2026-07-22

Die machen mich wirklich irre!

So, so, die AfD hat sich also vergangenen Montag anlässlich des Gedenkens an das Attentat von Carl Graf Schenk von Stauffenberg und seinen Mannen vom 20. Juli 1944 versucht einzuklinken und ihren Kranz hinzulegen. Kann man natürlich machen als gesicherte rechtsextreme Partei, das Geld (der Steuerzahler) ausgeben für einen derartigen Affentanz. Muss man dann auch aushalten können, dass es Gegenwehr gibt. Die man natürlich wieder für den persönlichen Opferstatus nutzen möchte. Geht mir doch bitte weg mit dieser Kinderkacke! Danke an die Menschen, die noch gegenwehren!

Geneigte Leser meines Blogs wissen vielleicht noch, dass ich genau auf dem Ehrenhof der Gedenkstätte vom 20. Juli 1944 in der Stauffenbergstraße aufgewachsen bin. Schräg diagonal aus dem Kinderzimmer geguckt, habe ich auf die Wand gesehen, wo ein Teil der Attentäter dort erschossen worden ist.

20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geboren worden zu sein, 20 Jahre nach dem – endlich – Ende des grauenvollen Holocausts. Vier Jahre nach dem Mauerbau und dann zudem im Westteil Berlins hatte diese Vergangenheit Deutschlands auf mich, meine Kindheit einen enormen Einfluss. Gerade wir Kinder in Berlin (egal ob West oder Ost) sind dann doch permanent auf die politische Gesamtsituation aufmerksam gemacht worden, und zwar auf so sehr vielen Ebenen. Dazu muss man nicht einmal, wie meine Oma väterlicherseits, Familie im Osten haben. Wir waren die dritte Nachkriegsgeneration, und auch das macht etwas mit einem!

Mir hatte es mein Leben lang von frühester Zeit an einen kleinen weißen Teufel auf die Schulter gesetzt, der mir ständig ins Ohr flüsterte, ich hätte keine Verantwortung für die Vergangenheit meiner Heimat zu tragen, jedoch durchaus verantwortlich zu sein für das, was in Zukunft nicht mehr passieren darf. Das war okay für mich, nachvollziehbar und nie diskussionswürdig. Ich habe mit dem mein Leben lang in relativer Einigkeit gelebt, wir waren uns einig.

Mittlerweile strengt er mich unfassbar an. Er ist die letzten Jahre unglaublich viel gewachsen. Hat deutlich an Gewicht gewonnen. Und: Er flüstert mir nicht mehr leise ins Ohr, der schreit. Täglich. Stündlich. Er ist so unglaublich präsent und ich weiß nicht wirklich, wie ich ihm, noch mir helfen kann. Sein Schmerz über das, was gerade politisch in Deutschland passiert in Bezug auf den Zuzug geflüchteter Menschen, und ihrer Familien.

Diese grauenvollen hohen Abschiebungen, eben auch in Länder, in denen wir nie abschieben dürften – also sehr oft völlig vorbei an unserer Rechtsprechung, das Versenden der Menschen in Lager … Deutsche schicken Menschen wieder in Lager! Hätte ich mir das jemals vorstellen können? Dass Dobrindt offensiv (!) mit Terroristen lieber gemeinsame Sache macht, um diese verzweifelten Menschen loszuwerden? Dass dieser Bundeskanzler beinahe täglich Menschen aus anderen Ländern niederschreit, während er mit dem Faschisten in den USA liebäugelt?

Der kleine weiße Teufel schreit zornig und kugelt mir langsam das Schultergelenk aus mit seiner Präsenz. Und ich fürchte, das Einzige ist, was ich tun kann, ist im rassistischen Alltag bewusst Stoppzeichen zu setzen denen gegenüber, die mir immer häufiger in Gesprächen abverlangen wollen, ihren braunen Gedanken Zustimmung zu zollen. Selten war weniger die Zeit als heute, Rassismus zu ignorieren oder zu dulden.

Wer sich dem entzieht, bloß weil er um Followerschwund in den sozialen Medien fürchtet, der sollte sich einmal überlegen, wessen Geistes Menschen er/sie in seiner Timeline wirklich vereinen möchte. Kann man sich heute mit politischen Inhalten den Algorithmen zerschießen? Ja. Und was wird Menschen zerschossen, deren komplette Familie hier in der Nacht aus ihrer vermeintlich gesicherten Existenz in eine Heimat abgeschoben wird, die über zwanzig Jahre nicht mehr ihre gewesen ist? Wo sie als Frauen genau gar keine lebenswerte Zukunft erleben dürfen? Wenigstens einmal in der Woche Stellung beziehen, ist das zu viel verlangt? Man! Ich habe so eine Wut!

