2009-05-01

Tierheim



Ein Tierheim – kein Platz, den ich so richtig gerne besuche. Seit dem in Berlin das Tierheim von Lankwitz sich aufgemacht hatte nach Falkenberg, wo ein deutliches größeres Areal und der Neubau es zum größten und modernsten Tierheim Europas machte, habe ich noch nie dort hingefunden. Hohenschönhausen, Falkenberg, Ahrensfelde – das sind nicht die Bezirke, die der Süd-Berliner, wenn er keinen triftigen Grund dazu hat, mal eben nebenbei aufsucht. Das ist so ähnlich wie mit Spandau. Kurz: aus Sicht einiger Bezirke dieser Stadt liegt das Tierheim a. A. d. W.



Dazu hatten mich damals persönlich Aufnahmen vom neuen Tierasyl abgeschreckt. Die Beton-Landschaft auf Fotos empfand ich wenig ansprechend, trotz der vielgeschworenen Vorzüge: mehr Platz für mehr Tiere (was für ein trauriges Marketingargument für sich), weit auslaufende Flächen für größere und kleinere Nutz- und Huftiere und sonstigen spaßigen Gesellen, die lieber in den sterbenden Streichelzoos der Bezirke kleinen Berliner Gören einen Hauch von Nähe zum Nutztier ermöglichen wollten. Einen größeren Sammelort schaffen zu müssen für des Menschen liebstes Haustier aller Rassen? Manche Notwendigkeiten erklären sich dem Tierfreund nicht immer.

Kurz und gut, das Tierheim existiert an seinem neuen Ort schon seit zehn Jahren und mein einziger Berührungspunkt bisher war ein Anruf dort, als ich wieder ein Kätzchen haben und mich nach den Modalitäten erkundigen wollte. Die Dame damals am Telefon, kurz angebunden bis sehr schnippisch, lud mich auch nicht wirklich ein dort vor Ort nachzugucken. Chance vertan, ich fand mein Glück (sogar mal zwei) in der Zweiten Hand.

Letztes Wochenende dann, aus der spaßigen Laune heraus einer Freundin von uns einen Pudel zum Geburtstag schenken zu wollen (nein, nie wirklich: es war nur ein Scherz ihr gegenüber!) und dem Wunsch der anderen Freundin, die seit langem davon träumt, dass ihr ein Dackel in die Arme laufen könnte, in der Kombination mit einem Auto im Hinterhalt, perfektem Wetter außerhalb, freie Zeit und Muße, haben wir uns mit dem Stadtplan aufgemacht in Richtung „Stadt der Tiere“. Schönes Wetter, sprießende blühende Fliedernatur und das Wissen nicht dort hinzu müssen, weil man z. B. dringend in die Tiernotklinik muss – so ist der Empfang natürlich schon ein ganz anderer. Obwohl mir nicht wohl im Magen und nicht leicht auf der Seele war. Tiere hinter Gitterstäben haben ihre Wirkung auf mich. Und zu wissen, bereits so wohlversorgt an lebendigem Unterhaltungsprogramm zu sein, dass man auch wirklich keinem Wesen eine neue Heimat schenken kann — verdammt, das Herz ist einem immer schwer im Tierheim.



Empfangen wird man tatsächlich von einer Betonwüste. Wenn auch lustige bunte Tiere als Stilelemente an grauem Betongrüßen, die – zumindest bei schönem Wetter – sich verdoppelnde Schatten werfen. Dann nach Durchtreten des Eingangs links lange Flachbauten, rechts lange Flachbauten (lang ist hier im Sinne von richtig lang!) und in der Mitte Betonkreise, Rechtecke und Elipsen getrennt von feuchten Biotopen in Dreieckformen. Das ganze Areal ist eine einzige Fortbildung in Geometrie.



So haben wir uns das Terrain weiter erkämpft. Ein kurzer Abstecher nach links zu den Kätzchen, da lockte von rechts uns Hundegebell Richtung der Kreise. In einem großen Freigelände darf je einer der Hunde sich seinen wohlverdienten Auslauf nehmen, bevor er wieder in die Zellen zurück kommt, die sich manche Hunde zu zweit, auch mal zu dritt (vor allem die kleineren oder die Partner, die sowieso zusammen gehören) teilen und andere Hunde auch alleine untergebracht sind. Dem Besucher offerieren sich die Hunde im Kreis präsentiert in ihren Kabinen. Die sie nach hinten hinaus in kleinere Freigehege verlassen können bei Bedarf und freiem Willen – die verdiente Portion Sonne tanken.



