2011-10-31

Lange nicht mehr so gelacht!

Sie dürfen sich diskriminiert fühlen als …

Ja, Diskriminierung ist ein ernstes Thema aber das hier entspricht in etwa meinem Verständnis hinsichtlich der aktuellen Diskussion, die stellenweise wirklich schräg, schräg, schräg verläuft. Ich glaube, manchmal ist etwas Humor wirklich die beste Medizin! Und hier und da ist es vielleicht ganz gut, sie zur Prophylaxe zu schlucken.

„Wer nichts hat …

, der ist am Ende noch normal und das ist nun einmal wirklich kaum zu heilen.

Malte Welding, „Opferkult” aus seinem Buch „Männer und Frauen passen nicht zusammen – auch nicht in der Mitte

Sehr schöner Aufmacher vergangene Woche …



in der großen deutschen intellektuellen Tageszeitung: „Bei »Bauer sucht Frau« stinkt es zum Himmel!” Die dahinter liegende Neuigkeit für den „Daily Tagebuch aus dem Milieu”-Zuschauer: Bauern sind gar keine Bauern, die Kühe kalben gar nicht in echt, die Küsse wollen nicht geküsst werden, die Inka heißt eigentlich der Ingo und die geweinten Tränen haben auch noch nie einen menschlichen Tränenkanal von innen gesehen.

Ich ahnte immer schon, eine jede Frau, die relativ früh in diesem Format die Rückreise nach Hause antreten darf, hat Glück – ihren persönlichen Jackpot in der Tasche. Auch war mir schon nach der ersten Staffel klar, ab jetzt kaufen sie die Bauern ein, denn mehr als sechs Wahnsinnige in diesem Beruf auf dem Land unter den Bedingungen kann es in Deutschland nicht mehr geben. Und warum ich auch noch sehr früh wusste, warum das Format von RTL erstunken und erlogen ist? Weil Bauern nun mal SO aussehen!

2011-10-30

Kennt Ihr das?

Seit 30 Jahren keine analogen Fotos mehr geklebt haben und jetzt dieses EINE Foto suchen?

Rituale …

Ich sitze gerne auf Böden. Grundsätzlich. Das ist meiner frühkindlichen buddhistischen Sozialisierung geschuldet. Wir haben damals viel Zeit auf Fußböden verbracht. Wir haben auch immer unsere Schuhe in geschlossenen Räumen ausgezogen. Macht man so vor dem Butsudan. Wir trugen dabei nie Hausschuhe. Deswegen tue ich all das auch heute noch gerne bzw. nicht so gerne. Wer mir in seinem Zuhause Hausschuhe offeriert, quält mich. Ich möchte a) keine Hausschuhe tragen und b) auch keine Hausschuhe, die mir unbekannte andere Menschen vor mir schon trugen. Das hat für mich was von getragener Unterwäsche von Fremden tragen müssen. Mag ich nicht. Als ich übrigens einige Jahre nicht praktiziert habe und dann wieder zu einer Versammlung gegangen bin, saßen plötzlich alle Buddhisten auf Stühlen und trugen Schuhe. Da habe ich wieder einmal gemerkt, immer wenn ich in meinen social geskillten Bewerbungsunterlagen behaupte, ich sei flexibel, stirbt irgendwo auf dieser Welt bestimmt ein giftiger Röhrenpilz.

Wo war ich? Ich sitze gerne auf Böden. Das Ritual will nämlich, dass ich Samstags im Discounter den Werbeprospekt mitnehme und im Hausflur die gesammelten eingeschweißten Werbeprospekte aus dem Mülleimer entnehme, den irgendein Nachbar dorthin entsorgt hatte, der nicht so klug wie ich war seinen Briefkasten mit einem „Keine Werbung!”-Aufkleber aufzuhübschen. (Mir war damals wirklich nur nach Verschönerung zumute! Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich mich damit tragischerweise dem gemeinschaftlichen sozialen Kauferlebnis 2.0 entsage, weil ich nie die sein werde, die als Erste twittert „Der Ikea-Katalog ist da!”)

Wo war ich? In der Küche. Auf dem Boden. Da sitze ich also Sonntags immer ganz gerne mit einer Tasse Kaffee, gebe zwei Katzen einen aufs Haus aus, die Dritte mag Milch so wenig wie ich die Hausschuhe, und lese diese Prospekte gemächlich entspannt, so wie andere echte Intellektuelle die wöchentliche Sonntagsausgabe der ZEIT. Und das liest sich dann schon einmal so:

Uhrenradio mit Projektion
Stereo Boombox
Digitales Elektrostimulationsgerät „SEM 40” 3-in-1
Electro-FleX* Reflexzonen-Massagegerät
AirClean Ionizer
Maxx Bodycare „Taiko” Klopf-Massagegerät
Damen-Kuschelsocken
4 in 1 Infrarot-Thermometer
Maxx Cuisine Salat Plus Salatschleuder
6er Pack Teeglässer
Glaskanne
Fruchthelfer-Set
Nur echt mit dem Scottie. (Üblicher Prospekt-Claim immer rechtsseitig links oben gedruckt. Hier besonders lustig, weil dann folgt:)
Salzkristall-Leuchte
Kochrezeptfächer oder Die 100 besten …
Edelstahl-Entsafter
Duschdas
Frische Salatbox

auch schön auf der nächsten Seite:

Diät Butterzeug, Vanillekipferl oder Dominosteine.

Bin mir übrigens nicht sicher, ob „Taiko” im Zusammenhang mit Klopf-Massagegerät nicht auch verdammt fies rassistisch und feministisch übergriffig ist. Ist:

Weihnachtsmännchen

aber auch irgendwie.

*kein Rechtschreibfehler enthalten

(Aus der Reihe: gelegentlich tut mir dieses Internet nicht gut.)

2011-10-29

Schöner Zug fahren …

… mit Kraftwerk:



(Aus der Reihe: ich kann ja auf multimedial schön sauber reduziert noch am Besten.)

2011-10-28

Marco Zeh hat Wut im Bauch

der Mann ist Programmierer, ernährt von seinem Gehalt seinen Blindenhund und lässt sich zu Recht erbost über zwei sehr große Relaunches zweier Unternehmungen aus, deren Hauptfunktion es ist zu informieren: die Hompage des Bayerischen Rundfunks als auch das Portal vom „Der Westen.” In den Genuss dieser Informationen kommt allerdings nur ein Teil der Internetuser. Die, die auf Barrierefreiheit im Web angewiesen sind, gehören eher nicht dazu.

Und bei Euch so …?

2011-10-27

Die Intelligenz von Frauen …

… manifestiert sich aus meinem persönlichen Blickfenster als Frau immer dann auf besondere Weise, wenn ich (weiterhin als Frau) auf die Damentoilette gehe, an deren Toilettentür eine Frau in direkter Anrede dem Florian geschrieben erzählt: „Florian, ich liebe Dich!”