Und dann kommen diese Mitfahrer der AfD um die Ecke und legen Kränze nieder. Nazis! Zum Gedenken eines Attentäter Hitlers – wen wollen die denn verarschen?! Die Generation meines Großvaters, und seines Vaters hat dieses Land seit 1933 komplett an die Wand gefahren. Dieses Land aber auch so etwas von zerstört. Einschließlich der eigenen Bewohner zusätzlich zu diesen unfassbaren Zahlen der Toten, die der Holocaust Leben kostete. Und: Sie haben komplett versagt, so etwas auf ganzer Linie. Nur: Als die auf die Autobahn von Rassismus und der Vernichtung aufgesprungen waren, wussten sie in ihrem verblendeten Optimismus nicht, dass am Ende eine Mauer steht, auf die sie so etwas von in voller Fahrt prallen werden.

Die Leute von der AfD und CDU sowie CSU wissen das! Sie müssen zumindest damit rechnen. Und springen dennoch in großen Mengen in dieses Auto völlig idiotischer Ideologien und rasen mit Highspeed schon wieder auf genau der gleichen Straße auf diese Mauer zu. Und das nicht einmal 100 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges?! Wir konnten uns nicht einmal 100 Jahre lang dummen Rassismus und Ausgrenzung versagen mit unserer Geschichte? Wie doof können Menschen sein? (Und bevor hier jetzt jemand wieder das übliche Arme-wählen-AfD-Bashing der Medien anstimmt – den größten AfD-Anteil im Bundestag stellen Anwälte, Ärzte und übrigens Lehrer.)

Wer mit einer solchen Gesinnung da dann Kränze niederlegt an einem Gedenken von Attentätern, die vor allem Hitler weghaben wollten, sollte wirklich erst einmal überlegen, ob seine psychische Gesundheit die allerbeste überhaupt ist. Der kleine weiße Teufel und ich hätten sehr berechtigte Zweifel.

Wir leben nicht mehr in naiven Zeiten. Der deutsche Faschismus ist schon wieder so etwas von real und greifbar! Und nein, nur richtig wählen, reicht nicht mehr! Jemanden die Kranzniederlage zu verbieten, die aus hinterhältigen Gründen puren Populismus bedient: Ja. Bitte. Immer und immer wieder! Diese dummen Opfer!

Vier Wochen lang …

… keine Nachrichten im hiesigen TV-Angebot geguckt, weil ich es nicht ertragen konnte, Nachrichten auszuhalten von dieser unsäglichen Fußballweltmeisterschaft 2026 in diesem (derzeit) unsäglichen Land unter diesem unsäglichen Präsidenten mit diesem unsäglichen FIFA-Korruptions-Management.

Das macht doch gar keinen Spaß mehr. Die haben eines der grandiosesten Sportereignisse gekillt.

Ich ziehe den Hut vor Javier Milei. Wenigstens eine Person mit Rückgrat.

2026-07-19

Natürlich …

… ist der Rücktritt als Fraktionsvorsitzender der CDU von Jens Spahn lediglich ein Viertelrücktritt. Die Sicherheit nicht seine Immunität entzogen zu bekommen als weiterhin Bundestagsabgeordneter, sich gegebenenfalls juristischen Aufklärungen stellen zu müssen, vollumfänglich. Die hat er sich erhalten, wie auch seiner Diäten und sonstigen Vorzügen als Bundestagsabgeordneter.

Wie schnell man dann doch wieder politische Relevanz zurückbekommen kann, das hat ihm ja Parteifreund Philipp Amthor vorgelebt.

Ich möchte jetzt wirklich die Diskussion haben, wie es sein kann, dass sich gerade nach außen erzkonservative CDU-Politiker das Recht herausnehmen – übrigens in diesem Fall auch indirekt auf Kosten von uns Steuerzahlern, denn er wird die Leihmutterschaft auch von seinen Einkommen bezahlt haben – uns deutschen Wähler*innen gleichzeitig das gleiche Recht auf Leihmutterschaft zu versagen.

