2013-10-19

Heute reicht mir …

… mein Bruder den Hörer an meine Nichte weiter und sie spricht mich zum ersten Mal mit „Claudi” an. (Reicht mich aber kurz danach wieder an meinen Bruder weiter, denn sie hatte mit Papier und Malstiften Wichtigeres zu tun.)

Meine Nichte wird zwölf Jahre alt und ist schwer geistig behindert. Ich hätte nie in diesem Leben darauf gezählt, dass sie jemals meinen Namen aussprechen können würde.

Da können einem schon mal die Beine schwach, das Herz ganz weich werden und die Tränen in Bächen strömen.

2013-10-16

Dieser Tage …

… läuft durch die Blogs ein 20-Punkte-Blogstöckchen. Da schreiben mir bekannte Blogger, und manches Mal in der Realität auch mir bekannte Menschen, sehr persönliche Dinge über sich auf. In den letzten Tage ist mir oft passiert, dass ich vor einem Punkt saß und nicht mehr mit dem Denken aufhören konnte. Dann lese ich woanders einen anderen Punkt und mir schießen die Tränen in die Augen. Woanders muss ich schallen lachen. Plötzlich denke ich, ich kenne die jetzt ein Stück besser. Und ich habe so viel Respekt vor deren Offenheiten. Manche Blogger machen sich richtiggehend nackig dabei. Es ist … ach, ich wünsche mir in einem Jahr ein Blogstöckchen, in dem alle Blogger erzählen, wie die Offenheit über die eigene Person im eigenen Blog das eigene Leben verändert hat.

Ich könnte 20 Punkte zur Zeit nicht über mich formulieren. Das ist harte Arbeit, erlebe ich. Kommt ein Punkt einem in den Sinn, folgen ihm die Gedanken um jede Ecke in jede Tiefe und Weite. Danach bin ich müde. Und intensiv im Gefühl angekratzt. Es ist nicht nicht anstrengend.

Ansonsten geht es mir seit einer Woche nicht gut. Schlaflos. Und zwar, ganz neu jetzt, auch mit Einschlafstörungen. Einschlafen konnte ich immer, ich war nur mitten drinnen fertig mit Schlafen, wenn auch nicht fertig ausgeruht. Jetzt fällt es schon schwer überhaupt den Aus-Knopf zu finden. Das ist neu. Der Rest schnürt mir derzeit schon wieder den Brustkorb bis zum Hals zu, eh schon schwere Dinge werden beschwerlicher denn je. Gerade laufe ich rückwärts, statt vorwärts. Schwierig.

Dinge, die ich mir ins Leben geholt habe, um Abwechslung zu finden und Aufgaben zu schaffen, grätschen gerade kontraindiziert in mein Erleben. Im Nähkurs nähen alle besser als ich, schneiden besser zu als ich, bla bla fasel fasel besser als ich. Den Kurs letzten Montag habe ich nicht antreten können. Im Fotokurs gibt es Aufgaben, die ich mit links erledigen kann, weiß ich. Sie stehen hier gerade riesengroß unerfüllbar vor mir im Raum … natürlich hasse ich mich dafür. Gleiche Schleife wie immer.

Ich habe nie zu den Menschen gehört, die das Heil aller meiner Probleme in meiner Kindheit gesehen habe. Ich meine, ich wusste natürlich, dass in meiner Familie – vor allem für uns Kinder – die Dinge verdammt schief gelaufen sind. Aber ich habe mir immer eingeredet, es ist mein Leben und es ist meine Kunst aus meinem Leben etwas zu machen. Ich habe jedes mögliche Verständnis für meine Eltern und Großeltern haben wollen und in allem Erlebten für mich immer befunden, dass trotz allem ich von ihnen allen geliebt worden bin. Mein Bruder händelt das sehr anders, er macht für sein Scheitern heute noch mit 50 unseren Vater dafür verantwortlich.