Steinboden natürlich, jeder Hund einen Korb, ansonsten wirkt alles sehr kühl. Und die Hunde wirken natürlich auch. Mal ganz lustig, mal sehr liebevoll, mal recht verstört. Wir sehen wenige „normale“ Rassen, dafür viele Hunde der Sorte, vor denen die Vermieter immer gerne ängstlich als Mitbewohner abwinken. Dabei sind da sehr offensichtlich reizende und freundliche Gesellen runter. Ich glaube, wenn man mal angucken möchte, was der Mensch doch für eine dumme Rasse ist: der möge sich die Sammlung an Staffordshires in den Tierheimen angucken. Da landen sie nämlich, die traurigen Ergebnisse dieser Idioten auf dem Ego-Trip.



Der einzige kleine Rauhaardackel ist schwer verstört und knurrt uns an. Ausgerechnet den kleinen Welpen, den er brav bewacht, wollen ihm gerade Menschen wegnehmen. Usus: klein, jung und süß geht immer als erstes weg. Die Freundin erkundigt sich später nach der Dackeldame und erfährt, dass diese erst vor kurzem abgegeben wurde mit der Aussage der Besitzerin, sie sei mit dem Tier nicht mehr zurecht gekommen. Dies liest man oft in den Karteibriefen zu den Hunden als Abgabegrund, fast genauso oft liest man später von Tierheimmitarbeiterhänden notiert: „Verhalten tritt hier nicht auf.“



Wegwerfgesellschaft, läuft etwas schief oder wird es mal schwierig, nicht funktionabel; dann weg mit dem Zeug. Vertrauen löst die Aussage der Mitarbeiter ein, dass die Dackeldame zunächst nicht vermittelt wird; man möchte erst verstehen, was ihr Sorgen bereitet und das kann noch einig Wochen dauern. Wir trauen uns weiter von Kreis zu Kreis. Gucken in erwartungsvolle Gesichter, entwickeln zu dem einen und anderen Hund besondere Sympathien, jede für sich. Lauter kleine Dramen, auch wenn es hier das deutlich bessere Ende für diese Wesen hat, als es das beispielsweise in Südeuropa hätte. Trotzdem: immer ist da dieser spezielle Hundeangstgeruch. Anders als bei den Katzen, leidet ein Hund offensichtlich unter dem Wegfall seiner Bezugsperson. Es geht ihnen gut hier, glücklich sind sie jedoch nicht.



Wieder draußen lassen wir uns vom Weg treiben, hinten die Koppel entlang, wo uns ein netter Brauner charmant unterhält. Die Pappeln den Weg säumen, Baugerät und Baumaterialen deutliche Signale von Tierheimerweiterungen sprechen. Irgendwo grenzt das Stück Land, wo die lieb gewonnenen Fellwesen ihre letzte Ruhestätte finden können.





Rücklings an der Hundefundstation, die deutlich fröhlicher wirkt als die anderen Hundebehausungen und ihrer Krankenstation, liegt gegenüber die andere lange Flachbautenreihe. Dort befinden sich die Nager, Kleintiere, Vögel und Tierarzt als auch Anmeldung und Kasse – gespendet werden darf (und sollte unbedingt – genau null finanzielle Unterstützung gibt es von der Stadt Berlin!) Davor Wasser mit Goldfischen, ein gestrandeter Hubschrauber.





Das ganze Gelände wirkt – trotz des Betons – idyllisch im Sonnenschein. Fast schön zu nennen. Wir laufen zurück, der kleine Dackel lässt die Freundin nicht in Ruhe und ich gehe dahin, wo die kleinen Tiger leben.

Die haben es wirklich – trotz aller Umstände – schön, der Flachbau, der innen rechts und links Kabinen aufzeigt, kann rechts und links von außen abgegangen werden. Wie bei den Hunden haben auch die Fellträger ihre Freigehege, hier aber alles sehr nett ausgebaut mit echten Baumstämmen, vielen Kratzbäumen, Spielzeug, Kuschelecken und Rückzugsgelegenheiten mit Gardinen vor den Kisten.



