2012-10-14

Den Ohren nicht trauen …

Eine Freundin von mir (wieder so ein verflucht realer herzlicher kluger aufregender Kopf, den man online „connected” hat, weil man ja kein Real Life mehr hat) ist verliebt. Auch so eine Internet-Nummer. Diese Liebe und der Wunsch so einiges im Leben neu zu resetten, lässt sie im kommenden Jahr zu ihrem Liebsten in dessen Heimat ziehen.

Diese Freundin arbeitet in Finanzdingen in einem mittelständischen Unternehmen. Die Chefs, ein Ehepaar, mögen sie und ihre Arbeit, denn sie leistet dort gute Dinge und schafft es nebenbei, dass ein sehr hoher, man kann ihn erschreckend hoch nennen, betriebswirtschaflich eher unmöglich hoch, Anteil der Rechnungen von den Kunden pünktlich bezahlt wird.

Für diese Leistung wurde sie in diesem Jahr bereits mit einer Gratifikation in einer Höhe bedacht, deren Summe mir eh keiner glauben würde, deswegen nenne ich sie hier auch nicht.

Die Freundin hat nun den Chefs nach und nach von ihren neuen Lebensplänen berichtet, die beinhalten ab Anfang kommenden Jahres weniger Tage zu arbeiten und im Frühsommer ganz zu gehen und bis dahin den/die Nachfolgerin einzuarbeiten.

Diese Chefs haben zur Teilzeitlösung ja gesagt. Es blieb ihnen auch nichts anderes übrig, um sie zu halten und haben ihr angeboten Benzingeld auf das monatliche Salär aufzulegen, damit sie die Fahrten von Berlin in die neue Heimatstadt problemlos bewältigen kann. Nur so. Damit es ihr gut geht dabei.

Neulich haben die Chefs ihr indirekt verboten, sich eine neue Tätigkeit vor Ort zu suchen und ihr direkt das Angebot gemacht, ihr in der neuen Heimat ein Büro mit kompletter Technik einzurichten, sie dort arbeiten zu lassen, mit der Bitte an einigen wenigen Tagen im Monat in Berlin vor Ort zu sein, wofür es eine Bahncard und -ticket gäbe – nur damit sie weiterhin für das Unternehmen arbeitet.

So kann es also auch gehen und wenn ich – ich kenne die Geschichte in ihrer Fortsetzung seit gestern – daran denke, bekomme ich feuchte Augen. Es gibt sie also doch noch hier und da, die wundervollen Arbeitgeber-/Arbeitnehmergeschichten.

2012-10-12

Von Ikea lernen und was Horst Buchholz mit Turbo-Töpfen gemein hat …

Ich. Wieder einmal im schwedischen Albtraumkaufhaus. Thema: Wäscheständer. Ergebnis: ausgesuchtes Modell nicht verfügbar.

Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Ich bin da also hin. An einem Sonntag. Ich kann mich nicht erinnern, jemals an einem Sonntag bei Ikea gewesen zu sein. Ich glaube, ich war nur einmal auf dem Parkplatz vor Ikea als Sonntagsverkauf stattfand und habe alle für verrückt erklärt, die sich das antaten. Mittlerweile bin auch ich älter und weiser und kann mir daher etwas Verrücktheit gut leisten.

Ich war übrigens nicht alleine dort. Jeder gepflegte Ikea-Besuch beginnt mit einem Gang in das Restaurant und ich organisierte eine Portion schwedischer Hackfleischbällchen an Knödel. Zum Frühstück. Ich mag Knödel. Natürlich sind Ikea-Knödel das Schlusslicht in der Reihe most leckere Knödel ever. Aber das sind dort Kartoffelpüree und die Pommes Frites auch, insofern fällt die Entscheidung immer auf Knödel. sofern verfügbar. Da ich, wie schon festgestellt, nicht alleine dort vor Ort war und mit mir sehr viele Berliner Sonntags auch nichts Besseres vor hatten, als zu Ikea zu fahren – wahrscheinlich entkommt nur so halb Berlin den sonntäglichen Kaffeeritualen bei Muttern – fand ich keinen freien Tisch für mich alleine und sortierte mich, höflich fragend, ob noch einer der drei leeren Plätze frei sei, zu einer Dame höheren Alters an den Tisch, die mir dies auch gestattete.

Sie bewunderte alsbald meine Knödelformation (Köttbullar mit Knödeln auf einem Teller sind in sich eine ziemlich runde Sache) und erkundigte sich, ob es die Bällchen heute per se mit Knödel gab. Was ich verneinte und ihr damit erklärte, dass sie Berlin größten Knödelfan vor sich hätte und ich das Kartoffelpüree von Ikea abartig fände. Und Kartoffelpüree per se nur selbst gemacht ginge.

Sie verstand mich.

Und prompt waren wir mitten drinnen in der allerschönsten Küchen-Einmach-Diskussion, die man sich bei Ikea im Restaurant nur vorstellen kann. Sie erzählte mir davon, wie sie neulich Apfelgelee eingemacht hätte, und sie nun auf die Lieferung Quitten vom Nachbarn warten würde. Auch erzählte sie mir, dass sie früher viel mehr eingekocht hätte aber als ihr Mann gestorben sei, sie alles Eingemachte aus dem Keller weggeworfen hätte. An diesem Punkt habe ich streng geguckt und ihr den Wert der Einmachgläser (die heute preislich auch mit Svarowski-Kristallen besetzt sind, möchte man meinen) vorgeworfen, was sie mit schuldvollem Verständnis goutierte. Dann fiel das magische Wort: der Turbo-Topf.

Ich, die ich bisher noch nie Gelee eingekocht habe, habe natürlich nachgefragt wie jemand mit so langer Küchenerfahrung das macht. Denn sind wir ehrlich zu uns selbst, die alten Kochmaßnahmen erscheinen heute, in Zeiten von Silikon und überflüssiger Gerätevielfalt, hier und dort nach einem Besuch durch den kochenden Irrgarten doch als die deutlich sinnvollere Variante.

Die Dame beschrieb mir dann wie sie flugs und schnell in ihrem Turbo-Topf Fruchtfleisch mit wenig Wasser aufsetzt in einem Dampfeinsatz, dieses zum Klappern bringt (beim Turbo-Topf wird der Kochvorgang mit Klappern begleitet), dann zum Abkühlen stehen gelassen wird und sie in der Folge feinsten konzentrierten Apfelsaft im Topf hätte. Soweit so simpel. Sie empfand es mit erlaubten Stolz als ihre ureigene Erfindung im Schnellkochtopf die wichtigste Zutat für ein Gelee zu bereiten und das war schön zu erleben.

Mittlerweile verstand ich den Turbo-Topf als Schnellkochtopf der Urzeit. Der aber, wie ich mittlerweile nachgelesen habe, aus Aluguss (O-Ton Sie: aus dem Material aus dem Flugzeuge hergestellt werden) produziert wird, neben dem Ventil einen Druckablass extra hat und auch heute noch irrsinnig teuer ist im Vergleich zu den üblichen Markengeräten. Sie erzählte mir, dass sie mittlerweile zwei Töpfe hätte, die sie neulich für 100 Euro nochmals hätte überprüfen und mit Ersatzteilen habe versorgen lassen. Und dass sie den zweiten Topf von den Pflegeeltern von Horst Buchholz, dem Schauspieler, geschenkt bekommen hätte, die diesen damals nicht mehr gebaucht hätten.

Sie beschrieb den Turbo-Topf natürlich als heute rar, nicht mehr neu verfügbar und glaubte daran, es gäbe nur noch einen Händler (in Berlin), der Ersatzteile hätte. Nun, wie immer sieht die Sache nach einem Blick ins Internet deutlich verfügbarer aus. Sie erklärte mir auch, der Turbo-Topf sei aus den 50iger („Da waren Sie ja noch gar nicht geboren!” Ich: „Na ja, aber nur ganz knapp noch nicht.”)

Der EMI Turbo-Topf ist heute in seinem Design fast unverändert (hässlich) gegenüber seinen Vorgängern und offensichtlich muss es der einfach sein. In der Folge erzählte sie mir noch hübsche explosive Geschichten von Hausfrauen, die sie kannte – oder auch von denen sie nur entfernt selbst erzählt bekommen hatte – die zu wenig Geduld mit dem Turbo-Topf gehabt hätten und was dies in der Folge mit Küchen und Hausfrauen so alles angestellt hätte. Prompt beschlich mich wieder der tiefe Respekt vor Schnellkochtöpfen, der mir immer schon zu eigen war.

Ich hatte also unverhofft ein sehr interessantes lehrreiches Küchengespräch bei Ikea. In dessen Folge ich beflügelt dann auch (ganz alleine!) endlich verstanden habe, dass ich beim Kaffee ziehen gar nicht einen Schwung Kaffee erst wegkippen muss, alternativ die Tasse früher wegziehen muss, um noch Platz in der Tasse für einen ordentlichen Schluck Milch zu haben. Nein: ich muss tatsächlich nur auf die Taste mit der kleineren Kaffeetasse drücken! Jahrelang habe ich das nicht verstehen wollen (in der Folge wird in den neueren Ikea-Häusern in Berlin an den auch neueren Automaten nur noch eine geringere Menge Kaffee per se ausgeschenkt ohne Wahlmöglichkeit. Extra wegen mir. Oder wegen BWL. Was weiß ich.)

LUBJAN war natürlich nicht verfügbar, weswegen ich mich nicht in die sonntäglichen Kassenschlangen bei Ikea einsortieren musste (will man ja auch nicht wirklich) und somit fuhr ich gen Heimat, still in mich gekehrt glücklich über dieses unverhoffte Treffen mit der Dame und unser Gespräch und wieder einmal meine lieben Großmuttis vermissend.

2012-10-09

Grippeimpfung …

Na, freut Ihr Euch schon darauf? Oder wundert Ihr Euch, warum Euer Impfstoff nicht lieferbar ist derzeit? Dann solltet Ihr diesen Artikel lesen … und Euch fragen, ob Ihr überhaupt Impfungen dieser Art benötigt, jenseits der 60 ohne nennenswerte Krankheiten.

(Gut, das sollte auch jeder lesen, der sich nicht impfen lässt.)

2012-10-08

Von Katzen und so …

katjaberlin aka Katja Dittrich über die „Wahrheit über Katzen

[…] Damit erreichen Katzen eine Unabhängigkeits- und Freigeiststufe, die noch unter der von Neunzehnjährigen, die von ihren Eltern ein Bachelorstudium in Philosophie bezahlt bekommen, angesiedelt ist. [–]

Habe da eine Frage …

Was habe ich eigentlich genau bei der aktuellen Preisgestaltung von Wäscheständern verpasst? Tragen die neuerdings Svarowski-Kristalle inrohrig? Oder fungieren die Wäschestangen endlich auch als Heizstrahler?

Bei einem Miniatur-Wäscheständer 40,— Euro aufzurufen, da kommt man doch nicht umhin wieder einmal in Deutsche Mark umzurechnen. Nur dann setzt man sich vor Schreck glatt auf den Podex.

Mehr Dreck, weniger Margarine

Interessante Sendung im Deutschlandradio Kultur zum Thema Allergien und Neurodermitis, die die Ergebnisse einer Schweizer Langzeitstudie zu dem Thema präsentiert. Fazit: Kinder mehr mit Tieren und Erde in Berührung bringen, sie so früh wie möglich möglichst alles essen, wenigstens probieren lassen. Und besser Butter als Margarine aufs Brot geben. Dann klappt das schon mit der Vermeidung von Neurodermitis und Allergien.

Tsja, in meiner Jugend gab es kein Sagrotan, begreife ich heute als Glück.

2012-10-05

Immer nur eine Frage der Perspektive …

Neulich bei Kochlust in die internationalen Kochbücher geguckt, die sich Berliner oder Deutsche Küche inhaltlich auf's Programm geschrieben haben.

Erste Seite aufgeschlagen: Hungarian Chicken. Nächste Seite aufgschlagen: Irish Stew.

2012-10-03

47

Nun ist es gestern passiert. Bin ängstlich mit diesem Geburtstag. Das vergangene Jahr tut noch sehr weg und die Wunden sind offen. Das dauert auch noch.

Gestern mit Freunden einfach viel Sonne getankt, ganz ruhig, ganz schön. (Danke an Euch!)

Und am Grab von Rio Reiser gewesen. Der liegt jetzt in Berlin in Schöneberg. Und irgendwie gehört er auch hierhin.



Mein Vater war 47 als er starb. Es fühlt sich merkwürdig an. Aber das tut das Leben ja immer.