Dummerweise merke ich im Rahmen meiner Krankheit, zu der ich so viele Fragen habe, die ich alleine ohne Hilfestellung mir nicht beantworten kann – über allem schwebt zum Beispiel „wie konnte ich es soweit kommen lassen?”, dass ich mit meiner bisherigen Einstellung viel verdrängt habe. Und jetzt muss ich im therapeutischen Gespräch Fragen zu meiner Familie und Kindheit beantworten, die ich nicht beantworten kann, weil ich diese Dinge einfach weggepackt habe. Warum auch immer. Ich merke nur, dass ich mich andauernd seit Jahrzehnten in allem überfordert gefühlt habe, vor allem von mir selbst. Und jetzt kann ich einfach nicht mehr. Sense. Auf allen Ebenen.

Ich war zwischen meinem vierten und fünften Lebensjahr das Kind, dass sich mehrmals nachts schützend vor meine Mutter und meinen Bruder gestellt hatte und meinen Vater angefleht hatte, die beiden nicht weiter zu schlagen. Mir tat er nie etwas. Ich habe das immer gewusst und als gegeben hingenommen. Es war mein Job in dieser Familie unter den gegebenen Umständen. Momentan gucke ich darauf mit großem Erstaunen, weil mir auch klar wird: in dem Jahr hat meine Kindheit geendet. Die meine Mutter versucht hatte doch noch zu retten, in dem sie sich und uns von dem alkoholsüchtigen gewalttätigen Mann wegbrachte. Aber ich war danach einfach gefühlt kein Kind mehr. So erlebe ich das momentan rückblickend. Da sind keine familiären Highlights in der Erinnerung. Also keine ehrlich tiefempfundenen. Nur künstlich hochstilisierte, an denen ich mich rettend verankert habe. Dummerweise rosten die mir gerade unter dem Arsch weg. Macht mich gerade ganz irre.

Ich denke immer noch, meine Eltern haben ihr Ding so gut gemacht, wie sie es eben unter den ihnen gegebenen Umständen tun konnten. Aber ich muss meine harte Nuss nun mal jetzt auch knacken.

Potzblitz.

Bin schrecklich dünnhäutig gerade über das Leid anderer Menschen.

Ich wollte nie über die Krankheit lesen. Je weniger ich darüber weiß, um so weniger kann ich mich selber ausknocken. Das ändere ich gerade. Ich wollte auf Spezialisten vertrauen. Jetzt lese ich. „Sie haben es doch gut gemeint.” von Josef Giger-Bütler hatte ich am Buchregal in der Hand, habe hinein gelesen, knappe drei Seiten und es erschrocken wieder zu gemacht. Mir ging das zu nahe. Ich habe es dann doch gekauft und lese es gerade. Lesen geht so zäh zur Zeit. Aber nun … den folgenden Teil habe ich zum Geburtstag geschenkt bekommen.

Apropos Geburtstag, zwei Jahre vor der 50. Ein Jahr den Vater überlebt. Es bleibt immer weniger Zeit die Dinge gut zu richten. Das richtet in mir auch gerade viel zu viel an. Keine Ahnung, wie ich so weit kommen konnte, also so alt weit. Ging ich nicht gestern noch zur Schule?



Vielen lieben Dank für Eure Geburtstagswünsche, Grüße, Post und Mails! Für mich eine große Freude, wirklich! Ich kann nicht beschreiben, wie wirklich wichtig für mich in dieser Kampfzeit, die Kraft kostet und von der gerade so wenig am Start zu sein scheint. Herzlichen Dank!

Und jetzt weitermachen. Wird schon werden.

Pastej Lax

Testfütterung an drei Probekatzen ergibt: Ikeas „Pastej Lax” ist hochgradig als sehr bis ungemein lecker einzustufen. Enthält natürlich gut Salz.

Aber an manchen Tag ist nun mal einfach Jahrmarkt.

