2022-01-15

Geschirrspüler-Dissonanzen

Hatte ich in dieser Woche. Wasseraustritt. Spülwasserabpumpverweigerung. Das hatte mich nicht amused. Zumal ich mich für eine Person halte, die sich durchaus um ihren Geschirrspüler ganz passabel kümmert. Also hinsichtlich Salzpflege, Innenraumpflege, Siebreinigung, regelmäßiger Fettlösetabsgabe, was man halt so machen kann als Hausfrau:in. ('Tschuldigung, der musste jetzt sein.)

Mir machen Anzeichen von von kaputt gehender Technik aus Gründen richtig dicke Sorgen. Sofort. Hier in dieser Woche direkt spürbar durch Halswirbelnerveinklemmschmerz. Beide braucht man nicht.

Ich reinigte also den Geschirrspüler noch intensiver, das heißt: Die Siebe stundenlang wurden in sehr heißem Wasser mit Spülmittel eingelegt und noch einmal intensiver geschrubbt. Ablaufschlauch kontrolliert. Und in diesem Zusammenhang gleich noch den Küchensiphon die jährliche Proforma-Reinigung zugedacht. Geschirrspüler meinte: Nett aber: Nö!

Der Nackenschmerz wurde schlimmer, viel schlimmer. Die Nachbarin musste mir ein Wärmepflaster über die halbe Rückenmuskulatur kleben. (Homeoffice ist so praktisch bei Nachbarn.) Schlussendlich ist im Geschirrspüler rumkriechen mit so einer Malesse auch nicht der attraktiveste Moment des Tages.

Also den üblichen Heiler gefragt. Das ist der Ex-Freund, den man zumindest bei Computerärgergedöns nur anrufen muss, zur Frage ansetzen muss und dann läuft die Chose direkt wieder. Der muss manchmal nicht mal zum Antwortsatz ansetzen. Das hat dieses Mal nicht sooo profund funktioniert aber der E-Mail-Verkehr war sehr nett und gemeinsam mit Geschirrspüler-Studien im Internet – also YouTube bzw. Teamhack – habe ich mich dann doch noch etwas mehr in das innere Geschehen dieser (gar nicht so sehr komplizierten) Technik eingelesen und mit einem Schraubendreher schlussendlich drei Blähtonstücke vor dem Flügelrad der Pumpe entfernt.

War nicht so kompliziert, wenngleich es – wie immer – bei 45 cm breiten Geräten fummliger ist, und hat auch nicht weggetan. Und der Geschirrspüler dankt es mir auch mit ordnungsgemäßen Waschgängen ohne Fehlermeldungen. Was für eine Freude …

Nicht so weh, wie der Nacken. Oder das Loch im Geldbeutel. Ich möchte nämlich gerade ein bisschen auf einen Backofen sparen. Bei meinem Ofen ist ein Plastikteil der Ofentür defekt, dass schlicht Hitze kostet und unverschämt teuer im Ersatz ist. Die Tür neu ist unwesentlich teurer. (Die spinnen doch alle!) Ich hätte für mein Ofenküchenleben so gerne etwas Um- bzw. Heißluft. Und Teleskopauszüge …

Was ich aber eigentlich erzählen wollte. Geschirsspülerbesitzer kennen bestimmt diese Stelle zwischen Tür unten zum Korpus, die mit der Gummilippe abgedichtet ist und wo sich im Prinzip alles ansammelt, was jemals auf einem Teller gewesen ist. Ich habe keine Ahnung, wie oft man diese Stelle saubermachen muss, dass sich einem nicht der Ekel die Rückenneurologie hochkrabbelt. Es ist jedes Mal das Widerlichste, was mir im Haushalt begegnen kann.

Auch die habe ich im Zusammenhang der Aktion mehrmals sauber gemacht bis sie vermeintlich sauber war. Und gestern als ich mit dem Handkärcher die Scharniere nochmals sauber gedüst habe (kleiner Handkärcher von Lidl für 20 Euro im letzten Jahr erworben, so ein Spaß immer!) bin ich nochmals diese Gummilippe entlang gedüst (Har! Har! Har!) – unglaublich was da nochmals runterging! Diese Gummilippe hat offensichtlich ein tiefer gehendes Reservoir als optisch anzunehmen und produziert ihren Schleim selbstätig.

Ich. Mag. Die. Nicht.

Also beste Geschirrspülerindustrie, wenn ihr dann irgendwann sicher seid, den Geschirrspüler durcherfunden zu haben – so eine inkludierte automatische Waschstraße für diese Türdichtung unten … meinen Segen habt ihr!

2022-01-14

Eppstein-Barr-Virus als Verursacher von Multipler Sklerose?

Das geht dieser Tage durch die Presse, ForscherInnen gehen nun mittlerweile davon aus, dass eine Infektion mit dem Eppstein-Barr-Virus ursächlich für eine spätere Erkrankung an Multipler Sklerose ist.

Das Eppstein-Barr-Virus gilt schon seit längerem sicher als Verursacher für das Pfeiffersche Drüsenfieber (Morubs Pfeiffer). Nun haben US-WissenschaftlerInnen in einer sehr großen Studie mit 10 Millionen US-SoldatInnen herausgefunden, dass bei den ProbandInnen bei denen keine Eppstein-Barr-Viren im Blut aufwiesen ebenso keine Biomarker für Multipe Sklerose nachweisbar waren. Jedoch alle SoldatInnen, die sich später mit EBV infiziert hatten, gleichfalls Biomarker für die Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose im Blut nachgewiesen werden konnten.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine Infektion mit dem Eppstein-Barr-Virus zwingende Voraussetzung für eine spätere Erkrankung an MS Voraussetzung ist aber nicht zwangläufig zur Erkrankung daran führt. Warum nun manche Menschen an Multipler Sklerose erkranken und andere nicht, das gilt nun noch hinsichtlich Genetik, Lebensumstände erforscht zu werden.

