2010-08-22

Momente,

… die sich ins Herz brennen. Ich schleiche eben die Bergmannstraße hoch zum Südstern zum dort abgestellten Rad und sehe auf dem in den Abendstunden abgeschlossenen Friedhof einen Fuchs durchs Gras flanieren. Er ist wunderschön mit dichtem Fell, gut genährt und noch nicht alt. Er markiert kurz einen Busch und wandert, bevor ich die Kamera rausholen kann, in Richtung Friedhofsmauer, wo ich ihn nicht mehr sehen kann. Also schlendere ich weiter in der Hoffnung, er bewegt sich vielleicht auf die Straße.

Plötzlich springt er durch das Gras zurück im weiten Zickzack zwischen den Gräbern hin- und her als würde er ein unsichtbares Kaninchen jagen, voller Lebenslust- und freude. Freude wohl darüber, dass der Friedhof ihm jetzt wieder ganz alleine gehört und niemand ihn stört in der Nacht. Irgendwann bleibt er stehen – offensichtlich zufrieden mit sich und bester Laune.

Ein wunderschönes Stück Natur mitten in Berlin. Für immer unvergessen. Ich habe immer so schöne Fuchserlebnisse hier in der Stadt! Dankeschön dafür!

Gestern bei Real

dem freundlichen Supermarkt in der Nähe, bei dem es den Gato-Wein gibt und … sonst eigentlich nicht so viel, was das Einkaufen dort zur echten Freude macht. Ich stehe vor dem Backregal im Supermarkt, wo man sich das Brot selber eintüten darf und die Fachkraft dahinter nur noch die Öfen und Regale bedient. Mich grinsen die lecker knusprig aufgebackenen Toskana-Brötchen sehr an und ich gucke mich nach geeignetem Einpackmaterial um. Es gibt, den Broten vorbehalten, einen Restbestand Papiertüte mit Plastikstreifen zur Brotansicht (sicher praktisch für die Kassiererin an der Kasse zur Differenzierung, gleichzeitig sinnlos, weil die Brote einheitliche Preise haben) und Plastiktüten. Die Plastiktüten, in denen ich auch sonst Tomaten oder sonstiges Gemüse am entsprechenden Stand verpacken soll. Für knusprige Brötchen.

Ich suchte und fragte dann die Bäckerin, ob dieses Plastiktüten wirklich das Einzige sei, was sie an Verpackungsmaterial zu bieten hätten? Sie guckte mich an und meinte zweifelnd in meine Richtung, so als ob ich sie nicht alle hätte: „Ja!“ Daraufhin meinte ich „na, dann eben nicht.“ Und ging. Sie hätte es nicht verstanden, selbst wenn ich es ihr erklärt hätte.

Ich meine, wenn diese Backbetriebenicht gewährleisten, dass ich ein knuspriges Brötchen auch knusprig bis nach Hause getragen bekomme – warum verkaufen sie die dann überhaupt aufgebacken? Dann kann ich das wirklich besser zu Hause machen.

Gleiches gilt für einen anderen Bäcker, der immer bei Kaiser's vor den Kassen integriert ist. Da werden die halben Brote gerne mal vorgeschnitten und in Plastiktüten verpackt und in die Auslage gelegt. Gut, die Plastiktüten haben zwar kleine Luftlöcher, vorausgesetzt die sind gerade nicht aus, was sie oft sind. Aber ich will kein Spreewälder Krustenbrot in Plastik kaufen, weil es sich nämlich dann mit der Kruste schlicht hatte.

Euer mangelhaftes KnowHow was die Produkte anbelangt, die Ihr verkauft, widert mich mehr und mehr an.

2010-08-21

Leb‘ wohl!

Danke für Deinen Humor.
Danke für Deine Intelligenz.
Danke für Deinen Mut.
Danke für Deine Kunst.
Danke für Deine Großherzigkeit.

Gut, das wir Dich hatten, Christoph!

Das mit der Rente …

mich hat diese Diskussion wenig tangiert. Ich halte sie für dumm. Ich halte sie für verzweifeltes Salzsuchen auf einem zu großen Tisch bei einem Blind-Dinner. Rumtasten, rumstochern und schlussendlich wegen Tapsigkeit den Streuer vom Tisch gewischt.

