2019-08-24

Lago Maggiore – Stresa – Isola Bella – Mottarone – Baveno

Disclosure: Ich durfte auf Einladung der Tourismusorganisationen Distretto Turistico dei Laghi und Turismo Valsesia Vercelli in den Piemont an den Lago Maggiore bzw. an den Lago Orta reisen. Die unterstützenden Unternehmen dieser Reise sind im Text verlinkt. Und wie immer gilt: Click aufs pic makes it big!



Lago Maggiore – Stresa

Italienische Seen … kannte ich bisher nur aus den kitschigen Filmen der 50iger Jahre, wo sie als Kulisse für allerlei Herz, Schmerz, Kitsch und meist gesungene Weisen herhalten mussten. Oder wenn wieder einmal über einen charismatischen US-Schauspieler, Ehemann einer berühmten Rechtsanwältin für Menschenrecht und deren italienische Immobilie an einem See berichtet wird. Oder wenn im Reisekatalog beim Discounter für günstige Busreisen nach Italien mit dem unausgeschriebenen Touch einer gemütlichen Reise für Rentner geworben wird. Urlaub to be für Oma. Romantik. Geranien. Kaffeegedeck. Jemütlich war’s jewesen! So etwas in der Art.

Also nicht zwingend ein Ort, wo man sich selber (schon) urlauben sieht. Bis man zum Lago Maggiore eingeladen wird und eines viel Besseren belehrt wird! Der Lago Maggiore gilt als zweitgrößter See Italiens, dessen Fläche er sich ein klitzekleines bisschen auch mit der Schweiz teilen muss. 80 Prozent der italienischen Fläche des Lago Maggiore teilen sich die Provinzen Piedmont im Westen und die Lombardei im Osten. Der Rest geht an den Schweizer Kanton Tessin. Der Gletschersee ist bis zu 372 Meter tief, seine Länge misst 64,37 Kilometer, die Breite zehn Kilometer. Mit seinen Windungen ist er mit einem Auge nicht in seiner Gänze zu übersehen.

Am Lago Maggiore ist die Vielfalt für einen Urlaub erstaunlich groß. In nur fünf Tagen haben wir Bekanntschaft mit dem sehr alt eingesessenen Geldadel Italiens machen dürfen, traumhaft romantisch-kitschige Inseln in Seen besucht. Wir haben – selbstverständlich – fantastisch gegessen, alle Fünfe gerade sein lassen im Sonnenschein, heimische Food-Produzenten besucht und auch dabei immer wieder die wundervolle italienische Gastfreundschaft genießen dürfen – und gleichzeitig ein recht umfangreiches, sehr viel Spaß bringendes Sportprogramm mit Wandern, Aufstieg, Abstieg, Fahrrad fahren (neumodern Mountain Biking mit dem E-Bike), Schwimmen, Paddeln und gemütlich aufgeregt ZIPLine fliegen. Und das alles unter sechs Tagen – und trotz diesem, darüber wundere ich mich immer noch, aktiven Programm war es: Urlaub. Vom ersten Espresso bis zum letzten! Eine tolle Zeit in einer wunderschönen und vielfältigen Umgebung.



Früh in Berlin ins Flugzeug gestiegen, lande ich auch früh am Tag auf dem Flughafen Milano Malpensa, Terminal 2 und darf schon, auf dem Weg zum Terminal 1, unserem Treffpunkt, Kunst betrachten. Die Italiener haben ein Händchen dafür einen willkommen zu heißen! Ich tue das, was ich am Besten kann in Italien und bestelle mir ein Cornetto mit Pistaziencreme und natürlich den passenden Caffè dazu. Meine zweite Amtshandlung, Stefanie anzusprechen vom Blog Gipfel-Glück, die offensichtlich mit mir auf den Rest der Teilnehmer wartet – die schon vor mir das Cornetto mit Pistaziencreme geordert hatte.



Isola Bella



Als wir Reisenden komplett sind, stürzten wir uns umgehend in unser Reiseprogramm und fährt uns Pirazzi Autoservi S.R. L. eine knappe Stunde mit dem Kleinbus zum Lago Maggiore. Hier begrüßt uns Silvia Lorenzini, die Tourismusbeauftragte von Distretto Touristico dei Laghi, die uns die kommenden Tage sehr enagiert und professionell als Tourbegleitung für alle unsere Fragen zur Verfügung steht.

Der erste herrliche kitschige Programmpunkt des Tages besteht in einer kurzen Überfahrt ab Stresa zur Isola Bella mit einem der kleinen schnellen Boote. Die größte der drei Borromäischen Inseln im See ist aber nur 320 Meter lang und 180 Meter breit. Carlo III. Borromeo – italienischer Geldadel – ließ hier ab 1632 die Insel planieren und bebauen und schenkte seiner Gemahlin Isabella d’Adda den heute noch stehenden Palazzo mit Gartenanlage, entworfen vom Architekten Angelo Crivelli. Nach Isabella wurde die Insel damals Isola Isabella genannt, heute spricht man nur noch kurz von der Isola Bella.

