2020-07-09

Markenmaskottchen

Das wird so toll werden!

2020-07-07

Herr Rau

Kennt Ihr eigentlich den Herrn Rau?

Herr Rau ist im wirklich Leben nämlich sehr nett. Das ist kein so großes Wunder, denn er serviert sehr oft der Frau Kaltmamsell das Abendessen auf einem Glasteller. So nett ist er.

Wenn Herr Rau nicht kocht, ist er Lehrer. Schon immer ein sehr ambitionierter Lehrer vor allem, wenn es um das Thema Klassenzimmer und Internet geht. Sein Blog Lehrerzimmer ist ein klassisches Lehrerblog (dabei ist es eher unklassisch im Sinne von untypisch), ich würde behaupten, es ist die Sternstunde der Lehrerblogs überhaupt im deutschsprachigen Raum. Vermutlich war es schon da als es noch gar keine Lehrer … äh … Blogs gab. Solange bloggt Herr Rau schon. Wirklich!

Immer sehr freundlich. Sehr interessant. Ungemein vorausschauend.

Und kochen kann er. Und er hat ein vorzüglichen Geschmack was Ehefrauen anbelangt. Also was seine eine Ehefrau anbelangt, um ihn nicht zum Bigamisten zu schreiben.

Grüße aus dem Vorgärtchen …

Mein kleiner Vorgarten vor dem Haus hat sich sehr fein entwickelt. So eine Staudenansammlung braucht ja doch ein, zwei Jahre bis sie zu ersten Höchstleistungen aufläuft. Leider eignet sich das Gärtchen in keiner Weise für die Totalaufnahme. Aber die eine oder andere Schöne, die mich dieses Jahr erfreute, möchte ich Euch nicht vorenthalten …

Allium habe ich im letzten Herbst gepflanzt, die Zwiebeln waren vom Discounter. (Da habe ich übrigens bei Zwiebeln von Aldi vorrangig schlechte Erfahrungen gemacht, bei den Zwiebeln von LIDL sehr gute. Die Tulpen von denen waren in diesem Jahr ein Traum!)



Eine meiner Rosen. Da setze ich auf offen blühende für die Insekten, die Blüten sind sehr empfindlich, verfallen schnell bei Berührung – aber sie sind jetzt im zweiten Jahr sehr schön angewachsen und dominieren die Gestaltung nicht zu sehr. Klingt komisch, war aber mein Wunsch.




Die Miniaturrose Lupo, leichter Duft, hat sich prächtig gemacht. Weswegen auch im letzten Jahr noch eine zweite einziehen durfte. Ihre Farben sind aufdringlich, machen wahnsinnig viel Freude – und ziehen trotz ihrer geringen Größe den Blick unbedingt auf sich.



Rosa Plaesanterie. Zart in ihrer Erscheinung, zart duftend. Ein Träumchen, drei Stück leben jetzt hier! Die Insekten lieben sie, der Allium sie auch – und sie ihn. Was will man mehr?





In diesem Jahr sind hier erstmals Sterndolden eingezogen. Online beim Gartenhändler gesehen und bestellt, drei Sorten, zwei weiße blühen gerade, die rote Sorte ziert sich noch. Nun denn, vielleicht macht sie mir noch später im Jahr die Freude, wenn nicht im nächsten Jahr bestimmt. Wunderschöne zierliche Pflanzen, die ein großer Strauch werden können, der schön im Wind spielt. Ich finde sie toll!



Ach und der Storchschnabel! Eine blaue Sorte wächst hier und umschmeichelt den Fuß einer Kletterrose. (Discounter-Kauf, ein Rettungskauf. Nie wieder Rosen vom Discounter, kauft ADR-Rosen. Mit denen hat man so gut wie keine Probleme mit Pilzen oder Rußtau.)




Der Storchschnabel ist in diesem Jahr – genau wie die älteste Katzenminze erstaunlich hoch gewachsen. Höher als 40 cm sollten beide Stauden eigentlich nicht wachsen. Sie sind heuer bei über 60 cm in die Blüte gegangen. Aber es ist auch ein … höflich formuliert … erstaunliches Gartenjahr, dieses 2020.





2020-07-05

Wenn Du groß bist …

Ich bin so sehr bei ihr!