Einseitig …

Antje Schrupp hat Montag den klügsten Satz überhaupt im Web geschrieben, der garantiert nicht nur auf Medien-Konferenzen zutrifft. Der ist so simple und trivial und dabei so wahrhaftig und so erschreckend logisch, da müsste jedem Konferenzorganisator die Ohren klingen:

Frauen sollten eingeladen werden, weil zu keinem beliebigen Thema der Welt sinnvoll diskutiert werden kann, wenn Männer dabei unter sich bleiben. Eine solche Veranstaltung ist ganz einfach nicht in der Lage, Allgemeinrelevantes hervorzubringen und wird deshalb unweigerlich eine schlechte Veranstaltung sein. Oder anders: Eine Gruppe, die (fast) ausschließlich aus Männern besteht, kann sinnvollerweise nur über das Thema “Männer in den Medien” diskutieren, aber nicht über “Medien” generell.

2012-10-02

Dirk Bach †

Dirk Bach habe ich immer als einen Menschen und Künstler verstanden, den eine unglaubliche Herzlichkeit zu eigen war, die er nie hätte aus seinen Rollen spielen können. Im Gegensatz zu seinen Kollegen im Kabarett hat er es nie als seine Kunst verstanden, ausschließlich zynisch und bissig Humor zu verbreiten. Sein Mut Farbe zu tragen und sich in die teilweise wirklich unmöglichsten Kostüme zu stecken, hat Farbe und Freude in mein Leben getragen.

Dirk Bach hatte ein sehr besonders Talent: wenn Kollegen neben ihm spielten, großartige Kollegen und Kolleginnen wie z. B. Hella von Sinnen, deren außerordentliches Talent wirklich außer Frage stehen, dann waren sie immer noch einen Tick besser. Er hat von ihnen auch noch das letzte Stück Talent offenbart. Die Liebe in den Blicken, die ihm diese Künstler in manchen Szenen auf der Bühne zuwarfen, wenn sie ihn selber gerade nicht fassen konnten, die machte es im Besonderen aus, seiner Kunst beizuwohnen. Vielleicht machte ihn vor allem das zu so einem Großen.

Ich kann verstehen, dass alle Menschen, die ihn persönlich kannten oder mit ihm arbeiten durften, tief erschüttert sind. Ich bin das auch. Als Zuachauerin. Als Fan. Ich hatte vor von ihm noch so viel zu sehen und mit ihm lachen zu dürfen.

Es bleibt viel von ihm. Vor allem Freude.

2012-10-01

Zweimal denken bitte.

Ging neulich die Meldung durch die Gazetten, dass eine Reisende aus Sachsen in ihrem Dialekt am Telefon eine Reise nach Porto buchen wollte, die Angestellte ihr einen Trip nach Bordeaux buchte. Es wurde geklagt, die Reisende bekam nicht Recht zugesprochen.

Ich fand zunächst den Sachverhalt an sich nur lustig und habe es dementsprechend kommentiert, mir, das gebe ich zu, sehr wenig Gedanken über das gesprochene Urteil gemacht. Ich möchte dazu anmerken, dass ich dem sächsischen Akzent mit großer Liebe zugetan bin. Natürlich habe ich mich ein wenig über den Sachverhalt als solches gewundert, denn ich könnte mir doch vorstellen, wenn ich jemanden am Telefon habe, der mit einem Akzent (welchem auch immer) spricht, dass man sich dann gegebenenfalls doch noch einmal rückversichert – insbesondere im Rahmen des Risikos einen Menschen an einen anderen Ort der Welt zu schicken, wenn es mit der Kommunikation hapert.

Profis, am Telefon arbeitend, sollten hier ausreichend Erfahrung haben, dies zu tun. Meinem Verständnis obliegt das tatsächlich in der Aufgabe eines Dienstleisters ausreichend zu hinterfragen, denn möchte ich als Reiseanbieter nicht ausschließlich nur zufriedene Kunden haben, die auch das bekommen für ihr Geld, was sie sich wünschen? (Als Unternehmerin hätte ich es gar nicht erst auf diesen Prozess ankommen lassen, sondern in den sauren Apfel gebissen. Aber ich bin noch in einer vergangenen Generation verankert, was Kundenzufriedenheit anbelangt.)

Der gute Not quite like Beethoven hat das Geschehen aus seiner eigenen Ecke der Ansicht beleuchtet und kritisiert auch nachvollziehend das gefällte Urteil. Aus Sicht eines Menschen, der schwer hört, ist oben geschilderter Fall weniger lustig, weil zu häufig erlebter Alltag – wenn man sich nämlich gegenseitig schlecht versteht:

„Nicht nur gibt es ein lautliches Mißverständnis, sondern auf zwei explizite Nachfragen hin gibt es wiederum eins, so dass das ursprüngliche Mißverständnis keinem der Beteiligten auffällt. Willkommen in meinem Alltag.”

Alexander verweist hierbei auf ein ganz pragmatisches Hilfsmittel in nicht ganz klarer Kommunikation: Kontextinfo. (Sie möchten also nach Frankreich reisen? Etc.) Ein Hilfsmittel, das in der Telefonkommunikation sicherlich hilfreich ist, wenn man mehr oder weniger gut hört bzw. den Partner am anderen Ende der Leitung schlecht versteht. Und dazu muss man weder schwerhörig sein, noch eine fremde Sprache sprechen. Das ist der Alltag von uns allen, wie oft stellen wir in Geschäften dem Fachverkäufer eine klare Frage und bekommen eine Antwort, die inhaltlich der Frage möglichst weit entfernt liegt? Was da wohl auch helfen kann, ist möglichst weit von einer bei sich selbst, meist aber falsch vermuteten, Unfehlbarkeit zu agieren und sich selbst, hier also das Verstandene, zu hinterfragen.

Und in dem Zusammenhang verweise ich richtig gerne auf die sinnvollen 11 Regeln, von Alexander zusammengestellt, zum Thema „Besser reden mit Schwerhörigen”.

Das ist das, was ich an diesen Bloggern so mag, man lernt von ihnen!

2012-09-30

Unterhaltungsprogramm der Berliner Sorte

Meine Freundin, noch aus der Grundschulzeit, reicht mir neulich auf Facebook eine Einladung weiter zu einem denkwürdigen Abend. Fragt mich, ob ich Lust habe mitzukommen, es hat was mit „Die Magie des Denkens - Gehirnleistungen jenseits des Vorstellbaren” zu tun. Und ich denke bei mir: Gehirnleistung klingt gut, Magie klingt kryptisch, Denken hilft immer (na gut meistens) und ich sage zu.

Hotelentertainment. Berlin hat sich, es ist wohl der Geschichte geschuldet, eine ordentliche Ansammlung an Hotels zu eigen gemacht über die vergangenen Jahre. Ich glaube, jeder Bezirk hat mittlerweile mindestens ein Motel One, wenn nicht sogar drei. Und Motel Ones sind ja bekanntlich nur das Ende der Kette einer langer Reihe existierender Hotelketten. Diese Hotels müssen selbstverständlich, ein Adlon vielleicht ausgenommen, um Kunden kämpfen und das tun sie auch, in dem sie sich um die hier ansässigen Bewohner bemühen, damit diese möglichen Gästen eine Heimstatt besonders empfehlen im Hauptstädtchen.

Das habe ich diese Woche schon einmal kapiert: ich muss mich nur auf mehr Hotel-Newslettern eintragen. Dann ist abendliche Langeweile (also ob ich die kennen würde) nichts, was der Gegenwart ein Partner wäre.

Zurück zum Denken. Zur Einladung gab es nämlich eine weitere Einladung: zu einem Nudelbuffet, das nennt sich dann „Pasta satt” (und wer jetzt schon Unterirdisches ahnt, der wird Recht behalten) für nur Euro 8,50. Wir einigen uns darauf, das komplette Programm mitzunehmen – wenn schon, denn schon – und suchen vergangenen Dienstag dieses Hotel in Tiergarten oder Moabit oder noch nicht oder doch schon Mitte, wer weiß das schon?, auf, das idyllisch in einer Shopping-Center-Installation beheimatet ist. Eines dieser Hotels, das unten als solches nur durch Fahrstühle zu erkennen ist und sich dann in der zweiten Etage mit einem großen Atrium präsentiert, so dass man sich merkwürdig eingesperrt vorkommt. Wie auf Zion. Eigener Planet im Planet.

Der Hotelgastgeber begrüßt uns (die Freundin kommt eben rum …) und wir gehen in den Restaurationsbereich, der bereits gut gefüllt ist. Im Atrium singt sich eine wunderschöne Frau mit einer unglaublichen Stimme ein. Cara Ciutan, stellt die Technik vor eine hohe Aufgabe und ich frage mich, was hat so eine Frau auf einer so kleinen Bühne zu suchen?

Eine sehr akkurat, erstaunlich lieblos formierte Gemüsedekoration zeigt viele Gemüsesorten auf, die wir später im Essen nicht wieder sehen werden; beinhaltet die sehr wenigen Sorten, die wir später im Essen wieder finden werden indes bevorzugt nicht. Es stehen sechs dieser üblichen Hotelwarmhalte-Dinger (ich gebe zu, ich weiß wirklich nicht wie sie heißen) auf einem Tisch. Buffetstyle halt. Beim Blick in die Karte wird uns eine Weinauswahl präsentiert, die, was die offenen Weine anbelangt, preislich jeden Wunsch nach unten offen lässt. Mittlerweile habe ich das Design des Hotels zur Kenntnis genommen und einen ersten Blick auf den Teller der anderen bereits Pasta speisenden Gäste zur Kenntnis genommen und mich beschleicht das Gefühl, dass es eine kluge Idee sein könnte hier besser keine Unsummen für Wein auszugeben. (Hier ist hier klar das Modell „nimm gleich die ganze Flasche” kalkuliert, was leider nicht wirklich auf Qualität des Weines schließen lässt.)

Wir begeben uns sodann zum Nudelbuffet und warten … nicht in einer Schlange. Nur so auf Nudeln. Mit uns wartet auch ein junger Hotelangestellter, der uns versichert, die Nudeln kämen gleich, dann steht er gemeinsam mit uns herum. Und während wir so gemeinschaftlich herum stehen, überlege ich (bin mehr der Typ lieber machen als rumzustehen) ob ich ihn frage, ob er mit einen Lappen bringen könnte, damit ich für ihn die Flecken vor dem Pesto-Teller wegwischen hätte können. Oder ob ich die durchwühlten Parmesanteller (Qualität Paniermehl) wieder appetitlich verrühre oder den einen fast leeren Teller schon einmal unauffällig weg räume … naja, diese Kleinigkeiten halt, die mir auffallen, die ich dezent als Lieblosigkeit dem Gast gegenüber wahrnehme. Dinge mit denen man sich nicht wohl fühlt, wenn man schon warten muss.

Die Nudeln (Rigatoni) kommen dann, haben ihren al Dente-Moment auch schon längere Zeit hinter sich gebracht und werden mit einer sehr flüssigen (!), das stellt sich erst später heraus, erstaunlich geschmacklosen Carbonara-Sauce mit Pressschinken vermengt. Das ist so ziemlich das Ekligste, was ich in letzter Zeit zu mir habe nehmen dürfen. Und dabei sehe ich großzügig darüber hinweg, dass das Rezept ursprünglich „Spaghetti Carbonara” heißt, hier keine Spaghetti zu finden sind. Ich erkläre noch meiner Freundin, dass an Carbonara grundsätzlich Sahne gar nichts verloren hat, wobei ich heute, einige Tage später, nicht einmal mehr behaupten würde, dass das überhaupt Sahne gewesen ist, was diese Flüssigkeit flüssig und weiß erscheinen ließ.

Gut, unsere Begeisterung hält sich gemeinschaftlich in Grenzen, wir versuchen es aber noch ein zweites Mal. Vorne am Buffet angekommen, bittet uns der freundliche junge Mann zu warten, die Nudeln … Es wartet eine stilvolle Tomatensauce und alternativ eine Tomatensauce mit (wirklich) komischer brauner Farbe mit Fleisch, die Bolognese. Ich ignoriere höflich die Pesto-Flecken, alte Bekannte mittlerweile, auf dem Tisch und wir warten ausgiebig auf Nudeln. Und warten. Wir warten etwas länger. Die Nudeln kommen (wieder Rigatoni), wir versuchen die Sauce Bolognese (wieder nicht Spaghetti Bolognese) und hören irgendwann tapfer auf uns mit Geschmacklosigkeit zu quälen und erklären das Projekt „Pasta satt” im BEST WESTERN PREMIER Hotel MOA Berlin (!) (eigentlich gehören hinter diesen Namen sehr viele Ausrufezeichen aber ich darf das aus typographisch Bescheid wissenden Gründen nicht tun. Leider.) für uns, wenn auch noch ungesättigt, als beendet. Immerhin scheint ein frischer Teller am Nebentisch zu signalisieren, dass nun doch auch etwas Abwechslung in das Nudelangebot gekommen sei … sie werden breiter und länger. Wir sind zu diesem Zeitpunkt aber bereits vom Mut verlassen.

Ich denke an die Steinpilz-Ravioli aus dem Gorgonzola Club, frisch gemacht für Euro 9,— und man ist danach auch sehr satt. Glücklich satt. Ich wundere mich nicht darüber, dass ich hier nicht einmal Lust habe, dass Essen zu fotografieren. Und wann fotografiere ich Essen denn schon mal nicht?

