2020-02-21

Italiens Inseln



Auf arte.tv lief dieser Tage die Reihe „Italiens Inseln”, gestern das schöne Sizilien.

Heute waren es die Liparischen Inseln, Lipari, Vulcano, Salina, Panarea, Alicudi und Filicudi, die im Thyrrhenischen Meer vor Sizilien liegen.

Die zweite Sendung heute handelte von den Tremiti Inseln in Apulien, die im Adriatischen Meer vor Termoli liegen, ganz in der Nähe der Gargano-Halbinsel mit dem Nationalpark del Gargano.

Es sind wunderschöne Bilder – tolle Menschen, die dort ihre Umwelt schützen oder einfach ihrem Tagesgeschäft als Landwirte, Winzer, Fischer Köche nachgehen. Und es macht die Sehnsucht sehr groß und mir ist wieder bewusst wie wirklich schön dieses Apulien ist, wie groß. Und wie wenig ich bisher davon gesehen habe – obwohl ich dank Carmen Mancarella doch schon so sehr viel sehen durfte!

Absolute Guckempfehlung – und dann unbedingt den Urlaub in Apulien buchen!

2020-02-10

Wettergeschehen

Wunderte ich mich also gestern, warum das gesamte europäische Internet zum Hashtag #stormciara twitterte. Und nur Deutschland über #Sabine digital sprach.

Ich trug bereits Sorge in mir, die EU könnte uns Deutsche so weit kalt gestellt haben, dass wir mit ihren Tiefs nicht mehr mitspielen dürfen.

Warum das so ist, erklärte mir heute früh meine – wie immer sehr kluge – Twittertimeline. Offensichtlich hat das Institut für Meteorologie der FU Berlin das Wetter Deutschlands monetarisiert. Ein Tief gibt es für 199,—, das Hoch für 299,—, exklusive Mehrwertsteuer. Der Staat kassiert also bei diesem Schwachsinn ordentlich mit. Gestern hatte hierzulande eine Sabine Kaufmann zugeschlagen.

Das kann man seit 2002 so tun. Diese absolute Bescheuertness ist komplett an mir vorbei gegangen bisher.

Wenn Menschen vergleichsweise viel Geld für ein Sturmtief bezahlen, das zu massiver Sachbeschädigung und Wirtschaftsausfällen sowieso führt, höchstwahrscheinlich auch zu Verletzten, schlimmstenfalls sogar zu Toten – was bitte stimmt mit solchen Menschen nicht, wenn sie sich wünschen, dass Katastrophenwetter ihren Namen trägt?

Wie stelle ich mir das vor? Erzählen die später: „Dieses Sturmtief, das ich mir damals gekauft habe, das hat fünf Menschenleben gekostet und 20 Verletzte und die Deutsche Bahn kam total ins Schwitzen. Ha ha ha! So lustig!”???

Worin liegt da überhaupt der Sinn in der Gemeinschaft einer Europäischen Union? Das Menschen aus dem europäischen Ausland bei Reisen nach Deutschland in Kenntnis solcher extremer Wetterphänomene, um sich entsprechend reisetechnisch gut vorzubereiten, im Internet nach dem falschen Tief suchen?

Ich bin draußen. Ich kapiere so etwas nicht. Dieser Kapitalismus ist doch völlig kaputt. Der kann wirklich bald mal weg.

2020-02-09

Initiative Bruderhahn

Ich bin nicht der Typ großartiger Neujahrsvorsätze. Dieses Jahr hatte ich tatsächlich mal einen meine Ernährung betreffend: Ich möchte wirklich kein günstiges Fleisch mehr beim Discounter einkaufen, sondern möglichst nur noch Fleisch nicht mehr einzeln pro Portion in Plastik eingeschweißt, sondern von der Theke, möglichst aus der Bioproduktion. Das hat den pragmatischen Vorteil, dass ich in der Folge logischerweise aufgrund meiner finanziellen Situation deutlich seltener Fleisch essen werde. Um nicht zu sagen: sehr selten.

Das heißt nicht, dass das Shiinchen nur auf ihr Schabefleisch ab und an verzichten muss, keine Sorge.



Zu meinem Vorsatz gesellte sich neulich noch ein zweiter hinzu, nachdem ich neulich auf der Grünen Woche erstmals von dieser Initiative Kenntnis genommen habe: Die Initiative Bruderhahn.

Die ist simpel – man zahlt vier Cent mehr für ein Ei. Dafür werden auf dem Gelände der Legehennen geschlüpfte Bruderhähne eben nicht schon als Eintagsküken getötet aka geschreddert (was ich wirklich so dermaßen unmenschlich empfinde), sondern sie dürfen von dem Geld ein angenehmes Leben leben, aufwachsen, Sonne sehen, im freien Gelände picken und später ihrer Bestimmung auch zugeführt werden – was immer das sein wird. Tatsächlich heißt das natürlich auch Schlachtung und Vertrieb an Käufer, die ein Verständnis dafür haben, dass nicht jedes Geflügel voll überprallem Fleisch stecken muss. Wobei Bruderhähne das durchaus auch als Merkmal – je nach Rasse früher oder später – aufweisen können. Man kann männliche Küken durchaus auch in die Mast nehmen. Sie brauchen nur deutlich länger dafür als die üblichen für den Verzehr gezüchteten Hühner, das macht sie eben teurer. Aber rechtfertigt das ihre Schredderung?

Das oben im Foto sind also meine ersten Eier aus so einer Bruderhahn-Initiative, gekauft am Mittwoch auf dem regionalen Ökomarkt am Karl-August-Platz am Wochenende. Ja, diese Eier sind sehr teuer (vermutlich die teuersten, die ich je gekauft habe.) Sechs Eier kosteten 4,10 Euro. Aber ich weiß, die Hühner haben ein gutes Leben in freier Natur, sie leben untereinander in einem normalen Hühnerumfeld mit den Geschlechtsgenossen und -genossinnen. Das scheint es mir allemal wert zu sein. Und so irre groß ist mein Eierkonsum eh nicht mehr gewesen in der letzten Zeit. (Die Eier sind übrigens super lecker.)

Die kleinen Dinge ergeben irgendwann im Guten auch das große gemeinsame Ding.

Bioland und Demeter sind Mitinitatoren dieser Organisation, die es nun seit bereits sechs Jahren gibt. 30 landwirtschaftliche Betriebe machen mittlerweile bei BID mit – seit Bestehen der Bruderhahn Initiative wurden deutschlandweit über 50 Millionen Eier verkauft. Das, finde ich, ist doch ein Anfang – ein guter gegen diese unsäglich üble Kükenschredderpraxis.