Deutsche sollen bis 67 offiziell weiterarbeiten? Wen interessiert das? Mich nicht. Ich bin seit dem klugen Sozialkundelehrer auf dem Gymnasium groß geworden mit der Gewissheit, dass Rente in Deutschland ein Auslaufmodell ist, weil von der Politik falsch zwischengelagert. Von Globalisierung und Arbeitslosigkeit wusste mein Lehrer auch alles korrekt vorher zu sagen, was eingetroffen ist, den Fall der Mauer ausgenommen. In meiner Familie hat eine einzige Person übrigens das Erreichen des regulären Rentenalters erlebt und überlebt. Na gut, zwei. Mein Großvater bekam seine Krebsdiagnose mit Eintritt und erlebte seinen Exitus sechs Monate nach dem Erreichen seiner Rente. Zählt das? Kurz: Rente und ich, keine Komponenten die aneinander je geglaubt haben. Ich wollte nie in Rente. Ich habe nie meine Jahre bis zur Rente gezählt. Ich stehe auch fassungslos vor Leuten, die sich darauf freuen. 20 Jahre vorher. Rente ist für mich die Einbahnstraße in den Abbau. Ich wollte immer schon arbeiten bis zum Schluss. Mein erklärtes Jungbleibeelixier, alleine …

Wir leben in einem Land, in dem nur noch jeder zehnte Arbeitnehmer seinen Ruhestand zur regulären Zeit erreicht. Die einen werden durch körperlichen Verfall vorher aussortiert. Die anderen werden schlicht nicht mehr gewollt. Ja, wir leben in einem Land in dem jeder ab einem Alter von 50 Jahren gerne vom Unternehmen aus- und abserviert wird, weil nicht mehr attraktiv genug, schnell genug, nicht ins junge Image des Unternehmens passend oder schlicht auf dem Gehaltsstreifen zu teuer. Und es ist bekannt, dass die Menschen, die in diesem Alter zur Agentur gehen außer Jobs in der Straßenpflege der Kommune für einen Euro nichts anderes mehr nachgewiesen bekommen, worauf sie sich überhaupt bewerben könnten.

Und das ist Fakt. Und daher ist die aktuelle Rentendiskussion nur wieder ein weiterer Beweis dafür, wie völlig inkompetent deutsche Politiker sind. Und ich kann mich an die Stimme von einem einzigen SPD-Politiker erinnern, der die Realität tatsächlich in Worte formuliert hat: Heiko Maas. Kommentar von Ulrike Herrmann in der taz.

Traurig ist das. Und ja, Bürger brauchen mehr Mitspracherecht. Menschen wie mein ehemaliger Sozialkundelehrer.

2010-08-18

Kleiner Hinweis für AKG-Fans

Schließlich habt Ihr hier bei mir fleißiger kommentiert als drüben im Hauptstadtblog die Leser zu Susannes Post zur AKG Scholarship of Sound. Aber drüben verschenken wir jetzt einen Kopfhörer. Einen professionellen Studio-Kopfhörer von AKG.

Simon's Cat in „The Box“



Heute neu erschienen! Geheimnis gelüftet, Simon's Cat heißt Nishia!

2010-08-17

Ich kläre Euch auch mal emotional …



(Aus der Reihe: Manchmal fällt auch mir Toleranz schwer …)

2010-08-16

Übrigens …

wirkt dieses Feliway „Het geheim van gelukkige katten“ (Das Geheimnis von glücklichen Katzen) total super. Gestern Abend erst in die Steckdose gesteckt, heute früh schon sind die Bauarbeiter nicht zum Dienst erschienen!

*Talytha pfeift lässig Bonny-like den Qualm vom Revolver*

Tiere essen

Anlässlich der Erscheinung des US-Bestsellers Tiere essen von Jonothan Safran (!) Foer, ist gerade das Thema Vegetarismus in aller Munde und somit auch allen Gazetten: In der Zeit heute ein langes lesenswertes Essay zum Thema Vegetarismus.

