2016-07-23

Leseblumen

Wahrscheinlich beschränkt Anke Gröner überhaupt noch zu verlinken, da ich denke, sie führt das im deutschsprachigen Web meistgelesene Blog – also sie wird vermutlich eh von allen schon gelesen. Aber dieser Text ist sehr besonders: „Ich wundere mich nur – Sie gehen so selbstbewusst durch die Gegend, obwohl Sie so dick sind.”

Kitty Koma schrieb ihren ehrlichen Text „Körperpanzer” in Reaktion auf Ankes Post.

(Aus der Reihe: Interessant für mich: Ich kenne Anke Gröner ja auch en natura und treffe sie dann und wann auf der re:publica und nehme sie tatsächlich nie als „so” dick wahr.)

2016-07-22

Nervt nicht.

Vorhin spült die Facebook Timeline einen Artikel mir ins Gemüt, den diverse honore Facebook-Persönlichkeiten liken und sharen, als wäre es ein gesundes Stück Weisheit.

Ist er aber nicht. Im Gegenteil, er ist erstaunlich maulig, nervig und leider auch substanzlos.

Er disst Leute, die angeblich Leute dissen, die „Pokémon Go” spielen. Und ich bin mittlerweile maximal genervt von solchen überheblichen „Ihr Alten kapiert es halt nicht”-Artikeln.

Kurz: ich spiele „Pokémon Go” selbst nicht. Weil ich per se nicht so gerne spiele. Das hat vorrangig visuelle (optische) Gründe. Aber: ich kann mich absolut darüber freuen, wenn Leute damit ihren Spaß haben – und wenn sie weltweit gemeinsam damit ihren Spaß haben und irgendein StartUp damit reich und glücklich wird. Sehr schön! Spaß ist in diesen Zeiten wichtig.

Und: Ich habe bisher noch an keiner Stelle irgendwen über „Pokémon Go” meckern hören, noch irgendeine Kritik dazu zur Kenntnis genommen. Im Gegenteil, vornehmlich Stimmen, die am Effekt ihren Spaß haben. Manchmal Erstaunen – aber selbst über Unfälle im Einsatz beim Sammeln wird noch mit einem Augenzwinkern berichtet.

ABER: Ich nehme ständig Artikel oder Sprüche zu Kenntnis, die sich einen Affen einbilden und darüber schreiben, wir „Alten” hätten halt keine Ahnung von jungen dynamischen Webwelten und würden ständig sie und den aktuelle Pokémon-Hype dissen.

Nein, tun wir nicht.

Das ist ganz alleine eine Annahme von Euch, ein dummes Abgrenzen. Eine nicht real existierende Tatsachenverdrehung Eurerseits.

Meine alte Generation hat zwar Eure Personal Computer und das Internet zu dem gemacht, was es heute ist – aber das muss Euch ja nicht wirklich interessieren.

Wir sind die Generation, die Pac-Man, Tetris nächtelang durch gespielt haben. Die Generationen (vor meiner noch) haben uns sowas wie Mac OS und Windows noch in den einstelligen Versionsbereichen geschenkt. Wir also sind die Generation, die begonnen hatte mit Computern zu leben. Unserer Generation ist nichts ferner als das Wissen und die Erinnerung, wie geil Games sind; wir sind die Generation, die dafür gesorgt haben, dass man nicht alleine zu Hause spielen muss, sondern übers Internet spielen kann.

Merkt Ihr es? Und jetzt wollt Ihr uns erzählen, dass wir, die Alten, Euch nicht verstehen würden? Euch den Spaß nicht gönnen würden? Euch mit der Pokémon-Spielerei nicht ernst nehmen würden? Es tut mir total leid, Euch das sagen zu müssen: Ihr seid nichts Besonderes. Ihr seid nicht sonderlich hipp, nicht sonderlich klug, nicht sonderlich kreativ, nicht sonderlich innovativ. Ihr seid lediglich Leute, die erstaunlich in ihrer Anwendung reduzierte Technik bedienen könnt und damit im großen Stil Spaß habt. Euer iPhone ist lediglich ein bunter Nachfolger dessen, was mal Apples Newton hieß. Ihr spielt mit der nachfolgenden Technik für die wir schon vor 30 Jahren Software, auch Spiele, entwickelt – mindestens benutzt haben.

