2012-11-05

Hier braucht jemand Hilfe!

Ich bin sprachlos. Fassungslos. Obwohl gerade ich das ja nun nicht sein müsste.

Hier ist eine Frau in finanzieller Not und es drohen ihr Wohnungs- und Existenzverlust. Sie fragt nach nicht viel finanzieller Unterstützung für diesen Monat. Wer Geld nicht geben möchte, sicherlich ist auch eine Sendung Katzenfutter/-streu im Moment hilfreich. Kontaktiert sie bitte per e-Mail (s. Homepage).

Und ich kann mir vorstellen, dass sie juristischen Beistand hinsichtlich des Kindergeld-Antrages benötigen kann. Eventuell auch Begleitung bei einem Bank-Gespräch.

Lasst uns helfen! Bitte.

2012-10-25

Impfgedöns

Ihr erinnert Euch?

Die Schweiz hat die Alternativ-Impfstoffe von Novartis bereits verboten, Deutschland „prüft” noch. Halt nein: Deutschland „will” erst noch prüfen.

(Wir erinnern uns, Novartis will hintenrum Grippeimpfstoffe auf den Markt bringen, die tierische Krebszellen enthalten können.)

2012-10-24

Liebe Männer, Jungs und …

… sonstige XY-Chromonsemträger! Wenn Ihr zu der Fraktion gehört, die sich beim vermeintlich unbeobachtet Telefonieren gerne mal die Eier kratzt oder am Arsch rumfummelt, lange und intensiv und ausgiebig. Dann hätte ich jetzt einen echten Pro-Tipp für Euch:

Entweder U-Bahn fahren.

Oder telefonieren.

2012-10-23

Apple …

… schmeißt also ein iPhone ohne Telefonie auf den Markt, pustet es etwas auf, nennt es iPad Mini und die Welt wird es kaufen.

Banane.

Kleine niedliche Hello Kitty!-Kratzbaumbesitzerin …

springt durch das Bild.



Freunde von mir haben sich für die Unterhaltung ihrer Fische und für das Amüsement der Garnelenzucht zweifachen sehr niedlichen Premiumcontent zugelegt. Allerdings haben sie einen m. E. nach sehr schrägen Kratzbaum-Geschmack:



2012-10-20

Blick aus dem Esszimmerfenster



Sagen Sie nichts!

2012-10-16

Bei Miele waschen nur junge Frauen in HighHeels …

Dass die gute alte Waschmaschine hier deutlich in ihren finalen Zügen hängt, erwähnte ich bereits. Gnädigerweise gönnt sie mir noch etwas Karenzzeit, damit ich ein paar Euronen sparen und mich über ein neues Modell ausgiebig informieren kann. Das tue ich im Internet, gehe aber gerne auch in Geschäfte, die vorzügliche weiße Ware anbieten. Ich wundere mich teilweise sehr über die mangelnde Vertriebskompetenz von Verkäufern, habe meinen Spaß und bin nach wie vor unentschieden. Was bei mir natürlich nichts Neues ist. Unentschieden sein, kann ich prima.

So lag neulich bei einem Händler ein Prospekt der Firma Miele aus, den ich mitnahm, denn ich lese grundsätzlich sehr gerne Fachprospekte. Bei Miele kann man die PC-tauglichen Modelle der neueren Generationen noch nach Jahren einem Software-Update unterziehen. Und aus irgendeinem dummen Grund, den ich jetzt im Nachgang selber nicht mehr verstehe, traue ich Miele daher ein hohes Maß an Emanzipation in die gleichgeschlechtliche Richtung zu. Diese Updates gibt es für vergleichsweise wenig Geld, und man ist danach in der Lage auf alle neuen softwaregesteuerten technischen Funktionen zugreifen zu können, was ich schon sehr spannend und zeitgemäß finde. Für so eine Menschin 2.0 wie mich, ist das natürlich ein kleines innovatives Highlight.

Was ich allerdings wenig spannend, kaum nur innovativ und ehrlich gesagt, überhaupt nicht zeitgemäß finde, das ist ein Waschmaschinen-Prospekt in dem nur Frauen Werbeträgerinnen sind. Das mag sicherlich im Jahr 1950 stimmig gewesen sein, ist es 2012 nicht. Überhaupt nicht mehr!



Dieses Bildnis zeigt den Prospekt, den Miele herausgebracht hat anlässlich des eigenen „Feiern Sie mit uns – 111 Jahre Wäschepflege”-Feierlichkeiten. Dieser Fachprospekt informiert also über die Waschgeschichte der Firma Miele, deren Claim lautet „Immer besser” und präsentiert die sieben Sondermodelle, die das Unternehmen zur Feier des Jubiläums auf den Markt gebracht hat, namentlich die sogenannte Edition 111.

Man sieht auf der Vorderseite zwei Geräte von Miele, einen Trockner und eine Waschmaschine – ganz im Stil von Garry Larsson „Zuerst die Hose, dann die Schuhe”, wird hier zuerst getrocknet und dann gewaschen. Das ist aber natürlich nur eine kleinscheißerische stilistische Aufmerksamkeit* von mir, die ich bei einem Shooting als Fotografin zumindest angesprochen hätte.

(* Man möge diese Aufmerksamkeit meiner hohen fachlichen Kompetenz als Waschfrau zuordnen. Danke!)**


**Dass die Verteilung wohl sehr wohl Sinn macht aufgrund der Türöffnungen bei Miele, vor allem für Menschen mit Handicaps, hat Matcha in Kommentar Nr. 5 pragmatisch logisch erklärt, insofern streiche ich den vorangegangenen Absatz und nehme das gerne zurück, nur: warum zur Hölle bewirbt ein Unternehmen diese Eigenschaft nicht?

