2018-06-13

Diese Petition gegen das neue EU-Leistungschutzrecht …

… solltet Ihr wirklich ganz dringend zeichnen. Denn das was hier geplant ist, das killt wirklich Eure Blogs! Und es killt Euer Recht auf Informationsfreiheit im Internet. Am 20.06.2018 ist Abstimmung, also reagiert jetzt!

Mehr Informationen und bequeme Mail-Sendung an Euren Abgeordneten in der EU hier!

2018-06-12

Botanischer Garten Berlin



Ich bin gestern kurz entschlossen in den Botanischen Garten hier in Berlin gegangen. Ein guter Tag war das, nicht zu heiß – und der eigentliche Ausflugsort in der Planung, die Königliche Gartenakademie, hatte Montags geschlosssen (gut, das weiß ich nun auch!)



Im Garten ist es herrlich zur Zeit – ein Traum, wirklich! Und in den Gewächshäusern blühen gerade die Kakteen, Kaktusse, Kaktanten, Katkaternen … (Scrabble spielen und nur Abwandlungen vom Plural des Kaktus legen), was für eine Farbenpracht diese Dinger zaubern können.



Am allermeisten freue ich mich darüber, dass nun am 16-17.6.2018 endlich wieder das kleine Gewächshaus im großen Gewächshaus für die Viktori, das Viktoriahaus, eröffnet wird. Das musste man vor vielen Jahren schon schließen aus bautechnischen Gründen – weit vor der Gesamtsanierung des großen Gewächshause – und ich dachte mittlerweile schon, ich würde die Wiedereröffnung in diesem Leben wohl nicht mehr erleben. (Hier ging es in der Dauer allerdings nie um Baukompetenz als eher um monetäre Mittel.) Der Botanische Garten feiert das freudige Ereignis den ganzen Sommer über!



Aber nun ist es soweit und ich durfte gestern schon einmal durch die noch abgeklebten Glasscheiben gucken … die Viktoria ist schon eingezogen in all ihrer so besonderen herrlich Pracht!

2018-06-03

Ich sitze neulich in der S-Bahn …

vom See zurück nach Hause fahrend, steigen zwei Mädchen junge Frauen eine Station später dazu und setzen sich auf die Bänke neben meiner liegend. Sie unterhalten sich sehr laut, das ist heutzutage so üblich, Generation Ear In. Die einen sind schon leicht schwerhörig. Die anderen finden intimere Themen mit einer Öffentlichkeit zu teilen, ist der aktuelle heiße Scheiß.

Ihre Unterhaltung wird – wie heutzutage auch üblich bei der Generation der unter 30-Jährigen – zu 70 Prozent von dem Wort „Genau!” beherrscht. Generationen, die auf Leistungsgesellschaft getrimmt wurden, müssen sich offensichtlich ständig selbst in dem bestätigen, was sie sagen. Genau wird heutzutage nicht mehr sinngemäß als etwaige Zustimmung dessen verwendet, was das Gegenüber spricht in einer Konversation oder als ein Instrument der Präzisierung einer Angabe. Man bestätigt grundsätzlich alles sich noch einmal selbst, was man von sich gibt. Genau ist bei jungen Leute heute das selbstverordnete Lob-Bienchen, irgendwann gab es in der schulischen Ausbildung keine Klebesternchen mehr an der Tafel hinter dem eigenen Namen. Danach folgt zur Frustkompensation dieses plötzlichen Liebensentzugs von Lehrkräften das eigene Genau!

Ich bin wer – also genaue ich!

Dass Generation Genau! eher die eigene Unsicherheit signalisiert in dem was sie tut und spricht, ist ihr nicht klar. Sich selbst „genau-zu-dopen” ist weniger ein Zeichen der Souveränität als das des offen gelebten Selbstzweifels.

Hört jungen Leuten in Vorträgen zu und zählt einmal selbst, wie oft das Wort „genau” darin fällt! Vorträge, die vor lauter Unsicherheit der/s Vortragenden mit „Genaus!” zuverbalisiert werden, sind leider oft nur sehr wenig spannend inhaltlich, da hilft so ein „die Genaus zählen!”-Spiel ungemein dabei, um nicht einzuschlafen. (Allerdings kann man über den inflationären Genau-Gebrauch auch leicht irrsinnig werden.)