2013-10-12

Dann stehste in der Küche …

… und schälst die bunten Mohrrüben vom Samstagsmarkt am Südkreuz. Die aus dem Spreewald, die bunt sind, völlig unegal gewachsen mit Knubbeln. Nicht immer lang, auch mal rund geformt. Echte ehrliche Mohrrüben eben. Die so aromatisch gut schmecken. Knackig sind. Eine dünne Schale haben und an deren Ende noch etwas Erde an der Wurzel hängt, weil sie wirklich frisch vom Feld sind. Und Du schälst sie, was Dir besondere Freude macht, denn der Schalenhaufen ist schön bunt und außerdem wird er den Kaninchen im Hof morgen gut schmecken. Wobei das Schälen manchmal eine kleine Herausforderung in sich stellt, denn man muss halt die Knubbel umschälen.

Und dann denkst Du daran, wie das wäre, müsste man jetzt der afrikanischen Mutter erklären, die ein halb verhungertes Kind auf ihrem Schoß hält, dass wir hierzulande Gemüse wegschmeißen, nur weil es einer gewünschten „Norm” nicht entspricht, die wir Verbraucher nie gefordert haben. Dass wir z. B. jahrelang Gurken weg geschmissen haben, nur weil sie zu viel Krümmung hatten.

Das ist so unglaublich bescheuert – das kann sich doch keiner ausdenken. Oder?

Turm. Mit Wetter.

2013-10-09

Ich stelle …

… mir vor, ich treffe mich mit irgendeinem x-beliebigen Typen aus einer x-beliebigen Singlebörse zum Kaffee, der sich erstaunlicherweise gar nicht als „Hotlover69” sondern als „ich bin DER Mark” vorstellt.

Ich würde dann denken: „Du bist also der Arsch, der mir seit Wochen den Mailordner mit diesen stumpfsinnigen Casino-Einladungen zuspammt.”

2013-10-07

Talytha





Ich habe nie mein Leben mit einer Katze teilen dürfen, die so gerne trotz aller Ur-Ängstlichkeit neue Welten für sich, wenn auch langsam, entdeckt. Still und vorsichtig packt sie jedes Jahr einen neuen Meilenstein auf ihr „das mache ich jetzt auch!”-Konto. Und sie ist so unglaublich verschmust, zärtlich und liebevoll und drollig und koboldig.

Ihr neuestes Erleben ist auch mal unter die Decke zu kriechen. Sie versteckt sich als ängstliches Mädchen natürlich schon gerne – aber lieber auf Schränken oder unter dem Bett als in dunklen Höhlen. Nun gehört es neuerdings zum Bändchfangspiel (gerne auf dem Bett gespielt, weil man da ja in Bettentürme springen kann), dass man in die aufgeschlagene Decke in die Höhle dazwischen hüpft … und raus guckt. Neulich blieb sie richtig lange darunter liegen. Ich glaube, sie entdeckt ganz neu die Wärme dort.

Katzenmutterherz ist stolz wie Bolle!

Ach, und Milchschnute kann sie auch:

2013-10-06

Mein erster Rock

Also im Sinne von alleine genäht. Gerade Säume finde ich abartig schwierig. Gerade zuschneiden finde ich schon abartig schwierig.



Edit: Natürlich ist dieser Rock von meinem geringen Einsatz abgesehen in der Hauptsache „Made in Internet”. Der Schnitt für den perfekt sitzenden Rock entstammt dem Blog CocoSchock. Und die perfekte Anleitung, wie ich mein erstes Strickbündchen anzunähen habe, aus der wundervollen DaWanda-Nähschule auf YouTube. Mut geholt zu meinem ersten Nähen mit einer Zwillingsnadel, habe ich mir bei Nähen-Schneidern.de. Den Aktivistinnen, die ihr Wissen gerne geteilt haben: herzlichen Dank dafür!