Vom immer riesig groß sein

Auch wenn ich es nur auf 181 cm geschafft habe, war ich mit 12 Jahren bereits 176 cm groß und in den 80iger waren 1,81 Meter bei einer Frau das, was heute die 1,90 Meter bei einer Frau sind. Und das macht etwas mit einem – vor allem, wenn man ein Mädchen ist.

Dabei fing das Erleben, irgendwas stimmt nicht mit einem, schon viel früher an, nämlich wenn ich als erst Dreijährige mich nicht so „erwachsen” verhalten habe, wie mein Aussehen Erwachsenen suggeriert hatte, ich mich verhalten müsste. Oder noch nicht konnte, was diese meinten, das müsste ich doch schon längst können bei meiner Größe.

Bei Kindern gilt: Körpergröße ist nicht in Relation mit dem Alter zu setzen! Ich wünschte, die meisten Erwachsenen würden das endlich verstehen!

Es war als Kind für mich wahnsinnig schwer mit dieser übergroßen Körperlichkeit klar zu kommen. Beispielsweise im Sport, wo ich einfach nicht so leistungsfähig war, wie irgendwelche Alters-Tabellen behaupteten, ich müsste das jetzt können. Kann man einfach nicht, wenn die Glieder schießen – aber die inneren Organe wie z. B. die Lunge in der Entwicklung nicht auf der gleichen Entwicklungsstufe sein können. Laufen müssen über lange Distanzen hinweg, das war für mich eine Qual. Ich war nicht faul, ich war nicht uninteressiert. Es tat mir körperlich einfach weh!

Ich bin in der Zeit vom Kind zur Jugendlichen z. B. ständig umgekippt, wenn ich etwas länger stehen musste, weil mein Kreislaufsystem überhaupt noch nicht in der Lage war, das Blut so hoch zu pumpen.

Dabei ist es gerade für ein kleines Kind sehr schwer mit so einem enormen Körperwachstum auf die Beine zu kommen. Ich habe es neulich erst bei einem unserer Nachbarkinder erleben dürfen. Der Papa ist sehr groß – und so sein kleines Mädchen von Anfang an sehr langgliederig und zierlich.

Als sie anfing ihre ersten Schritte zu tun, bekam sie (im Sommer) einen üblichen Wachstumsschub und hatte erst mal wieder Schwierigkeiten mit der Koordination. Weswegen dieser kleine Mensch für sich beschloss das Thema „Laufen können” doch noch einmal um ein paar Wochen zu vertagen. Ein sehr gesunder kindlicher Instinkt, um den eigenen Körper zu schützen. Wenngleich sie diesem Instinkt natürlich nicht bewusst folgte. Aber Kinder wissen, was sie sich zumuten können, was ihnen schwer fällt.

Leider sind dann auf der anderen Seite die Anderen, bei kleinen Kindern dann eben die Erwachsenen, die es oft nicht erwarten können, an einem Kinder herum zu kritisieren. Erwartungen an so kleine Kinder zu stellen, könnten wir das bitte generell künftig lassen? Insbesondere, wenn deren besondere Physiognomie nicht ausreichend berücksichtigt wird dabei?

Dieses groß sein – ohne groß zu sein – zieht sich bei der Körperlichkeit durch so viele Lebensbereiche. Man wird von Anfang an sortiert als etwas Besonderes. Zum Beispiel, wenn Du immer auf Klassenfotos etc. nach hinten sortiert wirst in die letzte Reihe. Du fühlst Dich aussortiert, nicht wichtig genug auch einmal vorne präsentiert werden zu dürfen. Immer wieder!

Das. tut. weh. Das tut einer Kinderseele verdammt weh!

Wenn, sobald Du einen Raum betrittst, alle Blicke sich auf Dich richten, weil Du alle anderen überragst. Das strengt wahnsinnig an, denn Du willst nicht immer der Blickpunkt in einer Situation sein. Ich habe Discotheken gehasst – denn ich tanzte immer über allen. Ich durfte nie im Mainstream der normal großen Masse versinken.

Im Ballett, wenn Du auf der Spitze stehend die Homogenität der gesamten Tanzgruppe sprengst, und Du spürst, die Ballettlehrerin hätte Dich lieber nicht so gerne dabei in der Aufführung, Dich deswegen also nach hinten sortiert in den restlichen Corps, der den Hintergrund stellt – egal, ob Dein Tanztalent durchaus präsentabel war.

Wenn Männer Dich angeifern, sobald Du den Raum betrittst und Du als Persönlichkeit, als Mensch, überhaupt nicht mehr stattfindest, weil er halt besonderen Bock hat langbeinige Frauen flachzulegen. Auch das tut weh!

