2009-11-22

Blogkochshow 2009 – der Abgang

Das Dessert nannt sich im diesjährigen Menü:

Abschiedsgedanken: Keine siamesischen Flan-Drillinge mit süffisantem Pampelmusen-Kompott.

Ursprünglich war nur von Zwillingen die Rede, dann aber litt ich Donnerstag Morgen um 2:00 Uhr unter einer bösen Übersprungshandlung und schob kurzerhand noch den Drilling nach. Das war übrigens der kritische Moment als ich bemerkte, keine Klarsichtfolie im Haushalt mehr zu haben. Auch nichts, was einem unbedingt auffallen muss morgens um zwei Uhr. Am wenigsten übrigens, wenn man sie braucht.

250 ml Milch
1 Zimtstange
1 Esslöffel Vanillezucker
4 Esslöffel Honig
2 Esslöffel Vanillezucker
4 Eier (M)

100 g Rohrzucker
50 g Walnüsse

100 ml Triple Sec (Orangenlikör)
1 halbe Vanilleschote
1 Zimtstange
2 Nelken
1 Sternanis
6 Physalis

250ml Milch
1 halbe Vanilleschote ausgelöst
2 Esslöffel Vanillezucker

100 ml Milch
60 g Mehl
1 Ei
2 Teelöffel Zucker
20 g Butter (flüssig)
Prise Salz
Marmelade nach Belieben
1 halbe Packung Frischkäse mit
1 Esslöffel Vanillezucker verrühren

Filets von 2-3 Zitrusfrüchten (Orange, Pampelmuse, Sweetie)
Saft von einer Orange (aufgefangener Saft der filetierten Früchte)
2 Esslöffel Rohrzucker

Mit der Vorbereitung für das Dessert begann ich bereits am Mittwoch, nachdem wir den Termin für den Menütag auf den Freitag festgelegt hatten – so ein Flan hält sich im Kühlschrank. Ich fertigte eine Zimtmilch an in dem ich eine Stange Zimt in 250 ml Milch das bronzene Seepferchenabzeichen machen ließ und als Rettungsreifen einen Esslöffel (selber gemachten) Vanillezucker hinterher warf. Trotzdem mussten zur Rettung vier weitere Esslöffel Honig anrückten. Alles zusammen wurde aufgekocht und kalt gestellt.



Zwischenzeitlich bändelte der gleiche Vanillezucker mit vier happy Eiern an und fuhr mit ihnen Rollercoaster bis sie vor Wonne schäumten.



Kurze Zeit später trafen Milch und Eier vorsichtig aufeinander und verjüngten sich gemeinsam in dem sie zusammen eine Kneipkur bei für diese Jahreszeit ungewöhnlich warmen Außentemperaturen antraten. (Wasserbad im Ofen, ca. 200 Grad für 40 Minuten).



Beinahe gleichzeitig gab ich dem mitgeschickten Rohrzucker zum ersten Mal in dieser Woche die Chance zu glänzen. Das tat er in einer Pfanne zu Karamell werdend. Die eine Hälfte der mitgeschickten Walnüsse hüpften zu ihm ins Boot und sehr kurze Zeit später gingen beide auf einem Stück Backpapier zum Auskühlen vor Anker. Bis Freitag.



Habt Ihr schon mal so lange auf selbst frisch karamellisierte Walnüsse aufpassen müssen? Das Leben ist nicht leicht, sage ich Euch! Überhaupt nicht leicht. Kein bisschen. Und kein Jahrmarkt in Sicht!



Am Donnerstag erlaubte ich etwas Orangenlikör mit etwas Zimt, der einen Hälfte der mitgeschickten Vanilleschote, zwei Nelken und einem Sternanis sowie ein paar Blondinen (Physalis, ich bloggte) einen feuchtfröhlichen Absturz in meinem Kühlschrank an dessen Türsteher die Truppe nur nach langen Reden (Umbaumaßnahmen) vorbei kamen.



Ein weiteres Mal machte ich 250 ml Milch zusammen mit zwei Esslöffeln vom Vanillezucker und der anderen Hälfte der Vanilleschote, deren Mark ich vorher ausgekratzt habe und der Milch spendierte, Feuer unter ihren Hintern. Die Milch durfte dann bis zum nächsten Tag vor sich hinziehen, um sich dem Freitag als ein sehr feine Vanillemilch zu präsentieren … (Fortsetzung folgt zu gegebener Zeit, vermutlich noch in diesem Blogpost.)



Kommen wir nun zu meiner Übersprungshandlung. Es war schon spät also bereits früh am Morgen und mir tat der Rücken weh, also entschloss ich mich anstatt ins gelangweilte Bett zu gehen, noch einen Crêpes zu backen - in erstaunlich ausgesucht kleiner Menge: 60 g Mehl, etwas Zucker, eine Prise Salz, 1 Ei, 100ml Milch 20 g flüssige Butter durften Crêpes-Teig spielen und in die Pfanne hüpfen, das ergab zuerst einen dünnen Crêpes und einen dickeren Crêpes. Und ich entschied mich den dickeren Crêpes für das Menü zu wählen, weil es doch immer heißt, der erste Pfannkuchen wird nichts und ist für den Koch – in diesem Fall für die Köchin. Obwohl dieser erste Crêpes hier ganz wundervoll gelungen und ein nahezu perfekter dünner Crêpes geworden war, entschied ich mich dieses Küchengesetz bloß ja nicht mit den Füßen zu treten und aß morgens um 2:00 Uhr den misslungenen gelungenen Crêpes ganz pur aus der Hand, damit die liebe Küchenregel ihre Ruhe hat, während ich den zweiten



wie man sieht zuerst mit einer Schicht Kumquats-Marmelade (Ihre, Herr Spontiv!) dünn bestrich und darauf dann den Rest Frischkäse aus der Vorspeise mit – was sonst – etwas wenig Vanillezucker aromatisiert gab und den Crêpes zu einer Rolle fest aufrollte, um in der Folge der kleinen Katastrophe zu begegnen, nun keine Frischhaltefolie mehr zu haben. Das war ein Problem, das andere, dass an dieser Stelle der ursprüngliche Nachspeisen-Menütitel: Abschiedsgedanken: Keine siamesischen Flan-Zwillinge mit süffisantem Pampelmusen-Kompott keinen Sinn mehr ergab. Ich ging ins Bett. Meinen Willen (Crêpes im Bauch) hatte ich ja trotzdem bekommen.

Freitag morgen konnte ich zwar kaum aus den Augen gucken und entschied mich daher meinem Leben mehr Risiko zu verleihen in dem ich die mitgeschickte Grapefruit (rot) filetierte, vorher wurde ihr noch das verbliebene Fell in Zesten abgezogen.Und weil mir das Filetieren unter erschwerten Bedingungen so viel Spaß bereitete, durften gleich noch eine Sweetie (hell und klein) und eine Orange (verhindert, nicht im Bild) daran glauben. Den Saft aller Früchte habe ich aufgefangen, eine zusätzliche Orange wie ein weichgekochte Kartoffel ausgepresst und den Saft mit ALUMINIUMFOLIE (!) abgedeckt beiseite gestellt für den Abend.



(Jetzt die Fortsetzung!) Nach so viel Mordslust wurde ich zärtlicher und schlug etwas Sahne steif, zu der wurde dann die Vanillemilch gesiebt gegossen und vorsichtig verrührt … um prompt von mir kalt gemacht zu werden.



Also beglückte ich Melodys Eismaschine (ist schließlich ein Blogger-Menü!) mit dem Vanille-Sahnegemisch



und stupste die nicht zu klein gehackten Karamellwalnüsse hinterher, ungefähr so wie die Leminge sich in den Tod stürzen.



Die Eismaschine rührte und daher langweilte ich mich. Bis die Eismaschine fertig gefroren hatte und ich das nunmehr sehr leckere Vanille-Walnuss-Eis zum durchgefrieren in den Tiefkühler gab. Dessen Türsteher ist übrigens auch nicht besser.



Blieben dann am Menüabend selbst zum Nachtisch die kleinen besoffenen Freunde übrig, die ich selbst bereits gut mit lustig machenden Flüssigkeiten versorgt ins Feuer schickte, d.h. in eine heiße Pfanne mit etwas Rohrzucker zusammen mit dem frischen Orangensaft gab und vor sich hin köcheln ließ.



