2012-09-27

11. Blogparade: Kochen, Backen, Erhitzen

Nettes Küchenblogstöckchen vom Küchen Atlas Blog mit Gewinnchance (also selber mitmachen aber bitte ganz schnell bis 30.09.2012!), das ich jetzt einmal dazu benutze, Euch hier im Blog einen ersten kleinen Teil meiner Küche in der neuen Wohnung vorzustellen. Zunächst einmal inspirierende Kollegen, die in keiner Küche fehlen sollten:



Was für einen Herd hast Du?

Die untere Küche, der schwarze Teil, wurde mir freundlicherweise von @moapp und Gattin geschenkt, die vergangenes Jahr nach Berlin zogen und ich somit damals das Vergnügen hatte erstmals eine Ikea-Küche dort mit aufbauen zu helfen. Als beide dieses Jahr in eine neue Wohnung umzogen und kein Ikea-Teil mehr in ihrer Wohnung haben wollten, bekam ich die komplette Küche (also fast alle Unterschränke), den Kühlschrank und den Ceranherd sowie Backofen von ihnen sehr großzügig geschenkt. Wofür ich ihnen immer dankbar sein werde, sonst hätte ich mir nie so eine Traumküche aus bekannten Gründen leisten können zur Zeit. Ich stellte allerdings die Küche auf die 21 cm hohen Beine (wofür ich wiederum Ikea immer dankbar sein werde). Meine Küche ist also für große Menschen perfekt, meine Bandscheiben und ich mögen sie sehr.

Welchen Herd? Welchen Backofen? Einbaugeräte oder separat?

Der Herd ist somit von Ikea, zweiteilig eingebaut und besteht aus dem Ceran-Kochfeld (dessen Bezeichnung ich nicht kenne, weil nicht mehr online zu finden auf der Ikea-Seite) und dem Backofen Framtid OV3. Die Einsteigervarianten im Programm.



Die, die ich die letzten Jahre immer mit Gas kochen durfte, war anfangs sehr skeptisch hinsichtlich der für mich „neuen” elektrischen Technik namens Ceran. Ich kannte vorher im mütterlichen Umfeld nur die alte Variante Elektroherd, natürlich nie mehr meine Wunschvariante. Tatsächlich bin ich vom Ceran angenehm angetan. Die Hitzeregelung ist Gas gar nicht so fern ähnlich und ich kam mit den Temperaturregelungen von Anfang an gut klar. Aber immer habe ich Panik, mir fällt mal etwas aus dem Schrank ungünstig auf das Glas. Den Ofen finde ich hinsichtlich seiner Funktion prima. Ich habe eine völlig neue Beziehung zum Backen entwickelt, das machte mit meinem alten Gasofen schlichtweg keinen Spaß mehr. Hiermit bekomme ich endlich einen Hefekuchen hin, wie er sein soll.



Kritisieren würde ich an dem Backofen zwei Dinge – und die ärgern auch sehr. Die doppelseitige Glastür ist natürlich aufgrund von Ventilations- und Hitzeschutzgründen oben und unten offen. Somit läuft generell schnell Kondenswasser und wenn oben auf dem Herd etwas schief geht auch alles andere zwischen diesen Glasscheiben hinunter oder fallen Backkrümel hinein. Die Tür ist ratzfatz dreckig. Die Tür ist aber nicht ratzfatz innen zu reinigen. Im Gegenteil. Es lässt sich nur die Tür aushängen, die Fläche zwischen den Glastüren zu reinigen funktioniert nur mit wilden Eigenkompositionen. Das ist die Pest und man bekommt auch das nicht ohne Wasserflecken hin. Überhaupt ist der Aufwand massiv von Angst geprägt, man macht dabei dann die Tür oder Glasscheiben komplett kaputt. Das ist ein einziges „No Go!”. Was so dermaßen unkompliziert verunreinigt werden kann, muss deutlich unkomplizierter – ich würde ja hier lieber schreiben wollen: überhaupt – gereinigt werden können.

Neulich kochte ich dann erstmals Gulasch im Ofen. Am nächsten Tag hatte ich eine Kondenswasserpfütze unterhalb des Ofens auf dem Boden. Hallo?! Der Ofen ist eingebaut, als nimmt das Wasser auch Weg über das Holz. What the fuck?

Welche Spezialfunktionenn sind Dir bei den Geräten wichtig?

Als Spezialfunktionen wären mir persönlich bei einem anderen Modell wichtig: sehr gerne hätte ich wirklich Heiß- bzw. Umluft, eine Turbo-Grillfunktion bzw. was sich immer bei den Öfen im Besonderen unter Brotback-/Pizzafunktion verbirgt. Natürlich und überhaupt: Selbstreinigung und eine Auftaufunktion (ich bin Mikrowellenhasser) und eine ökologisch sinnvolle Warmhaltefunktion wären wünschenswert. Ach ja und eine Zeitprogrammierung bzw. automatische Zeitregelung.

Was ist Dir sonst noch wichtig bei diesem Thema, vielleicht Dein Lieblingstopfset, Pfannen und Bräter …?

Da fällt mir nur eines ein: ich bin von allem neumodischen Kram mit superduper Beschichtungen und Halligalli-Griffen in den Jahren zurück zum guten alten Kochmaterial: Gußeisen bzw. Eisen, vor allem beim Braten, Emaile für Auflauf- und Backformen und natürlich gibt es noch ein paar Edelstahltöpfe. Ich liebe meine gußeiserne Pfanne von LeCreuset sehr, dto. deren Bräter – auch aber nicht nur wegen ihrer Farbgebung. Und die deBuyer-Pfannen. Das sind unvergleichliche Bratergebnisse. Silikon nutze ich in der Küche nur als Topflappen, das Material käme mir nie an Essen oder an den Kuchen. Da bin ich Traditionistin.

(via Melody)

2012-09-26

Darauf …

komme ich den ganzen Tag schon nicht klar (obwohl ich diesen Artikel schon vor einigen Tagen las.)

In Griechenland sterben Menschen, heute, an Krebs. Ohne Morphiumversorgung. Weil in deren zusammenbrechenden System einerseits stringent Leistungen gekürzt werden ohne Sinn und Verstand. Andererseits, weil aus Brüssel Gelder nicht fließen.