Genau. Die Frauen, das kann man aus der Wortlawine der Genaus heraus hören, haben sich zum Einkaufen Shoppen verabredet. Genau. Die eine junge Frau kommentiert das so, dass sie sich gar nicht mehr erinnern kann, – sie ist mit Sicherheit noch unter 25 – wann sie das letzte Mal einkaufen gewesen war, genau, und wo. Genau. Das muss ewig lange her gewesen sein, mindestens, genau, zwei Jahre! Genau. Und man wüsste eigentlich gar nicht mehr, genau, wo man heutzutage noch einkaufen geht. Genau.

Ich falle tief in ein denkendes mitleidvolles Schubladengewirr und vermute für mich „Diese arme junge Generation der heutigen Studenten, sie müssen in einem Affenzahn studieren, nebenbei arbeiten - haben trotzdem nur sehr wenig Geld und gehen lange Jahre ihres Studentenlebens nicht mehr Klamotten schießen, weil sie einfach zu wenig Geld haben.” Ich bin in meiner grenzenlosen Naivität gefangen …

… aus der mich Genau 1 und Genau 2 ganz schnell wieder zurück holen. Denn, genau, als nächstes erzählen sie sich, wann sie, genau, sich welche Kleidung gekauft haben, genau. Kürzlich nämlich erst. Genau. Haben sie aber wieder zurück geschickt, genau, hat ihnen nicht gefallen. Falsche Farben, falsche Passform. Es folgte eine ausführliche Leidensbeschreibung aller grauenhaften Probleme, die man ertragen muss, wenn man die Klamotten per App bestellt. Viele Genaus inklusive.

Generation Otto-Versand ist heute halt Generation Zalando. Alles beim Alten also.
Genau.

2018-05-31

Berlin, 34 Grad

Über 30 Grad fahre ich nicht mehr Rad in der Stadt. Selbstschutz. Wenn die Gehirne so weich gekocht sind, lege ich mich nicht mehr mit Autofahrern an.

Berlin, 34 Grad und – um den Topf richtig voll zu machen – im Wedding. Müllerstraße. (Berlin-Connaisseure nicken Bescheid wissend.) Drei Autos biegen rechts abbiegend und von links abbiegend in die Ostenderstraße. Sie versuchen das gleichzeitig zu tun, was doof ist. Also stehen drei Autos auf der Müllerstraße, versperren den Verkehr und drei von der Hitze fern gesteuerte Testosteron-Bälger springen aus ihren Autos. Weil jetzt ihrer Meinung nach besonders wichtig: Handgemenge.

Alle gucken. Keiner schreitet ein. Ein junger Mann, prolldoof wie Stulle, sieht einen Polizeitransporter an der Ampel stehen sehen und fängt an zu blöcken. „Ey kiek mal. Und die tun nichts. Die Bullenschweine. Die stehen da nur so rum.” Ich zitiere nur die feinere Version. Sein Gejaule geht eine ganze Ampelphase lang, die er neben mir her schreit wie ein Besenkter, während der Polizeitransporter sich an der für ihn mittlerweile auf grün geschalteten Ampel weiter und von den Prügelbarden weg bewegt. Und der Schreier ackert sich an dem Polizeiauto ab wie ein Besengter.

Zeit für mich dem Typen vor allen Leuten sehr laut zuzurufen, dass das ein Gefangenentransport sei, die da jetzt gar nicht eingreifen dürften – und er soll gefälligst richtig hingucken bevor er so dämlich abdreht.

Stille.

Dass ich drei Mal die Woche in den Wedding fahren muss, ist wirklich hart für mich. Neukölln ist dagegen wie ein Ikea Bällebad.

Wildschwein …

… oder?

2018-05-30

Dem jungen …

Touristen-Touren-Propagandisten, der mich von links versucht anzuschleichen, fröhlich friedlich anraunzen: „Seh‘ icke etwa aus wie 'ne Touristin?”

2018-05-29

Grün vor der Tür



Der Balkon hat sich prächtig entwickelt, dank der sehr resolut sonnig und warmen Wetterlage, die wir in diesem Jahr bisher im Berliner Raum genießen durften. Ich glaube, es gab seit April vielleicht drei Tage an denen die Temperatur unterhalb von 20 Grad lag? Seit zwei Wochen haben wir hier mehr als Frühsommer. Ich genieße diese hellen Tage mit blauem Himmel und warmen Temperaturen so sehr!