Überall vor den Kabinen hängen Hüllen mit den Beschreibungen zu den kleinen Insassen, die sich auch hier alleine aufhalten und auch zu zweit oder zu dritt. Die Karteikarten erzählen von ihren Besonderheiten, notwendige Medikamentationen oder Sorgenfälle, die auch kostenlos abgegeben werden und deren Krankheit lebenslang im Tierheim kostenlos tierärztlich versorgt wird. Oft steht auch hier als Abgabegrund: „war aggressiv“, „Besitzer kam nicht zurecht“ oder „unsauber“. Meistens folgt fast stereotyp das Handgeschriebene dahinter „Auffälligkeit konnte hier nicht festgestellt werden oder „Unsauberkeit tritt hier nicht auf“. Wir sind mittags da und bei den Miezen herrscht wohlverdiente Siesta. Die meisten schlafen, manche sind am spielen, andere offensichtlich sehr scheu versteckt, andere dagegen buhlen so offensichtlich um den Besucher, dass einem das Herz sehr weit und offen wird.



Eine Mitarbeiterin erklärt am Telefon einer potentiellen Interessentin sehr nett und ausführlich das Tierheim-Procedere. Es geht also auch anders, als es mich meine Erfahrung lehrte. Sie rät der Gesprächspartnerin, so sie denn könne, lieber in der Woche am Tage zu kommen, es sei doch leerer als am Wochenende und man könne sich mehr Zeit für sie nehmen.

Der weiße Kater ist so ein Prachstück, lebenslustig, selbstbewusst „Fundtier. Wird immer wieder abgeben, weil zu zutraulich.“ (als Freigänger). Das Glückskätzchen, das sich schon drinnen hinter Glas bei mir einschmeicheln wolte, tut das auch im Freigehege gleich wieder.



Die eine und andere kleine Wuchtbrumme ist dabei, prächtige schwarzweiße, niedliche Tiger, hübsche Rassewesen, dieser sehr niedliche stolze noch ganz junge schwarzweiße Fratz, wenn ich könnte …



Mein Fazit des Besuches, den Tieren geht unter den traurigen Umständen wirklich sehr gut dort und das sah damals in Lankwitz doch ganz anders aus. Man verlässt das Tierheim nicht mit einem völlig traurigen Herzen. Was ich persönlich sehr wundervoll finde, man kann sich dort wirklich ganz unbehelligt sehr lange mit den einzelnen Tieren befassen, sie beobachten und sich so in aller Ruhe mit viel Zeit für einen der kleinen Freudenbringer entscheiden – ein beeindruckendes positives Konzept, das einem auch durch die spezielle Architektur geschenkt wird.



Und genau die Architektur hat mich eben auch beeindruckt, im positiven Sinne – trotz meiner Vorbehalte. Man kann dort auch nur spazieren gehen. Dieses Tierheim ist einen Ausflug wert, diese Anlage ist baulich eine besondere und man kann mit ihr warm werden, muss es aber nicht. Die Freundin erklärt bei dem Anblick gefühlte Nähe zu den schrecklichen Lagern der Deutschen Vergangenheit und gibt diesen Eindruck nicht mehr her.

Vor allem aber sind dort ganz wundervolle Tiere, die es verdient haben, zu jemandem nach Hause geholt zu werden – auch wenn sie vielleicht nicht mehr ganz klein, ganz gesund, schon etwas älter oder auch etwas gestört sind. Gerade Katzen – ich habe einfach deutlich weniger Hunderfahrung – entwickeln sich immer weiter. Neulich erst erzählte mir unsere Tierärztin von einer zwölf Jahre alten Katze, verstört und schreckhaft, die in dem Moment als eine zweite Katze einzog, endlich aufblühte, sich entspannte und unbekümmerte zehn Jahre Lebensalter drauf legte (und immer noch lebt). Also wer kann, es sich leisten kann und es sich zutraut: die Tiere dort brauchen ein Zuhause. Das Tierheim dringend wieder Platz, die nächste Urlaubsaussetzwelle kommt bestimmt. Und es benötigt Geld. Und es braucht Menschen, die sich ehrenamtlich bereit erklären, mit den Hunden wenigstens spazieren zu gehen.

2009-04-29

Die Schweden sind lustig …

und machen ein bisschen auf Subkultur im IP-Adressen verwalten … ganz grandios!