Hande von Vinoroma erzählte gestern auf twitter, sie hätte Lust demnächst nach Istanbul zu reisen und dem dortigen Schlachtfest, der Schächtung, beizuwohnen. Und merkte direkt anbei, dieses Tweet würde sie jetzt vermutlich einige Follower kosten und schon waren wir drinnen in der Diskussion, wie sehr es auch die Aufgabe des Fleischessers ist, das Thema eines Tieres Tod einmal aktiv mit durchzustehen, wenn dieses Tier für unser Essen sein Leben verliert. Es hat etwas mit Respekt vor dem Lebewesen zu tun und auch Respekt vor uns selber, Respekt vor dem, das uns ernährt. Ich hatte dazu schon einmal meine Gefühle und Gedanken aufgeschrieben.

Selber war ich bisher in den Momenten in denen ein Lebewesen sein Leben für meinen Teller lassen musste, selten anwesend. Ja, in Frankreich ließen wir uns Forellen frisch aus dem Zuchtbecken schlagen. Ich weiß noch, dass auf dem Markt ein Forellenhändler stand, der die Fische dort mit Generator betriebenem Aussaugautomatismus ausnahm. Das fand ich fürchterlich. Die Fische erhielten einen Schlag auf den Kopf, waren noch nicht einmal gänzlich hinüber und schon stopfte man ihre Bauchöffnung auf eine Apparatur, die ihnen das Innenleben aus dem Körper riss. Dort habe ich nie Forelle gekauft.

Als Kind war ich mit meinen Eltern auf einem Bauernhof und dem Hahn wurde, weil er für die Feriengäste zu früh krähte, der Kopf abgetrennt. Man machte daraus ein Volksfest. Entertainment für den Städter. Ich erinnere noch, dass sie das Tier ohne Kopf noch einmal laufen ließen und alles dümmlich lachte. Ich fühle mich damals, als vielleicht fünfjähriges Kind, am falschen Ort. Mir erschien etwas falsch. Nicht die Tötung, die Reaktionen der Erwachsenen.

Letztes Jahr waren einige Food-Blogger bei einer Schweineschlachtung anwesend und ich weiß, als ich mich im Frühling mit Katha von esskultur (man beachte nur ihre Gewürzsammlung und verfalle weinend dem Wahnsinn) in Berlin traf und wir darüber sprachen, ich eher skeptisch, ängstlich und längst noch nicht so weit war, dabei anwesend sein zu wollen. Katha indes mit der ihr eigenen Leidenschaft zu guter Herkunft von Essen zugab, da wäre sie sehr gerne dabei gewesen. Letztendlich hat sie Recht, wer Fleisch essen mag, der sollte sich auch mit dem Tod des Tieres, das dieses Fleisch spendet, in der Gänze auseinander setzen. Es ist nicht nur der Respekt vor dem Tier, wer sich mit dem Tod seines Essens aktiver auseinander setzt, der kann mithelfen eine hohen Standard zu setzen in der Behandlung der Würde eines Tieres in seinem letzten Moment.

Tiere, die tagelang eingepfercht in Transportern über die Autobahn geschickt werden, um vor Ort frisch betäubt und ausgeblutet zu werden, um gesichtslos abgepackt bei LIDL in der Kühltheke zu landen, haben diese Würde nie haben dürfen.

Somit taste auch ich mich mehr und mehr an das Thema „bei der Schlachtung anwesend sein“ heran. In einem Fotokurs war einmal ein junger Mann aus Israel, der in seiner Heimat eine Schächtung fotografiert hatte. Es waren sehr eindringliche Fotos, die ich bis heute nicht vergessen habe. Das lag am Thema, vor allem am Fotografen, der es geschafft hatte die Tiere im Sterben mit immenser Würde abzubilden.

Das ist, was ich als Aufgabe von uns Tiere essenden Menschen verstehe, wir nehmen ihnen das Leben zu unseren eigenen Gunsten. Wir dürfen ihnen dabei aber nicht auch noch die Würde nehmen. Daher sollten wir uns wenigstens mit dem Thema auseinandersetzen, hinterfragen und diese Tiere nicht völlig ausgeblendet aus unserem Alltag ihr Leben für uns geben lassen.

2010-08-15

Ich bin noch nicht soweit, um …

ganz seiner Meinung zu sein, was das Grundeinkommen anbelangt aber ich lese die Interviews mit Götzer Werner (DM-Gründer und Grundeinkommenbefürworter) immer sehr sehr gerne. Dieses Mal in der FAZ.