Shiinchen ist's warm. Seit die Temperaturen diesen Sonntag an der 30 Grad-Grenze kratzen, hat die ex-teneriffische Katze den Balkon für sich erst einmal weitgehend abgewählt. Im Schlafzimmer auf dem Bett ist es schöner für sie. Und deutlich kühler. Egal, wo sie liegt, sie ist immer fürchterlich niedlich!



Ich freue mich indes, dass meine apulischen Gurkenmelonen, Carosello, treiben!



Die ersten stabilen Keimlinge habe ich gestern umgetopft – die nächsten zwölf sind am austreiben. Die apulische Gurkenmelone habe ich letztes Jahr – wenn wundert es – in Apulien kennengelernt. Sie wird dort meist geschält (die Schale ist recht hart) und entkernt zu den Antipasti als frische Beilage serviert. Sie ist knackig und hat ein angenehmes Aroma zwischen Honigmelone ohne ihr Süße und eben Gurke. Ich war sehr begeistert von diesem Gemüse letztes Jahr und habe mir direkt Samen bestellt.

Sie werden nicht größer als unsere hiesigen Einleggurken, sind aber bauchiger (es gibt Sorten, da werden sie richtig rund).



Gleichzeitig mit Samen für Zicorie (Cicoria)







und Cima di Rapa.





Gemüse, das in Apulien blanchiert und in Olivenöl gebraten wird. Gerne auf dem Püree aus Fave-Bohnen mit gutem Olivenöl beträufelt. Beide Gemüse haben fantastisch leckere Bitterstoffe. Ich mag das sehr. Es gibt in Berlin hin- und wieder auf Bio-Märkten Cime di Rapa für sehr teures Geld. Also sehr sehr teures Geld! In Apulien wächsen diese Gemüse wie Unkraut in der reichhaltigen roten Erde. Cicorie kommt aus der Familie der Korbblütler, wie Löwenzahn auch.. Nun habe ich den Ehrgeiz es auf dem Berliner Balkon selbst zu ziehen. Schauen wir mal!



Alle Samen habe ich übrigens bei Stochay Italienische Samen bestellt.

Die – an sich perfekte – Witterung lässt mich leider oben auf dem Balkon als auch unten im Vorgärtchen sehr früh in diesem Jahr mit Mehltau kämpfen. Jetzt habe ich zwei Tage lang mit dem in diesem Internet mir empfohlenen Hausmittel Milch gespritzt. Und das sieht schon einmal sehr gut aus! Wichtig ist, dass man echte Milch nimmt (keine H-Milch), sie muss trotz aller Behandlung noch leben. Dann mischt man 1 Teil Milch auf 9 Teile Wasser und spritzt die Pflanzen drei Mal die Woche damit ein. Die Bakterien in der Milch haben Spaß an dem Pilz, der dann keinen Spaß mehr an der Rose (dieses Mal hatte ich ihn sogar an den Malven!) hat. Heute, am zweiten Tag, sehen die Pflanzen aus als wäre nie etwas gewesen!

Dafür hat der Borretsch unten im Vorgarten Läuse – während die Marienkäfer faul im Lavendel abhängen. Ach, ich bin wirklich so glücklich über die Gelegenheit so einen schönen großen Balkon zu haben – und nun auch das Gärtchen, in dem es gerade schon sehr rosig blüht!





Neulich habe ich in der Königlichen Gartenakademie eine Nachtkerze mitgebracht. Weiß blühend! Kaum habe ich sie zu den Mini-Callas (aus dem Pflanzendiscounter, der Pflanzen verkauft, die auf dem Großmarkt keiner haben möchte) und dem kanarischen Lavendel (Staudenmarkt im Botanischen Garten) gepflanzt, blüht sie wie wild – und duftet ganz zart nach schwarzem Tee. Nachtkerzen haben einen sehr interessanten Blütenstempel, finde ich!