Und halten wir das doch zum allgemeinen Verständnis fest. Die Ursache für die Krisen in denen sich viele europäische Länder befinden, liegen sicherlich in einer falschen Politik und in schlecht gemachten Rechenaufgaben. Hauptursächlich sind aber daran die Banken schuld. Was hier passiert, ist der verlängerte Arm der Finanzkrise.

Wie könnte ich mein Kind unter Qualen sterben sehen ohne den nächstbesten Bänker kalt zu machen, frage ich mich da ernsthaft? Wie können wir zulassen, dass in einem zivilisierten Nachbarland Europas die Menschen so ohne Hilfe zugrunde gehen müssen? Ich habe gerade so einen Hass darauf. Ich kann damit umgehen, dass wir uns verschulden, ich kann damit umgehen, dass wir sparen müssen. Aber dass Menschen in diesem Europa ohne medizinische Versorgung und Schmerzmittel leiden müssen? Wieso dulden wir das?

Und noch ernsthafter frage ich mich, wieso erklären wir Banken nicht viel intensiver und offensiver, vor allem deutlich destruktiver und lauter unsererseits zum Feind? Warum lassen wir uns von einer dussligen amerikanischen Politik glaubhaft machen, der Islam oder der Terror sei unserer einziger bevorzugter Feind obwohl der Hauptfeind aus deren eigenen Land kommt?

Im Moment mag ich diese Welt nicht mehr. Mein Vertrauen in sie geht verloren.

2012-09-25

Sozialisierung

Ich wohne nunmehr in einem brisant politischen Umfeld keine zwei Minuten vom Mauerweg entfernt, genaugenommen nicht weit vom ehemaligen Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße. Drei Häuser und eine Querstraße weiter begann seinerzeit der Westen, überall wo ich in meinem Kiez laufe überlege ich immer, war hier eigentlich Osten oder Westen? Die alte Realität verschwimmt mit den Jahren …

Die Wohnanlage in der ich lebe, die Wohnbautengenossenschaft ist also recht ostzonal, aus geographisch nahe liegenden Gründen. Der Menschenstamm, der hier wohnt, ist in der Hauptsache hochbetagt. Tatsächlich hat das Wohnumfeld Ähnlichkeit mit einer Seniorenwohnanlage auf Mallorca nur mit weniger Sonne. Das ändert sich auch eher langsam und so merkwürdig es klingen mag, ich mit meinen knapp 47 Lebensjahren senke hier den Altersdurchschnitt weiträumig. Persönlich macht mir das Mut, denn offensichtlich ist das Leben hier ein Gesundes, wenn so viele Menschen hier mit einem hohen Alter gesegnet aber sehr aktiv durch das Leben schreiten.

So trifft es sich, wenn mag es wundern, dass ich morgens an meinem Schreibtisch sitze, der zur Zeit noch in Richtung Balkon ausgelegt ist und bei offener Balkontür den Dialogen meiner Nachbarn lauschen darf, die auf dem Weg vom Kaiser's in Richtung Wohnung oder von der Wohnung in Richtung schlimmer Discounter ihre morgendlichen Rituale begehen. Fast immer treffen sich die weiß- oder graubehaarten Menschen direkt unter meinem Balkon, man grüßt sich höflich und immer siezend, kommentiert das eigene Leben, den Tagesablauf und das allgemeine Geschehen im Wohnumfeld, was ich immer recht apart finde, denn ich bin soweit ganz gut informiert. In der kurzen Zeit, die ich hier wohne, gab es wenig Skandale. Keine vier Hochzeiten. Auch keinen Todesfall.

Ein Satz fällt übrigens in den Dialogen immer, danach kann man die Uhr stellen. „Ich komme gerade vom Arzt!” Dann folgt üblicherweise eine ausführliche Beschreibung des gesundheitlichen Status und eine Aussichtsbeschreibung auf künftige Untersuchungen. Von dieser Dialogtradition wird niemals abgewichen und ich korrigiere daher meine obige Angabe, die Wege, die sich da kreuzen seien ursächlich käuflicher Willkür. Ich komme nicht umhin bekannt zugeben, dass ich somit meine Nachbarn zunehmend als „das ist die Frau mit dem CTG” oder „die Hypertonistin” benenne.

Nun, da auch ich mir gelegentlich den Haaransatz schon färbe, jetzt noch eher gegen das Straßenköterblond ein bisschen aber auch schon gegen das Grau, dachte ich bei mir, ich könnte mich zwecks allgemeiner Sozialisierung in meiner Nachbarschaft auch einmal zum Arzt begeben. Da meine Allgemeinmedizinerin mittlerweile in Rente ist (ich war ja lange, lange nicht mehr beim Arzt), meine Gynäkologin zwischenzeitlich auch nur noch psychologisch betreut und der frauenärztlichen Grundausbildung gänzlich abgeschworen hat, lag es nahe, sich der ärztlichen Kompetenz in meinem neuen Wohnumfeld anzuvertrauen.

So suchte ich als allererstes den Tierarzt im Kiez auf. Das gehört sich so bei Katzenbesitzern oder wie Gary Larson zu empfehlen pflegt: „Erst die Hose, dann die Schuhe.” Der Tierarzt ist übrigens eine ziemliche Sahneschnitte und ich würde von dem gerne meine Fachliteratur vorgelesen bekommen, ich bin ein Fan seiner Stimme. Er hat übrigens Katzen. Hatte ich erwähnt, dass ich ein Fan …?

Die Gynäkologin befindet sich einmal über die Straße um die Ecke. Dorthin ging ich neulich scheu und erkundigte mich, ob man überhaupt neue Patientinnen noch annähme? Es ist in Berlin nämlich keine Seltenheit, dass Gynäkologen neuen Patienten die Behandlung wegen Überlast verweigern müssen. (Weswegen ich über gesundheitspolitisch verordnete Mammographie-Screenings nur lachen kann.) Und siehe da, die sehr freundliche Dame am Empfang, freute sich mir einen Termin geben zu können in einigen Wochen, da Frau Doktor die nächste Zeit in Urlaub sei. Vier Wochen Wartezeit sind aber hier in der Stadt noch lächerlich kurz und sie sagt, ich möge bitte zum Termin, mich, meine Karte und gute Laune mitbringen. Gute Laune an einem Wochentag im Oktober um 9.30 Uhr. Das Leben im Osten birgt viele Herausforderungen.