2013-10-05

Nun denn …

Nishia zeigte sich heute früh wieder einmal entsetzt darüber, dass vor ihr für (einen sehr kurzen) Moment die Tür verschlossen war. Also zu einem Zeitpunkt in dem sie wach war und eher Lust auf Spaziergang hatte, als zurück in die kuschligen Federn zu kriechen was Shiina (alias das Shiinchen, alias Mrs. Mörpel, alias Pummel Hummel) den beiden großen Katzen sehr neidet.

Da nun aber der reguläre und nach einer Nacht hinter der Drahttür sehr faire Freigangsmoment von eben jener Pummel Hummel dran war, konnte ich ihr da auch nicht helfen. Hier herrscht weitestgehend Gerechtigkeit.

Nishia kann sehr intervenierend in hohen Tönen miauen. Korrekt ausgedrückt: sie hat das in sehr hohen Tönen intervenierende Miauen erfunden, weiterentwickelt und perfektioniert.

Da Shiina das sehr interessant findet, sie selbst kann ja nur „Mö(r)p”, sitzt sie dann gerne vor der Klagemauer (Tür) und hört der perfektionistisch singenden Katze hinter der Klagemauer (Tür) zu.

Also habe ich das Shiinchen heute auf den Arm genommen und habe die Tür geöffnet, so üben wir seit geraumer Zeit das „wir halten uns alle gemeinsam in einen Raum auf und gucken uns ab und an in die Augen ohne uns direkt zu prügeln.” Die Übung heißt: „Wir halten uns aus.”

Miniaturfortschritte zeigen, dass diese Übung nicht ganz für die Tonne ist, aber dem auszuhaltenden Frauchen noch viel Geduld abverlangen wird. Aber wozu hat man Katzen, wenn nicht dazu, um sich in Geduld haben zu üben und dies unglaublich intensiv zu perfektionieren?

Heute blieb Nishia zum ersten Mal beim Anblick von Shiina ca. 50 cm vor ihr sitzen – eine Nähe aus der sie sich sonst gerne auf den Fernseher rettet und so den Abstand auf 150 cm verlängert, üblicherweise mit quer gestellten Ohren und diesem „Komm mir jetzt bloß nicht zu nahe!”-gepressten Miauen, das gerne in der Folge bei Shiina eine ähnlich gepresste Antwort hervor ruft und eine Spannung im kleinen Körper.

Nishia blieb also sitzen, guckte entrüstet über die Katze auf meinem Arm hinweg und schnauzte mich weiter in ihrer ganz und gar nicht gespielten Entrüstung an. Sie zeigte heute also Souveränität, Ignoranz der kleinen grauen Katze gegenüber und absoluten Widerwillen, bei welchen Spielen immer, auch nur eine einzige Minute mitspielen zu wollen. Shiina goutierte das mit Rücknahme ihrer selbst, in dem sie sich auf meinen Arm vergleichsweise klein machte, sich dennoch entspannte und dabei versuchte prima den Blick von der schlecht gelaunten Nishia nicht zu kreuzen.

Und ich sage es ja immer wieder, wenn mich Leute für nicht mehr normal halten, weil ich die Situation hier aushalte: Shiinas Aggression den anderen Katzen gegenüber resultiert aus simpler Angst vor ihnen. Diese Angst eben gilt es zu knacken. Mit Geduld. Und Liebe. Hier machen sich also drei Katzen das Leben schwer, weil sie zu wenig Selbstbewusstsein haben. Meine Gene. Offensichtlich.

2013-10-01

10



Zehn Jahre alt ist diese kleine Schnute, Mrs. Wichtig, Nishia heute geworden. Ich bin ihr jeden Tag so dankbar dafür, dass sie damals, als ich eigentlich nur eine kleine schwierige bunte dreifarbige Katze besichtigen wollte, so umsichtig und klug dafür gesorgt hatte, dass ich auch ja nicht den Moment verpasse, in dem beiden Katzen mir ihre besondere Kameradschaft zeigen konnten.

