2020-01-04

Der Zuckerhut



Dieser Zuckerhut lat. Cichorium intybus var. foliosum f. cylindricum, auch als Fleischkraut oder Herbstchicorée bezeichnet, hat wenig mit Zucker zu tun, ganz im Gegenteil. Felsig ist er auch nicht. Der Zuckerhut ist ein Salatkopf, lang gezogen, der vorrangig aus Italien (Pan di Zucchero), Österreich und Südfrankreich (Chicorée Pain De Sucre) stammt. Im Grunde sieht er aus wie der weichere Zwilling vom Spitzkohl.

Ich sprach neulich in illustrer Runde über mine Freude einerseits, dass im Spätherbst es endlich wieder Frisée-Salate im Handel gäbe, die ich wegen ihrer Bitterkeit sehr schätze. Empfohlen hatte mir diesen Salat die Ergotherapeutin in der Maßnahme für den Plan für Glück und Lebensfreude, aus Österreich stammend, als ich ihr mein Leid darüber klagte, dass ich gerade einen Frisée-Salat gekauft hätte und dieser überhaupt nicht mehr bitter schmeckte.

Das ist ein mein Leiden mit heutigen Salaten. Ich liebe Bitterstoffe, ich weiß auch, dass sie uns in der Nahrung sehr gut tun – immerhin regen sie ordentlich den Stoffwechsel an. Ein großartiges Geschenk der Natur für alle Menschen, die ein wenig Hüftspeck abbauen möchten.



Aber die grüne Industrie ist der Meinung neuerdings aus allen Zichorien-Gewächsen und Salaten und sonstigem Gemüse alles an Bitterstoffen hinaus zu züchten, was nur geht. Um sich für die entstandene Banalität im Geschmack zu feiern. Schade. Ich habe mittlerweile überhaupt keinen Lust mehr Chicorée oder Radiccio zu kaufen. Es ergibt für mich einen Sinn mehr. Schmeckt alles nach Einheitsnichts.

Den Zuckerhut mit dem Bitterstoff Lactucopikrin, der übrigens ebenso zu den Zichoriengewächse (Wegwarten) gehört, den haben sie so scheint es noch in Ruhe gelassen.

Er sei nicht leicht zu finden, der Zuckerhut, prognostizierte mir die gute Frau und versprach mir einen mitzubringen, würde sie einen im Handel sehen. Er wird erst ab Oktober bis Ende März geerntet – ist also ein echter Wintersalat. Bei Denns gäbe es ihn manchmal, sprach sie. Also hielt ich wie ein Trüffelschwein die Augen offen. Gefunden habe ich ihn dann tatsächlich an einem netten Gemüse- und Obststand auf dem Bio-Markt am Leopoldplatz. Demeter-Qualität vom Flora-Hof (sie haben Samstags auch Hofverkauf in Potsdam.)

Ein Salatkopf kostet dort Euro 2,50. Dafür bekommt man aber einen riesigen langen Salat, an dem ich problemlos vier Tage lang essen – und dabei jedes Mal einen riesig großen Salatteller genießen kann. Ein Vorteil dieses Salates ist, dass er sich auch nach der Ernte erstaunlich lange frisch hält, kühl untergebracht. Bis zu vier Wochen Lagerungsfähigkeit! Welcher Salat kann das schon? Der Zuckerhut zählt somit zu Recht als Lagergemüse. Er kann z. B. gut auf Balkonien bevorratet werden.

Natürlich kann man in seinen Blättern auch Füllungen einrollen und das Ganze dünsten wie beim Wirsing bzw. den Salat generell dünsten und als Beilage oder generell als vegetarischen Hauptgang servieren.

Mittlerweile hat ihn übrigens auch wieder Denns im Angebot (als Kiloware) für Euro 1,99. Wer bittere Salate mag, ich kann ihn Euch nur sehr ans Herz legen!

1 Kommentare:

Caro hat gesagt…

Vielen Dank für den Tipp - ich mag es auch bitter und werde die Augen offen halten beim nächsten Denns-Besuch. Völlig absurd, dass gerade das gesunde Zeugs weggezüchtet wird. Dabei sind Bitterstoffe nicht nur für uns nützlich. Die Pflanze produziert diese Stoffe ja für den eigenen Schutz.

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