Heute weiß ich die Vorteile des Großseins zu schätzen, ich habe es gelernt. Dennoch gab es viele Momente in meinem Leben in denen ich gerne mit weniger Körperlänge viel unsichtbarer hätte sein wollen und mir das auch viel besser getan hätte. Nun, dem war nicht so.

Worum ich einfach bitten wollen würde, wenn Ihr im öffentlichen Leben einer sehr großen Frau begegnet: Starrt sie nicht in Grund und Boden. Womöglich möchte sie Eure Aufmerksamkeit in diesem Moment überhaupt nicht ertragen müssen. Wenn Ihr kleine Kinder erlebt, die groß gewachsen sind, erzählt ihnen nicht, dass sie dies oder jenes doch schon können müssten. Nein, müssen sie nicht! Sie müssen das erst dann tun, wenn sie es können. Ein zu großer Körper muss dabei nicht immer hilfreich sein.

Und lest den Blogbeitrag von Janina, er ist so verdammt zutreffend!

2020-07-04

Die Katzen von Hammamet

Befellte Impressionen … stolz und mit großer Selbstverständlichkeit leben diese Katzen in der Medina von Hammamet.











Tatsächlich habe ich nicht einmal erleben müssen, dass Katzen in Tunesien irgendwie verscheucht werden. Ganz im Gegenteil gab es immer wieder Szenen, in denen die freundlichen Tunesier ihr Mittagessen mit den dünnen Seelen geteilt haben oder (auf einem Markt) die Fleischwurst an die armen Seelen verfüttert haben.

2020-07-01

Reisen nach Tunesien in Corona-Zeiten



Konnte ich Euch mit dem Ribāt von Monastir-Post neulich Tunesien als mögliches künftiges Reiseziel in Eure Planung schubsen? Mich würde das sehr freuen. Ich denke immer noch voller Freude auf meinen kurzen Aufenthalt im vergangenen Jahr zurück. Die Farben, das Licht, diese Kultur – und vor allem, diese wundervollen freundlichen Menschen!

Für Tunesien als Reiseland spricht, dass es seit Jahren generell gar nicht so einen Touristen-Überhang zu verzeichnen hatte, wie andere Länder des Südens. Weniger Massentourismus – womöglich ist dies das sinnvollste Argument für einen Urlaub in diesem Land in dieser besonderen Zeit?


Tunesien und Covid-19

Ein weiteres Argument für Tunesien ist, dass hier früher mit den radikalen Maßnahmen gegen Corona-Infektionen reagiert wurde als in vielen Ländern Europas. Aber das konnte man in vielen Ländern beobachten in dieser Zeit: Wer um die Schwachstellen seines Gesundheitssystems weiß, der verlässt sich nicht darauf, dass der Ball über das Tor gespielt wird, sondern macht das Tor rechtzeitig deutlich kleiner. Ganz simpel.

Tunesien hatte sehr schnell konsequent alle Touristen ausfliegen lassen und nach den ersten Todesfällen auf Djerba die Insel dicht gemacht – und die Menschen in den Lockdown verbannt. Daher wurden in Tunesien, Stand heute (27.06.2020), lediglich 1164 Infektionen festgestellt, verstorben davon sind 50 Personen. 1023 Patienten gelten als genesen. Diese Zahlen stehen einer Einwohnerzahl von ca. 11,6 Millionen Menschen gegenüber.

Tunesiens Gesundheitssystem gilt übrigens als das Beste auf dem afrikanischen Kontinent. Ausgezeichnetes medizinisches Personal – oft in Europa ausgebildet – ist hier keine Mangelware wie bei uns. Es ist eher der Mangel an Material, mit dem hier gekämpft gearbeitet wird. In Tunesien standen am Anfang der Pandemie 300 Intensivbetten zur Verfügung.


Was heißt das nun alles für einen Urlaub in Tunesien im Jahr 2020/2021?

Seit dem 4. Juni ist Tunesien komplett aus den Lockerungsmaßnahmen zurückgekehrt – als letzte Maßnahme wurden wieder die Kindergärten und Schulen vollständig geöffnet. Und es sind alle Verkehrsverbindungen und die Mobilität zwischen allen Bezirken des Landes möglich.