(Aus der Reihe: gibt ja zum Glück auf Frauenklos selten Tischplatten. Mein Kopf!)

Geht doch bitte mal wählen!

Und zwar hier im Racingblog! Ihr könnt darüber bestimmen, welcher der drei von fünf übrig gebliebenen Kandidaten den Trip nach Abu Dhabi mit Ferrari-Kuschelkurs und Shell-Glück gewinnt. Ich bin aus parteipferdischen Gründen für Frau Jekylla. (Es hat Gründe, ich kochte schon einmal für's Pferd!)

Nicht, dass ich nicht allen Kandidaten den Trip wünschen würde, aber ich würde dem Racingblog-/Shell-Veranstaltungsteam die Frau Jekylla von Herzen gönnen, wegen ihrem unvergleichlichen Spaß-, Charme- und Chaotenfaktor! Wir wollen doch, dass alle diese Reise niemals vergessen werden …

Realsatire Deutschland



Extra3 über die Ausladung des Jahres.

Geht ja nix über diese Einhörner …

2011-10-26

Menschliches …



via Nilzenburger

Winter!

Heute ist offizieller Winteranfang. Sagt der Kater. Der saß nämlich heute früh vor der Heizung. Für sich etwas verloren wirkend aber stolz königlich, wie es nun mal seine natürliche Natur ist. Aber er zog so ein Gesicht (die üblicherweise bei Katzenbesitzern bekannte Hackfresse von Katzen, die schlimme Katzentaten ankündigt, wenn man nicht gleich, sofort und am besten heute noch etwas besser funktioniert) dabei und ich dachte bei mir: „mein Kater will mir irgendwas sagen. Was will er mir nur sagen?” Da ich ja super konditioniert bin, habe ich natürlich sofort sämtliche anderen meiner wichtigen Tätigkeiten (Zähne putzen, Kaffee trinken, Walnüsse pulen) unterbrochen, in die Arbeitsroutinen nach hinten sortiert und nachgedacht. Dann fiel es mir ein! Es gibt eine Zeit im Jahr da gilt es vor die Lieblingsheizung des Katers (alternativ der Katzen) Lieblingsdecke oder Lieblingskissen direkt vor die Heizung zu installieren, damit des Katers (oder der Katzen) Gedärme schön beim Zimmertemperatur in Richtung medium gegrillt werden können.

Ein Glück habe ich das geschnallt!

Aber Winter ist jetzt trotzdem.

2011-10-25

Ersatzverkehr

In Berlin fährt ja ab und an die S-Bahn mehr so nicht. Manchmal gar nicht. Gelegentlich partiell nicht. Auf der Strecke zum Flughafen Schönefeld fährt sie nun nach jahrelangem Chaos seit Neuestem mal wieder etwas häufiger, dafür aber gelegentlich des Nachts wieder auch nicht und dann fährt ein Bus. Mit diesem Bus hatte ich gestern die Freude zu fahren. Die nennen das Schienenersatzverkehr. Und der ging so: wir fuhren mit dem Bus ab der S-Bahnstation und Ersatzhaltestelle Grünbergallee bis zum S-Bahnhof Grünau, der eigentlich sonst nicht auf der Strecke dieser S-Bahnlinie liegt. Dann durften wir zwei Stationen bis zum Betriebsbahnhof Schöneweide mitfahren, und dort in den gegenüber wartenden Zug umsteigen, der eine Station bis Schöneweide fuhr, dort durften wir dann zu einem anderen Gleis wechseln, um in unsere gewünschten Linien der bevorzugten Weiterfahrt zu wechseln.

Das war schön viel Umgesteige und Gewechsle für so eine späte Nacht und ich habe bis heute, selbst nach erfolgreichem Rotwein-Abbau, immer noch nicht begriffen, warum die den Scheißbus nicht einfach alle Stationen abfahren lassen bis zum ersten Bahnhof der baufreien Zone?

(Aus der Reihe: versteht Ihr das doch, ich will nicht mehr!)

Gestern …

das Älterwerdungsritual von Frau multikulinarisch.es. Food-Blogger feiern den lieben ganz langen Abend am liebsten wo?

Nebenbei gestern die beste Kürbissuppe der Welt gegessen, muss ich ehrlich sagen! Und ich war von meiner eigenen schon immer überzeugt.

Wenn ein Mensch

aufgrund einer beruflichen und sozialen Frustration, z. B. weil er arbeitslos ist und für sich keine Zukunftsperspektive sieht, kriminelle Handlungen begeht, ist es medial zur allgemeinen Imageverschlechterung von Langzeitarbeitslosen ungemein wichtig nicht etwa zu schreiben, „ der arbeitslose Maler”, „der Mensch ohne Arbeit”, der „Arbeitslose” oder „Langzeitarbeitslose”, es ist nur richtig ihn als „«Hartz IV-Empfänger» fackelt Autos ab” zu beschreiben.

Weiterhin hat noch nie ein Mensch in diesem Land eine Leistung namens „Hartz IV” empfangen, bezogen noch erhalten. Ein Umstand, den ich meinen Freunden seit Jahren versuche zu erklären und sie bitte, sie mögen sich doch nicht auch noch an diesem Prozess der Stigmatisierung von Arbeitslosen beteiligen. Sinnlos. Leider. Sie begreifen es nicht.

2011-10-21

Deutschland, armes Facharbeiterland.

Arbeitsgebiet: Simulation des Wäschefalls in der rotierenden Trommel zur Vorhersage des Waschergebnisses. Eine Möglichkeit zur Promotion wird angestrebt.

An der Beuth Hochschule für Technik Berlin ist im Rahmen des Drittmittelprojekts "DynTexTro - Ansätze zur Vorhersage der Wäsche in der bewegten Trommel" im Fachbereich VIII - Maschinenbau, Verfahrens- und Umwelttechnik (Fachgebiet: Struktur- und Strömungssimulation), eine Stelle zu besetzen.

Fachliche Anforderungen: Abgeschlossenes naturwissenschaftliches oder ingenieurtechnisches Hochschulstudium mit Schwerpunkt numerischer Simulation. Erwartet werden umfassende Kenntnisse der numerischen Methoden der Strömungs- und Struktursimulation, sowie praktische Erfahrung mit den Softwarepaketen ANSYS, ANSYS CFX und LSDyna.

Außerfachliche Anforderungen: Kenntnisse auf den Gebieten Strömungsmechanik, Thermodynamik und Festigkeitslehre sind vorteilhaft. Teamfähigkeit, soziale Kompetenz, Kreativität und Fähigkeit zu selbständiger wissenschaftlicher Arbeit wird vorausgesetzt.

(via bel, danke!)

