2010-05-06

Wohnung frei …

Neulich hat der junge Mann die Wohnung unter mir geräumt. Er hat nie in der Wohnung gewohnt. Irgendwann hat er sie übernommen, sich bei mir die Farbrolle ungefragt ausgeliehen, die auf dem Treppenaufsatz wartend die Unterbringung in den Keller (geduldig) abwartete und als er sie zurückbrachte diese konsequent im gesamten Treppenflur auf dem Weg nach oben ausgeschüttelt. Man hatte irgendetwas gestrichen. Möbel hat die Wohnung nie gesehen. Danach kam er bzw. kamen seine, ich vermute es, Eltern einmal im Monat vorgefahren, räumten die Post aus und lüfteten ca. zwei Sekunden.

Der Lüftmodus war lustig. Die kamen in die Wohnung, rissen ein Fenster auf. Gingen hinüber in den anderen Raum, rissen dort das Fenster auf. Gingen zurück in den ersten Raum, schlossen das Fenster. Gingen zurück in den zweiten Raum, schlossen das Fenster, schlossen die Tür von außen. Eine Sache von schätzungsweise zwei Minuten Dauer.

Im Winter haben mein Nachbar unter ihm und ich als Nachbarin über ihm darum gebeten, er möge doch bitte die doppelten Fenster auch doppelt wieder schließen, es war uns ein bisschen kalt. Tat er bzw, taten seine Eltern dann. Dass er mal wieder den Status quo seiner Wohnung abgerufen hatte im Real Life, ließ sich immer daran erkennen, dass einmal kräftig in den Hausflur gerotzt wurde – auf seiner Etage. Auf der ihm gegenüber eine Nachbarin wohnte, die, so lange ich sie schon kenne, sich nie vor die eigene Tür rotzt. Das Rotzen ins Treppenhaus hatte Stil. Ich weiß nur nicht so recht welchen. Wenigstens war er aufgrund seiner Abwesenheit ein leiser Nachbar, was bei diesen Zellophanwänden und -decken hier von Vorteil ist.

Nun ist die Wohnung also wieder frei und heute war schon mehrfach Begehung mit möglichen Wohninteressenten. Ich muss ja gestehen, wann immer ich das mitbekomme, laufe ich gerne wie ein Trampeltier durch meine Wohnung. Damit die Lärmverhältnisse ein für allemal geklärt sind. Oft sind aber solche Szenarien der Teufelsaustreibung gar nicht notwendig. Das erkenne ich immer daran, wenn der Wohnungsinteressent beim ersten Schritt in die Wohnung ein lautes „Wow!“, gerne auch ein langgezogenes „Oh!“ durch das Treppenhaus schickt. Die Töne werden – vermute ich stark – vom bis unter die Decke mehr dunkel als hellblau gefliestem Bad mit Blumenornamenten oder aber vom Anblick der Küchengestaltung – Fliesen in einem Farbton, den man schlecht einordnend als irgendwas zwischen Dunkelrot und Kackbraun bezeichnen kann – hervor gerufen. Ich weiß noch genau, dass ich genau die Töne dachte, als ich dieser Fliesen- und Farbinstallation direkt gegenüber stand. Diese Wohnungsgestaltung stammt noch von dem hochbetagten Ehepaar, das dort wohnte als ich in meine Wohnung zog, das sich kurz danach auf nur noch sie reduzierte und sie ist mittlerweile auch seit zehn Jahren verblichen.

Die Wohnung wurde im Zusammenhang mit der uns alten Mietern seit bereits zehn Jahren und ca. vier Eingentümerverkäufen angekündigten Modernisierung aller Wohnungen tatsächlich einmal generalüberholt. Ein Glück, das hier alle Wohnungen heimsucht, die leer stehen. Während wir alten Mieter dummdreist für blöd verkauft und immer wieder vertröstet werden. Fast einen Monat lang war diese Wohnung Baustelle. Man verlegte den Strom neu, man dübelte wohl auch die eine und andere Rigipsplatte an die Nachbarwände zur Lärmdämmung (vermute ich, glaube ich aber nicht ernsthaft) oder doch nur an die Außenwandseiten zur Wärmedämmung. Ich guckte mir die Wohnung kurz nach Fertigstellung an. als die Tür wegen Schlossaustausch offen stand. Was man völlig vergessen hatte, war die Fliesenarbeit aus dem letzten Jahrtausend zu eliminieren und einer neumodischen Farbgestaltung zugängig zu machen. Alternativ mit Fliesenfarbe etwas die Depression aus Küche und Bad zu streichen. Diese Idiotie, hervor gerufen durch Geiz, machte mich ernsthaft sprachlos – vom bereits erwähnten „Wow!“ und „Oh!“ einmal abgesehen.