Ab dem 27. Juni öffnete Tunesien dann seinen Luftraum und Grenzen für den internationalen Reiseverkehr. Somit ist auch der Hotel- und Gaststättenbetrieb wieder erlaubt. Natürlich mit den staatlich verordneten Hygienemaßnahmen. So sieht sich Tunesien bereit, Gäste in aller Sicherheit zu empfangen. Urlauber aus Deutschland und Österreich können ohne jegliche Einschränkungen in Tunesien wieder einreisen!




Hygienesiegel Ready and Safe



Zum Schutz von Touristen und den Menschen in Tunesien hat das tunesische Ministerium für Tourismus und Kunsthandwerk das Hygienesiegel „Ready and Safe“ kreiert. Es garantiert den Reisenden Sicherheit, denn es ist für alle touristischen Akteure in Tunesien verpflichtend: dieselben Normen müssen von allen angewendet werden. Dieses Hygienesiegel erhält im Gaststätten- und Hotelbetrieb nur, wer dem von der WHO ausgegebenen Sicherheitsprotokoll entsprechen kann.

Alle touristischen Unternehmen müssen diesen Empfehlungen Folge leisten und anwenden, um die Hygiene und die präventive Reinigung zu garantieren und folglich die Kontrolle über Covid-19 zu behalten und so den Schutz und die Sicherheit der Touristen als auch Angestellten zu gewährleisten.



Das bedeutet im Einzelnen – auch für Touristen:

Hygiene und Abstandsregel

• 50 % – nur noch die Hälfte der früheren Kundenkapazität darf in Hotels/Restaurants einchecken bzw. Transportmitteln benutzen.

• 37,9 Grad Celsius ist die maximale Körpertemperatur für Erwachsene und Kinder, um Zutritt in Räumlichkeit zu erlangen. Die Körpertemperatur wird überall mit Infrarot-Thermometern gemessen werden!

• Die Abstände zwischen den Menschen betragen minimal einen Meter, Tische in Restaurants etc. müssen in Abständen von mindestens 2,5 Metern stehen

• In der Öffentlichkeit, auch in den Transportmitteln, ist von allen ein Mundschutz zu tragen

• Handdesinfektionsmittel müssen überall zur Verfügung stehen – auch in den öffentlichen Transportmitteln.

• Das Gepäck von Gästen wird bei Ankunft im Hotel desinfiziert

• Die Gästezimmer müssen bei Gastwechsel komplett gereinigt und desinfziert werden – mindestens drei Stunden vor Neuvergabe

• Sämtliche Oberflächen, die von Menschen benutzt werden (Türklinken, Tischoberflächen, Fahrstuhlbedienelemente) müssen regelmäßig mehrmals am Tag desinfiziert werden




Pool und Gym

• Poolnutzung – die Anzahl der zeitgleich badenen Personen hängt von der Größe des Pools ab. Hier gilt die Faustregel ein Badender pro 3 Quadratmeter. Vor Poolnutzung muss sich jeder Gast in einer Außendusche mit Duschgel reinigen. Risikopatienten – dazu gehören Patienten mit Herz-/Lungenproblemen, Patienten unter Chemotherapie und Schwangere – dürfen den Pool zum eigenen Schutz nicht benutzen.

Alle Abstandsregeln sind auch bei Liegen, Sonnenstühle/-schirmen einzuhalten.

• Sport – Sportgeräte sind minimiert und gemäß der Abstandsregeln aufzustellen. Sportliche Aktivitäten, wie Ballspiele, die Abstandsregeln nicht garantieren können, wurden aus den Programmen genommen.




Bars und Restaurants

• Es gibt keine Buffets bzw. Essenversorgung mit Selbstbedienung. Das Küchen- bzw. Servicepersonal bedient mit Schutzkleidung. Also à la carte, das hat durchaus auch seinen Charme!

• An einem Tisch dürfen nur noch maximal vier Personen an einem früheren 8er-Tisch Platz nehmen, damit ein Mindestabstand von einem Meter zwischen der Gästen gewährleistet ist. Tische selber müssen mit einem Abstand von 2,5 Metern voneinander entfernt aufgestellt werden. Die gleichen Regeln gelten auch für die Bars.




Gast sein in Tunesien zu Zeiten von Covid-19

Den Gästen des Landes muss klar sein, dass auch sie sich an die Bestimmungen des Siegels halten müssen. Es sind also die geforderten Schutzmaßnahmen, wie Maskenpflicht und Hygieneregeln, unbedingt einzuhalten – zum Schutz für die Tunesier, die Angestellten im direkten Kontakt, die anderen Gäste – und somit für sich selbst.