2009-04-27

In …

braune hässliche Ex-Ikea-Decken, die der Kater seinerzeit mitbrachte, sind in.



… während dahinter liegende pinkfarbene hässliche Ex-Ikea-Decken (von Vorkatze, also nicht vom Kater) nicht ganz so in sind.


Badvorleger, ob hier frisch gewaschen oder später frisch bekotzt. Immer in! Ohne Ausnahme!


Auch total in, von Frau Lorelei mir zum Älterwerdungsritual geschenkte selbstgestrickte Stolas. Hat er sich abgegriffen und nie wieder hergegeben. (Das mit der Lieblingsbluse aus dem Schrank ausleihen, können Katzen mindestens so gut wie heranwachsende Töchter.)

Das Interview mit Johnny Häusler …

zum Thema Internetsperre auf 3Sat 00:05:25

Guter Schlusssatz hinsichtlich seiner und unser aller Sorge, wie gerade Demokratie ausgesetzt wird und dass dies Konsequenzen in der Zukunft haben wird, heute schon hat, die keinem von uns gleichgültig sein dürfte.

Edit: Muss man heute eigentlich wenn man Häusler schreibt auch Spreeblick schreiben? Oder kann man sich das mittlerweile schenken?

2009-04-25

Die Google-Map

mit denen zur Zeit gemeldeten Patienten, die mit dem resistenten H1N1-Virus (Schweinepest) infiziert sind.

Flieder schlagen …



Für die legalen, illegalen und halblegalen Fliederdiebe dieser Tage einen Tipp zur formvollendeten Flieder-Haltung in der Vase. Schlagen müsst Ihr den Burschen: mit einem festen Gegenstand leicht die Stiele breit klopfen und 'nen Löffel Zucker in das Wasser. Dann klappt es auch mit dem Flieder aus Nachbars Garten.

2009-04-24

Blöd, echt doof gelaufen,

ist das für Dich, liebe Musikindustrie. Ich habe immer gesagt, die Entwicklung in der Musik weg vom Tonträger, hin zum digitalen Firlefanz hat überhaupt nichts mit Deinen Umsatzrückgängen zu tun. Warum? Weil wir früher auch immer die Musik noch selber gekauft haben, die wir vorher bei Freunden erst mal auf Cassette überspielt haben. Aber eben nur, wenn sie gut war und uns überzeugt hatte, dann sind wir los und wollten die Platte, später die CD unbedingt selber besitzen. Dieses Sammlungen machen bei einigen von uns heute einen elementaren Wert aus. Und das ist in den jüngeren Generationen auch nicht anders. Auch die wollen Musik greifbar haben. Auf's MP3-File kann Hasi Gaga nämlich nicht ihre Kürzel setzen, wenn sie wieder in irgendeinem Kaufhaus strippt. Oder warum glaubst Du, liebe Musikindustrie, steigen seit Jahren die Produktionsszahlen für Vinyls in nicht unbeträchtlichem Ausmaß, dto. die Plattenspielerproduktion? Aber auch sonst sind legale MP3-Files vom Lieblingsact auch immer noch das „must have“.

Nur – wenn man eben in der Hauptsache nur noch Schrott produziert, beispielsweise stotternde Blondie-Perrücken tragende blankbusige Hüpftransen, deren Stimme – so sie denn eine haben mag – unter jedem Synthysound versteckt wurde, den es in der westlichen Hemisphäre zu erwerben gab von 1978 bis 2009, dann ist's eben schlecht mit der Kauflust echter Musikfans.

Aber wenn ich das schreibe, interessiert es Dich ja nicht. Wir Käufer haben ja null Ahnung von Deinem Business, klar! Deswegen dürft Ihr nun mal Die Zeit – „Piraten zahlen gern“ lesen.

Vielleicht es doch mal bei Gelegenheit wieder mit Qualität versuchen?

Unbedenklichkeitssiegel



Auch holy fruit salad! ist frei von allem, wovor sich Bundesregierungskompetenzen so fürchten im Allgemeinen und überhaupt und daher ab sofort stolzer Siegelträger. Initiiert von bzw. mehr Infos gibt es bei der Zenzizenzizenzic Armee Fraktion.

2009-04-23

Ach ja …

Knie links führt gegenüber rechts um mindestens drei Zentimeter. Da wollte ich wohl heute mal mit Frau Generator mitspielen.

