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2026-02-02

Das Tote Meer – the Dead Sea

Und dann stand ich da – zum ersten Mal in meinem Leben am Toten Meer!
Das erste Mal habe ich vom Toten Meer in der Grundschule im Erdkunde-Unterricht bei Frau Schmidt gehört. Frau Schmidt war eine strenge, aber durchaus herzliche Lehrerin, vor der wir alle großen Respekt hatten. Ich erinnere mich, dass ich bei Frau Schmidt über die Jahre dreimal im Unterricht nach vorne ging, mit der Bitte, auf die Toilette zu dürfen, denn ich habe mir mit einer Vorliebe – die ich heute nicht erklären kann – vor allem in ihrem Unterricht Milchzähne gezogen.

Jedenfalls erzählte uns Frau Schmidt im Rahmen des Lehrplanes irgendwann von diesem Meer, in dem man nicht wirklich untergehen kann – und ich war, wie alle Mitschüler*innen sehr davon fasziniert und konnte es kaum glauben. Nur: Frau Schmidt mit ihrer großen Hornbrille stand nie im Verdacht, uns Kokolores zu erzählen. Später begegnete mir das Tote Meer nochmals im Biologieunterricht, Thema Salz und Dichte. Nun, die Logik verdichtete sich – aber die Faszination blieb.


Ein Meer ist ein See ist ein Salzsee

Dann liegt es vor dir: Yam Hamelah! Tatsächlich sind wir im Bus schon eine Weile entlang des Toten Meeres gefahren, das unter einem falschen Label da so liegt – am tiefsten Punkt der Erdoberfläche. Es ist lediglich ein großer See, ein ziemlich toter See dazu, mit einem hohen Salzgehalt von bis zu 30 Prozent, normale Meere bieten da lediglich drei Prozent.
Das Salz des Toten Meeres besteht zum geringsten Teil, nämlich nur zu acht Prozent, aus dem (wenn man es so nennen darf) gesünderen Natriumchlorid. Magnesiumchlorid (53 %) und Kaliumchlorid (37 %) regeln hier vorrangig den Salzgehalt und diese Salze sind durchaus nicht ungefährlich für den menschlichen Organismus. Mit einer Gesamtfläche von 900 Quadratkilometern, mit einer Länge von 90 Kilometern und 17 Kilometern Breite ist er ein beeindruckend großer See. Er teilt sich in ein nördliches und ein südliches Becken. Die Rohstoffgewinnung aus dem See geschieht vorrangig im südlichen Bereich des Sees.
Und ja, Salzgehalt und Wasserstand variieren je nach Seebereich und Klimasituation. Dieser See trägt das Schicksal, das heutzutage die meisten Seen unseres Planeten leider erleiden müssen: Sie werden immer weniger.

Wenigstens muss man keine Sorge haben, hier von einem Fisch angeknabbert zu werden oder dem israelischen Ungeheuer von Loch Ness zu begegnen. Der See ist – von einigen hartgesottenen Mikroorganismen und Sooren abgesehen – so tot wie Ur-Ur-Urgroßomi.


Der Weg zum Toten Meer – ein visueller SPA-Aufenthalt

Wir hatten unser Tagesprogramm straff durchgezogen an diesem Tag, denn wir wollten nicht noch einmal erleben, wie am Tag zuvor: die Bootsfahrt auf dem See Genezareth in tiefer Dunkelheit, weil es halt auch in Israel im Dezember deutlich früher dunkel wird. Die Bootsfahrt war natürlich dennoch charmant, aber gesehen haben wir, außer dunkler, feuchter Materie und ein paar Lichtern am Ufer, nicht viel vom See. Bedauerlicherweise.
Alleine die Fahrt zum Toten Meer entlang der jordanischen Seite ist faszinierend, begleitet von vorbei huschenden Datteln, die sich mit der Wüstenlandschaft abwechseln. Dattelpalmen sind übrigens die einzigen Bäume, die mit dem Salzgehalt im Boden gut klarkommen.
Das Tote Meer war früher viel größer und natürlich sind die Böden hier immer noch sehr salzhaltig, was einfach nicht viel Flora natürlich gedeihen lässt. Die Wüstenlandschaft wird immer wieder von hohen Tafelbergen durchbrochen, die … bedenkt man, dass man sich mehrere hundert Meter unter dem Meeresspiegel befindet, dann so hoch gar nicht sind. Diese Landschaft ist einfach herrlich traumhaft schön!
Je nach Sonnenstand schimmert das Tote Meer grünlich bis dumpf-türkis oder in einem zarten Rosé.