Heute kündigt hierzu das Unternehmen Moderna an in die klinische Phase der Entwicklungsarbeit eines Impfstoffes gegen EBV getreten zu sein. Die Hintergründe zu einer wirksamen Impfstoffentwicklung lesen sich sehr spannend – dieser Artikel hier erklärt die Situation sehr gut!
So oder so – nun überhaupt endlich eine echte Idee zu haben, wo im Vorfeld die Weichen für eine Erkrankung an MS später gestellt werden – ist ganz großartig und wird für die Therapie und Bekämpfung dieser, bisher als nicht heilbar geltenden, Krankheit einen Meilenstein bedeuten. Es eröffnen sich völlig neue Therapiefelder!

Für mich persönlich schließt sich nun ganz langsam der Kreis hinsichtlich meiner persönlichen sehr guten Erfahrungen nach den Moderna-Impfungen gegen Covid hinsichtlich der Fibromyalgie – von der auch vermutet wird, dass sie zu den Autoimmunerkrankungen gehört – sowenig man immer noch darüber weiß.

2022-01-12

Hatte ich es oder hatte ich es nicht?

Omikron ist ein wundersames Ding, irgendwie stellt die Mutation wieder einmal alles auf den Kopf und macht das Allermeiste anders als zuvor. Covid mutiert vor meinem innerlichen Auge immer mehr zu der unangepassten Mitschülerin in der Oberstufe, die schon immer ein cooler Freak war, Lehrern gerne ungeliebte Diskussionen aufzwang, bunte Strumpfhose trug als schwarze für mehr Coolness sprachen, die Haare zu Dreadlocks wachsen ließ und die immer ein Hauch von Dope als Parfum begleitete. Ich mochte sie als kluge eigensinnige Person, da ich schon früh geprägt aus der buddhistischen Alternativszene kam, war aber eben diese Szene als Jugendliche für mich selbst kein bisschen interessant. Ich hatte zu viel Canabis schon passiv mitrauchen müssen. Trug aber generell große Bewunderung für die Menschen in der Schule in mir, die gerne anders waren als alle anderen – auf ganz natürliche Weise, weil sie eben anders waren – und damit mit offensichtlicher Akzeptanz und Selbstbewusstsein lebten.

Tatsächlich war ich immer so ein Zwischending. Eh immer anders. Schon als Kind einer Alleinerziehenden, damals eher Seltenheit als Normalität, war ich anders. Und als immer sehr großes Kind (mit 12 war ich schon 176 cm lang) mit – für mein Erleben – viel zu großen Füßen (40) sehr gebeutelt von der offensichtlichen körperlichen Präsenz, weil man gefühlt nie in der Masse verschwinden konnte, wenn man es gerne wollte. Also gab ich auf und sorgte ebenfalls durch eine eigene Visualität dafür dann komplett anders zu sein als nur besonders groß. Wenn schon Zirkus, dann auch Zirkuspferd – was sonst? Aber wohl, glücklich war ich dabei nie. Das eigene innere Ich wächst nicht zwangsläufig im gleichen Tempo mit wie es die Knochen tun.

Und so erlebe ich nun dieses Virus. Es ist überall präsent und sichtbar, weil ihm diese Visualität medial zugestanden wird, es ist ausgefallen genug, sich jedes Mal ein neues Outfit auszudenken und somit überall ein großes „Wow!” kassiert. Es scheint unangepasst und dadurch mächtig. Dabei ist es innerlich klein und gar nicht mehr so stark, wie es am Anfang noch war. Anders sein und anzuecken kostet eben doch auch Kraft. Das letzte Mal als ich von oben beschriebener Schulbekannten hörte – wir hatten eine Zeitland engeren Kontakt aber irgendwann entzog ich mich ihr als sie für meinen Geschmack zu viel und zu oft stoned war und sie dafür ihre herrliche Intelligenz im Schulbereich opferte; und sie entzog sich mir, weil ich zu angepasst schien, kiffen wollte ich nämlich nie – hing sie leider voll an der Nadel. Ich wünsche ihr nur das Allerbeste.

Das wünsche ich dem Virus nun auch. Es soll sich langsam ausinfizieren, zur Ruhe kommen. Im Grunde hat es seinen Job ja erledigt, wir wissen nun, dass unsere heile Welt gar nicht so sehr heile ist. Nicht einmal in unseren Breitengraden. Sie ist sehr leicht angreifbar, kann ganz einfach ordentlich durchgeschüttelt werden, Menschen ihr Leben unangenehm machen oder es ungeahnt verkürzen. Es hat uns Missstände aufgezeigt – aus denen die breite Masse dennoch nicht lernen wird. Wir haben gesehen und müssen final begreifen, dass Kapital weiterhin vor Humanität sortiert wird (ich denke da z. B. an die Weigerung der Patentfreigabe). Einsehen, dass uns Menschen in der Pflege weitestgehend weiterhin egal sind und wir lassen diese tollen Arbeitnehmer weiterhin mit erschreckendem Vorsatz abwandern, wie wir es vorher schon zuließen. Das schwarze Vulkanloch vom Pflege-Krater ist unendlich größer geworden aber wir zucken bloß mit der Schulter.

Nie guckten wir gezwungenermaßen klarer in den Spiegel, der uns selbst zeigte und trotzdem haben wir nichts gesehen.

Gerade wir Deutschen haben vom Virus aufgezeigt bekommen, dass wir auf den allermeisten Ebenen überhaupt nicht so toll – und schon gar nicht besser aufgestellt sind – als andere Länder in einer solchen Krise. Wir mussten Katastrophenschutz neu lernen und der anfangs leicht überhebliche Blick auf andere hart getroffene europäische Länder hat uns im Glashaus sitzend Steine werfen lassen, die wie fröhliche Boomerangs längst unser eigenes gläsernes Haus zerschmissen haben. Denn auch wir können hart getroffen werden – nicht nur aber auch vor allem wegen unserer Überheblichkeit.