Post vom Bürgermeister

Ich schrieb ja neulich an den Berliner Bürgermeister per E-Mail und habe höflich zum Spaziergang im Neuköllner Kiez eingeladen. Also im weniger schicken Bereich des Bezirkes. Ich wollte schon verhindern, dass der junge Mann nur durch Rixdorfer Welten wandert. (Neukölln ist so groß wie Aachen, da reicht ein Spaziergang eh nicht aus, um das gesamte Bild dieses wundervollen bis desolaten Bezirks zu erfassen.)

Direkt am nächsten Tag gab es 'ne Antwort vom Amt, von Gitta:

Sehr geehrte creezyne,

vielen Dank für Ihre an den Regierenden Bürgermeister gerichtete E-Mail vom 12. August 2010, die in seiner Bürgerberatung eingegangen. Ich wurde gebeten, Ihnen zu antworten.

In Ihrer E-Mail machen Sie verschiedene Vorschläge für einen Kiezspaziergang des Regierenden Bürgermeisters in Berlin-Neukölln. Hierfür möchte ich mich bei Ihnen zunächst bedanken. Selbstverständlich wird der Regierende Bürgermeister auch Ihren Bezirk besuchen. Allerdings ist hierfür gegenwärtig noch kein fester Termin vorgesehen.

Ich habe daher Ihre E-Mail an das Persönliche Büro des Regierenden Bürgermeisters zur Information weitergeleitet. Ob und inwieweit Ihre Vorschläge zu gegebener Zeit berücksichtigt werden, kann ich Ihnen gegenwärtig nicht mitteilen. Ich bin mir aber sicher, dass Sie hierüber rechtzeitig informiert werden.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Gitta


An den Bürgermeister von Neukölln, Buschkowsky, medial auch supergerne präsent, ging die Mail übrigens cc. Er ist ja mit eingeladen worden. Aus seinem Büro bisher höfliche Stille.

2010-08-14

Die erste E-Mail …

so wie wir sie gebräuchlich kennen, wurde Ende 1971 verschickt. Vor 39 Jahren. Klar, dass sich die Post mit der neuen brandaktuellen Technik da noch etwas schwer tut.

Hunger

Anguckbefehl: Fakt – Hunger in Deutschland

2010-08-13

Psycho

Das kleine Katzenmädchen hat heute alle Anzeichen gesendet, die mich ganz wuschig gemacht haben und von der netten Tierärztin spät am Abend als an sich gute Signale gedeutet wurden. Tally wollte nämlich heute weder auf's Klo noch ordentlich trinken und weil ich vergessen habe, dass das ja bei Katzen auch mal so ist und mir somit ordentlich Kopf machte – schließlich steht so ein Wochenende vor der Tür und ein Wochenende ist blöd, wenn's meiner Mieze nicht gut geht, außerdem sitzt die Blase zu nahe an den Nieren – also wollte ich sie doch heute lieber noch mal vorstellen.



Talytha in den Transportkoffer, da sie das ja mittlerweile kennt und wenig amüsant findet, funktionierte heute übrigens nur mit Erpressungsgut namens Katzenpudding. Catsticks ziehen momentan nicht mehr so, weil es in denen morgens und abends die Antibiose gibt. Milch: Schmerzmittelverabreichung – gewöhnlich. Das kleine bunte Katzenmädchen kommt dieser Tage also gourmettechnisch gut rum und irgendwann hatte ich sie im Transportkorb und selbst Schweiß auf der Stirn. Wenn auch wir heute von der Nachbarsfrau kurz um die Ecke gefahren wurden: wundersamerweise muss ich immer nie die Kurzstrecke bezahlen, wenn ich mir ihr zum Tierarzt fahre, weil entweder der Fahrscheinspender defekt war oder der Fahrer nicht wechseln konnte und meine 1 Euro 27 in klein nicht reichten. Interessiert Talytha natürlich nicht die Bohne, auch nicht, dass alle Leute sehr höflich sind im Bus und der armen alten Frau mit Katzentier ihren Platz anbieten. Nicht weil wir nicht schon einen haben würden, sondern weil ihnen unser Platz für uns als unbequem erschien. Wenn ich mal richtig alt bin und keiner für mich aufstehen will, werde ich immer mit Katze reisen, denke ich. Talytha fährt übrigens gerne Bus. Das ist immer der Moment in dem sie das Maunzen einstellt und staunt. Offensichtlich verzaubert sie den Bus auch einschließlich spendable Fahrer.

