2010-04-19

creezy …

beim 1. FC St. Pauli. Als Berlinerin in der Gästetribüne der Alten Försterei. Wie sich das gehört. Foto von Herrn Foxxi aus dem VIP-Bereich in den er nur durfte, weil er Samstag den Polier gegeben hat … Könnt Ihr mich sehen?

2010-04-17

Zuerst …



Zuerst habe ich gesungen.
Dann haben sie verloren.

iPad-Ständer

Millionen Jahre haben wir warten müssen, um diese Viecher, die uns die Haare vom Kopf fressen, uns vor die Füße oder ins Bett auf jeden Fall immer auf den Teppich kotzen und tote halbe Tiere nach Haus bringen, endlich einer sinnvollen Aufgabe zuzuführen. Klappte nie, weil Rechner bisher eine Maus hatten. Dann aber kam das iPad.

2010-04-16

Habe gestern …

auf der re:publica Marius Sixtus gefragt, ob ich mal seine Leica M9 anfassen darf. Durfte ich! Aber ich bin ja ein smart ass, habe sie klugerweise nicht angestellt und nicht ausgelöst.

Wie Mum schon sagte: „Finger weg von den Drogen, Kleine!“

We IZ …

2010-04-13

re:publica 2010

Jetzt regnet es wieder die üblichen Pressemeldungen und in den Blogs erfolgen die üblichen re:publica-Abgesänge wie gleichfalls Freudengesänge. Sehr gerne lese ich in der Nachlese die „warum ich nicht da war und wieso ich damit Recht hatte“-Blogposts zur re:publica, unserem viel beschriebenen Blogger-Kuscheltreffen.

Es ist dieses Jahr bereits die vierte re:publica, die stattfindet. Ich war bei der ersten 2007, bei der zweiten 2008, bei der dritten konnte ich 2010 aus terminlichen Gründe leider für nur einen halben Nachmittag hin. Der letzte Nachmittag war aber wieder von einer spürbar positiven Stimmung getragen, dass mir die versäumten Tage traurig auf der Seele lagen. Die re:publica ist gewachsen – groß geworden. Schon im letzten Jahr passte sie nicht mehr in die Kalkscheune, Veranstaltungsräume der Umgebung mussten dazu gemietet werden – am Vormittag füllen die Sessions immerhin den Friedrichstadtpalast.

Die re:publica 2010 unter dem Motto „nowHere“ kostet Eintritt. 90,– Euro, man kann im Vorfeld lange Zeit für einen Early-Bird-Tarif buchen. Darüber wird gerne diskutiert in einer Online-Gesellschaft in der vieles aber eben nicht alles für umsonst zu bekommen ist. In Anbetracht dessen, was newthinking communications und Spreeblick da in den letzten Jahren auf die Beine gestellt haben, wachsen lassen haben, berücksichtigend dessen, was man von der re:publica an Wissen, Austausch vor allem aber an Inspiration für sich mit nimmt, ist das meiner Meinung nach spottbillig (vor allem guckt man sich die Preise solcher Konferenzen in anderen Branchen an.) Die Veranstaltung ist ausverkauft, es gibt nur noch eine begrenzte Menge Tagestickets an den Kassen.

Dabei steht die re:publica mit der Freundlichkeit und Ausgeglichenheit und offensichtlicher eigener Freude der Veranstalter, an dem was sie geschaffen haben und uns geben – stellvertretend genannt auch für die mittlerweile nicht mehr überschaubare Anzahl der Helfer – Markus Beckedahl, Tanja und Johnny Häusler u. v. m. für sich selbst in ihrer besonderen Qualität. So eine Veranstaltung ist ein Risiko, gerade in der heutigen Zeit der finanziellen Knappheit, in der schon ganz andere sehr große mediale Veranstaltung still und heimlich ausgefallen sind. Dass die Organisatoren unter den besonderen Vorzeichen auch in diesem Jahr den Antrieb gehabt haben die re:pblica durchzuführen, ist keine Selbstverständlichkeit.