Dieser Name ist Programm. Wir besuchen den barocken Palazzo der Familie Borromeo und es folgt ein „Wow!”-Moment nach dem anderen. Der Teil des Palazzos, der für die Öffentlichkeit geöffnet ist, denn tatsächlich leben die Borromeos dort immer noch – geöffnete Vorhänge und Fahnen auf Halbmast künden von deren aktueller Anwesenheit – ist voller ursprünglicher Kunst, Fresken, einen riesigen dreidimensional wirkenden Wandteppich (alleine für den lohnt es sich dorthin zu reisen!), Bodenmosaikgemälde und historischen Möbeln aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. So steht hier immer noch das Bett in dem Napoléon Bonaparte mit seiner Frau Joséphine als Gäste des Giberto V. Borromeo auf der Insel genächtigt haben sollen:



Die Aussicht aus den Palazzo-Fenstern auf das Festland ist von jeder Seite aus märchenhaft.





Ach ja, kleiner Hinweis: Das Wappentier der Borromeos ist das Einhorn, es ist überall im Palazzo zu finden – nicht zuletzt im Garten als Standbild im Theater, dem Halbrund der zehn herab gestuften Gartenterrassen. Es ist nur … entschuldigt bitte meine gnadenlose Offenheit, liebe Internet-Gemeinde … so gar nicht rosa.





Wenn eine Familie über Jahrhunderte sehr reich ist, sie mit dem Geld über die vielen vielen Jahre, Zeiten und Moden zeitgenössische Kunst finanziert hat, und somit künstlerische Ideen in ihrer Umsetzung überhaupt erst möglich machten – das hat schon einen ganz besonderen Charme. Reichhaltigkeit. Passt hier gut.



Mein persönliches Highlight der Wandteppich aus Flämen aus dem 16. Jahrhundert. Ein riesiges Wandgebilde gearbeitet aus Seiden- und Goldfäden, das für die damalige Zeit ein Novum in der Bildgestaltung, die Dreidimensionalität in einer Szenerie darstellte, durch eine sehr lebendige Gestaltung des Hintergundes. In dem Gemälde selber sind lauter Fabelwesen in der Natur zu sehen – natürlich auch das Borromäische Einhorn!



Dann im Kellergewölbe des Palazzos ein architektonisches Highlight, das man nicht oft sieht: Sechs unterirdische Säle als künstliche Grotten aus Tuffstein gestaltet führen weitläufig und heute noch faszinierend modern wirkend durch ihre farbliche Gestaltung in schwarz und weiß in den Garten. Sie dienen auch heute noch ihrem damaligen Zweck: etwas Kühle zu finden in der heißen Sommerzeit.



Leider ist uns nur ein viel zu kurzer Besuch in dem wunderschönen barock angelegten Garten, der zum Palazzo gehört, gegönnt. Da weint das Herz der Laien-Gärtnerin in mir: Blühender Oleander, Magnolien, Zitronenbäume mit Früchten und neuer Blüte, dieser Duft – so muss Italien eben riechen! Und: seltene weiße Pfauen, die gemütlich faul den Garten und das Wetter genießen, die man angeblich nur hier findet.



Das Ticket inklusive Übersetzung zu den drei Borromäischen Inseln im Lago Maggiore kostet 17,— Euro/Person. Ein Besuch ist von Ende März bis Ende Oktober jeweils von 9:00-17:30 Uhr täglich möglich. Mehr Informationen über das Portal zur Insel.



Eilig müssen wir durch die kleinen Gassen des unmittelbar an den Palazoo grenzenden kleines Dorfes mit den vielen kleinen hübschen Geschäften zu unserem ersten kulinarischen Event. Unser Mittagstisch wartet bereits mit einem Prosecco zur Begrüßung in der Ristolounge Elvezia.



Hier werden uns typische – und sehr fantastische – Antipasti serviert, eine geschmackvoller als die andere. Der kühle weiße Wein tut herrlich gut, der Service ist wahnsinnig charmant – dazu die Kulisse der Bella Isola – unterhalb unserer Restaurantterrasse treiben die Touristen entlang der kleinen Stände der Souvenir-Händler. Alles ist lebhaft, italienisch, traumhaft, lecker, romantisch … nur unser Aufenthalt viel zu kurz!



Ein Hauptgang ist uns noch gegönnt, ich wähle aus der Karte der Vorspeisen „Tavolozza del pescatore”, die – da ist der Name aber so etwas von Programm – Fischerpalette. Wie gemalt serviert man mir marinierte Renke, ein Forellen-Tatar mit ebensolchem Kaviar, Zitronen-Maynonnaise und Flussgarnelen und einen Barsch-Salat mit Fenchel und Orange. Wunderschön, wie gemalt auf dem Teller. Die Fraktion der Pasta-Liebhaber wählt „Raviolini alle melanzane e scarmorza affumicita” – Ravioli mit Aubergine und geräuchertem Scarmozakäse, Paprikatropfen und Poleiminzöl. Die Karte des Elevzia bietet auch vegetarische Gerichte an. Das Essen ist so gut, wie es aussieht. Und ich bin froh, dass ich die Speisekarte fotografiert habe, denn Bandnudeln mit einem Pesto aus Seesardinen, Haselnüssen und Petersilie zum Nachkochen – hätte ich vermutlich schon wieder vergessen.