Um diese Geräte, auf denen eine Torte justiert ist, gruppieren sich vier junge Frauen, schätzungsweise kaum älter als 25 Jahre, bis auf eine Ausnahme alle langhaarig, in Partykleidung auf HighHeels stehend, dem Zuschauer mit Sektgläsern zuprostend. Im Hintergrund liegen roten Rosenglätter auf dem Boden, die dort auch noch durch die Luft wedeln. (Bei welchen Feierlichkeiten außer Hochzeiten und Miele-Geburtstagen regenen eigentlich sonst noch Rosenblätter?)

Es ist kein Mann zu sehen.

Auf Seite 3 des Prospektes wiederholt sich die Szene in klein, dieses Mal ohne Rosenblätter.

Es ist kein Mann zu sehen.

Auf Seite 6 sitzt die junge Frau mit kurzen Haaren auf der Waschmaschine, mit einem Blumenstrauß in der Hand. Der Ausdruck schönster Wäscheromantik ist dank Rosenblätter auch wieder im Bild.

Es ist kein Mann zu sehen.

Seite 11, die Damen prosten sich zu, die Rosenblätter fallen. Eine Dame hält ungemein aktiv den Arm in die Luft, zwei der Damen stehen fotomodellüblich in grotestker Beinhaltung. Eine Dame, die mit den kurzen Haaren, hat sich sogar ihrer Jacke entledigt.

Es ist kein Mann zu sehen.

Seite 13, die Jacke ist wieder angezogen und zwei Modelle sitzen nunmehr bunte Luftballontrauben haltend auf einem Trockner und freuen sich.

Es ist kein Mann zu sehen.

Seite 15, das Fotomodell mit den kurzen Haaren und der wieder angezogenen Jacke präsentiert die Torte auf der Waschmaschine – ohne Rosenblätter – und freut sich immer noch.

Es ist kein Mann zu sehen.

Im Shooting wurden mindestens zwei unterschiedliche, wenn sich auch ähnliche Torten verwendet.

Es ist kein Mann zu sehen.

Gut, ich kann jetzt nicht behaupten, dieser Prospekt sei 100%ig XY-Chromosmen gecleant, denn in den Bildern im redaktionellen Teil gibt es zwei Fotos auf denen ein Kind zu sehen ist, dies ist jeweils eindeutig ein Junge. Einer im Gras sitzend hält grinsend den Daumen hoch, beim Thema Energiesparen (klar, Männerthema) und ein weiterer Junge hält das Ohr an das Bullauge einer Waschmaschine beim Thema Funktion Extra Leise (klar: ausschlafen nicht im Haushalt helfen, auch Männerthema). Und trotzdem, weil der Knirps noch weit vor der Geschlechtsreife und deutlich noch nicht alt genug, um eine Waschmaschine bedienen zu können:

Es ist kein Mann zu sehen.

Ich könnte jetzt lang und breit zynische Sichtweisen kommunizieren, letztendlich treibt mich aber doch nur eine einzige Frage um: was zur Hölle soll ich mit einer Waschmaschine, die nur von Frauen befeiert, bedient werden kann und die offensichtlich nur die Wäsche von Frauen wäscht?

Und noch eines, Waschmaschinen um die ständig Rosenlätter regnen in der Küche, finde ich auch eher doof und unpraktisch als nett und romantisch.

Entschuldigt bitte Miele, Ihr mögt ja tolle Waschmaschinen bauen und klar, natürlich hätte ich sehr gerne so ein Schnuckelchen wie eine WT 2790. Aber Eure Marktingabteilung hat schlicht und einfach den Schuss der Neuzeit nicht gehört.

2012-10-15

Hostessen antatschen …

Zu diesem – wahrscheinlich wieder nur im Internet zu hörenden – Vorfall schreibt sich das halbe deutsche aktive Web heute betroffen die Finger wund. Der verlinkte Artikel beschreibt die Szene, um die es geht, ganz gut. Drollige Moderatoren befehlen sich auf einer Messe semilustige Dinge zu tun und in einem Fall geht es extrem dump sexistisch und feige zur Sache. Eine Hostess wird im Gespräch an ihren sekundären Geschlechtsmerkmalen berührt.

Feige deswegen, weil ich gerne hätte sehen wollen, dass die das Gleiche mit einem 185 cm großen breitschultrigen Mann machen. Haben sie aber nicht, und die Gründe liegen hier auf der Hand.

Die weitere Diskussion zu dem eigentlichen Vorfall in einem öffentlich rechtlichen Medium überlasse ich gerne den üblichen klugen Stimmen, wie z. B. Antje Schrupp.

Mich beschäftigen als Ergebnis aus dem Vorfall zwei andere Fragen:

Auf Messen werden Produkte/Dienstleistungen/whatever gerne mittels dem Subjekt „Messehostess” offeriert. Diese ist vorzugsweise als weiblich, jung, attraktiv, gerne langhaarig, sehr gut gebaut, das heißt meist schlank bis sehr schlank zu beschreiben. Fast immer sind sie in Uniformen verpackt, als da wären eng an der Figur anliegende Kostüme, gerne mit kurzem Rock und hohe Schuhe, bei denen jedem Messebesucher allenfalls das Kennzeichen „Körperverletzung im Job” einfällt. Und/oder das „echte” Extrem auf den Spaßmessen, wie Auto- oder Games-Messen, mit sehr deutlich übertrieben erotisch bis sehr wenig anhabend knapper Bekleidung verkleidet. Hier darf die Dame gerne offensichtlich im Körbchen gut bedacht oder Inhaberin eines Boobs-Jobs sein.