Eine Liste der Händler, die Eier (und auch das Fleisch) von Betrieben anbieten, die an der Initiative zum Tierwohl teilnehmen, ist auf der Homepage zu finden. In Berlin sind es u.a. Filialen der BioCompany und Denns. Lest hierzu die interessante (etwas ältere) Pressemitteilung der Bio Company.

2020-02-08

Mal was anderes …

… ich habe vorhin (mit Kaffee und Katze im Bett) in einer Wiederholung auf arte.tv eine Geo-Reportage über das Trüffel sammeln in Kroatien gesehen: Kroatien, das Paradies für Trüffelsammler. (Bis 25.02.2020 verfügbar.)

Ich denke, es wäre eine wundervolle neue Profession für mich: Trüffel-Sammlerin. Ich wäre den ganzen Tag in wunderschönen Landschaften, hier: Wäldern unterwegs. Begleitet von sehr treuen Freunden wie ambitionierte Trüffelhunde. Ich sammelte den ganzen Tag Schätze – und am Ende eines jeden Tages würde ich andere Menschen mit dem eigenen Fund glücklich machen, verdiente damit mein Geld und hätte vorher meinen lustigen Hunden ständig erklärt, was für tolle Geschöpfe sie sind.

Ziemlich sicher würde ich ständig von den Kunden auch hier und da zum Essen eingeladen. Ich wäre für sie auch der beste Gast, denn ich mag persönlich gar keinen Trüffel essen müssen.

Und: Kroatien muss einfach wunderschön sein. Da könnte man also auch einmal gelegentlich hinreisen. Ob mit oder ohne Trüffel.

2020-02-07

Neulich gesehen …

… in einem Bus der Berliner Verkehrsbetriebe. Ja, der BVG.



Nur dank Sitzrückenlehne nicht hinten runter gefallen.

2020-02-06

Sprachlos

Weil tief betroffen.

FDP. Thüringen.

2020-02-01

M29

Gestern unterhalten sich zwei junge Menschen im M29 (für Nichtberliner, das ist der Bus, der einmal quer durch die Stadt fährt vom hinteren KuDamm-Ende [und noch ein bisschen weiter zurück] bis durch das wilde Neukölln, um am Hermannplatz in Kreuzberg zu enden. Es ist der Bus, der nie kommt – oder drei von ihm auf einmal.) ein paar Sitzreihen hinter mir. Es sind offensichtlich Auszubildende und sie reden über ihre Mitauszubildenden, sonstige Kollegen, später dann auch ihre Eltern. Ich sage es mal so: vermintes Gelände wäre gegen diese verbale Hetzjagd Spatzenschiss dagegen. Keiner der nicht anwesenden Protagonisten ist gut genug, allerhöchstes Prädikat – nachdem über die Person viel Schlechtes gesagt wurde – „eigentlich geht er ja”.

Liebe fließt lediglich als beide von ihren Haustieren sprechen. (Sie können es. Das macht Hoffnung – und traurig zugleich.)

Als der junge Mann, der in seinem Sprachgebrauch alle Merkmale eines sehr unsicheren jungen Mannes die junge Frau neben ihm dringend beeindrucken wollend hören lässt, dann unter dem Eindruck des Todes des Cousins des Vaters (wohl beide herzkrank) von seinen Ängsten des etwaigen Sterbens seiner Eltern spricht, weil die schon so alt wären (50, 51) musste ich dann doch einen sehr streng amüsierten Blick rückwärts senden. Auch wenn sein Vater wohl bereits einen Herzinfarkt gehabt hatte. So nicht, mein lieber Jungspund!

Beide Jugendliche sind offensichtlich Kinder von Eltern, die sich sehr wenig leisten können. Die Mutter ist lt. Aussage ihres Sohnes ein Messie mit dreifachem Schulterbruch und aus dem Job geworfen, weil er zwei Wochen krank war und sie sich um ihn gekümmert hatte, seitdem arbeitslos; der Vater berentet. Die junge Frau empfiehlt dem jungen Mann die Sachen der Mutter wegzuschmeißen, da er darüber spricht lieber in der (direkt nebenan liegenden Wohnung) Einzimmerwohnung des Vaters zu leben, weil er dort von Gegenständen der Mutter nicht belästigt wird. (Der Vater ist voller Absicht direkt nach nebenan gezogen, weil er bei seinem Sohn trotz Trennung sein wollte, also scheinbar ein Vater, der vieles richtig machen möchte.) Aber als er einmal vier Wochen zu seinem Vater gezogen sei, wäre es seiner Mutter sehr schlecht gegangen. Entrümpelt hätte sie danach aber immer noch nicht.

Ihr Mutter indes ist erst 32 Jahre alt und ihre Eltern lassen sich gerade scheiden. Aber man muss vorsichtig sein, denn ihre …… kleinere Schwester sei doch jetzt in der Pubertät. Beide erklären weiterhin – mangels Geld – nur sehr wenig gereist zu sein bisher im Leben.

Ich musste dann aussteigen.

Mit etwas Zynismus könnte man in der Folge dieses Gespräches Berlin im M29 wahrscheinlich herovrragend Gesprächstherapien/Lebensberatung anbieten.

Aber eigentlich macht mich dieses Gespräch nur sehr traurig, denn so wie die Kinder sprachen (keine typische Berlinerprollsprache) – auch mit ihrer leicht übertriebenen Altersklugheit aber immerhin klug – ist klar, das sind Kinder aus einer typischen Mittelschicht; Kinder von Paaren, die offensichtlich alles richtig gemacht haben. Auch wenn sie darüber die Liebe verloren haben. Eltern, die beruflich oder gesundheitlich, einfach irgendwann einmal Pech hatten.

Die Kinder geschaffen haben, die offensichtlich sehr bemüht sind ihren Weg zu gehen – aber dem Gespräch nach mussten sie sehr sehr früh Kindheit drangeben und erwachsen werden. Und Verzicht und Armut kennen sie beide.

Und das macht verdammt traurig.

2020-01-31

„Deutschlands …

… beste Jung-Bestatterin*.”

Wettkampf im Bestattungswesen. So wichtig!



*TV-Bericht

2020-01-29

Unsere wundervolle Pilates-Lehrerin …

… hat uns Montag alle dafür gelobt, wie gut wir seien mittlerweile und wie gut wir die Übungen durchgehalten hätten.