Dann müssen wir schon wieder zurück auf das Boot. Gischt. Seeluft. Dieselduft, hinter uns eine wunderschöne Insel, vor uns die wundervolle Bergkulisse des Mottarone – ein einziger Urlaubstraum, den wir hier für einen kurzen Moment leben dürfen. Auf alle Fälle, wenn Ihr einmal zum Lago Maggiore reist und der Bella Isola Eure Anwesenheit gönnt, was Ihr zwingend tun solltet, reserviert Euch unbedingt einen Tisch im Elvezia. Man sollte hier wirklich gegessen haben, es ist so ein Genuss! Oder noch besser: Bucht im dazugehörigen Boutique Hotel Elvezia gleich die Übernachtung dazu! Ich denke eine Nacht wie Napoléon auf der Isola Bella schlafen, die darf man sich ruhig gönnen. Also … sich hier für einen runden Geburtstag einquartieren oder für eine kleinere Hochzeitsgesellschaft – da kann man nichts falsch machen.

Mottarone

Wir indes, noch voll mit diesen schönen Eindrücken, steigen nach kurzem Fußweg in die Gondelbahn, die uns von Stresa auf den Berg Mottarone in 1492 Meter Höhe nach Alpino transportiert. Dort wartet schon unser Guide silvio Musso (Borromeo MTB Guide) auf uns vom Mottarone Trail Park und ordnet uns der Größe nach die bereits auf uns wartenden Bianchi (!) E-Bikes zu. Es gilt (m)eine erste echte Mountain Bike-Tour über Stock und Stein, hoch und runter zu absolvieren. Die ca. zweistündige Tour führte uns durch den Nationalpark Mottarone. Hier wird im Winter natürlich Ski gefahren.



Wir düsen radelnd zur „Bar Stazione”, einer modernen kleinen Ausflugsbar, die ihren Namen trägt, weil sie in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Bahnhofes liegt. Die Schienen, die einmal zu ihr führten, liegen längst nicht mehr. Aber direkt nebenan wurde kürzlich erst der Mottari Abenteuerpark eröffnet, wo Familien sich auf unterschiedlich anspruchsvolle Weise hoch oder noch höher in der Luft durch die Bäume bewegen können. Je nach Alter, Anspruch und Mut. Dieser Park wurde übrigens unter ökologischen Bedingungen gebaut und wird auch so betrieben.

Wir klettern nicht, wir fahren weiter entspannt durch die schöne Waldgegend, nun auch mehr bergab. Holla die Waldfee sind E-Bikes schnell! Ich habe dann bei 45 km/h laut Tacho ab und zu abgeregelt – Spaß hin, Vernunft her! Hier in der eher platten Stadt würde ich sie immer noch für mich ablehnen – aber dort in den Bergen wäre es für mich durchaus ein „must have” – so dermaßen viel Spaß, den die dort bringen! Unsere Guides sind übrigens die Strecken mit uns mit normalen Mountain Bikes gefahren. Sie hatten nicht mal Schweißperlen auf der Stirn. E-Bikes mit (immer sinnvoller) Guide-Führung sind zu buchen über die Homepage Mottarone Trail Park. Es sollte übrigens nicht unsere letzte E-Bike-Tour in diesen Tagen sein.

Stresa ****Hotel La Palma



Die Gondelbahn trägt uns wieder mit der fantastischen Aussicht elegant auf den – und hinunter zum – Lago Maggiore, wo wir einen kleinen Spaziergang entlang des Wassers durch Stresa machen. Wer den Berg noch nicht verlassen möchte, könnte hier oben auch den Botanischen Garten besuchen. (Mein kleines Gärtner-Laien-Herz weinte natürlich wieder.)



Nächster Stopp für uns: Die Terrasse im ****Hotel La Palma in Stresa.



Hier erwartet uns zur Belohnung eine Wahnsinnsaussicht über den See, Loungmöbel und -musik und ein Aperitif zum Sonnenuntergang über den Lago Maggiore … und wundervolle Antipasti. Es ist ein perfekter Moment dort!

Baveno ****Hotel Rosa



Da wir ja erst zwei Mal gegessen haben, geht es nun in unser beschauliches Hotel Rosa nach Baveno zum … Abendessen! Das Hotel liegt für mich als Bahnfan idyllisch am Bahnhof und ich kann von meinem Fenster aus die Züge ankommen und abfahren sehen. (Sehen, nicht hören!) Also links von meinem kleinen Balkon italienische Bahnkultur und rechts hinten glitzert der See. Im Hotel gibt es einen kleinen SPA-Bereich.

Der Name des Hotels ist wohl dem rosafarbigen Granit geschuldet, für den Baveno weltweit bekannt ist. Oder Mount Rosa, der als zweithöchster Berg dieser Alpenregion hier dominiert. Oder, zu simpel, der Tatsache, dass es der Familienname der Eigentümer ist. Wir können es uns aussuchen.

Nach dem sehr frühen Aufstehen für die Anreise und dem umfangreichen Tagesprogramm, das uns bereits am ersten Tag intensiv in die Historie, Kultur, Küche und Sportwelt rund um den Lago Maggiore entführt hat, werden wir nach dem reichhaltigen Abendessen mit süß-sauren Sardinen, Risotto mit Chicorée und Barsch, Lachsfilet und Gemüse und Tiramisu, alle nicht mehr sehr alt.



Denn es gilt am nächsten Tag: Der Berg ruft!

2019-08-19

Berliner Einkaufstipps

Es ist heutzutage üblich über den stationären Einzelhandel zu meckern. Angeblich ist es toller, klüger, wirtschaftlicher, ökologischer und mit viel mehr Breite sortierter im Internet einzukaufen.

