2019-12-10

Malen

Theroretisch waren meine Cousine und Großcousin sowie Großcousine gestern zum Plätzchen backen verabredetet.



Praktisch meldete sie sich Sonntagabend mit der Frage, ob wir nicht zu Paint your Style gehen wollten und Keramik anmalen wollten? Es gäbe seitens der Kinder noch Oma- und Opa-Weihnachtsgeschenkbedarf und überhaupt, wollte sie das immer mal ausprobieren.

Ich war anfänglich so semi begeistert. Plätzcheneinkäufe waren bereits erledigt (werden aber nicht schlecht) und mit dem Malen also besonders dem figürlichen Malen habe ich es nicht so. In Berlin gibt es von Paint your Style mehrere Filialen, schon seit langer Zeit und irgendwie haben mich diese Läden nie wirklich gereizt. Schlussendlich malt jeder besser als ich.

Andererseits ist aber alles gut, was man mit diesen entzückenden drei Menschen zusammen machen kann.



Somit sind wir gestern nachmittag in der Filiale in der Rheinstraße eingetroffen, nachdem alle Kinder zusammen gesucht waren. Meine Cousine hatte einen Tisch für zwei Stunden reserviert – wir suchten uns alle einen Keramikrohling aus den mehr als umfangreich bestückten Regalen aus. Die erscheinen auf den ersten Blick nicht sehr günstig – aber da mit dem Rohlingspreis quasi alle Farben, Werkzeuge, Lasur, das Brennen und Aufenthalt abgegolten sind, finde ich die Preise am Ende durchaus angemessen.

Der Großcousin hat den großen Teller in Cooperation mit seiner Mama gemalt (der wird nach dem Brennen knallrot sein). Ich bin für die kleine Salzstreuerkatze links in Türkis verantwortlich, Großcousine hat – wat bin ich stolz – die perfekte Schildpattkatze geschaffen (meine Gene!). Die Cousine hat sich noch an einem Weihnachtsstern versucht.

Alles zusammen mit einem Getränk für die Kids (Softgetränke, Kaffee, Tee gibt es gegen kleines Geld zu erwerben) hat die Rechnung etwas um 57,— Euro ausgemacht. Und voraussichtlich Donnerstag können wir die Geschenke nach dem Brand abholen.

Und ich muss zugeben, nach meiner anfänglichen Skepsis, hat mir das sehr viel Spaß gemacht. Natürlich war es jetzt um die Weihnachtszeit und zu dieser Uhrzeit recht voll und somit ordentlich trubelig. Aber sich in der Masse der Rohlinge und an die 100 Farben auf eine Katze und einen Türkis-Ton zurückzuziehen – mehr Aufmerksamkeitstraining geht ja wohl nicht!

Doch, ich denke da bin ich jetzt öfter. Hier und dann eine Schale bemalen, das kann mir und anderen Freude bringen.

2019-11-11

Torsten Sträter …

… der so lustige Komödiant Torsten Sträter, das habe ich neulich beim Sehen einer Talk Show nebenbei zur Kenntnis genommen, lebt seit vielen Jahren mit der Krankheit Depression.

In einem YouTube-Clip vom April diesen Jahres spricht er pragmatisch – wie er gerne rüber kommt – über die Erkrankung, sein Erkennen, die Aufmerksamkeit und danach Hilfe, die im von außen im richtigen Moment zuteil gekommen war. Von den Schwierigkeiten das für ihn richtige Medikament zu finden und was er sich primär wünscht im heutigen Erleben als Betroffener.

Ehrlich.

Er spricht in den 12 Minuten „Laut gedacht mit Torsten Sträter” einen sehr wichtigen Satz:

„Und dann war das so, dass ich tagsüber im Baumarkt gearbeitet habe. Und ich konnte gut arbeiten. ich funktioniere immer ausgezeichnet. Und abends, 18:30, der Baumarkt wurde abgeschlossen und ich bekam Selbstmordgedanken. Nein, ich bekam die nicht. Ich hatte die. Ich hatte die dabei."



Den finde ich so wichtig, weil sich viele Menschen – die selbst nicht von der Krankheit betroffen sind – vermutlich nicht vorstellen können, gar nicht verstehen können, dass Patienten auch in einer schwer depressiven Phase funktionieren können. Erstaunlich gut sogar. Und sehr lange.

