2015-09-10

Surreal

Es ist alles so viel gerade, das bewegt, bewegt wird. Und ich weiß gar nicht mehr, wohin zuerst denken?

Gestern erzählt auf Facebook ein junger Mann davon, dass er eine junge syrische Familie, Mann (Apotheker), Frau (Radiologin) mit einem Kleinkind kurzerhand bei sich und seiner Frau bei sich aufgenommen hatte, damit sie Ruhe und Schutz vor dem Wetter finden. Und das kleine offensichtlich kranke Kind von der Straße kommt, um gesund werden zu können. Er erzählt die Geschichte der Familie, dass der Mann in Syrien Menschen unterstützt hatte mit Medikamenten und dabei nicht nach deren politischer Gesinnung unterschied und man ihm dafür die Apotheke zerstörte. Bevor man ihn und seine Familie töten konnte, sind sie geflohen. Über unendliche viele Wege … zwischenzeitlich mussten sie sich von dem älteren Kind trennen, dem es gesundheitlich sehr schlecht ging und es irgendwie zu den Großeltern nach Schweden schaffen, was geglückt ist. Und sie hoffen nun, dem Sohn folgen zu können. Mit dem zweiten kleinen Sohn, der sein halbes kurzes Leben auf der Flucht verbrachte.

Insgesamt hat diese Familie 31.000,— Euro an Schlepper bezahlt, um überhaupt soweit kommen. Schlepper, die die Familie vor Griechenland einfach über Bord geworfen hatte.

Dann flattert per E-Mail der übliche Newsletter von Germanwings ins Postfach und erklärt Dir, Du könntest doch für nicht ganze 30˛– Euro mal wieder nach Italien oder London fliegen …

… das ist alles so surreal.

2015-09-09

Tally sagt „Danke!” …



… für die tollen Nierendiätfutterspenden! Und weil sie sich so freut, hat sie sich ausnahmsweise auch fotografieren lassen (an Lieblingsspielratte).

2015-09-08

hart aber fair Gender-reloaded

Ich kann Simone Thomalla nicht ab – auf den ganz unterschiedlichen Ebenen ihres Wirkens in der Öffentlichkeit. Aber: sie steht für eine neue Generation von Frauen, die eine Meinung hat auch zu Themen, die sie vielleicht komplett in ihrer Gänze (noch) nicht begriffen hat, und das ist richtig und gut so. Davon abgesehen kann man auch instinktiv Gutes und Wahres zu Dingen sagen, selbst wenn man sie noch nicht zu 200 Prozent durchleuchtet hat. Wie wir Frauen gerne glauben, das immer erst einmal tun zu müssen – bis wir uns eine Stimme geben oder die anderer Frauen akzeptieren wollen. Wenn wir uns oder ihnen überhaupt eine Stimme geben.

Nun behaupte ich sicherlich nicht, dass Frau Thomalla ständig Gutes und Wahres raushaut, ganz im Gegenteil, zieht's bei dem von ihr Gesagtem mir doch öfter den Kopf magnetisch in Richtung Tischplatte. Aber sie hat alles Recht der Welt Dinge zu sagen, die andere nicht hören möchten, weil's nicht mit der eigenen Meinung konform geht. Sie lässt sich – als Frau – nicht den Mund verbieten, nur weil man von ihr erwartet weiblich niedlich und nett zu sein. Das althergebrachte Spielchen spielt sie nicht mit. Der größte Prozentsatz von Männern in öffentlichen Debatten tut das genau auch nicht. Nur deren abweichende Meinung wird selten hinterfragt – schon gar nicht vom eigenen Geschlecht; das männliche Geschlecht kann nämlich einfach sein und gelten lassen.

Männer brauchen nicht zur Stärkung ihrer eigenen Thema absolute Solidarität in einer Gesprächsrunde. Die haben soviel Rückgrat, die können auch zu einem Thema unterschiedliche Meinungen vom eigenen Geschlecht zulassen.

Wie gestern dagegen „gestandene” Frauen wie Sybille Mattfeldt-Kloth und Anne Wizorek alias Martha Dear in einer Gender-Debatte (!) gegen Simone Thomalla geschossen haben – stellenweise gänzlich losgelöst vom eigentlichen Sende-Thema, dafür unschön persönlich – weil sie nach ihrer unangenehm zur Schau gstellten überheblichen Vorstellung meinen, Frau Thomalla hätte keine Ahnung von dem Thema (was so nicht stimmt, Frau Thomalla hat nur eben eine konträre Meinung zum Thema) – das war so ein unterirdisches Zicken-Gedisse, wie ich es bitte nicht mehr sehen, noch hören möchte bei diesem doch recht relevanten Thema „Gender”.

Ich war so unangenehm berührt von dem weibischen Habitus, der da an den Tag gelegt wurde, (Anne Wiczorek tat das bereits in der letzten Sendung) dass ich zwanghaft fast Sympathien für Frau Thomalla empfinden musste. Und das nehme ich den beiden gegen Frau Thomalla hetzenden Frauen nun wirklich übel!

Wie kann man vor laufender Kamera „als vermeintlicher Profi” so persönlich gegen einzelne Personen (des eigenen Geschlechts!) schießen und damit die Chance so dermaßen vertun, sich inhaltlich pro-aktiv zum eigentlichen Thema „Gender” zu äußern?

Nur weil diese einzelne Person eine andere Meinung zum Thema vertritt, wird ihre Kompetenz angezweifelt (als Frau!)?

An welcher Stelle genau wurde denn die Kompetenz von Wolfgang Kubicki hinterfragt, dessen Funktion auch nur die ist den staatlich geprüften Macho zu geben (zumindest nach außen) und generell zu jeder Talkshow-Einladung „ja!” zu sagen? Der Mann darf konträr zu persönlichen eigenen Meinung diskutieren, die Frau nicht? Und das nennt Ihr dann Gleichberechtigung? Echt? Ich nenne das gleichgeschlechtliche Zwangshaft!

Frau Thomalla also mag vielleicht nicht die Meinung aller Feministinnen teilen und vielleicht hat sie inhaltlich auch nur einen Teilbereich verstanden oder will nur Stücke davon nachvollziehen – aber sie hat das Rückgrat sich mit dieser ihrer Meinung in eine Sendung zu setzen und ihr Mitspracherecht einzufordern mit einer Fairness, die anderen anwesenden Frauen offensichtlich nicht mit in die soziale Wiege gelegt worden ist.

Jedenfalls musste Frau Thomalla wenigstens nicht öffentlich vor laufenden Kameras erzieherisch in vollem Umfang von Birgit Kelle gemaßregelt werden – wie Mattfeldt-Kloth und Wizorek. Und wahrlich zur Recht! (War ich peinlich berührt!)