Im Toten Meer baden – wie ein Ausflug in den Physik-Unterricht!

Während wir an der Industriezone (Gewinnung von Salzen, Phosphat, Brom und Pottasche) und am –für uns zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten – Massada vorbeifahren und in die belebteren Zonen auf der israelischen Seite dank der üblichen Hotelbauten kommen, erklärt uns Reiseleiter Karl eindringlich die Do’s und Dont’s im Toten Meer. Unter dem Strich ist der Aufenthalt im Meer tatsächlich nicht so ungefährlich und, wie ich im späteren Verlauf für mich feststellen durfte, dadurch irgendwie auch etwas langweilig.

Denn: Schwimmen ist im Toten Meer eigentlich nicht. Tauchen auch nicht wirklich. Auch wenn es vielleicht physikalisch durchaus möglich ist – natürlich gegen mehr Widerstände, dann nur mit wirklich gut sitzender Tauchmaske. Man will (und sollte) das Salz einfach nicht in die Augen bekommen und es bitte schön auch nicht versehentlich trinken. Nicht einmal probeweise. Der hohe Salzgehalt wirkt ätzend und tut auch den Filterorganen im eigenen Organismus kein bisschen gut.
Die maximale Aufenthaltsdauer im Toten Meer sollte nicht viel länger als 20 Minuten betragen. Der hohe Salzgehalt dehydriert bei längeren Aufenthalten den Körper, das kann zu Kreislaufproblemen führen, schlimmstenfalls bis zum Herzstillstand. Der auch Grund ist für die meisten Todesfälle durch Ertrinken in diesem See. Also 20 Minuten, dann am Strand das Salz auf der Haut etwas einwirken lassen für wenige Minuten für die dermatologische Wirkung, dann aber unbedingt mit Süßwasser sorgsam abspülen. Und Wasser trinken. Wer gefärbte Haare hat, sollte diese besser unter einer Badekappe verstecken, das Salz – laut Karl – macht interessante Dinge mit künstlichen Haarfarben.

Dass man nicht länger im Meer bleibt, dafür sorgt übrigens auch die Strandwacht sehr deutlich und regelmäßig mit Ansagen. Und tatsächlich lässt sich sagen: Alle, die hier professionell mit dem Meer arbeiten, zeigen einen wissenden Gehorsam vor diesem besonderen Medium.
Wir waren dieses Mal rechtzeitig im Hotel in Ein Bokek und durften sehr schnell einchecken im (beeindruckenden) Prima Oasis SPA Hotel, um schnell noch bei Tageslicht ins Meer hüpfen zu dürfen. Das war perfekt, die meisten Hotelgäste hatten ihren Strandtag hinter sich gebracht – wir hatten das Meer, das auch im Dezember nicht wirklich kalt ist (und im Sommer bis zu 40 Grad haben kann), im Prinzip für uns alleine. Und das war jetzt im Dezember noch angenehm warm, leicht erfrischend.
Tatsächlich treibt man wirklich problemlos auf dem Meer, muss sich aber auf den Drehpunkt konzentrieren, damit man eben nicht versehentlich mit den Augen und dem Mund in Kontakt mit dem Wasser gerät. Das Wasser umschmeichelt den Körper mit einer leicht öligen Schicht und das Bad wird obendrauf von einem leichten Schwefelgeruch begleitet. Das ist alles charmant und sehr gut auszuhalten, aber ich persönlich bin dann doch eher Fan von Schwimmen dürfen, Strecke machen, abtauchen.

Ich glaube aber sofort, dass es Patienten mit Hautkrankheiten oder auch Atemproblemen hier sehr gut gehen wird – und wie gut, dass Krankenkassen im Fall hier die Kosten von Kuraufenthalten übernehmen. Einige Hotels haben auch barrierefreie Zugänge mit Rollstuhlrampen, die in den See führen.



