2021-05-01

Geimpft!

Vergangenen Montag habe ich die erste Impfung gegen Covid-19 und seine vielfältigen Mutationen bekommen. Geimpft worden bin ich mit Moderna, einem der RNA-Impfstoffe, hier den aus den USA. Auf der Forschungsgrundlage für hoffentlich künftige anwendbare Impfstoffe gegen Krebserkrankungen.

Mir ging das die letzten Wochen nach den mehrfachen Absagen über die Therapiemaßnahme wegen dem AstraZeneca-Aussetzens und unwürdigem Hickhack bei der Hausarztpraxis mental richtig schlecht. Covid-Koller. Aber warum auch nicht? Ich habe die letzten Monate erstaunlich gut ausgehalten und überstanden und irgendwann sind dann die Batterien einfach leer. Ihr kennt das. Ich bin mir sehr sicher, wir erleben das gemeinsam.

Wenigstens hatte ich jenseits des Therapieangebotes als mir der Code zugeschickt worden war, mir trotzdem einen Termin in einem Impfzentrum gemacht. Eine gute Entscheidung, das verantwortliche Impfzentrum hat nämlich bis heute diese Patienten im Stich gelassen, sich nicht mehr gemeldet.

Immer wieder hatte ich auch online geguckt, ob sich dort in der Terminsituation vielleicht etwas ändert. Denn spätestens als die Hausärzte anfingen zu impfen und AstraZeneca frei gegeben wurde für Menschen ab 60 in Berlin (auch ohne Impfeinladung), war klar, dass auch Termine in den Impfzentrum abgesagt wurden. Mitte letzter Woche standen plötzlich ganz viele Impftermine bei einem der Impfzentren online, das zwischenzeitlich nicht mehr geimpft hatte, nun aber durchgehend und viele Impfungen mit COVID-19 Vaccine Moderna anbieten konnte. So konnte ich meinen Impftermin von Ende Mai auf den zehnten Mai vorverlegen. (Und mir liebe Menschen im Umfeld ihre Termine auch nach vorne schieben.) Das war schon für uns ein kleines Wunder und eine riesige Erleichterung.

Wie schon früher geschrieben, ich gehöre zu den Menschen, die sich auf dieImpfung irrsinnig gefreut haben. Ich kann verstehen, dass man ein Risiko fürchtet, das tue ich auch. Aber für mich ist das Risiko an diesem Mist zu erkranken um ein Vielfaches größer. Und ich entstamme einer Generation, die Kinderkrankheiten noch bekommen musste, mit Leid sie durchlebt habe und mit Glück sie überlebt habe, die heute kein Kind mehr durchleben muss – ich halte Impfungen absolut hoch und in Ehren!

Am Sonntag dann die Nachricht über Twitter, dass noch einmal ganz viele Impftermine für Prio 2-Menschen ab sofort neu freigegeben wurden, also hing ich mich noch einmal in die Leitung – und bekam meinen Termin auf den direkt folgenden Montag um 11:15 Uhr verlegt. Von hier auf jetzt plötzlich nicht einmal mehr 24 Stunden bis zum ersten Pieks. Was für eine Freude! Wie sehr das sofort die Stimmung erhellte und mir die Energie zurück brachte!

Und was für ein Erwachen am Montag! Freudig bin ich morgens noch zum Sport, kaufte eine Tüte Obst für die Impfer und fuhr mit dem Fahrrad in die Mitte Berlins, wo in einem Eisstadion geimpft wirde, das ich vorher noch nie von innen gesehen habe. Man kommt ziemlich gut rum mit Covid!

Eine sehr gute Organisation, tolle freundliche sehr junge Menschen, die uns gruppenweise durch den einzelnen Warte-, Bürokratie-, und dann Impfbereich führten. 35 Minuten nach meiner Ankunft und ziemlich genau auf den Termin habe ich meine erste Impfung (von einem bildhübschen Arzt) erhalten, nicht einmal den Pieks gespürt, konnte mir die „YESSS!!! Strike!”-Faust nicht verkneifen, habe noch mal 15 Minuten auf den allergischen Schock gewartet, der nicht kam.

What a feeling! Glücksgefühl.