Der Depressive sitzt nicht traurig in der Ecke. Er kann durchaus hinaus gehen, leisten, so tun als wäre nichts – und sobald die Tür hinter ihm ins Schloss fällt, wieder komplett von der Krankheit eingenommen werden. Der Depressive kann auch hinaus gehen, wahnsinnig komisch sein, ein Talent haben, sein Umfeld zum Lachen zu bringen und fröhlich mitlachen. Und trotzdem im nächsten unbeobachteten Moment kraftlos vom schwarzen Loch verschluckt werden.

Der Grad zwischen „Der/die soll krank sein? Man sieht doch gar nichts.” ist bei dieser Krankheit verdammt schmal. Offenheit ist ein guter Weg in die Kommunikation zu kommen.

Sträter kann das aber auch durchaus humorvoll beschreiben – erfahrungsgemäß können Menschen mit Depressionen herzlich und gut über sich selbst lachen:

2019-11-06

Robert Enke

Sonntag jährt sich zum 10. Mal der Todestag von Robert Enke. Ich weiß noch, dass mich damals die Nachricht mit vielen anderen an dem Abend auf Twitter ereilte – wie fassungslos wir waren! Und traurig.

Anlässlich seines Todestages hat die Robert-Enke-Stifung mit einem Virtual-Reality-Projekt die Möglichkeit geschaffen für Nichtbetroffene in das Erleben von Menschen mit einer Depression einzutauchen.

Unternehmen, sonstige Unterstützer können dieses Projekt ins Haus holen. Es ist eine Gelegenheit z. B. durch Selbsterfahrung einen eigenen Zugang zu dieser Krankheit zu erfahren – so vielleicht ein besseres Verständnis für Freunde, Verwandet und Kollegen, die von der Krankheit betroffen sind zu entwickeln.

Für das Projekt kann man spenden – auch für die Robert-Enke-Stifung. Mehr Informationen auf Impression Depression

2019-11-05

Die rote Box



Die rote Box stand hier die letzten Jahre immer irgendwo in der Wohnung herum, nachdem sie zuvor schon in der alten Wohnung immer irgendwo herum stand. Und ich kann sie getrost meinen persönlichen Pain in the Ass-Moment nennen. Die rote Box enthält nämlich, wenn auch grob geordnet, nicht wirklich sortiert Altlasten aus früheren Jahren.

Explizit und vorrangig heißt das persönliche Hinterlassenschaften meiner Mum, Telefonbücher, diverse Kalender, ein zwei Lederportemonnaies, Kalender und … Kalender. Hässliche Korrespondenz mit Unternehmen zwangsweise geführt nach ihrem Ableben. Bestattungsunterlagen. Kondolenzkorrespondenz. Einiges ihrer Privatkorrespondenz. Die Kontoauszüge der letzten Jahre usw.

Daneben letzte Rechnungen aus meiner Selbstständigkeit. Sammelsurium.

Etwas was man also mitschleppt. Von dem man weiß: den größten Anteil davon will man nicht, braucht man nicht, mag man nicht. Und irgendwie denkt man doch, vielleicht liest man das doch noch einmal. Begibt sich zurück. Kann das aushalten, irgendwann. Ich schreibe insbesondere von ihren Kalendereintragungen.

Da ich in der letzten Woche einige Dinge aus meiner Wohnung mutig und sauber dem Speermüll übereignet hatte, Stoffreste von denen ich weiß, die werde ich nie vernähen und gar nicht weiß, wie sie jemals in meinen Besitz gelangen konnten, einem guten Zweck zugeführt habe, x-viele Katzenkuschelkissen diese Woche der Tier-Tafel-Sammelstelle im Kiez vorbei bringen werde, bin ich gerade im Sortier-Flow. Ganz ohne Marie K-Dingsda oder Ratgeber-Phänomene.