Das mag der Grund sein, warum bisher die Wohnungsinteressenten nach einem sehr kurzen Gang durch die Wohnung diese üblicherweise sehr schnell wieder verlassen wollen. Solche Wohnung nehmen wohl nur junge Menschen unterhalb 25 Jahren, die damit so tun können als wären sie bereits bei den Eltern ausgezogen, um so von irgendwelchen Ämtern Regelleistungen abfordern. Wohnen will man darin ernsthaft nicht. Kann ich verstehen.

Nett

Das Blog einer Stewardess Flugbegleiterin. Kann man gut lesen.

2010-05-05

Jetzt wird es bunt …

Die Ralf Bohle GmbH, Hersteller der Schwalbe Fahrrad- und Rollstuhlreifen, mahnt den Fahrradhändler Toms Bike ab, der Schwalbe-Fahrradreifen in dessen Laden und auf dessen Online-Shops verkauft und zu diesem Zweck die Ergebnisse der Produktfotografie von Reifenaufnahmen der Ralf Bohle GmbH verwendet hat, die natürlich urheberrechtlich geschützt ist und vom Hersteller nicht zum Zwecke des Marketings des Händlerkreises produziert wurde.

Die möchten offensichtlich ernsthaft, dass Radhändler, die deren Reifen vertreiben eigene Fotos von diesen Reifen produzieren, wenn sie Produkte von Schwalbe im Laden anbieten. Oder nicht mehr für Schwalbe-Produkte werben.

Das ist irgendwie … neu. Als Menschin, die eine Zeitlang ihres Joballtags mit der Distribution von Netzwerkprodukten verbracht hat, muss ich sagen, dass mir so etwas Idiotisches und Kontraproduktives im Vertriebsalltag noch nicht untergekommen ist. Wir hatten für unsere Kunden früher extra CDs mit hochaufgelöstem Bildmaterial, damit sie unsere Produkte dem Endkunden gegenüber anständig und im Sinne der Corporate Identity unserer Lieferanten bewerben konnten. Wir haben dieses Material unseren Vertriebspartnern nahezu aufgedrängt. Da muss sich irgend etwas geändert haben im Laufe der Jahre.

Gut. Ich empfehle eh Continental-Reifen. Bei Continental tragen die unkaputtbaren Reifen übrigens den Nachsatz „Plus“, hier die komplette Familie aufgelistet – für jede Radart und Strecke ist etwas dabei. Und Radhändler bestellen üblicherweise sehr gerne jeden Mantel von jedem anderen Hersteller. Dauert dann manchmal eben zwei Tage, bis montiert werden kann.

Austritt aus der katholischen Kirche

Don Dahlmann tritt aufgrund der Abmahnprozeduren der Diözese Regensburg aus der katholischen Kirche aus und erklärt seine Gründe.

Wer noch?

2010-05-04

Die Diözese Regensburg mahnt ab.

Nachdem Stefan Niggemeier in seinem Blogpost „Wie die Kirche Leute zum Schweigen bringt“ den Sachverhalt geschildert hatte, wie das Bistum Regensburg gegen den Spiegel eine einstweilige Verfügung erwirkte hinsichtlich der Berichterstattung des Magazins zu einem Missbrauchsfall in Viechtach 1999 und die Art und Weise, wie dieser Vorfall im Nachgang seitens des Bistums „geregelt“ wurde, ist nun auch er für seine kritische Berichterstattung abgemahnt worden.

Damit ereilt ihn das gleiche Schicksal wie zuvor bereits Stefan Aigner, Blogautor von regensburg-digital.de, der über diesen Fall gleichfalls berichtete und sich kritisch in „Aufklärung auf katholisch“ über die Handlungsweise des Bistums äußerte.

Warum das Bistum Regensburg ausgerechnet seine Rechtsmittel gegen einen Blogger (Aigner) aus Regensburg und einen in Berlin lebenden Blogger (Niggemeier) über ein (also DAS!) Hamburger Landgericht erwirkt, die Frage lasse ich im Raum stehen.

Es ist mir eine Freude alle Blogbeiträge in chronologischer Reihenfolge zu verlinken. Es ist mir ebenso eine Freude, Euch diese Links so aufbereitet zur einfachen weiteren Nutzung in Euren Blogs zu überlassen. Einfach in den Quelltext und Paste & Copy, denn wie heißt es so schön in einem englischen Kirchenlied: „Joy to the world!“

Wenn das Bistum Regensburg so dermaßen den Mantel des Schweigens über gewisse Vorfälle legen möchte, dann sollten wir Blogger für ausreichend Lüftung sorgen!