Dann rutschten die Filets der Zitrusfrüchte hinterher. Ein Filet schickte ich vor, um zu gucken ob die Luft rein ist und nach dem es das vereinbarte Signal des Nichtverfalls sendete, den Rest hinterher. Worauf das Kompott weiter köchelte bis es sich verdünnisierte, um dabei dicklicher zu werden.



Geschickt fische ich die dunklen Gestalten aus dem Orangenlikörbad und legte dem Zimt-Honig-Flan (Flan) mit Rohrzucker karamellisierte Handschellen an, setzte ihm dazu eine Scheibe Kumquat-Vanillecreme-Crepes (kein Flan) in den Nacken und ließ das frohlockende Vanille-Sahne-Karamellwalnusseis (auch kein Flan) aus dem Tiefkühler frei, um ihn mit dem heißen Pampelmusen-Kompott den finalen Rest zu geben, als eine weitere Ursprungshandlung mich im letzten Moment daran hinderte das Ganze mit Balsamico-Reduktion zu garnieren, sondern mich zur allseits lieb gewonnenen und mindestens ebenso überstrapazierten Minzblattdekoration greifen lies. Deko-Puderzucker ist so 90ies



Der Rest gab uns den Rest!

2009-11-21

Besucher …

Neulich schon hatte ich so ein Phänomen der dritten Art als die beiden Mädels abends wie gebannt stundenlang durch den schwarzen Samtvorhang in Richtung Balkon starrten. Da Katzen großes Talent besitzen, Dinge zu sehen die wir nicht sehen können, entschloss ich mich nach einer Weile zu glauben, wir hätten einen Besucher der dritten Dimension im Haus zu Besuch im Ohrensessel sitzend und ging irgendwann schlafen.

Heute – strahlendes Wetter – das Schlafzimmer ist noch etwas sehr rumpelig vollgestellt weil ich gerade meinen Flur mit neuen Ablageflächen umgestalte, öffne ich die Balkontür und entlasse die Tiger wie gewohnt in einen frühlingshaften Spätherbst nach draußen. Kümmere mich um meinen Abwasch von gestern, tippe was, antworte Mails und gehe irgendwann zum Balkon, weil's doch langsam frisch wird …

… um dort, wo Talytha immer auf der Balustrade sitzt, eine Katze sitzend vorzufinden, die zwar eindeutig wie meine Tally eine Schildpatt ist aber mit deutlich mehr Weißanteil im Fell, von kleinerer Statur und jünger, knapp dem Fratzalter entsprungen. Sie glotzt mich an, ich glotze zurück – wir beide glotzen lange. Intensiv. Sprachlos.



Selten sooo doof geglotzt bis ich die Sprache wieder gefunden habe und mich sorgenvoll fragte, wenn das da nicht meine Talytha ist, wo ist dann Tally? (Eine fremde Katze auf dem Balkon sorgt meiner Erfahrung nach wenigstens für ein zweite schreiende, fauchende Katze, die dem Besucher klipp und klar macht, in wessem Revier er sich gerade aufhält.) Und hat ihr die Katze womöglich vorgemacht, wie man über den Balkonvorsprung zu flüchten hat? Ich rufe sie, keine Antwort. Ich suche sie, unsichtbar. Adrenalin vom Feinsten. Katzensticks! Bei Tally brauche ich nur Katzensticks zu denken und sie steht Spalier. Ich gehe zum Schrank, knistere mit den Packungen rum, schlimm unsichtbare Tally. Panik macht sich breit. Fremde Katze sitzt immer noch auf dem Balkon und glotzt. Also gebe ich ihr den Stick als Friedensangebot. Den sie sich reichen lässt ohne sofort zu flüchten. Tür zu.

Die Ecken noch einmal absuchend finde ich ein kleines aufgeschrecktes buntes Katzenhäufchen im Wohnzimmer und ihr Verhalten sagt mir, sie denkt gar nicht an Flucht in eine Welt in der so komische andere Katzenmonster beheimatet sind. Und weil das kleine bunte Katzenmädchen gerade sehr verstört ist und somit im Fluchtmodus, die anderen beiden von dem ähnlich aussehenden Besucher vom anderen Stern gar nichts mitbekommen haben, meinte Lino nun auch noch sie ganz gentlemanunlike zu jagen.

Die Besucherin war dann kurz weg. Und gleich wieder da, sie hat offensichtlich großen Spaß an meinem unserem Balkon. Sie findet auch Blaumeisen toll, die meinen Balkon anfliegen. Mittlerweile haben nun auch Nishia und Lino sie entdeckt. Nishia hat sie auf meinem Arm durch die Fensterscheibe fröhlich angeschnurrt, wenn auch ihr Schwanz deutlich andere Signale sendete. Lino aber sitzt jetzt auf dem Fensterbrett, doppelt so breit wie hoch, knurrig und gibt Soundvariationen von sich, die ich von dem Kater noch nie gehört habe. Gleich hat er 'nen Herzkasper.



Sie indes findet den Kater auf der anderen Seite des Fensters sehr spannend und auch wenn sie für sich ebenfalls lustige Klangwelten abspielt, würde sie sehr gerne durch das Fenster kommen und mit dem lustigen Katzenmann auf der anderen Seite spielen. Sie ist noch sehr babyhaft und weiß nicht, dass der Kater offensichtlich findet, mit seinen beiden Mädels schon ausreichend bedient zu sein und das frische Katz‘ liebend gerne auf Spieß gegrillt hätte.



Toll, jetzt habe ich hier drei blankliegende Nervenkostüme in Fell gekleidet und eine Halbstarke, die auf dem Balkon genau das macht, was ich meinen Katzen erfolgreich verboten habe – Blaumeisen jagen, durch meine Fauna zu krabbeln und über Balkonvorsprünge zu springen, um dann über das Dach zu flüchten.

Aber niedlich ist sie, zweifelsohne. Auch wenn ich in dieser Wohnung offensichtlich die Einzige bin, die so von ihr denkt. Sie wird auch erst mal nicht gehen, schließlich ist da dieses tolle Katzen-TV hinter der Fensterscheibe.

2009-11-20

Präparieren

Herr Exit kochte bereits letzten Sonntag sein blogkochshow '09-Menü und legte mit seiner Bratapfeltorte die Latte ziemlich hoch. Vorher servierte er eine entzückende Möhrentarte, der olle Bäckerkönig, danach Lachspasta mit Grapefruit-Weißweinsoße Niveaumäßig ebenso hoch kochten die Jungs von Northerndelight mit Orangen-Möhrencreme, Lammrücken mit Walnusskruste und Grapefruit-Prosecco-Gelee. Die haben das Making-Of sogar gefilmt! Da kann man nicht meckern.

Heute haben sich Julius und Spontiv himself an den Herd begeben – und wie: Estragon-Karotten-Tomaten-Suppe, zarte Butterbohnen an Putenmedaillons mit Süßkartoffel-Walnuss-Püree und abschließend ein Rübli-Brownie an karamellisierter Grapefruit-Mousse und Vanillesoße bei Julius. Herr Spontiv behauptet (noch), er könne nicht mehr kochen. Ich glaube ihm das nicht und wette, er wird uns genau wie letztes Jahr mit seinem veröffentlichten Menü den Rest geben.

Bleiben also noch die Frauen in der Runde übrig. Frau Indica, Frau Bhuti und Madame Jekylla, die, soweit ich weiß, am Samstag die Küchenfenster beschlagen lassen. Ich für meine Wenigkeit, habe das heute schon getan und die Vorbereitungen getroffen für mein morgiges blogkochshow-Event. Es wird lustig, sage ich Ihnen! Herr Foxxi, der morgen mein herzlich gerne gesehener bloggender Gast sein wird, nimmt nämlich nur für dieses Dinner schon seit drei Monaten ab wie Kate Moss am Grashalm kauend.



So wanderten heute eine Hälfte der Vanilleschote zusammen mit Sternanis, Nelke und Zimt in einen anständigen Schluck Orangenlikör zum vergnügt vor sich hinziehen. Und damit mein Kühlschrank auch richtig sein fröhlichfeuchtes Vergnügen haben kann und es ihm nicht mit den dunklen Gestalten langweilig wird, wanderten ein paar der Deko-Physallis angeritzt hinterher und schunkeln in der Runde vor sich hin. Sage bitte keiner, ich kümmere mich nicht um meine Discounter-Ware!

