2026-07-10

Alle unter einem Himmel – Weinbar Cielo

Für mich die Food-Entdeckung des Jahres in Berlin: Die Weinbar Cielo am Ostkreuz!

Es sind vier Minuten zu Fuß vom Bahnhof Ostkreuz, Ausgang Sonntagsstraße. Die erste Kreuzung rechts in die Straße. Das Restaurant befindet sich auf der linken Straßenseite, und damit liegt die Weinbar Cielo ruhig in der schönen baumbewachsenen Lenbachstraße 7 – und jetzt im Sommer perfekt im Schatten.
Im Februar 2025 als Weinbar eröffnet, die ausschließlich biodynamische Weine und Naturweine serviert und mit gelegentlichen Pop-up-Menüs getestet, ergänzt inzwischen eine feste und kleine, aber sehr feine Karte das ausgesuchte flüssige Sortiment des Cielo. Ivano Pirolo hat hier seit etwas über einem Jahr eine charmante Insel der Gastfreundschaft für seine Gäst*innen geschaffen.

Ein echter Wohlfühlort mit klassisch-einfachem Interieur, einer kleinen Bar, auch die Küche scheint übersichtlich groß. Kunst an den Wänden wechselt je nach Kauflust, eine übersichtliche Cocktailkarte versteht ihr Handwerk zu angenehmen Preisen. Helle Farben, Blautöne, klares Konzept – hier kann man gut einfach sein.
Alea König im Service und in der Küche Kea Kiknadze ergänzen Ivanos kleines Team. Der Koch aus der Nähe von Neapel in Kampanien lebt seit mittlerweile 14 Jahren in Berlin. Seine Ausbildung als Koch hatte ihn durch halb Europa getragen, bis in die spanische Sterneküche.
Die Tretmühlen der gehobenen Cuisine haben ihm beinahe den Spaß am Job verdorben. Eine Leidenschaft, die er von seinen Großeltern mitbekommen hatte, die ihm früh auf ihrem Bauernhof die Verbindung von der Natur zu den Köstlichkeiten auf dem Tisch vermittelten. Von Fine Dining hat er erst einmal genug. Fine? Immer noch in dem Sinn, dass Qualität auf seine Teller kommen soll und die Aromen sprechen dürfen. Von besonderen Weinen im Glas begleitet. Zu erstaunlich angemessenen Preisen. Fair Dining lautet heute sein Konzept.
Das Cielo ist für ihn die Antwort: keine elitäre Gaststätte, sondern ein Platz für alle, die wir unter diesem einen Himmel leben. Er steht auch symbolisch für das Blau der Mediterranae wie auch für eine unendliche Weite, keine mentale Enge, keine Grenzen – von allem etwas. Vor allem das Beste! Seine Tapas, die klar mediterranen Ursprungs sind, begleiten ein grandioses Sauerteigbrot, zu dem ein Olivenöl aus Griechenland gereicht wird – er hält dieses Öl halt für das Beste. Das Brot wird auch nicht selbst gebacken, denn das kann die Bäckerei Keit um die Ecke halt besser, als sie es können, sagt Ivano.

Ganz im heimatlichen Gebrauch sollen seine Gerichte auch geteilt werden, die sich dann und wann an der Saison und Verfügbarkeit ihrer Zutaten ausrichten. Man schmeckt, dass das, was hier verarbeitet wurde, besonders aufmerksam ausgewählt wurde. Auf dem Teller liegt Liebe zum Essen, sie zeigt sich in der Qualität aller Zutaten.