Stefan Aigner „Aufklärung auf kaholisch“, 7. März 2010

Stefan Aigner bittet in der Sache der einstweiligen Verfügung gegen Meinungsäußerung um Spenden., 20. April 2010

Stefan Niggemeier „Wie die Kirche Leute zu schweigen bringt.“, 22. April 2010

Stefan Niggemeier „Diözese Regensburg ./. Niggemeier“, 4. Mai 2010

(Es geht hier nicht darum, dass „nur“ ein paar Blogger abgemahnt werden, weil sie mal wieder frei nach Schnauze gebloggt haben. Es geht darum, dass das Bistum in deutsche Journalistenarbeit eingreift, der noch das Recht der Pressefreiheit unterliegt. Davon abgesehen, dass wir auch das Recht haben auf freie Meinungsäußerung.)

Dieses böse Internet

ermöglicht offensichtlich hervorragend funktionierende Volkspolitik von der Basis aus.


Quelle: Berliner Zeitung

Es wird immer klarer, warum Politiker soviel Angst vor diesem Medium haben müssen.

2010-05-03

Tulipan in Hellersdorf

2010-05-02

Premiumcontent, mal wieder …

Zuerst … eine Warnung vorab, legt Taschentücher bereit. Dieser Film (auf YouTube direkt angucken, wegen der Blogbreite hier nicht gänzlich darstellbar) geht nicht mal eben am Herzen vorbei, denn diese kleinen Straßenkatze möchte ihren (vermutlich) tot gefahrenen Freund nicht im Stich lassen. Macht vielleicht besser vorher den Ton an Eurem PC aus, irgendwelche Menschen meinten wieder eine an sich klare Bildsprache mit grauenvollen Kitschsongs zu hinterlegen.



Und da wir gerade bei Straßenkätzchen sind. Diese wundervolle japanische Fotograf, Masakazu Ikeguchi, macht Fotos von streunenden Katzen. Wundervolle Fotos. (Falls Ihr die Links zu älteren Postbeiträgen nicht ausmachen könnt, nehmt das Archiv zur Hilft, das leider etwas weit unten steht.)

(Aus der Reihe: seufz.)

Reistherapie II

Nachdem mich der erste Sushi-Kurs bei Shoko Kono sehr begeistert hatte, habe ich mich direkt für den VHS-Kurs „Sushi für Fortgeschrittene“ angemeldet. Und der war vergangenen Freitag. Küchenzauber am ersten wirklich warmen Tag im Jahr – da bot es sich natürlich an, die Sushi-Variationen auf Sushi warm auszudehnen. (Es wurde nachher wirklich warm in der Küche. Eine Küche im Keller ist bautechnisch nicht der Bringer, fürchte ich.)

Shoko empfing uns wieder sehr gastfreundlich mit Tee. Dieses Mal war es Reistee, den ich sehr lecker fand. Vollkornreis wird in der Pfanne vorsichtig geröstet und mit grünem Tee gemeinsam in einem Teefilter aufgebrüht. Er hatte einen feinen rauchigen und dennoch frischen Geschmack, schmeckt sogar kalt sehr gut und regt den Trinkwunsch an. Das heißt, dieser Tee ist das richtige Getränk für den Sommer. Werde ich garantiert nachmachen.


Die Fotos sind übrigens mit dem Pentax FA 50/1.7 an der Pentax K7 gemacht.

Den Reis für die Sushi hatte Shoko schon fertig vorbereitet und so setzten wir als erste gemeinsame Amtshandlung die Zutaten für Nitsume-Sauce auf den Herd. Nitsume-Sauce ist die süße dickliche Sauce, die auf Sushi-Variationen mit Unagi (Aal) geträufelt wird, daher wird sie auch Unagi-Sauce genannt. Ist Nitsume übrigens auf Sushi bereits aufgebracht, taucht man dieses Sushi nicht nochmals in die Soja-Sauce. Nitsume wird zu gleichen Teilen (O-Ton Shoko „Japaner machen immer alles 1:1!“) Wasser und Mirin, einem süßen japanischen Reiswein mit Zucker nach Belieben aufgesetzt, zum kochen gebracht und muss dann bei kleiner Hitze reduzieren bis eine Art Karamell entsteht. Anwesend bleiben in der Küche, die Flüssigkeit kocht gerne hoch! Nitsume ist im verschlossenen Behälter und im Kühlschrank ewig haltbar. So ich mich eingelesen habe, ist Nitsume die Basis der berühmten Teriyjaki-Sauce. Dafür wird Nitsume noch Ingwer, Sake und Honig zugefügt. Wird garantiert nächste Woche bei mir eingekocht. Ich will das im Haus haben!