Die Allgemeinmedizinerin, auch einmal über die Straße aber dann um die andere Ecke gelegen, suchte ich dann heute heim. In der vergleichsweise kurzen Zeit, die ich dort im Wartezimmer wartete, fragten viele wagemutige Seniorinnen nach dem herbstzeitlichen Impfstoff, der aber erst im Oktober kommen sollte. Und mir ist bewusst geworden, das muss ein Bombengeschäft sein, diese Impfungen gegen Grippeviren nach denen alle, die ich kenne, die sich regelmäßig impfen lassen, immer schön fette Erkältungen bekommen mit Fieber und Bettruhe … Nun, also Impfungen, die ja eh nie vor denen in der aktuellen Jahreszeit grasierenden Grippeviren schützen können. Egal, Bombengeschäft halt.

Ich bin übrigens 181 cm groß und wiege knapp unter 70 Kilo. Sagt Messstelle und Waage in einem. Das ist insofern sehr interessant, weil ich immer dachte und mein Ausweis behauptet, ich sei lediglich 180 cm groß und daher scheine ich ganz gegentrendlich im Alter nicht zu schrumpfen sondern zu wachsen. Außerdem habe ich das letzte Mal 2004 auf der Waage gestanden (damals nur, um die Gewichtsabnahme meiner alten Katze zu kontrollieren) und habe knapp zwei Kilo mehr auf den Rippen als damals gewogen. Ich hätte gedacht, es seien mehr. Alles in allem aber eine passable Leistung.

Mit der Ärztin unterhielt ich mich dann übrigens hauptsächlich über ihre Zinnfigurensammlung und wie man dieser zu Ostzeiten frönen konnte, denn meinem Erleben nach, war das eher ein ostzonaler Trend (gefühlt kenne ich mehr Läden mit Zinnsoldaten im Ost- als im Westteil), dem sie aber vehement widersprach und mir von den Schwierigkeiten berichtete, zu Mauerzeit an derartige Figuren zu kommen. Sie war die erste Ärztin, die mir den Blutdruck auf beiden Seiten gemessen hatte, was mich sehr beeindruckt hat (tatsächlich eine diagnostisch sinnvolle Sache ist ab einem bestimmten Alter). Morgen darf ich Mittelstrahl urinieren und Blut spenden.

Um acht Uhr werde ich morgen unter meinem Balkon stehen und sagen: „Ich komme gerade vom Arzt!” und wehe keiner will es hören …

2012-09-24

Der Serviettenknödel



Das Wetter sprach Samstag, es ist Herbst und er möchte zelebriert werden. Die Seele in enger vertrauter Umarmung mit dem Magen diktierten daher gemeinsam, es würde nun Zeit sein für ein deftiges Gulasch, einen perfekten Rotkohl und Klöße gehören auch unbedingt dazu. Klöße sind meine heilige heimliche Liebe, erwähnte ich das bereits?

Also besorgte ich am Samstag die notwendigen, noch fehlenden Zutaten und hatte ein hübsches Stelldichein in meiner immer noch neu sich anfühlenden Küche und kochte für den Sonntag vor. Erst ein Gulasch, schön deftig scharf mit Mohrrüben, Paprika, getrockneten Steinpilzen und einer Sauce aus Rotwein und Schwarzbier. Der Bräter wanderte in den Ofen und schmörgelte (man tut es neuerdings mit Licht) geduldig vor sich hin. Der Rotkohl war auch flink mit viel Liebe und Kirschen zubereitet und verströmte seine heilenden Düfte.

Und Sonntag standen dann Serviettenknödel auf dem Plan. Natürlich halte ich hier diverse Bücher vor, die mich mit ihren Knödelrezepten überzeugen (was nicht schwer ist, an sich), dachte aber, ich könnte auch diese Medium Internet nochmals hinterfragen. Denn die favorisierten Foodblogger/innen wissen ja auch immer besser Bescheid und wer weiß, welche feine Idee sich noch unverhofft auftun ließe für das beste Knödelrezept.

Deren Masse schlussendlich aus Brezeln, Milch, Eier, gedünsteten Zwiebeln, frischer Petersilie und zur Würze Salz, Pfeffer, Muskatnuss, etwas Thymian und Rosmarin geriet. Der eigentliche Skandal war aber, dass in jedem Online-Rezept die Klöße wenig stilecht in Folie gewickelt werden, und zwar doppelt: Klarsichtfolie, dann Alufolie. Man rät aus sehr merkwürdigen Gründen zur neumodischen Doppelung. Die Klarsichtfolie könnte ja gebenenfalls schmelzen bei zu großer Hitze. Und überhaupt könnte Wasser an den Kloßteig gelangen. (sic!)

Im Hause creezy wird ein Serviettenknödel noch ordentlich im Leinentuch gewickelt und mit Bratband verschlossen. Dazu nimmt das neumodische Küchengeschöpf ein Tuch vom schwedischen Albtraumkaufhaus, gereinigt und selbstverständlich von der Waschmaschine ordentlich ausgekocht und gut gespült, so dass kein schäumendes Kochwasser auszumachen war im Topf. Und schlussendlich hatte ich eine wundervolle Rolle Serviettenknödel vor mir. Merkwürdigerweise haben meine Knödel gar keine Angst vor Wasserkontakt.

Und ich will nie wieder etwas vom Knödel aus der Klarsichtfolie hören! Wann eigentlich – und warum – muss das gute Küchentuch sterben? Das, dass uns Fonds seien, Strudel ziehen ließ und den Knödeln die perfekte Form gab?

2012-09-22

Träume

Ich bilde mir ein, ich träume selten. Zumindest gehöre ich zu den Leuten, die, wenn sie träumen, am nächsten Tag kaum mehr eine Erinnerung daran haben. Deswegen hätte ich bis vor kurzem beinahe behauptet gar nicht zu träumen aber das wird wohl eher nicht stimmen, wenn ich mir die Traumwirtschaft so anschaue und anlese.