Das war wie selbst gemachtes Vanilleeis.
Mit Bourbon Vanille.
Und frischen Erdbeeren.
Mit ein paar Tropfen Balsamico di Modena.
Und Sahne.
Ganz leicht mit Lavendelzucker parfümiert.

2020-01-28

Coronavirus

Zum Coronavirus – im Grunde ist es eine Grippe, da gilt wie immer, es trifft die mit den schwächeren Immunsystemen härter als andere. Also mit anständiger Hygiene wie regelmäßig Hände waschen, hier und da mal ein Desinfektionsmittel verwenden (insbesondere trifft man auf erkältete Mitmenschen) ist eine prima Sache.

Auch in China sieht es zur Zeit so aus, dass die Verstorbenen eher Menschen waren mit Vorerkrankungen etc. Also diese (wie auch ältere Menschen, Kinder) sollten über Hygiene- und Schutzmaßnahmen nicht nur nachdenken, sondern auch anwenden. Menschen unter einer aktuellen Chemotherapie, finde ich persönlich, sind nicht übervorsichtig, wenn sie sich mit Mundschutz nach außen bewegen.

Die gängigen Mundschutzlösungen haben übrigens zwei Seiten: eine weiße und eine blaue. Die Blaue ist die wasserfeste Seite, da wir beim Coronavirus von Tröpfcheninfektionen ausgehen, ist es daher viel cleverer die blaue Seiten nach außen zu tragen.

Die eigentliche ätzende Sache am aktuellen Virus ist die relativ lange Inkubationszeit – in der man ohne von der eigenen Ansteckung zu wissen – bereits selber ansteckend ist. Bei einer normalen Grippe sind das im Schnitt lediglich drei Tage. Bei diesem Virus sind es nun aber 14 Tage. In zwei Wochen kann man viel unterwegs gewesen sein und eine Menge Mensch getroffen haben – und angesteckt haben. Das potenziert sich!

Also wer am Anfang seiner Ansteckung in Berlin am Wochenende z. B. in den Sage Club geht – und am nächsten Wochenende noch einmal, der hat dann unter Umständen eine nicht geringe Menge an Menschen unwissentlich infiziert – und die in der Folge noch deutlich viel mehr Menschen. Und dann hat man selber immer noch gute fünf Tage Zeit ein paar Leute mehr zu infizieren.

Das ist die eigentliche Tragödie bei diesem Virus!

Hauptproblem in Deutschland ist leider, dass wir hierzulande – da hier ja alles nach 15 Jahren Merkel-Regierung runter gerockt ist, was das öffentliche Leben bedingt – die Krankenhäuser Quarantänestationen im hohen Maß runter gerechnet haben und lieber zu First Level Medizintourismus-Bereiche umgebaut haben. Privatpatienten aus dem Ausland bringen so schön viel Budgeterleichterung.

Will sagen, solch ein faszinierend zeitnaher Durchgriff und Handlungszwang im Katastrophenfall, wie wir gerade in China sehen können, das wird hier in Deutschland nicht passieren, weil Krankenhäuser gar nicht mehr für solche Katastrophen ausreichend mit Raum und Personal ausgestattet sind.

Ansonsten informiert das Robert Koch Institut zeitnah über den Coronavirus und Empfehlungen online – ganz ohne BLÖD-Zeitungsdrama!

Und grundsätzlich – das ist ein Fachwissen, das nie schadet – kann man sich angesichts der Situation in China ruhig vorsorglich mit den Empfehlungen vom deutschen Katastrophenschutz beschäftigen. So ein paar Flaschen Mineralwasser und Nahrungsmittel im Keller vorzuhalten, kann nicht schaden, wenn es klüger ist ein paar Tage nicht das Haus zu verlassen.

Ich war die Tage auf der Grünen Woche 2020 am Stand vom Katastrophenschutz – und kann für mich sagen, es ist ein interessantes Thema, dessen eigenen Schulwissen man ruhig ab und an auffrischen kann – und den eigenen Haushalt für Notlagen überprüfen kann.

Und in einem solchen Fall, womöglich bei eigener Infektion, im Haus bleiben zu können – also keine Leute dann wissentlich einem Ansteckungsrisiko auszusetzen – ist die allerbeste Sache.

Und damit wären wir bei der allerwichtigsten Maßnahme, die ein jeder von uns zur Zeit vornehmen sollte: Wenn Ihr Anzeichen einer viralen Infektion an Euch bemerkt, bleibt verdammt noch einmal zu Hause! Mit allem anderen gewinnt man keine Punkte, schädigt schlimmstenfalls andere Menschen!

Euer Arbeitgeber wird Euch immer ersetzen können, nachdem er Euch einen Kranz auf das Grab legen musste.

Seid nicht so blöd wie 2009 (Schweinegrippe) der Ralf von BLÖD blöd war! Der war nämlich unbeschreiblich blöd!

2020-01-12

Luisa Neubauer möchte nicht das Zirkuspferd der Siemens AG sein

Ich bin Fan! Diese Frau gibt mir viel Zuvertrauen in einen sehr großen Teil unserer heutigen Jugend – und ich liebe es so ganz nebenbei ihr dabei zuzusehen, wie absolut souverän und extrem eloquent sie in der Öffentlichkeit auftritt.

Das öffentliche Auftreten von ihr und anderen dieser jungen Aktivisten generell, habt Ihr auch zur Kenntnis genommen wie sehr souverän sie und andere junge Leute heute ohne Zettel frei vor großen Massen sprechen? Unaufgeregt. Inhaltsfixiert.

Während sich die ewig lange schon im Job befindliche deutsche Politikerriege steif und an Zetteln festhaltend, eine Sprache längst vergangener politischer Tage spricht, der niemand mehr zuhören mag, weil sie sich nicht mitentwickelt hat mit dem Denken und Handeln des restlichen Volkes über die Jahre. „Zap mich weg!”-Langeweile.

Da gibt es einen Umbruch und ich mag sehr diesem beizuwohnen. Auf unsere vielen jungen Menschen in diesem Land!

Freitag donnerte es durch die Presse und Sozialen Medien, publiziert von Siemens, man – in Person Siemens-Chef Joe Kaeser – hätte Luisa Neubauer das Angebot gemacht, künftig im Aufsichtsgremium der Siemens AG zu arbeiten und so unter anderem speziell an weiteren Gesprächen zum Köhleförderprojekt Carmichael-Mine in Australien teilzunehmen. Für das Unternehmen geht's um den Auftrag der Schienensignalanlage im Projekt. In dem Kohlebergwerk sollen nach Inbetriebnahme bis 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr (!) abgebaut werden, die teilweise über das Naturreservat Great Barrier Riff abtransportiert werden sollen. Ökologischer Wahnsinn par excellence.