Derweil durften wir Teilnehmer die Zutaten gebrauchfertig machen, die dieses Mal nicht zwingend asiatisch anmuteten auf den ersten Blick: wir schnitten Frühlingszwiebeln in feine Streifen, die obligatorische Avodaco wurde geviertelt. Und dann war da noch Spargel …



Den besonderen Tipp dieser Kochsession gab Shoko meiner Meinung nach mit ihren Hinweisen zur Zubereitung der Shrimps. Wie man diese ganz einfach mit Zahnstochern entdarmt, ohne die ganze Rückseite der schmackhaften Freunde auftrennen zu müssen und wie man sie an der Bauchseite in kleine diagonale Streifen einritzt, damit sie sich später in der Pfanne nicht zusammenziehen. Gerollte Scampi sind in Makis schlecht aufzurollen. Auch hier wieder eine Anekdote aus der japanischen Küche, Fisch wird immer vor dem Zubereiten gewaschen. Indes bei Fleisch hat der Japaner kurz vorher nicht gerne Wassserkontakt, weil es sich damit vollzieht und zäh wird und an Geschmack verliert.





Grüner Spargel wurde unten am Stiel geschält und in japanischem Mehl (sehr viel feiner als unser 405er-Hausmehl) gewälzt. Ebenso wurde übrigens mit den Scampi verfahren. Für beide Varianten wurde dann Tempura-Teig angerührt mit japanischem Weizenmehl, 1/2 TL Backpulver und etwas (möglichst eiskaltem) Wasser zu einem etwas klumpigen Teig verrühren. In dem Teig durften dann Scampi und Spargel ein Bad nehmen, bevor es in die heiße Pfanne ging.



Beides wurde – in getrennten Pfannen natürlich – in heißem Fett ausgebacken. Fertig ist das Ausgebackene, wenn es leicht in der Pfanne zu vibrieren beginnt.



Soweit so gut, die ersten Zutaten hatten wir also unter Dach und Fach. Tempura eben.



Da das Fett schon heiß war, machten wir uns gleich an die erste Makirolle – der sollte nämlich auch noch Feuer unter'n Hintern gemacht werden: Age Sushi (frittiertes Sushi). Nori-Seetag wurde wieder in zwei Hälften geschnitten und hochkant auf die Bambusrollen gelegt und in der unteren Hälfte mit ein größere Menge Reis belegt, der unbedingt bis zum Rand des Nori reichen sollte. Dann wurde mit Wasabi gewürzt, mit Surimi belegt und aufgerollt. Am seitlichen Ende der Rollen muss der Reis noch festgedrückt werden. Im Ergebnis hatten wir deutlich größere Rollen als die üblichen Maki. Diese wurden im Ganzen in Mehl, dann in Eigelb und abschließend in Panko (japanisches Paniermehl, gröber als unseres) gewälzt und in heißem Fett ausgebacken. Und waren übrigens später beim Essen das Highlight von uns allen.



Ach ja, in meinem letzten Blogpost hatte Ev in dem Kommentaren Surimi als Abfall bezeichnet. Und ich kann mich auch noch sehr gut erinnern, dass das bei uns damals tatsächlich so in den Medien verkauft wurde. Shoko hat anlässlich des Kommentars aber deutlich gemacht, dass Surimi mitnichten aus Fischabfällen produziert wird, sondern lediglich aus günstigem Fisch wie Kabeljau, der gepresst wird. Kurz: Surimi ist in Japan das, was bei uns Fischstäbchen sind. Die werden auch nicht aus Fischabfällen produziert sondern direkt aus dem Seelachs (neuerdings leider auch Lachs) gepresst. Das ist auch logisch, denn seien wir ehrlich: Surimi ist ein weltweit sehr erfolgreicher Artikel. Soviel Fischabfall gibt es denn auch nicht, um diese Massen produzieren zu können. Also diesbezüglich: keine Angst vor Surimi, nur weil das Image der Surimi hier bei uns falsch verkauft wurde. Ich kenne da übrigens einen spanischen Kater, der würde davon LKW-Ladungen dankend entgegen nehmen …





Angenehm übrigens, dass der Kurs dieses Mal nicht komplett ausgebucht war und ein oder zwei Teilnehmer nicht gekommen sind. So waren wir nur zu fünft und konnten immer wieder Sushi mehr aufrollen, um die übrig gebliebenen Zutaten zu verarbeiten – bei Sushi gilt wirklich Übung macht den Meister.