2009-11-19

Aus lauter Langeweile …

habe ich mir heute zur Abwechslung die Zähne sandstrahlen lassen.

2009-11-18

Suizid ist, wenn sich einer umbringt

Eine lange, lesenswerte Stellungnahme von jemanden, der seinem Leben beinahe ein Ende bereitet hätte.

Tolle Rechnung!

In Berlin gibt es im Westen wie im Osten einen Laden in dem Koch- und Küchenbegeisterte ihren Spaß haben. Natürlich gibt es dieser Art mehrere Läden in der Stadt – aber die hier sind besonders sympathisch. Das coledampf's CulturCentrum. Da war ich gestern mal wieder und habe schon einmal für Weihnachten Research betrieben, als auch Artikel A. gleich mitgenommen.

Und diese bezaubernde Rechnung mit politischem Statement erhalten (bitte von ganz oben lesen):



Bei Klick auf's Bild wird's größer!

2009-11-17

Liebe zu einem unbekannten Kind …

ist wohl bei strömenden Regen ohne Schirm, ohne Mütze, ohne irgendwas zum Schutz (ich) gemeinsam mit Mütze und Regenschirm (Minimensch) an einer Ampel an einer kleinen Straße zu stehen und so zusammen die komplette Ampelphase abzuwarten in der wirklich keines aber auch überhaupt kein einziges Auto, nicht einmal ein doofer Radfahrer unseren Weg kreuzt.

Wäre nett, würde mich das Muttertier heute in ihr Nachtgebet einschließen.

2009-11-16

Falls Ihr je gefragt habt …

was die da in Berlin eigentlich den ganzen Tag lang machen:



(aus dem Tagesschau-Blog)

2009-11-15

Verteiler

Herr Julius hat seine Zutaten für die diesjährige Blogkochshow '09 schon verteilt, ich so gut wie:



Bei den Walnüssen bin ich mir noch nicht ganz sicher, weil die Entscheidung für den Nachtisch heiß oder kalt noch nicht gefallen ist. Die Vorspeise steht indes und lässt sich gut vorbereiten (bei mehrgängigen Menüs finde ich es sehr praktisch, den einen oder anderen Gang vorbereiten zu können), wird aber den Großteil des Budgets verschlingen. Nun denn, den Wein haben unter diesen Umständen die Gäste mitzubringen.

Das Budget … könnte ich ja leicht strecken, wenn ich noch einen Gast mehr einlade … *rechne*

2009-11-14

Blogkochshow 2009

Nachdem Herr Spontiv letztes Jahr völlig überraschend die Blogkochshow 2008 ins Leben gerufen hatte, an der ich sehr beglückt, begeistert, hellauf erfreut und mit allem Elan und Begeisterung teilgenommen hatte und zudem noch über genügend Energien verfügte, Frau Jekylla von ihren eigenen Kochkünsten zu überzeugen, hat er sich auch dieses Jahr wirklich nicht lange schlagen lassen, um eine Neuauflage ins Leben zu rufen.

Vorgestern kam mein Päckchen bei mir an …



gefüllt mir grandiosen Zutaten …



die ich alle sehr mag: Grapefruit, Rohrzucker, Vanilleshote, Gelantine und Walnußkerne sowie Mohrrüben – alles handgestreichelt und bei Vollmond geerntet (Bio-Spätkauf in Dresden, Herr Spontiv? Doll!) wie Herr Spontiv berichtet.

und die motivierende Bedienungsanleitung:



Wir müssen jetzt also mindestens einen am besten auch bloggenden Gast zu uns zum Essen einladen! Dürfen maximal 15 Euro für das Menü (wenn zu zweit) ausgeben, haben alle Zutaten zu verwenden – bis auf eine – aber das fällt mir dieses Jahr nicht ein, weil gar kein Curry dabei ist. Herauskommen muss ein dreigängiges Menü, das der Gast unbedingt überleben sollte, denn er sollte hinterher sein persönliches Statement zum kulinarischen Erlebnis abgeben können.

Alle Kochvorgänge haben dokumentiert und gebloggt zu werden – das alles unter dem diesjährigen Motto (Frau Jekylla, das ist Ihres!):

„Kreative Experimente“

Deadline ist der 29.11.2009. Weitere Teilnehmer sind die charmante Frau Indica ; die küchentechnisch gesehen naturblonde Frau Jekylla; der Mann, der die Mohrrüben verbacken wird, The Exit; der grandiose northerndelight; der tapfere Herr Julius (wehe er backt Plätzchen, dann haben alle verloren!)xtextexte und die charmante mutige Frau Bhuti sowie natürlich der ulitmativ begabte Gastgeber Herr Spontiv.

Bin ich aufgeregt! Ich habe mindestens für jeden Gang ganz viele Ideen! Und Fragen: wer kommt zum Essen? Und was ziehe ich an?

Und was haben wir diese Woche …

sonst noch gelernt?

„Sprich nicht hintenrum Schlechtes über jemanden, wenn Du es ihm vorne herum ins Gesicht sagen kannst.“

Wie immer ist es eine Frage von Mut oder Feigheit. Ich war noch nie zu feige, um mein Versagen offen einzugestehen. Und ich hatte auch noch nie ein Problem damit, meinen Kopf rollen zu sehen, wenn sich damit in Zukunft Ungerechtigkeiten gegen Dritte vermeiden lassen. Bevor ich käuflich werde, bleibe ich lieber Gerechtigkeitsfanatikerin.

2009-11-12

Rüge

Ich habe Euch gestern etwas gefragt und Ihr antwortet nicht.

Wo kommen wir eigentlich hin, wenn ich in diesem Blog alles alleine machen muss? Googlen zum Beispiel?

In die Ecke mit Euch, schämt Euch!

2009-11-11

Buschmalve

da, schenke ich Euch an einem so grauen Tag draußen! Wenn mir bitte jetzt jemand sagen könnte, ob ich die Dame auf dem Balkon überwintern lassen darf oder reinholen muss? So eine schöne Buschmalve wie meine, habe ich nämlich noch nie blühen sehen und ich fänd's großartig, täte sie das nächstes Jahr wieder so prachtvoll.

Meine neuen Nachbarn …

sind im Vergleich zu den alten Nachbarn so leise, dass ich morgens beim Schritt aus der Tür immer nach Verwesungsgeruch schnüffele – so unheimlich ist mir das.

2009-11-10

Ich liebe Euch! Alle!

Happy Birthday!



(Man beachte meine Kategorie-Zuordnung!)

2009-11-07

Uuuups

Ralfs Konzernkollege von der Berliner Morgenpost, Jörg Winterfeldt, hat auch Schnupfen, den bösen Schweineschnupfen. Ralfs Kollege Jörg meint, so schlecht geht es ihm gar nicht. Die beiden Tage mit bösem Kopfweh waren die beiden Tage an denen er viel telefonieren musste, um krankheitsbedingt Termine abzusagen. Und sein Arzt sagt zu ihm: „An leichten Krankheitsverläufen wie bei Ihnen können Sie erkennen, wie unverantwortlich die Panikmache ist: Sie treibt die Leute scharenweise zu Impfungen, die das Risiko viel schlimmerer Nebenwirkungen bergen.“

Honk!

Ein Honk wird in der Stupidedia zwar gerne als Hauptschüler abgekanzelt, ich bin mir jedoch sicher, Honks gibt es in allen Bildungsgraden, Unter-, Mittel-, Ober- und Überschichten. Honks gibt es auch unter Journalisten. Sicherlich auch unter Bloggern. Honks gibt es überall. Allen Honks gemein ist, dass sie nicht um die Ecke denken. Honks lassen sich auch gerne mal instrumentalisieren. Honks tragen ganz gerne rosa Hemden.

Ein Honk der Bildungsschicht ist für mich Ralf Klostermann. Der ist krank. Ralf ist nicht nur krank, Ralf schreibt auch für den Kai. Also den Rosahemd Diekmann Kai. Der junge Mann schreibt für die deutsche Tageszeitung mit den vier Buchstaben. Ralf hat Schnupfen, Fieber, Heiserkeit. Rolf meint, angeblich meint Rolfs Arzt das auch, er hätte die Schweinegrippe. Das ist toll und praktisch zugleich für die deutsche Tageszeitung mit den vier Buchstaben, denn jetzt hat sie ihren ersten eigenen Schweinegerippe-Redakteur. Nachdem sie schon den ersten rosabehemdten geimpften Chefredakteur hatte. Sie führt!