Plastikscheibe um Zahnkranz Kette vorne broken, Rechner Beule zweifach de Luxe, creezy Beule, Taxi hatte Bremsen, creezy schlechte Laune, Jeans ganz geblieben, creezy nicht überfahren, Nö, dem Hinterreifen geht's gut, der war nicht Schuld. Sonne hat trotzdem geschienen, was will man mehr.

Aber einmal im Jahr muss so ein Stunt sein, oder? Ohne geht‘s anscheinend nicht.

Merkwürdige Eigenschaften

zeigte der Mantel vom Radreifen mir auf, als ich gestern mal wieder luxuriös an der Pumpstation Luft zuführen wollte. Auf einer Länge von ca. 15 cm lasst sich der Mantel auf der einen Seite fast hochklappen. Da bin ich dann wohl neulich (sprich vor knapp zwei Jahren) doch einem Billig-Nachbauhelden auf ebay aufgesessen. Allerdings auch: der Besatzstreifen darunter hält's anscheinend aus. Na, alte Auto-Studentenregel: wer braucht schon Profil.

Man fährt nur etwas unsicher, wenn man es weiß.

2009-04-22

Von Laien regiert …

bitte hier klicken.

Spreeblick: Protest gegen Internetsperren. Und wer das alles nicht so wichtig findet, der lese bitte noch mal beim Burnster, was die andere „um unsere Sicherheit“ besorgte Gesellschaft aus dem Vorstoß der Bundesregierung machen möchten.

Lesen 1: Eine Zensur findet bald statt!
Lesen 2: Phoenix und die Kinderporno-Experti (Bei so viel Trivialität kann einem wirklich schlecht werden.)

2009-04-21

Ja, ja, ich weiß …

Komme mir noch mal einer mit Sätzen wie: „Daten sind total sicher!“

netzfrei

Bodenluke



zum Kölner Feuer-Telegraphen …

Fotoralf rüstet gegen, mit belgischen Metalldeckeln!

Jetzt übertreiben die aber völlig …

Zwei Dünne verbrauchen auch Sprit.

2009-04-20

Köln in love …



Kölner hängen an die Brücke vom Hauptbahnhof lustige Schlösser, graviert, bemalt, geschmückt – um ihre Zuneigung und Liebe zu beweisen. Und ich frage mich, was machen die mit den Schlüsseln?

2009-04-19

Neulich …

saß ich in einer S-Bahn und beobachtete einen Mann, der draußen Dauerlauf lief. Das tat er in Kombination mit schaufelnden Armbewegungen. Und er sah dabei aus wie Jim Lukas und die Wilde 13 in einer vermenschlichten sportlichen Erscheinung. Dabei machte er ein sehr komisches Gesicht und so wirkte der gute Mann alles in allem sehr … humoresque.

„Das ist aber eine deutlich übertriebene Jogger-Armhaltung”, dachte ich. Man lernt ja immer, man solle die Arme neben sich am Körper halten beim Laufen, möglichst locker, aber ja nicht baumelnd und um Himmels willen nicht vor dem Brustkorb zusammenführend (Punktabzug in der Atemtechnik!). Ich sage Euch, hat man nur ein einzige Mal einen halbwegs kompetenten Artikel (Glückwunsch fürs Finden!) über Dauerlauftechniken gelesen, man kann keinem Jogger mehr unkritisch wohlwollend auf den süßen Arsch gucken.

Also der Typ spielte neulich Lokomotive beim Laufen und ich fand, er sah urkomisch dabei. So fiel er mir heute früh bei meinem morgendlichen Aktionismus wieder ein und ich tat versuchsweise genau das Gleiche: mich als schnaufende (har har har! Super Situationskomik!) Lokomotive auf dem heiligen Dauerlaufpfad oberhalb des Turnvater-Jahn-Denkmals in der Berliner Hasiheide zu bewegen. Äh … keine zehn aktiv durchgeführten Schaufelbewegungen und ich habe gewusst, welche Muskeln man wie beim Dauerlaufen im Arm supergut, wenn nicht klipp und klar gesagt aufs Heftigste mit trainieren kann. Hat übrigens auch sofort Einfluss auf die Haltung. Stark!