2011-10-20

1,8 Millionen Euro in den Wind geblasen …

Julia Probst von Augenschmaus hat sich auf Facebook – ebenso wie ich über diese – weil letztendlich inhaltslose – Imagekampange der Bundesregierung aufgeregt. Nun, sie weiß natürlich noch viel besser als ich, was sich genau nicht tut in Deutschland hinsichtlich der Integration von Menschen mit Behinderungen im Alltagsleben dieser Republik. Die Kampagne kostet übrigens 1,8 Millionen Euro. Ein Schnäppchen im Vergleich zu dem was den Support echter integraler Aktionen kosten würde.

Dazu passt das heutige Mahnschreiben, verfasst vom Sozialverband Deutschland (SoVD), Deutscher Behindertenrat (DBR) und Elterninitiative „Gemeinsam leben – gemeinsam lernen” an die Kultusministerkonferenz, die weiterhin auf dem besten Weg ist, die UN-Behindertenrechtskonvention zu ignorieren. Integrativer Unterricht findet einfach nicht statt in diesem Land, vor allem dann nicht, wenn Kindern mit Behinderungen die Schulhelfer ohne Sinn und Verstand weggekürzt werden und ihnen damit schon der Besuch der Schule überhaupt schwer bis unmöglich gemacht wird!

Also wieder einmal: außer Spesen nichts gewesen!

Geahnt habe ich das schon immer …

… Knut ist gar nicht tot, Knut ist nur umgezogen:



Und zwar zum:



(Aus der Reihe: Ihr kennt diese unglaubliche Kreativität gepaart mit wilder Schönheit von Neuköllner Hochparterre-Fenstern nicht!)

2011-10-19

Gestern …

habe ich eine Freundin auf Facebook „entfreundet”. Warum? Sie ist derzeit dabei sich beruflich neu zu orientieren. Ihr Job ist ganz klar die Kommunikation. Soweit so gut und verständlich. In ihrem Bemühen sich jetzt nach außen als die beruflich sehr kompetente Person zu positionieren, die sie zweifelsohne auch ist, tut sie dies nun auch verstärkt in dem Bereich Social Media. Verstärkt heißt, sie ist seit jeher immer stark in ihrem Blog und auch, aber hier deutlich weniger aktiv als andere Freunde, bei Twitter und Facebook aktiv gewesen. Hier nur, wenn das Berufsleben Zeit für die Kommunikation ließ. Auf Facebook habe ich sie auch stärker nur in der Kommunikation erlebt, denn mit eigenen geposteten Inhalten. Das geschah übrigens auch immer hinsichtlich ihrer aktuellen beruflichen Funktion und besonderer Umstände sehr bewusst reduziert in den privaten Statements. Dies zur Erklärung. Und alles verständlich.

Neuerdings in dem ebenso verständlichen Ansinnen, sich aufgrund der Neuorientierung besonders in den Social Media-Kanälen kompetent zu positionieren, hat sie ihre Online-Aktivität vor allem bei Facebook stark erhöht. Das ist soweit sehr schön, denn ich lese immer gerne von den Leuten, denen ich bewusst in diesen Medien folge. Zunehmend wurde ich aber mit Inhalten aus dem Unternehmensprogramm (es ist ein in der Kultur aktives Unternehmen) „bespaßt” und gestern war es mir die eine Unternehmensmeldung zu viel! Ich befinde ehrlich: wenn mich das Unternehmen und dessen Aktivitäten über Gebühr interessiert (also jenseits des üblichen bereits existenten Kommunikationsflusses, den man eh über so ein Unternehmen erhält, weil die Freundin dafür aktiv ist), dann würde ich sicherlich dessen Kommunikationskanäle eigenständig in meine Feeds und Timelines holen – ganz unabhängig von der Zugehörigkeit meiner Freundin zu dessen Team. Aber tue ich das bewusst nicht, möchte ich im Bereich Unternehmenskommunikation unbehelligt bleiben. Und der Unterschied in diesem Fall ist mir zu omnipräsent greifbar, dass hier nicht mehr die Privatperson, der ich folge, kommuniziert; sondern nur noch die Unternehmenssprecherin, der ich bewusst nicht folge.

Es ist ein relevanter Unterschied, ob ich einer Person – von der ich weiß, sie verkauft sich im Internet auch mit ihrer freiberuflichen Tätigkeit – von deren Wissen ganz bewusst auch von ihren beruflichen Informationen partizpiere, weil ich genau das möchte und für mich entscheide. Oder ob ich so mitten drinnen zum Spielball für die eigenen Interessen, dann aber auch für die Interessen eines mir verhältnismäßig fremden Unternehmens gemacht werde. Ich fühle mich benutzt und wenn auch ich bereit bin, das als Freundin partiell zu ertragen – hier wurde es zu offensichtlich, ich musste die Reißleine ziehen. Auch als Freundin, denn das ungute Gefühl wird zu groß, das ich dabei empfinde! Interessanterweise ist die Kommunikation der Freiberufler einfach eine viel ausgewogenere, denn in der Kommunikation wird die gesamte Person gemeinschaftlich mit der Tätigkeit in einem gesunden Verhältnis verkauft! Wer aber einerseits sehr offensichtlich im Web selber als private Person ganz reduziert präsentiert, dann in einer solchen privaten Verkaufssituation wie einer Arbeitsuche seinen derzeitigen Arbeitgeber allzu offensiv featured, das passt nicht gut zusammen.

Im übrigen zweifle ich keine Sekunde, dass Arbeitgeber oder Personaler nicht auch so klug sind, diesen Aktivismus im Stream zurückzuverfolgen und als plötzlichen Aktivismus klar zu hinterschauen. Ich bin mir also nicht sicher, ob sich die Person mit ihrem Handeln überhaupt einen Gefallen tut. Darüberhinaus sehen viele Personaler eine allzu offensichtliche Nichttrennung von Job und Privatleben heute gar nicht mehr als unbedingte Kompetenz, die Zurschaustellung blinder Unternehmenshörigkeit in gleichzeitiger Reduktion privater Interessen, mag für viele Personaler eher ein Grund sein nicht einzustellen.

Kurz, ich denke persönlich, man tut sich keinen beruflichen – und wie man an diesem Post merkt auch keinen persönlichen – Gefallen, nutzt man Social Media-Kanäle nur um gefallen zu wollen. Wer die persönliche Authentizität aus dem Auge verliert, sich als Angestellte/r zu sehr über den Job definiert, wirkt eher allzu gläubig. Es ist nichts dagegen zu sagen, dass jemand seinen Beruf mit Begeisterung ausübt und dies auch als Privatperson deutlich kommuniziert, die gesunde Ausgewogenheit mag hier das berühmte Zauberwort sein. Vor allem wer sich sehr bewusst – aus legitimen Gründen – als Person lieber reduziert sehen möchte, die Reduktion zugunsten eines Dritten plötzlich aufgibt, wirkt nicht mehr authentisch. Und nicht authentisch sind die allermeisten Unternehmen sowieso im Web, der Bedarf ist also gedeckt, mangelnde Authentizität brauchen wir nicht auch noch bei privaten Personen!