Ralf hat trotz Krankheit und ganz viel hohem Fieber schon zwei schöne Artikel über seine Schweingegrippe geschrieben. Dazu gibt es ein Foto von ihm, auf dem er total gut aber natürlich auch ganz schlecht aussieht. Ralf trägt die typische Arbeitskleidung dieser deutschen Tageszeitung mit den vier Buchstaben: rosa Hemd. Und er hat die typische Redakteursfrisur der deutschen Tageszeitung mit den vier Buchstaben: viel Gel im Haar.

Ralf ist krank und clever, denn er weiß genau, wo er sich angesteckt haben will: auf einer Halloween-Party. Ein blutrünstiger Vampir (verkleidet) könnte es gewesen sein! Ralf schreibt schon die ganze Zeit total viel über die Schweinegrippe für die deutsche Tageszeitung mit den vier Buchstaben und reist daher gerne für seine Recherchen dorthin, wo mit bösen Viren geforscht wird oder spricht schon mal mit den „besten“ Professoren. Deswegen weiß Ralf auch ganz genau: er bekommt dieses „blöde“ Virus nicht. Weil Ralf aber zu viele SAT1-Katastrophen-Eigenproduktionen gesehen hat in denen der Held immer gesund bleibt, das Leben jedoch gar keine Kabelgebühren zahlt, hat Ralf jetzt natürlich doch den „blöden“ Virus abgegriffen und hat nun die „verdammte“ Schweinegrippe. Aber keine Sorge, Ralf wird total gut vom Gesundheitsamt (Anrufe) und von seinem Hausarzt (Anrufe) betreut. Tamiflu bekommt er nicht, weil er kein Risikopatient ist. Vielleicht kann sein Arzt aber auch nur die deutsche Tageszeitung mit den vier Buchstaben nicht leiden!

Ralf ist eine ziemliche Zicke beim krank sein, er ist erst den dritten Tag zu Hause in Quarantäne (das zu Hause bleiben und sich von Menschen fern halten, hat ihm die Anruferin vom Gesundheitsamt genau erklärt) und ihm fällt jetzt schon die Decke auf den Kopf. Und eigentlich ging es Ralf schon am dritten Grippetag wieder super gut, doch da endete natürlich seine Erfahrung mit der bösen Grippe und sein erster Artikel. Das aber war blöd, denn schließlich lautete der Auftrag seines Chefredakteurs (der mit dem rosa Hemd und dem vielen Gel im Haar), er habe gefälligst ein ganzes Grippe-Protokoll zu schreiben.

Deswegen legt Ralf im zweiten Teil gleich ganz schlimm krank nach: Rückfall am 4. Tag! So schlimm, dass sich auf Facebook „Beileidsbekundungen“ für ihn türmen. Jeder andere würde, wenn er vor seinem Ableben virtuelle Grüße zu seinem Tod geschickt bekäme, die Absender als Facebook-Freunde abwählen. Aber woher soll ein Redakteur der deutschen Tageszeitung mit den vier Buchstaben auch wissen, worin der Unterschied in der deutschen Sprache hinsichtlich eines ausgesprochenem Mitgefühls oder Genesungswünschen und Beileidsbekundungen liegt? Rolf findet die Beileidsbekundungen auf jeden Fall: „Schön!“

Ralf hat (s.o.) total viel Ahnung von diesem Virus und der hohen Infektionsrate, sagt aber dem TV-Team, das ihn total gerne interviewen würde, nur deshalb ab, weil's ihm jetzt schlechter geht. Nicht etwa weil er etwa zu Hause in Quarantäne liegt und sein Arzt ihn gebeten hat, schön zu Hause zu bleiben, damit er ihm das Wartezimmer nicht verseucht. Und weil Ralf als Medizinredakteur alles über diese „verdamte“ Grippe weiß, hatte er gestern total viel Angst um 11:35 Uhr und schreibt verzeifelt „Wann denn bloß endlich das Fieber aufhört und es bergauf geht? Oder ob es noch weiter bergab geht?“ Zur Strafe fängt auch Tag 5 mit Fieber an. Ralf schreibt dazu: „Super!“

Es bleibt spannend mit Ralf. Ich schicke Ralf herzliche Genesungswünsche und frage mich, was wohl wäre, wenn er jetzt ordentlich viele seiner Arbeitskollegen bei der großen deutschen Tageszeitung mit den vier Buchstaben angesteckt hätte? Vermutlich irgendwie: „Super!“

Nachtrag: Honk bleibt Honk! Im dritten Teil seines Grippe-Protokolls fühlt sich Ralf schon viel besser. Zwischendurch pinkelt er sich noch mal vor Angst schriftlich in die Hosen, weil doch jetzt ein Berliner gestorben ist und der war mindestens so fit wie Ralf und sechs Jahre jünger und … überall auf der Welt Menschen sterben an diesem Virus. (Und an vielen anderen Viren noch viel mehr …). Aber zum Glück rockt Facebook bei Ralf immer noch, ganz viele Leute, sogar welche von ganz weit weg, wünschen ihm jetzt nur noch „Gute Besserung!“ Ralf begreift das Upgrade von Beileidsbekundungen zu Genesungswünschen und findet: „Das baut auf!“

Samstag geht's Ralf wieder supergut, nur sein Freund kränkelt jetzt ein bisschen. Deswegen macht sich Ralf Sorgen. Und weil Ralf ja der tolle Gesundheitsredakteur von der deutschen Tageszeitung mit den vier Buchstaben ist und sich gerade mit dem „tückischen“ Virus infiziert hatte und deswegen total viel Ahnung von der Schweinegrippe, Quarantäne und Infektionsrisiken (Vampir!) hat, schickt er deshalb seinen möglicherweise auch infizierten Freund mal eben raus in die Welt und zur Arbeit. Weil: andere anstecken ist total: „Super“. Ach ja, und impfen hilft natürlich, rät jetzt der Ralf.

Übrigens, die einige Male, die ich in meinem Leben eine echte Grippe hatte, habe ich flach gelegen – so flach, dass ich garantiert die ersten vier Tage weder Rechner noch Fernseher anmachen konnte. Ralf aber kann Texte tippen und dumme Ratschläge erteilen und den Menschen zeigen, wie man alles richtig schön falsch macht, wenn man infiziert ist! BLÖD! (Hätte er doch nur wirklich 'ne Grippe gehabt!)

Werbung für Zielgruppen

2009-11-06

Dort …

wo Hatun starb, an ihrem Gedenkstein, tanzte gerade ein Hochzeitspaar mit der Hochzeitsgesellschaft bei Livemusik auf der Straße. Vier Jahre nach ihrem Tod durfte sie mitfeiern.

Schön!

Neulich …

hatte ich aus Rührung beinahe Pipi in den Augen. Ein eher drittklassiges halböffentliches Örtchen aber eine erstklassig liebevoll gefaltete Ersatzrolle Toilettenpapier vom Discounter. Das Leben kann so schön sein!

2009-11-03

Das ist ja der Hammer!

A: „Wir konnten sie telefonisch nicht erreichen, da habe ich Ihr Konto sperren lassen.“
L: „Ja. … und warum?!?“
A: „Sie wollten doch mal vor einiger Zeit bei uns eventuell einen Riestervertrag abschließen, dafür fehlt uns jedoch noch Ihre Sozialversicherungsnummer.“
L: „Ja und wieso sperren Sie deswegen mein Konto?!?“
A: „Ich dachte mir, Sie melden sich dann schon …“

Tankpfand: blogsprache. Allerdings, das Unternehmen hat mit Courage und Fairness auf den Fehler reagiert.

2009-11-02

Der Song zum Schwein



via bel

Echtes Halloween ist …

wenn man drei Mal von einem Sachbearbeiter zum anderen verbunden wird, um dann zu hören: „Da können wir jetzt nichts mehr machen, das macht alles alleine der Computer.“ …

WTF?

Psssst!

Die Statistiksoftware zeigt mir, dass heute nachmittag im Rahmen eines Seminars mein Blog (und det heißt Holy Fruit Salad! bitte!) besprochen werden soll. Das freut mich … in so illustrer Blog-Gesellschaft.