Dann doch beide Katzen zu nehmen, war wohl die beste Entscheidung, die ich in den zurück liegenden Jahren für mich, für uns, treffen konnte. Sie ist eine so fröhliche, kluge, agile, sehr anhängliche, tolle kleine Person, die mir hoffentlich noch ganz lange auf der Schulter sitzen kann, unter die Bettdecke kriecht und mir täglich den kleinen Kobold in ihr zeigt.

Ich bin wirklich sehr verliebt in diese einzigartige wundervolle kleine Katzenwesen! Und ich bin dankbar für jeden Tag, den sie diesem Alltag ihren besonderen Zauber aufdrückt!

Krabben und Leberwurst satt – und hoch soll sie leben!

Rush

Gestern habe ich im Kino „Rush” gesehen, den Film mit Daniel Brühl, der die besondere Rennfahrersaison 1976 und den Zweikampf um die Weltmeisterschaft zwischen Nicki Lauda und James Hunt beschreibt. Die Rennfahrersaison in der Nicki Lauda so fürchterlich, beinahe tödlich verunglückte aber unfassbare sechs Wochen später wieder in den Rennwagen stieg und den Kampf um den Titel neu aufnahm.

1976 war ich zehn Jahre alt. Durch den Unfall Laudas habe ich damals als Kind Rennsport erstmals überhaupt wahrgenommen. Natürlich, da sind sich die Deutschen nie zu fein, wenn ein Österreicher international Großes leistet, dann adoptieren die Deutschen die Ösis gerne einmal. Insofern hatte durch Laudas Erfolg die Formel 1-Welt auch ihren Erfolg und wurde von den Menschen hierzulande wahrgenommen, die vielleicht vorher nicht viel mit dem Rennsport am Hut hatten. So war es auch in meiner Familie.

Das Intro im Film, von Nicki Lauda gesprochen, verkündet als lapidare Tatsache, dass es Usus sei, dass von den Fahrern in der Saison mindestens zwei auf der Strecke blieben. Genauso war Rennsport damals letztendlich auch.

Der Film ist schnell geschnitten, auch jenseits der Rennszenen. Da ist keine langweilige Leere, keine falsch gesetzte Romantik, kein übertriebener Pathos. Beinahe dokumentarisch wird zurück in das wilde Leben der 70iger geblendet, dieser Zeit in der alles möglich schien. Die Rennszenen gewinnen an Spannung durch die Straßenperspektive in die der Zuschauer geholt wird, aufbereitet im Stil der damaligen Filmtechnik, dass man technisch nicht merkt, wenn echte Rennszenen eingeblendet werden. Genau diese Entscheidung, den Film nicht superscharf und perfekt wiederzugeben, tut ihm richtig gut.

Daniel Brühl spielt den ernsthaften, introvertierten, immer kompromisslosen Perfektionisten Nicki Lauda. Und das tut er ziemlich, verdammte Hacke noch mal, richtig richtig gut. Er wird in dem Film immer mehr zu diesem österreichischen Rennfahrergenie „The Rat”, der Schauspieler verschwindet komplett. Auch Chris Hemsworth, der den blonden, sonnigen James Hunt, dieses totale Gegenteil von Lauda, interpretiert, agiert perfekt an der klassischen Oberfläche von Hunt, so wie man ihn damals wohl nur verstehen wollte.

Alexandra Maria Lara, die die Rolle der Ehefrau von Nicki Lauda, Marlene, innehält, hat in ihrer ersten Szene noch einen halbwegs lebendigen Auftritt. Danach schlüpft sie wieder in ihr typisches Rollenbild: herumstehen und großäugig staunend den Film an sich vorbei spielen lassen. Interessanterweise sieht sie in dem Film immer zehn Jahre älter aus als Lauda selbst.