Kurz: Tally und ich fahren schon mal schwarz. Bei der Tierärztin waren wir dank des nachbarlichen Absetzens zwar zu früh aber ich sitze da ganz gerne im Wartezimmer. Tally, glaube ich, nicht so. So ein Tierarztwartezimmer in Neukölln, das hat was. Da erlebt man Sachen und Leute, da sind die Tiere die einzigen normalen Wesen im Raum, kann ich behaupten (mich eingenommen). Kann mir vorstellen, mich dort einmal eine ganze Woche nur ins Wartezimmer setzen und dann darüber schreiben. Heute waren dort u. a. zwei Frauen, die sich die ganze Zeit unterhielten und den Kater in der Transportbox unter den Tisch abgestellt hatten. Wie eine Tüte Einkauf, die stört, abgestellt. Das würde mir ja nie passieren. Mir ist schon immer unangenehm, wenn ich Tally überhaupt in der Transportbox hier und dort auf dem Boden abstellen muss. Das Katz gehört auf den Schoß, die Füße gehören zwei Stunden lang auf Zehenspitzen gestellt, damit das Katz in der Transportbox gerade sitzen kann und dann wird gekrault. Also ich darf die kleine bunte Katzenmaus kraulen, damit ich mich nicht so aufrege, wenn ich mit ihr zum Tierarzt muss und damit ich mir nicht so den Kopf mache, legt sie sich dann auch immer ganz brav ergeben hin und signalisiert mir mit ihrer buddhaähnlichen Gelassenheit, ich solle mal wieder runterkommen von meinem Sorgengipfel. Sie spendet ordentlich Haare, ich spende ordentlich Krauler und zwischendurch halten wir Zwiesprache bezüglich der anderen wartenden Gäste im Zimmer.

Heute war dort eine interessante Familie. Mama, Vater, Kind ca. 7 Jahre alt und ein Hund. Der Hund war knuffig, keine Ahnung was für eine Rasse aber durchgängig klein, braun und … naja knuffig eben. Tolle Ohren, waches Gesicht. Das Mädel sehr niedlich aber völlig übermüdet, gelangweilt und wohl auch hungrig (es war mittlerweile 20:00 Uhr), die Mama trug ein Hörgerät und sprach nur Vokale. Die ihre Tochter natürlich 1a verstand. Und ebenso antwortete, dass ich die ganze Zeit dachte, sie hätte auch einen Sprachfehler (@notquitelikebeethoven: nennt man das heute überhaupt noch so? Sprachfehler?) Die Tochter, übrigens normal sprechend, nutzte manchmal die Gebärdensprache, die die Mutter immer mit Lauten beantwortete. Die Kommunikation war jedenfalls sehr rege zwischen den beiden. Der einzige, der nie sprach – und daher dachte ich, er wäre vielleicht ebenfalls taubstumm – war der Vater. Sehr viel später kam von ihm ein „Lass das!“ und „Komm' da runter, Du bist doch kein Hund!“. Dem Mann fiel sehr schwer seine Tochter anzugucken oder sich für sie zu interessieren. Der Hund bekam mehr Interesse von ihm ab. Das Mädel war wunderhübsch und hatte die faszinierend blaugrauen strahlenden Augen von der Mutter geerbt und alles an, was kleine Mädchen so anhaben müssen: Hallo Kitty-Shirt, Jeans mit Applikation und Glitzersandalen … und ihr Vater guckt sie kaum an.