Aber es gibt ja noch Programm. Bis hierhin gilt übrigens nicht, dem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, aber ab jetzt. Ich tue es trotzdem. Das Atrium ist eingedeckt mit Stühlen und einer Bühne mit einer schlechten Montage als Hintergrund, die „Jens-der-Denker” einmal als grafische Arbeit für sich in Auftrag gegeben hat. Ich habe das Gefühl „Jens-der-Denker” ist mir schon in Talkshows begegnet oder Kopien von „Jens-der-Denker”, was weiß ich. Nach einem kurzen Appetizer-Versuch von Claudio Maniscalo und der oben schon gepriesenen Cara, die versuchen für ihr Programm „La Familiga” zu werben (das ich schon mit dem großartigen Robert Luis Griesbach sehen durfte), auch wenn nach dem Pasta-Erlebnis vermutlich niemand im Raum mehr der Sinn nach Nudeln steht für die nächste Zeit, beginnt, ja was eigentlich? Ich nenne es der Einfachheit halber einmal die Show.

Jens humpelt auf Gehhilfen auf die Bühne, ein Intermezzo mit seinem Orthopäden, und eine junge Dame kündigt den „Meister” für die Location drei Spuren zu theatralisch an.

Simone, Sabine, Susanne, Sandra oder Mandy, wie sie auch immer heißt, hat sich in schwarze enge Kluft mit einem roten Korsett darüber geschnürt geworfen und assistiert dem im Sessel sitzenden Denker mit ausgesuchter Lieblosigkeit, Abgestandenheit, wohltemperierter Arroganz, Pseudosexualtiät und wohltuender Befreitheit eines Lächelns gepaart mit affektierter Überheblichkeit. Sie bietet alles, was man von einer Assistentin nicht sehen möchte und schafft es tatsächlich damit sehr schnell, dass ich doch noch an diesem Abend pappsatt bin. Sie zeigt somit offensichtliche Pasta-Kompetenz.

Jens selber tut das, was er kann: rechnen und zeigt uns das willig bis ausführlich. Zwischendurch reißt er einen verbalen Kalauer nach dem anderen. Witze der Sorte, die man schon beim ersten Mal vor 20 Jahren nicht wirklich goutieren wollte. Seine Witze sind so vorprogrammiert, wie eine Online-Banking-Einlog-Routine. Ansonsten hat er ein fotografisches Gedächtnis und Spaß daran, sich mit Telefonbüchern zu beschäftigen. Telefonbücher sind indes mein Ding eher nicht, ich hatte die letzte Telefon-CD vor zehn Jahren im Postamt abgeholt.

Es ist sicherlich ganz nett, was er kann, aber meine Ambitionen sind nicht die seinen. Ich weiß schon, dass der Mathematik eine gewisse Logik zu Grunde liegt, sich diese Logik zu eigen zu machen, ist schön. Aber auch nur bedingt im Leben hilfreich. Sieht man ja an seinem kaputten Fuß. Andererseits kann er mit seinem Job seinen Orthopäden finanzieren, es muss also ganz gut laufen. Als Jens verkündet, dass er seine Tricks gerne später am Buchstand, wo er sicherlich gerne gekaufte Bücher signieren würde, unter Umständen auch gern verraten würde, hat die Vorführung keinen Reiz mehr für uns und wir beschließen Jens und seinem Dominaversuch Mausi ihrem Abend zu überlassen, gehen ins benachbarte Restaurant, trinken einen finanzierbaren sehr feinen Riesling und schauen den anderen Gästen neidisch auf den Spätzle-Teller …

Manchmal zählt einfach nur die nette, charmante Begleitung!

2012-09-27

11. Blogparade: Kochen, Backen, Erhitzen

Nettes Küchenblogstöckchen vom Küchen Atlas Blog mit Gewinnchance (also selber mitmachen aber bitte ganz schnell bis 30.09.2012!), das ich jetzt einmal dazu benutze, Euch hier im Blog einen ersten kleinen Teil meiner Küche in der neuen Wohnung vorzustellen. Zunächst einmal inspirierende Kollegen, die in keiner Küche fehlen sollten:



Was für einen Herd hast Du?

Die untere Küche, der schwarze Teil, wurde mir freundlicherweise von @moapp und Gattin geschenkt, die vergangenes Jahr nach Berlin zogen und ich somit damals das Vergnügen hatte erstmals eine Ikea-Küche dort mit aufbauen zu helfen. Als beide dieses Jahr in eine neue Wohnung umzogen und kein Ikea-Teil mehr in ihrer Wohnung haben wollten, bekam ich die komplette Küche (also fast alle Unterschränke), den Kühlschrank und den Ceranherd sowie Backofen von ihnen sehr großzügig geschenkt. Wofür ich ihnen immer dankbar sein werde, sonst hätte ich mir nie so eine Traumküche aus bekannten Gründen leisten können zur Zeit. Ich stellte allerdings die Küche auf die 21 cm hohen Beine (wofür ich wiederum Ikea immer dankbar sein werde). Meine Küche ist also für große Menschen perfekt, meine Bandscheiben und ich mögen sie sehr.

Welchen Herd? Welchen Backofen? Einbaugeräte oder separat?

Der Herd ist somit von Ikea, zweiteilig eingebaut und besteht aus dem Ceran-Kochfeld (dessen Bezeichnung ich nicht kenne, weil nicht mehr online zu finden auf der Ikea-Seite) und dem Backofen Framtid OV3. Die Einsteigervarianten im Programm.



Die, die ich die letzten Jahre immer mit Gas kochen durfte, war anfangs sehr skeptisch hinsichtlich der für mich „neuen” elektrischen Technik namens Ceran. Ich kannte vorher im mütterlichen Umfeld nur die alte Variante Elektroherd, natürlich nie mehr meine Wunschvariante. Tatsächlich bin ich vom Ceran angenehm angetan. Die Hitzeregelung ist Gas gar nicht so fern ähnlich und ich kam mit den Temperaturregelungen von Anfang an gut klar. Aber immer habe ich Panik, mir fällt mal etwas aus dem Schrank ungünstig auf das Glas. Den Ofen finde ich hinsichtlich seiner Funktion prima. Ich habe eine völlig neue Beziehung zum Backen entwickelt, das machte mit meinem alten Gasofen schlichtweg keinen Spaß mehr. Hiermit bekomme ich endlich einen Hefekuchen hin, wie er sein soll.



Kritisieren würde ich an dem Backofen zwei Dinge – und die ärgern auch sehr. Die doppelseitige Glastür ist natürlich aufgrund von Ventilations- und Hitzeschutzgründen oben und unten offen. Somit läuft generell schnell Kondenswasser und wenn oben auf dem Herd etwas schief geht auch alles andere zwischen diesen Glasscheiben hinunter oder fallen Backkrümel hinein. Die Tür ist ratzfatz dreckig. Die Tür ist aber nicht ratzfatz innen zu reinigen. Im Gegenteil. Es lässt sich nur die Tür aushängen, die Fläche zwischen den Glastüren zu reinigen funktioniert nur mit wilden Eigenkompositionen. Das ist die Pest und man bekommt auch das nicht ohne Wasserflecken hin. Überhaupt ist der Aufwand massiv von Angst geprägt, man macht dabei dann die Tür oder Glasscheiben komplett kaputt. Das ist ein einziges „No Go!”. Was so dermaßen unkompliziert verunreinigt werden kann, muss deutlich unkomplizierter – ich würde ja hier lieber schreiben wollen: überhaupt – gereinigt werden können.

Neulich kochte ich dann erstmals Gulasch im Ofen. Am nächsten Tag hatte ich eine Kondenswasserpfütze unterhalb des Ofens auf dem Boden. Hallo?! Der Ofen ist eingebaut, als nimmt das Wasser auch Weg über das Holz. What the fuck?

Welche Spezialfunktionenn sind Dir bei den Geräten wichtig?

Als Spezialfunktionen wären mir persönlich bei einem anderen Modell wichtig: sehr gerne hätte ich wirklich Heiß- bzw. Umluft, eine Turbo-Grillfunktion bzw. was sich immer bei den Öfen im Besonderen unter Brotback-/Pizzafunktion verbirgt. Natürlich und überhaupt: Selbstreinigung und eine Auftaufunktion (ich bin Mikrowellenhasser) und eine ökologisch sinnvolle Warmhaltefunktion wären wünschenswert. Ach ja und eine Zeitprogrammierung bzw. automatische Zeitregelung.

Was ist Dir sonst noch wichtig bei diesem Thema, vielleicht Dein Lieblingstopfset, Pfannen und Bräter …?

Da fällt mir nur eines ein: ich bin von allem neumodischen Kram mit superduper Beschichtungen und Halligalli-Griffen in den Jahren zurück zum guten alten Kochmaterial: Gußeisen bzw. Eisen, vor allem beim Braten, Emaile für Auflauf- und Backformen und natürlich gibt es noch ein paar Edelstahltöpfe. Ich liebe meine gußeiserne Pfanne von LeCreuset sehr, dto. deren Bräter – auch aber nicht nur wegen ihrer Farbgebung. Und die deBuyer-Pfannen. Das sind unvergleichliche Bratergebnisse. Silikon nutze ich in der Küche nur als Topflappen, das Material käme mir nie an Essen oder an den Kuchen. Da bin ich Traditionistin.

(via Melody)

2012-09-26

Darauf …

komme ich den ganzen Tag schon nicht klar (obwohl ich diesen Artikel schon vor einigen Tagen las.)

In Griechenland sterben Menschen, heute, an Krebs. Ohne Morphiumversorgung. Weil in deren zusammenbrechenden System einerseits stringent Leistungen gekürzt werden ohne Sinn und Verstand. Andererseits, weil aus Brüssel Gelder nicht fließen.

Und halten wir das doch zum allgemeinen Verständnis fest. Die Ursache für die Krisen in denen sich viele europäische Länder befinden, liegen sicherlich in einer falschen Politik und in schlecht gemachten Rechenaufgaben. Hauptursächlich sind aber daran die Banken schuld. Was hier passiert, ist der verlängerte Arm der Finanzkrise.

Wie könnte ich mein Kind unter Qualen sterben sehen ohne den nächstbesten Bänker kalt zu machen, frage ich mich da ernsthaft? Wie können wir zulassen, dass in einem zivilisierten Nachbarland Europas die Menschen so ohne Hilfe zugrunde gehen müssen? Ich habe gerade so einen Hass darauf. Ich kann damit umgehen, dass wir uns verschulden, ich kann damit umgehen, dass wir sparen müssen. Aber dass Menschen in diesem Europa ohne medizinische Versorgung und Schmerzmittel leiden müssen? Wieso dulden wir das?

Und noch ernsthafter frage ich mich, wieso erklären wir Banken nicht viel intensiver und offensiver, vor allem deutlich destruktiver und lauter unsererseits zum Feind? Warum lassen wir uns von einer dussligen amerikanischen Politik glaubhaft machen, der Islam oder der Terror sei unserer einziger bevorzugter Feind obwohl der Hauptfeind aus deren eigenen Land kommt?

Im Moment mag ich diese Welt nicht mehr. Mein Vertrauen in sie geht verloren.

2012-09-25

Sozialisierung

Ich wohne nunmehr in einem brisant politischen Umfeld keine zwei Minuten vom Mauerweg entfernt, genaugenommen nicht weit vom ehemaligen Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße. Drei Häuser und eine Querstraße weiter begann seinerzeit der Westen, überall wo ich in meinem Kiez laufe überlege ich immer, war hier eigentlich Osten oder Westen? Die alte Realität verschwimmt mit den Jahren …

Die Wohnanlage in der ich lebe, die Wohnbautengenossenschaft ist also recht ostzonal, aus geographisch nahe liegenden Gründen. Der Menschenstamm, der hier wohnt, ist in der Hauptsache hochbetagt. Tatsächlich hat das Wohnumfeld Ähnlichkeit mit einer Seniorenwohnanlage auf Mallorca nur mit weniger Sonne. Das ändert sich auch eher langsam und so merkwürdig es klingen mag, ich mit meinen knapp 47 Lebensjahren senke hier den Altersdurchschnitt weiträumig. Persönlich macht mir das Mut, denn offensichtlich ist das Leben hier ein Gesundes, wenn so viele Menschen hier mit einem hohen Alter gesegnet aber sehr aktiv durch das Leben schreiten.

So trifft es sich, wenn mag es wundern, dass ich morgens an meinem Schreibtisch sitze, der zur Zeit noch in Richtung Balkon ausgelegt ist und bei offener Balkontür den Dialogen meiner Nachbarn lauschen darf, die auf dem Weg vom Kaiser's in Richtung Wohnung oder von der Wohnung in Richtung schlimmer Discounter ihre morgendlichen Rituale begehen. Fast immer treffen sich die weiß- oder graubehaarten Menschen direkt unter meinem Balkon, man grüßt sich höflich und immer siezend, kommentiert das eigene Leben, den Tagesablauf und das allgemeine Geschehen im Wohnumfeld, was ich immer recht apart finde, denn ich bin soweit ganz gut informiert. In der kurzen Zeit, die ich hier wohne, gab es wenig Skandale. Keine vier Hochzeiten. Auch keinen Todesfall.