Morgen öffnet die re:publica 2010 ihr Pforten, das Programm ist voll bestückt mit spannenden Themen in den Panels, die zeigen, dass wir uns mitnichten nur um uns selber drehen in unserem 2.0er-Orbit. Ich werde dieses Mal dort fotografieren, um mit anderen Fotografen den re:publica-flickr-Account mit Leben zu füllen. Das freut mich insofern, weil ich auch mal etwas zurück geben kann für dieses gelungene Event.

Ich freue mich vor allen Dingen, weil ich wieder Blogger treffen werde, die ich aus geographischen Gründen lange Zeit nicht gesehen habe. Oder ich andere Blogger oder Twitterer, die ich online täglich treffe, überhaupt erstmals im realen Leben erleben werde. Das ist die re:publica natürlich auch, die Web 2.0-Nummer zum anfassen.

Also ab morgen wieder das mittlerweile lieb gewonnene Ritual der Einweihung der Berliner Outdoor-Saison, das Wetter soll sich sogar morgen bis zum Abend halten und die Sonne wirdl sich zeigen: typisches Berliner re:publica-Wetter. Und ich wette, ich sehe wieder kein einzigen Apple Rechner.

2010-04-11

Ali

Ali, charmante Katzendame im Süden Frankreichs zu Hause mit eigenem Dachgarten.















2010-04-10

Jetzt hab' ich's!

Und zwar endlich kapiert! In meiner Wohnung sind nämlich Katzeneisenbahnschienen verlegt. Für die Katzen. Natürlich. Unterirdisch, oberirdisch und tiefflugoberirdisch. Und auf dem Schreibtisch, also auf meinem Schreibtisch: da ist nämlich der offizielle städtische Katzenrangierbahnhof.

Sie können also gar nix dafür!

Dass sie sich dort immer zu dritt gleichzeitig treffen. Oder nacheinander. Auf jeden Fall ständig in einer wiederkehrenden Schleife. Mit Ausnahme der Zeiten in denen die oberste Rangierbeauftragte einmal frei hat. Denn dann braucht man den Rangierbahnhof nicht anzulaufen oder anzufliegen als Katze, weil's dann nichts zu rangieren gibt. Eigentlich logisch, oder?

Konfuzius sagt …

… „es wird Frühling!“


(Alle Fotos Pentax K7 und DA* f2.8 16-50mm)

Denn Konfuzius steht in den Gärten der Welt gerade mit den Füßen im Blaustern (und wird von einem hässlichen Bauzaun umrandet, deswegen davon kein Fotomaterial.)



Gestern sind Frau Indica und ich spät am Nachmittag kurzerhand weit raus in die Erholungsgärten nach Marzahn gefahren, gucken was die japanische Kirschblüte spricht.



Diese erzählt zwar bereits vom Wollen aber auch noch von vornehmer Zurückhaltung. Auch die Magnolien stehen in den ersten Startlöchern, schätzungsweise noch sieben Tage mit etwas Sonne hier und da und es macht „Bäng“ in der Berliner Botanik.



Es ist ein besonderes Jahr in der Vegetation. Der überlange Winter hat die üblichen Winter- oder Frühblüher wie den zweiblättrigen Blaustern, Taubennessel, gelbe Windröschen erst spät zum Leben erweckt (hier in Berlin kann man jetzt an den kalten Stellen noch immer Schneeglöckchen blühen sehen),



während die in den ersten Frühlingswochen blühenden Pflanzen wie Osterglocken in den späteren Startlöchern stehen: man hat also Winter- und Frühlingsblüte dieses Jahr in einem. Das ist selten und somit eine rare Gelegenheit, die Welt in einer neuen überaus reichen Schönheit zu sehen!

Ein paar voreilige in voller Pracht erblühte Pflanzen gab es gestern schon in Marzahn. Dort ist die Forsythie deutlich weiter als hier in Tempelhof.