Ich bin ziemlich sicher, dass in Tunesien sehr darauf geachtet wird, dass diese Regeln eingehalten werden. Das Land hat mit seinen ausgezeichneten Sicherheitsmaßnahmen, so wie ich sie im vergangenen Jahr kennengelernt habe, eine große Expertise im Wahrnehmen von Schutzregeln.

Und wir werden alle in den kommenden Jahren keinen Urlaub machen können ohne Rücksicht aufeinander zu nehmen. Je besser wir darin sind, um so eher können wir diesem Virus den Garaus machen!

Informationen zum Gesundheitssystem Tunesiens – und die Umsetzung von Maßnahmen gegen Covid-19-Infektionen.

Beachtet bitte, dass dieses Blogpost sich auf die Reisesituation Ende Juni 2020 bezieht, in Corona-Zeiten können sich die Angaben ggfs. ändern.

2020-06-30

Torre Chianca di Porto Cesareo



Disclosure: Ich durfte auf Einladung der Europäischen Union, Apulien (Ministerium für Tourismus und Kultur), Pugliapromozione (Verband der Region Union 3) und dem Tourismus- u. Kulturmagazin Spiagge nach Apulien reisen.

Wehrtürme gibt es an Italiens Küsten wie – Achtung, Premiumkalauer! – Sand am Meer. Da bilden auch die Küsten Apuliens keine Ausnahme, es gibt kaum einen Ort an der Küste, der nicht, meist in Hafennähe, über einen solchen Turm verfügt. Oft sind sie gut erhalten und beherbergen gerne Museen oder sonstige Orte zum Kulturgeschehen. Entlang der Küste fristen leider auch einige von ihnen tristes Ruinendasein, z. B. der Torre Castilgione aus dem 16. Jahrhundert, von dem lediglich ein überwachsener Haufen Schutt von seiner Existenz zeugt.

Mehr Glück hatte da Torre Chianca di Porto Cesareo. Sie liegen beide in enger Nachbarschaft südwestlich ca. 35 Kilometer von Lecce entfernt in der gleichnamigen Provinz Apuliens – an einem der schönsten Strände der Küste des Ionischen Meeres unweit der Hafenstadt Porto Cesareo.

(Torre Chianca di Cesareo ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Torre Chianca (Torre Santo Stefano), der auf der gegenüberliegenden Seite am Adriatischen Meer verfällt. Wobei dieser aufgrund seiner Lage an der Spiaggiaebella in einem Naturschutzgebiet auch unbedingt besucht werden sollte.)


Der Blick von Torre Chianca auf seinen Namensgeber Porto Cesareo

Torre Chianca di Porto Cesario wurde liebevoll restauriert und gehört zum Museum für Meeresbiologie Porto Cesareo und beherbergt die Dauerausstellung „Storie dal Mare di Porto Cesareo”.



Ursprünglich wurde der Wehrturm von Spaniern erbaut, um Lecce vor den Sarazenen zu schützen. Zwischendurch diente er als Unterkunft für Invalide, im zweiten Weltkrieg, schon fast verfallen, beherbergte er die Artillerie. 1974 begann man mit seiner Restauration und heute steht er in voller Pracht auf der Landzunge umschmeichelt von der Spiaggia di Torre Chianca. Der den Turm umschmeichelnde Strand ist traumhaft schön.



Der perfekte Ort für einen Strandurlaub mit Kindern, dieser Strand läuft sehr lang flach ins unfassbar klare azurblaue Wasser


(click aufs pic makes it big.)

Im Hinterland von Torre Chianca, einem Naturschutzgebiet, wurde der See Bacino di Torre Chianca angelegt, ein künstlicher See in den Süß- und Meerwasser eingespeist wird und dem Besucher die Vielfalt der apulischen Pflanzen- und Tierbevölkerung solcher Küstenbecken offenbart. Weitere Informationen hierzu findet man in einer der Ausstellungen im Turm. Vom Turm aus kann man die der Küste vorgelagerten Inseln Isola della Malva und Isolotto (!) a forma di cuore sehen.