Menschenskinder, ist das lecker hier! Zum Brot serviert uns Ivano eine Stracciatella mit Chimichurri mit Chiliöl. Ich freue mich, dass Stracciatella mittlerweile auch in unseren Küchen langsam haus- und hoffähig wird. Ihre wundervolle, sahnige Aromatik zu dem säuerlichen Brot mit enorm knuspriger Kruste, zusammen mit dem frischen Kick des Chimichurri, ist eine tolle Begegnung! Dazu stellt uns Ivano marinierte Oliven und Taralli auf den Tisch.
Es folgt ein Fisch-Crudo mit Zitrus-Dressing und einem Chutney der Tropea-Zwiebel sowie Oliven, ergänzt um einen weiteren kühlen Gang: Frisches Thunfischfilet mit Filets von Orange und Pampelmuse rosé in einer feinen fruchtsauren Vinaigrette mit Olivenölfäden – das ist wie ein Spaziergang durch den duftenden Limonenhain.
Zartrosa gelungen, nicht zu dezent aufgeschnittenes Kalbfleisch für das Vitello tonnato – letztere wundervoll säurebetont. Zu ihr möchte ich „Sie“ sagen und einen ganzen Eimer voll mitnehmen. Da ist eine spannende Würze, die den Thunfisch nicht alleine dominieren lässt. Was wirklich auffällt: Alles, was im Cielo mit einer Vinaigrette, Soße oder Bisque gereicht wird, verdient ein herausragendes Prädikat. Sie sind von einer aromatischen Frische, geschmacklich einzigartig, und das Brot wird niemals reichen.
Kreativ serviert und bringt eine Runde Aufregung in unsere Runde: Das Rindertatar auf dem längsgeteilten warmen Markknochen des Rindes. Das Tartar mit einer pikant-sauren Würze, in dem man die Kapern nicht suchen muss, so wie ich es mag. Dazu das warme Mark vom Rinderbein. Göttlich. Das Gebein in Berlin so geschnitten zu bekommen, ist nicht leicht, erzählt Ivano. Da muss man sich seinen Fleischer gut aussuchen und er schwört auf Treue bei seinen Lieferanten.
Stimmt! Da waren ja noch die Weine, derentwegen man eigentlich ins Cielo geht. Tatsächlich sind sie bei unserem Dinner etwas ins Abseits geraten, so überrascht und begeistert hat uns die Küche. Wir haben sie dennoch genossen, die Weinkarte, auch klein und fein, ist eine Reise durch alle europäischen Weinländer. Sie zählt drei Variationen, die blubbern, sechs Weißweine, je zwei Rosè und Orange Weine sowie drei Rote.
Auch hier hat sich Ivano überall die beste Essenz für seine Gäste erwählt. Seine fachliche Expertise ist unser Einstieg: Der Sampagnino kommt von der Cantine Bulli aus Piacentini in der Emilia Romagna. Die Rebe Ortrugo wird in Flaschengärung ausgebaut, unfiltriert, kein Schwefel. Junge, lebendige Mineralität. Hallo Sommer!
Gefolgt von einer Cuvée aus Welschriesling, Chardonnay und Traminer. Der Naturwein „Weißes Handgemenge” (2025) von Wachter-Wiesler ist blumig, voller gelber Aromen wie Quitte, Winterapfel, Zitrusfrucht. Ein guter Einstieg in die Welt der Naturweine mit 11,5 % Alkohol.

Für uns Alkoholgenießerinnen geht es weiter mit einer traumhaft schönen Farbe aus einem Keller in den Abruzzen: Kriya Cerasuolo d’Abruzzo DOC Biowein aus der Montepulciano. Ein veganer Bio-Rosé mit trockener Substanz und einem Potpourri vieler roter Beeren.
Die Person in unserer Runde, die keinen Alkohol möchte, trinkt einen Frizero (Valpolicella), aus der Kaltgärung und alkoholfrei, mit Bubbles in Weiß. Elegant, macht Spaß und grüßt mit intensiven grünen Noten von Apfel und Birne.
Der Oktopus-Spieß mit Padrón-Piementos entsendet uns an den Lungomare, und auch dieser ruht wieder in einer aromatischen, pikanten Begleitung, von der man nichts auf dem Teller lassen möchte. Der Oktopus ist wundervoll zart, keinesfalls trocken gegrillt. Selten so perfekt zubereitet bekommen! Kann es noch besser werden?
Die Miesmuschel in pikanter 'Nduja-Escabeche mit frischen Frühlingszwiebeln ist Glückseligkeit mit ihrer Schärfe. Wie gut das Fett vom Schwein den Muscheln tut!