Ich bin mittlerweile sehr sicher, dass ich zwischen Weihnachten und Silvester Omikron abgepasst hatte. Bei aller Vorsicht (trage ausschließlich FFP2-Maske, die sehr viel, achte auf die Hygieneregeln und setze mir in schwierigen Situationen [ÖPNV] auch eine zweite Maske auf), hatte ich einen nasalen Infekt mit etwas Halsschmerzen, der sich stark von meinen üblichen Infektverläufen unterschieden hatte aber doch sehr auf die Beschreibungen anderer auf Omikron positiv getestetn Menschen mit Symptomen passt. Nicht so schlimm, geboostert, eher ungewohnt nach zwei Jahren jeglicher Infektabstinenz. Meine Antigentests waren negativ. Allerdings habe ich auch erst in der Woche danach erfahren, dass bei Omikron Rachenabstriche eine deutlich höhere Positivrate haben als meine Nasenabstriche. Nichts genaues weiß ich also nicht aber mein Bauch sagt „ja!” und der hat öfter Recht als Unrecht im Nachhinein.

Und wenn ich gerade höre, wer es hatte oder hat, mit wieviel Ahnungslosigkeit darüber woher eigentlich, dann können wir getrost festhalten: Dieser Drops ist dann jetzt mit Omikron definitiv gelutscht. Im Grunde könnten wir jetzt auch alle Sicherheitsmaßnahmen uns an die Backe nageln, wir werden es alle bekommen, wirklich. Die, die geimpft sind kommen vermutlich weiterhin ganz okay darauf klar. Und wären die aus Überzeugung ungeimpften Menschen nicht – und das große schwarze Pflegeloch – könnten wir langsam wieder zur Normaltiät übergehen – und uns auf den Schutz der sehr kleine Menschen konzentrieren, die noch nicht offiziell geimpft werden dürfen.

An dieser Stelle danke an alle Ärzte, die das jetzt dennoch schon tun ohne offizielle Empfehlungen!

Das Virus hat uns klüger gemacht – in so viele Richtungen in denen ich mir gewünscht hätte, nie dieses Wissen zu erfahren. Ich weiß, wie viele Menschen absurde Dinge denken und absurd handeln. Ich weiß, wie wenig wir Menschen zu schützen bereit sind, die uns doch so wichtig sein sollten. Ich weiß, wie wirklich ungelenk deutsche Politiker auf so vielen Ebenen sind, dass ich mir wünschte, wir würden nur noch Politiker als solche zulassen, wenn sie vorher gute ehrliche praktische Arbeit geleistet haben über eine lange Lebensphase und meinethalben gerne im Zweitstudium Politik studiert haben. Aber Theoretiker braucht dieses Land garantiert nicht mehr! Und bitte wieder mehr Politiker auf Posten besetzen von deren Themengebiet sie vorher schon Expertise sammeln durften. Ja, es gibt Ausnahmen – aber die sind zu selten. Das hatte mich die letzen Jahre wohl am nachhaltigsten negativ getroffen: Die Erkenntnis wie wirklich grauenvoll inkompetent Politiker hierzulande sind.

Liebes Covid-Virus, ich danke dir für diese fulminante Erfahrung in den letzten zweieinhalb Jahren. Aber nun ist es gut, ich betrachte meinen persönlichen Bildungsurlaub mit dir als abgeschlosssen.

Liebe Mitmenschen, die Ihr diese Zeit mit mir gemeinsam ausgehalten habt, mich ertragen habt, wir uns gemeinsam aufgebaut haben, ausgehalten haben, zusammen gelernt haben, uns gesorgt haben, uns gestärkt haben, unterstützt haben, in den richtigen Momenten für den/die Andere/n die guten, die passenden Worte gefunden haben – mit euch war das gut. Jederezeit wieder – auch wenn es wirklich nicht nötig wäre!

Dankeschön! Habe die Ehre!

2022-01-11

Kaviar aus Italien

Es gibt für mich eine Tradition zu Weihnachten, die ich mir aus der Kindheit bewahrt habe und die mir sehr wichtig ist. Bei meiner Mum und mir gab es auf dem immer fürstlich gedeckten Weihnachtsfrühstückstisch mit Tischdecke, Charme und Melone vor allem Toast mit einfachem Kaviar (Kaviarersatz vom Rogen des Seehasen) aus dem Supermarktglas und Lachsschnitzel mit Meerrettich. Die Lachsschnitzel wurden später mit etwas besserer Finanzlage durch geräucherten Lachs ersetzt. Für uns war das damals etwas sehr Besonderes, etwas Köstliches – die Hoheit unserer Feiertage. Grandios. (Später kamen dann noch aufgebackene Knack-und-Back-Brötchen bzw. Croissants dazu, die ich heute nicht einmal mehr riechen kann.)

Gut, den Lachs beize ich mittlerweile lieber selber. Toast esse ich nur noch sehr selten. Aber zu Weihnachten muss er sein. Und Kaviar, also dieser günstige Kaviar aus dem Glas im Kühlregal des Supermarktes. Nichts Mondänes. Trotzdem so herrlich! So habe ich es im letzten Jahr gehalten – und werde es weiterhin tun. Wie sehr ich dieses kleine Ploppen im Mund mag, wenn die Eier zerplatzen. Und ja: Ich liebe auch russische Eier sehr – die mit Remoulade und Kaviar. Gehören meiner Meinung nach zu jedem Buffet in die unmittelbare Nähe eines jeden Käseigels!

Dabei war guter, teurer Kaviar für mich bis dato eh immer ein Produkt aus Russland. Die Entdeckung eines großen Supermarktes mit Produkten aus Russland vor zwei Jahren in Steglitz mit einer Kühltheke nur für Kaviar, wo er sogar offen verkauft wird (und in Dosen) in den verschiedensten Qualitäts- und Preisvariationen, hatte mich in dieser Meeinung wieder bestärkt.

Aber wusstet Ihr, dass tatsächlich Italien nach China der zweitgrößte Kaviar-Produzent weltweit ist? In der Lombardei als auch Emilia-Romagna – rund um das Po Delta – wird hochwertiger Kaviar aus dem Rogen des Störs produziert und gerne in den heimischen Restaurants angeboten. Seit Jahrhunderten!