Und natürlich locken in einem angelegten Garten hier und dort ein paar gesetzte Frühlingsfarben. Überall grüßen kleine Osterglocken und gelbe Narzissen, erste Tulpensorten. Die Bäume tauchen ins frühlingshafte frische Grün, es ist schlicht eine der schönsten Jahreszeiten – wie jede andere auch im Jahr – und dieses Jahr ist sie besonders schön und reichhaltig.



Die legendäre Kirschblüte kündigt sich in Marzahn an, offiziell wird geladen am kommenden Sonntag, 18.4.2010 zum Kirschblütenfest.



Immer wieder bin ich hin- und weg von dieser Schönheit in den Gärten. Und noch nie habe ich es geschafft in die Gärten bei strahlenden Sonnenschein zu kommen. So sind auch diese Fotos wieder geprägt von eher düsterem Himmel und dunklen Farben, denn die Bilder sind gestern bei eher magerem Wetter und zur einer für die Pflanzen-Fotografie im Verhältnis späten Stunde entstanden. Dafür hatte ich das Pentax DA 16-50 f2.8 mit und drauf, es lohnt sich unter solchen Lichtbedingungen – aber kein Objektiv musste ich mir jemals so hart erarbeiten wie dieses! Liebe auf den ersten Blick spielt eine andere Musik.



Aber es ist immerhin schön weitwinklig, um immer noch nicht den kompletten orientalischen Garten abbilden zu können! Kicher. (Das ist natürlich eine plumpe Lüge aber bei den Weitwinkeln stehen immer rechts und links unbefugt Menschen im Sehbereich, was soll man da machen, will man ein höflicher Mensch sein?)



Mit Frau Indica noch im fast leeren Tee-Haus eingekehrt (unbedingt gucken!) und bei Chrysanthemen-Tee mit vielen Kostbarkeiten



schöne Gespräche geführt, dazu Ehefrauengebäck geteilt (als gemeinschaftlich Unverheiratete) und Waffelkrümmel gefangen.



Später als einzige Besucherin durch den japanischen Garten geschlichen.



Es hat seine eigene Größe in dieser Stadt irgendwo spät, dafür fast alleine unterwegs zu sein. Also drei Stunden Urlaub gehabt: in China, in Korea, in Japan – und das alles in einer Stadt namens Berlin.



Dieser Ort muss in 7-10 Tagen der schönste Ort in dieser Stadt sein! Da bin ich sicher. Froh bin ich, dass ich dieses Jahr rechtzeitig die Jahreskarte für die vier Gärten gekauft habe. Die, wie ich gestern gelernt habe, nun für fünf Gärten gilt – denn die Parklandschaft vom Flughafen Tempelhof gehört ab sofort dazu!

Übrigens kamen wir später am Abend zurück nach Kreuzberg, wo es offensichtlich stärker geregnet hatte. Wenn da mal nicht Konfuzius seine sehr freundliche Hand für uns im Wetter-Karma hatte …

2010-04-09

Blick aus dem Küchenfenster



Meine gestrige unverhoffte Fensterputzaktion (auf der einen Hälfte der Wohnung, man soll nicht übertreiben und den Akt als solches auch in vollen Zügen genießen) erinnerte mich an die Aktion von Barabaras Spielwiese vom letzten Herbst, die ich immer vergessen habe durchzuführen. Möglicherweise haben auch ungeputzte Fenster den Blick verhindert, ich erinnere mich nicht mehr …

Ich wohne in Berlin in der denkmalgeschützten Bärensiedlung, die der Besitzer gepflegt verfallen lässt. (Solltet Ihr dem Link folgen, kann ich Euch versichern: die Mieten haben sich deutlich verändert.) Die Anlage ist geprägt von großen Hinterhöfen mit viel Grünflächen und altem Baumbestand.