Dann wünsche ich allen Seminarteilnehmern viel Vergnügen, dem Seminarleiter ‘ne tolle Runde, allen viel Spaß die ganze Woche über – und wenn Fragen: dann fragen!

Und all' anderen Lesern erzähle ich heute einfach nur etwas über meine ureigene Meinung zum heutigen Montag-Wetter:

2009-11-01

Da könnt Ihr mal sehen …

wie wirklich wenig Ahnung ich vom italienischen Sprachgebrauch habe.

Der Minestrone!
Der Sugo!

Na, wieder was gelernt!

Ach ja: und Die Mozarella! Wenn wir schon dabei sind. Aber DER Steckrübeneintopf. Hatte ich erwähnt, diese Woche es geschafft zu haben, an eine völlig geschmacksneutrale Steckrübe geraten zu sein? Nun haben sie's geschafft, die Bauernlümmel. Jetzt produzieren sie sogar schon Rübe ohne Geschmack. Ganz großartig, Ihr Pappnasen!

Hummeln im Hintern …

persönlich reise ich ja immer sehr gerne mit anderen Bloggern mit: Frau Snap Happy verweilt gerade längere Zeit in Florenz, um der Pasta-Sprache mächtiger zu werden.

2009-10-31

Westerwelle



Dazu ein wundervolles Interview mit Funny van Dannen bei galore.de.

clip via gedankenhygiene

2009-10-30

Fotoblogstöckchen

Jetzt wo die Tage kürzer und die Nächte länger werden, die Stimmung trüber, die Schokolade wichtiger und wir wieder viel mehr Zeit für nicht sooo relevante Dinge haben, wie zum Beispiel endlich wieder unsere Blogs mit Inhalten und die der anderen mit Kommentaren zu füllen, kurz bevor uns wieder die Blogkochshow und das Blogweihnachtswichteln ins Haus steht, dachte ich so bei mir, wir haben uns lange nicht mehr mit Stöckchen geknechtet oder?

Die Aufgabe ist simpel und kann auch bei schlechtem Wetter durchgeführt werden. Ihr durchgrast Eure Wohnung mit offenen Augen und guckt Euch ein paar Gegenstände heraus, die Euch an Eure Kindheit erinnern. Diese werden fotografiert, gerne auch in neu lomografischer Handyqualität und dazu könnt Ihr gerne ein paar wenige bis viele Worte verlieren, warum dieser Gegenstand Eure Erinnerung weckt und Euer Herz berührt.

Ich lege los und setze meinen Eltern und Großeltern damit ein kleines Denkmal, was aber bitte nicht heißen soll, dass Ihr Euch auf bei diesem Stöckchen unbedingt auf Familie zu konzentrieren habt. Bei mir ist es nur so, dass dies gerade Gegenstände sind, die mir meine Verstorbenen immer noch ganz nahe scheinen lassen. Es sind solche Sachen, die mich behütet fühlen lassen. Und ein wenig schmerzt, dass es nach mir niemanden mehr geben wird, der mit diesen Gegenständen die Menschen, ihre Geschichten und Gerüche verbindet. Sie sind die Geschichten meiner Kindheit, sie machen mich heut noch in schwachen Momenten wieder stark!



Omas und Opas (väterlicherseits) Nussknacker. Ein von mir schon als Kleinkind bestauntes Stück Kinderglück. Lange Zeit durfte ich ihn nicht bedienen, weil man immer Angst hatte um meine Finger, nicht dass ich überhaupt die Kraft gehabt hätte. Dann wurde ich langsam von Oma und Opa an ihn in seiner Bedienung heran geführt. Dieser Nussknacker ist für mich sinnbildlich gleichwertig, wie das Fahrrad fahren lernen bei Oma im Garten. Mittlerweile hat sich bei mir eine größere, wenn auch noch allzu übersichtliche Nussknackersammlung aufgetan. Aber dieser Nussknacker ist mir immer noch der Liebste von allen – übrigens in der Praxis tatsächlich auch der Beste. Gucke ich ihn an, habe ich sofort Visionen vom Weihnachtsbaum im Wohnzimmer bei meinen Großeltern und sehe die Familienrunde bei Gänsegeruch in der Küche im Wohnzimmer sitzen. Opa hatte am 1. Weihnachtsfeiertag Geburtstag, das Zusammenkommen war Tradition. Außerhalb der Saison stand er bei Oma im Geschirrschrank, ich musste aber immer mit ihm spielen!



Omas (mütterlicherseits) Armbanduhr. Die schenkte mir meine Mama sehr früh, weil sie ihr nicht mehr passte. Oma war die einzige in meiner Familie, die Schmuck vererbt hatte. Es ist eine niedliche kleine Uhr, deren Ziffernblatt aus Pergamentpapier zu sein scheint und ich finde sie heute noch wunderschön – auch wenn sie mir langsam leider auch nicht mehr passt. Naja, die Uhr muss noch aus der Zeit sein, als meine Oma Tänzerinnenärmchen hatte.



Diese Porzellandose mit geklebten Deckel war im Haushalt meiner Mum und mir und war die „da hebe ich Geld auf“-Dose. Wann immer ich einkaufen sollte, sie aber vergessen hatte mir Geld hinzulegen, schickte sie mich an diese Dose. Dort sammelte sie immer die Fünfer (DM) wenn sie zu rauchen aufhörte oder das Trinkgeld ihrer Patientinnen. Meine Mum hing an der Dose, weil sie noch von meiner Oma war, ich hänge an der Dose, weil sie von beiden ist. Ratet was ich in der Dose sammle?



Das unglaublich schön-hässliche Blechtablett meiner Mum aus den 70igern. Stand bei uns in der Küche immer links auf dem Küchenbrett mit allen anderen Tabletts. Für mich die direkte Verbindung zur Pril-Blumen-Zeit. Irgendwann sagte ich meiner Mum einmal, sie möge das bitte niemals wegwerfen, weil es mich so unbedingt an meine Kindheit erinnert. Sie schenkte es mir dann an meinem nächsten Geburtstag. Es verleiht meiner Küche wohl das, was man gutes Karma nennt. Anlässlich dieses Fotos habe ich es vom Küchenschrank genommen und nun auch wieder auf das Fensterbrett platziert.



In dieser Rührschüssel hat mir meine Mum immer zu Geburtstag die Sachertorte angerührt. Ich glaube, ich bin das einzige Kind, das ich kenne, dass schon in jüngsten Jahren „ja!“ zu Zartbitterschokolade sagte. Wenigstens im Kuchen. In dieser Schüssel geschahen all die wundervollen Dinge, die mich als Kind begeistert hatten und glücklich machten. Als ich nach der Todesnachricht das erste Mal in der Wohnung meiner Mum war, war sie das erste Teil, das ich mit zu mir nehmen musste. Die Wichtigkeit dieser Schüssel für mich ist kaum zu beschreiben. Kaum etwas ist mehr meine Mum, meine Kindheit, als diese Schüssel.



Dieses Pralinenschale von der KPM habe ich von meinem Papa geerbt. Auch sie gehört dazu. Er hatte dort eine Zeitlang gearbeitet und uns 2te Wahl-Geschirr aus der Brennerei mitgebracht. Wer weiß, für welche Summen heute noch bei der KPM 2te Wahl-Geschirr verkauft wird, kann sich den materiellen Wert denken. Der Weg bei mir mit mir geschenkten Pralinen und Schokoladen geht üblicherweise so: erst auf die Schale als Opfergabe, dann in den Mund. Schmeckt viel besser. (Hier mit letzter Tomatenernte 2009 von Balkonien.) Und der ideele Wert liegt viel höher … vom Papa habe ich noch ein selbst von ihm graviertes Namenschild für meine erste Wohnung angefertigt, sehr kurz bevor er starb. Kann ich aber nicht zeigen, wegen dem Namen und so …



Mein Opa mütterlicherseits hatte am oberen Ende vom Ku'Damm, am Halensee, ein riesiges Teppichgeschäft. Aus dem Geschäft stammt noch dieses Buch, das mir meine Mum schon früh gegeben hatte. In dem Buch ist noch ein Stempel des Geschäftes mit Telefonnummer … der Laden wurde 1961 aufgegeben, kurz nach dem Tod meines Opas. Ich glaube heute fest, wäre alles anders gekommen, ich hätte sehr wahrscheinlich diesen Laden übernommen. Ich hätte Spaß gehabt an alten Teppichen, fernen Reisen und dem Handel. Ich hatte immer Spaß an den Erzählungen meiner Mum und Oma, dieser Mann war mir dank der beiden zeitlebens immer sehr nahe und wichtig!