Der Kram muss weg und in irgendeinem Anflug von Mut, Lösungsprozessen, Altlastenentsorgung habe ich mich heute an die rote Box gewagt. Einiges wie die Kondolenz-Post mit den Beerdigungsunterlagen hebe ich noch auf. Menschen, die über meine Mum liebevoll schreiben, das ist so schlecht ja nicht. Aber die anderen Dinge von ihr, die habe ich heute größtenteils ziehen lassen. Schlussendlich interessieren mich ihre Kontoauszüge nun nicht mehr und da wird auch behördlicherseits nichts mehr nachkommen, hässliche Post aus der Zeit ihres Todes brauche ich nicht – und die Einträge in ihren Kalendern beschäftigen sich vorrangig damit, wann sie bei welchem Arzt sie war, dass sie natürlich auch einsam war, ich nie oft genug angerufen habe. Jedes Mal, das sie mich angerufen hatte und ich damals nicht zu Hause war, wurde in dem Kalender vermerkt. Das hat mir nachträglich sehr die Brust zugeschnürt heute, das war teilweise alles nicht gesund. Das wusste ich schon damals und mich dem zu entziehen (müssen). das hat uns beiden viel Schmerz bereitet. Von ihrem Schmerz so plakativ zu lesen, das tut heute noch weh – auch wenn das wirklich ihr Ding war.

Schlussendlich wollte ich nicht von ihrer Liebe zum Kranksein bzw. sich darüber Liebe von anderen zu erzwingen, eingefangen werden. Bei aller Liebe zu ihr war vieles damals wahnsinnig schwer auszuhalten und ja, manchmal bin ich froh, dem mit ihrem Tod in den letzten Jahren auch entkommen zu sein. Es hatte mir schon von Kindheit an viel zu viel Energie gezogen.

Weg. Die letzten zwei Kalender hebe ich noch auf. Falls ich mich doch noch mal selber quälen will, irgendwann einmal. Oder mich daran erinnern möchte, warum ich Dinge, die ich tat, die mir natürlich heute leid tun, dennoch aus den sehr richtigen Gründen getan habe.

Alle Unterlagen, die sehr stark reduziert noch übrig sind, gehen morgen in dieser Box in den Keller. Ich werde allerdings dafür eine neue Box kaufen. Diese rote Box kann ich nicht mehr ertragen.

Es fühlt sich ganz gut an. Ich habe bis eben nur einmal daran gedacht die Kalender doch wieder aus dem Müll zu holen. Und es nicht getan.

In der Box sind auch viele Briefe, die ihre letzte Lebenspartnerin an sie geschrieben hatte. Briefe, die ich nicht lesen möchte, denn sie sind privat und schlussendlich, vermute ich, ist diese Frau noch am Leben. Ich hatte sie damals gefragt, ob sie die Briefe würde haben wollen, was sie verneinte. Aber weg tun konnte ich sie auch nicht.

Tsja, was macht man mit Briefen von Menschen an Menschen, die nicht mehr sind? Es ist nicht mein Ballast. Aber es sind immerhin Briefe eines Menschen an meine Mutter, die sie geliebt hatte damals.

2019-10-21

Besser …

… finde ich den Irrsinn des Kapitalismus nicht zu erklären als es Gummistiefel tun, die nicht wasserdicht sind.

Hübsch. Ja.

Aber nicht wasserdicht.

Ich meine … worin liegt ein Sinn in Gummistiefeln, wenn ich darin nasse Füße bekäme?

2019-10-20

Bescheidene Beobachtung

Ich war gestern wandern. Lieblingsstrecke ab Werder Richtung Potsdam. Dieses Mal bin ich allerdings an anderer Stelle abgebogen als sonst bzw. habe eine Waldweggabelung zu früh mit der, die erst später folgt, verwechselt mit der Folge zwei Kilometer zu früh an einer Landstraße gelandet zu sein.

Landstraßen in Deutschland sind so gestaltet: Der Straßenbau setzt eine Straße mit zwei Fahrbahnen, eine führt in die eine Richtung, die andere in die andere. Einen Standstreifen gibt es nicht – vor allem aber auch gibt einen befestigten Fußweg. Also keinen heißt: in keine der beiden Richtungen. Den könnte man anlegen, wenn man eh Straßen ausbaut.

Klar, wäre die Fußbewegung nicht sonderlich frequentiert – aber sie würde z. B. Radfahrern ein deutlich entspannteres Nutzen der Straßen ermöglichen (was sie dürfen) und vor allem Fußgänger, die aus welchen Gründen auch immer (z. B. eine Auto-/Radpanne) die Nutzung der Straße halbwegs bequem gestalten. Eine Richtung wäre hier auch völlig ausreichend, denn ja, das stimmt, so viele Fußgänger gibt es entlang von Landstraßen nicht. (Was womöglich aber auch daran liegen könnte, dass man sie so gar nicht dazu einlädt.)