Ich habe das Glück direkt vor meinem Küchenfenster und dem Balkon einen riesengroßen Spitzahorn stehen zu haben, der das Jahr über einen tief weinroten Blattbestand trägt und von mir sehr geliebt wird. Denn er dient als perfekter Sichtschutz, gleichzeitig ist er Vogelinformations- und -aufenthaltszentrale. In dem Baum sitzt auch abends der Herr Amsel und singt Talytha ihr Abendlied. Momentan hüpfen die Blau- und sonstigen Meisen in ihm hin- und her wie kleine Flaumflummies. Er ist ein Grund, warum ich noch nicht ausgezogen bin aus dieser Wohnung – ich habe noch keine Lösung gefunden, wie ich diesen Baum mitnehmen könnte. Der gesamte Hinterhof ist vor allem im Frühling blühend eine Augenweide. Dieses Jahr hat das hochmotivierte null Ahnung habende Hausmeistergärtnerteam sogar die Forsythien ausnahmsweise einmal nicht direkt vor der Blüte zurück geschnitten. Ich sah mich letztes Jahr gezwungen, das höflich anzusprechen. Und tatsächlich musste ich die botanische Realität diskutieren.



Da die Katzen ihren Futterplatz unterhalb des Küchenfensters haben, will es das Ritual, dass mindestens einmal täglich Tally und ich (sie auf meinem Arm) am Fenster stehen und gemeinsam hinausgucken, um Vogelinventur zu machen oder Hunde-TV gucken. Sie schnurrt dabei begeistert und zur Belohnung gibt es danach einen kleinen Schluck Milch. Ein schöner intimer Moment des Tages. Gucken wir gemeinsam nach rechts aus dem Fenster, sieht man im Hintergrund unten die Müllanlage stehen – der Müllgang ist hier immer mit einem ordentlichen Fußweg verbunden. Die ehemalige Teppichausklopf- als auch Wäschetrocknungsanlage liegt rechts unterhalb meiner Wohnung. Teppiche werden hier kaum noch geklopft, wie wohl anderswo auch. Und Wäsche hängen dort unten interessanterweise nur die polnisch sprechenden Nachbarn auf. Scheint eine Kultur zu sein, die dieses Land ebenfalls verloren hat. Ganz rechts oben seht Ihr die Ausläufer meines kleinen Balkons. Hier wohnen Rosmarin, Rose, Thymian, Lavendel und andere blühende Feinheiten und der kleine schwarzweiße Kater sitzt dort gerne auf dem Balkon und singt wie Caruso in den weiten Hof, der eine wundervolle Akkustik für kleine vierpfötige spanische Minnesänger bietet.

Küchenblicke von anderen Food-Bloggern. Hier geht es zu Barbaras gesammelten Werken

Der Baustein oben auf dem Fensterbrett dient als Sammelsurium für allerlei Küchenhandwerkzeug, das in den zwei Schubladen, die meine Küche nur beherbergt, keinen Platz hätte. Die Idee so einen Stein zu bemalen und als Küchenaccessoire zu benutzen, hatte meine Mutter in den 70igern aus einer Brigitte entnommen. Unser erster Stein war in 70iger Jahre-Schreiendgrün. Mich hat dieser Stein zeitlebens durch mein Leben begleitet und er war das erste Utensil, was ich mir für meine eigene erste Küche für das Küchenbrett bastelte.

2010-04-07

Migration

2010-04-06

Zukunft

2010-04-04

Der Kuchenladen

Neulich mit Frau Indica ihr erstes freies Wochenende nach Wochen zelebriert und mit ersten Frühlingssonnenstrahlen gekuschelt. Der kulturelle Beitrag war der Besuch der Fotoausstellung „Porträts und Stillleben“ von Vera Mercer, die ich nur empfehlen kann! Ihre Fotos sind eine große Freude und Inspiration für mich.