Am Wochenende bin ich zufällig im TV über die GEO-Reportage „Kaviar – Das schwarze Gold Italiens” auf arte.tv gestolpert in der man so viel Spannendes über die Zucht in Becken neben und Auswilderung des Störs im Po Delta – hier noch in der Lombardei – erfährt. Wann er entnommen und wie er verarbeitet wird. Neu interpretiert vom Sternekoch Enrico Bartolini in Mailand. Oder als Caviale alla Ferrarese, gekocht zubereitet nach einem traditionellen Rezept aus dem 16. Jahrhundert, zubereitet von Köchinnen. Derzeit ist die bekannte regionale Köchin Cristina Maresi in dem Agriturismo Le Occare in dem Rezeptbesitz. Sie liefert übrigens auch die Anleitung, wie man Kaviar richtig genießt.

Der Stör ist ein Meerwasserfisch, ein anadromer Wanderfisch, der sich zum Laichen in das Süßwassergebiet des Pos zurückzieht. In den 70iger Jahren galt der Stör in dieser Region als beinahe ausgestorben. Rücksichtslose Eingriffe in das Flussbett, die Industriealisierung haben ihm das Laichen dort immer unmöglicher gemacht. Hinzu kam die Überfischung, die Störe wurden weit vor dem Erreichen der Fortpflanzungsfähigkeit, sie sind erst im Lebensalter von 10-20 Jahren erstmals fortpflanzungsfähig, abgefischt. So alt wird kaum noch ein Fisch heutzutage in der freien Natur. Dabei könnten Störe problemlos bis zu 150 Jahre alt werden und bis zu 800 Kilo auf die Waage bringen. Die Zeit solcher historischen Fänge sind jedoch lange vorbei.

Die GEO-Reportage zeigt auch, welche großen Anstrengungen unternommen wurden und werden, damit der Stör sich wieder verstärkt in dieser Region ansiedeln kann.

Zum zweiten Mal in kurzer Zeit ist mir auch in dieser Reportage die Stadt Ferrara begegnet. Ich stolperte neulich erstmals als ich zu dem Blogpost der Küche der Emilia-Romagna rechererchierte, über diese Stadt, die als die Fahrrad-Stadt Italiens gilt. Die musste mir natürlich auffallen! Tatsächlich gilt sie auch als historisches Zentrum der Störfischerei. Die Reportage begleitet den an der dortigen Universität lehrenden Stör-Experten Professor Matteo Lanzoni bei seiner Arbeit, er versucht gemeinsam mit seinem Team den Stör wieder im Po-Delta anzusiedeln.

Eine faszinierende Sendung, ich habe so sehr viel gelernt. Nicht nur, dass sehr viel Kaviar tatsächlich aus Südeuropa kommt. Es gibt auch einen kleinen Ausflug in die Welt italienischer Salze, die ich sehr schätze, die meiner Meinung nach viel zu wenig offensiv vertrieben werden außerhalb Italiens. Und wie immer sieht man einen selbst fröhliche stimmende so begeisterte, leidenschaftliche Italiener und Italienerinnen, die für ihre Berufe und Produkte ihres Landes mit großer Leidenschaft brennen!

Es gab übrigens am Wochenende noch zwei weitere köstliche Sendungen rund um Italien. Bestes Material, um in dieser besonderen Zeit ein bisschen das Nichtreisen zu kompensieren …

Die junge Halbitalienerin Serena Loddos, Feinkosthändlerin von Sardolci (und Influencerin) reist kreuz und quer über ihre zweite Heimat Sardinien und entdeckt die Küche ihrer verstorbenen Nonna bei den ortsansässigen Produzenten neu. Kurzweiliger, junger, mit sehr sympathischen Protagonist*innen gemachter Film. Sehenswert! Köstliches Sardinien!

Und Sonntag gab es auf arte.tv an der üblichen Sendestelle von „Zu Tisch in …” aus der älteren Reihe „Cuisine Royale” nochmals Bilder aus der Gegend rund um Parma bzw. entland des Pos. Man ist zu Gast im Castello di Scipione und genießt unter anderem Forelle mit wildem Spargel in Aspik, Pasticcio Pallavicino, eine Paté gefüllt mit Macaroni und Taubenragout (nicht meins), und eine Crème Bavaroise. Oder vorher – in der Oper – zu Ehren des Meisters das Risotto Verdi.

Also alles in allem fantastische leckere visuelle Ausflüge in das wundervolle Italien!

2021-12-31

2021

Wie war 2021? Im Rahmen der Umstände sehr okay. Für mich.

Meine Lieben und Freunde sind soweit alle gesund geblieben – im Großen und im Ganzen. Shiina auch. Ich auch.

Mir geht es gesundheitlich auf so vielen Ebenen so sehr viel besser als noch zum Jahresanfang (Danke Moderna, wirklich danke!!!), dass ich mich zum jetzigen Zeitpunkt wirklich sehr wohl fühle. Seit gefühlt ewigen Zeiten Tage verbringen konnte ganz ohne Schmerzen und dem Gefängnis der Muskelsteifheit. Danke natürlich auch den Physiotherapeuten, die mich begleitet haben zu diesem Ergebnis. Und danke mir, dass ich mich nicht habe klein kriegen lassen und an die Macht des Sports immer geglaubt habe (auch wenn es nicht immer lustig war.) Zur Zeit geht es mir so gut, dass ich mich im Januar um ein Coaching bemühen werde, um zu gucken, ob mich/wohin mich mein berufliches Dasein vielleicht doch noch führen wird in nächster Zukunft. Hoffentlich.

Eine mich sehr belastende Sache konnte ich Anfang des Jahres für mich abschließen und auch wenn sich das bis in den Sommer noch hingezogen hatte bis zum abschließenden „verbrennen wir den Mist” im Garten von Freunden, diesen Stein nicht mehr mitschleppen zu müssen, ist mein großes Plus 2021. Gelegentlich klopft sogar wieder hier und dort etwas Kreativität an, sie glänzte so fürchterlich lange durch Abwesenheit.