Ja, ich denke man muss für sich eine Entscheidung treffen, ob man wirklich Part dieser neuen Medien sein möchte – oder nur den willkürlichen Spielball geben möchte. Zunehmend sortiere ich Menschen aus meinen Timelines, bei denen ich merke, dass sie sich vor lauter Angst, sie könnten sich im Web den Hauch einer Blöße geben, ausschließlich auf eine sehr oberflächliche Art kommunizieren. Dann meine Empfehlung: lasse es lieber ganz! Eine Online-Identität zu führen, nur „weil man das ja so macht” und sich dann ein völlig uninteressantes, weil allzu neutrales Google-Image zu kreieren, das geht auf Dauer genauso nach hinten los, wie die berühmten Partybilder.

Ich wünsche der Freundin, sie möge alsbald eine neue Tätigkeit finden und dann wieder sie selbst sein auf Facebook. Dann bin ich herzlich gerne wieder in ihrem Kommunikationsstream dabei. Ich habe mir die Entscheidung übrigens nicht leicht gemacht und bin mir auch nicht sicher, ob ich es nicht doch auch hätte aushalten sollen. Gestern jedenfalls war bei mir die Störung leider definitiv zu groß, ich fühlte mich für „fremde” Zwecke missbraucht!

2011-10-17

Immer schon …

… guckte ich mir in meiner frühen Jugend mit großer Begeisterung die Otto- und Quelle-Kataloge an, die uns pünktlich weit vor Saisonstart ins Haus fielen. Wir waren ein Haushalt des primären Mangels und dank der Kataloge konnte man sich das Leben ein bisschen schöner träumen. Je nach fortgeschrittenem Alter interessierte ich mich für Ken und Barbiepuppenhäuser und signalisierte völlig unauffällig Geburtstagswünsche in der Herbst-/Winterausgabe, die in kurzer Folge von Signalen für Weihnachtswünsche überknickt und bezettelt wurden. Später dann wanderte ich mit zugenommenen Alter ein kleines Stück weiter nach hinten zu dem Chemie-Baukasten, den ich mir sehr wünschte, den ich zu Weihnachten auch bekommen hätte, hätte es Quelle jemals geschafft diesen vor Ostern zu liefern. (Dieses sollte sich übrigens in meinem späteren Lebensverlauf als schlechtes Omen für meine schulchemische Karriere herausstellen.) Noch später wanderten meine Leidenschaften wieder weiter nach vorne in den Katalaog, wo es galt meine pubertären Kleidungsfantasien zu stillen (H&M sollte erst noch geboren werden) und sehr viel später bestaunte ich gerne auch die Seiten mit den Gesichtsmassagegeräten in Stabform und in Rosa, die freundlich mir zulächelnden Frauen mit hoch gesteckten Haaren viel gelassene Freude bereiten schienen. Irgendwann interessierten mich übrigens nur noch die HiFi-Seiten. Merkwürdigerweise wollte ich jedoch nie Fahrräder aus einem Katalog! Wenig später starb Quelle den ersten seiner vielen Tode, Amazon kaufte Otto oder Zalanda frühstückte Otto zum Brunch am FFK Strand. Irgendwie so etwas. Übrigens schrie man damals noch nicht beim Anblick von Paketboten, die viel später erst neudeutsch in DHL-Boten umbenannt wurden.

Was diese Kataloge gemeinsam hatten und ich mit meinem Interesse ebenfalls gerne beglückte: Betten! Und zwar spürte ich immer eine heimliche Faszination beim Anblick dieser Betten im Billig-Leder-Look, schwarz mit goldenen Applikatoren und wildestem Leoparden-Tiger-Löwen-Print-Lookalike-Matratzenfestbezug. Natürlich mit Radio im Kopfende! Ich fand die Dinger heiß und gräßlich zugleich und insgeheim ahnte ich, solche Betten würden mir nie in einem Zuhause der Eltern meiner Freunde und Freundinnen oder überhaupt begegnen. Es sei denn, ich würde mich emanzipieren und ein Bordell als ein Zuhause bezeichnen, was ich bis heute nicht geschafft habe. Kurz, mir war immer klar, es gab eine Bettenkultur in deutschen Versandhauskatalogen, die vornehmlich wohl ausschließlich an Adressen wie c/o „Chez Jaqueline” per Spedition verschickt wurden.

Heute, da bin ich ehrlich, vermisse ich den Anblick dieser Betten in Katalogen ja. In einem Manufactum-Katalog (der Einzige, den ich heute noch den Einzug ins Haus gestatte) werde ich ein solch lustvolles Exemplar von Bettenästhetik wohl niemals finden.

Neulich in der Filiale eines Möbel-Discounters, ein US-KingSize-Bett mit stoffbespannten Nachtischen und Ablageglasflächen. Ich war drauf und dran zu weinen! Es ist beruhigend zu wissen, dass Geschmacklosigkeit doch niemals aussterben wird!

2011-10-16

Dinge, die man sich nicht vorstellen möchte …

Bestimmt super lecker. Bin ich froh so eine Wellenschleuder nicht zu besitzen, sonst wäre ich bestimmt in Versuchung geraten …

2011-10-15

Neulich …

darf ich mit dem Audi von einem Bekannten fahren. Ich biege kaum um die erste Ecke (okay, es war die zweite), finde zufällig in der 30-Zone das Gaspedal, da zickt die Alte aus dem Navi mich an, ich sei ihrer ungefragten Meinung nach zu schnell unterwegs und erteilt mir den Auftrag, das gefälligst zu ändern. Erst bin ich natürlich erschrocken (mein letztes Auto startete noch mit Choke, ich kann Stadtpläne lesen und meine Waschmaschine spricht auch nicht mit mir), denn ich kenne also solche unangemessenen Kritiken hinsichtlich meines Fahrstils nicht. Schon gar nicht von so einer künstlichen Elektronenschabracke. Ich kann schon schlecht damit umgehen, wenn mir Menschen in meine Lebensmodalitäten rein reden wollen; macht es eine künstliche Intelligenz, sehe ich rot.

Und Ihr kauft jetzt alle iPhones mit oder wegen Siri? Heißt das, dass mein Alltagsleben in Zukunft vom nervigen Sound Eurer elektronischen Ziehmutter bereichert wird?

Das dürfte Tote geben!