Ein Satz fällt übrigens in den Dialogen immer, danach kann man die Uhr stellen. „Ich komme gerade vom Arzt!” Dann folgt üblicherweise eine ausführliche Beschreibung des gesundheitlichen Status und eine Aussichtsbeschreibung auf künftige Untersuchungen. Von dieser Dialogtradition wird niemals abgewichen und ich korrigiere daher meine obige Angabe, die Wege, die sich da kreuzen seien ursächlich käuflicher Willkür. Ich komme nicht umhin bekannt zugeben, dass ich somit meine Nachbarn zunehmend als „das ist die Frau mit dem CTG” oder „die Hypertonistin” benenne.

Nun, da auch ich mir gelegentlich den Haaransatz schon färbe, jetzt noch eher gegen das Straßenköterblond ein bisschen aber auch schon gegen das Grau, dachte ich bei mir, ich könnte mich zwecks allgemeiner Sozialisierung in meiner Nachbarschaft auch einmal zum Arzt begeben. Da meine Allgemeinmedizinerin mittlerweile in Rente ist (ich war ja lange, lange nicht mehr beim Arzt), meine Gynäkologin zwischenzeitlich auch nur noch psychologisch betreut und der frauenärztlichen Grundausbildung gänzlich abgeschworen hat, lag es nahe, sich der ärztlichen Kompetenz in meinem neuen Wohnumfeld anzuvertrauen.

So suchte ich als allererstes den Tierarzt im Kiez auf. Das gehört sich so bei Katzenbesitzern oder wie Gary Larson zu empfehlen pflegt: „Erst die Hose, dann die Schuhe.” Der Tierarzt ist übrigens eine ziemliche Sahneschnitte und ich würde von dem gerne meine Fachliteratur vorgelesen bekommen, ich bin ein Fan seiner Stimme. Er hat übrigens Katzen. Hatte ich erwähnt, dass ich ein Fan …?

Die Gynäkologin befindet sich einmal über die Straße um die Ecke. Dorthin ging ich neulich scheu und erkundigte mich, ob man überhaupt neue Patientinnen noch annähme? Es ist in Berlin nämlich keine Seltenheit, dass Gynäkologen neuen Patienten die Behandlung wegen Überlast verweigern müssen. (Weswegen ich über gesundheitspolitisch verordnete Mammographie-Screenings nur lachen kann.) Und siehe da, die sehr freundliche Dame am Empfang, freute sich mir einen Termin geben zu können in einigen Wochen, da Frau Doktor die nächste Zeit in Urlaub sei. Vier Wochen Wartezeit sind aber hier in der Stadt noch lächerlich kurz und sie sagt, ich möge bitte zum Termin, mich, meine Karte und gute Laune mitbringen. Gute Laune an einem Wochentag im Oktober um 9.30 Uhr. Das Leben im Osten birgt viele Herausforderungen.

Die Allgemeinmedizinerin, auch einmal über die Straße aber dann um die andere Ecke gelegen, suchte ich dann heute heim. In der vergleichsweise kurzen Zeit, die ich dort im Wartezimmer wartete, fragten viele wagemutige Seniorinnen nach dem herbstzeitlichen Impfstoff, der aber erst im Oktober kommen sollte. Und mir ist bewusst geworden, das muss ein Bombengeschäft sein, diese Impfungen gegen Grippeviren nach denen alle, die ich kenne, die sich regelmäßig impfen lassen, immer schön fette Erkältungen bekommen mit Fieber und Bettruhe … Nun, also Impfungen, die ja eh nie vor denen in der aktuellen Jahreszeit grasierenden Grippeviren schützen können. Egal, Bombengeschäft halt.

Ich bin übrigens 181 cm groß und wiege knapp unter 70 Kilo. Sagt Messstelle und Waage in einem. Das ist insofern sehr interessant, weil ich immer dachte und mein Ausweis behauptet, ich sei lediglich 180 cm groß und daher scheine ich ganz gegentrendlich im Alter nicht zu schrumpfen sondern zu wachsen. Außerdem habe ich das letzte Mal 2004 auf der Waage gestanden (damals nur, um die Gewichtsabnahme meiner alten Katze zu kontrollieren) und habe knapp zwei Kilo mehr auf den Rippen als damals gewogen. Ich hätte gedacht, es seien mehr. Alles in allem aber eine passable Leistung.

Mit der Ärztin unterhielt ich mich dann übrigens hauptsächlich über ihre Zinnfigurensammlung und wie man dieser zu Ostzeiten frönen konnte, denn meinem Erleben nach, war das eher ein ostzonaler Trend (gefühlt kenne ich mehr Läden mit Zinnsoldaten im Ost- als im Westteil), dem sie aber vehement widersprach und mir von den Schwierigkeiten berichtete, zu Mauerzeit an derartige Figuren zu kommen. Sie war die erste Ärztin, die mir den Blutdruck auf beiden Seiten gemessen hatte, was mich sehr beeindruckt hat (tatsächlich eine diagnostisch sinnvolle Sache ist ab einem bestimmten Alter). Morgen darf ich Mittelstrahl urinieren und Blut spenden.

Um acht Uhr werde ich morgen unter meinem Balkon stehen und sagen: „Ich komme gerade vom Arzt!” und wehe keiner will es hören …

2012-09-24

Der Serviettenknödel



Das Wetter sprach Samstag, es ist Herbst und er möchte zelebriert werden. Die Seele in enger vertrauter Umarmung mit dem Magen diktierten daher gemeinsam, es würde nun Zeit sein für ein deftiges Gulasch, einen perfekten Rotkohl und Klöße gehören auch unbedingt dazu. Klöße sind meine heilige heimliche Liebe, erwähnte ich das bereits?

Also besorgte ich am Samstag die notwendigen, noch fehlenden Zutaten und hatte ein hübsches Stelldichein in meiner immer noch neu sich anfühlenden Küche und kochte für den Sonntag vor. Erst ein Gulasch, schön deftig scharf mit Mohrrüben, Paprika, getrockneten Steinpilzen und einer Sauce aus Rotwein und Schwarzbier. Der Bräter wanderte in den Ofen und schmörgelte (man tut es neuerdings mit Licht) geduldig vor sich hin. Der Rotkohl war auch flink mit viel Liebe und Kirschen zubereitet und verströmte seine heilenden Düfte.

Und Sonntag standen dann Serviettenknödel auf dem Plan. Natürlich halte ich hier diverse Bücher vor, die mich mit ihren Knödelrezepten überzeugen (was nicht schwer ist, an sich), dachte aber, ich könnte auch diese Medium Internet nochmals hinterfragen. Denn die favorisierten Foodblogger/innen wissen ja auch immer besser Bescheid und wer weiß, welche feine Idee sich noch unverhofft auftun ließe für das beste Knödelrezept.

Deren Masse schlussendlich aus Brezeln, Milch, Eier, gedünsteten Zwiebeln, frischer Petersilie und zur Würze Salz, Pfeffer, Muskatnuss, etwas Thymian und Rosmarin geriet. Der eigentliche Skandal war aber, dass in jedem Online-Rezept die Klöße wenig stilecht in Folie gewickelt werden, und zwar doppelt: Klarsichtfolie, dann Alufolie. Man rät aus sehr merkwürdigen Gründen zur neumodischen Doppelung. Die Klarsichtfolie könnte ja gebenenfalls schmelzen bei zu großer Hitze. Und überhaupt könnte Wasser an den Kloßteig gelangen. (sic!)

Im Hause creezy wird ein Serviettenknödel noch ordentlich im Leinentuch gewickelt und mit Bratband verschlossen. Dazu nimmt das neumodische Küchengeschöpf ein Tuch vom schwedischen Albtraumkaufhaus, gereinigt und selbstverständlich von der Waschmaschine ordentlich ausgekocht und gut gespült, so dass kein schäumendes Kochwasser auszumachen war im Topf. Und schlussendlich hatte ich eine wundervolle Rolle Serviettenknödel vor mir. Merkwürdigerweise haben meine Knödel gar keine Angst vor Wasserkontakt.

Und ich will nie wieder etwas vom Knödel aus der Klarsichtfolie hören! Wann eigentlich – und warum – muss das gute Küchentuch sterben? Das, dass uns Fonds seien, Strudel ziehen ließ und den Knödeln die perfekte Form gab?

2012-09-22

Träume

Ich bilde mir ein, ich träume selten. Zumindest gehöre ich zu den Leuten, die, wenn sie träumen, am nächsten Tag kaum mehr eine Erinnerung daran haben. Deswegen hätte ich bis vor kurzem beinahe behauptet gar nicht zu träumen aber das wird wohl eher nicht stimmen, wenn ich mir die Traumwirtschaft so anschaue und anlese.

Tatsächlich, das ist mir erst dieser Tage bewusst geworden, gibt es einen Traum, der mich seit einigen Jahren sehr intensiv begleitet. Ziemlich genau seit 2006. In diesem Traum leben ich wieder das Leben voller Schmerz und Verzweiflung, weil meine Mum gerade gestorben ist und bin in ihrer Wohnung und bereite ihre Beerdigung vor und bin so tief in dieser schrecklichen Endgültigkeit gefangen – und da steht sie plötzlich in der Tür und ist gar nicht tot. Alles war nur ein Versehen, ein Fehler in der Übermittlung. Sie ist verwundert, wie ich eine solche Nachricht glauben konnte ohne bei ihr nachzufragen. Und sie ist natürlich erschrocken, dass ich hier in Berlin ihr Leben auflöse. In diesem Traum lebt sie eigentlich noch auf Mallorca, weswegen es überhaupt zu diesem Missverständnis kommt.

Von mir fällt in diesem Moment alles Traurige ab – und alles scheint wieder gut. Ich kann sie sogar riechen. Es geht mir im Traum ganz wundervoll, weil die Welt wieder in Ordnung ist und ich erhalte die Chance (gefühlt) Fehler rückgängig zu machen, ihr wichtige Dinge zu sagen, Dinge nicht zu tun, die sie verletzt haben mögen. Aber sie nimmt mich nicht in den Arm, was ich mir so sehr wünsche, weil sie eben so verstimmt ist. Jetzt, da mir dieser Traum überhaupt im Bewusstsein zugängig wird, was er jahrelang gar nicht war, erinnere ich mich daran, wie ich ihn das erste Mal geträumt habe, dann wach wurde und das Entsetzen über die Realität eiskalt über mich zusammenbrach und fast noch einmal mehr weh tat, als ich im Nachspiel meinen Schmerz von dem akuten Damals in Erinnerung habe. Ich glaube, damals habe ich diesen Traum auch weggepackt. Wenn mich jemand nach dem Traum gefragt hätte, ich hätte mich tagsüber nicht daran erinnert.

Ich weiß aber genau, ich habe ihn öfter noch geträumt. Ein wenig ist dieser Moment in dem sich alles zum Positiven wendet und in ein weiteres Leben meiner Mutter auslöst, wie eine Sucht, denn in dem Moment scheint die Welt so dermaßen in Ordnung zu sein. Aber ich habe diesen Traum nie aus dem Unterbewusstsein gelassen, weil er in der Realität mir zuviel Schmerzen bereitet. Und so hat er sich tatsächlich erst in den letzten Wochen nach und nach in mein reales Tagesgeschehen gekämpft und ich kann mich offiziell erinnern. Wer weiß, was dieser Traum die letzten Jahre als Dämpfmaterial gute Dienste geleistet hat.

Seit einigen Wochen träume ich wiederholt einen anderen Traum. Wieder lebt meine Mutter darin und scheint gesund und munter aber sie möchte sterben. Sie möchte sich selbst das Leben nehmen und sie hat sehr viele gute Gründe, dass ich sie schlussendlich gehen lassen muss. Da ist der Zwiespalt zwischen der egoistischen Tochter, die natürlich ihre Mum ja nicht verlieren möchte einerseits und dem der erfahrenen, wissenden Enkeltochter einer Großmutter, die sich umbrachte, und die für den Wunsch alles logische Verständnis hat andererseits. In dem Traum geht meine Mum dann, und ich bleibe zurück und bin verzweifelt darüber, ob ich auch wirklich alles getan habe, um meiner Mum das Leben wieder lebenswert erscheinen zu lassen. Und dann schlägt dieser unglaublich klare alles Fröhliche tötende Verlust im Traum durch, dass ich kaum noch atmen kann.

Ich glaube dieser Traum lässt den anderen gerade nur in die Realität hüpfen, weil er ihn ablöst.

Ehrlich? Ich hätte gerne anderen, schönere Träume. Diese hier machen zu viel mit meinem Nerven- und Gefühlskostüm. Sie ermüden mich sehr.