Das Prima Oasis SPA Club Hotel

Wie gesagt, unser Check-in war im Prima Oasis SPA Club Hotel perfekt vorbereitet, damit wir noch im Tageslicht das Meer genießen konnten. Roomcard und den Zeitplan, wann ein jeder von uns im SPA gebucht war, und wir durften in der obersten Ebene einen traumhaften Blick auf den See genießen

Das Hotel liegt direkt an der Straße, die es nur vom Strand und Toten Meer trennt, direkt an der Bushaltestelle. Es verfügt über ein Buffet-Restaurant als auch Fine Dining Restaurant, Bar, einem SPA-Bereich und einem Outdorpool.
Der hauseigene SPA-Bereich offeriert ein umfangreiches Wellnessangebot. Wir durften eine kuschlig-dreckige Thalassobehandlung genießen, der ich dann noch einige Sauna- bzw. Haman-Aufenthalte folgen ließ. Denen mein erstes Schabbat-Buffet folgte, denn inzwischen war Freitag und Karl hatte (die sehr wenigen von uns, die zuvor nie in Israel gewesen waren) in die Rituale des Schabbats eingewiesen. Das Prima Oasis SPA Club Hotel hatte beim Abendessen die koscheren, üblichen Schabbat-Gerichte separat von anderen Speisen angerichtet – und es gab auch einen Sitzbereich im Restaurant, der augenscheinlich vorrangig von Juden in Anspruch genommen werden durfte.

Im Hotel stand ich vor meinem ersten Shabbat Elevator (Schabbat-Lift), den uns Nicole Dreyfus freundlich erklärte. Tatsächlich ist es in Israel in Gebäuden Pflicht, dass es Fahrstühle dieser Art gibt. Erst 2001 hatte die Knesset (Einkammerparlament des Staates Israel) festgelegt, dass es in Neubauten mehr als nur einen solchen Fahrstuhl geben muss.
Juden ist es verboten, am Schabbat, dem jüdischen Ruhetag, Feuer anzuzünden. Übertragen in die heutige Zeit, dürfen sie in der Zeit ab Freitag nach Sonnenuntergang bis zum Samstagabend und dem Erscheinen der ersten drei Sterne am Himmelszelt, weder einkaufen noch arbeiten noch elektrische Geräte bedienen. Da ein Fahrstuhl üblicherweise auf Knopfdruck nur reagiert, ist ein Shabbat Elevator im Prinzip ein moderner Paternoster mit Türen. Er fährt automatisch hoch und runter, stoppt automatisch auf jeder Etage und öffnet seine Türen, um Fahrgäste aufzunehmen bzw. auf der Wunschetage zu entlassen.

Nun, je nach Höhe eines (Hoch-)Hauses kann das eine Weile dauern. Ich habe leider den Fahrstuhl im Prima Oasis SPA Club Hotel nicht einmal die Türe öffnen sehen, während ich auf einen der anderen Fahrstühle wartete. Habe aber auch keine Menschen auf diesen Fahrstuhl in dieser Zeit explizit warten sehen. Jedenfalls bin ich von seinem rituellen Hintergrund durchaus angetan.
Den Tag ließen wir draußen im Hofgarten gemütlich mit spielender Katzenfamilie ausschleichen, während die hochtalentierte Sängerin in der Bar die Party steigen ließ.
Tatsächlich werde ich das Prima Oasis SPA Hotel als das Hotel mit den großzügigsten Loungebereichen in Erinnerung behalten. Überall, ob drinnen oder draußen, gab es gemütliche Sitzmöglichkeiten ohne Ende – nie gleich konzipiert!
Ob modern gestaltet, cosy oder luftig kolonnial – so konnte jeder nach Gusto seine persönliche Lieblingsecke entdecken. Mich hat’s begeistert.



Der Sonnenaufgang am Toten Meer – magisch!

Am nächsten Morgen stellte ich mir den Wecker angemessen früh, um den Sonnenaufgang auf dem Meer zu erleben. Das Wetter spielte klassisch nicht mit. Dennoch hatte ich eine wundervolle Zeit während meines Strandspazierganges, durfte mich der Fotografie hingeben und bekam Aufnahmen, die man bei klarer Sicht eben auch nie bekommen hätte.
Und vor allem durfte ich die einzigartige Schönheit der (harten) Salzblumen in stiller Ruhe betrachten.
Und das große Faszinosum der Gezeiten erleben. Während vor dem Sonnenaufgang das Wasser eine spiegelglatte, unfassbar kaum bewegte Oberfläche zeigte, ist, sobald die Sonne aufgegangen war, auch das Tote Meer zum Leben erwacht und zeigte von einer Sekunde auf die andere leichten Wellengang.