Von dem gleichen Opa, den ich ja nie kennen gelernt habe, weil er dreieinhalb Jahre vor meiner Geburt verstarb, habe ich den von ihm sehr klassisch eingeschriebenen Füller geerbt. Was ich bis heute noch faszinierend finde, wir waren nicht blutsverwand, denn meine Mum war deren Pflegetochter, aber es ist der einzige Füller in dem ich in meinem Leben je anständig schreiben konnte – vom Schriftbild als auch von der Haltung für mich. Ich habe ihn vor einigen Jahren bei einem alten Familienbetrieb in Augsburg zur Reparatur gegeben, nachdem Pelikan meinte, ihn nicht mehr reparieren zu können. Er funktioniert!



Von meiner Oma väterlicherseits habe ich die Pfaff-Nähmaschine geerbt, die steht gerade bei einem Freund. Als auch ihre Puppensammlung und … Knopfsammlung, ganz wichtig oder noch wichtiger als die Knöpfe mit den dazu gehörenden Blechdosen! Der hellblaue Knopf, der da vorne liegt, gehörte zu ihrem Bademantel. Ein gesteppter Bademantel aus Polyester in dem sie immer Sonntag morgens auf der Coach saß und mit mir frühstückte, wenn ich bei Oma und Opa geschlafen habe. Diesen Bademantel werde ich nie vergessen! Mit seinem Anblick kommt auch immer so ein Geruch von gutem Golden Toast und Langnese Honig auf Butter auf. Oma und Opa konnten sich das damals schon leisten, für mich heute noch der Inbegriff von Luxus in meiner Kindheit.



Mein Opa väterlicherseits war gelernter Kunstschmied, arbeitete später als Schlosser. Aus seiner kreativen Zeit stammten die Vögel, die ich von meiner Oma übernommen hatte, sie konnte sie nach seinem Tod nicht mehr sehen. Sie hängen in meinen Wohnungen vom ersten Tag an über den Wohnungstüren und vermitteln mir immer das Gefühl von Freiheit und Offenheit. Freunde, die mich kennen, wundern sich sehr über Vögel in meiner Wohnung. Nun, es sind Opas wundervolle Vögel. Ich bin übrigens ein großer Freund von schmiedeeisernen Arbeiten, immer schon gewesen. Es muss etwas Genetisches sein!



Auch diese wunderschöne Katze von meinem Opa gemacht. Meine Katzenliebe kommt aus der Ecke dieser Familie. Dort gab es immer Katzen, auch das wurde mir ganz klar von der Sippe in die Wiege gelegt. Die Katze steht an meinem Bett, seit ich sie habe. Jeder der mich kennt denkt, sie stünde da, weil ich Katzen verrückt bin. Was natürlich stimmt, dass mit dem verrückt sein nach diesen schrullig-zärtlichen Biestern, nur sammle ich eigentlich gar nichts mit Katzen. Diese Skulptur hier ist einfach nur mein Opa und steht für das, was er mir mit ins Leben gegeben hat: die Liebe zur Kunst und zu den Tieren.

So, muss ich jetzt das Stöckchen zwangsvergeben oder nehmt Ihr es Euch selbst und macht was daraus?

Edit: Wie ich schon in den Kommentaren anmerkte, lasst Euch bloß nicht von meinen Fotos einschränken. Das Stöckchen heißt nicht, zeigt, das Ihr von Eltern oder so geerbt habt, sondern zeigt Gegenstände aus Eurer Wohnung, die Euch an Eure Kindheit erinnern. Das kann genauso gut die Orange sein, die Euch an Omis ausgepressten Orangensaft zum Grießbrei erinnert, der Euch in Eurer Kindheit glücklich gemacht hat. Also vielleicht weniger den Gegenstand suchen, als erst mal in Gedanken zurück reisen …

Hier die Links zu allen Mitmachenden …

2009-10-29

Guck an!

Einer geht, verschwindet aus dem Leben und prompt kehrt die heftig vermisste Kreativität kehrt zurück. Muss durch den Briefschlitz zurück gekrochen sein …

Morgen also Foto-Blogstöckchen, bevor diese kleinen süßen Blog-Schweinereien noch völlig aus unserem Leben verschwinden! Also Akkus laden!

2009-10-28

„Die Nishia …



war auf dem Balkon (doller Regen), die ist nicht so ein zartes, kleines, spanisches Zuckerpüppchen wie Du, Lino!“

Aus der Reihe: Kommentare auf die Kater lässig pfeifen könnten.

2009-10-27

Es ist so gar nicht buddhistisch …

aber wenn jemand versucht, einen selbst richtig fertig zu machen (das kleine verletzte Ego, kennt man ja), sollte man dann gleichfalls zurückschlagen? In gleicher Güte? Nur zwei Ebenen höher? Weil man es kann?

Ich habe das bisher noch nie gemacht, weil es nicht meiner Art entspricht. Andererseits habe ich dann daran immer so lange daran geschluckt, weil der eigene Schlag in den Sandsack fehlte und dann knabbere ich immer so lange daran, bis wieder die Sonne für einen selber scheint. Sollte ich jetzt erstmals auch wirklich Kontra geben? Auch link und fies sein? Once in a lifetime? Vielleicht habe ich ja Spaß daran? Am großen Spiel der Vernichtung? Rational agierend?

Ich würde damit jemanden sein Liebstes nehmen. Kleiner Stoß vom Thron!

Aber was, wenn's mir dann Spaß macht?

2009-10-25

Balkonien 2009



Wilde Blüten rechts. Wilde Blüten links.

2009-10-24

Ich machte mir überhaupt keine Sorgen …

wegen der Verfügbarkeit von Atomwaffen im Iran. Brauche ich auch nicht. Deutschland regelt seine Verseuchung schließlich höchstprofessionell selbst!

Hausputz

Dieses Produktanpreiseblatt

eines Geiz-ist-Geil-Ich-Bin-Doch-Blöd-Anbieters von wirres.net gefunden, ist wirklich die Härte. (Siehe meinen Kommentar – ich bleibe dabei, Satzfehler sind auch Schreibfehler).

Diese flachbrüstige Amazone

hat übrigens gerade ein Buch mit Styling-Tipps veröffentlicht.

Unbedingt kaufen!

Habe Amazon gut konditioniert,

finde ich, sie haben sich überlegt mir jetzt endlich Kettensägen anzubieten.

2009-10-23

Jack Wolfskin

reagiert auf die zahlreichen Kundenproteste. Angemessen.

Edit: Mehr zum Verlauf der Dinge bei wo sonst¿ Spreeblick.

Kontrollverlust

Wo ist mein Handfeger und meine Müllschippe?

Und warum kann man das Zeug nicht wenigstens anrufen, wenn man es verlegt hat?

2009-10-21

So mit Abkürzungen und so …

Wer, wie ich, bekennender Fan von Typografie ist, dem bricht mehrmals täglich das Herz beim Anblick falsch gesetzter Anführungszeichen, Apostrophen und Schrägstrichen. Nie würde ich behaupten, selbst perfekt zu sein in meiner Rechtschreibung – das Ding hat sich mit der Verwirrung dank Rechtschreibreformen leider völlig verselbstständigt, ich bekenne mich da als Leidtragende. Aber ehrlich gesagt, mir auch völlig egal wie Menschen privat kommunizieren. Aus der eigenen Familie und dank Freundschaften weiß ich, dass zum Beispiel Legasthenie die schriftliche Kommunikation für beide Seiten enorm erschweren kann. Da aber findet man immer Mittel und Wege. So trenne ich sehr strikt private schriftliche Kommunikation von professioneller und finde, es soll jeder schreiben (auch in Blogs) und großartige Texte oder Kommentare publizieren dürfen, auch wenn sie nicht fehlerfrei sind. Rechtschreibfehler sind mir hier echt schnuppe solange der Inhalt verständlich bleibt.