Es fühlt sich so sehr gut an. Obwohl ich natürlich weiß, dass ich jetzt noch gar nicht ernsthaften Impfschutz habe. Aber den ersten Schritt dahin gegangen zu sein, ist so großartig und trägt mich so sehr! Kommenden Montag in einer Woche werde ich schon ca. 50 % Impfschutz haben – was schon super viel ist, das darf man nicht vergessen darüber, nur weil es noch höher gehen kann! Anfang Juni kommt die zweite Injektion, dann werde ich mit Moderna bei über 90 % liegen. Höchstwahrscheinlich. Eine individuelle Schwankung gibt es immer.

Es ist so erleichternd.

Nebenwirkungen? Relativ schnell am Abend natürlich den üblichen Impfarm, denn hatte ich bis Mittwoch. Auszuhalten und nur in der Nacht doof, weil das meine Schlafseite war. War aber auch gut im Griff zu halten mit Coldpacks und (meiner heißgeliebten Fibromyalgieunterstützung) Franzbranntwein-Latschenkiefergel (für € 2,95 bei rossmann die große Tube, die bei den meisten Muskelwehwechen gute Hilfe bietet.) Und ganz ehrlich: wenn wir nicht in letzter Zeit so viel über Impfnebenwirkungen rumpalabern würden und auf solche lauern würden, ich hätte ihn nicht mal erwähnt.

Aber die allerbeste Nebenwirkung bisher für mich? Surprise, surprise! Wenn man darauf achtet und es zulassen möchte, kann es durchaus auch positive Nebenwirkungen geben! Wer hätte das gedacht? Ich habe seit Montag keine Schmerzen des Fibromyalgiesmyptomes mehr gehabt! Und die fürchterliche Muskelsteifheit, die mir diese Krankheit den ganzen Tag lang beschert und auf die ich mental schwerer klarkomme als noch auf die Schmerzen, weil sie egal, was ich sportlich oder therapeutisch tue, nach fünf Minuten wieder durch den Körper kriecht: weg!

Als wäre nie etwas gewesen! Ich fühle mich im Moment wie ein junges Fohlen. Ja, das dürfte so bleiben, das würde mir – neben der Covid-Situation – sehr viele Probleme aus dem Leben geimpft haben.

//Ironie_on
Klar, Moderna ist bekanntermaßen der böse Impfstoff aus den USA. Ich bin jetzt mit seiner Gabe mit Bill Gates-Schaltzentrale direkt vernetzt, in meinen Augen sind nun Kameras implantiert mit dem Zeug mit denen ich jetzt jeden unbewusst ausspioniere und wenn Bill demnächst „Lauf!” ruft, dann werde ich rennen, weil es meine umpgrogrammierte Genetik so will und meine Aura ist fühlbar schon so schlecht, dass der Nachbar nächste Woche in die Reha fahren muss, überhaupt spielen alle Geräte in meiner Umgebung völlig frei und …
//Ironie_off

… und ich bin immer noch so verpeilt (kein Wunder), dass ich mich immer noch wahnsinnig darüber freue von dem Engangement und Fortschritt unserer Wissenschaft, Technik, Medizin, die uns alle in so kurzer Zeit eine große Vielfalt an Impfmöglichkeiten offerieren konnten, profitieren zu dürfen. Es kann also nur besser werden.

Meine große Sorge gilt jetzt den Kindern, die sich das Virus jetzt schon als neuen Wirt ausgesucht hat und die noch nicht gleich alle geimpft werden können wie die Erwachsenen, sobald die Impfstoffe auch für die nicht Priorisierten verfügbar sind. Weswegen ich übrigens mit großer Leidenschaft weiterhin die Schutzmaßnahmen einhalten werde – und auf etwaige Privlegien Geimpfter in nächster Zukunft pfeifen werde. Ich werde mich auch weiterhin einmal in der Woche wenigstens testen lassen.

Vielen Dank allen, die das möglich gemacht haben – mit allen Risiken, die auszuhalten waren! Und allen, die noch keinen Termin haben können, haltet durch! Ich weiß, dass es wahnsinnig schwer ist und Ihr leidet. Und ich nenne das übrigens mitnichten den gerade viel diskutiertenImpfneid, sondern richtige und gesunde Emotion, wenn man gerade damit hadert, dass einige Menschen vor einem selbst den Pieks schon erhalten haben. DAS ist natürlich und gesund. Lasst es bloß raus! Ihr habt das Recht dazu, Euch auch schlecht zu fühlen, wenn andere von Imfpungen erzählen können und ihr noch nicht.