Der Turm hat die Form einer gestutzen Pyramide, jede seiner Seiten misst 16 Meter Länge mit einer Höhe von imposanten 18 Metern. Eine beeindruckende Außentreppe führt zur Mitte des Torre. Im Innern beherbergt der Turm zwei Ebenen mit jeweils 8 Metern Höhe, die jeweils über schmale Treppen zu erreichen sind. Auch seine obere Ebene kann besucht werden und schenkt den Besuchern einen wundervollen Blick über die gesamte Region.



Wir waren im Herbst am frühen Abend dort, wenn es doch deutlich früher dunkel wird und hatten daher die besondere Freude, den Sonnenuntergang auf der oberen Freiebene des Turmes zu erleben.

Das Museum beherbergt auf seinen Ebenen mehrere Ausstellungen zur Geschichte der Meere, Meeresbiologie und -fauna rund um den Salento, die auf Italienisch und Englisch dokumentiert sind. Mit Rückkehr der Statue des Ägyptischen Gottes Thot, die in den Gewässern des Salentos gefunden wurde, ist hier nun auch eine Dauerausstellung zur ägyptischen Geschichte eingezogen.





Ebenso eine Exposition, deren Thema der Schutz der Meere ist und die charmant kindgerecht präsentiert wird.


Die Statue des Gottes Thot



Am 12. Januar 1932 fischte der Fischer Raffaele Colelli von Porto Cesareo zusammen mit seinem Bruder Chicco Colelli und seinem Freund Eupremio Alemanno auf der Höhe der Insel Malva in etwa fünf Metern Tiefe eine 36 cm hohe Statue aus dem Ionischen Meer, die einen Affen darzustellen scheint.



Sie fischten in der damals üblichen Art nach Seeigeln. Ein Eimer ohne Boden wurde vom Boot aus ins Wasser gehalten, quasi als Lupe funktionierend, mit einem Angelstab wurde die Beute eingesammelt.







Colellis Sohn erzählt heute noch, dass er diese Statue zunächst für Spielzeug hielt und erst einmal dementsprechend mit ihr seinen Spaß hatte.

Später stellte sich heraus, dass die Statue Thot darstellt – und somit ein sensationeller Fund prähistorischer ägyptischer Geschichte ist.  Sie kann der saïtischen Periode der XXX. Dynastie des VI. Jh. v. Chr. zugeschrieben werden.

Thot ist eine durchaus komplexe ägyptische Gottheit, die üblicherweise in Form eines kynokephalen Affen oder Ibis dargestellt wird, dar. Sie entspricht in ihrer Bedeutung dem griechischen Hermes oder dem römischen Merkur. Thot spielte eine wichtige Rolle in der Welt der Unterwelt und im Totenkult – und gilt zudem als Beschützer der Schriftgelehrten. Auf dem Sockel der Statue aus grünem Basalt liest sich eine Inschrift in Hieroglyphen.

„NBW HMN.W NBW NSR - MWTWTW.W NRJ - JBJ RJ - NFR”

übersetzt: Meister von Hmôn (Herkunftsort der Statue in Hermopolis), Herr der Worte Gottes (Heilige Schriften), untergebracht in Re-Nofer (Onufis-Platz im Nildelta).

Es ist wahrscheinlich, dass die Statue Teil der Ladung eines römischen Lastschiffes war, das im stürmischen Meer einen Teil seiner Ladung verloren hatte oder ganz vor der Küste gesunken war. Ihr Original steht heute restauriert im Archäologischen Museum von Tarent. Hier im Museum des Torre Chianca steht Thot als ein Replikat. Nicht minder beeindruckend zu betrachten.



Übrigens: Colelli, der Fischer, schickte nachdem ihm bewusst wurde, dass er möglicherweise mehr als nur ein Spielzeug für seinen Sohn aus dem Meer gefischt hatte, die Statue später auf eigene Kosten (24,25 Lire) an das Archäologische Museum von Tarent. Später werden ihm für seinen Fund – nach mehrmaliger Mahnung – nach Begutachtung des Ägyptischen Museums von Turin 549,50 Lire für die Statue bezahlt, was ihren angeblichen Wert damals darstellen sollte.

Heute wären das ganze 0,28 Euro.


Mein Tipp

Einen Besuch des Torre Chianca di Porte Cesareo sollte man, wenn es mit den Öffnungszeiten korrespondiert, so planen, dass man dort den Sonnenuntergang gleich mitgenießen kann. Insbesondere von der oberen Turmebene hat man einen grandiosen Blick über die gesamte Region bis hin nach Porto Cesareo. Dieser Ort ist dann vergleichsweise wenig besucht, die Stimmung eine besondere wenn dann die Sonne im Meer versinkt, dafür aber die Stille immer lauter zu hören ist.