2018-05-28

Aufmerksam

Aufmerksamkeit üben. Im Moment funktioniert das ganz gut bei mir. Aufmerksam sein. Auf mich. Aufmerksam sein gegenüber allen anderen, das war ich Jahrzehnte lang. Oh, ich war sehr sehr gut darin! So gut, dass ich auf Fragen nach meinen Wünschen, Vorstellungen, meinem Dasein, meinem Hinwollen nie eine Antwort kannte. Solange darüber überlegen musste, dass die Fragestellenden, wenn sie ernsthaftes Interesse zeigten, doch irgendwann die Koffer packten und weiter zogen. Meine Antworten hatten immer ein fundamentales Delay.

Das ging schon so seit meinen Kindheitstagen. Ich war so gut darin für andere zu empfinden und mich darüber selbst zu vergessen, dass ich mich nicht einmal mehr erinnern kann, ob mich jemals jemand in meiner Familie je gefragt hätte, was oder wer ich sein möchte, wo ich hin wollte? Also ich alleine gesehen. Ganz losgelöst von den vielen anderen, um die ich mich aufmerksam kümmern musste schon als Kind, betrunkener Vater, aufsässiger Bruder, verlassene Mutter. Ohne irgendwelche Menschen um mich herum, für die ich die Aufmerksamkeit trug. Vermutlich ließ meine Ausstrahlung solche Fragen auch gar nicht zu, weil ich mir nicht selber erlauben wollte, dass man mir diese Fragen stellte. Ich hätte sie beantworten müssen. Konnte ich nicht, meine Aufmerksamkeit war generell woanders, nie bei mir.

Im Freundeskreis wird mir diese Frage immer noch nicht gestellt. Was daran liegt, dass ich nun auch in einem Alter bin in dem man allgemein voraus setzt, solche Planungen wären langsam abgeschlossen. Sind sie bei mir nicht. Im Gegenteil! Gefühlt fange ich jetzt erst damit an mir meine eigene Entwicklung zu erlauben. Im professionellen Umfeld der Maßnahme für den Plan für Glück und Lebensfreude (PGL) stellt man mir diese Fragen viel öfter. Mit – natürlich bezahltem – dennoch echtem Interesse. Echtem Interesse aus einem trivialen Grund: man kann nur mit mir arbeiten, wenn man auf diese Fragen Antworten hat. Und wenn ich noch keine Antworten geben kann, dann heißt es lapidar „Das ist auch gut. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen. Wir kommen später noch einmal darauf zurück.”

Und das zwingt mich also Aufmerksamkeit zu üben. Hinzugucken. Auf mich. Nicht zwingend in Hinsicht auf vielleicht esoterisch anmutende therapeutische lernbare Mechanismen. Einfach so, dass ich mich frage: „Was willst Du tun? Jetzt? Wonach ist Dir zumute?” Im Kleinen. Will ich lieber Setzei, Rührei oder gekochtes Ei? Gar kein Ei?

Ich trinke viel weniger Kaffee, weil ich mich neuerdings frage, ob ich – in Situationen in denen ich sonst aus Gewohnheit welchen kochen würde – jetzt wirklich Appetit auf Kaffee habe? Die Antwort ist erstaunlich oft, dass ich gerade keinen habe. Und dann keinen koche. Am Wochenende hatte ich einmal Lust und konnte aber auf die Frage, ob ich Kaffee aus der einfachen Kaffeemaschine oder lieber einen Latte Macchiato aus der Carmecita haben wollte, mir keine Antwort geben. Da habe ich ihn eben auf beide Methoden gemacht. Und mich für den Latte Macchiato entschieden. Das kann man machen. Auch wenn mein kleiner ökolgischer Klugscheißer auf meiner Schulter empört steptanzte. Das war richtig gut!

Ich bin letzte Woche einmal zu Bett gegangen ohne mich abzuschminken und mir die Zähne zu putzen. Pflichtübungen, die ich sonst nie auslasse. Weil ich dann nämlich schlecht schlafe, ich kenne das aus Momenten in denen ich zu krank war dafür. Weil dann sofort in dieser einzigen ungeputzten Zahnnacht riesige Karieskrater wachsen! Aber etwas in mir hatte diese Woche zu mir gesagt: „Dazu habe ich heute keine Lust.” (Man beachte bitte den Punkt. Kein Ausrufezeichen.) Und – das ist ein sehr großes Wunder – ich habe gehört, dass diese innere Stimme das nicht nur nicht wollte, sondern auch es ganz deutlich aussprach: „Du willst Dir heute nicht die Zähne putzen!” Und dann habe ich es nicht gemacht. Und trotzdem gut geschlafen.