Ich kenne den Schmerz und die Sorge, aber es geht jetzt wirklich mit großen Impfmengen vorwärts und ich bin mir sehr sicher, dass wir im Juni/Juli diesen Jahres über völlig neue Lebensperspektiven in der Pandemie wieder reden können. Dann aber unbedingt mit Masken und Abständen, da wir unsere Jugendlichen und Kinder noch mehr schützen müssen.

Haltet noch etwas durch, bitte – wir sind wirklich den allergrößten Anteil der unheimlichen Pandemiestrecke bereits gegangen!

2021-04-24

Online-Abschiedsevent mit dem Friedrichstadtpalast Berlin

GOODBYE VIVID! Am kommenden Donnerstag, 29.04.2020 habt Ihr ein Date, wenn Ihr möchtet, mit dem Berliner Friedrichstadtpalast.

Viel zu wenige Besucher haben die letzte Show VIVID sehen dürfen, weil sie zwangsweise deutlich früher aus dem Programm genommen werden musste, wegen der Theaterschließungen in der Covid-Pandemie. Nun gibt es an diesem Donnerstag einmalig ein Abschiedsevent an dem jeder von uns teilhaben kann – kostenlos.

Virtueller Einlass ist um 19:15 Uhr, ab 19:30 gibt es die schönsten Songs zu sehen, Euch ein letztes Mal dargebracht von den Solist:innen und der Showband des Friedrichstadtpalastes. Conferencier ist Andreas Bieber, der in seiner Showrolle die digitale Dernière und die Artist:innen servieren hier und dort kleine künstlerische Hors d'Euvre nur für Euch!

Also zieht Euch das schönste Abendkleid an, setzt den Partyhut auf, zieht Euch die roteste Line auf die Lippen, macht Euch schick wie schon seit 14 Monaten nicht mehr, lasst den Champagnerkorken knallen und genießt noch einmal zum Abschied die großartige Show, Tanz, Musik – und DIE Girlreihe. Geht alles aufs Haus! Alle Infos online hier nachzulesen!

Und mit ganz viel Glück startet in diesem Jahr am 7. August die neue Grand Show im Friedrichstadtpalast: ARISE. Mehr dazu auf der Homepage … 

Was Ihr Nicht-Berliner nicht wisst, der Friedrichstadtpalast hatte in der ganzen Zeit seit dem ersten Showdown in der Stadt immer wieder wundervoll plakatiert – immer der Situation angemessen und mit den Plakaten immer ein Stück weit fürsorglich unsere Stimmung gehoben. Dabei ging es dem ganzen Team und Ensemble selbst nicht wirklich gut in der Zeit. Mich hatte das immer getragen, beinahe unbemerkt. Danke dafür, lieber Friedrichstadtpalast!

2021-04-22

Rezension: Kommissar Duval „Lange Schatten über der Côte d'Azur”

Mit „Lange Schatten über der Côte D’Azur” ermittelt Kommissar Léon Duval im achten Kriminalroman der deutschen Schriftstellerin Christine Cazon, der in diesen Tagen neu erschienen ist.

Léon Duval findet sich auf dem großen Friedhof „Le Grand Jas” in Cannes wieder. Der vor einigen Tagen aufgefundene Leichnam liegt längst in der Kühlung und Duval nutzt pragmatisch seine Ermittlungen vor Ort, um gleich ein paar bürokratische Änderungen in eigener Familiensache vorzunehmen.

„Allen Getöteten, allen Überlebenden” – lautet die tiefsinnige Widmung im neuen Krimi von Christine Cazon und sie bekommt im Laufe des Buches eine viel tiefere Bedeutung als man bei der ersten Kenntnisnahme sich vorstellen kann. Duval ermittelt mit seinem Team weit zurück in die dunkle Zeit der Wehrmacht, der französischen Résistance und muss sich im Speziellen mit dem Thema der Kollaboration der französischen Polizei mit den Deutschen im Zweiten Weltkrieg auseinandersetzen.

Der getötete junge Mann, im jüdischen Teil des Friedhofs aufgefunden, war selbst Jude, ein vermeintlicher Kunsträuber – und die Tatsache, dass man ihn auf einem Grab findet, in dem nie jemand bestattet wurde, macht Duval das Ermittlungsleben auch nicht leichter. Während die Untersuchungen wie üblich von oben erschwert werden, weil man das Fass Judendeportation durch die eigenen Kollegen im letzten Jahrhundert nicht gerne aufgemacht sieht, entwickelt sich die Geschichte schlussendlich über die Verbindungen zweier Familien und einen Mordfall später in eine ganz neue Richtung.