Das kleine bunte Katzenmädchen ließ dann heute doch zum Glück etwas Urin zur Untersuchung ab, nachdem die Doktorin höflich darum gebeten hatte. Nur unter Protest, versteht sich. Wer puscht schon gerne unter strahlenden Scheinwerfern auf glatte Fläche? Die sehr gute Nachricht, der Urin ist soweit ohne Befund – es scheint also wirklich der Stress zu sein. Und somit kann ich mich nach dieser Abklärung dem Thema widmen: was mag dem kleinen Katzenmädel eventuell den Baustress vom Halse halten? Denn das Thema wird uns in unserer unmittelbaren Nähe die kommenden drei Monate begleiten. Also werde ich viel mit ihr reden, sie gut unterhalten, morgen endlich die graue Maus finden, die ich und sie schon seit ein paar Tagen vermissen. Und wir haben jetzt tatsächlich, wie Silke vorschlug, das „Geheimnis glücklicher Katzen“ Felliway im Haus. Vielleicht hilft es. Wenn nicht, dann vielleicht Pulsatilla (Kreuzschelle) aus der Homöopatischen Ecke, das Miezen Stress nehmen soll. Oder dass von funnydani empfohlene Zylkene (das mir heute namentlich bei der Tierärztin nicht einfallen wollte). Oder Berberis Cosmoplex bzw. jetzt Berberis Homaccord, das bei idiophatischen Störungen beim Wasserlassen helfen soll. Auch aus der Homöopathie-Ecke. Oder ich lese ihr einfach nächste Woche täglich eine Stunde vor …

Irgendjemand erzählte mir heute, dies sei mein Glückstag und ich sollte im Lotto spielen. Mit Tally von der Tierärztin kommen und wissen, es ist wohl nichts Organisches, das ist der Jackpot. Schlussendlich hatte das kleine bunte Katzenmädchen von der Tierärztin, so nett sie wirklich ist, die Nase voll und meinte, wir sollten alle Feierabend machen. Im Treppenhaus randalierte sie schon wie wild. Und zu Hause gab es eine Dose Krabben in Salzlake für drei Miezen auf Ex. Es ist ja immer ganz erstaunlich, wie Tally sich von der „ich habe null Bock auf Tierarzt“-Mieze zur „Ich habe total viel Bock auf Krabben“-Mieze von 0 auf 100 in 0,02 Sec wandelt.



Das spanische Kochbuch erzählte mir am Nachmittag, ich solle Kartoffelscheiben in ein Tongefäß legen, darauf Seeteufel und das Ganze mit selbst gemachter Aioli überbacken. Das spanische Kochbuch hatte Recht, Lino hatte Seeteufel,



ich hatte ein sehr leckeres Abendessen und dazu einen Wein, dann die Nishia knuddeln. Kommt dieser Tage ein bisschen zu kurz, der Spatz.



Immerhin zwei Tage Bauruhe.

Flamenco

Der Spiegel widmet heute dem Flamenco einen längeren Artikel. Das Gegenmittel zur Depression. Glaube ich sofort! Da ist dieses Gefühl sofort die Koffer packen zu müssen …

2010-08-12

Einladung zum Kiezspaziergang in Neukölln

Sehr geehrter Herr Wowereit,

gerührt nehme ich heute zur Kenntnis, dass Sie sich Berlin und dem, was es wohl so bewegen mag, nun mittels Kiezspaziergängen nähern.

Das finde ich so großartig, dass ich Sie herzlich einladen möchte, dies in Neukölln einmal per Rad zu tun. Sehr gerne begleite ich Sie dabei und dann bewältigen wir vielleicht zu zweit die Schlaglöcher und Straßenzustände der Silbersteinstraße (rechtsseitig, wenn man sich von Tempelhof ab der Oderstraße Richtung Neukölln bewegt) oder auch der Siegfriedstraße. Selbstverständlich können wir das mit dem Rad auch lassen, dann zeige ich Ihnen die Kraterlandschaft zu Fuß, alternativ machen wir eine Wanderung über die Unwegbarkeiten auf den Fußwegen. Die o.g. Straßen dürften ihren sehr eigenen Charme des Erlebens haben für Leute, wie Sie, die solche Wege selten beschreiten müssen. Vielleicht kommt Herr Buschkowsky ja mit und begleitet uns beide? Das wäre bonfortinös!

Und nach unserem Spaziergang gehen wir schön zum U- und S-Bahnhof Hermannstraße, Gras einkaufen. Denn seit der liebe Herr Cem Özdemir aufgrund seiner persönlichen Wohnnähe zum Kottbusser Tor die Kiezpflege dort akut vorantreibt, sind die fröhlichen Dealer hier hoch gezogen. Und, ich sagen Ihnen, lieber Herr Wowereit, dass ist ganz schön lustig mit anzusehen, wie hier der nächste Problemkiez geschaffen wird – in der Aussicht von weiteren Kürzungen der Städtebauförderung.