Ich bin kein großer Fan von Leihmutterschaft – ich weiß dank meiner adoptierten Mutter, was es für ein Leben bedeutet, nicht zu wissen, wo man eigentlich herstammt – aber wisst Ihr was, ihr verlogenen CDU-Leute? Fahrt. Zur. Hölle. Alle!

2026-07-17

Fahre ich …

… in der Berlin U-Bahn und gucke in die Gesichter dieser noch sehr jungen wundervollen Männer, die Merz & Co. demnächst irgendwelchen Schwachmachten als Kannonenfutter andienen wollen.

Kann gar nicht sagen, wie aggressiv mich das macht!

2026-07-11

Diese stille, beglückte …

… und mütterliche Zufriedenheit, wenn die Youngsters in der U-Bahn mit einem Joy Division-Shirt auf dem dürren, blassen Körper ihre selbstherrliche Coolness verbreiten.

2026-07-10

Alle unter einem Himmel – Weinbar Cielo

Für mich die Food-Entdeckung des Jahres in Berlin: Die Weinbar Cielo am Ostkreuz!

Es sind vier Minuten zu Fuß vom Bahnhof Ostkreuz, Ausgang Sonntagsstraße. Die erste Kreuzung rechts in die Straße befindet sich auf der linken Straßenseite das Restaurant. Damit liegt die Weinbar Cielo ruhig in der schönen baumbewachsenen Lenbachstraße 7 – und jetzt im Sommer perfekt im Schatten.
Im Februar 2025 als Weinbar eröffnet, die ausschließlich biodynamische Weine und Naturweine serviert und mit gelegentlichen Pop-up-Menüs getestet, ergänzt inzwischen eine feste und kleine, aber sehr feine Karte das ausgesuchte flüssige Sortiment des Cielo. Ivano Pirolo hat hier seit etwas über einem Jahr eine charmante Insel der Gastfreundschaft für seine Gäst*innen geschaffen.

Ein echter Wohlfühlort mit klassisch-einfachem Interieur, einer kleinen Bar, auch die Küche scheint übersichtlich groß. Kunst an den Wänden wechselt je nach Kauflust, eine übersichtliche Cocktailkarte versteht ihr Handwerk zu angenehmen Preisen. Helle Farben, Blautöne, klares Konzept – hier kann man gut einfach sein.
Alea König im Service und in der Küche Kea Kiknadze ergänzen Ivanos kleines Team. Der Koch aus der Nähe von Neapel in Kampanien lebt seit mittlerweile 14 Jahren in Berlin. Seine Ausbildung als Koch hatte ihn durch halb Europa getragen, bis in die spanische Sterneküche.
Die Tretmühlen der gehobenen Cuisine haben ihm beinahe den Spaß am Job verdorben. Eine Leidenschaft, die er von seinen Großeltern mitbekommen hatte, die ihm früh auf ihrem Bauernhof die Verbindung von der Natur zu den Köstlichkeiten auf dem Tisch vermittelten. Von Fine Dining hat er erst einmal genug. Fine? Immer noch in dem Sinn, dass Qualität auf seine Teller kommen soll und die Aromen sprechen dürfen. Von besonderen Weinen im Glas begleitet. Zu erstaunlich angemessenen Preisen. Fair Dining lautet heute sein Konzept.
Das Cielo ist für ihn die Antwort: keine elitäre Gaststätte, sondern ein Platz für alle, die wir unter diesem einen Himmel leben. Er steht auch symbolisch für das Blau der Mediterranae wie auch für eine unendliche Weite, keine mentale Enge, keine Grenzen – von allem etwas. Vor allem das Beste! Seine Tapas, die klar mediterranen Ursprungs sind, begleiten ein grandioses Sauerteigbrot, zu dem ein Olivenöl aus Griechenland gereicht wird – er hält dieses Öl halt für das Beste. Das Brot wird auch nicht selbst gebacken, denn das kann die Bäckerei Keit um die Ecke halt besser, als sie es können, sagt Ivano.

Ganz im heimatlichen Gebrauch sollen seine Gerichte auch geteilt werden, die sich dann und wann an der Saison und Verfügbarkeit ihrer Zutaten ausrichten. Man schmeckt, dass das, was hier verarbeitet wurde, besonders aufmerksam ausgewählt wurde. Auf dem Teller liegt Liebe zum Essen, sie zeigt sich in der Qualität aller Zutaten.