Ob die auf „Titts & Ass” getrimmten Damen gleichfalls inhaltlich kompetent zu dem jeweils angebotenen Produkt Auskunft geben können, wollen oder überhaupt sollen, sei dahin gestellt. Meist ist es offensichtlich nur deren Job freundlich zu sein, Geschenke oder Getränke anzureichen und halbwegs plausibel auch ein wenig international daher quatschen zu können. Vor allem aber „nett” oder „attraktiv” auszusehen.

Firmen, die so Vertrieb gestalten, bedienen sich offensichtlich üblicher sexistischer Klischees. Und die Frauen, die diese Jobs ausüben, bedienen diese dann eben auch. Daraus resultierend meine erste Frage:

Warum lassen sich 2012 attraktive, emanzipierte Frauen auf Messen von den Arbeitgebern überhaupt als Sexobjekte präsentieren zum Zweck des Vertriebes?

Ich hätte in der gleichen Szene dem Antatscher pragmatisch praktisch den Ellenbogen in die Magengrube gerammt und seine daraus resultierende Plexusbiegung mit einem harten Tritt in seine Weichteile wieder entbogen.

Macht das eine Hostess? Verschwendet sie im Job auch nur einen Moment lang daran den Gedanken, dass das jetzt genau die einzige adäquate Antwort auf so einen Übergriff ist? Wenn ja, warum tut sie es dann nicht? Warum wehrt sie sich nicht? Das muss längt nicht körperlich übergriffig geschehen. Eine deutliche verbale Ansage hätte es auch getan!Und so stellt sich mir nämlich die zweite Frage:

Wie würden denn Arbeitgeber darauf reagieren, wenn ein „Firmenmitglied” sich anmaßenden Kunden gegenüber – völlig zu Recht – wehrt?

Die Antwort kennen wir doch alle, sie dürfte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ihr Damenhandtäschchen nehmen und gehen. Fristlos. Und das ist der eigentliche Skandal: In einem durch Sexismus definierten Business kann doch vom Veranstalter der sexistische Übergriff lediglich als Zustimmung und Erfolg zum Vertriebsmodell gewertet werden. Welches Unternehmen mit einem offiziell auf weiblichen Reiz ausgeprägtem Erscheinungsbild auf einer solchen Messe, steht denn dann hinter der dienstleistenden Angestellten, meist angeworben von einem externen Dienstleister? Also ohne jeglichen sozialen Bezug zu dieser dienstleistenden weiblichen Person? Meines Erachtens liegt genau hier der Hase im Pfeffer begraben.

Leider auch mit darin, dass sich oft diese jungen Frauen zu wenig darüber Gedanken machen, wie sehr sie eben auch Spielball sind – in einem Business namens „Sex sells”. Insofern bin ich für diesen durch ZDFneo initiierten Skandal dankbar. Wir sollen gelegentlich als emanzipierte Frauen darüber nachdenken, was wir eigentlich wie mit unseren Jobs bezwecken und bedienen; und wem wir für welchen Sinn und Zweck zu Diensten sind.

Selbstverständlich legitimiert das keinfesfalls sexuelle Übergriffe. Nur: es reduziert dummerweise auch nicht den Abstand zur Wunscherweckung bei einem unkontrollierten Gegenüber sexuell übergriffig zu werden.

Das geht dann in Richtung Arbeitgeber, auch diese sollten sich Gedanken über ihr Erscheinungsbild auf Messen hinsichtlich des Wirkens auf beide Geschlechter machen! Also heute im Jahr 2012. Sind sie wirklich emanzipiert genug, um ihr Produkt/ihre Dienstleistung ausschließlich über dieses Produkt zu verkaufen? Und wenn sie dazu den Support vom knapp bekleideten sogenannten schwachen Geschlecht brauchen, wie sieht deren Schutz diesen Frauen gegenüber im Ernstfall eigentlich aus?

2012-10-14

Den Ohren nicht trauen …

Eine Freundin von mir (wieder so ein verflucht realer herzlicher kluger aufregender Kopf, den man online „connected” hat, weil man ja kein Real Life mehr hat) ist verliebt. Auch so eine Internet-Nummer. Diese Liebe und der Wunsch so einiges im Leben neu zu resetten, lässt sie im kommenden Jahr zu ihrem Liebsten in dessen Heimat ziehen.

Diese Freundin arbeitet in Finanzdingen in einem mittelständischen Unternehmen. Die Chefs, ein Ehepaar, mögen sie und ihre Arbeit, denn sie leistet dort gute Dinge und schafft es nebenbei, dass ein sehr hoher, man kann ihn erschreckend hoch nennen, betriebswirtschaflich eher unmöglich hoch, Anteil der Rechnungen von den Kunden pünktlich bezahlt wird.

Für diese Leistung wurde sie in diesem Jahr bereits mit einer Gratifikation in einer Höhe bedacht, deren Summe mir eh keiner glauben würde, deswegen nenne ich sie hier auch nicht.

Die Freundin hat nun den Chefs nach und nach von ihren neuen Lebensplänen berichtet, die beinhalten ab Anfang kommenden Jahres weniger Tage zu arbeiten und im Frühsommer ganz zu gehen und bis dahin den/die Nachfolgerin einzuarbeiten.

Diese Chefs haben zur Teilzeitlösung ja gesagt. Es blieb ihnen auch nichts anderes übrig, um sie zu halten und haben ihr angeboten Benzingeld auf das monatliche Salär aufzulegen, damit sie die Fahrten von Berlin in die neue Heimatstadt problemlos bewältigen kann. Nur so. Damit es ihr gut geht dabei.