Solltet Ihr mir demnächst irgendwann einmal beim Dauerlaufen begegnen, ich werde betont lächerlich dabei aussehen und Ihr werdet in Lachkrämpfe versinken. Aber was kümmert mich Euer Elend?

2009-04-18

Generell

sinke ich gerade sehr sehr tief. Kämpfe nämlich seit Tagen mit mir hier über das Silber putzen bloggen zu wollen.

Habe nur das dumme Gefühl in solch tiefer Meerestiefe fällt auch mir das Überleben schwer.

Nu isses ja so …

die creezyne wird ja ooch nich‘ jünger. Das in Kombination mit jahrelanger Schmalkost (die 100g Bratwurst täglich, Ihr erinnert Euch?), die fröhliche Unart neuerdings mir in Sitzungen Kekse vor die Nase stellen und mich kurz nach zwölf Uhr schon mit warmen Mittagessen zu versorgen, in Kombination mit viel zu wenig Bewegung, weil ich im Winter – warum eigentlich nicht? – nicht mit dem Rad zu den Jobs gefahren bin, so führte eins zum anderen: nämlich Pfunde!

Pfunde sind so eine Sache für sich. Bis zu einem gewissen Pfund sind sie ja ganz lässig. Ich konnte bisher mit Pfunden immer ganz gut dealen, weil schmal- und langgesichtig wie ich reich beschenkt bin, ein paar Pfunde mehr mich gesünder aussehen lassen als ein paar Pfunde weniger. Bis allerdings die Pfunde sich im Gesicht zeigen, halten sie erst mal aufdringlich hartnäckige Sit-Ins bei Oberschenkel recht und links, sowie Po. So galt bis jetzt bei mir immer, lieber krank aussehen als das der Po zu gesund aussieht. Nun in Addition mit den Jahren gilt für Mädels bekanntermaßen auch die passable Gleichung: entweder dick und straffe Haut oder aber schlank und dafür wird einem jede Sonnensünde der Jugend als zart dekoriertes Fältchen ins Gesicht gelegt. Straffe Haut und schlank geht nicht jenseits 40something. Dick und schlank geht auch nicht. Ahnt Ihr das Dilemma?

Habe ich also diesen Winter die Variation «ruff kommt, wat ruff kommen will» getestet, mit einem fatalen Endresultat in der Folge, das Ergebnis lautet nämlich: Klamottendisease!

Klamottendisease ist im Leben einer Frau zwar ein allgegenwärtiger Begleitfaktor (ähnlich wie zu niedriger Blutdruck, Migräne kurz vorm Sex oder Monatsbeschwerden) – will man überhaupt nicht haben, hat man aber trotzdem in regelmäßigen Abständen. Ist also permanent im Leben anwesend wie beispielsweise ein unnötiger Kropf oder Florian Silbereisen und macht sich mindestens so gerne und flink breit wie der Giersch im Garten alternativ Bushido im ARD-Samstagabendprogramm, wenn man nur eine Sekunde lang nicht aufpasst und wilde Gegenmaßnahmen ergreift und den Bu-Giersh-Do, den kann nämlich auch keiner leiden.

Klamottendisease ist ziemlich evil. Denn creezyne geht überhaupt nicht mehr gerne einkaufen. Hat sehr simple Gründe:

a) alles an Mode, was sich Mode nennt, war schon mal da (ich glaube, ich hatte bereits das 4. Fifties-Revival)

b) alle Farben, die von mir nicht tragbar sind, sind seit zehn Jahren ununterbrochen in Mode

c) ich fühle mich dauerveräppelt, wenn ich überlege, dass die heute das Doppelte von meinem Geld wollen für ein Stück Stoff, der qualitativ nur noch die Hälfte an Wert hat von dem, was ich schon vor zwanzig Jahren zu viel dafür ausgegeben habe (Der Satz ist schwierig, trifft's aber auf den Punkt und Ihr werdet mir Recht geben, sobald Ihr ihn verstehen konntet!)

d) überhaupt: das ganze Verhältnis von Schick (Chic), Qualität und Preis-Leistungsverhältnis scheint mir arg aus dem Gleichgewicht gewürfelt, ich meine, hey: kleine Steif-Teddybären in Anzügen mit Brille für € 1.000,–??? Kann mal bitte wieder einer den Weltroationsmodeschalter auf Erdhaftung stellen?

