
Signed! Dann standen wir also gestern um 17:15 Uhr vor der Haustür zur Wohnungsübergabe … und keiner kam. Da war aber Eine aufgeregt. Berlin schenkte uns einen riesigen roten Sonnenball im Untergang begriffen und das Warten war besonders warm und schön. Also ab dem Moment in dem die Telefonate signalisiert hatten, es sei alles in Ordnung und es bliebe beim Termin, man verspäte sich nur ein wenig.
Das freundliche junge Pärchen, offiziell zu zweit, inoffiziell zu dritt, übergab die Wohnung und wir lasen derweil in der immer dunkler werdenden Wohnung – ohne Lampen – den Mietvertrag und die fünf Millionen Anhänge. Und sie zeichnete diese später in der völlig finsteren Wohnung im Schein der Taschenlampe fünfmillionenmal mal zwei Ausführungen. Der sehr nette Hausverwalter ging. Wir köpften die Flasche, saßen vor der glucksenden Heizung und konnten es nicht glauben. Geschafft! Das kann sich keiner vorstellen, wie sehr diese Wohnung der Rettungsanker war.
Sie ist dann nach Reinickendorf, also einmal die komplette Strecke der U8, um ihre Sachen zu holen. Da wussten wir schon: alle avisierten Transportmöglichkeiten mit dem Auto hatten sich zerschlagen. Ich zog los für ein standesgemäßes Berlin-Neuköllner Abendessen zu sorgen, in diesem Fall also Wiener Würstchen, deutscher Kartoffelsalat, italienische Mozarella, holländische Tomaten, türkische Oliven, griechische Weinblätter, türkisches Brot. Und Crémant. Aus meinen Beständen wanderten dann erste Küchenbestände nach drüben und der Baustrahler. Der Baustrahler, den ich mal kaufte, als ich anfing mit Still- und Proträtfotografie. Der hierfür als erste Lichtquelle herhalten musste. Der dann später dazu diente, beim besten Freund der Welt die Swimmingpoolreparatur noch nachts voranschreiten zu lassen, der nun im Keller vor sich hin döste und gestern die Wohnung hell erleuchtete. Und wärmte. Alles auf's Rad, rüber. Sind fünf Minuten Fußweg.
Der Onkel hat sie und die Tochter und die ganzen Klamotten dann doch freundlicherweise rumgefahren. Und ist genau einmal mit hoch in die Wohnung, hat uns dann mit dem ganzen Kram im Hausflur stehen lassen. Der Sohn kam kurz darauf mit seinen Freunden, zwei Matratzen in der S-Bahn transportiert und seinen ganzen Rapeiken und mit Frettchen Lino. Der Sohn und seine Freunde waren extrem happy mit der Wohnung und begeistert. Die Tochter … die ist so dermaßen radikalpubertär, sie rafft gar nix mehr. Eigentlich müsste man sie in eine Vitrine installieren und ausstellen – so ein Exemplar dermaßen voll auf Pubertätsspeed hat die Welt noch nicht gesehen.
Mit dem Jungen und seinen Freunden sind wir dann nachts um halb zwölf noch zu mir, mein Gästefuton hinüber tragen. Es gibt da ja erst mal nix. Den Kids gleich gezeigt, wo der lustige Swingerclub an der Ecke liegt, wo Tempelhof anfängt und wo der nächste Zeitungsladen liegt. Einweisung in die Discounter-Landschaft der Umgebung. Stille Begeisterung. Als wir bei mir waren, haben wir uns wegen der Lautstärke darauf geeinigt, dass nur zwei zu mir hochkommen. Ich schließe die Tür auf, der Freund vom Sohn (der dessen Frettchen die letzten Monate aufgenommen hatte und ihm eine grandiose Wohnwelt in seinem Zimmer geschaffen hatte) meinte nur begeistert: „Oh, Katzen!“ Und drei Katzen saßen in der Tür, die Betonung liegt auf drei, denn üblicherweise reduziert sich Talytha ja bei Fremden, vor allem bei groß gewachsenen Fremden, grundsätzlich erst einmal unter das Bett und meinten zu ihm begeistert: „Oh, Dan!“ Lino sehr würdevoll, Nishia begeistert überschäumend und Talytha still in der Ecke mit blitzenden Äuglein, so himmelten sie den Jungen in stiller Übereinkunft an, als wäre er ihr Messias. Nishi sprang auf ihn zu, rollte sich im Flur auf dem Boden hin- und her, was sie so noch nie bei Fremden getan hat. Das ist so faszinierend, wie manche Menschen für Tiere offensichtlich „Heimkommen“ bedeuten. Hoffentlich wird der Junge Tierarzt, der kann das.
Kurze Rede, sie sind jetzt angekommen und können sich akklimatisieren. Gestern vormittag hatte die Freundin auf dem Jugendamt ein langes Gespräch mit der künftigen Familienhelferin, das wohl sehr gut war. Das Mädel ist – zumindest laut ihrer Lehrer in der Schule, zu Hause leider noch so gar nicht – wie umgewandelt, seit ihre Mutter wieder da ist und sich um sie kümmert. Wir sind also guter Dinge, überlegen nur, ob wir das Tochterkind nicht gleich in den Keller ziehen lassen. Kleiner Witz. Erst mal nur an den Füßen über'n Balkon hängen, dürfte ja vielleicht auch reichen. Nächste Woche dann wieder Amtsgänge. Seufz.
Aber es wird. Ich meine, noch vor drei Wochen war sie so verzweifelt und wollte sie lieber vor den Zug springen – und das ist jetzt mitnichten übertrieben formuliert, und wir hätten damals nie geglaubt in so kurzer Zeit so weit zu kommen! Smiley ans Leben!