Neulich haben die Chefs ihr indirekt verboten, sich eine neue Tätigkeit vor Ort zu suchen und ihr direkt das Angebot gemacht, ihr in der neuen Heimat ein Büro mit kompletter Technik einzurichten, sie dort arbeiten zu lassen, mit der Bitte an einigen wenigen Tagen im Monat in Berlin vor Ort zu sein, wofür es eine Bahncard und -ticket gäbe – nur damit sie weiterhin für das Unternehmen arbeitet.

So kann es also auch gehen und wenn ich – ich kenne die Geschichte in ihrer Fortsetzung seit gestern – daran denke, bekomme ich feuchte Augen. Es gibt sie also doch noch hier und da, die wundervollen Arbeitgeber-/Arbeitnehmergeschichten.

2012-10-12

Von Ikea lernen und was Horst Buchholz mit Turbo-Töpfen gemein hat …

Ich. Wieder einmal im schwedischen Albtraumkaufhaus. Thema: Wäscheständer. Ergebnis: ausgesuchtes Modell nicht verfügbar.

Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Ich bin da also hin. An einem Sonntag. Ich kann mich nicht erinnern, jemals an einem Sonntag bei Ikea gewesen zu sein. Ich glaube, ich war nur einmal auf dem Parkplatz vor Ikea als Sonntagsverkauf stattfand und habe alle für verrückt erklärt, die sich das antaten. Mittlerweile bin auch ich älter und weiser und kann mir daher etwas Verrücktheit gut leisten.

Ich war übrigens nicht alleine dort. Jeder gepflegte Ikea-Besuch beginnt mit einem Gang in das Restaurant und ich organisierte eine Portion schwedischer Hackfleischbällchen an Knödel. Zum Frühstück. Ich mag Knödel. Natürlich sind Ikea-Knödel das Schlusslicht in der Reihe most leckere Knödel ever. Aber das sind dort Kartoffelpüree und die Pommes Frites auch, insofern fällt die Entscheidung immer auf Knödel. sofern verfügbar. Da ich, wie schon festgestellt, nicht alleine dort vor Ort war und mit mir sehr viele Berliner Sonntags auch nichts Besseres vor hatten, als zu Ikea zu fahren – wahrscheinlich entkommt nur so halb Berlin den sonntäglichen Kaffeeritualen bei Muttern – fand ich keinen freien Tisch für mich alleine und sortierte mich, höflich fragend, ob noch einer der drei leeren Plätze frei sei, zu einer Dame höheren Alters an den Tisch, die mir dies auch gestattete.

Sie bewunderte alsbald meine Knödelformation (Köttbullar mit Knödeln auf einem Teller sind in sich eine ziemlich runde Sache) und erkundigte sich, ob es die Bällchen heute per se mit Knödel gab. Was ich verneinte und ihr damit erklärte, dass sie Berlin größten Knödelfan vor sich hätte und ich das Kartoffelpüree von Ikea abartig fände. Und Kartoffelpüree per se nur selbst gemacht ginge.

Sie verstand mich.

Und prompt waren wir mitten drinnen in der allerschönsten Küchen-Einmach-Diskussion, die man sich bei Ikea im Restaurant nur vorstellen kann. Sie erzählte mir davon, wie sie neulich Apfelgelee eingemacht hätte, und sie nun auf die Lieferung Quitten vom Nachbarn warten würde. Auch erzählte sie mir, dass sie früher viel mehr eingekocht hätte aber als ihr Mann gestorben sei, sie alles Eingemachte aus dem Keller weggeworfen hätte. An diesem Punkt habe ich streng geguckt und ihr den Wert der Einmachgläser (die heute preislich auch mit Svarowski-Kristallen besetzt sind, möchte man meinen) vorgeworfen, was sie mit schuldvollem Verständnis goutierte. Dann fiel das magische Wort: der Turbo-Topf.

Ich, die ich bisher noch nie Gelee eingekocht habe, habe natürlich nachgefragt wie jemand mit so langer Küchenerfahrung das macht. Denn sind wir ehrlich zu uns selbst, die alten Kochmaßnahmen erscheinen heute, in Zeiten von Silikon und überflüssiger Gerätevielfalt, hier und dort nach einem Besuch durch den kochenden Irrgarten doch als die deutlich sinnvollere Variante.

Die Dame beschrieb mir dann wie sie flugs und schnell in ihrem Turbo-Topf Fruchtfleisch mit wenig Wasser aufsetzt in einem Dampfeinsatz, dieses zum Klappern bringt (beim Turbo-Topf wird der Kochvorgang mit Klappern begleitet), dann zum Abkühlen stehen gelassen wird und sie in der Folge feinsten konzentrierten Apfelsaft im Topf hätte. Soweit so simpel. Sie empfand es mit erlaubten Stolz als ihre ureigene Erfindung im Schnellkochtopf die wichtigste Zutat für ein Gelee zu bereiten und das war schön zu erleben.

Mittlerweile verstand ich den Turbo-Topf als Schnellkochtopf der Urzeit. Der aber, wie ich mittlerweile nachgelesen habe, aus Aluguss (O-Ton Sie: aus dem Material aus dem Flugzeuge hergestellt werden) produziert wird, neben dem Ventil einen Druckablass extra hat und auch heute noch irrsinnig teuer ist im Vergleich zu den üblichen Markengeräten. Sie erzählte mir, dass sie mittlerweile zwei Töpfe hätte, die sie neulich für 100 Euro nochmals hätte überprüfen und mit Ersatzteilen habe versorgen lassen. Und dass sie den zweiten Topf von den Pflegeeltern von Horst Buchholz, dem Schauspieler, geschenkt bekommen hätte, die diesen damals nicht mehr gebaucht hätten.