Bei Frau Wizorek habe ich nun leider ein weiteres Mal erleben müssen, dass sie öffentlich den Ausschluss einzelner Personen direkt oder indirekt fordert. Sie hat es in diesem Jahr bereits getan, als sie in der Twitter-Öffentlichkeit der re:pulica-Orga nahelegte, Sascha Pallenberg nicht als Sprecher einzuladen, weil dieser ihrer Vorstellung von Feminismus-Meinungsträger nicht zusagte. Das ist ein NoGo!

Irgendein Medienberatungs-Profi sollte ihr vielleicht einmal sagen, dass sie so etwas nicht tun sollte, weil Profis so etwas nicht tun. Schon gar nicht aus einer persönlichen Betroffenheit heraus! Man diskutiert nicht die Teilnehmerliste in einer Diskussion, man diskutiert ausschließlich das Thema. Und man lernt damit zu dealen, dass in einer Diskussion auch Menschen sitzen, gerade des eigenen Geschlechts, die eine andere Meinung vertreten als man selbst.

Die Zeiten des Absolutismus sind nämlich zum Glück Vergangenheit!

2015-09-06

Wilde Tinte

Seit ungefähr zwei Jahren erklärt mir der hiesige Laserwriter sein Toner wäre alle. Seit ungefähr zwei Jahren ignoriere ich diese Meldung geflissentlich. Seit ungefähr zwei Jahren entnehme ich die Toner-Cartridge dem Drucker, will er partiell partout keine Tinte mehr aufbringen, schüttele diese und setze sie wieder ein und drucke erneut. Das lief so prima in den letzten zwei Jahren, dass ich im Grunde davon überzeugt war, ich könnte das Spiel noch endlos so weiter spielen. Also wenigstens weitere zwei Jahre.

Jetzt habe ich mir wildes Ding allerdings doch neuen Toner gegönnt. An der Stelle finde ich immer sehr schön, dass Menschen auf Amazon ihre persönlichen Lebenserfahrungen mit Tonern in ihren Rezensionen mit uns teilen.

Nunmehr kommen meine Briefe also wieder in schwarz und nicht mehr in RAL 1745.

2015-09-05

Ein wahr gewordener Traum

Es gibt ein Foto von meinem Vater mit meinem Bruder am See in einem kleinen Holzboot. Mich gab es damals auch schon aber ich war noch zu klein zum Boot fahren. Meine Eltern hatten zu dieser eine Gartenparzelle in Kladow. Langer Holzbau mit kleinen Unterteilungen, wo man sich gerade mal bei Regen drinnen aufhalten wollte. Schlafen konnte man dort, wenn auch ungerne. Es war die Zeit in dem sich mir als sehr kleines Kind erstmals kleine Bruchstücke im Gehirn fest setzten. Dunkles Grundstück, viel Insekten. Als viel lieber gewonnene Alternative in meinem kleinen Kinderherzen dazu der Garten meiner Großeltern, der immer in der prallen Sonne lag und mir somit schon als kleinem Lebewesen mehr ins Gemüt passte.

Irgendwann erhielten meine Eltern die Kündigung, angeblich sollten die Parzellen abgerissen werden und einem neuen Bau weichen. Ich meine, diese Holzbauten heute noch in Kladow stehen zu sehen. Vermutlich konnte meine Mutter einfach die Pacht nicht mehr zahlen, es war die Zeit in der mein Vater schon viel zu viel trank und regelmäßig seine Jobs verlor.

Ungefähr als ich acht Jahre alt war, ich besuchte die dritte Klasse, flatterte uns ein Wertheim-Prospekt ins Haus in dem ein orange farbiges Kajak abgebildet war, in das ich mich sofort verliebte. Ich schlich bei Wertheim bzw. Hertie in den damals noch deutlich umfangreicher ausgebauten Sportabteilungen rum und himmelte diess Boot auch in der Realität an. Der Deal mit meiner Mutter war dann, dass ich es bekommen sollte, würde ich in die vierte Klasse nur mit Einsen und Zweien auf dem Zeugnis kommen.

Und dann besaß ich ein Kajak!

Wenn ich heute überlege, was so ein Boot damals schon wog und ich es trotzdem mit großer Begeisterung nach der Schule von zu Hause zum Bus mit häufigem Umsteigen bis zum Wasser schleppte und abends nach Hause, es muss wirklich die ganz ganz große Liebe gewesen sein. Im Schnitt fängt so ein Boot bei 10 Kilo Eigengewicht an – ohne Blasebalg und Paddel.

Meine Mutter schleppte mich dann über eine Bekannte von einem Bekannen einmal am Wannsee in einen Kajak-Verein. Ich sollte mir angucken, ob mir der Sport so Spaß machen würde. Ich setzte mich in ein Kajak, von der Stabilität her eine ganz andere Herausforderung als mein gemütliches PVC-Kajak und paddelte mutig in dem kleinen abgegrenzten Bereich am Verein auf dem „großen Wasser”, bis die anwesenden Herren auf die Idee kamen meinen Wildwassertauglichkeit zu testen und schmissen an einem Boot den Motor an und drehten diesen Hoch, ich sollte im Strudel der Schiffsschraube paddeln. Ich hatte Angst, dann Panik, ich weinte, ging an Land und wollte nie wieder diesen Verein von innen sehen.

Ich erinnere aber großartige Sommer mit meinem eigenen Boot. Ich war ein sehr glückliches Kind in diesem Boot auf dem Wasser. Dieses glückliches Kind verlieh das Boot einmal an meinen Bruder und ich sah das Kajak nie mehr wieder. Über ein Jahrzehnt später – mein Bruder war damals schon auf seinem Wunsch hin aus unserem Leben verschwunden – riefen mich völlig fremde Menschen an, um mir zu sagen, sie hätten mein Boot im Keller aber es sei kaputt.

Der Schmerz saß lange.

Ich habe eine große Liebe zum Wasser. An und auf dem Wasser geht es mir gut, ich fühle mich dort sicher und frei. Da war immer der Traum vom Bootsschein. Segeln ist nicht so so sehr mein Ding, Speedboote sind‘s auch nicht. Gemütlich schippern, da fühle ich mich wohl bei. Paddeln finde ich großartig, weil noch etwas Sport dabei ist und man aufgrund der Bauweise der Boote fast ein bisschen im Wasser sitzt und man so eine Einheit bildet. Dieser Geruch, das Gluckern … ich liebe das sehr.

Einer der schönsten mich tragenden Tage im vergangenen Jahr war ein Tag im ausgeliehenen Kajak auf dem Müggelsee. Wenngleich diese Kajaks vom Handling her eine Strafe waren, es war ein Tag voller Frieden, Glück und ich konnte lange von diesem einen Tag zehren. Und da war der Wunsch nach einem eigenen Boot war wieder ganz nah.