Ein Urlaub in Italien – vierzehn Tage. Knappe 100 Meter zum Meer. Morgens (fast immer) darin alleine darin schwimmen. Sich treiben lassen. Zum ersten Mal bei der Weinernte (Lambrusco) dabei gewesen. Ein Wunschtraum. Im Salento ein Fahrrad ausgeliehen und einfach so über die Landschaft geradelt. Noch ein Wunschtraum. Endlich im Kajak über das Meer gepaddelt. Ein großer Wunschtraum. Nochmals in Otranto gewesen. Noch ein großer Wunschtraum. Grazie mille, meine kleine Schwestern Carmen Mancarella, die mir das ermöglicht hatte!

Grazie mille allen Menschen, die mich in diesem Jahr ausgehalten haben, getragen haben, unterstützt haben, da waren, mir die tollsten Freunde waren, die so ein Menschenkind nur haben kann. Ohne euch wäre dieses Jahr unendlich schwerer gewesen in dieser besonderen Zeit. Aber mit euch war es reich, etwas sorgenfreier, voller Freude und Glück!

Lasst uns alle gut in das neue Jahr kommen. Lasst uns 2022 feiern! Lasst uns gesund bleiben, dieses Leben zelebrieren und wertschätzen, uns aneinander erfreuen, uns Energie, Lachen und Menschlichkeit schenken und die traurigen Momente teilen. Leben, einfach leben.

2021-12-28

Köstlichkeiten aus der Emilia-Romagna

Disclosure: Ich durfte auf Einladung von der Italienischen Handelskammer für Deutschland e.V. (ITKAM) vom Online Versandshop Mercato Castello (Adresse am Ende des Blogposts) ein Paket mit qualitätszertifizierten Produkten aus der Emilia-Romagna in Emfpang nehmen, kosten und bewerten. Da ich im folgenden Produzenten und Vertriebspartner benenne, ist hier der Hinweis „Werbung” inhaltlich angebracht.
Heute entführe ich Euch zu den Köstlichkeiten der Emilia-Romagna, der Region Norditaliens. Aus keiner anderen Region Italiens entstammen so sehr viele weltbekannte Lebensmittel, wie aus dieser reichhaltigen Landschaft! Wenn man schon nur den klangvollen Namen ihrer Provinzen lauscht: Piacenza, Parma, Regio Emilia, Modena, Bologna, Ferrara, Ravenna, Forli-Cesena, ein kleiner Teil von Rimini gehört ebenso dazu, ist schnell klar, mit welchen fantastischen Lebensmitteln dieser Landstrich Italiens uns reich beschenkt!

Habe ich neulich in meinem Blogpost „Italien Sounding ist nicht echtes Italien” über die Qualitätsbezeichnungen I.G.T, D.O.C und D.O.C.G. geschrieben, geht es heute um original aus Italien stammende Wurst, Käse, Reis und Teigwaren, die uns mit der Auszeichnung g. U. oder g.g.A. von ihrer besonderen regionalen Einmaligkeit erzählen.

Für diese Gütezeichen zeichnet sich die europäische Union verantwortlich. Die Bezeichnungen g.U. und g.g.A. sind Gütesiegel, anhand derer die Europäische Union Qualitätsprodukte mit einem starken Bezug zu ihrer Ursprungsregion anerkennt und schützt.

Ein hohen Stellenwert hat die Qualitätsauszeichnung „geschützte Ursprungsbezeichnung” kurz: g. U., in Italien DOP – Denominazione di Origine Protetta. Sie besagt, dass das Produkt von einem bestimmten Ort herstammt. Alle Produktionsprozesse müssen in diesem bestimmten geographischen Bereich statt gefunden haben, so dass die Qualität dieses Lebensmittels ausschließlich mit diesem einen Ort verbunden ist. Die geschützte Ursprungsbezeichnung erkennt Ihr an dem gelbroten EU-Siegel.

Im Bereich der Weinvermarktung hat das DOP-Siegel seit 2009 die beiden Appellationen DOC und DOCG offiziell abgelöst. Da diese aber Bestandsschutz genießen, dürfen sie weiterhin verwendet werden.

Das Siegelpendant in gelbblau mit der Auszeichnung „geschützte geographische Angabe” kurz: g.g.A, in Italien: IGP – Indicazione Geografica Protetta, bezeichnet ein Produkt eines bestimmten Ortes und verweist aufgrund dieser Herkunft auf einzigartige Qualität bzw. Produktionsverfahren, allerdings muss lediglich ein Produktionsschritt in dieser bestimmten Region stattgefunden haben.

Beide Siegel zeichnen zertifizierte Qualität und einen typischen, unverwechselbarem Geschmack eines Produktes aus. Es gilt das einzigartige Produktionsverfahren, das auf einem traditionellen und historischen Rezept basiert und nach strengen Vorschriften hergestellt wird. Und ja, ihr werdet sie tatsächlich sogar auf einigen Produkten im Regal eurer Discounter finden!

Viel Theorie bisher – darf ich Euch nun mit einigen bekannten und vielleicht weniger bekannten Produkten mit solchen Siegeln aus der norditalienischen Region der Emilia-Romagna den Mund wässrig machen?

Parmigiano Reggiano g.U. (DOP)
Natürlich sind die intensiv geschmackvollen Balsamicos aus Modena und die zarten Schinken aus Parma keine Unbekannten. Der wundervolle Parmigiano Reggiano g.U. ganz sicher auch nicht – aber wusstet Ihr, dass dieser Käse eine urkundlich nachgewiesene Existenz von über 1000 Jahren verfügt?