Für einen Menschen wie mich ist das der ganz große Rock'n Roll!

Und so aufmerksam habe ich mein Wochenende verbracht: ich bin am Samstag schwimmen gegangen. Am Vormittag, weil ich keine Lust hatte auf nachmittäglichen lauten Berliner Seetourismus. Ich bin mit der S-Bahn wieder zurück gefahren als alle anderen zum See hingefahren sind. Das war sehr entspannend. Beide Male war es in der S-Bahn fast leer. Am See noch ein bisschen leer.



Im See bin ich einfach nicht geschwommen, wie ich jetzt immer schwimme: Also nicht perfekt sportlich im YouTube-Lernstil mit Schwimmbrille und auf Tempo, denn ich schwimme meist für die Kondition. Ich bin einfach nur geschwommen … mit dem Kopf über dem Wasser mit geschlossenen Augen. Ich habe die Sonne alles in helles braunes Licht tauchen lassen hinter meinen geschlossenen Augen und ich bin geschwommen in meinem Atem. Angst- und sorgenfrei. Minutenlang. Ein langer Moment einfaches Wunder. Weil ich das so wollte. Das war so … bombe!



Samstag habe ich auf die Katze geguckt und ihr gesagt: „Morgen bleibe ich den ganzen Tag zu Hause. Bei Dir.” Mir war danach. Kein Schwimmen (Konditionspflicht), keine Demo (Politikpflicht), kein Nähen (Hobbypflicht). Wir haben den ganzen Tag herum gelegen, ich habe ihr den Bauch gekrault, sie hat mich beschnurrt. Wir haben zusammen gelesen, Eichhörnchen und Vögel beguckt, Kaffee getrunken. Ich aufmerksam zu ihr, sie aufmerksam zu mir. Das war schön. Erholsam. Unpflichtig.

Ich konnte lesen. Seit langer Zeit habe ich einfach mal wieder ein Buch so weg gelesen. Von Christine Westermann „Da geht noch was. Mit 65 in die Kurve.” Sie schreibt über sehr viele Dinge, die mir unfassbar nahe sind (das Buch ist für mich weniger ein Buch über das Thema Alter bzw. das Altern als es ein Buch ist, das sehr deutlich aufzeigt, wie sich Frauen unserer Generation(en) unser Leben lang emanzipiert haben in dieser unserer Umwelt).

Unter anderem schreibt Frau Westermann über ihre eigene Unsicherheit und wie sie, wie viele andere (und diesbezüglich schlage ich jeden darin mit meiner Kompetenz) mit dem inneren Quälgeist lebt, der sie sich und wichtige Momente in ihrem Leben zu Tode kritisieren lässt. So erzählt sie ziemlich am Ende des Buches über Preisverleihungen, die sie besuchen musste, weil ihr Preise zugesprochen wurden für ihre Arbeit: „Mit einer fortwährend maulenden inneren Flüstertüte war die Preisverleihung für mich in Bremen nicht wirklich ein Vergnügen.”



„Die fortwährend maulende innere Flüstertüte” – die ist ja nicht nur auch ein persönlicher Begleiter von mir. Die ist ja mittlerweile – gefühlt – der Begleiter dieses ganzen Landes geworden. Maulen wir einmal nicht gegen uns, dann maulen wir gegen alle Anderen. Hauptsache die ganze Zeit mault etwas in uns.

Ich werde ab sofort aufmerksam sein mir gegenüber und diese fortwährende maulende innere Flüstertüte öfter und deutlicher wahrzunehmen. Ich werde sie viel bewusster einladen zu gehen. Rechtzeitig. Also gleich. Noch bevor sie ihren Schaden anrichten kann. Immer ein Mal öfter. Und früher. Ich möchte aufmerksam ihren Abschied zelebrieren. Soll sie doch woanders maulen – aber nicht mehr in mir!

Ich mochte dieses Wochenende sehr. Es hat mir sehr viel gegeben!