Leseempfehlungen

Hatte ich mir neulich noch fest vorgenommen mindestens zwei Blogs pro Woche hier zu empfehlen, wird mir diesen Moment klar, dass ich es nicht in der Gänze hinbekommen habe, diesem Vorsatz zu folgen. Warum? Die Wochen sind zu schnell rum dieser Tage. Und überhaupt …

Frau engl@absurdum schreibt eine persönliche und schöne Selbstansicht zu dem Online-Projekt #609060, das in der Hauptsache an mir vorbei gegangen ist, davon abgesehen, dass ich natürlich auf Twitter plötzlich täglich meine hauptsächlich weibliche Timeline mit und ohne Kopf angezogen bewundern darf. Den Teilnehmerinnen scheint es viel Freude zu bringen, die schriftliche Auseinandersetzung hierzu. Nun ja, Frauenprojekt müssen wohl auch immer intellektuell besprochen werden, wir sind halt so …

Herr Buddenbohm hat sich die schönsten Gedanken gemacht, wie er eine stilsichere moderne Situation mit einem Sohn in das Reich gelesener Klassiker hinüber retten kann und daraus wundervolle Buchempfehlungen gemacht. Einfach schön!

2012-09-21

Hatte ich erwähnt, …

… dass ich nunmehr unweit (zwei Minuten Fußweg) hier wohne? Rechts auf der schwimmenden Insel sieht man den weltberühmten Kreuzberger Reiher im Bild. Es ist ein ganz großartiger Platz, um abends in Ruhe bei einem Glas Saft/Tee/Wein/Bier noch einmal den Tag zu verdauen.

2012-09-19

Job wanted!

Die aktuelle berufliche Aufgabe ist zeitlich befristet und daher suche ich zum 1.11. d. J. eine neue, schöne, glücklich machende – weil mich vor allem fordernde – berufliche Spielwiese im Bereich Neue Medien, Training, Text, SEO/SEM, Produkt- oder Projektmanagement.

Ich lerne durchaus gerne neue Geschäftsfelder kennen und arbeite mich schnell in sie ein. Am liebsten möchte ich mit großartigen Kollegen im Team die Dinge zum Positiven entwickeln. Ich agiere engagiert in einer eigenverantwortlichen, strukturierten und effizienten Arbeitsweise. Glücklich macht mich eine Aufgabe vor allem dann, wenn ich mich nicht mit ihr langweile. Viel lieber baue ich auf, als dass ich einreiße.

Ich bin konzeptstark und immer für eine offene und motivierende Interaktion in Wort und Schrift. Daneben bin ich durch und durch eine echte Dienstleisterin: ich kommuniziere standfest mit Durchsetzungsvermögen, zusammen mit Höflichkeit und serviceorientiertem Denken und Handeln.

Aus meiner bisherigen beruflichen Vergangenheit gibt es insbesondere Berührungspunkte zu den Bereichen Internet (ISP, Online Marketing und Social Media Management), Training, Fotografie, Apple und im Gesundheitswesen. Für eine Erweiterung meiner Kenntnisse bin ich immer offen und auf neue berufliche Erfahrungen gespannt, die natürlich gerne kombinierbar sind mit meinen ganz privaten Interessen wie Food, Kochen, Fotografie, Autos u.v.m. Ich mag Entwicklung, meine hohe autodidaktische Kompetenz beweist mein bisheriger Lebenslauf.

Wenn Ihr von Ihr von schönen Arbeitsaufgaben hört oder lest, die Euch an mich denken lassen, dann freue ich mich über Eure Hinweise sehr. Natürlich liegt mein geographisches Herz schon aus Gründen an Berlin – alles andere kann man eben schauen. Eure wundervollen Mails bitte an: creezy at gmx.de

Vielen Dank für Eure Unterstützung!

Transportwesen …

Wenn ich einen weißen Transporter besitzen oder fahren würde, der in Deutschland zugelassen ist, interessanterweise aber mit Rechtslenkung aufwartet, dann …



dann würde ich mir linksseitig auch einen fast mannhohen Ernie auf den Beifahrersitz montieren.

(Aus der Reihe: alles richtig gemacht!)

2012-09-17

Rosenkohl



Vierkommafünf Pflanzen habe ich davon diese Jahr auf dem Balkon gepflanzt. Ich sah Rosenkohl erstmals vor einigen Jahren auf dem GEN-Testgelände vom MPI in Potsdam und habe mich in die Pflanze verliebt. Naja, Stadtkind eben.

Bis auf eine Pflanze, die nicht allzu sonnig steht, tragen jetzt alle Fruchtansatz. Sind noch recht klein aber sie können ja noch lange lange bis in den späten Herbst hinein wachsen. Ich bin für meinen Teil entzückt, die Pflanze selbst hat mich den Sommer über begeistert. Sie wächst so schön stolz und grünsilbrig. Und Rosenkohl esse ich nun einmal für mein Leben gerne.

Also ab sofort mehr Kohl auf dem Balkon! Und morgen werde ich die Pfefferminze ernten und trocknen …

2012-09-16

Licht

Im Lieblingsklamottenladen (Bauhaus) lief mir gestern endlich eine Lampe für das Esszimmer zu, dass bisher am Abend noch komplett im Dunkeln liegt. Mit Lichtgestaltung tue ich mich immer unheimlich schwer. Bisher hat nur das Schlafzimmer eine passable Lichtgestaltung. Passabel bedeutet hier sehr wahrscheinlich für Innendesigner völlig indiskutabel, zumal sie zu 50% wieder einmal aus Ware vom schwedischen Albtraumkaufhaus (schöner Vertipper eben: Albtraumkrankenhaus) besteht. Hiervon wollte ich in den anderen Räumen einmal Abstand nehmen wollen.

Das hat in der Küche schon einmal nicht geklappt, weil dort die Deckenleuchte vom Vormieter vom schwedischen Albtraumkaufhaus hing und noch hängt. Hier sind jedoch die nekischen Steckdosenleuchten aus dem Prozenteshop von uns' aller Kaffeedealer nachgewachsen. Deutlich günstiger und netter anzusehen als diese LED Dinger vom schwed… – okay, ich wiederhole mich jetzt hier mal nicht.

Gut, lag also gestern im Restregal Lampenwerk von 79,— Euronen auf 20,— reduziert. So ein typischer Arm mit vier kleinen Halogenstrahlern in erträglich aussehend. Mit – und jetzt kommt's – einer Fernbedienung. Die Arme sind getrennt verstellbar. Das heißt, ich kann künftig lichtgestalterisch je nach Weineinfluss Antipasti und Dessert einzeln unterschiedlich ausleuchten.

Und zur Hölle: ich werde das tun!

2012-09-15

Schön.

Heute Mittag war ich auf dem Markt in Charlottenburg. Dem Markt meiner Kindheit, wo es immer die kleingeschnittene Wiener am Wurststand gab, dem, der für uns Kinder diese supercolen Ministühle und -tische damals schon hatte.

Ich war da vergleichsweise spät und schritt daher direkt zum Lieblingstürkischepasten und -olivenstand, wo es die besten getrockneten Sauerkirschen gibt. Die getrockneten Sauerkirschen sind dort sehr sehr großartig, die Reise nach Charlottenburg immer wert. Beim „ich mache meine Wurst noch selber, dafür habe ich weniger Auswahl”-Fleischer gab es die beste Leberwurst. Und dann ging ich weiter zum befreundeten Obststand, der zu einem späteren Zeitpunkt immer unglaubliche Angebote hat und immer Petersilie zu Pilzen jeder Art auf's Haus dazu legt: heute gab es zum Schluss den Korb Steinpilze für fünf Euro zum Beispiel.

Auf Höhe des Blumenstandes kurz vor dem Fleischer rannte ein kleiner Hund an mir vorbei und ich dachte so bei mir, der wirkt nicht glücklich. Ob der wirklich weiß, wo er hinwill?

Ich ging dann den einen Gang nach oben, dort ist einer meiner favorisierten Currywurststände, auch mit kleinen Kindermöbeln, aber er steht auf der falschen Seite von dem Stand früher, der heute doof auf Öko macht (also Öko ist an sich toll aber nicht bei Berliner Currywürsten) und ich bestellte mir eine Wurst. In dem Moment in dem ich Wurst und Tüten am Stehtisch abstelle, sehe ich den kleinen Hund mitten auf der Straße, herzzerreissend verwirrt nicht wissend, ob er sich nun vom Auto rechts oder links oder dem geradeaus überfahren lassen soll. Zum Glück sind die Straßen dort klein, noch aus gutem alten Kopfsteinpflaster bestehend und man muss sich an rechts vor links halten, insofern waren die Fahrer alle sparsam in der Geschwindigkeit unterwegs. Ich ließ also Curry Wurst sein und erklärte dem Hund mit einem beherzten Griff an sein Halsband zu unser aller seelischen Ausgleich mit mir mitzukommen.

Das tat er auch. Es war ein sehr hübscher, kleiner, klug guckender mit halblangem Fell. Vertraute mir, wenn auch sehr ängstlich und im Grunde innen drinnen schon ganz aufgelöst aber sehr hundetapfer Haltung bewahrend. Im gleichen Moment stürzten irrsinnig viele Leute auf mich zu, die den Hund schon die ganze Zeit auf dem Markt beobachten haben wollten und ihn natürlich jetzt auch aufgreifen wollten etc. Und alle wollten ihn ja gerne nehmen, hätten aber Papageien. (Offensichtlich hat man als Charlottenburger Marktgänger halt eher Papageien als Hunde oder Katzen.) Nun denn, ich löste derweil meinen Rock von meinem Gürtel und wir bastelten uns eine schicke Leine. Ich entschied an der Ecke zu warten, sei erst einmal das Beste. Denn dort könnte uns ja jemand, der den Hund sucht, gut finden – weil gut sehen. Dann aß ich meine Wurst und der Hund blieb mit gelegentlichen Anwandlungen wieder weitersuchen zu wollen, ansonsten brav sitzen.

Jemand holte den Marktleiter. In der Hoffnung, wenn ihn jemand vermisst gemeldet hätte, wüsste er schon Bescheid. Der telefonierte ein wenig herum, aber die Marktsirenen hatte offensichtlich nichts zu vermelden – außer einem hundischen Einbruch beim einzigen Futterstand auf dem Markt. Es ließ sich aber nicht zurück verfolgen, ob es der gleiche Hund war. Ich hätte mich auch geweigert für so einen hübschen und braven Hund eine Einbruchsanzeige entgegen zu nehmen – zu diesem Zeitpunkt hatte er mich schon soweit, dass ich für ihn durch das Feuer gegangen bin. Er war ganz klar erkennbar ein guter Hund.

Wir riefen also die Polizei, denn der Hübsche trug eine schicke Steuermarke. Die kam auch alsbald und nahm ihn ganz entzückend lieb in Empfang und setzen ihn sehr vorsichtig ins Auto. Dann erzählten sie mir, was sie mit ihm machen würden – nämlich zum Tierarzt gehen und versuchen dort den Halter zu ermitteln, dann käme er in die Aufbewahrung. Sie bekamen noch meine persönlichen Daten und Telefonnummer, für den Fall, dass sich der Halter bei mir melden würde wollen. Und dann fuhren sie von dannen. Mein Rock hatte den Gürtel auch wieder.

Als ich später nach Hause kam, wo mein Handy brav auf mich wartete, hatte ich schon einen Anruf von der Besitzerin, der Stimme nach schon älter, in der Mailbox, die sich herzlich bei mir bedankte, dass sie ihren Hund zum Glück wieder hatte.

Was mich irrsinnig froh machte. Die beiden haben sich wieder. Sehr wichtig! Gute Enden sind sowieso ungemein wichtig bei solchen Abenteuern! Nur der Currywurststand hat ab sofort eine Kundin verloren, wer so einer verlorenen Seele nicht einmal eine kalte Wiener anbietet, taugt nix. Ich hab' da ja stellvertretend für alle Hunderassen auch meinen Stolz!

2012-09-14

Habt Mut, Frauen!

Und liebe Mütter: gebt Euren Kindern, vor allem aber Töchtern, Mut mit auf den Weg!

Heute nachmittag bin ich wieder U-Bahn gefahren. Ich steige Schönleinstraße ein, zwei lächerliche Stationen, die ich sonst immer laufe – aber die Füße taten weh und ich war müde.

Im Wagon steht ein Typ merkwürdig im Gang in eine Sitzreihe übergebeugt und versperrt halb den Weg zum Sitz, den ich einnehmen möchte und ich denke noch bei mir, mich an seinem Rucksack grob vorbei schiebend, „wat stehst Du hier so bräsig rum?” Als ich sitze fällt mir auf, der spricht mit jemandem auf der anderen Seite und es klingt alles nach Abrechnung. „Wenn ich mit Dir fertig bin, ich werde Dir alles zurück zahlen, was Du mir angetan hast …”, ganz merkwürdig monoton. Die junge Mutter mir gegenüber fängt schon an ihre Tochter von der anderen Seite einzusammeln, die dieser Person gegenüber sitzt, die der Typ zulabbert. Ich denke bei mir, aha, Beziehungskrise galore!