The Grouch



Ist übrigens Nishias Lieblingspapiermüllhochstand. Wegen der Aussicht …

2011-10-14

Super Trouper


(Kunstkuhkater)

Etwas fassungslos hing ich …

… neulich vor dem Rechner als mir dieses „Mahnwerk” vor das Auge kam. Dann wurde ich sauer. Richtig sauer. Mich ärgerte die Art und Weise, wie andere Menschen die Trauer von Mitmenschen diskreditieren und ich fragte mich, woher sie für sich das Recht herausnehmen? Und ich fragte mich, wie sie eigentlich auf die zwischen den Fotos liegende Unterstellung kommen, Menschen, die um Jobs gerade trauern, würden nicht auch schon seit Monaten um die sterbenden Menschen in Afrika trauern, sich aktiv kümmern und spenden? (Alleine die implizierte Wahrnehmung ist zeitlich überhaupt nicht vergleichbar in der Intensität, denn die Hungersnot ist nicht erst seit vergangenen Mittwoch ein Thema, sondern bereits seit Monaten.)

Am allermeisten aber ärgerte ich mich über diese „Aktion”, weil sie so völlig destruktiv wie ein Kropf ist. Wenn ich einen Missstand vermute, eine Unverhältnismäßigkeit (hier übrigens banal plakativ aus der Luft gegriffen, denn letztendlich gibt es keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele Menschen der Tod von Jobs und die Hungersnot in Ostafrika tatsächlich berührt), dann geht es doch darum die Menschen, von denen ich glaube sie würden sich nicht ausreichend um andere Menschen in Not bemühen, zu motivieren, genau das jetzt bitte zu tun. Und? Werde ich das wirklich erreichen, nur weil ich denen erzähle, was für Arschlöcher sie doch sind, weil sie traurig sind, weil irgend so ein Computer-Heini gestorben ist, während next door Menschen Hunger leiden und daran sterben?

Ich würde ja fast behaupten wollen, der Umkehrschluss ist richtig. Wer nämlich Knete hat, sich Apple Computer zu leisten, die ja gerne als teurer kritisiert werden, hat vermutlich auch eher das Geld wenigstens finanzielle Hilfe anzudienen. Und ich erlebe diese Menschen in meinem Umfeld als sozial und interessiert genug, das auch zu tun. Vielleicht weil es von so einem blöden Mac aus noch mal einfacher und schöner ist auf betterplace.org zu klicken!

Dieses Mahnplakat, das gerade im Internet umhergeht, ist nicht einmal so konstruktiv gestaltet worden, dass darauf Adressen vermerkt wurden, die es den Menschen, die sich vielleicht wirklich davon überzeugt sehen (es werden so viele nicht sein) wenigstens einfach gemacht hätten etwas zu tun und wenn es nur eine Spende ist. Nein, dafür hat es bei den Initiatoren nicht gereicht. Es soll also den Menschen nur klar gemacht werden, dass sie Arschlöcher sind, weil sie etwas nach dem Tod eines Menschen empfinden, den sie wahrscheinlich nie getroffen haben. Was letztendlich genau das Zeichen dafür ist, dass es den Initiatoren auch nie um die sterbenden Menschen in Afrika ging. Es ging ihnen einzig darum, sich über eine geringe Menge Menschen zu erheben. Diese Aktion ist eine Nulllösung!

Und jetzt kommen wir zu dem anderen Thema, dass mich diese Woche seit dem Hinscheiden von Jobs im Web ständig begleitet. Das dumpe Nachplappern der Vergehen von Apple auf dem chinesischen Arbeitsmarkt. Ja, Apple hat sich da nicht mit Lorbeeren bestückt. Das tun aber leider die Hersteller der anderen Computer auch alle nicht. Jeder, der in China produzieren lässt, tut dies, weil ihm die dortigen Arbeitsbedingungen unter dem Strich das meiste Cash in der Bilanz bringen. Jeder Zuflieferer von ThirdParty-Produkten Eurer PCs tut dies! Bei Apple kam es raus, weil Apple eben trotz der hochpreisigen Politik erstaunlich erfolgreich war und unverständlich in einem rückläufigen Markt Zuwachszahlen generiert und man daher gerne mal besonders hingucken wollte. Aber lügt Euch doch verdammt noch mal nicht so in die Tasche. Es gibt einen Grund, warum in China ALLE produzieren wollen. Weil es dort verdammt billig ist und weil es die chinesische Regierung einen Scheiß interessiert, was mit deren Arbeitern passiert. Ja, Ausbeutung ist ein Problem, auch bei Apple. Aber bitte hört doch auf, so dummdreist auszublenden, dass es nur Apple wäre. Apple ist ein vergleichsweise kleines Unternehmen! Apple hat zwar Zuwächse, hält aber im Vergleich zu HP und Dell nur halb so viel (und noch weniger) Marktanteile weltweit! (Hier mal die Zahlen für Westeuropa.) Klingelt da was?



Ja, bitte, tut etwas für die Ungerechtigkeiten in dieser Welt und macht darauf aufmerksam! Aber tut es bitte ohne unseren Intellekt zu unterschätzen. Und lasst Menschen gefälligst traurig sein, weswegen sie auch immer traurig sein wollen. Das menschliche Herz ist zufällig groß genug, um für mehrere Erleben traurig sein zu können und zu empfinden! Und separiert vor allem vielleicht auch einmal das, was Presse glaubt schreiben zu müssen, alleine um Auflage zu machen, von dem, was Menschen vielleicht wirklich empfinden, denken und glauben! Dann wären wir schon mal einen deutlichen Schritt weiter hinsichtlich sozialer Intelligenz! Und um die geht es hier ja wohl, oder?

Malte Welding: Brot statt Böller (Lesen!)

So, und wer jetzt was für Afrika tun möchte, egal ob Apple- oder PC-Experte, kann das hier tun:

Ärzte ohne Grenzen
Unicef
Aktion Deutschland hilft!

Kindernothilfe

2011-10-13

Passend …

… zur Ausladung, dann heute pünktlich erstmals dieses Plakat gesehen (Kampagne der Bundesregierung gegen die UN-Rüge):



Tsja …

Was ich wirklich nicht will …

Ich treffe ja gerne Freunde und Bekannte unterwegs. Meistens. Passiert hier in der Stadt auch ständig. Also passiert zwar als Berliner eher dann, wenn man in der Weltgeschichte unterwegs ist. In Tokyo zum Beispiel, kann ich mir vorstellen, trifft man ständig bekannte Berliner oder in New York. In Berlin oft auch. Vermutlich nicht so oft wie in Tokyo, denn das wäre zu naheliegend. Aber im Grunde weiß ich das nicht, denn ich war noch nie in Tokyo. Ich war mal in New York und da hatte der Anzugverkäufer, der meinem damaligen Freund nachts um 22:30 Uhr noch ein paar Anzüge verkaufte und anpasste und nebenbei perfekt Deutsch sprach, obwohl er aus dem Libanon kam, uns erzählt, dass er Maschinenbau in Aachen studiert hatte, was insofern ganz lustig war, als das mein Freund auch aus Aachen kam, bevor er dann aus umzugstechnischen Gründen aus Berlin kam. Das war fast so, wie als Berliner einen Berliner in New York zu treffen. Für drei Tage Aufenthalt jedenfalls war ein Aachner auf einen Aachner gar kein so schlechter Schnitt. Fanden wir damals jedenfalls.