Tatsächlich, das ist mir erst dieser Tage bewusst geworden, gibt es einen Traum, der mich seit einigen Jahren sehr intensiv begleitet. Ziemlich genau seit 2006. In diesem Traum leben ich wieder das Leben voller Schmerz und Verzweiflung, weil meine Mum gerade gestorben ist und bin in ihrer Wohnung und bereite ihre Beerdigung vor und bin so tief in dieser schrecklichen Endgültigkeit gefangen – und da steht sie plötzlich in der Tür und ist gar nicht tot. Alles war nur ein Versehen, ein Fehler in der Übermittlung. Sie ist verwundert, wie ich eine solche Nachricht glauben konnte ohne bei ihr nachzufragen. Und sie ist natürlich erschrocken, dass ich hier in Berlin ihr Leben auflöse. In diesem Traum lebt sie eigentlich noch auf Mallorca, weswegen es überhaupt zu diesem Missverständnis kommt.

Von mir fällt in diesem Moment alles Traurige ab – und alles scheint wieder gut. Ich kann sie sogar riechen. Es geht mir im Traum ganz wundervoll, weil die Welt wieder in Ordnung ist und ich erhalte die Chance (gefühlt) Fehler rückgängig zu machen, ihr wichtige Dinge zu sagen, Dinge nicht zu tun, die sie verletzt haben mögen. Aber sie nimmt mich nicht in den Arm, was ich mir so sehr wünsche, weil sie eben so verstimmt ist. Jetzt, da mir dieser Traum überhaupt im Bewusstsein zugängig wird, was er jahrelang gar nicht war, erinnere ich mich daran, wie ich ihn das erste Mal geträumt habe, dann wach wurde und das Entsetzen über die Realität eiskalt über mich zusammenbrach und fast noch einmal mehr weh tat, als ich im Nachspiel meinen Schmerz von dem akuten Damals in Erinnerung habe. Ich glaube, damals habe ich diesen Traum auch weggepackt. Wenn mich jemand nach dem Traum gefragt hätte, ich hätte mich tagsüber nicht daran erinnert.

Ich weiß aber genau, ich habe ihn öfter noch geträumt. Ein wenig ist dieser Moment in dem sich alles zum Positiven wendet und in ein weiteres Leben meiner Mutter auslöst, wie eine Sucht, denn in dem Moment scheint die Welt so dermaßen in Ordnung zu sein. Aber ich habe diesen Traum nie aus dem Unterbewusstsein gelassen, weil er in der Realität mir zuviel Schmerzen bereitet. Und so hat er sich tatsächlich erst in den letzten Wochen nach und nach in mein reales Tagesgeschehen gekämpft und ich kann mich offiziell erinnern. Wer weiß, was dieser Traum die letzten Jahre als Dämpfmaterial gute Dienste geleistet hat.

Seit einigen Wochen träume ich wiederholt einen anderen Traum. Wieder lebt meine Mutter darin und scheint gesund und munter aber sie möchte sterben. Sie möchte sich selbst das Leben nehmen und sie hat sehr viele gute Gründe, dass ich sie schlussendlich gehen lassen muss. Da ist der Zwiespalt zwischen der egoistischen Tochter, die natürlich ihre Mum ja nicht verlieren möchte einerseits und dem der erfahrenen, wissenden Enkeltochter einer Großmutter, die sich umbrachte, und die für den Wunsch alles logische Verständnis hat andererseits. In dem Traum geht meine Mum dann, und ich bleibe zurück und bin verzweifelt darüber, ob ich auch wirklich alles getan habe, um meiner Mum das Leben wieder lebenswert erscheinen zu lassen. Und dann schlägt dieser unglaublich klare alles Fröhliche tötende Verlust im Traum durch, dass ich kaum noch atmen kann.

Ich glaube dieser Traum lässt den anderen gerade nur in die Realität hüpfen, weil er ihn ablöst.

Ehrlich? Ich hätte gerne anderen, schönere Träume. Diese hier machen zu viel mit meinem Nerven- und Gefühlskostüm. Sie ermüden mich sehr.

Leseempfehlungen

Hatte ich mir neulich noch fest vorgenommen mindestens zwei Blogs pro Woche hier zu empfehlen, wird mir diesen Moment klar, dass ich es nicht in der Gänze hinbekommen habe, diesem Vorsatz zu folgen. Warum? Die Wochen sind zu schnell rum dieser Tage. Und überhaupt …

Frau engl@absurdum schreibt eine persönliche und schöne Selbstansicht zu dem Online-Projekt #609060, das in der Hauptsache an mir vorbei gegangen ist, davon abgesehen, dass ich natürlich auf Twitter plötzlich täglich meine hauptsächlich weibliche Timeline mit und ohne Kopf angezogen bewundern darf. Den Teilnehmerinnen scheint es viel Freude zu bringen, die schriftliche Auseinandersetzung hierzu. Nun ja, Frauenprojekt müssen wohl auch immer intellektuell besprochen werden, wir sind halt so …

Herr Buddenbohm hat sich die schönsten Gedanken gemacht, wie er eine stilsichere moderne Situation mit einem Sohn in das Reich gelesener Klassiker hinüber retten kann und daraus wundervolle Buchempfehlungen gemacht. Einfach schön!

2012-09-21

Hatte ich erwähnt, …

… dass ich nunmehr unweit (zwei Minuten Fußweg) hier wohne? Rechts auf der schwimmenden Insel sieht man den weltberühmten Kreuzberger Reiher im Bild. Es ist ein ganz großartiger Platz, um abends in Ruhe bei einem Glas Saft/Tee/Wein/Bier noch einmal den Tag zu verdauen.

2012-09-19

Job wanted!

Die aktuelle berufliche Aufgabe ist zeitlich befristet und daher suche ich zum 1.11. d. J. eine neue, schöne, glücklich machende – weil mich vor allem fordernde – berufliche Spielwiese im Bereich Neue Medien, Training, Text, SEO/SEM, Produkt- oder Projektmanagement.

