Nun denn …
Nishia zeigte sich heute früh wieder einmal entsetzt darüber, dass vor ihr für (einen sehr kurzen) Moment die Tür verschlossen war. Also zu einem Zeitpunkt in dem sie wach war und eher Lust auf Spaziergang hatte, als zurück in die kuschligen Federn zu kriechen was Shiina (alias das Shiinchen, alias Mrs. Mörpel, alias Pummel Hummel) den beiden großen Katzen sehr neidet.
Da nun aber der reguläre und nach einer Nacht hinter der Drahttür sehr faire Freigangsmoment von eben jener Pummel Hummel dran war, konnte ich ihr da auch nicht helfen. Hier herrscht weitestgehend Gerechtigkeit.
Nishia kann sehr intervenierend in hohen Tönen miauen. Korrekt ausgedrückt: sie hat das in sehr hohen Tönen intervenierende Miauen erfunden, weiterentwickelt und perfektioniert.
Da Shiina das sehr interessant findet, sie selbst kann ja nur „Mö(r)p”, sitzt sie dann gerne vor der Klagemauer (Tür) und hört der perfektionistisch singenden Katze hinter der Klagemauer (Tür) zu.
Also habe ich das Shiinchen heute auf den Arm genommen und habe die Tür geöffnet, so üben wir seit geraumer Zeit das „wir halten uns alle gemeinsam in einen Raum auf und gucken uns ab und an in die Augen ohne uns direkt zu prügeln.” Die Übung heißt: „Wir halten uns aus.”
Miniaturfortschritte zeigen, dass diese Übung nicht ganz für die Tonne ist, aber dem auszuhaltenden Frauchen noch viel Geduld abverlangen wird. Aber wozu hat man Katzen, wenn nicht dazu, um sich in Geduld haben zu üben und dies unglaublich intensiv zu perfektionieren?
Heute blieb Nishia zum ersten Mal beim Anblick von Shiina ca. 50 cm vor ihr sitzen – eine Nähe aus der sie sich sonst gerne auf den Fernseher rettet und so den Abstand auf 150 cm verlängert, üblicherweise mit quer gestellten Ohren und diesem „Komm mir jetzt bloß nicht zu nahe!”-gepressten Miauen, das gerne in der Folge bei Shiina eine ähnlich gepresste Antwort hervor ruft und eine Spannung im kleinen Körper.
Nishia blieb also sitzen, guckte entrüstet über die Katze auf meinem Arm hinweg und schnauzte mich weiter in ihrer ganz und gar nicht gespielten Entrüstung an. Sie zeigte heute also Souveränität, Ignoranz der kleinen grauen Katze gegenüber und absoluten Widerwillen, bei welchen Spielen immer, auch nur eine einzige Minute mitspielen zu wollen. Shiina goutierte das mit Rücknahme ihrer selbst, in dem sie sich auf meinen Arm vergleichsweise klein machte, sich dennoch entspannte und dabei versuchte prima den Blick von der schlecht gelaunten Nishia nicht zu kreuzen.
Und ich sage es ja immer wieder, wenn mich Leute für nicht mehr normal halten, weil ich die Situation hier aushalte: Shiinas Aggression den anderen Katzen gegenüber resultiert aus simpler Angst vor ihnen. Diese Angst eben gilt es zu knacken. Mit Geduld. Und Liebe. Hier machen sich also drei Katzen das Leben schwer, weil sie zu wenig Selbstbewusstsein haben. Meine Gene. Offensichtlich.


