Als es mir vor einigen Wochen krankheitsbedingt ziemlich mies ging, hat mir ein sehr sehr lieber Mensch einen, diesen Herzenswunsch erfüllt. Gestatten, dass ich vorstelle:
„»Die« Theo Lingen”:



Das Besondere an der „Theo Lingen” ist, sie ist mein! Sie fährt mit mir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf einem Trolley mit Pumpe und Paddel (bzw. neu im Rucksack). Sie ist sehr schnell aufgepumpt und seetüchtig und paddelt gemeinsam mit mir seit einigen Wochen über die Berliner Gewässer. Wir üben noch ein bisschen den Abbau aber auf dem Wasser sind wir mittlerweile ein gutes Team. Ich fühle mich sicher und langweile mich fast schon auf allzu stillen Seen. Ich muss noch lernen richtig zu entspannen, neue Touren bringen natürlich auch immer etwas Aufregung mit sich, der Unkenntnis der Strecke geschuldet.

Als wir das erste Mal auf dem Wasser waren, an der Havel, ging es mir hinterher richtig schlecht. Ich war zu angespannt, zu aufgeregt und obwohl ich schon vorsichtig war mit der ersten Strecke und mich vermeintlich nicht überanstrengen sollte/wollte, war ich am Ende richtig fertig. Zudem war der Tag zu heiß. Mir tat die ganze Nacht der Arm weh, als wollte er sich direkt in eine Sehnenscheideentzündung begeben; der Rücken schmerzte. Sport ist Mord. Kurz: ich war fürchterlich verunsichert, ob meines Wunsches und seiner Erfüllung.

So bin ich die nächsten sehr heißen Tage lieber mit Rad erst Strecken abgefahren, um zu gucken, wo ich an für mich neuen Wassergebieten gut mit den Öffentlichen ran komme. Denn das frühere übersichtliche Angebot an befahrbaren Strecken ist seit meiner Kindheit im Westen durch die „hinzugekommenen” Gewässer im Osten riesengroß geworden. Berlin ist eine wundervolle Stadt für den Wassersport. Wenn ich mir ansehe, wo ich überall im ehemaligen Ostteil der Stadt und ihrer Umgebung noch wundervolle Touren fahren kann, wird mir ganz schwindlig vor Überschwang!

Mittlerweile sind wir gemeinsam schon einige schöne Touren gefahren und wachsen immer mehr zusammen. Ich finde das Boot wunderschön, qualitativ ist es sehr gut und ich bin froh, meine Entscheidung zugunsten genau dieses Bootes getroffen zu haben. Langsam wachsen auch die Paddel prima in die Hände (man benutzt ja Muskeln beim Paddeln, die man auch schon länger nicht mehr gespürt hatte) und unsere Touren werden immer länger. Und ich dabei immer glücklicher. Und entspannter.



Wir treffen unterwegs nette Menschen und haben interessante Gespräche. Ich sehe Berlin von der anderen Seite als von der bekannten Straßenseite und die Stadt und ihre Umgebung wird dabei jedes Mal ein Stück entzückender. Die Sonne motiviert, die Natur verschönt uns den Tag und dieses Boot macht mein Leben gerade ganz reich und ein großes Stück leichter und mein Gemüt luftiger als es noch vor einigen Wochen war.

Ich bin so froh!

Dankeschön für dieses wertvolle Geschenk!

2015-08-30

Wirtschaftsflüchtlinge, und so.

Frau kelef hat da einen mehr als wundervollen und gerechten Text über „Wirtschaftsflüchtlinge” geschrieben.

2015-08-27

Frau Nessy schreibt wieder über Yoga …

Das ist so ein Grundgefühl beim Yoga: In die andere Richtung würd’s mehr Sinn machen.

2015-08-26

Maaagiiiiiic!

Der neue Kratzbaum im Flur macht, dass sich jetzt eine Nishia (vor der Drahttür an und auf dem Kratzbaum, wahlweise morgens auf meinem Rücken) und eine Shiina (hinter der Drahttür) mit dem spannenderen Spielzeug treffen können und zunehmend entspannter still Zwiesprache halten, derweil ich das Frühstück bereite. Nishia kann dabei, wenn ich beide Katzen unterhalte und streichle, sogar schnurren. Sie geht mittlerweile sogar soweit, dass sie Shiina, wenn sie sie hinter der Drahttür sieht, freundlich anbrrrt. (In der Fachsprache nennt man anbrrrren wohl angurren, was ich bei Katzen immer merkwürdig schräg in der Anwendung empfinde.) Freundlich anbrrrren ist unter Katzen so etwas wie ein HighFive. Das ist zwischen den beiden Dickschädeln mehr als ich in letzter Zeit noch zu träumen wagte.

Das Shiinchen wiederum eskaliert hinter der Drahttür immer weniger, soll heißen, sie hängt jetzt nur noch einskommafünf Mal in der Drahttür und macht auf kleinen gremmligen Aggressor. Wenn sie auf die Tür und die dahinter sitzende Katze zuläuft, nimmt das auch schon mal spielerische Züge an, so mit Schwänzchen hoch und freundlichem Blick. Ihre anfängliche Eskalation hinter der Tür beim Anblick einer Katze führt sie nur noch auf ca. 40 % durch. Sie kann ihre Pupillen nach einer Weile sogar schon von ganz groß tiefschwarz auf normal stellen und mit dem Köpfchen den Draht beschmusen.

Sie kann gelegentlich von der Tür weggehen, eine Runde im Zimmer drehen und entspannt wieder an die Tür kommen. Nishi als auch Shiinchen können die zuckenden Schwanzspitzen ab und an bereits auf „Stillstand” stellen, während sie sich so gegenüber sitzen. Man sitzt jetzt also gemeinschaftlich an einer Drahtür „am Baum” und redet über das Wetter. (Oder miese Futterlieferungen.)

Es ist ein enormer Fortschritt. Der klitzekleine Fehler (aber den möchte ich wirklich nicht groß ins Gewicht fallen lassen): ich hatte diesen Fortschritt schon für 2013 eingeplant.

2015-08-25

Blogger für Flüchtlinge III – Gäste aus Syrien

Vor vierzehn Tagen wurde hier in der Stadt Berlin fast allen Bewohnern erstmals der Begriff „LaGeSo” (Landesamt für Gesundheit und Soziales) bekannt. Dort standen an einem der heißesten Tage im Jahr die Menschen nach ihrer Flucht zu Hunderten in der prallen Sonne und wurden seitens des Senates nicht einmal mit dem Nötigsten, nämlich Wasser, versorgt. Die Zustände dort vor Ort machten in den Sozialen Medien, später auch in den journalistischen Medien, die Runde und es waren Bürger und Hilfsorganisationen, die sich sofort sehr engagiert um diese Menschen kümmerten.

Freunde von mir haben in diesem Zusammenhang über das Wochenende drei Menschen aus Syrien aufgenommen und die nächsten Tage begleitet. Ich bat sie im Rahmen unserer Aktion „Blogger für Flüchtlinge) (#bloggerfuerfluechtlinge) diese Geschichte aufzuschreiben. Hier nun der erste Teil von Ann Effes.