Was ich eigentlich sagen wollte. Also ich treffe mich sehr gerne unverhofft. Nur nicht heute. Als ich an dieser Bushaltestelle direkt vor der Scientologen Zentrale stand. Das wäre mir irgendwie unangenehm gewesen. Es gibt Orte in der Stadt, da will man einfach nicht gesehen werden.

Ausgeladen!

Bundestag lädt 300 Menschen mit Behinderungen ein. Und lädt sie wieder aus. Weil der Bundestag für mehr als einen Finanzminister im Rollstuhl hinsichtlich seiner Brandschutzbestimmungen nicht ausgelegt ist. (Und überlest bloß nicht die Kommentare!)

(Aus der Reihe: oft ist mir dieses so fortschrittliche moderne Land ehrlich peinlich!)

2011-10-09

Da haben …

immer alle Angst vor den Linken, denn die bringen ja garantiert mit dem Kommunismus auch die Stasi zurück ins Land. Stasi? Äh … moment mal …

(Neu: jetzt auch für Macintosh!)

Wie großartig!

Kaffeehauschefin über Macchiato-Mütter: "Die Weiber denken, sie wären besser"

(Aus der Reihe: ich liebe den geschriebenen Berliner Dialekt. Den Rest auch.)

Arbeit und Struktur

Das Blog Arbeit und Strukur ist nicht alleine wegen dieses einen wundervollen Blogposts zu empfehlen. Es gibt in diesem Blog sehr sehr viele solcher Posts! Wolfgang Herrndorf hat ein Glioblastom und schreibt über seinen Alltag mit dem Tumor in der Neurologie als auch zu Hause. Man möge mit diesem Blogpost anfangen …

Good luck, Wolfgang!

13.3. 10:07

Erster Besuch zu Hause ohne Begleitung, der beruhigende Anblick vertrauter Gegenstände. Die Waschmaschine, die meine Eltern beim Aufenthalt in meiner Wohnung zerstört zu haben glaubten und die mehrere Waschgänge lang nicht tat, was sie tun sollte -, tut es wieder. Einfach so. Miele. Die Maschine wurde noch von meiner Großmutter erworben, ein Waschautomat der 1968er-Baureihe, also aus einer Zeit, als der Mond noch nicht betreten, Borussia Neunkirchen noch in der Bundesliga und das elektronische Signallämpchen nicht erfunden war.

Das mechanische Äquivalent zum Signallämpchen ist die Überschwemmung des Fußbodens, die den Besitzer darauf hinweist, daß das Flusensieb voll ist. Man muß das Sieb dann rausnehmen und entflusen, etwa alle fünf Jahre, was bedeutet, daß dies im Leben des Automatens sieben oder acht Mal geschah, und ich erinnere mich, wie gerührt ich immer beim Entflusen war: wie die Zeit vergeht. Die Maschine wurde nie gewartet und war ansonsten nie defekt. Die vollständige Aufschrift lautet: MIELE AUTOMATIC W 429 S.

Legt bloß …

Granatapfelkerne mit in Eure Rumtöpfe ein. Oder legt Granatapfelkerne alleine in Rum ein. Himmel, sind die lecker!

2011-10-07

Der ist mal wieder zu gut!

Ich bin soweit.

Dienstag denke ich noch „er hat jetzt lange durchgehalten, langsam muss wohl die Nachricht kommen.” Ich ahne, was seine letzten Zeilen aussagen und das Foto von ihm, das man nicht autorisiert (fuck off, you paparazzo!) zwei Tage nach seinem Rücktritt (leider) zeigt, machen mir, die ich an Krebs sterbende Personen jedes Mal zu oft gesehen habe, keine Hoffnung mehr. Sechs Wochen, denke ich. Damals. Trauere also schon in jenem Moment und danach bleibt mir nur die menschliche Hoffnung, es möge schnell und schmerzlos für ihn gehen.

Ich öffne gestern morgen meinen Mail-Account und finde die Nachricht eines Freundes von um vier Uhr „Scheiße, dass es so schnell gehen würde, habe ich nicht gedacht.” dazu einen Link in dem ich den Namen Steve Jobs lese und fasse von nun an den Beschluss meinen üblichen morgendlichen Nachrichtenganz im Internet nicht zu gehen. Ich habe keine Lust auf die Realität. Dann mache ich den Fehler und gehe auf Facebook und lese doch, was ich nicht lesen will. Stelle fest, dass man unglaublich viel Mist im Internet lesen kann, von Leute denen es im Angesicht des Todes eines Fremden zu gut geht. Und ich lasse mich treiben.

Steve stirbt also gestern und ich habe keine Lust auf Leute und Gespräche und ich habe keine Lust auf Einsamkeit. Ich mache Tabula rasa und schreibe einem Freund, was ich denke, fühle, leide. Ich bin berührt. Und ich bin taub. Dann habe ich Hunger. Ich fahre um die Ecke zum schwedischen Albtraumkaufhaus und setze mich mit meinem Tablett an das Fenster und gucke auf die Landschaft von Autos. Ich knabbere an einem Salatblatt, das ich brutal wie alle anderen in Rhode Island-Vinaigrette ertränkt habe und bekomme plötzlich ganz feuchte Augen.

In dem Moment erklärt uns eine weibliche Stimme über die Lautsprecher: „Es ist eine Tasche aufgefunden worden. Bitte melden Sie sich bei der Information! Ich wiederhole … es wurde eine Tasche gefunden …” Ich denke, mittlerweile immer noch nicht gut zum Terror ängstlichen Deutschen umerzogen, mit höflicher Ironie: „Herrenlose Tasche. Wir werden alle sterben!” Dann denke ich, „Egal, Steve ist auch tot. Wir schaffen das schon.”

Nachruf, weil er schön ist!

Rumtopf

Lange habe ich keinen Rumtopf mehr gemacht. Der Letzte ist vor Jahren ganz gut gelungen und hat lange vorgehalten. Die sind richtig angelegt unkaputtbar, allenfalls allemachbar.

Neulich dann mit einer Freundin, deren Mann Arzt ist und keinen Tropfen Alkohol trinkt, dessen geschenkten Alkoholvorräte geplündert. Er ist Russe, dementsprechend seine Patientenschaft. Er könnte mit Vodka aller Sorten handeln. Er hortet die Geschenke in einem Zimmer, Vitrinen sind längst zugestellt, nunmehr auf dem Boden und im Grunde sieht das schon fast versoffen aus, wüsste man nicht: er trinkt eben gar nicht.