Der Film spielt mit allen Klischees der damaligen Rennepoche, aber setzt immer dann, wenn Hunt und Lauda sich zwischen den Wegen in den Boxen einen kurzen Schlagabtausch liefern, viel Tiefgang – und zwar ohne lange dröge Dialoge. Ganz nebenbei wird der Mythos Ferrari „La Familia” pragmatisch demontiert.

Der Soundtrack ist großartig und selbst Hans Zimmers Kompositionen haben dem Film keinen Schaden anrichten können, im Gegenteil. „Rush” bleibt, obwohl man den Ausgang der Rennsaison 1976 kennt, bis zum Schluss unglaublich spannend. Es waren einfach noch andere Rennzeiten. Es waren vor allem Kai Ebel-freie Rennzeiten.

Ich habe lange nicht mehr einen Film so genossen!

2013-09-25

Toast 1.0



Von ökonomisch war nie die Rede. Bei Gas war das Ding echt super!

2013-09-24

Neues vom Nähen

Es hat schon seinen besonderen Charme. Als wir alle vor drei Wochen in den Raum kamen mit den Nähmaschinen, war offensichtlich alles neu. Das konnte ich selbst natürlich nicht beurteilen, war aber so den Aussagen der Dozentin und den wenigen Teilnehmerinnen, die offensichtlich dort schon Nähkurse gebucht hatten, zu entnehmen. Alles neu heißt, neues Mobiliar mit Schränken in denen man die Nähmaschinen verstauen konnte. Dafür weniger große Tische mit viel Zuschnittfläche, was bei einem Nähkurs mit zehn Teilnehmerinnen, die alle gleichzeitig zuschneiden, aus simpler Kurslogistik heraus, natürlich prima ankommt.

Auch neu: die Nähmaschinen. Der Bereichsleiter, dem man wenig Ahnung vom Nähen unterstellen sollte lt. Dozentin, war Technik einkaufen. Es stehen also jetzt superschicke Brother-Nähmaschinen auf dem Tisch mit Handbetrieb (also Taste drücken anstatt Fußpedal oder Taste drücken anstatt Nähnadeln über das Rad hochstellen.) Die Maschinen haben Display-Schnickschnack. Für den Garnrollenhalter benötigt man nunmehr einen zusätzlichen Plastikaufsatz, weil die Rolle liegt, anstatt aufrecht zu stehen wie bei herkömmlichen Nähmaschinen. Und möchte man mit einer Zwillingsnadel nähen, fehlt der zweite Rollenhalter bzw. ist er im Halter für die Rückspule integriert und nutzfähig mit: einem Plastikersatzteil. Dafür benötigt die Spule für den Unterfaden keine Halterung mehr. Natürlich kann man mit der Maschine nähen, kann sich aber auch sicher sein, was als erstes davon kaputt gehen wird bzw. was man für Teile an ihr so vertrödeln kann.

Die Dozentin hasst die Dinger. Es gab zwar einen Einführungskurs für sie, aber die Dozentin ist sich nicht zu fein uns darauf hinzuweisen, dass sie das alles nicht wirklich begriffen hat und keinen Bock auf die Maschinen hat. Deswegen müssen wir Teilnehmerinnen uns auch jede einzeln mit deren Bedienung befassen, anstatt dass sie uns allen eine gemeinsame Einweisung gibt. Wohlbemerkt: der Kurs richtet sich vor allem an Nähanfänger.



Das ist natürlich alles nicht so tragisch, letztendlich mit einem Blick in die Gebrauchsanweisung kann man das Ding recht schnell begreifen, hat man vorher schon einmal an einer Nähmaschine gesessen. Ist wie beim Auto, die Dinger nähen jetzt halt ohne Choke, dafür mit Tasten.