Eigentlich nur zufällig vor zwei Wochen die Situation vor dem LaGeSo (Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin. Dort müssen sich neu in der Stadt angekommene Flüchtligne registieren, um dann in einem der Auffanglager Unterbringung zu finden.) mitbekommen, weil ein Kollege (der auf Facebook aktiv ist) mich drauf aufmerksam machte.
Partner erzählt, grosse Augen.

Da haben wir uns dann zwei Tage mit rumgequält und irgendwann haben wir gesagt: „Wir fahren jetzt da hin.” Das war am Freitag vor zwei Wochen um 22:30 Uhr. Die Idee war, irgendeine Familie mit kleinen Kindern aufzusammeln, damit die nicht in einem Park bis Montag übernachten müssen.

Als wir ankamen war der Park aber geräumt und ein THW-Helfer, der da noch rumstand, sagte uns, die Flüchtling seien alle in die Kruppstrasse gebracht worden.

„Okay”, haben wir gedacht, „dann fahren wir jetzt ‘ne Pizza essen und wieder nach Hause.”

„Höchstens”, sagt der THW-Mann, „könnten Sie die da noch in die Kruppstraße bringen.”

„Die da” war eine Frau und zwei kleine Kinder. Offenbar mit dem letzten Zug aus München in Berlin eingetroffen und von einem Taxifahrer umsonst zum LaGeSo gefahren.
Gut, machen wir natürlich.

Kruppstraße – nur zehn Minuten Fahrzeit entfernt – stellt sich dann aber als hohffnungslos überbelegt raus, das ist nämlich nur so eine Aufblashalle, und schon proppenvoll. Ganze fünf freiwillge Helfer versuchten den Laden zu schmeißen und sagen uns unverblümt: „Wir haben nichts mehr, die muss hier draußen auf dem Platz schlafen. Da halten sich sowieso schon dutzende Leute auf.”

Also kurz überlegt: Wir nehmen die drei mit, und fahren sie Montag wieder zum LaGeSo, wo sie sich registrieren lassen müssen. Das ihr mit einem Dolmetscher vor Ort klar gemacht, denn die Frau kann nur Arabisch.

Auf der Fahrt per Telefon nach Leuten im Bekanntenkreis gesucht, die arabisch können (da war es schon nach 23:30 Uhr), schließlich jemanden gefunden und der erklärt ihr, was der weitere Plan ist und fragt sie, ob sie etwas braucht.

Eigentlich sind mir da nur zwei Dinge hängen geblieben: Wie peinlich ihr es sei, uns zu belasten und dass sie Kleidung für die Kinder brauche.

Alles, was die drei mit hatten, passte in eine kleine Reisetasche.

Mit dem Wort für „Kleidung” gibt es erstmal Probleme, denn unser Telefondolmetscher ist Palestinenser und sie kommt aus Syrien und die Dialekte sind wohl doch sehr unterschiedlich. Ich wundere mich eigentlich nur kurz und überlege mir: Wenn es umgekehrt wäre, ich wäre auf der Flucht und ein Araber würde mir als Dolmetscher einen Bayern oder Schweizer finden können, könnte es auch Probleme geben.

Zu Hause angekommen wird erstmal etwas gemacht, womit ich nicht so gerechnet habe. Mittels Gesten: Wie ist das WLAN-Passwort? Das wird in ein arg ramponiertes Lumina gehackt und dann per WhatsUp irgendwelchen Familienangehörigen oder Freunden mitgeteilt, dass man noch lebt und alles gut ist. Wie sich später herausstellt, waren die Drei buchstäblich Monate unterwegs und sind unter anderem 14 Tage zu Fuss gelaufen. Anfänglich waren noch die Brüder der Frau dabei, die die Kindern getragen haben, sie wurden aber getrennt (unter Umständen, die wir nie ganz klären konnten) und sind - wie wir zwei Tage später ermitteln konnten - in Schweinfurt gelandet.

Weil wir alle Kleidung waschen wollen, geben wir ihr Sachen von uns, die grob passen könnten. Sie scheint froh, dass wir auch an ein Tuch denken. Streng gläubig ist sie erkennbar nicht, ohne Kopftuch zeigen, möchte sie sich aber trotzdem nicht.

Dann duschen. 40 Minuten. Dann ins Bett – bis am nächsten Tag um 12:00 Uhr.

Ich bin dann mehr oder weniger die ganze Nacht damit befasst die Kleidung zu waschen. Die Sachen sind natürlich … sehr dreckig.

Die Sachen in der Tasche sind total durchnässt - offenbar schon länger, denn zum Teil hat sich Schimmel gebildet. Lässt mich vermuten, dass auch sie mit den Kinder auf einem Boot im Mittelmehr unterwegs war, die genaue Route bekommen wir aber nicht raus – auch, weil wir nicht wirklich nachfragen.

Ich muss also alles im Grunde zwei Mal waschen und benutze auch so Kram wie OXIclean und reichlich Waschmittel. Dabei finde ich auch Ablehnungs-Papiere aus Ungarn („Abgelehnt, reisen Sie weiter nach Deutschland!”), und einen syrischen Ausweis. Unterlagen aus denen hervorgeht, dass sie angeblich 26 sei und die Kinder 4 und 6 Jahre alt sind.

Das mit den Kindern kommt hin; bei ihr habe ich Zweifel, ich glaube inzwischen eher, dass sie um die 18-20 war und die Kinder nicht ihre.

Ist mir egal. Sie hat die Reise nicht aus Spaß gemacht.

Und ja, sie hat sogar zwei Smartphones dabei! Das wird ja gerne als Beweis genommen, dass es den Flüchtlingen doch (zu) gut gehe und sie nur aus wirtschaftlichen Gründen hier seien. Ich sehe es so: Gerade wenn es denen in Syrien so gut gegangen ist, dass sie sich zwei Smartphones leisten konnte, dann kommt sie ja wohl genau NICHT wegen wirtschaftlicher Gründe hierher!

So oder so: Wenn ich morgen flüchten müsste, was würde ICH mitnehmen? Meine Papiere und Ausweise, etwas zum anziehen, alles Geld, das ich habe und mein iPhone. Oder?

Eben. Das würde doch jeder machen! Das iPhone sind alle Bilder die ich mitnehmen kann, alle Kontakte, alle Telefonnummern und eventuell der einzige Weg, mit anderen aus meiner Familie noch Kontakt aufzunehmen. Und genau so hat sie es auch gemacht.

Und ich kann sagen: Der Zustand der Telefone erzählt auch eine Geschichte. Ich habe eines noch persönlich repariert, weil da nämlich die Gehäuseteile schon abfielen.

Später hat sie dann noch eine App auf eines der Telefone geladen, die gesprochene deutsche Sätze in Arabisch übersetze und umgekehrt. Ich war schwer beeindruckt, auch wenn die Übersetzungen machmal wie maschinellen Übersetzungen typisch daneben lagen. Uns hat's sehr geholfen.