Adresse

Torre Chianca
73010 Porto Cesareo LE
Italien

Die Öffnungszeiten des Museums sind je nach Jahreszeit unterschiedlich und vor Ort zu erfragen.

2020-06-26

Carlo Carlà – ein Leben für den Radsport!



Carlo Carlà – ist eine italienische Radsportlegende. Er ist der Erfinder des Leichtbaurahmens (Aerodynamik) von Fahrrädern, hat also ein riesengroßes Stück Radsport revolutioniert!



Der heute hochbetagte Mann schraubt immer noch in seiner kleinen Werkstatt in Monteroni di Lecce, Apulien – und kann unfassbar viele Geschichten rund um den europäischen Radsport erzählen! Ein Geschenk für eine radbegeisterte Person wie mich, das mir im November 2018 gemacht wurde, als wir vor seiner kleinen Werkstatt vorfahren, die in einem alten unscheinbaren Flachbau untergebracht ist.





Novello in Festa – Geschichte, Kultur und Tradition im Gebiet von Arneo” ist der besondere Titel unserer Reise. Arneo wird im Salento auch „Land der Sonne” genannt. Die Region liegt im Südwesten des Salentos in der Nähe von Porto Cesareo. Der Kosename der Region ist Programm, denn selbst im November ist es hier tagsüber noch sehr warm, dennoch haben die ersten Regengüsse des Herbstes die Landschaft in ein unerwartetes Grün gezaubert. Bei guter Wetterlage erlebt man hier einen zweiten Frühling im Jahr im November!

Selbst im Ionischen Meer kann man tagsüber noch sehr gut baden. Ich weiß das, denn ich bin teilweise noch vor Sonnenaufgang hinein gegangen, mit etwas Überwindung am Anfang aber dann ist es wunderschön. Zumal man nun das Meer und die Strände weitestgehend für sich alleine hat. Salentiner würden zu dieser Jahreszeit keinen Fuß mehr hinein setzen. Vielleicht ist diese Zeit die schönste Jahreszeit, um den Salento zu bereisen? Für Radsportler allemal! Es spricht so viel für einen Radsporturlaub in Apulien in dieser Jahreszeit.



Wir nutzen diese Reise, um viele kleine traditionsreiche Handwerksbetriebe im Salento zu besuchen, deren leidenschaftliche Betreiber uns nicht nur fantastische Geschichten zu erzählen haben, es ist ebenso eine Freude für das fotografische Auge in diese alten Gemäuer und Handwerk einzutauchen, wo noch gebaut, geschraubt, gebacken, destilliert wird wie vor vielen – in manchen Fällen fast 100 – Jahren schon produziert wurde. In Italien wird immer noch häufig in die familiären Fußstapfen getreten. Und so haben wir die ganz besondere Freude auch Carlo Carlà kennenlernen zu dürfen.



Auf dem Weg von Arneo in die Provinzhauptstadt bietet sich die Möglichkeit viele kleine interessante Gemeinden kennenzulernen: Veglie, Leverano, Copertino, sind nur einige Beispiele. Über Leverano in Richtung Richtung Lecce liegen nach ca. 60 Kilometern vorgelagert in Lecces Speckgürtel die kleinen Ortschaften Arnesano und Monteroni di Lecce. Hier ist Carlo Carlà zu Hause – und er nimmt sich Zeit für uns.

„Maestro Carlà” wird er liebevoll in ganz Italien genannt, und im Salentiner Dialekt „Mesciu Carlo”. Er ist einer der ganz großen Konstrukteure und hat italienische Radgeschichte mitgeprägt. Bereits als sechsjähriger Junge hat er seinem Vater in dessen Werkstatt beim Schrauben geholfen. Später schreiben seine Rennräder Sportgeschichte.



Carlà ist Ehrenmitglied der FIAB, der Federazione Italiana Ambiente e Bicicletta. Sie setzt sich als Umweltschutzorganisation für die Verbreitung des Fahrrads als ökologisches Verkehrsmittel im Rahmen einer ökologischen Neuqualifizierung der Umwelt in ganz Italien ein. So wurde auf Intervention von der FIAB Gruppe Monteroni ein neuer Radweg gebaut, der im Januar diesen Jahres eingeweiht wurde. Er führt entlang der Provinzstraße Lecce-Monteroni zwischen Ecotekne und der Stadt Lecce. Dabei ist die Werkstatt von Carlà so etwas wie ein Wallfahrtsort für den Radsportler auf dieser Strecke. Nicht selten enden organisierte Radtouren genau hier, und das beschreibt wohl am Besten Carlàs Bedeutung für den Radsport.