Sie beschrieb den Turbo-Topf natürlich als heute rar, nicht mehr neu verfügbar und glaubte daran, es gäbe nur noch einen Händler (in Berlin), der Ersatzteile hätte. Nun, wie immer sieht die Sache nach einem Blick ins Internet deutlich verfügbarer aus. Sie erklärte mir auch, der Turbo-Topf sei aus den 50iger („Da waren Sie ja noch gar nicht geboren!” Ich: „Na ja, aber nur ganz knapp noch nicht.”)

Der EMI Turbo-Topf ist heute in seinem Design fast unverändert (hässlich) gegenüber seinen Vorgängern und offensichtlich muss es der einfach sein. In der Folge erzählte sie mir noch hübsche explosive Geschichten von Hausfrauen, die sie kannte – oder auch von denen sie nur entfernt selbst erzählt bekommen hatte – die zu wenig Geduld mit dem Turbo-Topf gehabt hätten und was dies in der Folge mit Küchen und Hausfrauen so alles angestellt hätte. Prompt beschlich mich wieder der tiefe Respekt vor Schnellkochtöpfen, der mir immer schon zu eigen war.

Ich hatte also unverhofft ein sehr interessantes lehrreiches Küchengespräch bei Ikea. In dessen Folge ich beflügelt dann auch (ganz alleine!) endlich verstanden habe, dass ich beim Kaffee ziehen gar nicht einen Schwung Kaffee erst wegkippen muss, alternativ die Tasse früher wegziehen muss, um noch Platz in der Tasse für einen ordentlichen Schluck Milch zu haben. Nein: ich muss tatsächlich nur auf die Taste mit der kleineren Kaffeetasse drücken! Jahrelang habe ich das nicht verstehen wollen (in der Folge wird in den neueren Ikea-Häusern in Berlin an den auch neueren Automaten nur noch eine geringere Menge Kaffee per se ausgeschenkt ohne Wahlmöglichkeit. Extra wegen mir. Oder wegen BWL. Was weiß ich.)

LUBJAN war natürlich nicht verfügbar, weswegen ich mich nicht in die sonntäglichen Kassenschlangen bei Ikea einsortieren musste (will man ja auch nicht wirklich) und somit fuhr ich gen Heimat, still in mich gekehrt glücklich über dieses unverhoffte Treffen mit der Dame und unser Gespräch und wieder einmal meine lieben Großmuttis vermissend.

2012-10-09

Grippeimpfung …

Na, freut Ihr Euch schon darauf? Oder wundert Ihr Euch, warum Euer Impfstoff nicht lieferbar ist derzeit? Dann solltet Ihr diesen Artikel lesen … und Euch fragen, ob Ihr überhaupt Impfungen dieser Art benötigt, jenseits der 60 ohne nennenswerte Krankheiten.

(Gut, das sollte auch jeder lesen, der sich nicht impfen lässt.)

2012-10-08

Von Katzen und so …

katjaberlin aka Katja Dittrich über die „Wahrheit über Katzen

[…] Damit erreichen Katzen eine Unabhängigkeits- und Freigeiststufe, die noch unter der von Neunzehnjährigen, die von ihren Eltern ein Bachelorstudium in Philosophie bezahlt bekommen, angesiedelt ist. [–]

Habe da eine Frage …

Was habe ich eigentlich genau bei der aktuellen Preisgestaltung von Wäscheständern verpasst? Tragen die neuerdings Svarowski-Kristalle inrohrig? Oder fungieren die Wäschestangen endlich auch als Heizstrahler?

Bei einem Miniatur-Wäscheständer 40,— Euro aufzurufen, da kommt man doch nicht umhin wieder einmal in Deutsche Mark umzurechnen. Nur dann setzt man sich vor Schreck glatt auf den Podex.

Mehr Dreck, weniger Margarine

Interessante Sendung im Deutschlandradio Kultur zum Thema Allergien und Neurodermitis, die die Ergebnisse einer Schweizer Langzeitstudie zu dem Thema präsentiert. Fazit: Kinder mehr mit Tieren und Erde in Berührung bringen, sie so früh wie möglich möglichst alles essen, wenigstens probieren lassen. Und besser Butter als Margarine aufs Brot geben. Dann klappt das schon mit der Vermeidung von Neurodermitis und Allergien.

Tsja, in meiner Jugend gab es kein Sagrotan, begreife ich heute als Glück.

2012-10-05

Immer nur eine Frage der Perspektive …

Neulich bei Kochlust in die internationalen Kochbücher geguckt, die sich Berliner oder Deutsche Küche inhaltlich auf's Programm geschrieben haben.

Erste Seite aufgeschlagen: Hungarian Chicken. Nächste Seite aufgschlagen: Irish Stew.

2012-10-03

47

Nun ist es gestern passiert. Bin ängstlich mit diesem Geburtstag. Das vergangene Jahr tut noch sehr weg und die Wunden sind offen. Das dauert auch noch.

Gestern mit Freunden einfach viel Sonne getankt, ganz ruhig, ganz schön. (Danke an Euch!)

Und am Grab von Rio Reiser gewesen. Der liegt jetzt in Berlin in Schöneberg. Und irgendwie gehört er auch hierhin.



Mein Vater war 47 als er starb. Es fühlt sich merkwürdig an. Aber das tut das Leben ja immer.