Der Caseus parmensis, ein Käse aus trockener Käsemasse wurde aus der Kuhmilch der klostereigenen Bauernhöfe von Zisterzienser- und Benediktinermönchen gewonnen und mit dem Salz der Salinen von Salsomaggiore haltbar gemacht. Seine Existenz wurde erstmals im Jahr 1254 in Genua notariell bezeugt. Zuerst wurde er nur in Romagna, im Piemont und der Toskana gehandelt – dann folgte sein Siegeszug in die ganze Welt. Seine Geschichte liest sich spannend!
Dieser Erfolg führt leider mit sich, dass gerade Parmigiano Reggiano g.U. heute zu einer der am häufigsten gefälschten Käsearten Italiens zählt. Sounding Italian, ihr erinnert euch? Seit 1996 signalisiert das offizielle Siegel g.U., dass der Käse tatsächlich aus der Region rund um die Emilia stammt. Mit diesem Siegel ist auch garantiert, dass man wirklich laktosefreien Käse isst, was das Original aus der Emilia-Romagna garantiert ist.
Dieser so vielseitig in der Küche einsetzbare Käse, 25 Gramm Parmigiano Reggiano g.U. deckt beispielsweise 36 % den Kalziumtagesbedarfs und zu 24 % den Phosphortagesbedarfs eines erwachsenen Menschen, ist voller Mineralstoffe und Vitamine.

Worin eigentlich der Unterschied von Parmigiano Reggiano g.U. zum Gran Padano liegt, fragt ihr euch? Ersterer entstammt einem deutlich kleineren Produktionsgebiet. Nämlich aus den Provinzen Parma, Reggio Emilia und Modena, einem Teil der Provinz Mantua und einem Teil von Bologna – aus lediglich fünf Provinzen also.

Der Gran Padano kann indes aus 33 Provinzen kommen. Bei seiner Herstellung darf Lysozym (Protein aus Hühnereiweiß gewonnen) verwendet werden, die die Milch gebenden Kühe dürfen mit Silage gefüttert werden und der Käse reift durchschnittlich nur 15 bis 24 Monate, darf aber schon nach neun Monaten theoretisch in den Vertrieb gehen.
Beim Parmigiano Reggiano g.U. jedoch beziehen die Kühe die in der Milch zur Käseherstellung relevanten Milchsäurebakterien aus dem Gras auf den Luzernen. Es dürfen dem Futter keine Zusatzstoffe hinzugefügt werden, auch solche natürlichen Ursprungs nicht. Die Kühe erhalten keine fermentierten Futtermittel oder Silage, sondern ausschließlich Heu und Gras. Es wird ausschließlich natürliche Kulturmolke (Produkt aus dem Vortageskäse) als bakterieller Starter zur Käseproduktion zugesetzt. Parmigiano Reggiano g.U. reift mindestens 12 Monate, aber auch 24 oder 30 Monate, darüber hinaus sind seiner Reifung und seinem Geschmack übrigens keine Grenzen gesetzt. In der Qualitätskontrolle werden alle Käseleibe einer Geschmacks- und Reifekontrolle unterzogen, beim Padano wird nur ein Teil der Laibe kontrolliert.

Produzent: Borgo del Gazzano

Salame Piacentino g.U. (DOP)
Die riesengroße Vielfalt der Salami Italiens – wer kann sich ihrem göttlichen Genuss entziehen? Auch die Emilia-Romagna hat hier besondere Qualität durch eigene Rezeptur und Verarbeitungsweise zu bieten. Mit Pancetta Piacentina g.U., Coppa Piacentina g.U. und der Salame Piacentino g.U. offeriert uns die Emilia-Romagna drei Wurstwaren der g.U.-Qualität, die aufgrund ihrer Zutaten einzigartig in Produktion und Geschmack sind.

Eine dieser besonderen Zutaten ist hier tatsächlich noch Handarbeit! Und natürlich das Fleisch aus dem sie besteht: Das schwere italienische Landschwein muss in dieser Region (Emilia-Romagna und Lombardei) gezüchtet, geboren und sein Leben gelassen haben. Dieses Landschwein ist deutlich fettreicher und wird mit den Nebenerzeugnissen aus der regionalen Käseproduktion gefüttert: Molke, Buttermilch und Käsebruch. Vor einem Lebensalter von neun Monaten und einem Lebendgewicht von ~160kg dürfen die Tiere nicht geschlachtet werden.
Alle weiteren Produktionsschritte für die Salame Piacentino g.U. müssen nun in Piacenza, die Provinz in Norditalien mit der gleichnamigen Hauptstadt, erfolgen. Nach einem Rezept, das sich in das 15. Jahrhundert zurück verfolgen lässt! Vom Schwein werden magere Fleischstücke und -abschnitte (kein Kopffleisch verwendet und mit ca. 10-30 Prozent Schweinefett, also Speck bzw. dem festen Speck von Hals und Bauch ergänzt. Das Fleisch wird im Fleischwolf mit einer Lochscheibe von mindestes 10 mm gewolft. Die Würzung erfolgt mit Pökelsalz, Muskatnuss, schwarzem bzw. weißem Pfeffer und – die besondere Zutat für die Salame Piacentino g.U. – einem Aufguss von Rotwein mit Knoblauch – vermengt. Etwas Zucker, um die Säure des Weines abzumildern, gehört dazu. Und die Mikroorganismen einer Starterkultur (Hefepilz ), die den Reifeprozess in Gang setzen. Ausschließlich natürliche Produkte machen diese Salami zu einem perfekten Genuss auf den Antipastiteller oder als Zutat zur Piadina Romagnola g.U.
Das Brät wird bei einigen Erzeugern heute noch mit der Hand geknetet, dann in Schweinedärme gefüllt und immer (!) per Hand abgebunden und gestippt. (Stippen ist das Einstechen der Därme mit Nadeln, damit das Brät gleichmäßig trocknen bzw. reifen kann.) Die Salame Piacentino g.U. trocknet bei 15-25 Grad Celsius bei einer relativen Luftfeuchtigkeit zwischen 40-90 Prozent. Die spätere Reifung erfolgt bei 70-90 Prozent und bei 12-19 Grad Celsius. Dieser Prozess muss mindestens 45 Tage in Piacentino dauern, um das besondere Zertifikat „geschützte Ursprungsbezeichnung” zu erhalten.
Aufgeschnitten ist die Salame Piacentino g.U. wunderschön rot vom Rosado durchzogen und die weißen gleichmäßig verteilten Speckstückchen leuchten geradezu. Ihr Duft ist zart und ihr Geschmack ist mit einem zarten Hauch von Knoblauch und Vino. Der Rest ist pures Salamiglück! (Ich mag sie sehr sehr sehr!)