Am nächsten Tag dann rüber zu unseren Nachbarn. Die haben wegen ihrer Enkel Kinderklamotten und wir haben auch passende Sachen gefunden. Und zwei Rucksäcke als Ersatz für die angeschimmelte und durchnässte Tasche, die schon in Auflösung begriffen war.

Die Kinder spielen im Garten. Wir haben auch noch etwas Spiel- und Malzeug. Unsere Nachbarn haben noch so eine Plastikrutsche wegen der Enkel aufgebaut, die wird ausgiebig genutzt, ebenso das Kinderhaus.

Der 4-jährige Junge ist zunächst ein echter Rabauke, null Aufmerksamkeitsspanne und agressiv. Am Sonntag beruhigt er sich langsam spürbar. Das Mädchen ist sechs Jahre alt und schlau. Sie lernt mehr deutsche Wörter über das Wochenende als ich arabische (ich kann jetzt drei).

Ihrer Mutter (oder Schwester) ist das Ganze peinlich. Sie traut sich kaum zu sagen (also zu zeigen) was sie essen will. Wir wollen ihr eigentlich etwas zubereiten, was sie kennt (kein Schwein und so, ist klar), schließlich kommen wie immer dank Internetsuche weiter. Sie hilft uns, wo sie kann, räumt alles ab und in die Spülmaschine, manchmal wird's mir peinlich, weil sie am Ende des Essens immer sofort aufspringt und alles wegräumen will.

Am Sonntag (am Nachmittags ist Waffelessen bei den Nachbarn, die sie zunächst für unsere Eltern hält – wegen des Altersunterschiedes) zeigt sie uns schliesslich ein IS-Propagandavideo. Unter anderem genau die Videos, die ich nicht sehen wollte: Wie in Deutschland grossgeworden Idioten mit eine AK-47 in der Hand erklären, kämpfen für den IS wäre wie URLAUB für sie - und am Ende jemand in den Kopf schiessen.

Ich wollte das nicht sehen.
Aber es ist genau so.
Augen zu machen, hilft nur bedingt.

Ist mir dabei auch in den Sinn gekommen, dass sie uns das gezeigt hat, um Mitleid zu erregen? Ja, das gebe ich zu. Aber: dass sie aus Syrien kommt, daran gibt es insgesamt keinen Zweifel. Ob sie vor dem IS oder dem Bürgerkrieg geflohen ist, ist mir schlussendlich dabei egal.

Keiner, der noch die Wahl hat, macht sich mit zwei Kindern auf diesen Weg und lässt alles zurück.


Ich hoffe, Ann kommt die nächste Zeit dazu, noch die Fortsetzung zu schreiben.

Es werden weiterhin im Rahmen der Aktion „Blogger für Flüchtlinge” Spenden gesammelt, die an freiwillige Organisationen, die deutschlandweit aktiv die Menschen hier vor Ort unterstützen, verteilt werden. Bitte helft, wer kann mit einer Spende, wer nicht kann mit dem Teilen des Links!

2015-08-24

Der Langenscheidt Verlag …

… hat sehr sozial das Online-Wörterbuch Arabisch-Deutsch für die kostenlose Nutzung freigegeben, was in der Kommunikation mit den Flüchtlingen eine riesige Hilfe ist, denn sie sprechen teilweise halt kein Englisch oder Deutsch. Also merkt Euch das bzw. teilt diese Infos!

Und: Danke an Langenscheidt!



Anmerkung vom Verlag heute auf Facebook, weil es offensichtlich Probleme mit dem LogIn gab:

Liebe Helferinnen und Helfer, die sich für Flüchtlinge engagieren:
Vielen von Euch ist bestimmt schon der Post aufgefallen, der sich seit gestern im Netz verbreitet - es ist KEIN FAKE!

Wir stellen tatsächlich einen kostenlosen Zugang zu unserem Online-Wörterbuch Arabisch zur Verfügung, um Euch und Euren Schützlingen die ersten Schritte in Deutschland zu erleichtern. Und wir sind begeistert, dass das Angebot so zahlreich genutzt wird.

Wir haben nur eine Bitte: Erklärt noch einmal allen Usern, dass die (unechte!) E-MAILADRESSE UND DAS PASSWORT UNVERÄNDERT BLEIBEN MÜSSEN, damit der Zugang für alle funktioniert. Das ist der Grund, warum der Zugang in der letzten Nach nicht möglich war. Wir suchen derzeit nach einer Lösung, wie wir das verhindern können. Bis dahin bleibt uns nur, den Zugang regelmäßig zurückzusetzen.

Wir danken auf jeden Fall allen für ihr Engagement!!!
👏👏👏 👍👍👍"

Blogger für Flüchtlinge II

Ihr seid toll!

In nur knapp zwei Tagen konnten für die Aktion bereits über 8.346 Euro Spenden gesammelt werden. Paul und Co. haben sich nun überlegt, das Spendenziel auch auf andere Organisationen auszuweiten. Daher gibt es einen neuen Spendenlink auf dem Konto sind auch schon wieder sage und schreibe über 1.500 Euro eingegangen.

Die vielen Tweets gestern, die vielen Blogposts haben dafür gesorgt, dass der Hashtag „BloggerFuerFluechtlinge” gestern Abend zur allerbesten Tatort-Sendezeit Nummer 1 in den Trending Topics war. Knapp vor „Merkelschweigt”. Ich habe gestern in meiner Timeline nicht einen einzigen Tweet zum Tatort gelesen, dafür viele gute Meinungen zu Flüchtlingshilfe, Ideen, wie wir die Menschen weiterhin unterstützen können, Berichte von sehr viel Menschlichkeit, aktiv gelebter Hilfe und Unterstützung, viele Links zu teilweise sehr intimen, ganz berührenden Blogposts.

Das tut so gut zu erleben!



Bea hat auf ihrem Blog „Tollabea” nun auch den Hashtag visualisiert, so dass Ihr auf die Aktion mit Spendenlink auch in Euren Blogs visuell einbinden könnt und darauf aufmerksam machen könnt.

DANKE! Das überschreibt alle negativen Meldungen zum Umgang einer wenigen „Schlichten” mit Flüchtlingen an diesem Tag. Ihr seid ganz großartige Leute!

2015-08-22

Blogger für Flüchtlinge

Wir bekommen alle mit, wie an manchen Standorten in Deutschland leider vehement gegen das An- und ein erstes Heimkommen von Flüchtlingen in Deutschland interveniert wird. Seit einigen Tagen treibt mich der Gedanke um, was wäre, würden wir all die Energie, die wir darauf verschwenden auf im Netz aktive Flüchtlingsgegner zu schimpfen und deren asozialen Kommentare auch noch mühevoll per Screenshot oder gar JPG aufbereitet herum zu reichen, besser aktiv und direkt in die Flüchtlingshilfe stecken?