Die grüne Lasagne mit Zucchini, Scamorza und Salsiccia ist genauso fein, hat es aber mit ihrer erdigen italienischen Grundständigkeit nicht leicht, an die vorangegangenen Gänge heranzureichen. Tatsächlich schafft es das Cielo, jeden Gang mit einem eigenen Sidekick auf den Tisch zu bringen, den man nicht erwartet – wie einem der Gang zuvor noch nie serviert wurde. Das macht die Küche von Ivano und Kea hier wirklich zu einem intensiven Erlebnis.
Die Dessertkarte ist übersichtlich. Gefühlt schwärmt ganz Berlin von der Mascarpone Mousse. Zart aufgeschlagene Kalorie grüßt in ihr das teuerste Gewürz der Welt – il safrano – und weiße Schokolade ergänzt das Träumchen. Auch die Windbeutel mit Zitrus-Creme und Erdbeeren machen Spaß zum Caffè.
Ach ja, das Cielo hat auch eine Cocktailkarte, ich empfehle die leichte Sommervariante eines Negronis, den Sbagliato – auf Basis eines Negronis ohne Gin, dafür mit Prosecco. Bin ich Fan! Falls ich euch noch nicht vom Cielo überzeugen konnte (hä?) wie es sich für ein wirklich gutes Restaurant mit italienischen Wurzeln gehört, lässt sich hier ein ordentliches Chinotto ordern!

Ich komme wieder!

2026-07-08

Strandalbernheiten

Wer regelmäßig in Italien urlaubt, kennt schon deren Strandsitten. Strandabschnitte werden mit temporären Holzhäusern verwaltet, das Geschäft mit den Sonnenschirmen und Sonnenliegen hat in den letzten Jahren preislich Dimensionen angenommen, die mittlerweile Thema der Gesetzgeber geworden sind.

Gerade auf den Inseln werden teilweise rund um Luxusresorts bis zu 1500 Dollar von den Touristen pro Tag verlangt, absurd. Vor allem die Region Apulien, von der ich bekanntermaßen eine große Verehrerin bin, scheint in ihrer Preisgestaltung in allen Bereichen des Tourismus merkwürdig ausufernde Formen anzunehmen – auch dort geht es stellenweise ab 30 Euro los, manche Betreiber versuchen bis zu 100 Euro zu verlangen. So sind in der Hochsaison mittlerweile Strände, an denen ein jeder auch ohne finanziellen Einsatz Spaß am Wasser haben darf, dann meist ohne Badewächter, eine selten gefundene Spezies – aber es gibt sie.
Dort, wo der Tagesaufenthalt am Meer kurioserweise nicht kostenlos ist, merken zunehmend die Betreiber, dass die Urlauber sparen müssen. Was sich darin äußert, dass sie sich nicht jeden Tag ihr Pranzo für die ganze Familie in dem dazugehörigen Lido mehr leisten können. Und sich alternativ selber versorgen mit Lebensmitteln aus dem Picknickkorb. Was ihnen die Besitzer der Lidl gerade in Apulien nun sehr gerne verbieten wollen, aber dazu hat die italienische Rechtsprechung eine klare Aussage getroffen.
Und auf diese verweist Antonio Decaro, Präsident der Region Apulien, jetzt zum Ferienbeginn nochmals sehr deutlich. Er betont, dass die apulische Strandverordnung es erlaubt, eigene Speisen und Getränke an den Strand mitzubringen – auch an konzessionierten Stränden. Allerdings in einem überschaubaren Rahmen. Seit 2019 gilt allerdings: Wer Essen von zu Hause mitbringt, muss biologisch abbaubares Besteck und Geschirr verwenden. (Was auch lustig ist, denn in vielen Lidi wird das hauseigene Menü nach wie vor auf Plastikgeschirr serviert. Und noch lustiger ist Plastikgeschirr im Lido am Strand, wenn etwas Wind geht.)
Whatever, solltet ihr dieser Tage in Apulien am Strand urlauben, lasst euch nichts erzählen – verweist auf den Präsidenten. Und in anderen italienischen Provinzen lohnt sich womöglich eine kurze Auseinandersetzung mit deren Strandgesetzen zu diesem Punkt. Die jeweiligen Tourismusbehörden sollten Bescheid wissen.

Source: T-Online

2026-07-05

Stadt Furaidis in Israel: Höhlenentdeckung aus der sehr frühen Zeit der Acheulo-Yabrudian-Kultur

Ausgrabungen Universität Haifa in Furaidis © Emil-Aladjem, Israel-Antiquities-AuthorityLes

Im nördlichen Teil Israels, im Karmelgebirge nahe der Stadt Furaidis bei Haifa ist schon 1970 bei Bauarbeiten eine bedeutende prähistorische Fundstätte entdeckt worden. Damals wurde die Höhle in ihrer Entstehung auf einen Zeitraum von 200.000 Jahren vor heute geschätzt.