Einseitig …

Antje Schrupp hat Montag den klügsten Satz überhaupt im Web geschrieben, der garantiert nicht nur auf Medien-Konferenzen zutrifft. Der ist so simple und trivial und dabei so wahrhaftig und so erschreckend logisch, da müsste jedem Konferenzorganisator die Ohren klingen:

Frauen sollten eingeladen werden, weil zu keinem beliebigen Thema der Welt sinnvoll diskutiert werden kann, wenn Männer dabei unter sich bleiben. Eine solche Veranstaltung ist ganz einfach nicht in der Lage, Allgemeinrelevantes hervorzubringen und wird deshalb unweigerlich eine schlechte Veranstaltung sein. Oder anders: Eine Gruppe, die (fast) ausschließlich aus Männern besteht, kann sinnvollerweise nur über das Thema “Männer in den Medien” diskutieren, aber nicht über “Medien” generell.

2012-10-02

Dirk Bach †

Dirk Bach habe ich immer als einen Menschen und Künstler verstanden, den eine unglaubliche Herzlichkeit zu eigen war, die er nie hätte aus seinen Rollen spielen können. Im Gegensatz zu seinen Kollegen im Kabarett hat er es nie als seine Kunst verstanden, ausschließlich zynisch und bissig Humor zu verbreiten. Sein Mut Farbe zu tragen und sich in die teilweise wirklich unmöglichsten Kostüme zu stecken, hat Farbe und Freude in mein Leben getragen.

Dirk Bach hatte ein sehr besonders Talent: wenn Kollegen neben ihm spielten, großartige Kollegen und Kolleginnen wie z. B. Hella von Sinnen, deren außerordentliches Talent wirklich außer Frage stehen, dann waren sie immer noch einen Tick besser. Er hat von ihnen auch noch das letzte Stück Talent offenbart. Die Liebe in den Blicken, die ihm diese Künstler in manchen Szenen auf der Bühne zuwarfen, wenn sie ihn selber gerade nicht fassen konnten, die machte es im Besonderen aus, seiner Kunst beizuwohnen. Vielleicht machte ihn vor allem das zu so einem Großen.

Ich kann verstehen, dass alle Menschen, die ihn persönlich kannten oder mit ihm arbeiten durften, tief erschüttert sind. Ich bin das auch. Als Zuachauerin. Als Fan. Ich hatte vor von ihm noch so viel zu sehen und mit ihm lachen zu dürfen.

Es bleibt viel von ihm. Vor allem Freude.

2012-10-01

Zweimal denken bitte.

Ging neulich die Meldung durch die Gazetten, dass eine Reisende aus Sachsen in ihrem Dialekt am Telefon eine Reise nach Porto buchen wollte, die Angestellte ihr einen Trip nach Bordeaux buchte. Es wurde geklagt, die Reisende bekam nicht Recht zugesprochen.

Ich fand zunächst den Sachverhalt an sich nur lustig und habe es dementsprechend kommentiert, mir, das gebe ich zu, sehr wenig Gedanken über das gesprochene Urteil gemacht. Ich möchte dazu anmerken, dass ich dem sächsischen Akzent mit großer Liebe zugetan bin. Natürlich habe ich mich ein wenig über den Sachverhalt als solches gewundert, denn ich könnte mir doch vorstellen, wenn ich jemanden am Telefon habe, der mit einem Akzent (welchem auch immer) spricht, dass man sich dann gegebenenfalls doch noch einmal rückversichert – insbesondere im Rahmen des Risikos einen Menschen an einen anderen Ort der Welt zu schicken, wenn es mit der Kommunikation hapert.

Profis, am Telefon arbeitend, sollten hier ausreichend Erfahrung haben, dies zu tun. Meinem Verständnis obliegt das tatsächlich in der Aufgabe eines Dienstleisters ausreichend zu hinterfragen, denn möchte ich als Reiseanbieter nicht ausschließlich nur zufriedene Kunden haben, die auch das bekommen für ihr Geld, was sie sich wünschen? (Als Unternehmerin hätte ich es gar nicht erst auf diesen Prozess ankommen lassen, sondern in den sauren Apfel gebissen. Aber ich bin noch in einer vergangenen Generation verankert, was Kundenzufriedenheit anbelangt.)

Der gute Not quite like Beethoven hat das Geschehen aus seiner eigenen Ecke der Ansicht beleuchtet und kritisiert auch nachvollziehend das gefällte Urteil. Aus Sicht eines Menschen, der schwer hört, ist oben geschilderter Fall weniger lustig, weil zu häufig erlebter Alltag – wenn man sich nämlich gegenseitig schlecht versteht:

„Nicht nur gibt es ein lautliches Mißverständnis, sondern auf zwei explizite Nachfragen hin gibt es wiederum eins, so dass das ursprüngliche Mißverständnis keinem der Beteiligten auffällt. Willkommen in meinem Alltag.”

Alexander verweist hierbei auf ein ganz pragmatisches Hilfsmittel in nicht ganz klarer Kommunikation: Kontextinfo. (Sie möchten also nach Frankreich reisen? Etc.) Ein Hilfsmittel, das in der Telefonkommunikation sicherlich hilfreich ist, wenn man mehr oder weniger gut hört bzw. den Partner am anderen Ende der Leitung schlecht versteht. Und dazu muss man weder schwerhörig sein, noch eine fremde Sprache sprechen. Das ist der Alltag von uns allen, wie oft stellen wir in Geschäften dem Fachverkäufer eine klare Frage und bekommen eine Antwort, die inhaltlich der Frage möglichst weit entfernt liegt? Was da wohl auch helfen kann, ist möglichst weit von einer bei sich selbst, meist aber falsch vermuteten, Unfehlbarkeit zu agieren und sich selbst, hier also das Verstandene, zu hinterfragen.

Und in dem Zusammenhang verweise ich richtig gerne auf die sinnvollen 11 Regeln, von Alexander zusammengestellt, zum Thema „Besser reden mit Schwerhörigen”.