Menschenskinder, ist das lecker hier! Zum Brot serviert uns Ivano eine Stracciatella mit Chimichurri mit Chiliöl. Ich freue mich, dass Stracciatella mittlerweile auch in unseren Küchen langsam haus- und hoffähig wird. Ihre wundervolle, sahnige Aromatik zu dem säuerlichen Brot mit enorm knuspriger Kruste, zusammen mit dem frischen Kick des Chimichurri, ist eine tolle Begegnung! Dazu stellt uns Ivano marinierte Oliven und Taralli auf den Tisch.
Es folgt ein Fisch-Crudo mit Zitrus-Dressing und einem Chutney der Tropea-Zwiebel sowie Oliven, ergänzt um einen weiteren kühlen Gang: Frisches Thunfischfilet mit Filets von Orange und Pampelmuse rosé in einer feinen fruchtsauren Vinaigrette mit Olivenölfäden – das ist wie ein Spaziergang durch den duftenden Limonenhain.
Zartrosa gelungen, nicht zu dezent aufgeschnittenes Kalbfleisch für das Vitello tonnato – letztere wundervoll säurebetont. Zu ihr möchte ich „Sie“ sagen und einen ganzen Eimer voll mitnehmen. Da ist eine spannende Würze, die den Thunfisch nicht alleine dominieren lässt. Was wirklich auffällt: Alles, was im Cielo mit einer Vinaigrette, Soße oder Bisque gereicht wird, verdient ein herausragendes Prädikat. Sie sind von einer aromatischen Frische, geschmacklich einzigartig, und das Brot wird niemals reichen.
Kreativ serviert und bringt eine Runde Aufregung in unsere Runde: Das Rindertatar auf dem längsgeteilten warmen Markknochen des Rindes. Das Tartar mit einer pikant-sauren Würze, in dem man die Kapern nicht suchen muss, so wie ich es mag. Dazu das warme Mark vom Rinderbein. Göttlich. Das Gebein in Berlin so geschnitten zu bekommen, ist nicht leicht, erzählt Ivano. Da muss man sich seinen Fleischer gut aussuchen und er schwört auf Treue bei seinen Lieferanten.
Stimmt! Da waren ja noch die Weine, derentwegen man eigentlich ins Cielo geht. Tatsächlich sind sie bei unserem Dinner etwas ins Abseits geraten, so überrascht und begeistert hat uns die Küche. Wir haben sie dennoch genossen, die Weinkarte, auch klein und fein, ist eine Reise durch alle europäischen Weinländer. Sie zählt drei Variationen, die blubbern, sechs Weißweine, je zwei Rosè und Orange Weine sowie drei Rote.
Auch hier hat sich Ivano überall die beste Essenz für seine Gäste erwählt. Seine fachliche Expertise ist unser Einstieg: Der Sampagnino kommt von der Cantine Bulli aus Piacentini in der Emilia Romagna. Die Rebe Ortrugo wird in Flaschengärung ausgebaut, unfiltriert, kein Schwefel. Junge, lebendige Mineralität. Hallo Sommer!
Gefolgt von einer Cuvée aus Welschriesling, Chardonnay und Traminer. Der Naturwein „Weißes Handgemenge” (2025) von Wachter-Wiesler ist blumig, voller gelber Aromen wie Quitte, Winterapfel, Zitrusfrucht. Ein guter Einstieg in die Welt der Naturweine mit 11,5 % Alkohol.

Für uns Alkoholgenießerinnen geht es weiter mit einer traumhaft schönen Farbe aus einem Keller in den Abruzzen: Kriya Cerasuolo d’Abruzzo DOC Biowein aus der Montepulciano. Ein veganer Bio-Rosé mit trockener Substanz und einem Potpourri vieler roter Beeren.
Die Person in unserer Runde, die keinen Alkohol möchte, trinkt einen Frizero (Valpolicella), aus der Kaltgärung und alkoholfrei, mit Bubbles in Weiß. Elegant, macht Spaß und grüßt mit intensiven grünen Noten von Apfel und Birne.
Der Oktopus-Spieß mit Padrón-Piementos entsendet uns an den Lungomare, und auch dieser ruht wieder in einer aromatischen, pikanten Begleitung, von der man nichts auf dem Teller lassen möchte. Der Oktopus ist wundervoll zart, keinesfalls trocken gegrillt. Selten so perfekt zubereitet bekommen! Kann es noch besser werden?
Die Miesmuschel in pikanter 'Nduja-Escabeche mit frischen Frühlingszwiebeln ist Glückseligkeit mit ihrer Schärfe. Wie gut das Fett vom Schwein den Muscheln tut!