Ich lerne durchaus gerne neue Geschäftsfelder kennen und arbeite mich schnell in sie ein. Am liebsten möchte ich mit großartigen Kollegen im Team die Dinge zum Positiven entwickeln. Ich agiere engagiert in einer eigenverantwortlichen, strukturierten und effizienten Arbeitsweise. Glücklich macht mich eine Aufgabe vor allem dann, wenn ich mich nicht mit ihr langweile. Viel lieber baue ich auf, als dass ich einreiße.

Ich bin konzeptstark und immer für eine offene und motivierende Interaktion in Wort und Schrift. Daneben bin ich durch und durch eine echte Dienstleisterin: ich kommuniziere standfest mit Durchsetzungsvermögen, zusammen mit Höflichkeit und serviceorientiertem Denken und Handeln.

Aus meiner bisherigen beruflichen Vergangenheit gibt es insbesondere Berührungspunkte zu den Bereichen Internet (ISP, Online Marketing und Social Media Management), Training, Fotografie, Apple und im Gesundheitswesen. Für eine Erweiterung meiner Kenntnisse bin ich immer offen und auf neue berufliche Erfahrungen gespannt, die natürlich gerne kombinierbar sind mit meinen ganz privaten Interessen wie Food, Kochen, Fotografie, Autos u.v.m. Ich mag Entwicklung, meine hohe autodidaktische Kompetenz beweist mein bisheriger Lebenslauf.

Wenn Ihr von Ihr von schönen Arbeitsaufgaben hört oder lest, die Euch an mich denken lassen, dann freue ich mich über Eure Hinweise sehr. Natürlich liegt mein geographisches Herz schon aus Gründen an Berlin – alles andere kann man eben schauen. Eure wundervollen Mails bitte an: creezy at gmx.de

Vielen Dank für Eure Unterstützung!

Transportwesen …

Wenn ich einen weißen Transporter besitzen oder fahren würde, der in Deutschland zugelassen ist, interessanterweise aber mit Rechtslenkung aufwartet, dann …



dann würde ich mir linksseitig auch einen fast mannhohen Ernie auf den Beifahrersitz montieren.

(Aus der Reihe: alles richtig gemacht!)

2012-09-17

Rosenkohl



Vierkommafünf Pflanzen habe ich davon diese Jahr auf dem Balkon gepflanzt. Ich sah Rosenkohl erstmals vor einigen Jahren auf dem GEN-Testgelände vom MPI in Potsdam und habe mich in die Pflanze verliebt. Naja, Stadtkind eben.

Bis auf eine Pflanze, die nicht allzu sonnig steht, tragen jetzt alle Fruchtansatz. Sind noch recht klein aber sie können ja noch lange lange bis in den späten Herbst hinein wachsen. Ich bin für meinen Teil entzückt, die Pflanze selbst hat mich den Sommer über begeistert. Sie wächst so schön stolz und grünsilbrig. Und Rosenkohl esse ich nun einmal für mein Leben gerne.

Also ab sofort mehr Kohl auf dem Balkon! Und morgen werde ich die Pfefferminze ernten und trocknen …

2012-09-16

Licht

Im Lieblingsklamottenladen (Bauhaus) lief mir gestern endlich eine Lampe für das Esszimmer zu, dass bisher am Abend noch komplett im Dunkeln liegt. Mit Lichtgestaltung tue ich mich immer unheimlich schwer. Bisher hat nur das Schlafzimmer eine passable Lichtgestaltung. Passabel bedeutet hier sehr wahrscheinlich für Innendesigner völlig indiskutabel, zumal sie zu 50% wieder einmal aus Ware vom schwedischen Albtraumkaufhaus (schöner Vertipper eben: Albtraumkrankenhaus) besteht. Hiervon wollte ich in den anderen Räumen einmal Abstand nehmen wollen.

Das hat in der Küche schon einmal nicht geklappt, weil dort die Deckenleuchte vom Vormieter vom schwedischen Albtraumkaufhaus hing und noch hängt. Hier sind jedoch die nekischen Steckdosenleuchten aus dem Prozenteshop von uns' aller Kaffeedealer nachgewachsen. Deutlich günstiger und netter anzusehen als diese LED Dinger vom schwed… – okay, ich wiederhole mich jetzt hier mal nicht.

Gut, lag also gestern im Restregal Lampenwerk von 79,— Euronen auf 20,— reduziert. So ein typischer Arm mit vier kleinen Halogenstrahlern in erträglich aussehend. Mit – und jetzt kommt's – einer Fernbedienung. Die Arme sind getrennt verstellbar. Das heißt, ich kann künftig lichtgestalterisch je nach Weineinfluss Antipasti und Dessert einzeln unterschiedlich ausleuchten.

Und zur Hölle: ich werde das tun!

2012-09-15

Schön.

Heute Mittag war ich auf dem Markt in Charlottenburg. Dem Markt meiner Kindheit, wo es immer die kleingeschnittene Wiener am Wurststand gab, dem, der für uns Kinder diese supercolen Ministühle und -tische damals schon hatte.

Ich war da vergleichsweise spät und schritt daher direkt zum Lieblingstürkischepasten und -olivenstand, wo es die besten getrockneten Sauerkirschen gibt. Die getrockneten Sauerkirschen sind dort sehr sehr großartig, die Reise nach Charlottenburg immer wert. Beim „ich mache meine Wurst noch selber, dafür habe ich weniger Auswahl”-Fleischer gab es die beste Leberwurst. Und dann ging ich weiter zum befreundeten Obststand, der zu einem späteren Zeitpunkt immer unglaubliche Angebote hat und immer Petersilie zu Pilzen jeder Art auf's Haus dazu legt: heute gab es zum Schluss den Korb Steinpilze für fünf Euro zum Beispiel.

Auf Höhe des Blumenstandes kurz vor dem Fleischer rannte ein kleiner Hund an mir vorbei und ich dachte so bei mir, der wirkt nicht glücklich. Ob der wirklich weiß, wo er hinwill?