Irgendwann ändert sich sein Vokabular und er fängt an ihr zu drohen, was er alles mit ihr anstellen will, wenn sie aus der Bahn raus sind und sie alleine sind. Aber immer noch ganz ruhig und unaufgeregt, monton.

Nun muss ich sagen, ich bin ja das Kind eines unter Alkohol prügelnden Vaters – der aber mich nie angerührt hatte. Immer nur meinen Bruder und meine Mutter. Insofern stand ich mit vier Jahren vor meinem Vater, mehrmals, nachts, wenn er wieder besoffen auf Prügeltour (und bei meiner Mum Schlimmeres) war und habe die beiden beschützt. Da war meine Kindheit dann auch vorbei – aber er hat mich eben nie angerührt, ich hatte dieses Gottvertrauen. (Heute erzähle ich das immer recht lapidar und fast lustig, aber das war es natürlich nie. Gar nicht.) Das hat aber heute immer noch zur Folge, dass ich a) sehr aggressiv werde, wenn ein Typ einer Frau gegenüber übergriffig wird und ihr Schläge androht und b) ich dummerweise auch glaube, mir könnten solche Typen nichts, denn ich bin m. E. nach irgendwie seit jüngster Jugend unverletzbar. Tatsächlich haben diese Situationen häufig in meinem Leben gezeigt, dass die allermeisten Männer in solchen Situationen, sobald sie Gegenwehr bekommen von Außen, ganz schnell ablassen.

Kurz: die Situation in der U-Bahn nahm meiner Meinung nach eine Richtung, die ich ziemlich zum Kotzen fand. Ich beugte mich also über und fragte die Frau, die da saß, sehr gepflegt, ca. 25 Jahre alt, relativ groß sogar, ob sie Hilfe bräuchte. Sie antwortete, „im Moment noch nicht.” Ich fragte sie, ob ich mich zu ihr setzen solle und in dem Moment kamen bei ihr schon die Tränen.

Der Typ ließ übrigens in dem Moment, als ich ihn ignorierend über den Haufen stoßend den Platz einnahm, sofort ab von ihr. Der Mann ihr gegenüber reichte ihr dann ein Taschentuch und war auch sehr hilfsbereit. Interessanterweise stellte sich nämlich kurz darauf heraus, sie kannte den Kerl gar nicht! Der hatte uns alle richtig gut gefoppt mit seiner Psychose. Letztendlich war er nur eine versandete Seele auf Exkurs. Der stand mittlerweile auch wie unbeteiligt in der Ecke an der Tür und traute sich uns keines Blickes zu würdigen. (Ich guckte ihn mir nochmals sehr genau an, falls wir das Zeugenspiel spielen sollten.)

Ich bot der Frau an mit ihr zu fahren und sie dorthin zu begleiten, wo sie hinwollte, damit sie sich überhaupt beruhigen konnte, denn es ging ihr wirklich schlecht. Wir klärten wo sie hin müsste, und es erklärten sich der Mann gegenüber als auch eine weitere Frau bereit mit ihr zu fahren und sie auch ein Stück zu begleiten. Ich bot ihr auch an, dass wir den Zug verlassen könnten und falls er auch nachkäme, sofort die Polizei rufen würden. Aber das wollte sie nicht.

Sie also in guten Händen wissend, bin ich dann ausgestiegen. Die andere Frau nahm dann meinen Platz ein.

Okay, ich nehme das als Zeichen – ich sollte vielleicht wieder einfach weniger U-Bahn fahren, der Deppenalarm ist momentan ausreichend groß. Aber am meisten tut mir weh, dass diese junge Frau nicht den Mut hatte aufzustehen, und dem Mann ganz klar zu signalisieren, dass er sie in Ruhe lassen soll. Am besten ihn siezend, denn dann hätte wir anderen vielleicht nicht solange still gehalten, weil wir früher bemerkt hätten, die streiten sich gar nicht gerade auf sehr ruhige eigene Art.

Es tut mir so leid, was der Mann ihr emotional angetan hat. Wirklich sehr!

Schwule Töppen

Okay, Frau Merkel befindet schwule Profifußballer müssten keine Angst vor dem Outing haben. Ich dachte auch, nach Robert Enke müssten wir in diesem Land einen sozialen Umgang mit Menschen, die an Depressionen erkrankt sind, nicht mehr missen.

Dann gab Rangnick sein Burnout bekannt. Und kam gesund wieder. Der mediale Zweifel an seiner Gesundung und somit Leistungsfähigkeit war zum Kotzen und hat jegliche positive Vermutungen hinsichtlich einer „gesunden” Auseinandersetzung mit psychischen Erkrankungen im Keim erstickt. Das alles unter dem großen Tuch des Profifußballs.

Aber Frau Merkel glaubt an Eitelsonnenschein. Als Hete. Als Nichtprofifußballerin. Ich verstehe ihr Bestreben und ihre Hoffnung. Aber daran glauben? Und dann einzelne Fußballer in ihr Verderben schicken?

2012-09-13

Robert sucht was …

Robert hing neulich im Fenster des weltbesten Stoffladens in Kreuzberg von dem das berühmte ungemein wichtige, immer noch sehr umworbene, heiß geliebte Monsterkissen stammt.



Und weil Robert sehr sympathisch wirkt und der Text ziemlich bonfortinös ist, dachte ich, ich teile ihn mit Euch. Ernstgemeinte Zuschriften (aber wirklich auch nur solche!), bitte an den Laden mit dem wundervollen Namen Off Stoff. Bonne chance*!

(Aus der Reihe: *creezy bekommt das größte Stück vom Hochzeitskuchen!)

Gibt es die auch für Erwachsene?

Ich würde so verdammt cool mit Krümelmonster aussehen!

via e13

2012-09-12

Gestern dann Amtssachen erledigt …

Das geht in Kreuzberg so, dass man im Amt zu den üblichen Öffnungszeiten aufschlägt, eine Wartenummer MIT Termin (so 14:00 Uhr) erhält und die nächsten 2,5 Stunden sich die Zeit sinnvoller vertreiben kann, als auf harten Plastikstühlen im Amt zu sitzen und zu warten.

So weit so gut.

Ich schlich also durch beliebte Gegenden, sehr beeindruckt von meiner persönlichen Smartness diese Aktion nicht im Bürgeramt in Mitte durchzuführen, wo die nähere Infrastruktur a) hässlich und b) doof ist, sondern eben in Kreuzberg, denn dort lassesn zumindest Mehringdamm und Bergmannstraße keine Langeweile aufkommen. Außerdem war Caféhaus-Wetter. So nahm ich irgendwann bei Knofi Platz und gönnte mir einen Milchkaffee und füllte fröhlich des Amtes Papiere aus. Gerne hätte ich des Amtes Papiere bereits zu Hause am Rechner ausgedruckt. Aber das vorliegende PDF wollte nicht einmal blanko ausgedruckt werden bzw. wird es vielleicht treffender ausgedrückt: es wird sehr blanko ausgedruckt.

Als ich dann die Papiere nach bestem Gewissen beschriftet habe, nahm ich die Damen vom Ordnungsamt gewahr. Die, zu zweit unterwegs, sich interessanterweise auf zwei Räder konzentrierten, die an den Metallschutzwällen der Straßenbäume befestigt waren. Nun, die Räder waren im Innenraum, also auf des Baumes knapper Erde befestigt. Dieses Vergehen muss ich mich selbst häufig praktizierend anklagen, aber nur wegen akuter Knappheit. Knappheit an Fahrradparkplätzen in der Stadt. Es gibt derweil nicht wenige Straßen, möchte man diese heimsuchen, sollte man besser zwei S-Bahn-Stationen früher anfangen für seinen Drahtesel einen legalen Abstellplatz zu finden. Die Situation hat sich generell sehr erschwert, auch seit die Deutsche Bahn ihr Rent-a-Bike-Projekt sehr großflächig dort installiert, wo sich der normale Bürger aus logischen Gründen ebenfalls sehr gerne für sich eine zusätzliche Auswahl der meist zu wenig vorhandenen Abstellplätze für Räder wünschen würde. Hilft alles nichts, dann stellt man das Rad schon mal im persönlichen Sozialraum eines Baumes ab, meist, wenn außen an den Metallschutzwänden bereits die lieben Räder anderer Verkehrsgenossen vor sich hin warten. Wo zur Hölle soll man denn sonst hin mit seinem Esel?

Die Damen vom Ordnungsamt schrieben nun. Sie schrieben recht lange. Eine setzte sich zwischenzeitlich ruhig auf die Holzbänke des mexikanischen Restaurants, telefonierte vor sich hin. Dann hängten sie den Fahrrädern jeweils zwei kleine und zwei große Schilder um. Diese Taten dokumentierten sie ausgiebig in ihre elektrische Strafzettelbonautomaten. Abschließend wurde das gehängte Kunstwerk als proof of work fotografisch per Handykamera dokumentiert. Nach immerhin 15 Minuten gemeinschaftlichen Schaffens zu zweit, war die höchstkomplizierte Aufgabe absolviert und man gönnte sich etwas Abwechslung im Tätigkeitsgebiet in dem man ein falsch parkendes Auto von seiner Untat schriftlich wissen ließ. Weitere fünf Minuten waren so vergangen und man zog in trauter Gemeinsamkeit weiter.

Ich blieb abschließend mit meinem Milchkaffee und mich quälenden Fragen zurück, die da lauteten:

Wie viel Zeit hätte wohl nur eine Dame vom Ordnungsamt bei zwei Fahrrädern (die ja im Prinzip statistisch mit werkseigenen Angaben kaum erfasst werden können) und einem falsch parkenden Auto bei Zuhilfenahme gleichwertiger elektronischer Hilfsgeräte benötigt?

Wer dokumentiert und sortiert die Handyfotos zu welchem Zweck im öffentlichen Beschäftigungssektor?

Was kostet die Stadt 20 Minuten relevanter Schreibtätigkeit von öffentlich Bediensteten mit Abarbeitung dreier Verkehrsvergehen minderer Güte bei wissentlicher Tatsache, dass nur eines der Vergehen tatsächlich mit einem Bescheid etwas Geld in die Staatskasse spülen dürfte?

Natürlich wollte ich eigentlich nach dem Kaffeebesuch mir durchlesen, was denn den Radeigentümern so auf Staatskosten mitgeteilt worden ist. Dummerweise hatte ich berechtigte Sorge vor meiner Reaktion. Ich muss ja nicht alles wissen.

2012-09-11

Die junge Frau …

stand gestern an der Straßenkreuzung am Engeldamm und fragt mich, wo den hier diese große Straße sei? Die große türkische Straße mit den vielen Geschäften?

Ich fing dann an zu überlegen und schickte sie erst einmal in Richtung Oranienstraße. Vermutlich aber war das völlig falsch. Vermutlich meinte sie die Adalbertstraße. Oder den Kottbusser Damm. Die Hermannstraße? Die Sonnenallee? Oder vielleicht die Karl-Marx-Straße?

Türkische Straßen mit vielen Geschäften haben wir in Berlin schließlich wie Sand am Meer. Ich kann ihr aber nicht einmal vorwerfen, dass keinen Straßenname nennen zu können, immer eine etwas vage Auskunft beinhalten wird. Bin ja selber professioneller Dau, wenn es darum geht mir Straßennamen zu merken.

2012-09-10

Hamburger

Ich habe selten so viele Burger gegessen, wie in den letzten Monaten. Es gibt einfach unglaublich viele Burgereien derzeit in der Stadt. Zu meinem Leidwesen sind alle Burgerläden in meinem direkten Wohnumfeld fest in muslimischer Hand. Das heißt, es werden großartige Burger serviert aber entweder gibt es keinen mit Bacon im Angebot oder der Schinken kommt dann vom Rind. Was mich neulich geschmacklich wirklich abschreckte, es in diesem Laden oder einem anderen in der näheren Umgebung nochmals zu versuchen.

Doch ja, so ein richtig guter Burger ist schon eine sehr feine Sache. Da kommt (passend zur jüngst zugelaufenen Burgerpresse vom Kaffeeladen) das Rezept für den Jamie Oliver-Burger (mit Parmesan inside!) und von Anikó ausprobiert gerade im richtigen Augenblick!

Blick aus dem Küchenfenster

Die Tradition des Foodbloggens möchte es, dass man gelegentlich den Blick aus dem Küchenfenster festhält für die Außenwelt. Nun bin ich bekanntlich umgezogen und muss an dieser Stelle endlich nachreichen. Zumal ich gestern die Kräutertöpfe nach draußen habe umziehen lassen, es wurde zu unübersichtlich grün auf dem Fensterbrett und überhaupt haben die Katzen ja gar keinen Platz für das überlebenswichtige Krähen- und Mofagucken:

Wenn die Bäume nicht ausgeschlagen haben, dann könnte man aus diesem Winkel übrigens die Spitze vom Fernsehturm sehen. Muss ich wohl noch mal im Winter nachreichen. Wäre albern für ein Foto gleich den ganzen Baum zu fällen.