Wenig Verständnis habe ich jedoch für Fehler in einem für eine größere Allgemeinheit bestimmten Text. Will sagen, mein Verständnis für Fehler, wenn es sich dabei um Werbeinformationen handelt, ist nicht vorhanden. Wer wirbt und nicht bereit ist, das (heutzutage) wirklich bisschen Geld in die Hand zu nehmen, um einen Lektoren und Typographen bezüglich der Qualität seiner Druckmaterialien zu befragen, löst bei mir mehr Ärger als Wohlwollen seiner Produkte gegenüber aus. Leider ist das ein Trend, der selbst dort wo mit professioneller Textung Einnahmen generiert werden – nämlich in Zeitungen und Zeitschriften – zunimmt.

In der Berliner U-Bahn sind Monitore installiert, die in einer zehnminütigen Schleife dem U-Bahn-Konsumenten aktuelle Tagesmeldungen, Veranstaltungsinformationen und Werbung präsentieren, bekannt als „Berliner Fenster“. Dort wirbt aktuell auch die GAGFAH Group, ein im Berliner Wohnungsmarkt aktives Unternehmen. Es bewirbt im „Berliner Fenster“ seine Wohnanlagen mit „kinderfr. Wohnanlagen“.

So gehe ich davon aus, dass dieses Unternehmen besonders dafür wirbt, kinderfreie Wohnanlagen im Angebot zu haben. Das mag ein wichtiges zu bewerbendes Alleinstellungsmerkmal sein. Nur frage ich mich, was macht die GAGFAH Group mit den Mietern, die dort wohnen und vielleicht d(n)och erfolgreich sexuell aktiv sind? Müssen die dann mit Sack und Pack umziehen in für sie besonders bereitgestellte „kinderfreundl. Wohnanlagen“? Schon beschleicht mir als potentieller Interessent ein Image-Problem die GAGFAH Group betreffend, Kinder werden dort vielleicht nicht gemocht. (Dabei bin ich sicher, wollten die mir genau das Gegenteil vermitteln.)

Im „Berliner Fenster“ wird jeder besonders hervorgehobene Text anstatt mit den korrekten „typografischen Anführungszeichen“ ständig mit dem "Zollzeichen" publiziert, das tut genauso im Auge weh, wie es schlicht nach deutschen Rechtschreibregeln falsch ist. Die setzt übrigens auch die Duden-Sprachberatung in der Newsletter-Bestätigung genauso falsch. Na, macht ja nix. Sind bloß Profis.

So wird auch Dein Kind …

schon früh zum Amokläufer getrimmt.



Verbietet Kaugummi-Automaten!

2009-10-20

Winterreifen

2009-10-19

Lino

hat gestern still und leise beschlossen, jetzt doch auch das Monsterkissen wieder gut zu finden. Nishia ist sauer.

Genauer gesagt: Nishi ist so was von pissed! Bin ich froh, dass es die Blicke-Tötungsmaschine doch noch nicht gibt. Nishikowski ist so auf 100, dass sie ihm heute richtig eine reingewürgt hat. Aber Hallo! – hat die gesessen!

b.p.s. Falls Euch in Kürze irgendwo die etwas ungelenk formulierte Verkaufsanzeige für einen ex-mallorquinischen kleinen schwarz-weißen grazilen Riesenkater über den Weg läuft, in der er für genau gar keinen Gegenwert zur Abholung in Berlin angeboten wird, könntet Ihr mir dann bitte sehr schnell unauffällig einen Hinweis geben?

Per Mail …

Guten Tag,

wie mir über Twitter, Blogs, Online-Portalen Deutscher Magazine seit gestern ausführlich zugetragen wird, mahnen die von Ihrem Unternehmen beauftragten Anwälte gerade im großen Stil Privatpersonen ab, die „Pfotenabdrücke“ ihrer (nicht Ihrer!) Haustiere auf selbstgemachten Produkten nachbilden oder ähnliche Abbildungen auf privaten Homepages, Blogs etc. darstellen. Sie vermuten diese Menschen würden das Markenzeichen Ihres Unternehmens dazu verwenden.

Ich bedauere sehr, dass offensichtlich bei Ihnen momentan die Geschäfte so schlecht laufen, dass Sie zu solchen Geldeintreibemaßnahmen greifen müssen.

Womöglich laufen nun Ihre Geschäfte noch schlechter. Ich jedenfalls werde mich in Zukunft hüten auch nur noch ein einziges Produkt von Ihnen zu erwerben.

Vorsichtshalber mache ich Sie darauf aufmerksam, dass Sie nicht im Besitz der Markenrechte an den Abbildungen der Pfotenabdrücke meiner Haustiere sind.

Mit höflichen Grüßen
creezy

2009-10-18

Elektronische Gesundheitskarte

Wenn Euch Eure Kasse demnächst anschreibt und von Euch zur Einführung der neuen elektronischen Gesundheitskarte ein biometrisches Passbild verlangt, (wie Frau dyfa neulich passiert), dann der Kasse einfach nur was husten. Foto auf dem Ihr zu erkennen seid, reicht dicke.

Das wollte ich morgen früh posten …

Tsja, und so überholen sich die Posts im „geplant“-Blogfach. Aktuell wird gemeldet CDU- und FDP haben die elektronische Gesundheitskarte erst einmal gestoppt. Ich denke auch, es ist absolut sinnvoll sich erst einmal neue Gedanken über deren tatsächlichen Kosten und Konsequenzen als auch Akzeptanz beim Beitragszahler zu machen.

Urteile, auf die die Welt gewartet hat

Sehr schön und bei Richter Ballmann zu finden, ein Urteil schöner als das andere.

Habe mich …

gerade von einem Mann an brigitte.de verweisen lassen, um dort das Rezept für Gänserillettes zu recherchieren.

Das ist doch irgendwie gelaufen für ein Männer-Küchen-Magazin wie Beef!, so etwas wie die neue ct für den Küchenhengst. Die Jungs sind längst emanzipiert. Andererseits, in brigitte.de wurde natürlich noch nie gezeigt, wie man einen Hasen abzieht. Höchstens wie man Hase anzieht.

2009-10-16

Feines Wort gelernt diese Woche!

Mösenstövchen



… für Sitzheizung.

Schönes Hobby …

so für später nach ‘de Rente, wenn die Sommer heiß sind und Zeit lang wird. Kostet auch nich‘ viel …


pix © Magnus Muhr

via die vibes-bildche Laroussse

Auf den Punkt gebracht.

30 Tage zu früh 10 Grad zu kalt.

2009-10-14

Herrliche …

Mittwochmorgenlektüre. Das Harry Rowohlt-Interview in der taz. Der beste medizinische Artikel, den ich dieses Jahr gelesen habe. (Sollte auch nachmittags funktionieren.)

2009-10-13

Freunde

schenkten mir zum Geburtstag eine aufblasbare 44 in zwei einzelnen 4en in … flieder.

Erste 4 erlebte gerade dank der Katzen ihren höchstpersönlichen Exitus.

Jetzt bin ich wieder vier!

Ein Brot namens Hilde …



Dieser Text stammt aus einem Artikel, der in einer Frauenzeitschrift (wenn ich noch wüsste, welche …?) russische Frauen vorstellte. Gutes schmackhaftes Brot ist mittlerweile auch hierzulande ein Luxus. Davon abgesehen, dass für so manchen von uns hierzulande auch weniger gutes schmackhaftes Brot schon ein Luxus sein wird.


Das Walchenbrot - Roggenschrot und geröstete Walnuss, mein absoluter Favorit

In Berlin gibt es eine Straße, die Bergmannstraße, sie verbindet den Südstern über den Marheinekeplatz mit dem Mehringdamm, um als Kreuzbergstraße fortgeführt tatsächlich den Kreuzberg zu seinen Füssen umschmeicheln. Die Bergmann war früher guter solider Kreuzberger Kiez, so etwas wie der Ku-Damm aber für die Berliner Subkulturenten. Türkische Antiquariate, Second Hand-Kluft kiloweise in Hinterhöfen, ansonsten ein Mix aus Gothic-Klamottenläden mit einem bisschen Blümchen-Kosmetik, die völlig überschätzte Kaffee-Rösterei einer Amerikanerin und dem ersten Berliner Schuh-Outlett, Knofi wurde hier geboren, es gab eine schöne rustikale Alt-Berliner Markthalle. In den Querstraßen Comic-Läden, Möbelaufbereiter und der Friseur, der berlinweit erstmals bei Vollmond schnitt – viele der Geschäfte im Souterrain, Kohlenkellerverkaufspolitik.