Die Entscheidung zu diesem Projekt muss so kurzfristig erfolgen, dass hier fachliche Beratung gar keine ernsthafte Wirkung noch auf die Vertragsgestaltung haben dürfte. Das Siemens-Angebot darf schon alleine deswegen als faules Ei betrachtet werden.

Aber generell war diese Offerte anbiedernd und unüberlegt. Das Projekt Carmichael-Mine ist unter normalen Umständen schon ein sehr schwieriges Thema in der heutigen Zeit – wer am Kohleabbau mitverdient, setzt sich nun einmal in das stachlige Nest einer Energiegewinnung, die als extrem das Klima gefährdend längst als Schwarzer Peter ausgemacht ist und als weit überholt gilt. Die Bilder der ehemaligen Natur von Gegenden in denen Kohle abgebaut wurde, sprechen genauso ihre Sprache. Auf die Idee zu kommen, sich an dieser Stelle der deutschen Klima-Aktivistin bedienen zu wollen – als prestigeträchtiger Coup, hat man dann doch auch die Guten mit ins Boot geholt – ist eine durchaus gängige Form im Lobbyismus. Und einkalkuliertes Schmankerl für spätere Pressearbeit aber man hätte ahnen können, dass hier diese Mechanismen nicht mehr funktionieren würden.

Zunächst einmal ist gegen solche Angebote nichts zu sagen, üblicherweise holen Unternehmen auch Kritiker von Projekten mit in die Verhandlungen, Lobbyismus funktioniert genauso von unten nach oben wie von oben nach unten.

Siemens hat das auch schon immer so praktiziert, kauft Kompetenzen extern ein. Auch kritische Stimmen. Man möchte vorbereitet sein, ggfs. bei Projekten frühzeitig erkennen, wann Umstände einen besser frühzeitig (also bevor zu viel Geld verbrannt wurde für nichts) aus einer Projektplanung aussteigen lassen. So spart Fachexpertise der Gegenseite durchaus Geld. Praktisch ist dann aber auch, dass man natürlich die kritischen Stimmen vertraglich durch die üblichen Stillschweigeklausel ruhig stellen kann. Sogar übergeordnet vom etwaigen Auftraggeber, Siemens wäre sehr fein raus gewesen damit. Neubauer als prominente Person der Gegenseite mit an Bord – mit Maulkorb.

Siemens hat bei der Carmichael-Mine zusätzlich zum schwierigen Thema Kohleabbau nun als zusätzlichen Gegner die schrecklichen Bilder der aktuellen Brand-Apokalypse in Australien an der Backe. Die unfassbaren – längst nicht mehr menschlich greifbaren Zahlen – von riesigen Flächen verbranntem Land, Milliarden von getöteten Tieren. Aber auch komplett vernichtete Tier-Populationen – was noch einmal etwas anderes ist als verbrannte Tiere – denn hier sind Tier- und Insektenarten en masse vernichtet worden, nicht mehr reproduzierbar. Von den in den Bränden verletzten, getöteten Menschen und deren vernichteten häuslichen Existenzen ganz abgesehen.

Die Umwelt massiv schädigende Projekte in Australien dürften in nächster Zeit die Aura eines Unternehmens nicht positiv wirken lassen.

Die Vorzeichen sind so mies in dieser Sache, dass ein kluger besonnener Kopf jetzt sagen sollte: „Wir lassen das.” Oder zumindest „Wir vertagen das.” Dummerweise hat Australien einen Premierminister, der offensichtlich nicht sonderlich helle ist und, was die Klimaproblematik anbelangt, ein Leugner. Man hier also politisch auf Unterstützung hinsichtlich taktisch kluger (wenigstens) Aussetzung dieses Projektes, nicht hoffen kann. Siemens steckt also im Schlamassel.

Sie können das Projekt ablehnen und in den sauren Apfel beißen, da Konventionalstrafen zum aktuellen fortgeschrittenen Zeitpunkt des Projektes fällig würden. Oder auf die Idee kommen, Deutschlands derzeit bekannteste Klimaaktivistin mit ins Boot zu holen für ein bisschen Imagepflege. Das tut man indem man dieser Person ein Angebot macht, von dem Siemens glaubt, das könne sie gar nicht ablehnen. Hier ein bisschen Consulting für die gute Sache, dort einen etwaigen Aufsichtsrat-Job in Aussicht stellen – wie man das halt so macht. Angebote bei denen Politiker mit wedelnden Fahnen herzlich gerne zugreifen üblicherweise, ist es doch gängiges politisches Versorgungsmodell in der heutigen Zeit.

Solche Angebote macht man üblicherweise im Stillen. So, dass etwaige Verhandlungen im Stillen geführt werden können, man die Eckpunkte sauber ausarbeiten kann, so dass jede Seite – auch die politische – im sauberen demokratischen Stil das Gesicht wahren kann.

Angebote dieser Art macht man nicht laut – und man geht vor allem nicht mit solchen Angeboten in die Öffentlichkeit, bevor die andere Seite davon überhaupt Kenntnis und dazu Stellung nehmen kann. Siemens tat das Freitag genauso. Es steht dabei zu vermuten, sie taten es auch mit dem Kalkül, dass es ein besonders cooler PR-Coup wäre, es genau am letzten Freitag zu tun an dem Die Grünen ihr 40-jähriges Bestehen feiert. Neubauer ist hier Partei-Mitglied.

Was für ein unfassbar schlechter Stil von Siemens. Nahezu dilettantisch zu nennen. Der wird so öffentlich schlecht nicht einmal im Fußball-Business praktiziert. Es war so unfassbar jämmerlich schlecht inszeniert von Siemens, dass mir gerade die deutsche Herkunft des Unternehmens als Deutsche peinlich ist. Was hat die da nur geritten? Bilden wir ernsthaft an unsere Universitäten die Eliten aus, um solche peinliche Schüsse ins eigene Bein abzugeben? (Der Fachkräftemangel muss wohl gravierend sein in diesem Land.)