Die Übung hatten wir mit der nächsten Rolle: Tempura-Sushirolle. Hier kamen der Spargel und die Scampi zum Zuge. Gleiches Prozedere mit dem Nori-Settangblatt, dieses Mal aber mit etwas weniger Reis, Wasabi nach Wunsch und dann wurde der Spargel mittig eingelegt, so dass Anfang und Ende aus dem Nori-Blatt reichten, Scampi dazu und aufgerollt (dieses Mal mit einer Rolltechnik, die etwas Kante in die Sushi brachte) und dann von uns versuchsweise attraktiv aufgeschnitten.



Ganz ehrlich, ich finde das schöne Aufschneiden ist ja das Schwierigste bei der Sushi-Zubereitung. Hier wirklich die gleichen Größen hinzubekommen, das Material nicht zu quetschen – damit kann man so manche wunderschön gerollter Sushi-Rolle noch ausreichend visuellen Schaden zufügen. Aber auch hier wird mal wohl durch viel Übung Meister, ein scharfes Messer gehört natürlich auch unbedingt dazu!



Shoko hat so ein Messer natürlich und man beachte ihren Namen auf der Klinge! Das darf man machen, wenn man sein Messer höchstpersönlich selber geschmiedet hat. Ich glaube nicht, dass man gut beraten wäre, sich jemals an das Küchenhandwerkzeug von japanischen Köchen zu vergreifen – das ist eine innere Beziehung zum Material, die sollte man niemals trennen. Das gäbe wohl wirklich böses Blut!

Die letzte Rolle dann wieder ein kulturelles Erbe aus den Vereinigten Staaten: Philadelphia-Sushi beziehungsweise Uramaki-Sushi mit Lachsmantel. Gerollt in der Tradition der California Roll, also mit dem Reis nach außen. Hier kamen unseren frischen Zutaten zur Verwendung.



Der Nori wurde endlich mal wieder längs auf die Bambusplatte gelegt und komplett mit Reis bestückt und dann dank Bambus gepresst und umgedreht, so dass der Reis außen liegt. Auf Nori kam dann etwas Wasabi und ca. zwei Teelöffel Philadelphiakäse, also zu gut deutsch: Frischkäse nach Wahl. Auf dem Käse wurden die Frühlingszwiebeln und die Avocado verteilt und alles aufgerollt. Die fertige Rolle wurde auf einer Seite mit geräucherten Lachsscheiben belegt und nochmals festgedrückt mit dem Bambus.

Und fertig waren wir mit der Zubereitung, Ihr seht auf meinem Teller: Uramaki Sushi links, Tempura Sushi oben rechts …



… und Age Sushi.



Zu Uramaki Sushi und Age Sushi wurde die leckere Nitsume gereicht, ansonsten wie üblich Wasabi, Soja-Sauce und Ingwer.



Es war wie immer unglaublich lecker. Vor allem warmes Sushi hat sich ab sofort in mein Herz geschlichen! Aber auch das Sushi mit dem Philadelphia ist eine hervorragende Sushi-Variante für den Sommer. Ich fand's großartig und war natürlich zum Schluss pappsatt. Aber glücklich. Natürlich beantwortete Shoko uns wieder alle Fragen und erzählte aus der japanischen Küchenkultur – ich kann mir das stundenlang anhören. Und ich habe mir jetzt bei ihr gewünscht, sie möge in der VHS (oder anderswo) nun noch einen Kurs: japanische Süßigkeiten und Desserts anbieten. Da sind bei mir ein paar unerfüllte Gelüste aus der Kindheit zu befriedigen …



Nächsten Monat lerne ich bei Shoko Kono anständig Zutaten schneiden. Das ist in der japanischen Küche auch eine Philosphie für sich, genauso wie den Reis auf's Nuri aufbringen etwas Meditatives hat, wenn Ihr mich fragt. Sushi machen ist ein bisschen wie Urlaub haben. Sushi essen sowieso.

2010-05-01

Samstagsgedanken

Während dann nun in der Stadt doch wieder die Steine fliegen und auf 3SAT gerade Michael Jackson zelebriert wurde, fällt mir im Nachgang als Überlegung zu seinem Tod ein, dass es eine Sache gab im letzten Jahr, der möchte ich ehrlich gesagt auch nie wieder in diesem Leben begegnen müssen: dieser offensiv zur Schau getragenen Nichtrauer seinen eigenen Vaters.

Das berührt mich jetzt noch tief unangenehm, stelle ich fest. Als Nichtfan.