2012-09-09

Manchmal macht Internet einfach Hals.

Bei mir. Seit gestern. Thema: Bettina Wulff. Frau Wulff wurde, als es ihrem Mann aufgrund seiner Verfehlungen an den Kragen ging, in einer widerlichen Art und Weise – wie man heute weiß – von Parteifreunden ihres Mannes denunziert, nämlich dergestalt, wie man Frauen seit Jahrhunderten am besten in der Außenwelt schädigen kann: man stempelt sie als öffentliche Dame a. D. ab.

Das Verhalten wirft drei massive Tendenzen auf, die kaum noch zu ertragen sind. Die öffentliche Demütigung und Schädigung einer Frau, weil man ihrem Mann schaden wollte. Diese Frau – so wenig ich CDU- noch Wulff-Fan bin, ganz im Gegenteil – das muss ich ihr zugestehen, hat letztendlich ihre Sache als sogenannte First Lady ziemlich gut gemacht. Sie ist vergleichsweise jung in eine Aufgabe gekommen, in die sie nie gewählt wurde. Was viele der Klugscheisser akut vergessen, die die Verfehlungen von Wulff auch ihr in die Schuhe schieben wollen: Frau Wulff war politisch nicht aktiv, noch Ministerpräsidentin, noch Bundespräsidentin, sie ist lediglich die Ehefrau des höchsten Staatsoberhauptes a. D. unseres Landes und ist somit in eine Funktion gehoben worden, die die Berufswahl ihres Mann ihr zwangsläufig auferlegt hat. Diese Aufgabe hat sie angenommen gut und würdevoll erledigt. Und nein, wer glaubt, das sei ein toller Job und die Erfüllung eines weiblichen Berufslebens in netten Kostümchen Staatsbesuchern die Hand zu reichen und immer nett gestimmt zu sein, soll weiter an Märchen glauben. So kann man das natürlich emanzipatorisch hinterfragen, es ist aber immer Privatsache von ihr. Sie in die ganze Kampagne einzubeziehen, unfair, denn letztendlich ist es auch mit Job einer Ehefrau des Bundespräsidenten gegeben ausdrücklich die Klappe zu halten, sie konnte sich nicht einmal wehren in dieser damaligen besonderen Krisensituation. Wir sollten generell das Wort „Freund” aus dem Begriff „Parteifreund” entfernen.

Die andere Tendenz ist der Beweis aus diesem Vorgehen, wie sehr weit weg doch die Mitglieder der CDU (natürlich auch CSU) vom heutigen Leben und Gesetzesumfeld denken und handeln. Prostitution gilt seit Jahren in diesem Land als legal. Wenn Frauen, die dieser Tätigkeit nachgehen oder nachgegangen sind, von Politikern immer noch dergestalt vorgeführt werden, als würden sie sich einer Verfehlung strafbar machen, dann stimmt etwas ganz massiv nicht in den Hirnen dieser „Staatsträger”. Ich hoffe sehr, dass auch die zweibeinigen Dinosaurier in dieser Welt endlich aussterben mögen. Vielleicht sollten aber auch nur mal alle öffentlichen Damen die zu ihnen und bei ihnen kommenden Politiker öffentlich machen. Dann hätte wenigstens diese Art der Verlogenheit ein praktisches Ende.

Eine dritte Tendenz, vermutlich die traurigste in der ganzen Sache: Journalisten, auch solcher von bis dato als halbwegs gründlichen Journalismus bietenden Medien, haben diese Vorwürfe nachgeplappert ohne auch nur halbwegs ordnungsgemäß zu recherchieren und zu hinterfragen. Die schreibende Meute ist blind vor Bluteifer in der Masse mit gerannt und hat die Beute in aller Öffentlichkeit zerfleischen wollen. Bewusst, gewollt. Alle journalistischen Regeln über Bord werfend. Frau Wulff zwei Kinder. Zwei schützenswerte ahnungslose Kinder, diese hat die deutsche Journaille gerne gleich auch geopfert. Übrigens: die gleiche Journaille, die heute weiß, welche Parteifreunde sich für die Gerüchte verantwortlich zeigen, nennen deren Namen natürlich nicht. Selbst die FDP-Politikerin, die dergleichen Vorwürfe in ihrem Blog kommunizierte, muss sich einer öffentlichen Gegenüberstellung nicht sorgen!

Frau Wulf geht nun gegen diese Behauptungen juristisch vor. Daher glaubt das halbe Internet sie weiterhin brüskieren zu dürfen. Das macht mich unglaublich wütend. Juristisch interessant ist dabei ihr Vorgehen gegen Google. Gestern stehe ich im Supermarkt an der Kasse und ein junges Paar, ca. Anfang 20, thematisiert hinter mir die eingereichte Klage von Frau Wulff. Sie erklärt ihm den Sachverhalt bezüglich Google mit der nun immer automatischen Verknüpfung ihres Namens mit den bekannten Begriffen des horizontalen Gewerbes. Er zuckt nur die Schulter und meint (wir kennen das: Google hat 125.998 Treffer, als wird es schon stimmen!) „Na, das wird dann wohl doch auch seine Richtigkeit haben!”

Hat es eben nicht. Mittlerweile hat man nämlich dann doch in den geneigten Fachkreisen recherchiert und musste feststellen, die damals geäußerten Aussagen hinsichtlich Frau Wulffs' angeblicher beruflicher Vergangenheit berühren in keiner Weise die Realität.

Natürlich kann Frau Wulff bei alldem kaum noch gewinnen. Das beweist das kleine eben von mir geschilderte Supermarkthistörchen. Frau Wulff reicht die Klage pünktlich zum Erscheinen ihres literarischen Werkes ein und man beschuldigt sie, dies nur zu Werbezwecken zu tun. Was übrigens völlig legitim wäre, auch Frau Wulff hat als ehemalige First Lady sehr wohl das Recht die üblichen Gesetze hiesiger Marktwirtschaft anzuwenden. Vielleicht aber nutzt sie auch nur die mediale Aufmerksamkeit, der sich gerade sehr blind ihre ehemaligen Feinde, heute wieder Pseudofreunde, bedienen, um darauf hinzuweisen, in welcher Art und Weise ihr Unrecht geschehen ist. Klar, wer letzte Woche noch schön von ihrem Buch schwärmte, muss diese Woche auch über die Klage zwangsläufig schreiben. Sie ist Journalistin, sie kennt diese Regeln. Sie hat auch alles Recht der Welt sich nun dieser Regeln zu bedienen. Im übrigen bin ich mir sicher, dass eine Klage gegen Google vorzubereiten, ein juristischer Akt ist, der sehr gut und genau vorbereitet sein will und somit ausreichend Zeit beansprucht. Auch dazu hat sie mit ihren Anwälten das Recht. Es ist ein kluges Vorgehen dies besonnen anzugehen.

Derzeit stehen die Chancen gut, dass ihre Klage gegen Google vor Gericht nicht erfolgreich beschieden werden dürfte. Präzedenzfälle der Vergangenheit lassen dies vermuten. Sollte sie trotzdem gewinnen, wird sie dennoch nicht gewinnen können. Denn man wird Justitia in ihrem besonderen Fall die juristische Unabhängigkeit absprechen.

Der Punkt hierbei ist aber: wann immer die Kinder von Frau Wulff ihren Namen googlen werden, wird er ihnen gegenüber unsachgemäß mit einer Berufung präsentiert, der sie nicht gefolgt ist. Dabei ist egal, welcher Berufung. Es ist nun erwiesen die Unwahrheit. Frau Wulff muss sich ein Leben lang erklären. Alleine deswegen wünsche ich Frau Wulff hier einen Rechtsspruch zu ihren Gunsten.

Man hat ihr massiv geschadet. Mit den ältesten unfairen Mitteln der Welt, die leider auch heutzutage in unserer Gesellschaft nur allzu gut noch funktionieren. Wer das lustig findet und zudem Schwanzträger ist (meinem nichtrepräsentativen Gefühl nach reißen gerade hauptsächlich Männer in den sozialen Werken diese Witze, muss historisch bedingt sein), sollte sich mal überlegen, wie er sich fühlen würde, wenn das mit seiner Mutter, Schwester, Frau, Freundin geschähe. Nein, das ist nicht lustig!

Bester Artikel dazu im Web von Michaelis Pantlouris. Lesempfehlung.

Interessant ist dieser Artikel, denn Google kann offensichtlich auf Lobbyzuruf die Schlagwortvariablen ändern.

2012-09-08

Ist ja irre!

Diese Foodbloggerin Alexandra Neafotografiert „The Art of Afternoon Tea” nicht ihr Food. Sie zeichnet es! Und wie sie es zeichnet!

2012-09-07

Mensch, mensch, mensch …

was wir so alles mit uns Bloggern erleben …

My poor heart is achin‘

Ich weiß nicht wann, irgendwann muss ich Glumm/500 Beine aus den Augen verloren haben. Mittendrinnen in diesem ganzen eigenen Gedöns. Und dann bekommt der Kerl einfach einen Herzinfarkt.

Das eigene Facebookprofil in eine Seite wandeln …

Wann man das nur tun sollte, was man dabei wirklich beachten muss, dazu hat Kerstin Hoffmann, die deutsche PR-Bloggerqueen einen sehr guten Artikel geschrieben. Sehr hilfreich!

2012-09-05

Herr! Wirf Hirn …

Vorgestern beim schlimmen Discounter entdeckt: Bruschetta. In der Tiefkühltruhe. Für den nicht italienischen Küchenkonsument: Bruschetta wird gerne in italienischen Restaurants als Hors d'oeuvre gereicht. Also wurde früher als Hors d'oeuvre, seit die Restaurants wissen, der Kunde mag das Zeug, wird es in der Speisekarte aufgelistet, darf bezahlt werden und hat seither meist deutlich in der gereichten Qualität nachgelassen.

Bruschetta besteht aus einer kleinen Scheibe Weißbrot, beim Italiener würde man es Giabatta nennen. Ab und an wird es noch geröstet, so dass es warm auf den Tisch kommt – das ist dann ein Qualitätsmerkmal sondergleichen. Oben auf die Scheibe Brot kommt dann ca. ein Esslöffel kleingeschnittene Tomate hier und da verfeinert mit wahlweise kleingeschnittenen Zwiebeln und/oder Knoblauch und/oder frischen Basilikum und/oder Petersilie, immer mit einem Schuss Olivenöl.

Die Zubereitung von Bruschetta besteht also darin, dass man eine Scheibe Brot abschneidet ggfs. diese in einer Pfanne mit etwas Öl anröstet. Dann schneidet man eine Tomate und/oder Zwiebel und/oder Knoblauchzehe und/oder Basilikum/Petersilie klein und verrührt mit etwas Olivenöl und richtet auf dem Brot an.

Die Zubereitung von Bruschetta ist ein Witz. Das können auch die allergrößten Kochlegastheniker vor dem Herren.

WARUM also muss mir diese bescheuerte Foodindustrie diesen Witz von einem Essen in Plastikfolie eingeschweißt und Pappe verpackt aus dem Tiefkühler anbieten? WARUM? Ja, manchmal wünschte ich mir, es gäbe Dinge in dieser freien Marktwirktschaft, die würden verboten!

2012-09-04

made my day

Frau Nullzeitgenerator mit „mützeglatze” und verschiedene Perspektiven auf Schwanzologien.

2012-09-03

Herr M. ist nicht mehr.

Ich kannte Herrn M. gar nicht. Frau Lotta Lotter kannte ihn eigentlich auch nicht. Aber sie hat sich gekümmert. Einmal hat sie ihn getroffen, da war er schon am hinübergehen. Am Freitag, da hat sie ihm vorgelesen. Als sie Samstag nach ihm sehen wollte, hatte er es gerade geschafft. Herr M. war weit in seinen Achtzigern, Magenkrebsbesitzer, Vater von sieben Kindern und keines war da, bevor und als er starb.

Obwohl nun Herr M. Samstag gegangen ist, war er gestern, am Sonntag, mit Frau Lotta Lotter und ihrem Volvo, den wir beide sehr lieben, und mir auf Tour. Uli war auch dabei. Uli ist auch schon weg. Lange schon. Ich ehre die ehrenamtliche Arbeit von ihr, der Lotto Lotter, die Gespräche darüber, denn sie lehren mich viel über den Tod, die wichtigen Fragen beim Sterben, die wir heute für uns alle nicht auf dem Plan haben. Es fehlt uns doch allen an Erfahrung darin. Wenn es soweit ist, wird es zu spät sein die Dinge zu klären, die dann relevanten Fragen vorab beantwortet zu haben, das steht fest.