Ich ging dann den einen Gang nach oben, dort ist einer meiner favorisierten Currywurststände, auch mit kleinen Kindermöbeln, aber er steht auf der falschen Seite von dem Stand früher, der heute doof auf Öko macht (also Öko ist an sich toll aber nicht bei Berliner Currywürsten) und ich bestellte mir eine Wurst. In dem Moment in dem ich Wurst und Tüten am Stehtisch abstelle, sehe ich den kleinen Hund mitten auf der Straße, herzzerreissend verwirrt nicht wissend, ob er sich nun vom Auto rechts oder links oder dem geradeaus überfahren lassen soll. Zum Glück sind die Straßen dort klein, noch aus gutem alten Kopfsteinpflaster bestehend und man muss sich an rechts vor links halten, insofern waren die Fahrer alle sparsam in der Geschwindigkeit unterwegs. Ich ließ also Curry Wurst sein und erklärte dem Hund mit einem beherzten Griff an sein Halsband zu unser aller seelischen Ausgleich mit mir mitzukommen.

Das tat er auch. Es war ein sehr hübscher, kleiner, klug guckender mit halblangem Fell. Vertraute mir, wenn auch sehr ängstlich und im Grunde innen drinnen schon ganz aufgelöst aber sehr hundetapfer Haltung bewahrend. Im gleichen Moment stürzten irrsinnig viele Leute auf mich zu, die den Hund schon die ganze Zeit auf dem Markt beobachten haben wollten und ihn natürlich jetzt auch aufgreifen wollten etc. Und alle wollten ihn ja gerne nehmen, hätten aber Papageien. (Offensichtlich hat man als Charlottenburger Marktgänger halt eher Papageien als Hunde oder Katzen.) Nun denn, ich löste derweil meinen Rock von meinem Gürtel und wir bastelten uns eine schicke Leine. Ich entschied an der Ecke zu warten, sei erst einmal das Beste. Denn dort könnte uns ja jemand, der den Hund sucht, gut finden – weil gut sehen. Dann aß ich meine Wurst und der Hund blieb mit gelegentlichen Anwandlungen wieder weitersuchen zu wollen, ansonsten brav sitzen.

Jemand holte den Marktleiter. In der Hoffnung, wenn ihn jemand vermisst gemeldet hätte, wüsste er schon Bescheid. Der telefonierte ein wenig herum, aber die Marktsirenen hatte offensichtlich nichts zu vermelden – außer einem hundischen Einbruch beim einzigen Futterstand auf dem Markt. Es ließ sich aber nicht zurück verfolgen, ob es der gleiche Hund war. Ich hätte mich auch geweigert für so einen hübschen und braven Hund eine Einbruchsanzeige entgegen zu nehmen – zu diesem Zeitpunkt hatte er mich schon soweit, dass ich für ihn durch das Feuer gegangen bin. Er war ganz klar erkennbar ein guter Hund.

Wir riefen also die Polizei, denn der Hübsche trug eine schicke Steuermarke. Die kam auch alsbald und nahm ihn ganz entzückend lieb in Empfang und setzen ihn sehr vorsichtig ins Auto. Dann erzählten sie mir, was sie mit ihm machen würden – nämlich zum Tierarzt gehen und versuchen dort den Halter zu ermitteln, dann käme er in die Aufbewahrung. Sie bekamen noch meine persönlichen Daten und Telefonnummer, für den Fall, dass sich der Halter bei mir melden würde wollen. Und dann fuhren sie von dannen. Mein Rock hatte den Gürtel auch wieder.

Als ich später nach Hause kam, wo mein Handy brav auf mich wartete, hatte ich schon einen Anruf von der Besitzerin, der Stimme nach schon älter, in der Mailbox, die sich herzlich bei mir bedankte, dass sie ihren Hund zum Glück wieder hatte.

Was mich irrsinnig froh machte. Die beiden haben sich wieder. Sehr wichtig! Gute Enden sind sowieso ungemein wichtig bei solchen Abenteuern! Nur der Currywurststand hat ab sofort eine Kundin verloren, wer so einer verlorenen Seele nicht einmal eine kalte Wiener anbietet, taugt nix. Ich hab' da ja stellvertretend für alle Hunderassen auch meinen Stolz!

2012-09-14

Habt Mut, Frauen!

Und liebe Mütter: gebt Euren Kindern, vor allem aber Töchtern, Mut mit auf den Weg!

Heute nachmittag bin ich wieder U-Bahn gefahren. Ich steige Schönleinstraße ein, zwei lächerliche Stationen, die ich sonst immer laufe – aber die Füße taten weh und ich war müde.

Im Wagon steht ein Typ merkwürdig im Gang in eine Sitzreihe übergebeugt und versperrt halb den Weg zum Sitz, den ich einnehmen möchte und ich denke noch bei mir, mich an seinem Rucksack grob vorbei schiebend, „wat stehst Du hier so bräsig rum?” Als ich sitze fällt mir auf, der spricht mit jemandem auf der anderen Seite und es klingt alles nach Abrechnung. „Wenn ich mit Dir fertig bin, ich werde Dir alles zurück zahlen, was Du mir angetan hast …”, ganz merkwürdig monoton. Die junge Mutter mir gegenüber fängt schon an ihre Tochter von der anderen Seite einzusammeln, die dieser Person gegenüber sitzt, die der Typ zulabbert. Ich denke bei mir, aha, Beziehungskrise galore!

Irgendwann ändert sich sein Vokabular und er fängt an ihr zu drohen, was er alles mit ihr anstellen will, wenn sie aus der Bahn raus sind und sie alleine sind. Aber immer noch ganz ruhig und unaufgeregt, monton.

Nun muss ich sagen, ich bin ja das Kind eines unter Alkohol prügelnden Vaters – der aber mich nie angerührt hatte. Immer nur meinen Bruder und meine Mutter. Insofern stand ich mit vier Jahren vor meinem Vater, mehrmals, nachts, wenn er wieder besoffen auf Prügeltour (und bei meiner Mum Schlimmeres) war und habe die beiden beschützt. Da war meine Kindheit dann auch vorbei – aber er hat mich eben nie angerührt, ich hatte dieses Gottvertrauen. (Heute erzähle ich das immer recht lapidar und fast lustig, aber das war es natürlich nie. Gar nicht.) Das hat aber heute immer noch zur Folge, dass ich a) sehr aggressiv werde, wenn ein Typ einer Frau gegenüber übergriffig wird und ihr Schläge androht und b) ich dummerweise auch glaube, mir könnten solche Typen nichts, denn ich bin m. E. nach irgendwie seit jüngster Jugend unverletzbar. Tatsächlich haben diese Situationen häufig in meinem Leben gezeigt, dass die allermeisten Männer in solchen Situationen, sobald sie Gegenwehr bekommen von Außen, ganz schnell ablassen.