Ich durfte mir angucken, wie langsam das Strandleben erwachte. So früh noch einmal vor der Abreise ins Meer zu gehen, war gar nicht möglich. Die Strandaufsicht war da streng mit uns. Zurück ins Hotel zum Kaffee und zur Dusche, Frühstück und Abfahrt nach Masada.
Ich war am und im Toten Meer, erlebte meinen ersten Schabbat in Israel, habe einen Schabbat-Lift getroffen und niemand kann mir diese Erlebnisse mehr nehmen. Mit sehr viel Dankbarkeit getippt. Wenn das, die wundervolle Frau Schmidt wüsste.



Prima Oasis SPA Club Hotel
Anschrift: Ein Bokek, Dead Sea 8693000
Homepage: https://www.prima-hotels-israel.com/oasis-spa-club-hotel-dead-sea
Mail: oasisds@prima.co.il
Phone: +972-3-5522220

2026-01-23

Usfiya – das Dorf der Drusen in Israel

Am letzten Abend unseres Aufenthaltes in Tel Aviv lernten wir Taimur Mansour kennen. Er ist Kampagnenleiter im Ministerium für Tourismus von Israel und hatte in das Restaurant MEATOS in Tel Aviv eingeladen. Wieder begeisterte die Küche Israels mit ihren aromatischen Vorspeisen und Weinen.
Wir sollten und wollten Taimur am nächsten Tag wieder treffen. Er gehört der arabisch sprechenden ethnisch-religiösen Minderheit der Drusen in Israel an. Und lud uns erneut ein, dieses Mal in die Welt seines Heimatdorfes und in dessen Kultur, um die sehr feine Küche der Drusen kennenzulernen. Tatsächlich wurden mir die köstlichsten gefüllten Weinblätter serviert, die ich je kosten durfte!

Usfiya – die ältesten Olivenbäume der Welt

Es war ein faszinierender Ausflug. Ich nehme euch mit nach Usfiya (auch Isfiya), einem von zwei von Drusen bewohnten Dörfern im Karmel-Gebirge, dem Bezirk Haifa zugeordnet. Wir befanden uns nach dem Stopp in Haifa auf dem Weg nach Nazareth. Eine halbe Stunde von Haifa liegt die Gemeinde Usfiya. Die Drusen haben im frühen 18. Jahrhundert hier ihre Heimat gefunden und heute leben in dieser Region und der grünen Landwirtschaft des Bergmassivs Carmel ungefähr 12.000 Menschen. Der größte Teil davon Drusen, neben einigen Christen, Muslime und wenigen Juden.
Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt mit Landwirtschaft, vor allem dem Anbau von Oliven, Trauben und Honig. Und so ist der Blick von der Anhöhe, auf der wir aus dem Bus steigen, auf eine erstaunlich grüne Landschaft voller Olivenbaumplantagen und Weinreben. Der Blick von hier geht sehr weit! Die Landschaft ist durchzogen von stark befahrenen Straßen. Hier oben jedoch herrscht, vom Durchgangsverkehr der einen Hauptstraße abgesehen, Ruhe. Und je höher wir ins Dorf steigen, umso friedlicher scheint die Welt um uns herum.
Die junge Generation der Drusen studiert und lebt das normale, moderne Leben, pendelt täglich auch nach Tel Aviv zur Arbeit – so wie Taimur. Gerade aber den alten Männern im Dorf sieht man die langen Jahre harter landwirtschaftlicher Arbeit in der sengenden Sonne auf den Feldern an. Hier auf dem Berg werden die Olivenbäume von den Drusen hochgeschätzt. Einige der Olivenbäume können in die Zeit der Römer datiert werden. Also Bäume, die über 2000 Jahre alt sind! Jüngere Exemplare werden der Periode der Kreuzfahrer zugesprochen. Auch sie wachsen hier bereits über 800 Jahre. Der Stolz der Bevölkerung auf diese Ur-Bäume ist mehr als verständlich!
Nachdem uns der Bus an der Hauptstraße ausgespuckt hatte, erklimmen wir auf der einfachen Straße den Berg. Poetische Graffitis erzählen kunstvolle Geschichten an den Wänden, buntgemalte Treppen machen den Aufstieg leichter. Die Sonne wärmt jetzt im Dezember, und überall in diesem Dorf locken Motive zum Fotografieren in ihrem strahlenden Schein.
Jeder Mensch, dem wir begegnen, begrüßt uns mit großer Herzlichkeit. Warmes Wohlwollen, das beschreibt die Aura dieses Ortes wohl am besten. An einem kleinen Platz begrüßt uns Taimur mit seiner fröhlichen Familie.