Die eigentliche Sensation ist allerdings das dort arbeitende Forschungsteam, geleitet von Dr. Kobi Vardi und Amit Gabbay von der Israel Antiquities Authority (IAA), in Kooperation mit Prof. Ron Shimelmitz vom Zinman Institute of Archaeology und der School of Archaeology and Maritime Cultures der Universität Haifa jetzt erst bewusst geworden. Sie konnten eine Besiedlung schon vor 400.000 Jahren nachweisen!
Ausgrabungen Universität Haifa in Furaidis © Emil-Aladjem, Israel-Antiquities-AuthorityLes

Es handelt sich um eine – im wahrsten Sinne des Wortes – uralte Höhle aus dem Beginn der Acheulo-Yabrudian-Kultur, die in der gesamten Levante und in Bereichen des Nahen Ostens lebten. Sie konnte in ihrem originalen Zustand entdeckt werden. Mit ihrem frühen Entstehungsdatum reiht sich diese Höhle in die nur eine Handvoll Fundstätten aus jener fernen Epoche ein.

Die Acheulo-Yabrudian-Kultur ist eine spätsteinzeitliche Kultur von großer Bedeutung für die menschliche Evolution im Nahen Osten. Zu ihrer Zeit entwickelten die Menschen erstmals soziale Gefüge und bildeten Lebensgemeinschaften in größeren Gruppen und nutzten stärker Elemente, wie Feuer und sie fertigten Waffen und Werkzeuge.
Die gefundenen Artefakte wie Handäxte, Schaber und Klingen, sowie Tierknochen von Damhirschen, Gazellen und Urpferden beweisen bereits ein langes Leben innerhalb dieser Höhle über Jahrtausende hinweg. Es muss hier Wasservorkommen gegeben haben, was diese Umgebung für Jäger und Sammler besonders einladend machte, sodass sie über diesen enorm langen Zeitraum immer wieder aufgesucht worden war. Das macht sie zu einem besonders frühen Zeugnis für soziales Zusammenleben und die Weitergabe von Wissen in jener Zeit – über menschenähnliche noch vor den Neandertalern lebende Wesen.
Historische Handäxte © Emil-Aladjem, Israel-Antiquities-AuthorityLes

„Diese Zeitkapsel gehört einer einzigartigen Phase am Ende des frühen Paläolithikums an – kurz bevor Neandertaler und moderne Menschen dominant wurden. Lediglich eine Handvoll Fundstätten aus dieser wichtigen Periode wurde im Levant freigelegt, und die meisten sind für die Forschung unzugänglich“, unterstreicht Prof. Ron Shimelmitz von der Universität Haifa diese besondere Entdeckung. Und fügt hinzu: „Die schrittweisen Veränderungen dieser Epoche in menschlicher Physiologie, Technologie und Gesellschaft waren Vorläufer der komplexen Verhaltensweisen, die Neandertaler und moderne Menschen später prägten. Wir betrachten sie als die Samen, aus denen unsere komplexe Kultur erwuchs.“

Dr. Kobi Vardi, Head of the Prehistory Branch der Israel Antiquities Authority, betont den außergewöhnlich gute Erhaltungszustand dieser Höhle, was sie zu einer archäologischen Stätte von globaler Bedeutung macht, denn selten zuvor wurde eine archäologische Stätte in einem solchen unberührten entdeckt! Für ihn als Prähistoriker reiht sich dieser Ort in seiner Bedeutung auf dem Niveau der bekannten Nahal-Meʽarot-Stätte ein – beide werden in die gleiche Epoche datiert.
Ausgrabungen Universität Haifa in Furaidis © Emil-Aladjem, Israel-Antiquities-AuthorityLes

Aktuell planen die Israel Antiquities Authority und die Universität Haifa ein groß angelegtes Forschungsprogramm, das rekonstruieren soll, wie Menschen damals lebten, sich anpassten und neue Technologien entwickelten. Langfristig wird die Stätte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – für die Bewohner von Furaidis, Schulen der Region und alle, die sich für die Urgeschichte des Nahen Ostens interessieren.

2026-07-02

Vermaledeite Zeit!