Die eigentliche Tragik ist, dass die vorher altgediente Pfaff-Nähmaschinen hatten. Unkaputtbare semiprofessionelle Nähmaschinen, die Leder und Denim nähen, was ich bei den Brother-Modellen hier erst mal sehen möchte. Nähmaschinen, die wohl noch in zehn Jahre nähen, was ich bei diesem Plastikmodellen auch erst einmal sehen möchte. Nähmaschinen, die jeder, der Ahnung hat vom Metier, niemals weggeben würde. Alle Maschinen sind angeblich an eine soziale Einrichtung gewandert. (Was an sich natürlich gut ist, aber in sich so unfassbar unnötig.) Weil der Bereichsleiter keine Ahnung hat vom Nähen übrigens ohne Nähfüße. (Hey, selbst wenn Omas Pfaff den Geist aufgeben würde, würde ich die nicht weggeben wollen in der Hoffnung auf ein Wunder.)

Als wir alle, auch die Anfänger, das gehört haben, haben wir erst einmal stillverzweifelt eine Schweigeminute einlegen müssen.

Nur zum Spaß bin ich eben mal auf die Seite von Pfaff gegangen. Das Nähmaschinen-Geschäft ist heuer ein sehr lustiges. Erst einmal lande ich auf der Homepage in der Navigation unter Nähmaschine in einer Auflistung von sieben unterschiedlichen Modellen, deren fantasievolle Namen wie „passport™ 2.0” oder select line™” mir so richtig viel sagen. Klicke ich dann auf eines der Modell, wird mir in der hervorgehobenen Featurebeschreibung als erstes genannt:

• Großes, hochauflösendes Display
• Tastbildschirm (ambition™ 1.5)
• Original IDT™ System

Features, die bis jetzt nicht sooo viel mit der eigentlichen Aufgabe einer Nähmaschine haben. Ausgenommen das IDT™-System beschreibt den Stofftransport der Pfaffmaschinen. Aber Display ist voll wichtig beim Nähen, wa ey? Dann folgt totschlagende Masse:

• Bis zu 195 Stiche
• Bis zu 4 Schriften
• 29 Nadelpositionen

29 Nadelpositionen. Ich vermute diese Nähmaschine kann steppen? Also im Sinne von Stepptanz? Und hat es wirklich nicht zu der einen 30. Nadelposition reichen wollen?

Kurz und praktisch, mich beschleicht zunehmend das Gefühl die Nähmaschine von heute ist der Frau der tiefgelegte Golf GTI des Mannes. Oder so.

2013-09-22

Kleine kurze Frage …

Norwegen, Schweden, Österreich oder Schweiz?

(Aus der Reihe: Landflucht.)

Der ultimative Nähsupport

Tally hat Besseres zu tun als sich fotografieren zu lassen. Die spielt sehr glücklich mit einem Restabschnitt vom roten Jersey.



2013-09-21

Platzset Update

Katzenplatzset mit Kartenupdate unten rechts (dank freundlicher Spende einer Freundin). Für einzelne Pummel-Hummeln …

2013-09-20

Richtig gemacht

Hinsichtlich des selbst verordneten Therapieprogramms „Der dunklen Jahreszeit in den Hintern treten” zu dem u.a. der Nähkurs an einem Montagvormittag für den gelungenen Start in die Woche zählt, mich auch in einen Fotokurs in der VHS eingebucht. Den gleichen Kurs hatte ich 2008 schon belegt und ich schwärme heute noch von der Dozentin, einer altgedienten schwedischen Reportagefotografin mit Esprit, Können, riesigen Fundus an Geschichten und einer so charmanten Art unaufdringlich ihr Wissen mit uns zu teilen. Einem Kurs, der damals schon jedes Mal in der benachbarten Pizzeria endete. Mit langen Gesprächen über Gott und die Welt und Fotografie.