Herzliche und zeitgleich seufzende Grüße
creezyne

Logik!

Aha, Blogger müssen besser werden, damit Medien weiterhin ihrer Informationspflicht unzureichend nachkommen dürfen.

Klar.

Ich kann den Kommentar #5 von SOffiKi dazu gut leiden: „Hier gilt: Thema verfehlt. Das ist, als würde man von Schützenvereinen erwarten, endlich mehr Gebrauchspistole zu schiessen, da die Qualität der Polizei durch Einsparungen nicht länger hinnehmbar ist.“

2010-08-11

Nishexpedit, müde

Fast erfunden

Und dann leider doch nicht. Melody arbeitet nach dem Brand ihre Erfahrungen mit den Versicherungen auf.

2010-08-10

Genervt



Vor zwei Monaten mit dem kleinen bunten Katzenmädchen bei der Frau Doktorin gewesen, nachdem sie den Vormittag nicht von der Toilette kam und alle Anzeichen, die ich persönlich noch gut von früher kenne, einer Blasenentzündung zeigte. Und wie ich das von früher kenne. Und wie mich das lahm gelegt hatte. Und wie ich gelitten hatte. Und wie ich das am allerwenigsten meinen Miezen wünsche!

Ich also sofort mit dem Tier zur Doktorin, wo Talytha natürlich kein Urin abzugeben gedenkt, weil sie sehr genant ist. Genau wie sie es nicht leiden kann in Toiletten zu urinieren, denen die Katzenstreu vorenthalten wird, denn, weil und überhaupt: das Miezemädchen ist eben eine sensible und gewisse Dinge gehören nicht in der Öffentlichkeit passiert oder aber gefälligst so, wie immer. Sie hat's nicht leicht und das macht sie nicht leicht – obwohl sie die unkomplizierteste Katze ist, die es gibt. Aber eben mit einer ordentlichen Portion von Angst vor allem Unbekannten und so habe ich die Süße angeboten bekommen, genommen und wir haben uns arrangiert. Sie hat sich sehr entwickelt in den fünf Jahren, die sie meine ist und ich ihre und wir erklimmen ihre Problemberge gemeinsam. Das läuft im Großen und Ganzen sehr gut und wir baden die Angst machenden Dinge gemeinsam aus, täglich wird sie mutiger und ich erkläre ihr die Welt und die Dinge, so wie sie sind. Zum Dank sitzt sie in meinem Arm und schnurrt und drückt sich an mich und wir gehen dann den Alltag beiderseits ermutigt an, im Team – wie sich das gehört für eine Tally und ihre creezyne.

Also hatte sie es neulich mit der Blase und die Frage der Tierärztin, ob sie denn in letzter Zeit Stress gehabt hätte, beantwortete ich mit „Nein!“, weil letztendlich bei uns im Haus alles lief wie immer und gut, sogar sehr harmonisch mit dem anderen Katzenmädchen und dem Katzenmann und dem sommerlich offenen Balkon, den sie so liebt, wie keine zweite Katze in diesem Haus.

Sommerlich offener Balkon. Vor zwei Wochen zogen links und rechts und unter uns Nachbarn ein und das bringt Bohrlärm mit sich und vor zwei Monaten wurde akut am übernächsten Balkonstrang linksseitig gearbeitet. Danach war Ruhe und eben seit Freitag Gerüstaufbaulärm und seit gestern wieder am nächsten Balkonstrang rechtsseitig schlimmer Putzabschlagelärm … und heute früh sitzt mein kleines buntes Katzenmädchen auf der Toilette und produziert in minutenlangen Sitzungen winzige Tröpfchen.

Sie gibt sich so viel Mühe ein kleines glückliches Katzenmädchen zu sein und über ihre Ängste jeden Tag ein bisschen mehr hinaus zu wachsen und dann installiert diese Hausverwaltung so eine verdammte Lärminstallation auf ewig, die dieser kleinen Katzenseele einfach Angst macht und ihr Stress verursacht. Ich habe Hals. Ich möchte Drache sein und Rächer in einer Person.