Produzent: Salumi ficio la rocca

Piadina Romagnola g.g.A. (IGP)
Dieses Fladenbrot bekommt man zertifiziert nur aus der Emilia Romagna, der Ursprung der Piadina Romagnola g.g.A. entstammt der Region Romagna. Merkmal dieses Fladenbrotes, des mittlerweile in ganz Italien beliebten Fast Food sind einfachste Zutaten: Weizenmehl Tipo 0, Wasser, etwas Salz und im Original Schweineschmalz. (Heute gibt es auch vegane Varianten mit ausschließlich kalt gepresstem purem Olivenöl). Als Triebmittel verwendete man früher Hirschhornsalz, heute ersetzt durch Natron oder Backpulver. Die Zutaten werden bis auf das Wasser leicht bröselig vermengt, dann gibt man nach Gefühl Wasser hinzu bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Dieser Teig geht üblicherweise zweimal – einmal im Ganzen und später nochmals zu kleinen gewirkten Teigklößen gemütlich vor sich hin.
Wie immer ist die italienische Küche keine Hexerei, ihre einfachen aber guten Zutaten sind es und vor allem die Zeit, die das Teigwerk sehr bekömmlich macht. Wenn einzelne Teigstücke nach der letzten Ruhezeit zum Fladen ausgerollt werden und in einer beschichteten Pfanne ohne Fett gebacken wurden, werden die Piadini Romagnola g.g.A. gerne mit frischen Ruccola, Pancetta oder Salame Piacentino g.U. und zum Schluss mit Parmigiano Reggiano g.U. belegt. Oder – als süße Variante – natürlich auch gerne mit Nussnougatcreme bestrichen.
Zusammen geklappt ist die Piadina Romagnola g.g.A. das Street Food (nicht nur) dieser Region – und ihre Alternativen mit Pesto, Guaccamole und oder und und sind … unendlich!

Produzent: Piada d'Oro srl

Nero di Voghiera g.U. (DOP)
Hinter diesem Namen verbirgt sich in Voghiera angebauter Knoblauch. Diese kleine Gemeinde in der Provinz Ferrara zählt nicht einmal ganze 4000 Einwohner. Sie hat sich dem Anbau und weiteren Verarbeitung von Knoblauch verschrieben. Der Nero die Voghiera g.U. wird schwarz fermentiert und gilt als sehr besondere Delikatesse. Die Fermentierung erfolgt in einem 60 Tage langen, streng kontrollierten Prozess. Das Ergebnis ist ein besonders bekömmlicher Knoblauch ohne Schärfe, der mild und leicht süßlich schmeckt mit einer leichten Balsamico-Note und durch die Fermentation eine leichte Säure bezieht. Der Fermentationsprozess entzieht dem Nero di Voghiera g.g.A.übrigens das Allicin, das für den langanhaltenden Geruch des Knoblauchkonsumenten verantwortlich ist.
Er wird roh erst nach dem Kochen auf Pasta, Salate, Risotto oder Fisch bzw. Fleisch, ähnlich wie Trüffel, gerieben. Nero di Voghiera g.U. enthält Antioxidantien, Calcium und Proteine und doppelt soviel Phosphor wie frischer Knoblauch. so sagt man ihm nach, er könne das Herz schützen und Alterungsprozesse verlangsamen. Sein Genuß soll das LDL-Cholesterin senken und bei der Reduzierung des Bauchfetts unterstützend wirken – ein kostspieliges aber durchaus zahlreichen Nutzen bringendes Juwel dieser besonderen italienischen Region!

Natürlich kann man ihn auch einfach nur genießen und sich am besonderen Geschmack erfreuen.

Produzent: Nero Fermento

Reis aus dem Po-Delta g.g.A. (IGP)
Reis ist Reis ist Reis? Nicht wenn er Riso del delta del Po g.g.A. heißt und eben in im Po-Delta, zwischen den Regionen Venetien und der Emilia Romagna, angebaut wird. Vier Reisarten, Carnaroli, Arborio, Baldo und Volano, werden hier gezüchtet, angebaut, geerntet und abgepackt. Die besondere nasse Mixtur des Süßwassers vom Po und dem salzigen Wasser des Adriatischen Meeres, die dunklen torfigen Böden rund um Ferrara, die Schwemmböden bei Rovigio, dazu die Meeresbrise mit der relativen Luftfeuchtigkeit lässt hier besonders gesunde, weil trockene Pflanzen mit hohem Ertrag reifen.
Dieser Reis hat einen hohen natürlichen Salzgehalt und Kaliumgehalt und ist beim Kochen besonders beständig – der perfekte Reis für ein perfektes Risotto!
Riso del delta del Po g.g.A. ist unvergleichlich in seiner Qualität und Geschmack und darf seit 2009 die besondere Kennzeichnung g.g.A (IGP) für sich in Anspruch nehmen. Inzwischen sind 1400 Hektar der 9000 Gesamthektar Reisanbauflächen dieser Region als IGP zertifiziert. Der Schutzverband des Riso del Delta del Po g.g.A. zählt mittlerweile 37 Mitgliederbetriebe, die diese Reisarten ausschließlich regional unter den strengen Qualitätsmaßstäben anbauen.
Produzent: Grandi Riso

Bezugsquelle in Deutschland
Mercato Castello
Link: https://mercato-castello.de
E-Mail: info@mercato-castello.de
Adresse: Kronberger Str. 31, 65812 Bad Soden am Taunus
Telefon: +49 6196 25 308

2021-12-19

Tellerglück im Winter: Die Nduja

Meine erste Begegnung mit einer Nduja hatte ich anlässlich der Pressereise nach Cozensa in Kalabrien. Wir besuchten an einem Tag das Sila-Gebirge, vertrauten unser Leben einem bei den winterlichen Straßenverhältnissen auf den Serpentinen versierten Busfahrer an und tauchten ein in die weiß verschneite Winterwelt Italiens. Wir erlebten im Nationalpark die höchsten Kiefern Europas, Handwerkskunst in Sila (ich indes verschwand in einen verheißungsvollen Laden mit dem riesigen Steinpilz-Sortiment) und als wir dann so richtig tief durchgefroren waren, kehrten wir ein auf dem Agriturismo Camigliatello Fattoria Biò der vier Grillo-Brüder.