Danach mussten wir den von mir neulich zufällig in der Kantstraße 138 gefundenen „Der Kuchenladen“ testen, der mit solchen Schaufenstern für sich wirbt:



Während ich bereits zum zweiten Mal meine erste Wahl Aprikosen-Mandel-Tarte zugunsten einer Friesentorte aufgab



(beim meinem ersten Besuch war die Mascarpone-Cheese-Torte mit Erdbeere und Basilikumzucker schuld, wegen der ich direkt zu Hause Basilikumzucker „angesetzt“ habe), entschied sich Frau Indica für Espresso-Schokolade, die hier aufgrund schlimmer leidenschaftlicher Tortenanblickverwackelung nicht gezeigt werden kann. Damit die Aprikosen-Mandel-Tarte nicht weinen muss, haben wir uns hinterher noch ein Stück geteilt.



Die Torten sind allesamt im Geschmack sehr wundervoll, schmecken genau nach den Zutaten aus denen sie vorgeben zu sein, dabei immer unauffällig – also offensichtlich nicht aromengetunt – und offerieren eine angenehme längst verloren geglaubte Säure, die sie nie zu süß geschmacklich erscheinen lässt. Ein ursprüngliches Recht, dass der Tortenkonfektionsware heute ja leider nicht mehr zugestanden wird. Kurz: dieser Konditor hat wirklich mehr als nur Ahnung von seinem Metier! Und so hat der Kuchenladen mit Abstand das beste und unterschiedlichste Tortenangebot in der Stadt, das mit in letzter Zeit begegnet ist und – ist endlich mal NICHT in Mitte sondern im wundervollen Charlottenburg etabliert!

Am Wochenende ist das kleine Café fast schon zu klein und man kann sich glücklich schätzen,



erhält man noch einen Platz. Der umfangreiche Ladenbetrieb der Außerhaus-Kuchen-Käufer macht den Aufenthalt etwas umtriebig. In der Woche ist das besser und die Torten sind dann zum Glück genauso gut. Der Service, meist Herren in rosa Hemden, ist schnell und nimmt sich angenehm zurück. Der ausgeschenkte Kaffee schmeckt wundervoll, die Milch ist perfekt geschäumt und beides ist sein Geld schlicht wert. Die Preise stimmen und lassen zum Glück den typischen „Ist Mitte/ist in“-Zuschlag missen. Natürlich kann man dort die grandiosen Torte vorbestellen und die exaltierte Kaffeerunde im eigenen Heim genauso extatisch stimmen, wie sich selbst im Kuchenladen vor Ort. Bitte unbedingt hingehen, es wird für Euch ein glücklicher Moment sein!

Und nun sucht Euch Eure Lieblingstorte aus dem Schaufenster aus:




(Mein persönlicher Favorit: die Kuchen-Volière.)










(Die Torte für Herrn Exit allein! „Das weiße Hirschl am Tortensee“)

Der Kuchenladen, Mo-So 10:00 - 18:30 Uhr, Kantstraße 138 (zwischen Schlüter und Bleibtreustraße), 10623 Berlin – Tortenbestellung nach Bedarf und eigenen Ideen unter Telefon 030 310 184 24.

2010-04-03

O-Ton Berliner U-Bahn

„Jetzt nur noch 2x gewinnen!“ (Sa, 3.4.2009, direkt nach Abpfiff, 3:0.)

(Aus der Reihe: Wer uns Berliner jetzt immer noch nicht begriffen hat, …)

Nennen wir's Frühling!





2010-04-02

Metamorphose



(Passt zum heutigen Feiertag.)