Das glaube ich nicht. Alles hat Vor- und Nachteile. Und gerade den Leuten, die mir mit der absoluten Vielfalt des Internets kommen, den sage ich gerne, dass sie mit ihrer Abkehr vom Einzelhandel dessen Diversifikation offensiv mitgestaltet haben. Wo weniger eingekauft wird, kann Verschiedenartigkeit nicht mehr finanziert werden.

Die Nase sitzt mitten im Gesicht, die eigene, anfassen, Bitte!

Ich gehe gerne einkaufen. Es ist nicht nur der Kontakt zu den Menschen und ihrem Wissen, das durchaus sehr profund immer noch ist. Man muss halt einkaufen gehen wollen ohne den Selbstzweck sich über den „nur” Fachverkäufer mit dem eigenen Intellekt stellen zu müssen. Dann kann der persönliche Einkauf ein sehr zufrieden stellendes, fast glücklich machendes Erlebnis sein.

In Berlin hat das mittlerweile zur Folge, dass nicht nur alteingesessene Läden ihre Pforten schließen müssen, mangels Kundschaft. Hier geht es zur Zeit sogar den Wochenmärkten an den Kragen. Das finde ich wirklich bitter. Wer dort nicht mehr einkauft, vertraut auf die „Regionalität” der Discounter. Das ist ungefähr so clever wie auf die „Bioqualität” der Äpfel (aus China) der Discounter zu vertrauen.

Neulich war ich wieder auf dem Markt in Charlottenburg am Karl-August-Platz. Dem Markt meines Herzens, weil ich hier als Kind schon immmer mit meiner Mama und Oma einkaufen gegangen bin und am Imbiss Krumme Straße Ecke Goethe Straße am Kindertisch im Kinderstuhl meine klein geschnittene Wiener in Tomatensoße serviert bekam. Meine Sozialisierung zur Currywurst, quasi. Die glücklichen Momente meiner Kindheit. Ich habe es geliebt.

Ich gehe heute immer noch sehr sehr gerne dort einkaufen, alle Waren sind definitiv deutlich teurer als z. B. auf dem Wochenmarkt am Maybachufer, wo ich mittlerweile öfter enttäuscht über die eingekauften Lebensmittel als beglückt bin. Wenn man da überhaupt noch Lebensmittel erhält, den zunehmend wird dieser Wochenmarkt zu einem touristischen Schmuck- und Designmarkt. Die Produkte, die indes auf dem Wochenmarkt im Pestalozzi-Kiez angeboten sind, sind von wirklich hoher Qualität und meist regionaler Herkung, die Verkäufer sind allermeist sehr charmant. Ich finde in keinem der Wochenmärkte den typischen Berliner-Flair mehr wie hier.

Erst vor zwei Wochen bin ich dort am Mittwoch gewesen (dieser Markt findet Mittwochs und Samstags statt), habe an einem Stand Kartoffeln gekauft und bin von einem sehr jungen Mann mit fröhlichen Sprüchen und ziemlich smarten Lebensweisheiten unterhalten worden. Der Art, die schönen Dinge in den einfachen Dingen zu sehen. Das war wundervoll!

Skaravelis Olivenöl und Oliven



Kommen wir zu den Einkaufstipps – auf diesem Karl-August-Platz-Markt am Mittwoch, wie auch am Winterfeldplatz am Samstag, hat Carmen Skarvelis ihren Stand mit Produkten rund um die Olive. Manolis und Carmen Skarvelis besitzen in Mani, im Süden auf der griechischen Halbinsel Peleponnes ihre Olivenbaumplantage, die sie nach bewusst ökologischen Maßstäben betreiben. Also ohne chemische Dünger, keine Bewässerung. Die Ernte der Oliven der Sorte Koroneiki geschieht möglichst früh, um die guten Wirkstoffe (Vitamin E, ungesättigte Fettsäuren, Polyphenole) im Öl in hoher Menge zu erhalten. Aus den Koroneiki Oliven produziert man von einem Baum lediglich 1-3 Liter des grünen Olivenöls. Aus Olivenbäumen anderer Olivensorten lassen sich bis zu 10 Liter erzielen. Die Intensität des Olivenöls der Skarvelis liegt auf der Hand.

Das Öl ist kalt extrahiert ohne Filterung abgefüllt.

Wir haben in Berlin einige Händler, die sehr gute Olivenöle anbieten – ob nun aus Griechenland, Italien oder Spanien. Aber das Olivenöl von den Skarvelis ist für meinen Geschmack das beste, feinste und geschmacklich mehr als überzeugende Öl zu dieser Zeit in dieser Stadt! Die Skarvelis liefern auf ihrer Homepage das Argument für ihr Olivenöl transparent in der aktuellen Olivenöl-Analyse.

Ich kaufe dort sehr gerne ein. Wenn ich eines auf meinen Reisen nach Apulien gelernt habe, dann dass ein sehr gutes Olivenöl nicht für weniger als zehn Euro für eine 750 ml-Flasche zu haben ist. Das geht nicht, dann ist es höchstsicher gepanscht. Gutes reines Olivenöl mit gutem Ertrag zu produzieren, das dauert Jahre, die Bäume wachsen nicht schnell. Baumschnitt, die Ernte sind harte, sehr intensive Arbeit. Bei den Skarevelis kostet der 5 Liter-Kanister 79,— Euro, 500 ml in der Flasche 15,50 Euro und 750 ml 17,50 Euro. Dieses Öl ist jeden Cent wert!

