knusprig und kalt. Ich bin ehrlich, ich präferierte sie in warmer Variante. Frittierte kalte Kartoffeln bringen immer eine gewisse Bitterkeit mit, die ich hier im Kontext nicht wertschätzen vermochte. Nun, es isst wie es ist.
Es folgt eine Kürbissuppe. Sie beherrschte die hohe Kunst, uns zu verwöhnen. Heiß, duftend – köstlich. Sie wird cremig und würzig, mit Kokoscreme und Tahin angemacht, der Sesamduft steht ihr außerordentlich gut – wie auch der frische Crunch der Granatapfelkerne. Ein weiterer Levantegruß versteckt sich im Süppchen: geerdete Kichererbsen. Jeder am Tisch ist ein bisschen in diese Suppe verliebt. Ist so!
Derweil sind wir vom Champagner umgestiegen auf einen der offenen Weine, als da wären ein Chardonnay – Domaine Laballe Sud Quest von 2023. Und ich wünsche mir den Eins – Zwei – DRY Pinot Noir Rosé von Leitz im Rheingau ins Glas. Ein sehr zarter Schmelz und feine Frucht – ihn stelle ich mir sehr gut zum Spargel vorl!
Zum Hauptgang wechseln einige, auch ich, in unserer Runde auf den Sauvignon Blanc vom legendären Emil Bauer aus der Pfalz. Wie schon 2023 in der Flasche, auch 2026 im Glas mit seinen klaren, demokratischen Grüßen. Klassiker.
Meine Nachbarin bleibt in der Welt des Rosé und wählt eine Pinot Noir Cuvée (Weinberge in Wachenheim und Ruppertsberg) von Dr. Bürkling-Wolf (Pfalz, 2023)– und ja, diesen Wein werde ich mir definitv merken. Spannender Charakter, ein besonderer Rosé. Und ein Etikett, bei dem Rosmunde Pilcher schwach werden würde.

Ach, geht einfach mal Wein trinken im HERITAGE. Ist doch bald Frühling und die schöne Zeit auf der Terrasse nicht mehr weit. Hier lebt sich charmantes Brasserie-Feeling in Berlins schönster Jahreszeit an einer der beeindruckendsten Adressen dieser Stadt. J'en serais ravi. Zumal euch Der Alte Fritz hier ins Ohr flüstert: „Kein Mensch taugt ohne Freude.”
Nun, da, wo der Preußenkönig sein fröhliches Unwesen treibt, sind natürlich die Hugenotten in Berlin nicht weit. Es ist also kein Wunder, dass Küchendirektor Florian Glauert mit seinem Team sich der deutsch-französischen Cuisine verschrieben hat. Der gebürtige Berliner Glauert hat jahrelange Erfahrung in der Sterne-Gastronomie im In- und Ausland gesammelt.
So gelingt der nächste Gang sehr französisch – und spätwinterlich saisonal. Die Jus zum Short Rib duftet schon in Richtung unseres Tisches, da können wir unseren delikaten Hauptgang noch gar nicht erblicken.
Wat ’ne Soße! Das Short Rib ist butterweich und fällt von selbst vom beeindruckenden Knochen, der auf dem Teller durchaus eine visuelle Ansage macht. Dazu gibt es ein cremiges Kartoffelgratin. Wir erfreuen uns ob dieser Opulenz – ich mich insbesondere über diese glänzende Jus, die nach Port und rotem Gewächs duftet und einfach ein Geschenk ist!
Auch der Nachtisch hat (mittlerweile eingedeutschten) französischen Charme. Fondant au chocolat mit etwas Vanilleeis und eingelegter Kumquats auf einem Maracuja-Spiegel. Letzterer ergänzt auch meinem Teller. Meine Nachbarin, die Probleme beim Genuss von Nüssen hat, vertraut lieber alternativ auf die Collection von Sorbet, dem ich mich anschließe.
Das uns servierte, bildschöne Gemälde besteht aus einem sehr cremigen Bananen-, Erdbeer- und Veilchensorbet. Ach, Veilchen! Da lassen die, leider stillgelegten, Galeries Lafayette von um die Ecke grüßen.
Wir genießen einen aromatischen Espresso und beschließen den Abend beglückt, köstlich bekocht und vor allem so sehr charmant bedient von Sheila Scheidemann, der Food and Beverage Managerin im HERITAGE. Das Menü kostet derzeit € 99,—, mit Weinbegleitung zusätzlich für vier Gläser € 49,—, alkoholfreie Begleitung mit zusätzlichen € 39,— berechnet.

Selbstverständlich lädt das HERITAGE ein, auch à la carte zu dinieren, um jeden Gang des Menüs auch einzeln genießen zu können. Die Karte liest sich bonfortionös und lässt – naturallement – auch Vegetarier bzw. Veganer nicht verhungern! Wie klingt beispielsweise als Vorspeise Vatare HERITAGE – Jackfruit, Rote Beete Pilze, Rauchmaj – vegan oder Pilze à la Crème mit knusprigen La Ratte-Kartoffeln, Belper Knolle und schwarzem Trüffel?

Eben!

Restaurant HERITAGE
Charlottenstraße 51, 10117 Berlin
Homepage
Reservierung erbeten