2010-04-01

Feng Shui im Tempelhofer Hafen

Ich kann wie ein Rohrspatz schimpfen auf alles was in dieser Stadt bautechnisch verbrochen wurde, seit dem Fall der Mauer. Das einzige Gebäude der Berliner Neuzeit auf das ich nicht mit verzweifelter Qual gucke, ist das Jüdische Museum. Bei allem anderen wird mir im gemäßigten Fall unwohl. Insofern habe ich damals sehr kritisch geguckt, als man anfing den alten Speicher vom Tempelhofer Hafen zu entkernen, um hier eine der vielgeliebten 1:1 abbildbaren Einkaufshöllen zu integrieren. Da man dem Bezirk ein allgemeines Sterben vorhersagte – nachdem der Flughafen Tempelhof dicht gemacht wurde, der das prognostizierte Wiederbeleben dieses Bezirks in den ganzen 20 Jahren nach Mauerfall auch nicht ermöglicht hatte – fand ich den anlässlich seiner Schließung prognostizierten Bezirksbankrott etwas fern von der Realität geäußert: in keinem Bezirk der Stadt, trotz relativ mittiger Lage, gibt es so viel Büro-Leerstand wie hier. Und auch Miet-Leerstand, denn dank der 4. Stufe der Hartz-Konzeption, dürfen Menschen ohne Arbeit mit Familie keine Vierzimmerwohnungen mehr bewohnen. Dieser Bezirk war schon mit Flughafen mehr tot als lebendig.



Tempelhof sollte also nach Schließung des einen Lufthafens mit Restaurierung der anderen Wasserhafen reanimiert werden. Und auch wenn ich mir den Speicherausbau zur Straßenseite deutlich spannender gewünscht hätte, anstelle der farblosen weißen schnörkelfreien Fassade, zur Wasserseite hin haben sie einen ganz guten Job gemacht. Nun, nach gut einem Jahr der Öffnung, ist der Tempelhofer Hafen als Einkaufsmeile gut akzeptiert. Mittlerweile nimmt auch der Hafen-Ausbau Formen an, die ersten Anlegestellen sind gesetzt – alleine mir fehlt noch das Boot – und die gastronomischen Einrichtungen, in denen man gerne am Wasser sitzend seine Zeit verstreichen lässt, addieren sich in diesem Frühjahr von dem einen Café im letzten Jahr zu mehreren in diesem Frühjahr. Das Gebäude auf der Brücke, der so genannte Wieneke-Bau, das ich ihm Rohbau noch ängstlich als mögliche Parkhauszufahrt zu interpretieren bereit war, hat sich als Behausung für mehrere Fress-Etablissements und einem Ärztehaus geoutet und in der einen Restauration war ich neulich, um mich der Feng Shui-Kompetenz des stillstehenden Hafenwassers hinzugeben.



Noch wird gebaut am alten Speicher der Querachse vor der der alte Kahn „Tempelhofer Liebe“ liegt, die natürlich irgendwann ein Restaurationsschiff sein wird. Und wenn sie endlich wieder die Uhr vom Ullstein-Haus in Gang brächten, könnte eigentlich alles „chic“ sein da in Tempelhof am von mir so geliebten Wasser.



„Sensai“ heißt das Thai-Restaurant, das schon am Anfang zwei elementare Fehler für sich vereint. Es vergisst in seiner Feng Shui bedingten Harmonie die Kommunikation mit dem Kunden und weigert sich außen auf das Vorhandensein oder die Qualität seiner Speisen bildhaft hinzuweisen. Man muss blind Vertrauen schenken und das ist schwierig bei einem Restaurant, das den in Berlin üblichen Spagat von Thai-Küche zur Sushi-Küche macht, womit auch schon Fehler Nummer 2 benannt ist. Zwar liegen Thailand und Japan bekanntermaßen gemeinschaftlich im Asiatischen Teil der weltlichen Anordnung, Nachbarn sind diese Länder deswegen aber noch lange nicht und daher sind ihre Küchen als grundverschieden zu bezeichnen. Warum sich zunehmend immer mehr Läden aufmachen, uns einen nur minimalen Teil (Curryhuhn in rot-gelb-grün und Reisbandnudel) der einen Landesküche mit einem minimalen Teil (Maki, Sashimi) der anderen Landesküche im langweiligen Kollektiv zu offerieren, begreife ich nicht. Aber ich stehe ja auch immer noch fassungslos vor Döner-Buden, die auch Currywürste ohne Zusatzkennzeichnung „aus Rind“ anbieten oder einen auf türkischen Chinesen machen.