Und deswegen sollen wir Euch jetzt den Spaß neiden, den Ihr habt? Warum? Kann mir mal einer auch nur einen vernüftigen Grund nennen, warum wir das tun sollten? Ihr macht nix, was wir nicht schon gemacht haben! Das hieße doch unsere eigene coole Jugendzeit mit den Füßen zu treten – warum zur Hölle sollten wir das tun?

Übrigens hat meine alte Generation vor Jahren etwas gespielt, weltweit zu gleichen Zeit überall mit Hingabe und Leidenschaft, das hieß Zauberwürfel. War 'ne komplett analoge Nummer – war aber im Grund wirklich nichts anderes, als das was der Pokémon-Hype gerade ist. Irgendwelche begeisterte Fredies haben 'nen Gimmick weltweit zur gleichen Zeit begeistert bedient, unterwegs, überall – zu jeder Tages- und Nachtzeit und irgendeiner ist dadurch echt reich geworden und ja, die Medien haben damals auch darüber sachlich, unsachlich, begeistert, kritisch geschrieben.

Ihr seid weder besser noch schlechter noch hipper als wir. Ihr brauch nur Strom für Euren Spaß. That's it! Und nun geht bitte wieder spielen und hört auf uns Pseudomeckereien in den Mund zu legen.

tl;dr Der oben verlinkte und auf Facbeook wild gelikte und gesharte Artikel ist gar nicht so suppi.

Bauchschmerzen …

… bekomme ich, wenn ich an den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner denke. Da kommt noch was auf uns zu, das wird nicht lustig werden.

Im New Yorker spricht der Autor Tony Schwartz über seine Erfahrungen mit Donald Trump, als er als dessen Ghostwriter sein frühes Werk „The Art of the Deal” schrieb.

„Not long after the discussion of the party bills, Trump approached Schwartz about writing a sequel, for which Trump had been offered a seven-figure advance. This time, however, he offered Schwartz only a third of the profits. He pointed out that, because the advance was much bigger, the payout would be, too. But Schwartz said no. Feeling deeply alienated, he instead wrote a book called “What Really Matters,” about the search for meaning in life. After working with Trump, Schwartz writes, he felt a “gnawing emptiness” and became a “seeker,” longing to “be connected to something timeless and essential, more real.”

Sowas von lesenswert!

2016-07-21

Manchmal ist die Erbse …



… eine einfache Ikea-Decke.

2016-07-18

Einen schönen und guten Montag!

2016-07-17

Sportler de luxe …

Vor vielen Jahren ist einmal ein Ruderer in mein Leben getreten. Fortgeschritten, Olympia-Liga. Groß und stark wie ein Baum, ein Traum von einem Mann, dabei eine Stimme wie von Kermit. Interessant wie die Sockensammlung vom Özi. Am spannendsten fand ich an diesem Mann, wie ein Langweiler ernsthaft in der Werbung arbeiten konnte.

Er ist nach Hamburg gezogen, der Werbung zuliebe. Nicht immer weint man ihnen Tränen nach.

Erinnert heute hieran von der Frau Misanthropin.

2016-07-15

Düfte

Im Schlafzimmer riecht es leicht nach faulen Eiern, weil die kleine bunte Katze, Tally, heute morgen um drei auf ihr Katzenkissen als auch auch auf die Vorhänge kotzte, die ich jetzt aber nicht abnehmen kann, weil sie jetzt hinter und auf diesen Vorhängen ihren Schilddrüsentablettenrausch ausschläft.

(Aus der Reihe: Ihr kennt das.)

Menschen

Bei der Hebung des gesunkenen Flüchtlingsschiffes – beauftragt durch die italienische Regierung, nachdem die zuständige Staatsanwaltschaft von Catalania eine Hebung abgelehnt hatte, weil „nicht notwendig für die Ermittlungen, teuer und langwierig” – Anfang Juli ist man noch von ungefähr 300 ertrunkenen Geflüchteten im Wrack ausgegangen.

485 Menschen, das weiß man heute, sind es noch gewesen, die im Rumpf des Schiffes den Tod gefunden haben. Schiffe, die oft keinen Namen tragen, und daher leicht vergessen werden können, da sie nicht über ihren Namen mit dem Schreckens einer „Titanic” oder „Costa Concordia” verbunden werden können bzw. müssen.