Man hat die Markthalle vor zwei Jahren restauriert und viele deutlich überteuerte Fresstempel in ihr installiert – alles ist schön mulitkulti. Alleine der Umsatz schwächelt offensichtlich hier und dort, denn manchem Käsestand möchte man empfehlen den Käse, der es sehr offensichtlich hinter sich hat, aus dem Tresengeschehen zu entfernen. Die Markhalle schön offen in der Transparenz der klinischen Postmoderne gehalten, ihr und damit dem Markthallenkauf den eigentlich Reiz genommen, vermutlich hatte niemand außer den Investoren und Architekten jemals nach kontinentaler Übersicht in einer Markthalle gefragt. Alleine der kleine Stand in der Ecke, der Drogeriebedarf, Sonnenbrillen und Lotto feil bietet, führt noch den Urberliner Flair einer vergangenen Tante Emma-Exotik. In der Folge der Markthallenmutation hat sich auch die Bergmannstraße zur neuen Berliner Fressmeile gewandelt, verkrampft wollte man gegen den Wandel der Ost-City westlich anstinken. Nun also viel Öko-Kost, unzählige In-In-Thais und SlowFood-Style, dessen Tempo sich qualitativ bis zur Bedienung manifestiert. Man mag kaum glauben, wie sehr sich die neue Qualität der SlowFood-Bewegung in der zeitlichen Dauer – ab ihrer Bestellung eine Flasche Vitell in PET-Flasche endlich auf den Tisch gestellt zu bekommen – manifestieren mag. Die türkischen Antiquariate (ungeputzes, unsortiertes Silber) haben abgenommen oder sich plötzlich zu gehobenen Verkaufstellen von geputzem, sortierten Silber entwickelt, den exorbitanten Aufschlag im neuerdings Festpreis übersehen wir galant. That's the way love goes.

Der Ostblock

Und weil die Bergmannstraße von der Miete her jetzt ein teures Pflaster geworden ist, jede Designmarke hier glänzen möchte und auf der attraktiven Höhe dieser neuen ganzjährigen Halloween-Meile keine Gewerbeflächen mehr zu ordern sind, breitet sich das elitäre Fressen über ihre Grenzen aus und füllt inzwischen auch die bis vor kurzem kommerziell brachliegende letzte Ecke vom Südstern mit sinnlosem Design und gourmanden Leben. Das alles kann man gut finden und auch ablehnen. Hier und da will man es gerne wertschätzen. Zum Beispiel bei einem Angebot wie dem von SoLunda® Brot und Oel GmbH. Im Laden steht der Steinbackofen, die Zutaten sind aus kontrolliertem biologischen Anbau. Die Brote aus Hefe heißen „Blues“, „Jazz“, „Tibeter“ oder „La Boule“. Aus der Sauerteig-Ecke bestellt man den „Ostblock“, das „Hildegardbrot“ oder „Walchenbrot“. Diese Brote kosten meist über 5 Euro das Kilo, sind damit penetrant teuer. Aber sie werden auch gerne in kleinen Mengen abgegeben und geschmacklich trifft man auf eine Qualität, die man hierzustadt lange vermisst hat und daher gerne bezahlt.

Nun denn, Euro 5,60 für ein Kilo Brot sind immerhin knappe elf Ex-Deutsche Mark! Irgendwas sollte dann an der Lieferung gefälligst auch stimmen.


Hildegardbrot (nach Hildegard von Binnen, nur echt mit Galgant und Fenchel.)

Wenigstens ist deren Homepage noch echt Web 1.0. Gneisenaustraße 58, 10961 Berlin, Öffnungszeiten in der Woche 10:00-20:00 Uhr, Sa. 8:00-16:00 Uhr, Donnerstags auf dem Öko-Markt am Wittenbergplatz, Samstag auf den Märkten am Hackeschen Markt und Lehniner Platz zu finden.

Ach, und echtes Schwarzbrot gibt es da auch. Heißt „Schwarzkorn“ und dürfte in Berlin eine Rarität sein.

2009-10-12

Vegetarier bitte weg gucken!

Aber die Pfanne und ich: wir wachsen zusammen!

2009-10-11

Raderotik, …

bonfortinöse! Bei der Kaltmamsell.

Ich mag das …

Am Freitag bin ich endlich dazu gekommen, die neue Pfanne einzuweihen. Gemäß der Anleitung auf der LeCreuset-Homepage habe ich viel, sehr viel Öl, in der Pfanne solle es mindestens zwei Zentimeter hoch stehen, ordentlich heiß werden lassen, bis es dampfte und die Räumlichkeiten einmal ordentlich in den Geruch von Frittierfett einhüllte, um es dann wieder abkühlen zu lassen.

Danach habe ich mich am ersten Steak probiert. Steak vom türkischen Supermarkt. Ich kaufe es dort sehr gerne, weil das Rindfleisch anständig abgehangen und somit viel zarter angeboten wird als beim hiesigen Fleischer, der sich leider dem Wunsch seiner Kundschaft dahingehend gefügt hat, dass das Fleisch vor allem frisch auszusehen hat. Völlig ungeachtet der Farbe, dass Rindfleisch nun mal (ungefärbt) tiefrot aussehen muss und Merkmale eines Vergänglichkeitsprozesses aufweisen muss, die die fremdgesteuerte Hausfrau gleich wieder an die Sagrotan-Keule denken lassen.

Es passt mal wieder zusammen. Gestern kochte Tim Mälzer in der ARD in seiner neuen, aber leider unglaublich lahm produzierten Kochsendung ein Hüftsteak im ganzen Stück. Dabei sprach er länger über die Qualität von Rindfleisch und erzählte, dass er gerne sein Rindfleisch beim Metzger kauft und dort schon mal zehn Tage länger in dessen Kühlung liegen lässt, bis er es für die Zubereitung abholt.

Ich kaufe Rindfleisch lange schon gerne beim kleinen türkischen Supermarkt in der Hermannstraße. Dabei ganz bewusst einkalkulierend, dass der täglich längst nicht so viel Fleisch-Umsatz hat, wie der sehr schöne riesige sehr gut laufende türkische Supermarkt in ungefähr 300 m fußläufiger Entfernung. In der Konsequenz heißt das, bei dem liegt das Fleisch vom Rind ein paar Tage länger in der Kühlung und hat eine Chance zu reifen. Und das merkt man einfach. Ein Qualitätsmerkmal. Hühnerfleisch kaufe ich dort übrigens nie.

Gut kochen bedeutet in der Hauptsache gut einkaufen. Das funktioniert leider überhaupt nicht, hat man den Anspruch alles an einem Ort einkaufen zu wollen. Wer gut kochen möchte, muss sich bewegen, sich seine Zutaten erkämpfen. (Okay, das fällt auf dem Rad in der Stadt deutlich leichter als im Auto, ich habe keine Parkplatzprobleme.)

Das Fleisch war gut. So gut, dass der Kater, der nie rohes rotes Fleisch isst, plötzlich unten neben mir stand und sehr höflich eine milde Gabe einforderte. Gut, das tut er rein interessenhalber öfter, um solche Dinge dann nach Geruchstest gerne links liegen zu lassen. Nicht so am Freitag. Der beste Qualitätsindikator für einen guten Fleischer sind die Katzen, die können sehr konsequent Fleisch- oder Wurst, die sie eigentlich mögen, ablehnen. Üblicherweise kaufe ich dort dann nicht mehr ein.

Zurück zur Pfanneneinweihung, das Fleisch habe ich offensichtlich eher geschmort als gekocht. Der Grilleffekt war noch kaum vorhanden. Mein Fehler! Ich hatte unterschätzt bzw. gar nicht auf dem Schirm, dass eine gußeiserne Pfanne natürlich viel länger vorgeheizt werden muss, als eine Grillpfanne aus Alu. (Den Energietest hätte damit natürlich die Alu-Pfanne bestanden). Gut, heute Abend neuer Test. Offensichtlich muss ich mir diese Pfanne erst noch erarbeiten. Ich mag so kleine Wiederstände in der Küche, die man erst überwinden muss. Steckt darin doch das eigentliche Potential an Weiterentwicklung und irgendwann die Liebe zum Gerät.

So oder so ist es eine Freude, eine karibikblaue Pfanne zu reinigen. Ich gehe jetzt in die Küche zum Armtraining, Pfanne stemmen …