Währenddessen hilft Duvals Lebenspartnerin Annie ihm mit eigenen Ermittlungen auf die Sprünge und zwingt ihm mehr Beschäftigung mit seiner jüngsten Tochter im Babyalter ab, als ihm lieb ist.

Soviel zum Inhalt. Ich bin dieses Mal nicht ganz begeistert vom Buch, aus Gründen. Mir ist im Buch zu viel Klischee behandelt, immer nur gestriffen, weil man es halt heute thematisieren sollte. Vorzugsweise passiert es in den Dialogen von Duvals Team. Aber einen echten Mehrwert gibt es in den Streitigkeiten nicht zu erlesen, wenn sich Leroc und Villiers zu den Themen Sexismus, Rassismus oder queeres Leben abarbeiten. Zu bemüht, zu wenig inhaltliche Substanz, die das Bemühen rechtfertigt.

Mein zweite Problem mit dem Krimi: Wer bei diesem Krimi erstmals in die Reihe der Duval-Krimis einsteigt, wird nicht verstehen können, worin der besondere Charme des Hauptprotagonisten Kommissar Duval tatsächlich liegt, dass man ihm eine achte Ausgabe widmen wollte. Man erliest sich das Tagwerk eines grummeligen, übermüdeten Mannes, der mit seiner erneuten Vaterschaft nur hadert und dem übel wird, wenn er auch nur einmal die Windel seiner Tochter wechseln soll (Bitte?!). Der Satz im Vorwort „… Freundin Annie hat Probleme, Kind und Beruf unter einen Hut zu bringen” umschreibt ziemlich klar, welche Einstellung hier gelebt wird – und mich seine Figur dieses Mal sehr ablehnen lässt. Seine Lebensgefährtin hätte diese „Probleme” gar nicht, würde er sich wie ein moderner Vater verhalten und mit seiner Freundin den Alltag gleichberechtigt gestalten. Mein gleichberechtigtes Ich will so etwas nicht mehr lesen müssen. (Jedenfalls nicht in einem Werk, dessen Erstauflage 2021 erschienen ist.) Ach, würde sich Duval doch auch etwas entwicklen und neu gestalten können! Das ist alles nicht neu, noch interessant, noch weltbewegend. Was schade ist, weil man z. B. junge Leser mit dieser Figur kaum noch begeistern können wird.

Sehr gelungen sind die vielen Ausflüge und Beschreibungen des riesengroßen Cimetière Le Grand Jas mit seinen vielen Unterabteilungen und immer einen Blick auf das Meer. Ihm einen Besuch abzustatten bei einem nächsten Besuch in Cannes, ist für mich beschlossene Sache! Ach … und überhaupt … dieses Frankreich! Und ja … die Familiengeschichten dieser besonders schrecklichen Zeit haben es in sich und zeigen, wie sehr das Schweigen der Menschen über die damalige Zeit bis ins Heute noch Schaden anrichten können. So viele offene Fragen!

Schlussendlich legt dieser Kriminalroman den Finger in die sehr große Wunde, die heute (noch oder wieder) all zu gerne in vielen Ländern Europas unter den Tisch gekehrt wird. Oft wurde – zumindest in den Anfängen des Krieges – mit den Deutschen gemeinsame Sache gemacht beim Thema Judenverfolgung. Nicht nur in Italien. Auch in Frankreich.

Und überhaupt, so schön mal wieder in Frankreich gewesen zu sein!

„Lange Schatten der Côte d'Azur
Autorin: Christine Cazon
Verlag: Verlag Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-00116-7

Blog der Autorin Christine Cazon

2021-04-05

Impfiges

Eigentlich hätte ich vorletzten Dienstag geimpft werden sollen. Prio 2 über die Therapiemaßnahme sollte das unkompliziert vor Ort in der Maßnahme von einem mobilen Impfteam an den Angestellten und Klienten vorgenommen werden.