In dieser Liste der weltweit gesunkenen Schiffe seit 2011 steht das Ungefährzeichen „≈” für die ungefähre Anzahl der zu Tode gekommenen Menschen auf der Flucht. Ungefähr, weil man die genaue Anzahl von Passagieren nicht kennt und weil man diese Schiffe nie bergen wird. Aus oben genannten Gründen. Es ist nicht wirtschaftlich vertretbar, es ist für die ermittelnden Behörden nicht von Relevanz. Man kann die Fälle nicht schnell abschließen. Das möchte man gerne, aus den Augen aus den Sinn.

Und irgendwo auf dieser Welt warten Menschen, Liebende, Verwandte auf eine Nachricht von diesen von ihnen vermissten Menschen. Sie werden nie endgültige Gewissheit erfahren. Sie werden nie beerdigen dürfen. Nie abschließen können.

Nicht jede Regierung hat das Rückgrat, wie die aktuelle italienische Regierung. (Womöglich hat die Regierung aus dem unfassbaren ersten Eintrag dieser Liste gelernt.)

Wie der italienische Regierungspräsident, Matteo Renzi, Mitte Mai 2015 in einem Interview sagte: „Ich will, dass die ganze Welt sieht, was geschehen ist. Es ist nicht akzeptabel, dass einige Leute weiterhin nach dem Motto 'aus den Augen, aus dem Sinn' handeln.”

Es liegt nun an uns, diesen 485 Menschen – und allen die nach ihnen gestorben sind und noch sterben werden auf diesem unsicheren Weg ihrer Flucht – ein Gewicht zu geben.

Unsere Regierung wird es ihnen nicht geben.

2016-07-13

Schnäppchen

Neulich an einer jungen Frau ein paar Schuhe gesehen, die mich schlicht geblendet hatten so schön fand ich die. Ganz unvermittelt. Schuhe á la Birkenstock, hellgrau glitzernd. Edel bis in die freiliegenden Zehenspitzen anzusehen. Noch nie habe ich so einen elegant wirkenden Fuß gesehen an dem eine Birkenstock-Sandale hing.

Kurz nachdem mir mein kleiner neidischer Golm, der noch bevor ich denken kann, wie immer zupolterte: „Warum die? Warum sind das ihre Schuhe? Wieso sind das nicht meine? Die würden mir viel besser stehen als ihr! Wie kann ich die Frau flink überfallen und ihr die Schuhe rauben, damit sie mein! mein! mein! sind? Die Welt ist so ungerecht. Die Frau ist doof. Die da, die hat MEINE Schuhe!”, ich wieder einen neutralen sinnvollen Gedanken formen konnte wie: „Frage die Frau einfach nett und freundlich, wo sie die Schuhe her hat.”, war sie schon wieder im Getümmel der undergründigen Bahnen verschwunden. Vielleicht war auch ich verschwunden, als Frau hat man nie ein gerechtes Gefühl für die vielen Kilometer, die man schon weitergelaufen ist, hat man so einen intensiven Schuhmoment.



Samstag schleiche ich durch die festlichen Hallen, die eine Friedrichstraße so zu bieten hat, lande bei Strauss Innovation und sehe dort ein paar Zehsandalen im Stil einer Birkenstocksandale. Rosa. Glitzernd. Aber auch Helblaugraugrisbleu (so bei näherem Hinsehen). Auch glitzernd. In Größe 41. Es ist DER Schuh! Ich herzkaspere ein wenig still vor mich hin, nehme die Schuhe mit in die Ankleidekabine, gemeinsam mit einem reduzierten Oberteil. Und probiere beides an. Die Schuhe sind so fürchterlich bequem und sollen statt der 20,— von mir aufgerundeten Euro nun noch 16,— von mir aufgerundete Euro kosten – und Passform, Schönheit und Preis erschrecken mich so sehr, dass … ich die Schuhe erst einmal wieder in das Regal zurück stelle. RISIKO!!! Denn es ist nur ein Paar noch in der Größe und Farbe da. Trotzdem, dieser stille Moment von vollkommenem Glück überfordert mich gerade.

Das Oberteil hatte mich im Spiegel so dermaßen meiner körperlichen Hässlichkeit, Unpässlichkeit und Untrainiertheit überzeugt, dass mich kurzfristig mein Selbsthass aus dem kaufenden Mode geworfen hatte.