Es stehen trotz Sonnenschein draußen viele leere Stühle vor dem Restaurant, das sich innen im Feng Shui-Chic als rund und weich eingerichtet outet – mit ebenso vielen leeren Sitzgelegenheiten. Der mangels Arbeit gelangweilte sehr nette Kellner springt mit Ultraschallgeschwindigkeit auf mich zu und bevor ich in die Karte gucke von der ich eh keine Überraschungen erwarte, entscheide ich mich für eines der über der offenen Küche offerierten Tagesgerichte mit üblicher Tom-Kha-Kai-Suppe und einem Ananas-Minze-Shake und nehme draußen mit Blick auf's Wasser Platz.



Die Thom-Kha-Kai kommt sehr schnell und ärgert mich ehrlich gesagt, weil sie offensichtlich aus Tüten-Curry fabriziert wurde. Allererstes Merkmal dafür: sie ist schlicht versalzen – wie eigentlich alle Suppen dieser Art versalzen waren, die ich in letzter Zeit in dieser Stadt zu mir genommen habe (einzig akzeptable Ausnahme ist die aus dem dreckigen Imbiss in der Brunnenstraße.) Es fällt unangenehm auf, dass die Hühnerfleischstücke einen mundgerechten Passus offerieren über den sich ein Löwe freuen würde – hier mit einem Löffel zu essen, ist es allenfalls eine unangenehme und eine für die Klamotten schwer zu meisternde Herausforderung. Den Rest des Suppenamüsements teilte ich mit der Aufgabe, der in der Suppe in Übermacht vorhandenen in kleine aber eben nicht hauchdünne Streifen geschnittene gefühlt aus mindestens sechs Kaffir-Limetten-Blattsammlung Herr(in) zu werden. Ich überlege, warum ich nicht gleich in der Tierhandlung eine Packung Heu und einen Salzstein geordert habe … und gebe mit dem bitteren Gedanken hier zwangsläufig zu einem Hasen degradiert zu werden bei der Suppe auf.



Lustig finde ich immer, dass die Asiaten, die hierzulande Restaurationen eröffnen, das Speiseangebot in sträflicher Weise dem europäischen Geschmack anpassen, andererseits aber gerne die hier übliche Servierreihenfolge von Hauptspeise folgt Vorspeise gänzlich ignorieren. Der Hauptgang steht also schon auf dem Tisch als ich noch die Blattstreifen in der Suppe sortiere und friert trotz Märzsonne vor sich hin. Die Reisbandnudeln in einer dunklen Sauce sind reichlich bedacht mit Garnelen und frischem Gemüse und einem etwas zu gut gemeintem Haufen Röstzwiebeln. Auch das asiatische Gemüse ist im „Sensai“ bereits eingedeutscht, ich kann mich nicht erinnern, jemals bei einem Thai Rotkohl und Radieschen in meinem Curry gehabt zu haben. Alles in allem bestärkt mich dieser Ausflug einmal mehr in einem Vorurteil: Tempelhof ist kein Bezirk für Asiaten, das FengShui stimmt einfach nicht in diesem Bezirk. Allerdings, was soll ich sagen, ich kann mich eh nicht erinnern in Tempelhof jemals gut oder sogar außerordentlich gut gegessen zu haben!

Lobend erwähnen kann ich aber den Shake, der ist aus frischer Ananas gemacht, das beweisen die noch minimalen Stücke im Shake (weswegen man sich aber das Anreichen eines Strohhalmes auch hätte sparen können) und ist eine leckere Angelegenheit. Und der Blick auf's Wassser war auch reinigend. Nebenan gibt es übrigens Currywurst.