Da Frau Lotta Lotter Herrn M. erstmals traf, als er bereits nicht mehr kommunizieren konnte, wusste sie nicht, ob er Nähe mag oder was er überhaupt gerne mochte. Das ist schwierig beim Sterben mit der körperlichen Nähe, denn die menschliche Ehre lässt es nicht zu, den Sterbenden einfach anzutatschen – vielleicht sehnt er sich danach, vielleicht bereitet es ihm Qualen? Frau Lotta Lotter sagt immer, man muss so etwas aufschreiben. Wenn man zum Beispiel gerne zwischen den Zehen gekrault wird oder hinter dem Ohrläppchen, lieber auf dem Rücken liegen will, soll man das verflucht noch mal vorher aufschreiben. Wie sollen denn die Menschen im Hospiz wissen, was mann so gerne mag? Und was überhaupt nicht? Und nur wenn sie es wissen, können sie einem das Sterben so schön wie möglich machen, was doch in ihrem erklärten Sinn liegt: ein schönes Sterben unter gegebenen Umständen. Selber wird man sich kaum kümmern können in diesem Moment.

Frau Lotta Lotter hat Herrn M. also vorgelesen. Sie sagt, er schien entspannt. Jedenfalls war da nichts in seinem Gesicht an seinem Körper, das hätte erkennen lassen, er wolle das nicht. Ich fragte, „Was?” und sie sagte „Konsalik.” „Konsalik?!”, fragte ich zurück? „Ja”, sagte sie. Auch etwas unglücklich darüber die Schultern zuckend. Denn man weiß es nicht, vielleicht hat Herr M. Konsalik sehr gerne gemocht. Vielleicht auch nicht. Ich sage Frau Lotta Lotter, ich möchte bitte nicht Konsalik vorgelesen bekommen. Vorgelesen bekommen, finde ich an sich sehr schön und kann mir das auch für mich gut vorstellen. Ich sage, mir soll man lieber von Kishon vorlesen oder Max Goldt, Roald Dahl. Ich bekäme sicherlich gerne Bücher mit einem besonderen Humor vorgelesen. Ich habe nun sehr große Angst, man könnte mir, weil keiner weiß was ich gerne vorgelesen bekommen möchte, aus einem Hera Lind-Buch vorlesen wenn es soweit ist. Dann doch lieber die Bäckerblume.

Fatal wenn jemand glaubt, das wäre einem zu diesem Zeitpunkt längst egal. Ich bezweifle das stark. Ich weiß, wie ich leiden kann, wenn man mich mit der falschen Musik im Supermarkt beschallt. Und an der Kasse stehen ist ja nun längst nicht so ein intimer intensiver Moment wie mein Sterben. Also stelle man sich vor, man liegt da, stirbt – vielleicht über viele Tage – und wird von einem Lebenden vor dessen Lieblingsradiosender geparkt, aus dem Volksmusik erklingt. Musik fände ich nämlich auch schön, in Maßen. So wippend und zappelnd hinübergleiten, vielleicht bei richtig coolem Funk die Biege machen, stelle ich mir sehr charmant vor.

Nein, ich habe auch keine Ahnung. Ich kann mir nur vorstellen und es wird niemand meiner Vorstellung gerecht werden können, wenn ich nicht aufschreibe für meinen möglichen Hospizmoment, wie und was ich gerne mag.

Aufschreiben! Herr M., da danke ich Ihnen jetzt! Denn ich habe von Ihnen etwas gelernt. Nämlich, dass man sich rechtzeitig vorher mit viel Liebe betrachtet und sich überlegt, was man sich für sich wünschen würde, um einen möglichst schönen Übergang zu haben. Wer sich selbst ein bisschen mag, sollte sich diesen Moment im Vorfeld gut gestalten. Denn vielleicht können ja diese Wünsche eines Tages erfüllt werden. Ich glaube, es stirbt sich schöner mit letzten erfüllten Wünschen als mit reinen Vermutungen. Das beste Wohlwollen gepaart mit Unwissen, könnte wohl recht quälend sein. Also Herr M., machen Sie es gut!

Tipp von Frau Lotta Lotter: das Vorsorgebuch. Kaufen, ausfüllen, hinterlegen. Es ist heute ganz einfach, die unangenehmen Dinge zu regeln.

2012-08-30

So …

… alles was ich im Haushalt zur Zeit anfasse, geht kaputt: Waschmaschine, Vileda-Wischdings u.s.w. u.s.f.

Wo zum Henker sind die gutgebauten Putzhelfer im Slip, wenn man sie mal dringend braucht?

Verkaufe InDesign CS 5 Lizenz deutsch für Apple

Fakt 1: Die Lizenz habe ich Anfang letzten Jahres auf einem Treffen der InDesign-User-Group gewonnen und habe sie nie aktiviert. Es ist tatsächlich ein Key, mit dem man die bei Adobe herunter geladene Software frei schaltet (also keine physikalischen CDs/Paket etc.). Ich versende nach Zahlungseingang die Mail-Korrespondenz mit dem Key. Und kann an Eidesstatt erklären, dass dieser nie von mir oder anderen aktiviert worden ist.

Ich habe die Lizenz nie gebraucht, weil bei mir auf dem Rechner die Suite schon installiert war und hätte, wenn, lieber die damals aktuellere Photoshop-Version haben wollen. Aber so ein Tausch war wohl nicht möglich. Nun ja, gewisse traumatische Ereignisse im vergangenen Jahr haben die ganze Sache bei mir in den Hintergrund treten lassen, sonst hätte ich sie schon angeboten. Auf alle Fälle ist die Lizenz zum gängigen Markpreis auf die derzeit aktuelle InDesign CS 6 upgradefähig. Das habe ich von der Mitarbeitern von Adobe schriftlich.

Fakt 2: Die Waschmaschine ist nun endgültig kaputt. Ich brauche also derzeit dringend etwas Geld, um dieser Waschmisere zu entkommen.

Ich glaube € 500,– sind ein realistischer Preis. Wer mag, schickt mir einfach eine Mail an creezy at gmx.de. Bin für spontane Verlinkungen auch sehr dankbar.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!

Winkekatze & Putzekatze

Winkekatze nicht winkend, Putzekatze nicht schäumend …



2012-08-29

Mitläufer – wir gehen mit!

Ich möchte Euch ein sehr schönes Projekt vorstellen: Die Mitläufer – wir gehen mit und Euch einladen aktiv dabei mitzumachen.

Aufgeschreckt von einem Artikel in der FAZ, wie mit nach Arbeit suchenden Menschen bei der Arbeitsagentur bzw. den Jobcentern umgegangen wird, welche Regeln von Amtsseite verletzt werden, haben die Organisatoren mit Mitläufer eine Plattform im Netz entwickelt, auf der sich Menschen, die sich Begleitung für Amtsgänge, vorrangig bei den Arbeitsagenturen wünschen und Menschen, die als Zeugen, Trostspender, Motivatoren einfach mitgehen wollen, zusammenfinden können.

Warum so eine Begleitung, die von jedem von uns mit etwas Zeitaufwand aber ohne notwendiges Fachwissen aktiv durchgeführt werden kann, notwendig ist, kann in dem Artikel nachgelesen werden:

Die Jobcenter teilen ihre Kunden in mehrere Kohorten ein: arbeitsmarktnah, arbeitsmarktfern, nicht vermittelbar. Doch es gibt auch eine inoffizielle Kategorie: Kunden, die ihre Rechte kennen. Sie kommen oft zu zweit aufs Amt, begleiten sich gegenseitig. Insider berichten, das seien etwa zwei Prozent der Kunden. „Wären es fünf bis zehn Prozent“, so ein Insider, „könnten wir einpacken“.

Möglicherweise kann so ein Mitlauf dem einen oder anderen Zweifler an den realen Wünschen von Lanzgeitarbeitslosen Arbeit zu finden auch ein wenig die Augen öffnen für die tatsächliche Arbeitssituation in diesem Land. Und dem System der Hartzkonzeptionen. Dahingehend wie wenig tatsächlich unterstützend seitens der Agentur bei der Suche mitgewirkt wird, wie kontraproduktiv lieber an vielen Orten sanktioniert wird aus der Hilflosigkeit (oder aufgrund von Anweisungen von oben) heraus.

Mitmachen! Kostet nicht mehr als einen Tag Urlaub oder Freizeit! Oder verlinken, aufmerksam machen ist auch hilfreich.

Leon – Backen Herzhaft & Süß



Die charmante Katharina Hönk von Valentinas Kochbuch fragte mich neulich (endlich!), ob ich Lust hätte ein neu erschienenes Kochbuch zu rezensieren. Hatte ich! Für mich war es insofern eine besondere Herausforderung, weil ich a) mich als Waage nie entscheiden kann (koche bitte drei Rezepte nach!) und b) ich mich ja selten an Kochrezepte halten kann, was ich hier allerdings musste. Was für eine Gaudi!

Meine Rezension gemeinsam mit denen der beiden anderen Mitbäckerinnen lest Ihr drüben bei Valentinas Kochbuch! Ich bin die in rot.

Bleibt hier noch Fotos nachzureichen für das wirklich unglaublich leckere Eis: „>Brunos pochierte Erdbeeren mit Grüner-Pfeffer-Eiscreme”. Mit diesem Eis kann man auch Gäste begeistern, die nicht so auf Süßes stehen, bin ich mir sicher!



Von den Makronen gibt es kein Foto. Die und ich waren einfach kein Pärchen.

Ganz wundervoll fand ich die Französische Zwiebeltarte, weil sehr einfach und dünnteigig. (Dicke Pizzaböden hasse ich wie Mückenstiche zwischen den Zehen.) Alleine die Zwiebeln zu dünsten, war ein aromatisches Freudenfest! Wird übrigens mit Dinkelmehl gemacht, wer also mit Weizen ein Problem hat … nur zu!

Zutaten

Teig
125 g Dinkelmehl
1 Prise Salz
1 Prise Zucker
100 g kalte Butter in Stücken
4 EL Eiswasser

Belag

5 EL Olivenöl
2 Zwiebeln (in dünne Ringe geschnitten)
1 TL Essig
1 kleines Bund Thymian
50 g schwarze Oliven
6 Anchovis
Salz und Pfeffer
1 Ei


Zubereitung

Die Zutaten für den Teig werden vermischt und die Butter wird in Stücken so groß wie Knoblauchzehen ungefähr mit dem Messer eingearbeitet. Da der Teig nur kurz verknetet wird, bleiben die Stücke so erhalten und der Teig wird so ähnlich einem Blätterteig – nur in ganz simpel erstellt. Dann das kalte Wasser hinzugeben, verkneten, ab in Folie und in den Kühlschrank für mindestens 30 Minuten. Später wird er relativ dünn auf Mehl ausgerollt, maximal 3 mm dick und auf das Backblech auf Backpapier gelegt.



Die Zwiebelringe werden in Öl leicht angebraten, dann wird mit Essig ggf. zwei Esslöffel Wasser abgelöscht. Die Zwiebel kommen von der Pfanne und werden mit dem Thymian gewürzt. Der ausgerollte Teig wird mit den Zwiebeln, dann mit Anchovis und den (im Originalrezept entsteinten und in Hälfte geschnittenen, habe ich mir geschenkt) Oliven belegt und mit Salz und Pfeffer gewürzt. Den Rand mit dem Ei bestreichen.

Ab in den Ofen für ca. 25-30 Minuten bei 160 Grad/Gas Stufe 3.



Anmerkung, die hier angegebene Menge ist wirklich minimal (ergibt vier kleinere Fladen oder einen größeren) und ist sehr schnell gegessen – also bei mehreren hungrigen Essers lieber gleich die Teigmenge verdreifachen und die anderen Stücke nach Gusto mit anderen leckeren Dingen belegen wie z. B. getrocknete Tomaten und Mozzarella oder Salami und Pepperoni etc.

2012-08-28

Aussicht auf Kochbuchfreude!

Wer „So schmecken Wildpflanzen” gelesen und die wundervollen Rezepte daraus nachgekocht hat (ich glaube, meine gesamte Twitterfoodbloggertimeline hat bereits mehrfach den Holundersirup aus dem Buch zubereitet), der weiß, das Buch steht für ein wildes Bewusstsein an natürlicher Qualität.

Nun haben es der Meisterkoch Meinrad Neukirchner und Foodjournalistin Katharina Seiser, Katha von esskultur wieder getan und sich diese Mal das vegetarische Österreich auf die Koch- und Autorenstange geschrieben. „Österreich vegetarisch” erscheint am 17. September 2012. Es muss ein wundervolles Buch sein, denn alleine wenn ich an die vielen großartigen Mehlspeisen denke, für die die Küche Österreichs ja steht – und die ich persönlich über alles liebe!

Ich schätze an Katha so sehr, wie verdient sie sich für die österreichische Küche und natürlich Produkte macht, sich gleichfalls so stark für die Foodblogszene aus Österreich einsetzt – die tolle Blogs bietet!

Das neue Buch (als auch der Vorgänger) können bei Katha im Blog vorbestellt werden, wer bis zum 17.09.2012 bestellt, erhält die Lieferung ohne Versandkosten zugestellt und auf Wunsch auch mit Widmung der Autorin!