Die grüne Lasagne mit Zucchini, Scamorza und Salsiccia ist genauso fein, hat es aber mit ihrer erdigen italienischen Grundständigkeit nicht leicht, an die vorangegangenen Gänge heranzureichen. Tatsächlich schafft es das Cielo, jeden Gang mit einem eigenen Sidekick auf den Tisch zu bringen, den man nicht erwartet – wie einem der Gang zuvor noch nie serviert wurde. Das macht die Küche von Ivano und Kea hier wirklich zu einem intensiven Erlebnis.
Die Dessertkarte ist übersichtlich. Gefühlt schwärmt ganz Berlin von der Mascarpone Mousse. Zart aufgeschlagene Kalorie grüßt in ihr das teuerste Gewürz der Welt – il safrano – und weiße Schokolade ergänzt das Träumchen. Auch die Windbeutel mit Zitrus-Creme und Erdbeeren machen Spaß zum Caffè.
Ach ja, das Cielo hat auch eine Cocktailkarte, ich empfehle die leichte Sommervariante eines Negronis, den Sbagliato – auf Basis eines Negronis ohne Gin, dafür mit Prosecco. Bin ich Fan! Falls ich euch noch nicht vom Cielo überzeugen konnte (hä?) wie es sich für ein wirklich gutes Restaurant mit italienischen Wurzeln gehört, lässt sich hier ein ordentliches Chinotto ordern!

Ich komme wieder!

2026-07-08

Strandalbernheiten

Wer regelmäßig in Italien urlaubt, kennt schon deren Strandsitten. Strandabschnitte werden mit temporären Holzhäusern verwaltet, das Geschäft mit den Sonnenschirmen und Sonnenliegen hat in den letzten Jahren preislich Dimensionen angenommen, die mittlerweile Thema der Gesetzgeber geworden sind.

Gerade auf den Inseln werden teilweise rund um Luxusresorts bis zu 1500 Dollar von den Touristen pro Tag verlangt, absurd. Vor allem die Region Apulien, von der ich bekanntermaßen eine große Verehrerin bin, scheint in ihrer Preisgestaltung in allen Bereichen des Tourismus merkwürdig ausufernde Formen anzunehmen – auch dort geht es stellenweise ab 30 Euro los, manche Betreiber versuchen bis zu 100 Euro zu verlangen. So sind in der Hochsaison mittlerweile Strände, an denen ein jeder auch ohne finanziellen Einsatz Spaß am Wasser haben darf, dann meist ohne Badewächter, eine selten gefundene Spezies – aber es gibt sie.
Dort, wo der Tagesaufenthalt am Meer kurioserweise nicht kostenlos ist, merken zunehmend die Betreiber, dass die Urlauber sparen müssen. Was sich darin äußert, dass sie sich nicht jeden Tag ihr Pranzo für die ganze Familie in dem dazugehörigen Lido mehr leisten können. Und sich alternativ selber versorgen mit Lebensmitteln aus dem Picknickkorb. Was ihnen die Besitzer der Lidl gerade in Apulien nun sehr gerne verbieten wollen, aber dazu hat die italienische Rechtsprechung eine klare Aussage getroffen.
Und auf diese verweist Antonio Decaro, Präsident der Region Apulien, jetzt zum Ferienbeginn nochmals sehr deutlich. Er betont, dass die apulische Strandverordnung es erlaubt, eigene Speisen und Getränke an den Strand mitzubringen – auch an konzessionierten Stränden. Allerdings in einem überschaubaren Rahmen. Seit 2019 gilt allerdings: Wer Essen von zu Hause mitbringt, muss biologisch abbaubares Besteck und Geschirr verwenden. (Was auch lustig ist, denn in vielen Lidi wird das hauseigene Menü nach wie vor auf Plastikgeschirr serviert. Und noch lustiger ist Plastikgeschirr im Lido am Strand, wenn etwas Wind geht.)
Whatever, solltet ihr dieser Tage in Apulien am Strand urlauben, lasst euch nichts erzählen – verweist auf den Präsidenten. Und in anderen italienischen Provinzen lohnt sich womöglich eine kurze Auseinandersetzung mit deren Strandgesetzen zu diesem Punkt. Die jeweiligen Tourismusbehörden sollten Bescheid wissen.

Source: T-Online