Und wenn man schon am Stand ist, sollte man auch immer von den grünen Koroneiki Oliven mitnehmen. Sie schmeckt intensiv zitronig. Oder der Kalamata (Leseempfehlung!). Es ist eine besondere Freude, wenn Carmen mit ihrer freundlich und fröhlichen Persönlichkeit die abgewogenen Olivensorten mit dem hauseigenen Olivenöl auffüllt. Mittlerweile kaufe ich meine Oliven nur noch dort. Leider haben die Skarvelis (noch?) keinen Online-Shop – aber sie antworten auf Mails sehr schnell.

Shiina übrigens liebt die Koroneiki, also mit lieben meine ich, sie spielt nicht nur begeistert mit der Olive, sie frisst sie auch. Mehr Qualitätsprädikat geht wohl nicht.

Terra Verde – Sizilianische Spezialitäten in Bio-Qualität



Meine neu gewonnene Leidenschaft zum Wandern (neudeutsch Trekking) lässt mich gerade nach günstigen Möglichkeiten suchen, Kleidung zu finden, die mich auch unbekümmert im kommenden Herbst bei Regen den Weg ins Draußen machen lassen. Bei einer Sportbekleidungskette erzählt die Homepage von einem Regenjacken-Angebot, das es, in meiner Größe, in einer Filiale in Steglitz nur noch geben sollte. Also habe ich mich gestern aufgemacht, wieder einmal den Süden Berlins zu erobern. Ab in die Schlossstraße, die auf ihrer Länge mit Hauptstraße über die Rheinstraße schon ein besonderes Flair im Berliner Kommerzgeschehen offeriert. Ich war hier lange nicht mehr unterwegs, kenne die Gegend aber noch sehr gut, weil dort meine Ausbildungsstätte lag. Aus der Zeit weiß ich noch, dass für die Menschen aus Lichterfelde oder Steglitz zum Kurfürstendamm (die U-Bahnlinie bringt einen dort ratzfatz hin) fahren, gleichbedeutend war mit „in die Stadt fahren.” Ich vermute, es gibt immer noch Menschen in Lichterfelde, die keinen Fuß in den Ostteil der Stadt setzen. Nicht wegen der Ablehnung, sondern weil der eigene Kiez Zenith genug ist für sie.

Nun denn, ich machte mich gestern auf den Weg, erst per Bus, dann mit der S-Bahn. Darf auch mal sein. Ich hatte so eine unbestimmte Idee an welchem S-Bahnhof von den drei möglichen Stationen im Bezirk ich aussteigen wollte, entschied mich für den in der Mitte, Feuerbachstraße, nahm aber einen (Friedenau) zu früh. Was kein besonderes Ärgernis für mich ist, weil ich generell gerne laufe und hier lief ich halt durch den schönen Altbaubestand von Friedenau, was immer ein besonderes Vergnügen ist.

Interessanterweise ist mir dabei aufgefallen, haben sich dort in den ehemaligen italienischen Restaurants nun verstärkt indische Köche breit gemacht. In deutlich kleineren Läden als dieser Massentourismus-Indien-Food von Amri & Co. Nun denn, da kann man sicher noch die eine oder andere Entdeckung machen.

Mein verkehrter Ausstieg führte in der Rheinstraße 18 an einem sehr kleinen italienischen Laden vorbei, der alles an Lebensmitteln – also vor allem auch Gemüse und Obst – feil bietet, was mein Herz gerne begehrt und man genau nicht überall bekommt. Die milden weißen Zwiebeln für Antipasti (hier so ein Züchtung zwischen Borettana und Allium Cepa), unbehandelte Zwiebeln aus Sizilien – fielen mir sofort ins Auge.

Terra Verde – Landkost aus Sizilien nennt sich dieser hübsche Laden von Nicolo Sparacino und Michele Ferraro in dem es alles gibt, was so ein italienisch infiziertes Herz begehrt. Der kleine Imbiss offeriert Antipasti, kleine warme Gerichte (Mittagstisch) und natürlich Caffè. In der Kühltheke liegen frische Pasta und Käse aus Sizilien, in den Regalen Weine und sonstige italienische Spirituosen, vorgebackene (abgepackte) Cannolli und das Olivenöl des Hause gibt es frisch abgefüllt vom Faß. Das Olivenöl schmeckt auch wirklich sehr fein, ich habe es getestet.

Und – da schlug mein Herz ganz wild – in dem Gemüsefach unter dem Regal gab es sogar die Cocomero pugliese – die wundervolle Gurkenmelone!

Der Laden gehört zur BioFruit Trading, einem in Deutschland (Berlin) ansässigen Unternehmen, das auf Sizilien 100%ig biologisch produziert, vor allem Zitrusfrüchte. Die Ware wird frisch geerntet ohne Zwischenhändler direkt an den Handel ausgeliefert. Ich mochte es dort sehr und kaufte Zitronen, Zwiebeln natürlich die Cocomero – und war sehr happy mit meiner neuen Entdeckung!

Man braucht etwas Zeit, um sich dort in der typisch italienisch präsentierten Vielfalt auf kleinstem Raum zurechtzufinden. Deswegen trinkt man dort ja auch einen Espresso … oder zwei. Dort war ich bestimmt nicht zum letzten Mal. Nee, ganz sicher nicht!

2019-08-18

Was für ein Text … über Depression!