Carmel Center of Druze Heritage

Vor einem Haus wehen Fahnen mit grün, rot, gelben, blauen und weißen Streifen, das ist die drusische Flagge. Sie symbolisiert den einzigartigen Glauben der Drusen. Jede Farbe repräsentiert spirituelle Prinzipien und historisch relevante Persönlichkeiten ihrer Gemeinschaft. Grün steht für den universellen Geist, Rot für die universelle Seele, Gelb symbolisiert die Sonne, Blau die Zukunft und Weiß steht für die Kernlehren ihres Glaubens. Er basiert auf den Elementen des Islam, des Christen- und Judentums – mit der Intelligenz der griechischen Philosophie gepaart.
Taimurs Familie hat in Usfiya das Carmel Center für das Erbe der Drusen (Carmel Center for Druze Heritage) eröffnet. Ein kleines, wirklich charmantes Museum mit vielen familiären und kulturellen Unikaten, an einem Platz gelegen, in dem interessierte Besucher*innen in die Geschichte und Kultur der Drusen eintauchen können.
Auch die von den Dorfbewohnern hergestellten landwirtschaftlichen Lebensmittel und kosmetischen Produkte sind hier erhältlich: Tee, Gewürzmischungen, Olivenöl oder Seife. Und die trockenen Bestandteile eines typischen Getränks der Drusen: Maghli.

Der Glaube der Drusen

Drusen sind eine in sich sehr geschlossene Religionsgemeinschaft. Weltweit gibt es von ihnen, als Monotheisten bezeichnet, geschätzt etwas mehr als eine Million Menschen. Sie bezeichnen sich selbst als „Bani Maaroof” – Menschen der guten bzw. göttlichen Taten.
Ihr Glaube ist stark von ismailitischen Traditionen geprägt, wobei sie sich allerdings im 11. Jahrhundert bereits vom Islam losgelöst haben. Sie begegnen dem Koran deutlich differenzierter und folgen auch den Lehren griechischer Philosophen.
Die gesamte drusische Lehre kennen nur die sogenannten „Wissenden“. Es sind ausgesuchte Personen innerhalb einer Gemeinde. Wobei sich Gemeinde tatsächlich auf zusammen an einem Ort lebende Menschen ihres Glaubens bezieht. Deren Regeln können sich von denen anderer drusischer Dörfer bzw. Gemeinden durchaus unterscheiden. Wer in eine andere Gemeinde einheiratet, umzieht, wird sich an die Regeln dieser drusischen Gemeinde gewöhnen müssen.

Dabei vertrauen Drusen auf drei Prinzipien: Ein Prinzip verlangt, dass man den Geist seines Verstandes nutzt – nur so wird man seine Seele reinigen, um dem Glauben an Gott gerecht zu werden. Dieser Gott, dabei ist egal, wie er genannt wird, ist immer der gleiche Gott aller Menschen, das zweite Prinzip der Drusen. Ein drittes Prinzip ist der Glaube an die Unendlichkeit der menschlichen Seele. Sterben Drusen, lebt ihre Seele in dem Körper eines neugeborenen Kindes sofort weiter. Drusen glauben an Reinkarnation und daran, dass die Umstände der Geburt vorbestimmt sind. Für Drusen existieren auch parallele Welten.
Und wer das nun alles spannend findet und für sich nachvollziehbar, dem ist die Enttäuschung nahe: Konvertierung wird grundsätzlich abgelehnt. Das erschließt sich natürlich ein Stück weit aus dem Prinzip der Seelenwanderung. Als Drus*in geboren zu werden, ist von Gott vorbestimmt. So kann man nur als Drus*in geboren werden, per se schließt sich damit der Sinn jeglicher Missionierung aus. Heiraten Drusen Menschen, die keine Drusen sind, sind sie ein Leben lang von ihrer religiösen Gemeinschaft ausgeschlossen.
Ihre Tracht sind weite. dunkle Gewänder mit hochgeschlossenen Schuhen, ähnlich wie bei den orthodoxen Juden: Man zeigt einfach kein Bein. Dazu tragen sie bei Festivitäten in den Farben der Fahnen bestickte Westen, die Kopfbedeckung ist immer weiß. Frauen tragen meist weiße Kopftücher – sie sollten übrigens nicht (!) fotografiert werden, Männer einen hohen Hut, oft mit Tuch, der Fes genannt wird.
In Israel leben derzeit ungefähr 150.000 Drusen, die sich im sozialen Leben einfügen und auch die israelische Staatsbürgerschaft haben. Männer leisten Wehrdienst in Israel, Frauen das soziale Jahr. So loyal sich die Drusen dem Staat Israel gegenüber verstehen, sieht sich dieser ebenfalls als Schutzmacht der Drusen und hatte bei Übergriffen gegen die syrischen Drusen seitens des Assad-Regimes mit Gegenangriffen reagiert.

