2019-10-20

Bescheidene Beobachtung

Ich war gestern wandern. Lieblingsstrecke ab Werder Richtung Potsdam. Dieses Mal bin ich allerdings an anderer Stelle abgebogen als sonst bzw. habe eine Waldweggabelung zu früh mit der, die erst später folgt, verwechselt mit der Folge zwei Kilometer zu früh an einer Landstraße gelandet zu sein.

Landstraßen in Deutschland sind so gestaltet: Der Straßenbau setzt eine Straße mit zwei Fahrbahnen, eine führt in die eine Richtung, die andere in die andere. Einen Standstreifen gibt es nicht – vor allem aber auch gibt einen befestigten Fußweg. Also keinen heißt: in keine der beiden Richtungen. Den könnte man anlegen, wenn man eh Straßen ausbaut.

Klar, wäre die Fußbewegung nicht sonderlich frequentiert – aber sie würde z. B. Radfahrern ein deutlich entspannteres Nutzen der Straßen ermöglichen (was sie dürfen) und vor allem Fußgänger, die aus welchen Gründen auch immer (z. B. eine Auto-/Radpanne) die Nutzung der Straße halbwegs bequem gestalten. Eine Richtung wäre hier auch völlig ausreichend, denn ja, das stimmt, so viele Fußgänger gibt es entlang von Landstraßen nicht. (Was womöglich aber auch daran liegen könnte, dass man sie so gar nicht dazu einlädt.)

Soweit so Straßenbau in Deutschland für Autos entgegegen anderer Verkehrsteilnehmer.

Ich bin nun einige Kilometer auf dem nicht wirklich befestigten Seitenstreifen gelaufen – entgegen der Fahrrichtung (in der STVO §25 Abs. 1 heißt es innerhalb geschlossener Ortschaft am rechten und linken Fahrbahnrand, außerhalb geschlossener Ortschaften linker Fahrbahnrand), wie man mich das einmal gelehrt hatte. Dabei stieg ich übre morsche Baumstumpfen, zwangläufig, denn direkt dahinter ging es bergab. Das Wetter war nett, alles schön. Und dann …

… dann fing ich an darauf zu achten, wie der mir entgegenkommende Fahrzeugverkehr mit mir umging.

Also zunächst einmal: die Straßenverkehrsordnung sieht vor als Fahrzeugführer zu einem Fußgänger im Straßenverkehr mindestens einen Abstand von einem Meter einhalten zu müssen. (Bei einspurigen Fahrzeugen wie Fahrrädern, Mofas etc. mindestens anderhalb Meter.) Soweit so prickelnd, wenn Autos mit 80-100 km/h an Dir vorbei fahren. Anders gesagt: da fällt es dem Wanderer schnell auf, wie nah oder wie weit entfernt ein Auto an Dir vorbei fährt.

Nun war die nicht vorhandene Bewegung so, dass ich wirklich zum Straßenrand hätte gehen müssen. Funfact: ich hätte lt. STVO auf der Straße gehen dürfen. Ein Meter Abstand heißt dabei im Grunde hätten vor allem große Fahrzeuge, die in der Mitte ihrer Spur fuhren, während meiner Überholung nach links ausweichen müssen.

Getan haben das vor allem die kleineren Autos. Zwei große Transporter mit Anhänger taten das nicht, denen war wichtiger die Spur zu halten (geschenkt, verstehe ich als Führerscheinbesitzerin). So richtig sicher in ihrer fahrbaren Umgebung, das äußere Umfeld negierend oder: gar nicht registierend, das waren interessanterweise dann die Fahrzeugführer der größeren Limousinen wie SUVs. Denen war völlig egal, wie sehr nah sie an mir vorbei fuhren.

Ein bisschen das, was man von den Schulen her kennt: Was kümmert mich ein Parkverbot oder die Gefährdung anderer Kinder, wenn ich mein Kind mit der großen Kiste zu Schule bringe, denn ich bin Auto!

Das fand ich interessant. Insofern, weil man schlussendlich als Fahrzeugführer vom Gesetzgeber angewiesen ist, immer vorausschauend zu fahren und bremsbereit. Eine Person am Straßenrand einer Landstraße wäre für mich ein Grund, so habe ich es auch in der Fahrschule gelernt, denn das passiert eher selten, vom Tempo zu gehen, Abstand zu halten.

Ich würde mir wirklich wünschen, wir würden dieses Land wieder mehr zu einem Land ausbauen in dem auch Fußgänger, Wanderer und andere zu schützende Verkehrsteilnehmer sich in jedem Moment sicher fühlen dürften. Straßen sind für alle da.

Bitte! Danke.

2 Kommentare:

Monikda hat gesagt…

JA.

Was mir als (Neu-)Motorradlenker auch immer wieder auffälllt: Autofahrer (auch hier: vor allem SUVs) sind sich überhaupt nicht bewusst was die StVO vorgibt. Extrembeispiel heute: der Herr C und ich sind innerorts in einer Tempo-30 Zone unterwegs, hintereinander, leicht versetzt, mit Tempo 30, und werden von einem fetten SUV überholt. In der 30er-Zonem mit mindestens 50. Und 100 m weiter stand er dann an der Ampel vor uns. Der Ampel die man (selbst wenn man die Strecke nicht kennt) schon 300 m weiter hinten sieht. Er hat sich dann die fetten Hupen von zwei Töffs anhören müssen. Am liebsten wäre ich abgestiegen und hätte ihn aus seiner Kiste gezerrt und die Polizei gerufen. Jede Menge Spaziergänger, inkl. Kinder und Hunde unterwegs dort. WTF???

Antje hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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