„Das Ermüdende an der Depression ist, dass sie immer noch und immer wieder da ist, auch wenn sie weg ist. Was ich damit meine: Nachdem ich mein Leben mithilfe der Verhaltenstherapie geflickt, gepflastert und repariert hatte, war dieses Leben wirklich sehr viel besser, und ich war in diesem Leben sehr viel zufriedener.

Aber die Depression lächelte im Hintergrund und sagte: Schön, jetzt bist du ein Depressiver mit einem reparierten Leben. Aber denk nicht, dass du mich los bist.”


Von Till Raether „Depressiv oder „nur" unzufrieden?” in der Brigitte

Ich finde den Text gut, weil er hier eine Form der Depression beschreibt, die Dysthymie, die ein Leben lang begleitet. Chronisch. Sie charakterisiert Menschen, die ein Leben lang versuchen, souverän und mit Leichtigkeit ihr Leben zu beschreiten, wie es in der Gesellschaft vorgelebt wird. Sie selber das Leben aber eher in Grautönen sehen, denen das Glas einfach nie „halb voll” erscheint. Das impliziert ein ständiges Gefühl, nie gut genug zu sein. Und das ist sehr sehr anstrengend.

Dysthmie kann – das macht dieser Artikel sehr deutlich – auch in Menschen innewohnen, die gesellschaftlich das Prädikat erfolgreich bekommen würden. Menschen, die vielleicht gut situiert leben dürfen, beruflich großartige Dinge leisten, gesunde und wundervolle Kinder großgezogen haben – all das, woran in dieser Gesellschaft gemessen wird, dass man gefälligst glücklich zu sein hat. Also Menschen, denen man die Depression eher nicht ansieht. Die – wie sie im Text genannt werden – Hochfunktionalen.

Fatal.

Für diese Menschen ist dieses Glück aber immer nur halb, wenn nicht noch weniger. Denn ihnen sitzen immer Gewichte auf der Schulter, die deren Handeln um ein Vielfaches schwerer erleben lassen, die Anschubenergie zum täglichen Tun – über die andere Menschen nicht einmal nachdenken – muss täglich neu verhandelt werden. Die Freude, der Genuss, den Menschen aus ihrem Leben ziehen dürfen, wird nicht empfunden, weil deren Ursachen für Patienten mit Dysthymie im Vorfeld immer nur mit unsäglichem Kampf vorab erzielt werden können. Es ermüdet sehr.

Man hangelt sich von einem hellen Moment zum nächsten, nur sie sind nie so selbstverständlich wie für andere. Man dreht ständig im Hamsterrad, um die Sonne zu sehen – während andere einfach entspannt nebenan in der Hängematte längst in der Sonne liegen.

Zwischen – und übrigens auch während – dieser dunklen Phasen können diese Menschen sehr leistungsfähig sein, fröhlich, lustig, ungemein selbstsicher wirken. Bis zum nächsten Schub. Und das ist der Punkt, therapeutisch kann man diesen Patienten Hilfsmittel, Medikamente und Therapien, an die Hand geben. Und dennoch: die Krankheit bleibt. Sie ist ein Teil von einem selbst. Man kann mit diesen Instrumentarien und dem frühzeitigen Erkennen der tieferen dunklen Perioden besser Fürsorge vorsorglich für sich betreiben.

Nur endgültig und für immer verschwinden, das wird die Dysthymie einfach nicht. Der Schein ist nicht immer das Sein.

2019-08-15

Der Mensch ist so dumm!

Im vergangenen Jahr haben wir Nachbarn, die wir gerne auf dem Hof wegen Kinder oder Tiere beisammen stehen und Kontakte untereinander pflegen, die Idee geboren, dass es schön wäre wenn wir auch in unserem Bereich der Wohnbautengenossenschaft einen anständigen Kinderspielplatz hätten, einen für etwas größere Kinder.

Vorteile einer Wohnbautengenossenschaft sind definitiv, dass die Geschäftsleitung solchen Anregungen erst einmal generell positiv gegenüber steht – man spricht miteinander. So gab es eine Begehung mit einem der Geschäftsführer (übrigens bei uns eine Geschäftsführerin und ein Geschäftsführer – es geht also, wenn man nur will), wir trugen unsere Ideen vor und im Grunde gab es damals schon das Okay! Das war im Frühsommer. Im Spätsommer begannen die ersten Baumaßnahmen, die sich allerdings hinsichtlich der Fertigstellung bis in dieses Jahr hinzogen, weil die Spielgeräte nicht so schnell lieferbar waren. Aber die notwendigen Geländearbeiten, Zaunerweiterung, Umbaumaßnahmen hinsichtlich der Feuerwehrzufahrt – das alles war geregelt.

Da wir den Spielplatz als offene Begegnungsstätte haben wollten, blieben die Türen im erweiterten Zaun ohne Schloss. Das war der Wunsch von uns Nachbarn, wir wollten mehr Interaktion hier mit anderen Nachbarn im Umfeld. Seitens der Geschäftsführung gab es ein „wir gucken uns das an”-Credo. Die Türen selbst waren notwendig, damit Kinder nicht auf die Straße laufen konnten – das impliziert die Notwendigkeit, dass man die Türen schließt. Wenn man kommt und wenn man geht.

Der Spielplatz wurde von Eltern und Kindern, die bei uns nicht wohnen, eingeweiht als dann die Geräte geliefert und installiert waren, da waren die „Hier bitte noch nicht spielen!”-Bänder der Gartenbaufirma, die natürlich auch Spielrasen aufgebracht hatte, der anständig anwachsen können sollte, noch gar nicht entfernt.