Die Antwort von Luisa Neubauer – Freitag Abend im TV auf der Geburtstagsfeier der Grünen vom ZDF interviewt – war dann auch so deutlich, wie von ihr zu erwarten, wie für das Unternehmen Siemens hoch peinlich. Sie forderte Siemens zunächst einmal auf, aus diesem Kohleförderungsprojekt in Australien auszusteigen – bevor sie sich überhaupt nur auf etwaige Gespräche einlassen wolle. Weil es die einzige sinnvolle Möglichkeit ist – zu dieser Zeit, vor allem in diesem brennenden Land. Das war so kompromisslos öffentlich kommentiert, wie es Siemens übrigens vorher hätte klar sein können, dass dies ihre einzige Antwort sein könnte nach diesem Jahr des straßenpolitischen Kampfes und der weltweiten Klimasituation weltweit.

Was hat Siemens geglaubt? Was sollte die dumme Idee, man könnte eine der deutschen Leitpersonen der Klimaaktivisten simpel mit etwas geschäftspolitischer Großzügigkeit einsammeln und für die eigenen Geschäfte gefügig machen? Dabei den PR-Deal des Jahres landen? Haben die immer noch nicht kapiert, dass es diesen jungen Menschen um etwas ganz anderes geht als um Prestige, Geld und Seelenverkauf?

Was hat sich Siemens da für einen Diletantismus erlaubt? In aller Öffentlichkeit? (Man wollte beinahe „How dare you?” bemühen an dieser Stelle, wäre es nicht sogar für mich als einfache Bloggerin zu platt.)

So mochte ich sehr gerne sehen wie Luisa Neubauer gestern höflich souverän im TV (!) das Siemens-Angebot abschmetterte. Und im Hintergrund die Grünen-Party abging. Die Party, deren Anlass Siemens hier dummdreist für sich instrumentalisieren wollte für die eigene Sache und die nun herrlich höhnische Kulisse einer öffentlichen Ohrfeige, einer sehr berechtigte Ohrfeige, Neubauers an Siemens war.

Ich feierte, wie sie klipp und klar definierte, dass es für sie nur einen Zugang für weitere Gespräche gäbe im Sinne der Siemens AG, nämlich den völligen Rückzug aus dem Projekt Carmichael-Mine. Der Umwelt, dem Klima zuliebe. Sie somit höflich distanziert indirekt erklärte für übliche Polit-Spielchen der Siemens-Vorstände nicht zur Verfügung zu stehen und sie sich vom Konzern nicht vertraglich den Maulkorb verpassen lassen wollte. Sie generell solche Posten für sich ausschloss.

Wie konnte Siemens diese Frau nur so unterschätzen?

Stattdessen muss sich der Konzern nun in einem viel weiteren öffentlichen Kontext zu diesem geplanten Geschäft stellen. Vielen Deutschen war bis gestern Abend noch gar nicht klar, worum es in der Sache eigentlich ging. Das hatten übrigens auch einige deutsche Medien interessanterweise im Zusammenhang mit dem Neubauer-Angebot versäumt zu berichten. Für mehr als „Siemens böte Neubauer einen Aufsichtsratposten an”, hatte es bei denen inhaltlich nicht reichen wollen. So spannte auch die Presse gänzlich unreflektiert (weil sie in Person zu dem Zeitpunkt nämlich unbefragt) Luisa Neubauer vor den Siemens-Karren, dass man von professioneller journalistischer Tätigkeit wirklich nicht mehr sprechen kann.

Luisa Neubauber argumentierte, dass ihr immer mächtiger werdender politischer und – im Moment – einzig richtiger Aktionismus der von der Straße sei! Und es für solche personellen Angebote durchaus bereits klar definierte Experten bei Science for Future gäbe, denen Siemens das Angebot antragen könne. Und, das wiederholte Neubauer mehrfach im Interview, es für Fridays for Future es keine Alternative als den Ausstieg Siemens aus dem Projekt gäbe.

Nur guckt nun eine deutlich breitere deutsche Öffentlichkeit drauf als Siemens es vermutlich je lieb gewesen wäre. Den Schlamassel haben sie sich selbst eingebrockt.

Wer meint, Menschen in der Öffentlichkeit unter Druck stellen zu dürfen, borniert und denkbar uncharmant, der bekommt hier und da umgekehrt von gefestigten Persönlichkeiten in Antwort die Pistole auf die Brust gehalten. Auch öffentlich. So kann es gehen. Und womöglich müssen die Unternehmen in dieser Welt langsam begreifen, dass die jungen Menschen auf der Straße gar nicht mehr zu käuflichen Art ihrer Rasse gehören. Das nichts mehr so einfach sein wird in ihrer bornierten Welt des Kapitalismus. Es muss weh tun.

Man ist nie zu alt, um noch umlernen zu können – das macht die Spezies Mensch aus, dass sie das kann. Und hier wäre es sogar für die gute, nämlich existenzielle Sache.

2020-01-04

Der Zuckerhut



Dieser Zuckerhut lat. Cichorium intybus var. foliosum f. cylindricum, auch als Fleischkraut oder Herbstchicorée bezeichnet, hat wenig mit Zucker zu tun, ganz im Gegenteil. Der Zuckerhut ist ein Salatkopf, lang gezogen, der vorrangig aus Italien (Pan di Zucchero), Österreich und Südfrankreich (Chicorée Pain De Sucre) stammt. Im Grunde sieht er aus wie der weichere Zwilling vom Spitzkohl.

Ich sprach neulich in illustrer Runde über meine Freude einerseits, dass im Spätherbst es endlich wieder Frisée-Salate im Handel gäbe, die ich wegen ihrer Bitterkeit sehr schätze. Empfohlen hatte mir diesen Salat die Ergotherapeutin, aus Österreich stammend, als ich ihr mein Leid darüber klagte, dass ich gerade einen Frisée-Salat gekauft hätte und dieser überhaupt nicht mehr bitter schmeckte.

Das ist mein Leiden mit heutigen Salaten. Ich liebe Bitterstoffe, ich weiß auch, dass sie uns in der Nahrung sehr gut tun – immerhin regen sie ordentlich den Stoffwechsel an. Ein großartiges Geschenk der Natur für alle Menschen, die ein wenig Hüftspeck abbauen möchten oder der Leber Gutes tun wollen.



Aber die grüne Industrie ist der Meinung neuerdings aus allen Zichorien-Gewächsen und Salaten und sonstigem Gemüse alles an Bitterstoffen hinaus zu züchten, was nur geht. Um sich für die entstandene Banalität im Geschmack zu feiern. Schade. Ich habe mittlerweile überhaupt keinen Lust mehr Chicorée oder Radiccio zu kaufen. Es ergibt für mich einen Sinn mehr. Schmeckt alles nach Einheitsnichts.