Die Dinge sind schwierig und bleiben es leider auch. Wer hier regelmäßig mitliest, weiß, dass ich im letzten Dezember die große Freude hatte, nach Israel reisen zu dürfen. Lange Zeit nach dem grauenvollen Überfall auf Isral am 7. Oktober 2023 und dessen ebenso grauenhaften Folgen, vor allem für das palästinensische Volk. Endlich, nach den Friedensvereinbarungen, schien es langsam wieder möglich für Israel zurück in die Zeitrechnung zu finden, in der es wieder nach langen schwierigen Jahren, die auch hier wie überall mit der Covid-Pandemie begonnen hatten, Touristen begrüßen konnte.

Das weitere Verhalten der israelischen Regierung steht – absolut zu Recht – in der Kritik und gehört unbedingt beendet. Dass ich das genauso sehe wie die allermeisten Menschen auf diesem Planeten, setze ich als bekannt voraus unter meinen Lesern. Ich finde es fürchterlich und menschenverachtend. Wie alle Kriege auch völlig sinnlos. Wobei ich mir nicht anmaße, alles, was dort vor sich geht, wirklich begreifen zu können.

Es tut mir weh, meine letzten Reiseberichte für mich zu behalten, ist es gefühlt nicht die richtige Zeit, darüber bloggen zu können. Aber … da ist noch meine Zeit in Jerusalem. Dem Jerusalem. Meine Ausflüge zu den besonderen Orten am See Genezareth. Die Weine Israels!
So viel will noch erzählt werden. Es gibt doch auch immer noch dieses so besondere Land, das ich kennenlernen durfte, in dem so viele Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religionen in Frieden zusammenleben. Frieden für alle wollen! Das Land, das eben auch geflüchteten Menschen seit Jahren – nicht nur aus der Ukraine – aus anderen Krisengebieten ein neues Zuhause bietet. Ein Land voller offener, für den Frieden betender Menschen, herzlicher Menschen – so, wie ich sie erlebt habe. Die mir eine wunderbare Zeit in dieser Schönheit, ihrer Menschlichkeit, der Besonderheit ermöglicht haben. Und mich viel über Leben im Krieg, Neuanfang und Optimismus gelehrt haben.

Diese Menschen arbeiten auch im Tourismus Israels. Sie erleben seit Covid eine fürchterlich lange Zeit des Verzichts, mussten sich teilweise neue Existenzen suchen, haben ihre Agenturen verloren und mussten in andere berufliche Tätigkeiten, die womöglich überhaupt nicht ihrer eigentlichen Leidenschaft entsprechen, wechseln. Und oft sind es die Ärmsten, die in diesem Bereich arbeiten, nicht wenige Menschen davon übrigens arabischer Abstammung. Sie leiden besonders unter dem kaum noch möglichen Tourismus. 

Vor einigen Wochen bin ich eingeladen worden in die israelische Botschaft in Berlin. Eingeladen waren alle Besucher Israels, die seit 2015 Israel bereist haben, sei es mit den Delegationen über die Botschaft im politischen Austausch. Sei es, wie ich, auf Einladung des israelischen Tourismusministeriums auf einer Pressereise, oder wie ich es im Vergleich gerne nenne: Spaßreise (sie war pure Freude), und in der Folge Botschafter für das Land Israel geworden sind.
So verstehe ich mich eben auch. Als Botschafterin trotz oder wegen aller Widrigkeiten zum Trotz. Ich bin keine für diese Politiker und ihr Handeln, aber ich möchte Fürsprecherin für das Land und die Menschen Israels sein. Ich möchte weiterhin über ein besonderes Land, das Leben dort, die wundervollen Menschen, die fantastische Landschaft und die unfassbar leckere Küche schreiben. Das ist mir ein Bedürfnis. Und damit die Menschen, die dort leben und eben auch unter dieser vermaledeiten Situation leiden, unterstützen.
Mich hat auf diesem Sommerfest entsetzt, die Menschen erzählen zu hören, die aus dem gesamten Bundesgebiet, teilweise auch aus dem Ausland angereist sind, wie sehr sie aktuell, also wieder in unserem Land, unter antisemitischen Angriffen zu leiden haben, weil sie Juden sind. In Deutschland geborene Menschen, die hier immer lebten und sich jetzt nicht mehr wohlfühlen dürfen in ihrer Heimat – weil sie Juden sind. Das darf doch nicht sein!