Die farbenfrohen Köstlichkeiten der Drusen

Das alles erzählte uns Taimur in einem Affenzahn in dem Museum, während uns Maghli gereicht wurde.
Ein kalter, süßer Tee mit einem köstlichen Aroma, der bei den warmen Außentemperaturen alle Lebensgeister wieder erwachen lässt.
Er besteht aus getrocknetem Zimt, Süßholz, Kurkumawurzel und Ingwer. Natürlich kommt diese Gewürzmischung in mein Gepäck.
Taimur gibt uns freundlicherweise das Rezept mit auf den Weg: Die Zutaten eines Beutels sind für mindestens einen bis vier Liter Tee berechnet und werden ungefähr eine halbe Stunde lang gekocht. Einfach nach dem Absieben einfrieren und beim nächsten Mal (bis zu vier Mal) erneut aufgießen. Bei Bedarf wird der Tee gesüßt. Gekühlt serviert – vor allem in der Hitze – da kann jede künstlich hergestellte Limonade einpacken!
Taimur führte uns durch das Dorf und in das Haus von Rina Halil. Sie hatte für uns ein grandioses Mittagessen mit köstlichen Gerichten der drusischen Küche zubereitet.
Mich begeisterten die gefüllten Weinblätter Warak Enab (Warak Dawlai) so sehr! Sie sind dünn gefüllt, daher schmeckt man auch viel mehr das sie umhüllende zarte Weinblatt, gekocht in einem würzigen Sud. Für mich die besten gefüllten Weinblätter meines Lebens – und zu meinem Glück, hatte sie uns davon sehr viele serviert. Was für eine Arbeit!
Natürlich gab es auch hier köstlichen Hummus mit dem würzigen Olivenöl. Zusammen mit Chicken Mansaf,
einem saftigen Reis mit würzigem Hühnerfleisch und sehr viel (!) Pinieniekernen. Wie großzügig!
Mnazahleh: geschmorte Auberginen mit Kichererbsen in einer scharfen Tomatensauce, dank der orientalischen Gewürze keine Spur langweilig! Eine Art Auberginen-Gulasch – und ich werde es unbedingt nachkochen. Fantastisch gut, dennoch simpel: Balila Wa Shiria, eine Art Salat aus altem Weizenkorn und Weizennudeln (Pitim), pikant abgeschmeckt. Hackbällchen mit Kreuzkümmel in einer samtigen Joghurtsauce. Ein Krautsalat mit Schwarzkümmel, gefüllte Zucchini und natürlich der typische frische Salat mit Gurken, Tomaten und Petersilie. Zum Nachtisch gab es einen starken Kaffee mit Keksen.
Jedes einzelne Gericht war so köstlich, wer bis dato nicht von der Küche Israels begeistert war, hier auf dem Tisch standen köstliche Offenbarungen. Und das Ganze in einem sehr familiären Umfeld, wobei uns Taimur verspricht, die Drusen würden immer so gut gemeinsam in der Familie zu Mittag essen! Satt und sehr begeistert von diesem Ort mit seinen wundervollen, freundlichen Menschen sind wir wieder in den Bus gestiegen. Besucht Usfiya – man hat dort wundervolle Momente.