Nun, ich verließ den Laden in Gedanken an DIE Schuhe mit einem „überlege es Dir noch mal” und widmete mich anderen Geschäften, die mich nicht mit fiesen Spiegeln obzön offensiv an meine eigene physische Vergänglichkeit erinnern wollten.

Keine einhundert Meter weiter befindet sich in einer Unterführung ein Birkenstock-Geschäft und ich stehe vor haargenau dem gleichen Schuh. Genauso geklebt wie der andere (hatte Birkenstoff die Sohlen nicht mal genäht?), gleiches Kunstleder, gleiche Schnalle, Pinöpel oben am Zehenhalter. Einziger Unterschied: Schnalle und Pinöpel gülden, statt silber wie am Strauss-Modell (wobei das Silber dem Schuh deutlich passend zum dezenten Silberglitter definitiv besser steht). Und keine Birkenstockprägung im Kunstleder (was für mich mehr Feature als Bug ist, denn ich hasse es Werbeträger zu sein). Preis allerdings: 55,— von mir aufgerundete Euro.

Da drehte ich auf dem Absatz um, ging zum günstigeren Modell zurück, das noch auf mich wartete und sprach „Ich wusste, Du würdest zurück kommen und mich in die große Weite Welt des Berliner Trottoirs entführen!”, kaufte es und trug es vorsichtig, innerlich im Schnäppchenglück leuchtend, heim.

Später am Tag trug ich die Schuhe und es machte mich schon ein bisschen irre, wie man eine Zehensandale anziehen kann, sie so ein grandioses Fußbett haben kann, so bequem sein kann und nirgends scheuern wollte. Daher meine Idee mich in anderen Filialen dieser Kette auf die Suche zu machen, ob ich nicht noch irgendwo ein gleiches Modell finden konnte. Denn ich mache das ganz gerne, wenn mich ein Schuh im Ausverkauf überzeugt: mehrere Paare kaufen. Dann muss ich mir in der künftigen Saison keinen Kopf machen, denn jedem modischen Trend laufe ich nun eh nicht mehr nach. Meine Sammlung von Schuhen, die ich nicht anziehe, weil sie nicht passen, braucht auch keinen Zuwachs mehr. Was mir passt, das habe ich gerne mehrmals. Ihr kennt das vielleicht noch von Omma: „Ein Paar für gut!”

So klapperte ich Montag diverse Filialen ab, fand aber das Modell in meiner Größe immer nur im Rosa, was halt nicht meine Farbe ist und übrigens längst nicht so edel wirkt, wie das Hellblaugraugrisbleu. Ich bin auch einfach keine erwachsene Filly Fee. Was soll ich tun?

Und in diesem Zusammenhang kam es also auch zu diesem kürzlich gebloggten Intermezzo.

Gestern wollte ich es also wissen, einerseits immer noch auf der Suche nach dem Schuh – andererseits wollte ich wissen, ob es wirklich ein Warenwirtschaftssystem 2016 gibt, das nicht filialübergreifend nach einem Schuhmodell suchen kann. Ich machte mich früh morgens auf den Weg nach Schöneberg, wissend von dort komme ich mit der S-Bahn prima zur Filiale nach Zehlendorf. Dass es noch eine in Steglitz gibt, hatte ich ganz verdrängt.

Die Sandalen standen da – nur nicht in meiner Größe. Ich ging mit einem Modell zur Kasse, wo mich eine sehr freundliche Verkäuferin aufklärte, dass man tatsächlich nicht mittels der Technik suchen könne, sie aber gerne für mich in einer Filiale anrufen könne, allerdings nur in einer, wenn es die dort nicht gäbe, müsste ich die anderen Filialen selbst anrufen. Dieses doch ganz anders sehr kundenorientierte Angebot nahm ich gerne an und als wir über mögliche Filialen sprachen, brachte sie diese in Steglitz auf den Plan. Dieser Empfehlung folgte ich gerne, nach Zehlendorf konnte ich so oder so noch fahren. Sie rief an, man hatte noch ein (!) Paar auf Lager und legte es an der Kasse für mich zurück. Ich stieg in den Bus, der mich fast vor die Tür führt und nahm glücklich mein zweites Paar (das für gut!) in Empfang.

Selbstverständlich bedankte ich mich bei beiden sehr serviceorientierten Verkäuferinnen mehr als überschwänglich. (Ich fürchte, der in Schöneberg hatte ich ein „Sie sind ein Schatz!” an den Kopf geworfen.)