Das ist das, was ich an diesen Bloggern so mag, man lernt von ihnen!

2012-09-30

Unterhaltungsprogramm der Berliner Sorte

Meine Freundin, noch aus der Grundschulzeit, reicht mir neulich auf Facebook eine Einladung weiter zu einem denkwürdigen Abend. Fragt mich, ob ich Lust habe mitzukommen, es hat was mit „Die Magie des Denkens - Gehirnleistungen jenseits des Vorstellbaren” zu tun. Und ich denke bei mir: Gehirnleistung klingt gut, Magie klingt kryptisch, Denken hilft immer (na gut meistens) und ich sage zu.

Hotelentertainment. Berlin hat sich, es ist wohl der Geschichte geschuldet, eine ordentliche Ansammlung an Hotels zu eigen gemacht über die vergangenen Jahre. Ich glaube, jeder Bezirk hat mittlerweile mindestens ein Motel One, wenn nicht sogar drei. Und Motel Ones sind ja bekanntlich nur das Ende der Kette einer langer Reihe existierender Hotelketten. Diese Hotels müssen selbstverständlich, ein Adlon vielleicht ausgenommen, um Kunden kämpfen und das tun sie auch, in dem sie sich um die hier ansässigen Bewohner bemühen, damit diese möglichen Gästen eine Heimstatt besonders empfehlen im Hauptstädtchen.

Das habe ich diese Woche schon einmal kapiert: ich muss mich nur auf mehr Hotel-Newslettern eintragen. Dann ist abendliche Langeweile (also ob ich die kennen würde) nichts, was der Gegenwart ein Partner wäre.

Zurück zum Denken. Zur Einladung gab es nämlich eine weitere Einladung: zu einem Nudelbuffet, das nennt sich dann „Pasta satt” (und wer jetzt schon Unterirdisches ahnt, der wird Recht behalten) für nur Euro 8,50. Wir einigen uns darauf, das komplette Programm mitzunehmen – wenn schon, denn schon – und suchen vergangenen Dienstag dieses Hotel in Tiergarten oder Moabit oder noch nicht oder doch schon Mitte, wer weiß das schon?, auf, das idyllisch in einer Shopping-Center-Installation beheimatet ist. Eines dieser Hotels, das unten als solches nur durch Fahrstühle zu erkennen ist und sich dann in der zweiten Etage mit einem großen Atrium präsentiert, so dass man sich merkwürdig eingesperrt vorkommt. Wie auf Zion. Eigener Planet im Planet.

Der Hotelgastgeber begrüßt uns (die Freundin kommt eben rum …) und wir gehen in den Restaurationsbereich, der bereits gut gefüllt ist. Im Atrium singt sich eine wunderschöne Frau mit einer unglaublichen Stimme ein. Cara Ciutan, stellt die Technik vor eine hohe Aufgabe und ich frage mich, was hat so eine Frau auf einer so kleinen Bühne zu suchen?

Eine sehr akkurat, erstaunlich lieblos formierte Gemüsedekoration zeigt viele Gemüsesorten auf, die wir später im Essen nicht wieder sehen werden; beinhaltet die sehr wenigen Sorten, die wir später im Essen wieder finden werden indes bevorzugt nicht. Es stehen sechs dieser üblichen Hotelwarmhalte-Dinger (ich gebe zu, ich weiß wirklich nicht wie sie heißen) auf einem Tisch. Buffetstyle halt. Beim Blick in die Karte wird uns eine Weinauswahl präsentiert, die, was die offenen Weine anbelangt, preislich jeden Wunsch nach unten offen lässt. Mittlerweile habe ich das Design des Hotels zur Kenntnis genommen und einen ersten Blick auf den Teller der anderen bereits Pasta speisenden Gäste zur Kenntnis genommen und mich beschleicht das Gefühl, dass es eine kluge Idee sein könnte hier besser keine Unsummen für Wein auszugeben. (Hier ist hier klar das Modell „nimm gleich die ganze Flasche” kalkuliert, was leider nicht wirklich auf Qualität des Weines schließen lässt.)

Wir begeben uns sodann zum Nudelbuffet und warten … nicht in einer Schlange. Nur so auf Nudeln. Mit uns wartet auch ein junger Hotelangestellter, der uns versichert, die Nudeln kämen gleich, dann steht er gemeinsam mit uns herum. Und während wir so gemeinschaftlich herum stehen, überlege ich (bin mehr der Typ lieber machen als rumzustehen) ob ich ihn frage, ob er mit einen Lappen bringen könnte, damit ich für ihn die Flecken vor dem Pesto-Teller wegwischen hätte können. Oder ob ich die durchwühlten Parmesanteller (Qualität Paniermehl) wieder appetitlich verrühre oder den einen fast leeren Teller schon einmal unauffällig weg räume … naja, diese Kleinigkeiten halt, die mir auffallen, die ich dezent als Lieblosigkeit dem Gast gegenüber wahrnehme. Dinge mit denen man sich nicht wohl fühlt, wenn man schon warten muss.

Die Nudeln (Rigatoni) kommen dann, haben ihren al Dente-Moment auch schon längere Zeit hinter sich gebracht und werden mit einer sehr flüssigen (!), das stellt sich erst später heraus, erstaunlich geschmacklosen Carbonara-Sauce mit Pressschinken vermengt. Das ist so ziemlich das Ekligste, was ich in letzter Zeit zu mir habe nehmen dürfen. Und dabei sehe ich großzügig darüber hinweg, dass das Rezept ursprünglich „Spaghetti Carbonara” heißt, hier keine Spaghetti zu finden sind. Ich erkläre noch meiner Freundin, dass an Carbonara grundsätzlich Sahne gar nichts verloren hat, wobei ich heute, einige Tage später, nicht einmal mehr behaupten würde, dass das überhaupt Sahne gewesen ist, was diese Flüssigkeit flüssig und weiß erscheinen ließ.