Es gibt für die Nutzung des Spielplatzes einige Regeln, die natürlich mit einem Schild kommuniziert werden; so gilt es die Mittagsruhe einzuhalten (die bei uns, Genossenschaft, im Mietvertrag für das Wochenende klar geregelt ist) und das Ballspielen ist generell verboten. Unsere Häuser sind nachträglich außen wärmegedämmt, solche Fassaden sind so stabil halt nicht. Und die Wohngenossenschaft möchte halt die Fassaden noch eine Weile nicht gleich wieder neu streichen müssen. Und die besondere Lärmkulisse, kaputte Fenster etc., wollte die Geschäftsführung von vorne herein nicht.

Der Spielplatz ist in einem Bereich der Anlage, die nach hinten hier (wo z. B. mein Schlafzimmerfenster liegt) eine Grünanlage ist, die ganz klar nicht mehr Spielbereich ist. Dort steht ein Baum, der wachsen soll, damit wir Mieter über die nächsten Jahre, mit etwas Glück, irgendwann einen Sicht- und Klimaschutz haben. Dieser Baum ist leider so gewachsen, dass man prima in ihm herum klettern kann. Dieser Baum hat an seinem unteren Stamm und den prima zu bekletternden Ästen bereits massive Schäden, weil leider schon immer ständig in ihm herum geklettert wird.

Lange Rede: ich mag Kinder, ich habe als eine der kinderlosen Mieter für den Spielplatz plädiert aber ich will, dass dieser Baum leben darf – länger leben darf. Und so habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, wann immer ich es mitbekomme, die Kinder und deren daneben stehenden Eltern höflich zu bitten, das Kind wieder aus dem Baum zu holen. An manchen Wochenendetagen machste das schon mal fünf Mal. Und das nervt, zumal sich einige Eltern bemüßigt sehen mit mir (oder Nachbarn) zu diskutieren, wenn wir Mieter uns erdreisten deren Königskinder halt nicht den besonderen Baumspaß zu gönnen. Die kapieren das auch nicht, wenn man ihnen sachlich den Hintergrund erklärt, dass es einfach uncool ist, wenn jedes zweite Kind in diesem Baum herum klettert. Es ist ihnen sch…egal. Zumal: sie zahlen auch nicht für die Grünanlagenpflege, so wie wir direkten Anwohner.

Der Spielplatz ist ein voller Erfolg, denn es kommen sehr viele Eltern mit ihren Kindern, die gar nicht Mieter bei uns sind. Einerseits sind das die Eltern mit ihren Kindern, die Beschäftigte der chinesischen Botschaft sind, die mehrere Hausstränge der Wohnanlage über die Straße gegenüber für ihre Bedienstete komplett angemietet hat. Andererseits sind das die Eltern der umliegenden Eigentumsbauten, die hier in den letzten Jahren hoch gezogen worden sind, die sich schön hinter dichten weißen Eisenzäunen isolieren und nicht im Traum daran dächten, auch uns andere anwohnenden Nachbarn ihre schönen – teilweise mit Springbrunnen – ausgestatteten floralen Gärten besuchen zu lassen. (Interessanterweise sind das teilweise auch die Nachbarn, die dann ihre Hunde in unsere (noch) offen Grünanlage scheißen lassen ohne den Mist mitzunehmen.) Und an sich sind sie uns alle willkommen.

Der Spielplatz ist so dermaßen ein voller Erfolg, dass wir Mieter hier nicht mehr hinterher kommen. Wir kommen nicht mehr hinterher den anwesenden Eltern mit ihren Kindern zu erläutern, dass man die Türen immer zu schließen hat, damit die kleinen Kinder nicht auf die Straße laufen. (Eigentlich eine Schutzmaßnahme, die deren eigenen Kindern zugute käme.) Wir kommen nicht hinterher, den Eltern zu erklären, dass unsere Grünanlage keine öffentliche Grünanlage ist, wo man sich wie im Volkspark einfach ins Grün legen kann und danach seinen Müll liegen lässt. Wir müssen da sehr hinterher sein, weil wir ständig die Junkies vom Moritzplatz eben hier rumliegen haben. Wir Anwohner, die wir das selber sehr sehr selten tun, bei einem Kindergeburtstag z. B., erbitten immer vorher explizit um die Erlaubnis bei der Genossenschaft.

Wir kommen nicht hinterher, die Eltern zu bitten, dass sie nicht in der Grünanlage mit teilweise harten Bällen Fußball mit ihren Kindern spielen – was man sich da teilweise gerade von vermeintlich eloquenten gut situierten Papis anhören muss, ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Funfact: Wenn es im Kiez etwas wirklich häufig gibt, dann sind das Bolzplätze.

Wir kommen nicht hinterher, Eltern darauf hinzuweisen, dass nicht alle Nachbarn vor deren Fenster der Spielplatz liegt supi begeistert sind von andauerndem Kinderlärm – und es einfach klar definierte Zeiten gibt, wo Ruhe herrschen darf und soll – weil man auch diesen Nachbarn diese Ruhe ab und zu gönnen darf.

Wir kommen nicht hinterher Eltern darauf hinzuweisen, dass man Müll wieder mitnehmen kann – wenn der Mülleimer voll ist – und man überhaupt Müll nicht einfach hinschmeißt und liegen lässt, sondern in den Mülleimer tun kann (solange dieser eben nicht voll ist.)