Paul Hulzing, Stevan Paul und einige mehr haben gehandelt und die Aktion „Blogger für Flüchtlinge” gestartet und rufen auf, dass wir Blogger der einen negativen Stimmung in diesem Land ein sicht-, hör-, lesbares – vor allem aber dank der Hilfe für Flüchtlinge spürbares – Zeichen entgegen zu setzen.

Was wir alle tun können?

• Wir können spenden! Hier zum Beispiel an die Aktion Moabit hilft! - ein erstes kleines Ziel sind 4.000 (erhöht auf) 10.000 Euro, das bekommen wir hin! Ich bin sicher, wir bekommen sogar deutlich mehr hin!

• Wir können darüber berichten, bloggen, tweeten, Posts auf Facebook bringen, Freunde und Mitmenschen direkt ansprechen und auf die Spendenaktion hinweisen und sie zu einer sehr erfolgreichen machen. Der Hashtag #BloggerFuerFluechtlinge setzt ein Zeichen des stillen Widerstandes gegen den braunen Mob da draußen, der derzeit leider omnipräsent die hässliche Fratze dieses Landes zeigt.

Es ist eine Zeit in der sich auch unpolitische Blogger aufmachen und in ihrem Blog Widerstand zeigen können. Und das tun sollten! Viele Deutsche haben eine Flüchtlingsgeschichte – lasst uns zeigen, dass auch wir nachfolgenden Generationen aus der Zeit unserer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern gelernt haben, was es heißt ein Zuhause zu verlieren!

Wir können mit wenig Einsatz viel bewegen in dieser Zeit, damit diese Menschen sich sicher fühlen können – einfach nur eine Nacht ohne Sorge vor Krieg und Waffengewalt, vor Vergewaltigung und vor allem hier vor rassistischen Übergriffen verbringen dürfen!

Blogger für Flüchtlinge!

2015-08-19

Beim heimischen Gemüsestand …

… der vor dem Kaiser's steht und von netten Menschen aus Thailand betrieben wird, bei denen das Einkaufen immer viel Spaß macht, weil sie immer gerne Späßeken machen, gibt es jetzt eine neue Apfelsorte „August-Äpfel”. Das Besondere an Sorte „August-Äpfel” ist, dass sie vier unterschiedliche Apfelsorten auf einmal vereint.

Das ist schön, so stelle ich mir eine glückliche EU vor! Vier Kisten, alle anders und dennoch eins.

Ansonsten gestern ein rotes Curry bei dem neuen Vietnamesen am Maybachufer (Marktseite) gleich vorne an der Kottbusser Brücke schräg gegenüber der Anker Klause bzw. direkt neben dem Orientalen (Name wäre jetzt einfacher gewesen aber Namen merken kann ich nicht so gut; es hatte mich zehn Jahre gebraucht, bis ich mir das Xinh-Xinh gemerkt habe und das ist nun wirklich mein absoluter Lieblings-Thai in Mitte) gegessen. Sehr leckeres rotes Curry. Die Suppen machen auch einen guten und großzügigen Eindruck. Alleine die Röstzwiebeln könnten sie in den Sommerrollen weglassen. Nette Chill-Mucke. Preise: übliche asiatische Kartell-Preiskategorie.

2015-08-18

Postdam, Caputh, Ferch, Petzow

Die Samstag-Tour mit dem Rad ist schon so etwas wie meine Hausstrecke: mit dem Rad in der S-Bahn nach Potsdam zum Hauptbahnhof gefahren und dann auf dem Drahtesel rund um den Templiner See in Richtung Schwielowsee nach Petzow und dann Werder. Ich kenne diese Ecke seit kurz nach der Wende und habe den dortigen Ausbau ganz gut miterlebt.

Allerdings hatte ich vergessen, wie hart doch der Anstieg direkt nach Potsdam ist, es war sehr warm und der Teil der Strecke ist noch nicht allzu sehr von Bäumen geschützt. Dafür habe ich einen netten kleinen Zulauf entdeckt, wo man gut mit dem Bus mit einem Schlauchboot im Gepäck ankommen könnte, um es zu Wasser zu lassen und von dort ab der Havel rüber zum Templiner See und weiter zu paddeln. Es ist eine herrliche Ecke für ruhigen Wassersport!

Später habe ich im Fährhaus Caputh den frischen Blechkuchen genossen, ganz warmer Pflaumenkuchen,



frisch aus dem Ofen – auf den ich gehofft und mich im Vorfeld sehr gefreut hatte. Der Blechkuchen, die Größe der Stück sind dort revolutionär. Dabei guckt man dann der Seilfähre zu und den anderen Sportbootteilnehmern, wie sie achtsam dem Fährverkehr Vorfahrt gewähren.

Auch in Caputh konnte ich eine gute, nahe der Buslinie liegende Stelle finden, wo man öffentlich mit einem kleinen Boot ans Wasser kann bei Bedarf. Mein langgehegter Traum endlich einmal den Schwielowsee zu bepaddeln, er ist ganz nahe!

Ab Caputh bin ich dann durch den Wald entlang des Ufers Richtung Ferch gefahren. Irgendwann wandelte sich der schon im Fährhaus zunehmend böige Wind in ein hübsches Gewitter mit ordentlichem „heiß” ersehnten Regen. Wetterverhältnisse also, die der Wetterbericht gegen 20:00 Uhr angekündigt hatte und nun überpünktlich schon um 15:00 Uhr vorbei blickten. Nachdem ich eine Weile unter den Bäumen stand und der Regen nicht wirklich aufhören wollte, fuhr ich ein Stück zurück, mich an eine überdachte Bushaltestelle noch im Bauzustand erinnernd. In Wahrheit fahre ich einfach zu gerne im Sommerregen Rad – vor allem, wenn mich auf einer Straße in gesperrtem Bauzustand keine anderen Verkehrsteilnehmer stören.



Pünktlich als ich an der Bushaltestelle ankam, hörte der Regen auf. Ich unterhielt mich sehr nett mit einer das Regenende abwartenden Marathonläuferin im Training, der ich im Laufe der nächsten Stunde(n) noch einige Male zum Plausch begegnen sollte. Plausch! Ich meine, wer läuft an einem Samstag bei über 30 Grad im Schatten entspannt viele, viele Kilometer und kann dabei noch reden als wenn nichts wäre?

Abgetrocknet und trotzdem kleidungsmäßig prima durchnässt, nach einem kurzen Bushaltestellen-Picknick, fuhr ich weiter über die nagelneue, noch nicht freigegebene Zufahrtstraße nach Ferch. Ferch ist irrsinnig gewachsen in den vergangenen 20 Jahren. Unglaublich, die Neubauten übertrumpfen sich und über so manche Baugenehmigung kann man sich nur wundern. Auch die Strandpromenade als und Zuwege sind perfekt ausgebaut worden. Gefühlt fährt sich die Strecke doppelt so schnell als früher, wo man auf dem Rad schon etwas schlaglochbedachter fuhr.