Einen Tag vorher kam die Absage – ohne einen Grund – vom Impfzentrum. Mit gleichzeitiger Verschiebung um eine Woche. (Also auf morgen, Dienstag nach Ostern.) Nun, einen Tag später wussten wir dann auch so warum. Dieses Impfzentrum hatte bis zu dem letzten AstaZeneca-Aussetzer nur damit geimpft. Zwei Tage vor Ostern wurde uns dann auch der morgige Termin gecancelt ohne einen Ausweichtermin zu nennen. Das kann man alles tun. Nun handelt es sich eben bei den Klienten dieser Maßnahme um solche, denen es seelisch schon nicht sonderlich gut geht – auch ohne Covid19-Gedöns. Da wirken solche Absagen wirklich sehr nach.

Kurz: Mir ging es jetzt über Ostern mäßig gut. Ich bin wirklich – wie alle anderen wohl auch – das alles so sehr leid. Und alle meine optimistischen Motivationsargumente kommen mir immer zäher über die Synapsen. Es ist ein einziger Kampf. Auch wenn ich alle Instrumenten für die seelische Hygiene die letzten Jahre gelernt habe, mir angeeignet habe, sie anwenden kann und das auch immer wieder tue. Aber die Zeitabstände zwischen den Downs werden definitiv wieder kürzer, die Downs bekommen wieder mehr Intensität. Ich muss also aufpassen.

Mit ein Grund, warum ich weniger blogge.

Wir haben es uns gestern nicht nehmen lassen, den Kindern hier im Hof eine gemeinsame Ostereiersucherei zu ermöglichen. Und ein bisschen (im kalten Osterwetter) zu reden und den Kindern beim Spaß zuzusehen. Das war schön! Tolle Kinder. Dieses Ostereiersuchen ist wirklich ein sehr schönes Ritual mit Kindern. Ich kann das sehr gut leiden. Man sollte das auch nicht aus seinem Leben verschwinden lassen, egal wie alt man ist, egal ob man irgendwann Enkel hat oder nicht. Nachbarskinder sind total super dafür. Ehrlich!

Danach war ich so dermaßen durchgefroren, dass ich mich in weiser Erkältungsvoraussicht zum befreundeten Asiaten schleppte und mir erst einmal zwei große heiße Suppen (Sauerscharf und WanTan) gönnte. Aufgeteilt, heute gibt es die anderen Hälften. Suppen helfen immer, egal bei was. Suppen sind pure Magie!

Heute hat eines der Nachbarmädchengeburtstag, fünf Jahre ist sie alt geworden. FÜNF. Neulich war sie noch ein Baby! Sie hat die letzten Monate im Homeschooling zusammen mit dem älteren Bruder (1. Klasse) Schreiben gelernt, kann gärtnern – und fährt schon seit Jahren Fahrrad wie eine Alte. Weil sie mit ihren älteren Cousins und ihrem Bruder aufwächst, wächst sie mit Star Trek und der Eisprinzessin heran. Es ist ein Wunder, was Kinder mit fünf Jahren alles lernen, leben, wertschätzen.

Heute trägt sie ein Eisprinzessinnenkleid und hat erst alle Geschenke abgeholt. Von mir eine Stofftierkatze, die aussieht wie Shiina mit Näpfchen, Katzenkamm und Katzensnacks, etwas für den Garten und selbst gemachtes Mangoeis. Später hat sie uns Nachbarn ein Stück Eisprinzessinnentorte vorbei gebracht. Dreischichten Schokoladenbisquit mit Kirschen, Schokoladendecke und blaue Eisprinzessinnensahne. Sehr sehr fein.

Mich hätte damals als Kind die heutige Verfügbarkeit von Lebensmittelfarben auch sehr glücklich gemacht. Vor allem im Kuchen. Ich kann die Schönheit eingefärbter Sahne sehr gut nachvollziehen. Aber wir hatten ja nichts damals. Dann fiel mir wieder ein, dass ich als Kind schon Sacher Torte geliebt hatte. An die kam eh keine Sahne. Ich hätte also gar nichts davon gehabt, hätte meine Mama an der Sachertorte bunte Sahne verwendet, denn dann wäre das nicht mehr meine geliebte Sachertorte gewesen.

So kann es gehen: Da will man als älterer Mensch im Nachhinein etwas vermissen, was man dann doch gar nicht vermisst hätte!