2010-04-30

Interview mit Alf Thum



bei arte-TV. Thum hat die „Front Deutscher Äpfel“ gegründet, eine satirische Organisation, die rechtsextreme Gruppierungen und deren Gedankengut parodiert. Er beschreibt in dem Interview mit deutlichen Worten den Realitätsstand der Nazibewegung.

Erlebnisgastronomie



Während ich heute mit der einen charmanten lustigen Hälfte von Tulip Photo, Susanne, in der Crellestraße im Café – bei dem schönen Wetter natürlich draußen auf der Straße – saß und mir von ihr von den wundervollen politischen Hintergründen des hiesigen Quartiermanagements erzählen ließ, schmiss sich ungeladen und daher von uns ganz unerwartet, ein nicht unerheblicher Brocken Berliner Fassadenkultur direkt knappe 50 cm vor meinen Füßen in den Straßentod. Seine staubige Hinterlassenschaft drängte sich dabei auf Tisch, im Kaffee und an uns auf und die Unvermittelheit, als auch Wucht und dann das spätere Erkennen doch irgendwie verdammt viel Glück gehabt zu haben, ließ uns erst mal blass und kleinlaut ins Café zurück ziehen.



Die Feuerwehr kam alsbald und versicherte sich der restlichen Haltekompetenz des restlichen Steinsimms und meinte lapidar, man möge doch jetzt die Hausverwaltung rufen. So geht er also weiter, der diesjährige Eiszapfenterror des vergangenen Winters, nicht nur die Straßenlöcher winken fröhlich – auch das sonstige Material schwächelt im Sommer.

Die Frida ist in town!

Heute öffnet die riesige Frida Kahlo-Retrospektive im Martin-Gropius-Bau. Morgen, 1. Mai 2010 findet zur Eröffnung ein Kuratorengespräch mit der Großnichte Cristina Kahlos statt. Zu besichtigen ist die Ausstellung bis zum 30. August diesen Jahres.

Ich lasse jetzt einfach die künstlerische Kraft von Frida auf mich wirken und bin sehr glücklich. Mit der Kunst dieser Frau in der Stadt kann meinem Gefühl nach nichts mehr schief gehen!

2010-04-29

Liebe Sandra Bullock,

irgendwie entzückst Du mich seit gestern einmal mehr – so als Mensch und prominente Person, die mit links der hiesigen Pressewelt so etwas von einer Blamage zugeführt und die gesamte verlogene Mischpoke so dermaßen vorgeführt hat. Respekt.

Zunächst einmal ist es eine unfassbare Leistung bei der Publicity, die Du in diesem Jahr vor dem Bekanntwerden der ein, zwei, drei Fehltritte Deines Gatten bereits im Vorfeld durch die Golden Globe- und Oscar-Nominierungen als auch dem Gewinnen dieser Awards als beste Hauptdarstellerin erhalten hast, an der Öffentlichkeit und diesem Paparazzi-Interesse an Deiner Person so ganz heimlich ein kleines Baby adoptiert hast – und keiner von ihnen hat's bemerkt.

Auch habe ich meine persönliche Freude daran, dass diese Adoption noch zu einer Zeit geschah als Du an Deiner Ehe keinen nennenswerten Zweifel hegen musstest und wie nach dem Bekanntgeben der Affäre Deinen Mannes dieser von der Presse in die Rolle des angeblichen Rassisten und Hitlervergötterers geschrieben wurde. Derselbe angebliche Rassist hat mit Dir gemeinsam ein Baby adoptiert, dessen Hauptfarbe man nicht als weiß bezeichnen würde. Das hat für mich einen eigenen Charme. Und für das Papier auf dem die Lügen der Yellow-Press gedruckt wurde, mussten Bäume sterben.

Das Beste aber heute in den allgemeinen Schlagzeilen: Die gelbe Presse bejubelt, dass Du einen drei (!) Monate alten kleinen Sohn hast, der seit Januar diesen Jahres bei Dir lebt. Wir schreiben heute Ende April. Immerhin den vierten bzw. fast schon fünften Monat des Jahres. Ich hoffe, Dein Sohn altert jenseits der Presse irgendwann doch noch altersentsprechend. Sonst dichten Dir die gleichen Hornochsen demnächst noch ein Alien als Sohn an.