Später am Ufer begegnete ich König Friedrich dem II mit zwei freundlichen Damen aus jener Zeit, die mich zum Foto baten. (Also Fritz mit den Damen vor dem See.) König Fritz drückte mir sein Smartphone in die Hand und richtete seine Perücke. Der Bitte für Fotos kam ich allzu gerne nach, befahl streng gar und nicht untertänig fröhliche Gesichter und empfahl das Segelboot im Hintergrund, das mir für die Szene nicht zeitgemäß schien, zuerst zu versenken. So erfuhr ich auch, dass offensichtlich einen Verein gibt, in dem Menschen sich wie zu den ersten Jahren von Schloss Sanssouci in ihrer Freizeit kleiden – und sich so gestern natürlich aufmachten zur Potsdamer Schlössernacht. Was für ein interessanter Zeitvertreib.

Fritz zog mit den beiden Damen weiter zum Rest der ebenfalls fürstlich gewandeten Truppe und ich traf die Marathonläuferin wieder, die mich natürlich fragte, wer oder was die da machten, was ich ihr ja berichten konnte und sie erzählte mir, dass sie in Berlin leben würde aber ihr Freund in Caputh und sie so am Wochenende hier trainieren könne. Ich beglückwünschte sie zu solchen Lebensumständen, nahm aus dem Augenwinkel war, dass dort in zweiter Linie aber mit freiem Blick auf dem See ein Gartengrundstück zum Verkauf steht und möchte nun dringend im Lotto gewinnen.

Caputh, Ferch, Petzow sind Orte, da geht es mir einfach immer gut. Egal zu welcher Jahreszeit. Ich kann den alten Einstein verstehen, dass es ihn immer wieder nach seinen Reisen hierhin zurück zog.

Einige Kilometer später gelangte ich in Petzow an und ging erst einmal fast alleine schwimmen, denn erst als ich aus dem Wasser kam, kämpfte sich die Sonne wieder in den Vordergrund und dann kamen auch schnell wieder andere Gäste an die kleine Badestelle im See.



Ich schwamm, hatte hier im Plan mein Picknick und zog später weiter, um mich intensiver mit den Fahrplänen der dortigen Buslinie zu beschäftigen.

Ich überlegte, ob ich über Potsdam oder Werder zurück nach Hause fahren wollte, entschied mich für Werder; machte ausnahmsweise keinen Abstecher in die kleine Altstadt und checkte am Bahnhof mit vielen anderen entspannten Ausflüglern in den Regio mit dem Fahrrad ein.

Ein schöner runder Tag mit etwas Sport, heiß ersehntem Regen, eine gute Badezeit, wundervollem Kuchen an von mir sehr geliebten Orten … 

2015-08-17

Das Kurioseste, …

… was ich in letzter Zeit gesehen habe, war letzte Woche in Kladow ein Campingwagen mit Vorzelt über das der Besitzer offensichtlich so eine Carport aus rustikalem Holz gebastelt hatte. So dermaßen auf Zentimeter in dem Campingplatz eingebaut, das dieser Campingwagen da auch nie wieder rauskommen wird.

Und ich frage mich die ganze Zeit, wieso macht jemand so etwas? Einen Campingwagen einbauen?

2015-08-15

Berlin, die Dahme

Mit dem Fahrrad und der S-Bahn nach Grünau fahren und dann am Ufer der Dahme (Regattastraße, Sportpromenade hoch bis zur Seddingpromenade) sehr schön bei der Hitze im Wald und im Schatten der Bäume entlang radeln.

Zwischendurch ein paar nette Häuser gucken und immer wieder an den kleinen Badestellen in die Dahme



hüpfen mit Blick auf „Werderchen”.



Kleine Picknicks nicht vergessen.



Dann den Spree-Oder-Kanal hochfahren.



Oder laufen.



Es sich gut gehen lassen. Berlin kann wunderschön sein.

2015-08-14

Tragisch …

… ist gar nicht, dass Menschen meinen, es hätte mit positiven humanitärem Verhalten zu tun, wenn man anderen Mitmenschen über Handylautsprecher den persönlichen Musikgeschmack aufzwingt.

Tragisch finde ich viel eher, dass es offensichtlich Menschen gibt, die ernsthaft glauben, dass Handylautsprecher irgendetwas mit qualitätsvollem Musikhörgenuss* zu tun haben könnten.

*Ich bin so alt, in meiner Jugend trug man als modisches Stilmittel noch Ghettoblaster am Mann/an der Frau.

2015-08-09

Hochsommeriges

Den brutalen Temperatursturz von gestrigen knapp 40 auf nur noch 27 Grad Celsius heute direkt dazu benutzt, um das Bett frisch zu beziehen – ohne direkt gleich im eigenen Saft zu stehen. Nishia fand's toll und rollte sich direkt unter der Daunendecke ein. Tally rollt sich glücklich auf ihrem Ersatz-Lammfell. Shiina hängt wieder in ihrem Kuschelkissen ab, das die letzten drei Tage auch nur bedingt attraktiv schien.

Derweil überlege ich schon mal die Winterwäsche rauszuholen. Werde aber vorher noch schnell die Wintervorräte um eingemachte Zuckeraprikosen ergänzen, denn ich fuhr gestern in das gut klimatisierte schwedische Albtraumkaufhaus, um Einmachgläser zu kaufen auf denen zwar nicht Original-Weck steht, dafür Original-Ikea, die aber stellenweise 50-70 Prozent günstiger sind als die Gläser mit dem orangenen Gummi.

Ansonsten ist das Leben gerade auch so und so.

2015-08-06

Geschafft!

Heute habe ich es geschafft! Heute habe ich geschafft, dass hier ein alter, von den Katzen unfassbar geliebter Kratzbaum ausgezogen ist. Dieser Kratzbaum ist hier schon mindestens zwei Mal ausgezogen, wenn nicht schon drei Mal und jedes Mal haben mir die Viecher die katzenaugenniedlichförmige Pistole auf die Brust gesetzt. Die „willst Du uns das wirklich antun? UNS?!!!”-Pistole.