Gut, unsere Begeisterung hält sich gemeinschaftlich in Grenzen, wir versuchen es aber noch ein zweites Mal. Vorne am Buffet angekommen, bittet uns der freundliche junge Mann zu warten, die Nudeln … Es wartet eine stilvolle Tomatensauce und alternativ eine Tomatensauce mit (wirklich) komischer brauner Farbe mit Fleisch, die Bolognese. Ich ignoriere höflich die Pesto-Flecken, alte Bekannte mittlerweile, auf dem Tisch und wir warten ausgiebig auf Nudeln. Und warten. Wir warten etwas länger. Die Nudeln kommen (wieder Rigatoni), wir versuchen die Sauce Bolognese (wieder nicht Spaghetti Bolognese) und hören irgendwann tapfer auf uns mit Geschmacklosigkeit zu quälen und erklären das Projekt „Pasta satt” im BEST WESTERN PREMIER Hotel MOA Berlin (!) (eigentlich gehören hinter diesen Namen sehr viele Ausrufezeichen aber ich darf das aus typographisch Bescheid wissenden Gründen nicht tun. Leider.) für uns, wenn auch noch ungesättigt, als beendet. Immerhin scheint ein frischer Teller am Nebentisch zu signalisieren, dass nun doch auch etwas Abwechslung in das Nudelangebot gekommen sei … sie werden breiter und länger. Wir sind zu diesem Zeitpunkt aber bereits vom Mut verlassen.

Ich denke an die Steinpilz-Ravioli aus dem Gorgonzola Club, frisch gemacht für Euro 9,— und man ist danach auch sehr satt. Glücklich satt. Ich wundere mich nicht darüber, dass ich hier nicht einmal Lust habe, dass Essen zu fotografieren. Und wann fotografiere ich Essen denn schon mal nicht?

Aber es gibt ja noch Programm. Bis hierhin gilt übrigens nicht, dem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, aber ab jetzt. Ich tue es trotzdem. Das Atrium ist eingedeckt mit Stühlen und einer Bühne mit einer schlechten Montage als Hintergrund, die „Jens-der-Denker” einmal als grafische Arbeit für sich in Auftrag gegeben hat. Ich habe das Gefühl „Jens-der-Denker” ist mir schon in Talkshows begegnet oder Kopien von „Jens-der-Denker”, was weiß ich. Nach einem kurzen Appetizer-Versuch von Claudio Maniscalo und der oben schon gepriesenen Cara, die versuchen für ihr Programm „La Familiga” zu werben (das ich schon mit dem großartigen Robert Luis Griesbach sehen durfte), auch wenn nach dem Pasta-Erlebnis vermutlich niemand im Raum mehr der Sinn nach Nudeln steht für die nächste Zeit, beginnt, ja was eigentlich? Ich nenne es der Einfachheit halber einmal die Show.

Jens humpelt auf Gehhilfen auf die Bühne, ein Intermezzo mit seinem Orthopäden, und eine junge Dame kündigt den „Meister” für die Location drei Spuren zu theatralisch an.

Simone, Sabine, Susanne, Sandra oder Mandy, wie sie auch immer heißt, hat sich in schwarze enge Kluft mit einem roten Korsett darüber geschnürt geworfen und assistiert dem im Sessel sitzenden Denker mit ausgesuchter Lieblosigkeit, Abgestandenheit, wohltemperierter Arroganz, Pseudosexualtiät und wohltuender Befreitheit eines Lächelns gepaart mit affektierter Überheblichkeit. Sie bietet alles, was man von einer Assistentin nicht sehen möchte und schafft es tatsächlich damit sehr schnell, dass ich doch noch an diesem Abend pappsatt bin. Sie zeigt somit offensichtliche Pasta-Kompetenz.

Jens selber tut das, was er kann: rechnen und zeigt uns das willig bis ausführlich. Zwischendurch reißt er einen verbalen Kalauer nach dem anderen. Witze der Sorte, die man schon beim ersten Mal vor 20 Jahren nicht wirklich goutieren wollte. Seine Witze sind so vorprogrammiert, wie eine Online-Banking-Einlog-Routine. Ansonsten hat er ein fotografisches Gedächtnis und Spaß daran, sich mit Telefonbüchern zu beschäftigen. Telefonbücher sind indes mein Ding eher nicht, ich hatte die letzte Telefon-CD vor zehn Jahren im Postamt abgeholt.

Es ist sicherlich ganz nett, was er kann, aber meine Ambitionen sind nicht die seinen. Ich weiß schon, dass der Mathematik eine gewisse Logik zu Grunde liegt, sich diese Logik zu eigen zu machen, ist schön. Aber auch nur bedingt im Leben hilfreich. Sieht man ja an seinem kaputten Fuß. Andererseits kann er mit seinem Job seinen Orthopäden finanzieren, es muss also ganz gut laufen. Als Jens verkündet, dass er seine Tricks gerne später am Buchstand, wo er sicherlich gerne gekaufte Bücher signieren würde, unter Umständen auch gern verraten würde, hat die Vorführung keinen Reiz mehr für uns und wir beschließen Jens und seinem Dominaversuch Mausi ihrem Abend zu überlassen, gehen ins benachbarte Restaurant, trinken einen finanzierbaren sehr feinen Riesling und schauen den anderen Gästen neidisch auf den Spätzle-Teller …

Manchmal zählt einfach nur die nette, charmante Begleitung!