Meinen herzlichen Dank für die vielen tollen Geschenke, die die letzten Wochen von meiner Wunschliste hier eingetrudelt sind. Die tollen Sneaker, das Buch von Christian Berkel, der (sauteure) Dünger für das Vorgärtchen und das viele Diätfutter von Shiina. Leider war bei den meisten Päckchen gar kein Zettel dabei. Also, wo die Sneaker und das Buch herkamen, weiß ich natürlich. Bei den anderen Sachen, kann ich es nur erahnen. Ganz lieben Dank! Ich habe mich sehr gefreut, Ihr tollen Menschen!

Der Best-Buddy hat heute seine erste Impfung erhalten. Nutznießer wegen der neuen AstraZeneca-Impfordnung. Was ich toll finde. Auch wenn ich jetzt erst mal wieder nach hinten gerutscht bin, bin ich wahnsinnig froh, wenn jetzt in meinem sozialen Umfeld immer mehr Menschen die Erstimpfung haben oder wenigstens Termine. Mich erleichtert das enorm. Und ja, ich kann meine eigene Impfung kaum noch erwarten.

2021-04-02

Unhöfliche Männer von Pflichtgebühren gesponsert

Das Internet erfreut sich heute mit großer Hingabe an dem Auftritt von Professor Dr. rer. nat. Melanie Brinkmann bei Markus Lanz gestern Abend. Melanie Brinkmann ist die Virologin, die sehr gerne nicht mehr zu politischen Verhandlungen im Zusammenhang mit dem Covid-Virus eingeladen wird, weil sie als zu forsch gilt.

Ist Frau Brinkmann nicht. Ihr ist sichtlich lediglich ihre Lebenszeit zu schade (und unser aller Leben zu wichtig), sich in politischen Hieroglyphen zu verlieren. Sie sagt, was Sache ist. Und was derzeit die einzige Lösung im Umgang mit mutierenden Viren ist. Dabei ist sie immer höflich, immer gewaltfrei. Argumentiert klug und themenorientiert. Politiker, die eine solche Stimme nicht mit am Tisch haben möchten in einer Pandemie, sollten sich fragen, ob sie selber noch richtig am Platz sind. Meine Meinung.

Psychologischer Best-Fail wie gestern Lanz und Wolfgang Kubicki auf Brinkmanns „Jetzt rede ich!” reagieren, als sie Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer auf das allgemeine politische Versagen in der uns alle betreffenden Pandemie ansprach und Lanz wieder einmal ihr ins Wort fällt. Und man sich fragen muss, warum eigentlich? Denn was er sagt, hat genau gar keinen Wert.

Der eine, Lanz, kapiert’s gar nicht und strullert innerlich angezählt, er könne auch seine eigene Sendung verlassen, wenn er nicht mehr gebraucht würde. Sollte witzig klingen aus seiner Sicht, stellte aber leider wieder nur einmal mehr unter Beweis, wie wirklich sehr klein in Wirklichkeit Lanz’ Ego doch nur ist.

Der andere, Kubicki, lacht zwar noch medienhaft professionell, fängt aber an an seiner Kleidung herum zu fingern und wirft sich nach hinten in den Stuhl, was totale Entspannung signalisieren soll aber nur zeigt, dass er sich sehr unwohl fühlt. Dabei lässt er seinen Spruch los, errötet immer mehr – ist sichtlich nervös und zeigt in seiner Sitzhaltung, dass er sich jetzt lieber nicht mehr Frau Brinkmann zuwenden möchte. Was so gar nicht für eine erwachsene Gesprächskompetenz spricht.

Das Ego zweier Hyperbubies sackt sichtlich tief getroffen zusammen, weil jemand (und da ist ganz egal wer, ob Mann oder Frau), dem das Wort erteilt wurde, nur auf das Recht pocht in einer Talkshow ausreden zu dürfen. Zu der Sache, zu der er/sie eingeladen worden ist. Üblicherweise muss in solchen Formaten die Moderation nur andere Gäste an die geltenden Höflichkeitsregeln erinnern. Bei Lanz ist es vorrangig er selbst, der ständig von seinen Gästen erzogen werden muss. Mir würde das vor laufender Kamera nur einmal passieren, um es zu kapieren.

Nun gibt es gemeinhin drei Gründe, warum jemand einen anderen Menschen nicht ausreden lässt, insbesondere als Gastgeber einer Gesprächsrunde. (Den dritten Grund, Gast redet rassistischen oder sexistischen Scheiß, beleidigt andere Teilnehmer und gehört das Wort entzogen, lasse ich hier außen vor.) Grund eins, dieser Mensch ist einfach schlecht erzogen und nicht gewillt, sich auch im höheren Alter die üblichen Höflichkeitsregeln einer Gesellschaft anzueignen. Was okay ist, aber dann hat man als Gastgeber einer Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts verloren. Ungeeignet.