Den Zuckerhut mit dem Bitterstoff Lactucopikrin, der übrigens ebenso zu den Zichoriengewächse (Wegwarten) gehört, den haben sie so scheint es noch in Ruhe gelassen.

Er sei nicht leicht zu finden, der Zuckerhut, prognostizierte mir die gute Frau und versprach mir einen mitzubringen, würde sie einen im Handel sehen. Er wird erst ab Oktober bis Ende März geerntet – ist also ein echter Wintersalat. Bei Denns gäbe es ihn manchmal, sprach sie. Also hielt ich wie ein Trüffelschwein die Augen offen. Gefunden habe ich ihn dann tatsächlich an einem netten Gemüse- und Obststand auf dem Bio-Markt am Leopoldplatz. Demeter-Qualität vom Flora-Hof (sie haben Samstags auch Hofverkauf in Potsdam.)

Ein Salatkopf kostet dort Euro 2,50 (2022 € 3,50). Dafür bekommt man aber einen riesigen langen Salat, an dem ich problemlos vier Tage lang essen und dabei jedes Mal einen riesig großen Salatteller genießen kann. Ein Vorteil dieses Salates ist, dass er sich auch nach der Ernte erstaunlich lange frisch hält, kühl untergebracht. Bis zu vier Wochen Lagerungsfähigkeit! Welcher Salat kann das schon? Der Zuckerhut zählt somit zu Recht als Lagergemüse. Er kann z. B. gut auf Balkonien bevorratet werden.

Natürlich kann man in seinen Blättern auch Füllungen einrollen und das Ganze dünsten wie beim Wirsing bzw. den Salat generell dünsten und als Beilage oder generell als vegetarischen Hauptgang servieren.

Mittlerweile hat ihn übrigens auch wieder Denns im Angebot (als Kiloware) für Euro 1,99. Wer bittere Salate mag, ich kann ihn Euch nur sehr ans Herz legen!

Edit: Preis 2022 € 3,99/kg (Preiserhöhung liegt übrigens wirklich mit an den zu heißen Sommern.)

2019-12-31

Rutscht gut!

Wieder ist ein Jahr wie im Fluge vergangen. Es war mir ein gutes Jahr.

So schwierig es angefangen hat mit einer ordentlichen Portion Schmerz und mittendrinnen einigen wirklich harten Wochen, war es in der Hauptsache ein Jahr voller neuer Wege und guter Entscheidungen, mit lieben alten und neuen Freunden, wundervollen Menschen!

Ich durfte sehr schöne Reisen machen und dabei sehr feine Menschen kennenlernen! Tolle Plätze besuchen, neue Eindrücke gewinnen, mein Herz an Länder, Landschaften und deren Einwohner verlieren.

Gelernt habe ich in diesem Jahr auf mich aufzupassen. Meine eigenen Wege zu definieren, zu beschreiten, Rücksicht auf mich zu nehmen. Unbequem zu sein. Abzuwählen. Fühlt sich gut an, der zögerliche Tanz auf der eigenen Hochzeit.

Ich bedanke mich für Eure Liebe, Zuneigung, Zuversicht, Hilfe, Schönheit, Freundschaft!

Ich bin sehr dankbar, dass ich mit Shiina in dieses Jahr gehen durfte und sie mit mir auch wieder gemeinsam hinaus geht. Genauso würde ich es sehr sehr gerne nächstes Jahr um diese Zeit auch halten dürfen.

Und genau das wünsche ich mir für alle lieben Menschen um mich herum, dass wir alle zusammenbleiben – uns niemand abhanden kommt in diesem 2020. Dass wir – und Ihr – alle gesund bleiben dürfen und in Frieden und Zuversicht das neue Jahr leben dürfen.

Dass wir wieder mehr einander die Hände reichen, aufeinander acht geben – und mehr Liebe als Hass schenken. Wenn wir alle dieser Welt öfter ein Lächeln schenken – muss sie zu einer besseren Welt werden! Und lasst uns für gemeinsam Ziele aufstehen und kämpfen, es gibt sehr viel zu tun, noch haben wir es in der Hand!

Rutscht gut rüber, rein und bleibt gesund. Genießt Euer neues Jahr, ich wünsche Euch, dass ihr in leichten Schritten mit viel Glück und Freude hindurch gehen könnt.

Ein wundervolles gesundes neues Jahr 2020!

2019-12-25

Fröhliche Weihnachten!



Liebe Freunde,

ich wünsche Euch allen ein wundervolles Weihnachtsfest, ruhige besinnliche Tage, Freude, Gemeinsamkeit, schöne Stunden – friedliche Momente, fröhliche Tage, Zeit, Muße, Entspannung, Glück – einfach eine einmalige Weihnacht, eine gute Zeit!

Schön, dass es Euch gibt, wir alle gemeinsam diese Zeit begehen dürfen. In Frieden. Im Warmen.

Unser aller großes Glück!

2019-12-23

Lieber Shiinadiätbeauftragter, …

… ich werde weich.

Ich suche jetzt seit drei Tagen nach der Adresse für die Weihnachtspost – und finde sie nicht. Dummerweise habe ich sie nicht digital geführt (wie ich eigentlich dachte) und finde die seltene Rechnung, die mal in den Paketen dabei war nicht mehr. Offensichtlich habe ich in diesem Jahr zu sehr aufgeräumt.

Also, hm, wie soll ich es sagen: Ich hätte sie gerne – wenn möglich – in meinem rechts stehenden Postfach. Sonst kann ich die Karte nicht absenden …

Es ist mir so sehr peinlich. Wirklich!

Liebe Grüße
creezy

2019-12-10

Malen

Theroretisch waren meine Cousine und Großcousin sowie Großcousine gestern zum Plätzchen backen verabredetet.



Praktisch meldete sie sich Sonntagabend mit der Frage, ob wir nicht zu Paint your Style gehen wollten und Keramik anmalen wollten? Es gäbe seitens der Kinder noch Oma- und Opa-Weihnachtsgeschenkbedarf und überhaupt, wollte sie das immer mal ausprobieren.

Ich war anfänglich so semi begeistert. Plätzcheneinkäufe waren bereits erledigt (werden aber nicht schlecht) und mit dem Malen also besonders dem figürlichen Malen habe ich es nicht so. In Berlin gibt es von Paint your Style mehrere Filialen, schon seit langer Zeit und irgendwie haben mich diese Läden nie wirklich gereizt. Schlussendlich malt jeder besser als ich.