Carlo Carlà treffen wir in einer traurigen Lebensphase, denn seine Frau ist erst kurz zuvor verstorben. So beginnt unser Besuch unerwartet emotional als ihm der uns begleitende Bürgermeister das Beileid ausspricht – Carlá zieht sich für einen kurzen Moment in die hinteren Räume seiner Werkstatt zurück, muss sich sichtlich sammeln. Man spürt das tiefe Leid dieses Mannes, die 80 hat er lange überschritten – 2020 wird er 90 Jahre alt. Einen kurzen Moment später kommt er zurück zu uns aus seiner Trauer. Wir bieten ihm eine willkommene Abwechslung, unser Besuch, unsere Begeisterung lenken wohl gut ab. Er gibt zu, dass ihn seine Werkstatt in dieser schweren Zeit hilft den Schmerz zu heilen.

Trotz seines hohen Alters ist der Mann mental wach wie ein 18-jähriger. Er ist Erfinder, Schrauber, Mechaniker aus Leidenschaft. Autokarosserien hatte er früher entworfen bis er beim Fahrrad hängen geblieben ist. Er hat dem Radsport den Leichtmetalbaurahmen geschenkt. Erfindet heute immer noch, baut z. B. Uhrenskulpturen – natürlich aus Radteilen. Das alles übrigens als Autodidakt. Er gibt zu, er wäre heute noch viel produktiver – aber seine von der Arthrose gezeichneten Hände machen ihm das Arbeiten mittlerweile schwer.





Über die Jahrzehnte hat er alle (nicht nur) italienienschen Radsportlegenden – Masi, Pogliaghi, Colnago, De Rosa – persönlich getroffen. Viele von ihnen haben sich am Ende ihrer Profisportlaufbahn der Radindustrie zugewandt, haben selbst Fahrräder unter ihrem Namen vertrieben – für sie alle hatte Carlo Carlà Rennräder entwickelt, sie haben sie von seinem Fachwissen profitiert. Nicht jedes Unternehmen hatte später die Größe dies auch zuzugeben, wollte Carlàs Erfindungen als eigene verkaufen.





Davon erzählt seine wundervolle Werkstatt.



Überall lauern in den Ecken kleine Reliquien des italienischen Radsports. Radrahmen hängen in der Luft, Werkzeug wartet auf seinen Einsatz, handgeschriebene Entwicklungsskizzen hängen an den Wänden. Eine faszinierende Kombination aus Ordnung und Chaos beherrscht von der Geschichte.





Es ist ein Raum voller Geschichte, Leidenschaft und der ganz besonderen Intelligenz dieses stillen und bescheidenen Mannes. Sein professioneller Rat ist heute noch im Radsport gefragt. Wir stehen hier mit einem der ganz ganz Großen seines Sports!






Was für ein Lebenswerk! Das sich nur wenige Straßen weiter erstaunlich modern präsentiert. Denn hier hat Mesciu Carlo noch sein Ladengeschäft, wo er bzw. seine Nachkommen heute noch die wundervollen handgeschmiedeten Carlà-Fahrräder verkaufen – und den Kunden ein kleines Museum integriert im Laden bieten.





Teilweise noch mit der guten alten Technik, die nie aus der Mode kommt beim Rad. Ungummierte Bremszüge, Stahlschutzbleche … wunderschöne ästhetische Radgeschichte. Aber auch die guten Singlespeed-Räder haben hier längst Einzug gefunden. Carlo Carlà Bici Monteroni spielt immer noch mit auf dem Fahrradmarkt.



Und alles wird hier passend von einem Fiat 500 im Laden bewacht.



Man könnte sich hier kreuz und quer kaufen, das sind hier nicht nur Fahrräder, hier wird Fahrradkunst vertrieben.

Die Legende Carlo Carlà lebt – meine Freude ist groß, ihr begegnet zu sein!


Weitere Reiseeindrücke aus Monteroni

Apulien – Monteroni


Organisierte Radtouren in Apulien

Velotrek

Salento Bici Tour

Italy Bike