Auf diesem Bauernhof wird alles in Bio-Qualität produziert. Angeschlossen sind eine hauseigene Käserei und Metzgerei, die wir nach dem Essen auch besuchen durften. Von Schweinen, Kühen und Ziegen gab es indes nicht viel zu sehen, denn die Brüder bringen ihre Tiere im Sommer in die Berge; im Winter indes hinunter ans Meer, wo das gemäßigtere Klima ihnen einen wärmeren Winter mit grünen Wiesen garantiert.

In der riesigen Halle des Restaurants (natürlich kann man dort in Unterkünften bzw. auf dem Campingplatz sehr kinderfreundliche Ferien verbringen) hatte man uns den Kamin angezündet und allerfeinste kalabrische Köstlichkeiten serviert – unter anderem die Nduja. Sie wird sehr gerne in Keramikarbeiten verkauft oder serviert, die keinen Zweifel auf ihre Herkunft übrig lassen.

Die Nduja ist eine feine Rohwurst aus purem Schwein, hier den berühmten schwarzen in den kalabrischen Wäldern lebenden Schweinen (Nero di Calabria) mit ihrem zotteligen Fell, aus Guancinale, Pancetta und Lardo. Und ja, sie ist somit Fett pur. 100 Gramm von ihr bringen knappe 600 Kalorien mit. Aber gerade deswegen ist sie ein fantastischer Begleiter auf dem Wintertisch, finde ich! Die Zutaten werden sehr fein gewolft mit viel frischen aber auch getrockneten zerstossenen Peperoncini (Peperoncino calabrese picante) gemischt.

Dann, im Darm abgefüllt, wird sie dezent geräuchert und darf im Trockenraum lange reifen. Üblicherweise gemeinsam mit den Salamis (wozu die Nduja übrigens auch gezählt wird), den Schinken, Käsesorten … also in sehr guter Gesellschaft. Ihren Ursprung soll sie in Spilinga (Nduja di Spinlinga) in Kalabrien haben, wo die armen Bauern alle Teile des Schweines verwerteten und mit dieser Herstellungsmethode das Schweinefleisch länger haltbar machten, damit sie im harten kargen Winter gutes Essen auf dem Tisch hatten.

Aus unserer Sicht ist die Nduja so etwas wie unsere Teewurst aber mit sehr ordentlichen „Caramba – mir kocht der Blut”-Anteilen. Üblicherweise wird sie leicht angewärmt in Stöfchen auf dem Tisch serviert, so dass sie sich jeder auf das gute italienische Bauernbrot schmieren und genießen kann – wie warme Antipasti. Der hohe Chili-Anteil sorgt sofort dafür, dass einem auch von innen ordentlich heiß wird. Die süße Schärfe der Nduja ist nichts für zu empfindsame Gaumen. Probieren sollte man sie trotzdem immer, tatsächlich verfliegt ihre Schärfe sehr schnell und lässt einen sehr glücklichen und im inneren durchgewärmten Esser zurück.

Da ich die Nduja nun im winterlichen Ambiente erstmals kosten durfte, ist sie für mich eine Wurst auf die ich auch eher im Winter Appetit habe. Neulich habe ich eine Wurst bei Centro Italia mitgenommen (16,90 €/Kilo, abgepackt ca. 200 Gramm), sie ist gekühlt und abgepackt sehr lange haltbar – bis zu zwei Jahre. Kalt mag ich sie persönlich nicht so sehr, weil sie dann einen strengen Schweinegeschmack hat – aber angewärmt ist sie eine Köstlichkeit und ich benutze sie mittlerweile richtig gerne als perfekten Support für ein sehr schnelles und ganz einfach zuzubereitendes Herbstgericht mit – natürlich – Pasta.

Neulich zum Beispiel mit frischen Troffile und Champignons. Und etwas Gran Padano. Gestern gab es Spaghettini mit Nduja, Tomaten und geschmolzenem Mozarella. Und wenn ich nicht sogar noch einmal diese Woche mit ihr eine schöne pikante rote Linsensuppe zaubern werde … Ich schwöre – es dauert keine zehn Minuten bis zu Eurem Nduja-Pastaglück!

1. Einen Topf mit Wasser und viel Salz für die Pasta auf den Herd stellen, die Pasta bereit stellen.
2. Eine Zwiebel klein schneiden, wer mag auch etwas Knoblauch. Eine Scheibe der Ndjua (Achtung! Sehr farbintensiv) klein würfeln. Die Dicke der Scheibe definiert später die Schärfe Eures Pastagerichts
4. Wer möchte kann natürlich noch etwas vorhandenes Gemüse klein schneiden: Pilze, Oliven, Tomaten … was halt so weg muss
3. Olivenöl in die Pfanne geben
4. Zwiebeln und Knoblauch angehen lassen, dann die Nduja und das jeweilige Gemüse hinzugeben und anbraten

5. Die Pasta ist mittlerweile im Kochwasser gelandet und macht dieses zu „Magic-Pastawasser”
6. Eine Kelle „Magic-Pastawasser” in die Pfanne gießen, die Ndjua zerfließt nun zu einem dicken, satten, knallroten Pesto. Einkochen lassen. Bei Bedarf noch etwas „Magic-Pastawasser” hinzugeben
7. Sobald die Pasta fertig gekocht ist, kommt sie in die Pfanne, gerne nimmt sie dabei noch etwas „Magic-Pastawasser” mit
8. Mozarella zerpflücken und zum Schmelzen in der Pfanne an die Pasta geben, vermengen
9. Ordentlich mit Pfeffer bedenken, vorsichtig salzen
10. Alles auf den Teller geben, etwas Olivenöl drauf träufeln
11. Essen
12. Glücklich sein

Und das ist es, was die Nduja nun wirklich sehr gut kann: Glücklich machen!