Ein Kurs der über drei Semester geht, in einer Ausstellung und Katalogveröffentlichung endet, die Kursteilnehmer auf vielen unterschiedlichen Ebenen zusammen arbeiten lässt – eine runde Sache also. Ein Kurs in dem sich die Leute am Anfang erzählen, wie wirklich viel Bock sie auf das Thema haben. Und dann – für mich – das Glück haben, dass noch ein Platz frei war – keine Selbstverständlichkeit, denn die Dozentin steht für mehrfache Belegung. Sie ist definitiv anders als die Dame aus der Schneiderecke.

Gestern Abend dann ging es los. Die Freude, die Dozentin wieder zu gesehen prima signalisiert durch die Tatsache, dass ich 20 Minuten zu früh dort bin. Man steht vor der Tür und quatscht schon mit den Leuten (kein Merkmals sonstiger VHS-Kurse.) Ein Teil der Teilnehmer kommt aus einem Digitalfotografiekurs, denn die Dozentin im Frühjahr gegeben hatte. Man hatte dort die schöne Tradition gepflegt, dass jeder, der seine Hausaufgaben nicht machte, eine Flasche Rotwein dem Kurs zu stiften hatte. Läuft.

Die Dozentin kam, es wurde los gelegt, die Energie war da. Ihr Chaos, ihr Spaß am Genre. Es war toll. Spät am Abend mit ihr noch zur Freiluftausstellung der Ostkreuz-Schule gefahren. Ich freue mich einfach über das Wiedersehen – und auf den Kurs.

Gute Entscheidung!

2013-09-19

Es muss …

… diesem einen Jobcenter in Berlin-Mitte unglaublich schwer fallen, die Hintergründe einer fortlaufenden Krankschreibung zu verstehen und daraus die Konsequenz zu ziehen: „Laden wir solange nicht zu Gesprächen ein.”

Rein rechtlich bewegen die sich, man kann es nicht anders sagen, schlicht und einfach auf eher strafrechtlichen Ebene damit. Aber gut …

Oh und zum Thema Stufe IV der Hartz-Konzeption, Abbau der Bürokratie. Ich lasse mir ja nun alles, was ich dort abgebe, mittlerweile bestätigen. ALLES. Wobei mir ja ein Stempel mit Datum reichen würde. Nein, das machen sie nicht. Sie drucken dann immer eine Din A4-Seite aus, für die Krankschreibung eine. Für die Terminabsage eine.

Alle irre. Außer Elli.

Lomo-Tally

2013-09-16

Im Hier und Jetzt …

Heute etwas frühpünktlich beim Nähkurs gewesen und mit einigen anderen Teilnehmerinnen über die erste Stunde gesprochen. Vor allem bei uns Anfängerinnen kam die eine oder andere Kritik hoch. Das haben wir dann direkt nett und höflich angesprochen, als die Dozentin die nächste Runde eröffnete und haben uns einfach mehr Theorie, zumindest am Anfang, von ihr gewünscht. Das Klären einiger Grundbegriffe, Erläuterung der Stoffunterschiede, Fadenverlauf etc. Alles das halt, was man auf YouTube dann doch nicht lernt.

War sie ein bisschen sperrig unserem Vorschlag gegenüber. Na gut, ist Montag vormittags, da braucht niemand derartig konstruktive Ideen, die das eigene Konzept berühren. Ihrer Meinung nach würden wir das während des Zuschnitts etc. alles lernen (auch wenn dann die Stoffkunde vor dem Einkauf fehlt). Außerdem meinte sie, wir würden das eh wieder alles vergessen haben (sic!) und sie müsste uns dann alles zwei Mal erzählen. Hielt ich für keine so üble Idee an sich. Denn so ihrem Konzept nach wird sie es jedem einzeln erklären müssen, also acht Mal im Schnitt … oder auch 16 Mal. Naja …

Ansonsten habe ich heute meinen künftigen Jersey-Rock zugeschnitten und werde diesen dann demnächst nähen – in Größe 44. So wie Burda das von mir will. Da bin ich jetzt auch hart.