Das darf nicht die Konsequenz sein, die wir hierzulande ziehen, dass Menschen in eine Verantwortung genommen werden – für die sie in keiner Weise verantwortlich sind! Haben wir denn wirklich so sehr wenig aus den vergangenen 100 Jahren deutscher Geschichte gelernt? Und sollten vor allem wir Deutschen uns aktuell nicht zunächst an die eigene Nase fassen im erstarkten und lauten Rassismus seitens der demokratisch gewählten Regierung?

Ron Prosor, der Botschafter Israels in Deutschland, sprach treffend und versöhnend in seiner Rede anlässliches des Sommerfestes: „Diejenigen, die Israel erleben – das hält jahrlang! Die israelische Realität sehen, verstehen. Und umgekehrt. Ich freue mich, weil ich hier diese Menschen sehe, die Israel seit 2015 bis 2025 besucht haben. Es gibt kein besseres Mittel, Israel zu verstehen.”

Das stimmt so sehr! In seiner Rede bat er uns alle freundlich, wir mögen weiterhin Botschafter Israels sein. Und ja, ich möchte das. Wie gesagt, es gibt noch so viel zu erzählen …

Es war mir ein Bedürfnis, das einmal aufzuschreiben: Lange Rede, kurzer Sinn: Erlaubt mir bitte weiterhin, in einem positiven Sinn über Israel zu schreiben – als das Land, das es eigentlich ist: Sensationell schön, voller Herzlichkeit, ein besonderes Land!

2026-07-01

Tante Auguri zu 35 Jahre Trattoria a'Muntagnola!

Auf den Tag genau vor 35 Jahren, am 01. Juli 1991, hatte Pino Bianoco seine Trattoria a'Muntagnola in der Fuggerstraße 27 eröffnet – und sie bis heute offengehalten. Nicht viele Gastronomen haben das über so viele Jahre hier in Berlin geschafft!
Seit fünfunddreißig Jahren, haben uns Pino und Mamma Angela mit ihrer italienischen Lebensfreude und Herzlichkeit als Gastgeber begleitet. Fünfunddreißig Jahre, in denen sie uns die besondere kulinarische Tradition der Basilikata näherbrachten und uns die köstlichen Weine (nicht nur) Lucaniens einschenkten. Oder uns ihre italienische Kultur vorgestellt haben, Künstler unserer Region eingeladen haben: Musiker, Fotografen, Kunstmaler und Autoren. So viele wundervolle Feste haben sie mit uns gefeiert!

Aber natürlich als eines der allerersten wirklich italienisch-traditionell italienischen Restaurants die hausgemachte Küche aus der Basilikata – mit Pasta fatta a mano, Pizza, Fisch- und Fleischgerichten, besonderen Desserts, selbst gebackenem Brot und bestem Olivenöl serviert. Diese wundervolle Küche von Angela Mattarese ist seit jeher das Sinnbild der Leidenschaft und Gastfreundschaft dieser Trattoria.

35 Jahre – was für eine lange Zeit! Eine Zeit voller gemeinsamer Erinnerungen, persönlicher und gesellschaftlicher Veränderungen, voller besonderer Momente – glücklicher, aber manchmal auch schwieriger. In all diesen Jahren habt ihr uns mit eurem Restaurant eine Flucht aus dem Alltag, ein warmes Zuhause geschaffen.

Und: Seit fünfunddreißig Jahren sind auch wir, die Gäste, eurer Einladung in die große Familie der Trattoria a’Muntagnola gefolgt. Wir sind zu guten Freunden geworden, haben zum Teil eure wundervolle Heimatregion, die Basilikata (Lucania), besucht und lieben gelernt. Wer weiß, sicher haben einige von uns nur dank euch dann auch angefangen, Italienisch zu lernen.

Grazie di cuore!
Es ist logisch, dass nach so langer Zeit für Pino und Mamma Angela (im Juni 92 Jahre alt geworden und kocht noch immer!) die Zeit gekommen ist, in der es ruhiger werden darf. Ihre Nachfolger Tina Sento als Restaurantleiterin
und CB, Donovan Cole, als Chefkoch
sind längst Teil der großen Trattoria-Gemeinschaft und zeigen weiterhin, was echte italienische Gastfreundschaft heißt. Mit den bewährten Rezepten von Mamma Angela, neuen kreativen Ideen aus der Küche von CB, einem feinen Gespür für außergewöhnliche Weine von Tina – und vor allem mit ihrer gleichen Qualität, Leidenschaft und Herzlichkeit, die die Trattoria a’Muntagnola seit 35 Jahren auszeichnen.