Soweit so Straßenbau in Deutschland für Autos entgegegen anderer Verkehrsteilnehmer.

Ich bin nun einige Kilometer auf dem nicht wirklich befestigten Seitenstreifen gelaufen – entgegen der Fahrrichtung (in der STVO §25 Abs. 1 heißt es innerhalb geschlossener Ortschaft am rechten und linken Fahrbahnrand, außerhalb geschlossener Ortschaften linker Fahrbahnrand), wie man mich das einmal gelehrt hatte. Dabei stieg ich übre morsche Baumstumpfen, zwangläufig, denn direkt dahinter ging es bergab. Das Wetter war nett, alles schön. Und dann …

… dann fing ich an darauf zu achten, wie der mir entgegenkommende Fahrzeugverkehr mit mir umging.

Also zunächst einmal: die Straßenverkehrsordnung sieht vor als Fahrzeugführer zu einem Fußgänger im Straßenverkehr mindestens einen Abstand von einem Meter einhalten zu müssen. (Bei einspurigen Fahrzeugen wie Fahrrädern, Mofas etc. mindestens anderhalb Meter.) Soweit so prickelnd, wenn Autos mit 80-100 km/h an Dir vorbei fahren. Anders gesagt: da fällt es dem Wanderer schnell auf, wie nah oder wie weit entfernt ein Auto an Dir vorbei fährt.

Nun war die nicht vorhandene Bewegung so, dass ich wirklich zum Straßenrand hätte gehen müssen. Funfact: ich hätte lt. STVO auf der Straße gehen dürfen. Ein Meter Abstand heißt dabei im Grunde hätten vor allem große Fahrzeuge, die in der Mitte ihrer Spur fuhren, während meiner Überholung nach links ausweichen müssen.

Getan haben das vor allem die kleineren Autos. Zwei große Transporter mit Anhänger taten das nicht, denen war wichtiger die Spur zu halten (geschenkt, verstehe ich als Führerscheinbesitzerin). So richtig sicher in ihrer fahrbaren Umgebung, das äußere Umfeld negierend oder: gar nicht registierend, das waren interessanterweise dann die Fahrzeugführer der größeren Limousinen wie SUVs. Denen war völlig egal, wie sehr nah sie an mir vorbei fuhren.

Ein bisschen das, was man von den Schulen her kennt: Was kümmert mich ein Parkverbot oder die Gefährdung anderer Kinder, wenn ich mein Kind mit der großen Kiste zu Schule bringe, denn ich bin Auto!

Das fand ich interessant. Insofern, weil man schlussendlich als Fahrzeugführer vom Gesetzgeber angewiesen ist, immer vorausschauend zu fahren und bremsbereit. Eine Person am Straßenrand einer Landstraße wäre für mich ein Grund, so habe ich es auch in der Fahrschule gelernt, denn das passiert eher selten, vom Tempo zu gehen, Abstand zu halten.

Ich würde mir wirklich wünschen, wir würden dieses Land wieder mehr zu einem Land ausbauen in dem auch Fußgänger, Wanderer und andere zu schützende Verkehrsteilnehmer sich in jedem Moment sicher fühlen dürften. Straßen sind für alle da.

Bitte! Danke.

2019-10-16

Früher war mehr …

Freitag hat mir mein toller Physiotherapeut das Wochenende gerettet. Schlimme Hüftschmerzen wurden mit schlimmm schmerzenden therapeutischen Druckmomenten bearbeitet („Du muss jetzt mal ausatmen.”) aber es ging mir wirklich deutlich besser danach. Toll!

Heute ist er noch einmal an die Stelle, in Kombination mit Übungen. Die der verkürzten Hüftmuskulatur den Ausgang weisen sollen. Eine der Übungen, die besonders schön ist, wenn sie vorbei ist, hat er mir gezeigt auf der Liege und ich überlegte nun die ganze Zeit, wo ich die wohl überhaupt bei mir zu Hause machen könnte? Denn während der Dehnung soll das eine Bein gerade stehen, sprich: man benötigt dabei Höhe.

Gerade ist mir eingefallen, wo ich die Übung machen werde: Auf dem Esszimmertisch.

Früher war da mehr … Sex.

Heute Essen. Und Altensport.