Mittlerweile müssen sich Eltern – also Mieter unserer Wohnanlage – richtig blöde anpampen lassen von Eltern, die eindeutig nicht in unserer Anlage wohnen (man kennt sich halt dann doch mit der Zeit), wenn sie diese darum bitten, dass ihre Kinder auch mal mit dem Karussell fahren möchten oder darauf hinweisen, dass man die um den Spielplatz neu angelegte Grünanlage gar nicht von deren Kindern zerstört sehen will. Oder Mieter werden angepflaumt, wenn sie Abends nach acht Uhr dann doch um etwas Ruhe bitten. (Und ich kann die verstehen, selbst ich kann jetzt im Sommer – obwohl meine Wohnung am anderen Ende liegt – nicht mehr telefonieren bei offenem Fenster.)

Also dieses Gespür, dass der Spielplatz gar kein so öffentlicher Spielplatz ist, wie von manchen Eltern hingenommen, ein Gespür sich wie Gäste zu benehmen, die diese Eltern mit ihren Kindern nun mal hier sind – die auch wirklich als solche am Anfang herzlich willkommen waren, lassen leider erstaunlich viele Eltern wirklich missen. In einer Art und Weise, die uns Mieter hier seit Wochen nur noch fragend zurück lässt.

Heute kam dann das Anschreiben der Genossenschaft. Die Türe bekommen Schlösser Anfang des kommenden Monats aus genau den oben genannten Gründen, dem Spielplatz wird sein halböffentlicher Status in Gänze entzogen. Einfach weil anwohnende Nachbarn keine Lust haben auf die hier wohnenden Nachbarn und deren Eigentum (Genossenschaft = Anteilseigner) Rücksicht zu nehmen – und sich nicht benehmen möchten.

Und nun frage ich mich, seit ich heute den Brief aus dem Kasten entnommen habe, wie blöd kann man sein?

2019-08-12

10 Regenwürmer 1 Euro

Habe heute im Angelgeschäft 80 Regenwürmer eingekauft. Eine Dose mit 40 Regenwürmern für 4 Euro.

Die Jungs ackern sich jetzt durch meinen Vorgarten – und haben hoffentlich ihren Spaß an der neu gewonnen Freiheit. Und eben gab es noch mal künstlichen Regen. So wie der Typ im Angelgeschäft seinen Spaß an mir hatte. „Man muss auch mal was Gutes tun.”

2019-07-31

Worte für Sophie

… von Kaltmamsell. Elemente einer Tragödie.

2019-07-29

Schneller Aprikosenkuchen in … na, sagen wir 20 Minuten!



Ich habe am Wochenende diesen Aprikosenkuchen gebacken. Den kann man unfassbar schnell auf den Tisch bringen!

Die Zutaten sind schnell zusammen gestellt und abgewogen, die längste Zeit geht wohl auf das Aprikosenentkernen ins Land. Backzeit sind lediglich lässige 15 Minuten! Und da er in der Auflaufform gebacken werden kann, ist dieses Kuchenrezept der praktische Begleiter für jede Ferienwohnung, Wohnwagen oder Hausboot. Hauptsache Ofen! Und die Aprikosen sind natürlich durch fast jedes Obst ersetzbar – nur recht hartes Obst wie Äpfel oder Birnen sollte man vorher leicht anschmoren.


Zutaten

110 g Mehl
150 g Zucker
1 Teelöffel Backpulver
50 g Mandelpulver (gemahlene Mandeln)
2 Eier (lieber größer als klein)
Abrieb einer Zitrone

ca. 20 Aprikosen (in meine kleine Ries-Auflaufform passten 12 Aprikosen, ich würde beim nächsten Mal ein paar mehr Früchte etwas enger legen.)

1-2 Esslöffel Mandelblättchen
2 Esslöffel Puderzucker

50 g Butter (schmelzen)
etwas Butter für die Form zum Ausfetten



Zubereitung

Die Aprikosen entkernen und in Hälften schneiden. Die Schale der Zitrone abreiben. Die Form ausfetten. Die Butter kann bei kleiner Temperatur auf dem Herd schmelzen. Den Ofen auf 200 Grad vorheizen.

Mehl, Mandelpulver, Backpulver vermischen.

Den Zucker mit den Eiern schön weiß und luftig aufschlagen, den Abrieb der Zitrone hinzugeben und dann die Mehl-Backpulver-Mandelmischung unterrühren.

Den Teig in die gefettet Form gießen, darin die Aprikosenhälten anrichten – und die gesamte Oberfläche mit der geschmolzenen Butter vorsichtig einpinseln bzw. die Butter darüber gießen. Die Mandelblättchen darüber streuen.

In den Ofen auf die mittlere Schiene (falls Dreisatzofen eher im unteren Bereich) schieben und bei 200 Grad Ober- u. Unterhitze 15 Minuten backen. Entweder im Ofen nach zehn Minuten Backzeit mit Puderzucker bestreuen, weiterbacken und ganz Ende den Kuchen noch einmal für nicht mehr als eine Minute unter den Grill karamellisieren. Oder man lässt ihn kurz abkühlen und stäubt den Puderzucker erst vor dem Servieren darüber. (Aber die mit Puderzucker leicht krossen Mandeln sind schon das berühmte Tüpfelchen …)