2010-04-28

Tulipan 1/2010

Weil Django 'ne Monatskarte hat (= creezy 'ne Jahreskarte) dieses Jahr als Mehrteiler. Sonntag waren wir in den Tulpen, die noch längst nicht so weit waren wie in anderen Jahren zu Frau Indicas Älterwerdungsritualen. Und ich habe auch nur schnell „knips“ gemacht, weil ich lieber mit Herrn Exit plaudern wollte. Da kommt noch was. Aber für heute schlicht Frühling:







2010-04-27

Kleine Änderung

Den inflationär häufig ausgestrahlten Werbespot (dem einen von den momentan massenhaft im Fernsehen beworbenen Medikamenten gegen Sodbrennen) für das Medikament „Antra“ von Bayer Vital gegen Sodbrennen hat man dieser Tage unauffällig im Text korrigiert neu aufgelegt.

Während in der früheren leicht antiquiert Version der schnittige junge Chef seiner älteren, auf old fashioned getrimmten Sekretärin (vermutlich wollte man mit diesem Muster den mütterlich besorgten Habitus der Frau besonders herausstellen *seufz*) frisch motiviert zuruft, „sie solle den Arzttermin nun wieder absagen, denn nun hätte er das supi-dupi wirkende Hilfsmittel seiner Wahl für sein Problem mit der aufsteigenden Magensäure“, geht es in der tonal neu gestalteten Variante nur noch darum, dass er jetzt nur kein „Rezept mehr vom Arzt für das Sodbrennen-Mittel bräuchte, denn es gäbe ja jetzt das rezeptfreie Produkt in der Apotheke.“ Das visualisiert die Abwahl der ärztlichen Notwendigkeit natürlich etwas unauffälliger.

Ja, was ist denn hier passiert?

Meine Vermutung: Da hat die Lobby der deutschen Ärzteschaft Bayer deutlich auf die Füße getreten und die Möglichkeit, „wenn Ihr uns so offensiv als unnötig bewerbt, dann können wir völlig entspannt künftig ausschließlich die Medikamente der Konkurrenz verschreiben“ dem Hersteller in Aussicht gestellt. Das könnte wohl dem Pharma-Riesen ganz schön weh tun.

Vielleicht haben aber auch nur die an unserer Gesundheit tatsächlich noch interessierten Gesundheitsverbände ihr Veto erhoben, denn über eine längere Zeit auftretendes Sodbrennen kann sehr wohl ein dringendes Alarmsignal für ernsthafte Erkrankungen im oberen Gastro-Intestinal-Trakts sein – das gehört insbesondere ab einem bestimmten Alter tatsächlich erst einmal abgeklärt.

Also beim Auftreten von Sodbrennen: Kaffee von der Liste streichen, Zigaretten und Alkohol sowieso, Diät leben und mal einen Takt runter schalten. Wenn's dann besser wird, weiß man, dass man an dem Symptom selber schuld ist. Wenn das Sodbrennen nicht aufhört, schnellstens zum Arzt gehen – und sich eben nicht nur mit einem Medikament abspeisen lassen. Sehr wahrscheinlich hätten wir in Deutschland ein paar Speiseröhren- und Magenkrebstote weniger, wenn man die ersten Symptome sich nicht werbebeinflusst einfach wegschminken würde.

Und was lernen wir aus dem Spot sonst so?

Der Jungmanager von heute findet zwar den Weg in die Apotheke, ist aber a) zu feige zum Arzt zu gehen und b) zu doof, um selbst für sich einen Termin auszumachen.

Das Modell Sekretärin way back 1965, das dort verkörpert wird, habe ich im realen Leben schon seit ewigen Zeiten nicht mehr aktiv erlebt. Und das ist auch gut so.

Habe gerade …

den Falthintergrund erstmals alleine zusammen gelegt bekommen. Direkt beim ersten Mal. Ohne Widerrede vom Material. Der Hintergrund stand nach der ersten Entfaltung erst mal ein paar Wochen aufgebaut hier rum, weil ich ihn partout mit den Anleitungen vom Hersteller als auch mit diversen YouTube-Tutorials nicht alleine zusammen bekommen habe. Vor dem Kauf sah ich diesbezüglich keine Probleme auf mich zukommen und dachte, das schaffe ich easy. Denn mit meinen Faltreflektoren gibt es ja auch keine Probleme.

Neulich habe ich selbst mit dem besten Freund der Welt, der bekanntlich alles etwas bis deutlich schneller kapiert und umsetzt als ich es zu leisten vermag, immer noch mehr als eine halbe Stunde daran gesessen, bis es endlich klappen wollte. Auch da: die Hilfestellungen auf YouTube wollten irgendwie hier bei mir vor Ort nicht funktionieren …

Der beste Film mit der besten Erklärung ist ganz klar dieser hier.



Tat übrigens gut, die Kommentare zum Clip zu lesen …

2010-04-26

Mensch …

da hat der niedliche Husky-Mix dem gemeinen America Staffordshire ja einen Bärendienst erwiesen. Passt irgendwie so gar nicht in unsere dumme „nur diese Hunde sind gefährlich“-Schublade, wie?