Grund 2 ist, man hält sich für klüger und überlegener als den bzw. die Gesprächspartner. Auch dann muss man die Eignung von Lanz als Moderator stark hinterfragen, denn er lässt bekanntlich nie einen Gast ausreden und beantwortet von ihm gestellte Fragen am liebsten selbst. Er muss also also seine Gäste für sehr viel blöder und inkompetenter halten als sich selbst. Was immer dann schwierig wird, wenn der Gesprächspartner im eigenen Fachgebiet eine vielgeschätzte Expertise (nochmal: Professor Dr. rer. nat. Melanie Brinkmann) vorweisen kann und – vermutlich – wegen genau dieser eingeladen wird.

Dass Kretschmer sich in der Situation versucht zu retten in dem er Frau Brinkmann rät, sie solle sich nicht aus dem Konzept bringen lassen (wir nennen das mittlerweile mansplainen) – in einer Situation in der man keine Sekunde das Gefühl hatte als Zuschauer, das BlaBla der Hyperbubies würde Brinkmann aus dem Konzept bringen, zeigt auch nur, wie tendenziell eher klein und hilflos er sich selber in dieser Situation sich fühlen muss. Im Gegenteil schien mir es ziemlich souverän von ihr, wie sie die Spätpubertierenden sich erst einmal ausfeixen lässt, damit wieder Ruhe in die Klasse kommt.

Wenn mich jemand darauf hinweisen muss, dass er/sie gerade das Wort hat, weil ich ihn/sie unterbrochen habe (wozu ich durchaus auch neige), dann habe ich zu akzeptieren, dass ich gerade bei meinem Gesprächspartner auf unhöfliche Weise die Grenze überschritten habe. Dann gibt es genau zwei Reaktionen – für mich und für jeden anderen Gesprächsteilnehmer, dem dieses Signal gesetzt wird: Die erste Reaktion ist, ich entschuldige mich. Die zweite Reaktion ist, ich halte daraufhin die Klappe – solange bis mein Gegenüber den unhörbaren Punkt gesetzt hat in seinen Ausführungen. Und rede dann erst.

Wieso das ZDF Lanz sein unhöfliches Verhalten immer noch durchgehen lässt, verstehe wer will. Ich empfinde ihn als immer armseliger werdend in seiner Kommunikation. Investigativer Journalismus, der das sein soll, wie er selber immer behauptet, ist das nämlich genau nicht. Investigativer Journalismus, wenn er gut ist, kennt die Regeln der Höflichkeit. Er unterbricht nicht. Er lässt ausreden. Er hinterfragt, wenn Gesprächspartner ihre Ansicht ausformuliert haben. Und ist nicht sichtlich pissed, wenn jemand genau darauf dringt bzw. überhaupt dringen muss.

Lanz kann’s. Nicht.

2021-03-23

Womöglich …

… ist das Anstrengenste in der ganzen Sache, dass man sich die eigene tiefe Verzweiflung nie zugesteht, weil die Anderen viel mehr Recht haben tief verwzeifelt zu sein?

Ich bin seit einer Woche so tief erschöpft und müde und fassungslos und hoffnungslos, das kann nicht nur Frühjahrsmüdigkeit.

2021-03-18

Corona-Test

Ich hatte heute im Rahmen der „Bürger erhalten einmal pro Woche einen Coronatest frei Haus”-Offerte heute meinen ersten Corona-Test. Einen mit Nasenabstrich. Das Ergebnis steht noch aus.

Interessant.

Das Ganze passiert fünf Minuten Fußweg von mir in einem Pflegestützpunkt in der Prinzenstraße. Termin online geholt. Bin auch im Rahmen meines ausgewählten Termins gleich dran gekommen. Zwei Minuten Aufenthalt in den Räumen. Sehr nette Leute.

Und wenn ich gewusst hätte, dass damit das (bei mir leicht von Frühblühern verstopfte) Nasenloch so schön frei gelegt wird, ich hätte das linke Nasenloch sehr gerne gleich auch noch hingehalten. Ein bisschen fühlt es sich an als würde eine Standleitung zum Gehirn gelegt.

Nun denn, gucken wir mal.