Andererseits ist aber alles gut, was man mit diesen entzückenden drei Menschen zusammen machen kann.



Somit sind wir gestern nachmittag in der Filiale in der Rheinstraße eingetroffen, nachdem alle Kinder zusammen gesucht waren. Meine Cousine hatte einen Tisch für zwei Stunden reserviert – wir suchten uns alle einen Keramikrohling aus den mehr als umfangreich bestückten Regalen aus. Die erscheinen auf den ersten Blick nicht sehr günstig – aber da mit dem Rohlingspreis quasi alle Farben, Werkzeuge, Lasur, das Brennen und Aufenthalt abgegolten sind, finde ich die Preise am Ende durchaus angemessen.

Der Großcousin hat den großen Teller in Cooperation mit seiner Mama gemalt (der wird nach dem Brennen knallrot sein). Ich bin für die kleine Salzstreuerkatze links in Türkis verantwortlich, Großcousine hat – wat bin ich stolz – die perfekte Schildpattkatze geschaffen (meine Gene!). Die Cousine hat sich noch an einem Weihnachtsstern versucht.

Alles zusammen mit einem Getränk für die Kids (Softgetränke, Kaffee, Tee gibt es gegen kleines Geld zu erwerben) hat die Rechnung etwas um 57,— Euro ausgemacht. Und voraussichtlich Donnerstag können wir die Geschenke nach dem Brand abholen.

Und ich muss zugeben, nach meiner anfänglichen Skepsis, hat mir das sehr viel Spaß gemacht. Natürlich war es jetzt um die Weihnachtszeit und zu dieser Uhrzeit recht voll und somit ordentlich trubelig. Aber sich in der Masse der Rohlinge und an die 100 Farben auf eine Katze und einen Türkis-Ton zurückzuziehen – mehr Aufmerksamkeitstraining geht ja wohl nicht!

Doch, ich denke da bin ich jetzt öfter. Hier und dann eine Schale bemalen, das kann mir und anderen Freude bringen.

2019-11-06

Robert Enke

Sonntag jährt sich zum 10. Mal der Todestag von Robert Enke. Ich weiß noch, dass mich damals die Nachricht mit vielen anderen an dem Abend auf Twitter ereilte – wie fassungslos wir waren! Und traurig.

Anlässlich seines Todestages hat die Robert-Enke-Stifung mit einem Virtual-Reality-Projekt die Möglichkeit geschaffen für Nichtbetroffene in das Erleben von Menschen mit einer Depression einzutauchen.

Unternehmen, sonstige Unterstützer können dieses Projekt ins Haus holen. Es ist eine Gelegenheit z. B. durch Selbsterfahrung einen eigenen Zugang zu dieser Krankheit zu erfahren – so vielleicht ein besseres Verständnis für Freunde, Verwandet und Kollegen, die von der Krankheit betroffen sind zu entwickeln.

Für das Projekt kann man spenden – auch für die Robert-Enke-Stifung. Mehr Informationen auf Impression Depression

2019-11-05

Die rote Box



Die rote Box stand hier die letzten Jahre immer irgendwo in der Wohnung herum, nachdem sie zuvor schon in der alten Wohnung immer irgendwo herum stand. Und ich kann sie getrost meinen persönlichen Pain in the Ass-Moment nennen. Die rote Box enthält nämlich, wenn auch grob geordnet, nicht wirklich sortiert Altlasten aus früheren Jahren.

Explizit und vorrangig heißt das persönliche Hinterlassenschaften meiner Mum, Telefonbücher, diverse Kalender, ein zwei Lederportemonnaies, Kalender und … Kalender. Hässliche Korrespondenz mit Unternehmen zwangsweise geführt nach ihrem Ableben. Bestattungsunterlagen. Kondolenzkorrespondenz. Einiges ihrer Privatkorrespondenz. Die Kontoauszüge der letzten Jahre usw.

Daneben letzte Rechnungen aus meiner Selbstständigkeit. Sammelsurium.

Etwas was man also mitschleppt. Von dem man weiß: den größten Anteil davon will man nicht, braucht man nicht, mag man nicht. Und irgendwie denkt man doch, vielleicht liest man das doch noch einmal. Begibt sich zurück. Kann das aushalten, irgendwann. Ich schreibe insbesondere von ihren Kalendereintragungen.

Da ich in der letzten Woche einige Dinge aus meiner Wohnung mutig und sauber dem Speermüll übereignet hatte, Stoffreste von denen ich weiß, die werde ich nie vernähen und gar nicht weiß, wie sie jemals in meinen Besitz gelangen konnten, einem guten Zweck zugeführt habe, x-viele Katzenkuschelkissen diese Woche der Tier-Tafel-Sammelstelle im Kiez vorbei bringen werde, bin ich gerade im Sortier-Flow. Ganz ohne Marie K-Dingsda oder Ratgeber-Phänomene.

Der Kram muss weg und in irgendeinem Anflug von Mut, Lösungsprozessen, Altlastenentsorgung habe ich mich heute an die rote Box gewagt. Einiges wie die Kondolenz-Post mit den Beerdigungsunterlagen hebe ich noch auf. Menschen, die über meine Mum liebevoll schreiben, das ist so schlecht ja nicht. Aber die anderen Dinge von ihr, die habe ich heute größtenteils ziehen lassen. Schlussendlich interessieren mich ihre Kontoauszüge nun nicht mehr und da wird auch behördlicherseits nichts mehr nachkommen, hässliche Post aus der Zeit ihres Todes brauche ich nicht – und die Einträge in ihren Kalendern beschäftigen sich vorrangig damit, wann sie bei welchem Arzt sie war, dass sie natürlich auch einsam war, ich nie oft genug angerufen habe. Jedes Mal, das sie mich angerufen hatte und ich damals nicht zu Hause war, wurde in dem Kalender vermerkt. Das hat mir nachträglich sehr die Brust zugeschnürt heute, das war teilweise alles nicht gesund. Das wusste ich schon damals und mich dem zu entziehen (müssen). das hat uns beiden viel Schmerz bereitet. Von ihrem Schmerz so plakativ zu lesen, das tut heute noch weh – auch wenn das wirklich ihr Ding war.

Schlussendlich wollte ich nicht von ihrer Liebe zum Kranksein bzw. sich darüber Liebe von anderen zu erzwingen, eingefangen werden. Bei aller Liebe zu ihr war vieles damals wahnsinnig schwer auszuhalten und ja, manchmal bin ich froh, dem mit ihrem Tod in den letzten Jahren auch entkommen zu sein. Es hatte mir schon von Kindheit an viel zu viel Energie gezogen.