Dabei dachte ich schon beim ersten Mal als der Kratzbaum hier ausziehen sollte, dass er komplett kaputt ist und wollte ihn auseinander bauen. „Nee”, sagten da die Katzen „das Gewinde ist gar nicht kaputt, sieh doch mal richtig hin, jetzt kannst Du ihn doch wieder richtig zusammenbauen mit einem neuen Stamm!” *katzenaugenniedlicher Pistolenaufschlag*

Aber nachdem ich in diesen Kratzbaum jetzt mehr neue Stämme zu einem Preis hätte stecken müssen, den der Baum damals überhaupt gekostet hatte, war ich knallhart. (= hatte wochenlang ein schlechtes Gewissen und Schlafstörungen). Ich sondierte den Markt und entschied mich. Hin- und her. Hoch- und runter. (Insider bei Kratzbäumen). Ich gebar quasi eine Kratzbaumbestellung, die schon deswegen nicht leicht war, weil sie für einen Platz gedacht war an dem ich nie einen Kratzbaum stehen haben wollte. Aber was zählt meine einzelne Meinung in einem Miniatur-Q-3A-Plattenbau-Flur, wenn drei Katzen in diesem Miniatur-Q-3A-Plattenbau-Flur einen Kratzbaum stehen haben wollen, nicht wahr?

Schlussendlich blieb ich bei der im Haus schon vorstelligen Kratzbaumserie, die hier von den Bewohnern sehr geschätzt wird aufgrund ihrer Stabilität und Kratzbarkeit (Katzen) und unaufdringlichen Visualität (ich [Boah ey, gibt das hässliche Kratzbäume auf diesem Planeten!]) und orderte die Kurzform.

Und diese Kurzform wurde heute in das DHL-Zustellerauto geladen und daher machte ich kurzen, sehr tapferen Prozess, nach nur knapp zwei Jahren und baute den alten Kratzbaum ab und warf ihn weg. Während eine graue Katze in einem Kissen lag und mir die ganze Zeit mit großen runden qualvollen Augen zuguckte. Ich fühlte mich schlecht, blieb aber hart und standhaft. (= versorgte die leidende Katze mit Catsticks.) Da es heute recht warm ist, spürte ich die brennende Blicke in meinem Rücken so gut wie gar nicht.

Dann kam der DHL-Bote, dem ich neulich schon, Gutmenschin die ich bin, erklärte, wenn die üblichen gehassten Kartons aka Katzenstreu diese Woche kämen, solle er sie unten stehen lassen, ich würde sie in den Keller räumen. Der war heute ganz froh, denke ich. Den Kratzbaumkarton habe ich hoch getragen, war ja auch nicht so schwer. Nachdem ich den alten tapfer entsorgt hatte, hatte ich eh Kräfte und Elan wie ein Hulk im Quadrat. Ich stellte den Kratzbaumkarton in den Flur und eine deprimierte Katze ließ sich sofort darauf nieder.

DEPRIMIERT:



Kurze Zeit später jedoch, guckte die gleiche Katze auf dem Karton schon leicht interessiert bis harmlos und immer noch sehr leidend. Und VOLL niedlich! (Wann guckt Shiina schon mal VOLL niedlich, näch?)



Noch einmal kurze Zeit und einen geöffneten Karton später, erklärte die gleiche Katze „a l l e s meins!”



Der Aufbau gestaltete sich auch prompt ganz einfach, weil die Katze die Aufbauanleitung gelesen hatte und daher in ordnungsgemäßer Reihenfolge alle notwendigen Platten, Körbe und Kratzstangen belegte. Ich hatte also überhaupt keine Probleme mit der Aufbautechnik an sich, dafür eines mit einer entspannt abhängenden Katze.



Aber irgendetwas ist ja immer, näch?



„Meins! Meins! Meins!”



Schon trommelten die beiden anderen Schlafmützen, die das große Leid von einer Shiina gar nicht so mitbekommen hatten und ließen sich herab den neuen Flurbewohner zu begrüßen. Nishia mit ihrer üblichen Selbstverständlichkeit …

„Tach! War was?”



Und war sehr glücklich über einen Kratzbaum mit Höhle, weil Nishia hier die einzige Kratzbaumhöhlenforscherin und -bewohnerin ist. Sie befürwortete auch sehr, dass auf dem Kratzbaum ihre Lieblingsangel schon auf sie wartete, denn es gilt auch bei neuen Kratzbäumen keine Zeit zu verlieren!



Und beschloss kurzerhand, dass das alles so okay sei, wie es ist und sie einfach mal wieder 'ne Runde chic aussehen könnte.



Selbstverständlich auch in der Totalen!



Und selbst die kleine sonst eher zurückhaltende Tally, die neue Kratzbäume auch problemlos erst einmal drei Woche ignorieren kann, weil Veränderungen in ihrer speziellen Welt per se überflüssig sind, sagte dieses Mal gar nicht schüchtern, sondern sehr offensiv:

„Hallo!”



Dann bekratzte und bekrabbelte sie diesen nagelneuen Kratzbaum, wie sie den alten nie bekrabbelte, ließ sich dabei wie üblich nicht fotografieren, drehte sich zu mir um, guckte sehr niedlich und fragte, wie Tally so ist, still, schüchtern und bestimmt, „Und wann kommt der gleiche Kratzbaum für das Schlafzimmer, damit ich an der Fensterseite den Aufstieg zum Fenster leichter habe und hübsch darauf rumliegen könnte?”

Ich antwortete mit einem still gedachten „GRMPF!”

2015-08-05

Nüchtern

Ich habe mir gestern das Buch „Nüchtern” von Daniel Schreiber gegönnt. Bisher habe ich nur Gutes darüber gehört und gelesen. Und als Göre einer durchaus Sucht geprägten Familie väterlicherseits ist Alkohol, sein Konsum und die Folgen, immer in meinem Leben ein begleitendes Element gewesen. Im Grunde kann ich kein Glas Wein trinken, ohne es zu hinterfragen.

Was ich sehr spannend finde, gestern ist es mir im Buchhandel wieder passiert: alle Menschen, die über das Buch sprechen oder eine Rezension schreiben oder es anderweitig schriftlich loben, stellen ihrem Text spätestens im dritten Satz voran: „Ich bin ja kein Alkoholiker.” So gestern auch der Verkäufer, den ich nach dem Lagerungsort des Buches fragte. Er sprach sehr begeistert von dem Buch und freute sich ehrlich für den Autor, dass das Buch zu einem kleineren Bestseller geworden ist aber leitete direkt ein mit dieser Standardformel.

Nun überlege ich die ganze Zeit, wenn ich das Buch gelesen habe und es besprechen wollte, wie ich einen Text schreibe ohne diesen Satz. (Manchmal ist es nämlich schwieriger Sätze nicht zu bringen, als sie zu schreiben.) Ich könnte sagen: „Ich bin Alkoholkonsument.”

Das ist so, denn ich trinke gelegentlich Alkohol. Aber sexy klingt das auch nicht, oder? Das finde ich insofern interessant, weil Alkohol immerhin eine staatlich legalisierte Droge ist, denn unser aller Staat verdient ganz gut daran und belohnt den übermäßigen Konsumenten damit, dass er ihm, wenn er im Vollsuff jemanden auf die Rübe haut, nur das halbe Strafmaß zu erwarten hat, als jemand, der das im nüchternen Zustand tut.

Da gibt es noch viel nachzudenken. Ich freue mich auf dieses Buch.