Kurz: die Situation in der U-Bahn nahm meiner Meinung nach eine Richtung, die ich ziemlich zum Kotzen fand. Ich beugte mich also über und fragte die Frau, die da saß, sehr gepflegt, ca. 25 Jahre alt, relativ groß sogar, ob sie Hilfe bräuchte. Sie antwortete, „im Moment noch nicht.” Ich fragte sie, ob ich mich zu ihr setzen solle und in dem Moment kamen bei ihr schon die Tränen.

Der Typ ließ übrigens in dem Moment, als ich ihn ignorierend über den Haufen stoßend den Platz einnahm, sofort ab von ihr. Der Mann ihr gegenüber reichte ihr dann ein Taschentuch und war auch sehr hilfsbereit. Interessanterweise stellte sich nämlich kurz darauf heraus, sie kannte den Kerl gar nicht! Der hatte uns alle richtig gut gefoppt mit seiner Psychose. Letztendlich war er nur eine versandete Seele auf Exkurs. Der stand mittlerweile auch wie unbeteiligt in der Ecke an der Tür und traute sich uns keines Blickes zu würdigen. (Ich guckte ihn mir nochmals sehr genau an, falls wir das Zeugenspiel spielen sollten.)

Ich bot der Frau an mit ihr zu fahren und sie dorthin zu begleiten, wo sie hinwollte, damit sie sich überhaupt beruhigen konnte, denn es ging ihr wirklich schlecht. Wir klärten wo sie hin müsste, und es erklärten sich der Mann gegenüber als auch eine weitere Frau bereit mit ihr zu fahren und sie auch ein Stück zu begleiten. Ich bot ihr auch an, dass wir den Zug verlassen könnten und falls er auch nachkäme, sofort die Polizei rufen würden. Aber das wollte sie nicht.

Sie also in guten Händen wissend, bin ich dann ausgestiegen. Die andere Frau nahm dann meinen Platz ein.

Okay, ich nehme das als Zeichen – ich sollte vielleicht wieder einfach weniger U-Bahn fahren, der Deppenalarm ist momentan ausreichend groß. Aber am meisten tut mir weh, dass diese junge Frau nicht den Mut hatte aufzustehen, und dem Mann ganz klar zu signalisieren, dass er sie in Ruhe lassen soll. Am besten ihn siezend, denn dann hätte wir anderen vielleicht nicht solange still gehalten, weil wir früher bemerkt hätten, die streiten sich gar nicht gerade auf sehr ruhige eigene Art.

Es tut mir so leid, was der Mann ihr emotional angetan hat. Wirklich sehr!

Schwule Töppen

Okay, Frau Merkel befindet schwule Profifußballer müssten keine Angst vor dem Outing haben. Ich dachte auch, nach Robert Enke müssten wir in diesem Land einen sozialen Umgang mit Menschen, die an Depressionen erkrankt sind, nicht mehr missen.

Dann gab Rangnick sein Burnout bekannt. Und kam gesund wieder. Der mediale Zweifel an seiner Gesundung und somit Leistungsfähigkeit war zum Kotzen und hat jegliche positive Vermutungen hinsichtlich einer „gesunden” Auseinandersetzung mit psychischen Erkrankungen im Keim erstickt. Das alles unter dem großen Tuch des Profifußballs.

Aber Frau Merkel glaubt an Eitelsonnenschein. Als Hete. Als Nichtprofifußballerin. Ich verstehe ihr Bestreben und ihre Hoffnung. Aber daran glauben? Und dann einzelne Fußballer in ihr Verderben schicken?

2012-09-13

Robert sucht was …

Robert hing neulich im Fenster des weltbesten Stoffladens in Kreuzberg von dem das berühmte ungemein wichtige, immer noch sehr umworbene, heiß geliebte Monsterkissen stammt.



Und weil Robert sehr sympathisch wirkt und der Text ziemlich bonfortinös ist, dachte ich, ich teile ihn mit Euch. Ernstgemeinte Zuschriften (aber wirklich auch nur solche!), bitte an den Laden mit dem wundervollen Namen Off Stoff. Bonne chance*!

(Aus der Reihe: *creezy bekommt das größte Stück vom Hochzeitskuchen!)

Gibt es die auch für Erwachsene?

Ich würde so verdammt cool mit Krümelmonster aussehen!

via e13

2012-09-12

Gestern dann Amtssachen erledigt …

Das geht in Kreuzberg so, dass man im Amt zu den üblichen Öffnungszeiten aufschlägt, eine Wartenummer MIT Termin (so 14:00 Uhr) erhält und die nächsten 2,5 Stunden sich die Zeit sinnvoller vertreiben kann, als auf harten Plastikstühlen im Amt zu sitzen und zu warten.

So weit so gut.

Ich schlich also durch beliebte Gegenden, sehr beeindruckt von meiner persönlichen Smartness diese Aktion nicht im Bürgeramt in Mitte durchzuführen, wo die nähere Infrastruktur a) hässlich und b) doof ist, sondern eben in Kreuzberg, denn dort lassesn zumindest Mehringdamm und Bergmannstraße keine Langeweile aufkommen. Außerdem war Caféhaus-Wetter. So nahm ich irgendwann bei Knofi Platz und gönnte mir einen Milchkaffee und füllte fröhlich des Amtes Papiere aus. Gerne hätte ich des Amtes Papiere bereits zu Hause am Rechner ausgedruckt. Aber das vorliegende PDF wollte nicht einmal blanko ausgedruckt werden bzw. wird es vielleicht treffender ausgedrückt: es wird sehr blanko ausgedruckt.