Die Rotweinvorräte sind mittlerweile längst geplündert und das harte Zeug selber spricht mich nicht an. Ich sah aber inmitten der Mengen eine Flasche Stroh-Rum stehen und meinte dann, die nehme ich mit und lege uns einen Rumtopf an! Dummerweise stellte ich dann später fest, für Rumtopf nimmt man ja Rum erst ab 54 Umdrehungen, dieser hier hatte nur 40. Somit wird auch diese Flasche bei mir nur so … rumstehen. Dennoch besorgte ich gestern flugs Rum, die letzten Erdbeeren der Saison, ein paar Feigen, Granatapfelkerne und Zucker. Dies alles ist schon mal eingetopft. Ich denke, bei den Kirschen werde ich die Variante getrocknete Kirschen nachträglich verwenden. Kirschen müssen sein! Naja, und ein paar Pflaumen müssen noch sein. Dann ist der große weiße Steinguttopf, der von Oma, eh schon voll bis Oberkante.

Gut, die Anlage ist dieses Jahr natürlich sehr spät, wenn auch noch bis zur Adventszeit im Rahmen gehalten. Aber ich denke, das Ansetzen in Phasen ist ja eher der Verfügbarkeit der frischen Früchte in (konnte ja keiner wissen, dass wir irgendwann mal Erdbeeren noch im Herbst kaufen können) ihrem Reifezeitraum geschuldet als einer physikalischen oder chemischen Notwendigkeit. Was mich nun aber doch wunderte, dass in einem Rezept stand, man sollte zwischen den Einlagen der einzelnen Fruchtsorten wenigstens zwei Wochen vergehen lassen. Und nun frage ich mich, warum ist das so? Was regeln Zucker und Rum nach zwei Wochen anders? Es kommt doch auf die Menge an oder? Arbeiten beide zusammen hinsichtlich der Früchte wirklich nach einem Zeitplan? Oder was kann das sonst für Gründe haben?

2011-10-06

R.I.P. Steve Jobs



Das Video ist der erste “Think different”-Spot von 1997, von Steve Jobs selber eingesprochen und wurde nie ausgestrahlt. Es ist ein schöner Spot, ein optimistischer Spot. Den kann man heute für diesen Mann gut alleine stehen lassen.

(via Die Ennomane)

2011-10-05

Sie bla bla bla'n schon wieder …

-------- Original-Nachricht --------
> Datum: Wed, 5 Oct 2011 11:13:43 +0200
> Von: XXXX.XXX@@XXXXX.de
> An: creezy
> Betreff: Blogger-Aktion zum Weltspartag

Hallo,

wenn du Lust hast mit deiner Seite holyfruitsalad.blogspot.com etwas cooles zu gewinnen, würden wir dir gern unsere Bloggeraktion zum Weltspartag vorstellen.

In diesem Rahmen verlosen wir eine Einkaufsflatrate, mit der du bis zu einem Jahr kostenlos einkaufen kannst. Zusätzlich haben wir einige lustige Spartipps gesammelt und es gibt weitere interessante Preise zu gewinnen. Überzeuge dich am besten selbst von unserem Gewinnspiel und besuche uns auf www.XXXXX.de/XXXXX/XXXXX

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Beste Grüße
XXXXX vom XXXXX-Team

Über uns: Wir betreiben in erster Linie unser Portal www.XXXXX.de http://www.XXXXX.de. Dort kannst du Online-Prospekte durchblättern und gezielt nach Produkten in deiner Umgebung suchen. Außerdem hast du die Möglichkeit dir tagesaktuelle Angebote deiner Lieblingsgeschäfte z.B. auf dein iPhone oder iPad mit der XXXXX Navigator-App schicken zu lassen.


Antwort:

Hallo, (ich bleibe aus Unhöflichkeitsgründen auch mal bei diesem ohne Anrede anschreiben)

im deutschen Kommunikationswesen schreibt man den Gesprächspartner in der direkten Anrede übrigens immer noch mit einem großen Du/Dein/Dich an.

Und nein, ich werde nicht Euer Portal heimsuchen – denn für mich ist diese Mail hier Spam und soweit ich informiert bin, in Deutschland immer noch nicht statthaft.

Ich kann auch überhaupt nichts mit „professionellen” Anfragen anfangen, deren Unterzeichner zu geizig sind, mir eine Adresse oder Telefonnummer anzuvertrauen.

Kurz: wir werden nie ins Geschäft kommen!

Mit freundlichen Grüßen
creezy


(Auch ohne Signatur – aber ich wollte ja auch nie etwas von Ihnen!)

Nachtrag:
Da kam dann eben eine Antwort mit einer Entschuldigung, der Bitte die Mail-Adresse zu entfernen bzw. den Klarnamen der Korrespondentin. Was ich natürlich getan habe. Man „wünschte” sich übrigens auch von mir, ich möge den Blogbeitrag entfernen. Mail dieses Mal mit Signatur. Langsam habe ich ja Lust, diese hier dann doch zu veröffentlichen! Die spammen uns Blogger zu und dann wünschen sie sich keine inhaltliche Auseinandersetzung in den Blogs. Etwas worum sie allerdings in der Mail explizit gebeten haben im Zusammenhang mit ihrem Angebot?

2011-10-03

Einheitliches …

Es gibt einen Platz in bzw. vor dieser Stadt, den ich sehr liebe. Das ist der Heiliger See in Potsdam, kurz hinter der Glienicker Brücke gelegen. Auch ein Stück Land, das vornehmlich von finanziell gutbestückten Westdeutschen dem Ureinwohner nach der Einheit aus der Hand genommen wurde. Natürlich hat deren mitgebrachtes Geld den verfallenen Villen sehr gut getan und wenigstens für die Bausubstanz muss man sich freuen, dass sie nun wieder in voller Pracht glänzen kann und diese besondere Stimmung verbreitet. Das ist eben auch Einheit, dort leben zu dürfen, wo man leben möchte. Dieser Ort ist ein guter Ort, stimmungsmäßig. Ich bin früher oft nach der Arbeit im Sommer dort hingefahren, an heißen Sommertagen noch eine Runde schnell schwimmen gegangen, wenn in der Stadt die Freibäder längst geschlossen hatten und die Luft im Sommersmog schon sehr diesig war. Diese drei Stunden am Abend, die man dort dann hatte in aller Ruhe mit einem wundervollen Sonnenuntergang über den See, waren immer wie ein kleines Stück Urlaub für mich. Die letzten Jahre bin ich dann doch seltener dort gewesen. Ohne Auto fährt man doch nicht ganz so schnell „mal runter”. Aber es gab einen sehr schönen Ausflug mit meiner Mum, ein Jahr vor ihrem Tod, den ich in Erinnerung habe. Wir haben uns damals das Marmorpalais noch vor seiner Restauration angesehen und hatten einen wunderschönen Tag.