Der deutsche Doktor und die liebe Hüfte.

Tsja, scheint so als hätte die Hüft-TEP (Totale Endoprothese (Implantat) des Hüftgelenks) bei den deutschen Orthopäden die Kniespiegelung als Spitzenreiter der am liebsten ausgeführten Eingriffe am Patienten abgelöst. Wundert nicht wirklich, spült so eine OP ordentlich Euronen (ca. 7.000,–/pro Seite) in die Kassen der Krankenhäuser.

In Zahlen heißt das, Deutschland ist mittlerweile weltweit führend in der Ausführung von Hüft-TEP-Operationen pro Einwohner! Zunahme dieser Art der Operation: immerhin 50% in den letzten acht Jahren.

Der WDR hat in seinem Format Westpol zu dem Thema einen Beitrag „Dr. Raffgier“ gebracht, der die finanziellen Hintergründe zum OP-Boom aufzeigt – und die logischen Folgen für unser Gesundheitssystem. Die Operateure werden aggressiv von den Herstellern der Implantate umworben. Immerhin kritisiert sich die Ärzteschaft jetzt sogar selbst. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie mahnt den eigenen Berufstand an, zu häufig und vor allem unnötig früh zu operieren.

Gleichzeitig bekommen die Operateure ein eher als mangelhaft zu benennendes Zeugnis ausgestellt: 60% der operierten Patienten sind mit dem Operationsergebnis nicht zufrieden – nur 40% führen nach der Operation tatsächlich ein Leben ohne Beschwerden.

Script zur Sendung und Link zum Clip. Empfehlung!

2010-04-25

My own private Drachenfest

Hatte ich gestern. Beim Vietnamesen. Die Geburtstagsgesellschaft traf sich zum abendlichen Gelage bei den 3Moms. Man sagt Frau Indica klammheimlich eine Betelblatt-Sucht nach. Ich war gestern mutig und orderte mal nicht nach der Vorspeise „Betelblattfilet auf Salat“ zum Hauptgang „Betelblattfilet auf Reisbandnudel“ wie üblich, sondern entschied mich für auf Gemüse geschmorten und mit thailändischen Gewürzen reichlich beschenkten Pangasius. Wurde auch prompt belohnt. Irgendwann mit einem Stäbchen voller Gemüse in den Mund geschoben, biss ich auf ein Stück etwas, das aus dem weichgedünsteten Gemüse etwas fester herausstach und schluckte dieses mit dem Gemüse herunter. Das weiß ich noch. Danach fühlte ich mich wie im Comic.


screenshot by textundblog

Das Stück wanderte die Speiseröhre brav runter in Richtung Vormagen, um kurze Zeit später wie ein kleines intimes Inferno sich mit einer höllischen Schärfe zurück zu melden und unmittelbar meinen im Überschwung reagierenden Synapsen meldete: Dampf ablassen. Jetzt! Gleich! Hier und sofort! Am besten auch noch auf der Stelle! Tat ich auch. Mit ordentlicher Gesichtsfarbe (sonst scheintot blass, nun irgendwie feurig erregt), 1A-Tränenfluss und eben Dampfproduktion zu sehen an den Rauchschwaden, die aus den Nasenlöchern und Ohren trat. In einem späteren Moment von aufgesetzter Gelassenheit pulte ich aus dem restlichen Gemüse den Rest des Übeltäters, den Blütenstengel einer Thai-Chili.

My Dear Mister Singing-Club! Wir kennen doch alle die Szene wie Ex-Bundeskanzler Kohl in die ihm hingehaltene rote Peperoni biss? Er hatte nur hinein gebissen, ich habe sie hinunter geschluckt. Was praktisch war, dass man mit der Schärfe sofort merkte, wie der Ohrenschmerz aus dem Gehörgang gedrückt wurde, der Halsschmerz sich verdrückte und vom Husten war die nächste Stunde auch erst mal keine Spur zu sehen. Es dauerte eine vornehme Weile, bis ich meine Fassung wieder erlangt hatte.

Meine charmante Nachbarin erklärte mir dann, ihr wäre so etwas ähnliches einmal passiert als sich bei ihr eine Erkältung im Anzug war – die dann stante pede frustriert weiterzog. Ich kann die Erkältung verstehen. Ich werde beim Anblick der nächsten Thai-Chili auf meinem Teller im kompletten Zustand auch direkt beidrehen und den Rückwärtsgang einlegen.

Fürchte, ich bin mehr der Typ Kopf-Orgasmus dank Wasabi.