Als ich dann die Papiere nach bestem Gewissen beschriftet habe, nahm ich die Damen vom Ordnungsamt gewahr. Die, zu zweit unterwegs, sich interessanterweise auf zwei Räder konzentrierten, die an den Metallschutzwällen der Straßenbäume befestigt waren. Nun, die Räder waren im Innenraum, also auf des Baumes knapper Erde befestigt. Dieses Vergehen muss ich mich selbst häufig praktizierend anklagen, aber nur wegen akuter Knappheit. Knappheit an Fahrradparkplätzen in der Stadt. Es gibt derweil nicht wenige Straßen, möchte man diese heimsuchen, sollte man besser zwei S-Bahn-Stationen früher anfangen für seinen Drahtesel einen legalen Abstellplatz zu finden. Die Situation hat sich generell sehr erschwert, auch seit die Deutsche Bahn ihr Rent-a-Bike-Projekt sehr großflächig dort installiert, wo sich der normale Bürger aus logischen Gründen ebenfalls sehr gerne für sich eine zusätzliche Auswahl der meist zu wenig vorhandenen Abstellplätze für Räder wünschen würde. Hilft alles nichts, dann stellt man das Rad schon mal im persönlichen Sozialraum eines Baumes ab, meist, wenn außen an den Metallschutzwänden bereits die lieben Räder anderer Verkehrsgenossen vor sich hin warten. Wo zur Hölle soll man denn sonst hin mit seinem Esel?

Die Damen vom Ordnungsamt schrieben nun. Sie schrieben recht lange. Eine setzte sich zwischenzeitlich ruhig auf die Holzbänke des mexikanischen Restaurants, telefonierte vor sich hin. Dann hängten sie den Fahrrädern jeweils zwei kleine und zwei große Schilder um. Diese Taten dokumentierten sie ausgiebig in ihre elektrische Strafzettelbonautomaten. Abschließend wurde das gehängte Kunstwerk als proof of work fotografisch per Handykamera dokumentiert. Nach immerhin 15 Minuten gemeinschaftlichen Schaffens zu zweit, war die höchstkomplizierte Aufgabe absolviert und man gönnte sich etwas Abwechslung im Tätigkeitsgebiet in dem man ein falsch parkendes Auto von seiner Untat schriftlich wissen ließ. Weitere fünf Minuten waren so vergangen und man zog in trauter Gemeinsamkeit weiter.

Ich blieb abschließend mit meinem Milchkaffee und mich quälenden Fragen zurück, die da lauteten:

Wie viel Zeit hätte wohl nur eine Dame vom Ordnungsamt bei zwei Fahrrädern (die ja im Prinzip statistisch mit werkseigenen Angaben kaum erfasst werden können) und einem falsch parkenden Auto bei Zuhilfenahme gleichwertiger elektronischer Hilfsgeräte benötigt?

Wer dokumentiert und sortiert die Handyfotos zu welchem Zweck im öffentlichen Beschäftigungssektor?

Was kostet die Stadt 20 Minuten relevanter Schreibtätigkeit von öffentlich Bediensteten mit Abarbeitung dreier Verkehrsvergehen minderer Güte bei wissentlicher Tatsache, dass nur eines der Vergehen tatsächlich mit einem Bescheid etwas Geld in die Staatskasse spülen dürfte?

Natürlich wollte ich eigentlich nach dem Kaffeebesuch mir durchlesen, was denn den Radeigentümern so auf Staatskosten mitgeteilt worden ist. Dummerweise hatte ich berechtigte Sorge vor meiner Reaktion. Ich muss ja nicht alles wissen.

2012-09-11

Die junge Frau …

stand gestern an der Straßenkreuzung am Engeldamm und fragt mich, wo den hier diese große Straße sei? Die große türkische Straße mit den vielen Geschäften?

Ich fing dann an zu überlegen und schickte sie erst einmal in Richtung Oranienstraße. Vermutlich aber war das völlig falsch. Vermutlich meinte sie die Adalbertstraße. Oder den Kottbusser Damm. Die Hermannstraße? Die Sonnenallee? Oder vielleicht die Karl-Marx-Straße?

Türkische Straßen mit vielen Geschäften haben wir in Berlin schließlich wie Sand am Meer. Ich kann ihr aber nicht einmal vorwerfen, dass keinen Straßenname nennen zu können, immer eine etwas vage Auskunft beinhalten wird. Bin ja selber professioneller Dau, wenn es darum geht mir Straßennamen zu merken.

2012-09-10

Hamburger

Ich habe selten so viele Burger gegessen, wie in den letzten Monaten. Es gibt einfach unglaublich viele Burgereien derzeit in der Stadt. Zu meinem Leidwesen sind alle Burgerläden in meinem direkten Wohnumfeld fest in muslimischer Hand. Das heißt, es werden großartige Burger serviert aber entweder gibt es keinen mit Bacon im Angebot oder der Schinken kommt dann vom Rind. Was mich neulich geschmacklich wirklich abschreckte, es in diesem Laden oder einem anderen in der näheren Umgebung nochmals zu versuchen.

Doch ja, so ein richtig guter Burger ist schon eine sehr feine Sache. Da kommt (passend zur jüngst zugelaufenen Burgerpresse vom Kaffeeladen) das Rezept für den Jamie Oliver-Burger (mit Parmesan inside!) und von Anikó ausprobiert gerade im richtigen Augenblick!

Blick aus dem Küchenfenster

Die Tradition des Foodbloggens möchte es, dass man gelegentlich den Blick aus dem Küchenfenster festhält für die Außenwelt. Nun bin ich bekanntlich umgezogen und muss an dieser Stelle endlich nachreichen. Zumal ich gestern die Kräutertöpfe nach draußen habe umziehen lassen, es wurde zu unübersichtlich grün auf dem Fensterbrett und überhaupt haben die Katzen ja gar keinen Platz für das überlebenswichtige Krähen- und Mofagucken:

Wenn die Bäume nicht ausgeschlagen haben, dann könnte man aus diesem Winkel übrigens die Spitze vom Fernsehturm sehen. Muss ich wohl noch mal im Winter nachreichen. Wäre albern für ein Foto gleich den ganzen Baum zu fällen.