So hat es mich gestern an meinen Ehrentag dorthin gezogen, alleine. Ich brauchte Bewegung, ich war dankbar für die Sonne, für die Stimmung, es ist ein Ort an dem ich das momentan seltene Gefühl habe, es wird vielleicht doch noch mal etwas gut in meinem Dasein. Dort ist das ganz stark. Hier wieder sehr schwach.

Potsdam ist einfach die schönste Stadt von allen. Ich war als Kind schon sehr oft dort. Meine Großeltern väterlicherseits stammen aus Potsdam und so bin ich als Kind oft mit meiner Oma für Tagesbesuche hinüber gefahren, um ihre Familie zu besuchen zu der sie Zeit ihres Lebens Kontakt hielt. Das waren immer die Momente, in denen ich als Berliner Göre ganz besonders spürte, was diese Mauer mit uns machte. Letztendlich konnte man sehr gut im Westteil Berlins leben ohne überhaupt etwas von der Mauer mitzubekommen. Sie stand allenfalls nervig im Transitweg, wollte man die Stadt mit dem Auto, Bus oder Bahn verlassen. Aber so oder so konnte man problemlos in dieser Stadt leben ohne an ihrer Zweiteilung schmerzlich teil haben zu müssen. Das habe ich nie. Dazu gab es eben diese Oma, die sehr offensichtlich unter der Teilung von ihrer Familie litt. Opa zeigte das nie so. Und ich wohnte später auch viel zu nahe am Potsdamer Platz, als dass ich nicht einen ständigen visuellen Eindruck hatte von dem, was das in dieser Stadt falsch gelaufen war. Insbesondere stellvertretend für das Land, in dem etwas falsch gelaufen war.

Ich erinnere mich, wie ich einmal mit meiner Oma nach drüben fuhr und wir in ein Krankenhaus gingen in dem ihre letzte lebende Tante lag. Ich kannte diese Frau nicht besonders gut. Ich weiß heute nicht einmal mehr, ob sie aus der Familie mütterlicherseits oder väterlicherseits meiner Oma entstammte. Der Teil dieser Familie war einfach immer ein Stück weiter weg für uns Kinder.

Für mich war der Besuch eher gruselig, denn wie Kinder hellsichtiger sind, spürte ich auch ohne Worte, dass dieser Besuch wohl ein letzter war. Ich besuchte einen sterbenden Menschen. Der mir von seinem Mittagessen den süßen Orangensaft schenkte, den ich dann doch nicht trinken wollte, weil er wirklich nicht schmeckte. Mich das aber nicht traute zu sagen, weil wir ja immer die waren, die von drüben diese Sachen schickten, die Omas Familie doch nicht hatte (und vermutlich auch längst nicht mehr wollte, weil im Geschmack längst umerzogen.) Also „vergaß” ich den Saft in dem Zimmer und die uns hinterher rufende Stimme der sterbenden Frau, dass ich den Saft stehen gelassen hatte, höre ich heute noch.

Meine Oma besuchte ihre sterbende Tante. Der letzte Mensch wohl damals mit dem sie noch so etwas wie eine gelebte Vergangenheit teilen konnte, alle anderen Familienmitglieder waren bereits jünger als meine Oma, längst nur die Generation meines Vaters bzw. meiner eigenen. Es war dieses Wissen, das wir diese Tante das letzte Mal lebend sehen werden. Und ich spürte diese große Traurigkeit meiner Oma zu wissen, dass sie nur diesen einen Tag hatte, um sich zu verabschieden. Dass sie die Tante nicht mehr lebend wieder sehen würde. Denn eines ging damals eben nicht – auch nicht für Rentner – einfach hinüber fahren, um täglich nach einem sterbenden Familienmitglied zu sehen, sich zu kümmern. Und sich kümmern, das war für Oma immer ein Ausdruck ihrer Liebe, die sie sonst schlecht zeigen konnte. Für den nächsten Antrag eines Besuches war es dann auch bereits zu spät. Die amtliche Willkür gestattete hier meiner Oma nicht einmal die Teilnahme an der kurzfristigen Beerdigung, soweit ich mich erinnere.

Es gibt natürlich Menschen, die heute ganz froh wären über eine stattliche Trennung, die ihnen pragmatisch die Verantwortung nähme, einen Menschen bis zum letzten Atemzug zu unterstützen und zu begleiten. Aber wenn man das herzlich gerne tun würde, vielleicht auch, weil es der allerletzte Halt zur eigenen Vergangenheit nur ist und man darf es dann nicht: dann wiegt das Nichtkönnen sehr schwer. Unglaublich schwer!

Einer der Gründe, warum ich für diese Einheit nach wie vor sehr froh bin. Oft denke ich fassungslos, dass meine Oma und mein Papa sie gar nicht mehr erleben haben dürfen. Es ist vielleicht meine Aufgabe, dass ich das Glück dieser nicht mehr existenten Mauer in unserer Zeit für sie mitempfinden soll.

Und so schließt sich ein gesunder Kreis mit meinem Gefühl gestern nach Potsdam zu wollen. Ich bedanke mich bei allen, die gestern an mich gedacht haben und die mich gerade sehr liebevoll unterstützen und begleiten. Insbesondere in dem Wissen, dass ohne Mauerfall es einige von Euch vielleicht gar nicht könnten, wir uns nie kennen gelernt hätten. Die Anrufe, die gestern gar nicht kamen, sind auch wundervoll klärend. Und Klarheit brauche ich momentan mehr als alles andere. Da stehe ich derzeit gefühlt an einem sehr frühen Anfang.

Das macht Mut!



(Ich werde nie müde mir zu wünschen, dass Abgeordnete finanziell in die Verantwortung ihres beruflichen Handelns genommen werden. Und zwar auch nachträglich, insbesondere nach ihren persönlichen Legislaturperioden.)

2011-10-01

Die Legalisierung der Prostitution in Deutschland …

… und ihre Folgen. In der letzten Ausgabe von Panorama wurde ein genauer Blick auf die mittelfristigen Folgen der Legalisierung der Prostitution in Deutschland geworfen. Mittlerweile wird nirgendwo mehr für weniger Geld Sexdienstleistung verkauft, als hierzulande. Weniger von im Milieu freiwillig aktiven Frauen, sondern von Sexsklavinnen aus Osteuropa. Wer Flatrates in Bordellen lustig findet, für die Frauen heißt das mit bis zu 40 Männern an einem Tag Sex haben zu müssen. Und das, liebe Gläubige der freiwilligen Prostitution, findet keine Frau mehr geil!

Stattdessen schützt das Gesetz offenbar vor allem Zuhälter und Bordellbetreiber. Völlig legal und unkontrolliert von der Polizei können sie ihr Geschäft betreiben und Frauen zu Dumpingpreisen verscherbeln.

Beschämend die professionelle Ungerührtheit der Politikerinnen, die diesen – sicherlich für die Arbeiterinnen in diesem Bereich – gut gemeinten Gesetzvorstoß zu verantworten haben.