So ein besonderes Jubiläum muss gefeiert werden: Am Sonntag, den 5. Juli 2026, ab 12.00 Uhr lädt die Trattoria a'Muntagnola zur großen Jubiläumsparty in die Fuggerstraße 27 ein.

Pino, Mamma Angela, Tina und CB feiern mit den vielen Freunden und auch langjährigen Produzenten aus der Basilikata, die extra anreisen, ihr lange Zeit lukanische Küche in Berlino!

Es wird auch ein besonderer Gast aus der Kunstszene vor Ort sein, der deutsch-iranische Künstler Kani Alavi, Mitinitiator der Berliner East Side Gallery. Seine Kunst präsentiert er in dem Restaurant und bereichert mit seiner Kreativität diesen besonderen Tag. Er wird den Berliner Buddy Bär, der vor der Trattoria seit vielen Jahren die Gäste begrüßt, in ein neues, kunstvolles Gewand einkleiden!

2026-06-30

Wenn deutsche weiße Männer die deutsche weiße Freiheit genießen …

Ich greife juristisch vorweg, im nachfolgenden kommuniziere ich ausschließlich meine persönliche Meinung:

Dieter Nuhr hatte neulich mal wieder unfassbaren Mist gelabert, was wir allerspätestens seit der Covid-Pandemie von ihm gewohnt sind. Dieses Mal aber fand er es lustig, sich über Opfer lustig zu machen bzw. Frauen, die sexuelle Übergriffe, Angriffe auf ihr Leben bis hin zu ihrem Tod erfahren mussten, in die Schublade der Schlampe zu stecken. Natürlich alles unter dem Etikett „Satire darf das“.

Kleine Randbemerkung: Der Mann ist Vater einer Tochter.

Daraufhin gab es Antworten. Viele Antworten von Frauen. Jetzt geht es dem alten, weißen und deutschen Mann nicht gut. Er ist ein Opfer. Opfer seiner unverstandenen Kunst, wie er es sieht. Opfer seiner sehr wohl verstandenen, schlechten Satire, wie viele Frauen, auch ich, es sehen. Es ist, er ist – meiner persönlichen Meinung nach – ganz schön erbärmlich.

So lange im Geschäft und hält Kritik an seinem Werk so sehr schlecht aus. Die ARD duckt sich weg und findet, das sei alles Kunst. Ja, mag sein. Aber manchmal kann Kunst eben auch weg.

Was wirklich bemerkenswert merkbefreit ist (höflich formuliert): Während sich der Herr Nuhr hinter seiner künstlerischen Freiheit versteckt, möchte er über ihn kritisch schreibenden Frauen im Journalismus deren Meinungsfreiheit verbieten. Auch findet er es unnötig, dass wir Frauen über Frauenfeindlichkeit diskutieren.

Der alte weiße deutsche Mann möchte also wieder einmal einer Frau vorschreiben, was sie zu befinden und zu schreiben hat. Wann sie Sex haben darf mit einem neuen Partner, ja sowieso. Es wird, das muss man auch hinbekommen, also immer schlechter als besser.

Mela Eckenfels hat hierzu die exzellente Antwort „Nuhr SLAPPdashery” verfasst. Durchaus lesenswert!

2026-06-27

Es ist schon ein bisschen merkwürdig anzusehen, …

… fährt man* dieser Tage im provinziellen Hauptstädtchen mit öffentlichen Fahrzeugen, diese jungen Mädchen, Frauen zu sehen, die den üblichen Online-Schminktutorials dem Trend „Glow, mehr Glow, ganz viel Glow” zum Opfer gefallen sind und stellenweise aus „ganz viel Glow”, vermutlich, weil mehr wichtig ist, „super viel Glow” in ihr Gesicht malen.

Glow ist in. Soweit ist's klar.

Aber wenn sich auf „super viel Glow” aus dem Schminkkasten dann natürliches 40-Grad-Glow darauf legt, dann liegt die Assoziation mit Öl eingeschmierter Schweinespeckschwarte einfach sehr nahe.

*Von einer aus der Schminkgeneration „bloß ja nirgendwo glänzen” gesendet.