Weg. Die letzten zwei Kalender hebe ich noch auf. Falls ich mich doch noch mal selber quälen will, irgendwann einmal. Oder mich daran erinnern möchte, warum ich Dinge, die ich tat, die mir natürlich heute leid tun, dennoch aus den sehr richtigen Gründen getan habe.

Alle Unterlagen, die sehr stark reduziert noch übrig sind, gehen morgen in dieser Box in den Keller. Ich werde allerdings dafür eine neue Box kaufen. Diese rote Box kann ich nicht mehr ertragen.

Es fühlt sich ganz gut an. Ich habe bis eben nur einmal daran gedacht die Kalender doch wieder aus dem Müll zu holen. Und es nicht getan.

In der Box sind auch viele Briefe, die ihre letzte Lebenspartnerin an sie geschrieben hatte. Briefe, die ich nicht lesen möchte, denn sie sind privat und schlussendlich, vermute ich, ist diese Frau noch am Leben. Ich hatte sie damals gefragt, ob sie die Briefe würde haben wollen, was sie verneinte. Aber weg tun konnte ich sie auch nicht.

Tsja, was macht man mit Briefen von Menschen an Menschen, die nicht mehr sind? Es ist nicht mein Ballast. Aber es sind immerhin Briefe eines Menschen an meine Mutter, die sie geliebt hatte damals.

2019-10-21

Besser …

… finde ich den Irrsinn des Kapitalismus nicht zu erklären als es Gummistiefel tun, die nicht wasserdicht sind.

Hübsch. Ja.

Aber nicht wasserdicht.

Ich meine … worin liegt ein Sinn in Gummistiefeln, wenn ich darin nasse Füße bekäme?

2019-10-20

Bescheidene Beobachtung

Ich war gestern wandern. Lieblingsstrecke ab Werder Richtung Potsdam. Dieses Mal bin ich allerdings an anderer Stelle abgebogen als sonst bzw. habe eine Waldweggabelung zu früh mit der, die erst später folgt, verwechselt mit der Folge zwei Kilometer zu früh an einer Landstraße gelandet zu sein.

Landstraßen in Deutschland sind so gestaltet: Der Straßenbau setzt eine Straße mit zwei Fahrbahnen, eine führt in die eine Richtung, die andere in die andere. Einen Standstreifen gibt es nicht – vor allem aber auch gibt einen befestigten Fußweg. Also keinen heißt: in keine der beiden Richtungen. Den könnte man anlegen, wenn man eh Straßen ausbaut.

Klar, wäre die Fußbewegung nicht sonderlich frequentiert – aber sie würde z. B. Radfahrern ein deutlich entspannteres Nutzen der Straßen ermöglichen (was sie dürfen) und vor allem Fußgänger, die aus welchen Gründen auch immer (z. B. eine Auto-/Radpanne) die Nutzung der Straße halbwegs bequem gestalten. Eine Richtung wäre hier auch völlig ausreichend, denn ja, das stimmt, so viele Fußgänger gibt es entlang von Landstraßen nicht. (Was womöglich aber auch daran liegen könnte, dass man sie so gar nicht dazu einlädt.)

Soweit so Straßenbau in Deutschland für Autos entgegegen anderer Verkehrsteilnehmer.

Ich bin nun einige Kilometer auf dem nicht wirklich befestigten Seitenstreifen gelaufen – entgegen der Fahrrichtung (in der STVO §25 Abs. 1 heißt es innerhalb geschlossener Ortschaft am rechten und linken Fahrbahnrand, außerhalb geschlossener Ortschaften linker Fahrbahnrand), wie man mich das einmal gelehrt hatte. Dabei stieg ich übre morsche Baumstumpfen, zwangläufig, denn direkt dahinter ging es bergab. Das Wetter war nett, alles schön. Und dann …

… dann fing ich an darauf zu achten, wie der mir entgegenkommende Fahrzeugverkehr mit mir umging.

Also zunächst einmal: die Straßenverkehrsordnung sieht vor als Fahrzeugführer zu einem Fußgänger im Straßenverkehr mindestens einen Abstand von einem Meter einhalten zu müssen. (Bei einspurigen Fahrzeugen wie Fahrrädern, Mofas etc. mindestens anderhalb Meter.) Soweit so prickelnd, wenn Autos mit 80-100 km/h an Dir vorbei fahren. Anders gesagt: da fällt es dem Wanderer schnell auf, wie nah oder wie weit entfernt ein Auto an Dir vorbei fährt.

Nun war die nicht vorhandene Bewegung so, dass ich wirklich zum Straßenrand hätte gehen müssen. Funfact: ich hätte lt. STVO auf der Straße gehen dürfen. Ein Meter Abstand heißt dabei im Grunde hätten vor allem große Fahrzeuge, die in der Mitte ihrer Spur fuhren, während meiner Überholung nach links ausweichen müssen.

Getan haben das vor allem die kleineren Autos. Zwei große Transporter mit Anhänger taten das nicht, denen war wichtiger die Spur zu halten (geschenkt, verstehe ich als Führerscheinbesitzerin). So richtig sicher in ihrer fahrbaren Umgebung, das äußere Umfeld negierend oder: gar nicht registierend, das waren interessanterweise dann die Fahrzeugführer der größeren Limousinen wie SUVs. Denen war völlig egal, wie sehr nah sie an mir vorbei fuhren.

Ein bisschen das, was man von den Schulen her kennt: Was kümmert mich ein Parkverbot oder die Gefährdung anderer Kinder, wenn ich mein Kind mit der großen Kiste zu Schule bringe, denn ich bin Auto!

Das fand ich interessant. Insofern, weil man schlussendlich als Fahrzeugführer vom Gesetzgeber angewiesen ist, immer vorausschauend zu fahren und bremsbereit. Eine Person am Straßenrand einer Landstraße wäre für mich ein Grund, so habe ich es auch in der Fahrschule gelernt, denn das passiert eher selten, vom Tempo zu gehen, Abstand zu halten.

Ich würde mir wirklich wünschen, wir würden dieses Land wieder mehr zu einem Land ausbauen in dem auch Fußgänger, Wanderer und andere zu schützende Verkehrsteilnehmer sich in jedem Moment sicher fühlen dürften. Straßen sind für alle da.

Bitte! Danke.