e) egal welcher Zeitpunkt, Frau befindet sich immer entweder vor- oder nach dem Eisprung, vor- oder nach der Menstruation, vor- oder nach der Vollmondphase, vor- oder nach der Krise – womit bewiesen wäre: es gibt ihn überhaupt nicht: den günstigen Zeitpunkt Klamotte zu kaufen

f) simpelster Grund: Kontostand.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja. creezy hat zuviel druff für ihren Geschmack, denn creezy hat Bauch und nichts anzuziehen. Sehr wohl hat creezy dafür straffe Gesichtshaut. Straffe Gesichtshaut schiebt creezy auf die tolle Gesichtscreme, die neulich vermutlich von Stiftung Warentest ‘ne 5- bekommen hat, der Rest bedeutet: Aktion (oder um im Tenor dieser Mail zu bleiben: Action!) Das Fahrrad ist seit ein paar Tagen wieder von Spinnenweben befreit, aufgepumpt (und hat jetzt wirklich ‘ne mehr als spürbare Acht im Hinterrad), in der Küche gibt es während die Kaffeemaschine läuft bereits die ersten Kniebeugen und Dehnübungen und heute sprang creezy endlich (diese fiese Socke von innerem Schweinhund) in die Dauerlauf-Hose (eng) und in die dazu passenden Dauerlauf-Schuhe (auch sehr eng! Großer Schreck bis mittelschwere Panikattacke, sind aber beim letzten Mal nur sehr nass geworden) und war: Dauerlaufen.

Dauerlaufen ist so eine coole Sache und man fühlt sich hinterher immer super, dass ich mich frage, warum man sich eigentlich jedes Mal aufs Neue dazu überwinden muss? Dabei ist es völlig egal, ob man losrennt wie ‘ne gestochene Sau oder es langsam aber locker angehen lässt, mit kurzen Gehpausen oder mit mitschreitenden Stöcken. Es gibt unzählig viele Variationen des Dauerlaufens. Die größte Schwierigkeit ist wohl, die beste Geschwindigkeit für sich selbst zu finden – ich bin beispielsweise eine sehr langsam laufende Sportlerin, Sprint geht nur zum Schluss. Zumal dieses Dauerlaufen auch so viele lustige Bilder mit sich bringt: der Minihund, der mitlaufen will; der Regenwurm, den man glücklicherweise nicht tot tritt, die entgegenkommende Läuferin mit Kopftuch, der junge Papa mit seinem knapp zweieinhalbjährigen Sohnematz, den man mit sich laufen lässt (und sich natürlich überholen lässt), die andere Frau, die walkt und sich dehnt.

Habt Ihr eine Ahnung, was „Bauch“ gerade für eine Panik schiebt? Und Klamottendisease erst mal!

Und morgen blogge ich über Muscle de Chat! Das wird bestimmt total lustig.

Herrlich

die Urmutter aller Fotomontagen nach dem Urvater aller Photoshop-Tutorials Doc Baumann: ersetze den Himmel in flauen Fotos!

2009-04-17

Dicke zahlen künftig doppelt …

für ihre Flugsitze. Ich habe ja neulich noch gedacht, das sei ein Aprilscherz. Aber United Airlines macht offensichtlich ernst. Delta und Continental überlegen zu folgen. Ryan Air sowieso. Ist eh unverständlich, warum die‘s nicht schon längst praktizieren.

Bei mir derweil auch stilles Entsetzen über einige Kommentare unter dem GEO-Artikel.

Wenn man keine Ahnung hat, …

einfach mal die Finger davon lassen und nicht dumm und wild in der Welt gesetzlich herum regeln. Auszug aus dem lesenswerten Zeit-Interview mit Christian Bahls, Gründer von Mogis, MissbrauchsOpfer gegen InternetSperren:

ZEIT ONLINE: Warum sind Sie gegen Frau von der Leyens Plan der Netzsperren?

Bahls: Weil er Kinderpornografie nicht bekämpft. Da ist irgendwo im Internet ein Missbrauch dokumentiert und die Bundesregierung schaut weg. Und sagt uns Bürgern, wir sollen auch wegschauen. […] Doch niemand bekämpft in seinem eigenen Land die Server, auf denen die Inhalte lagern. Wenn die zu den 1.500 Adressen gehörenden Server in den USA, Holland, Kanada und Deutschland dicht gemacht würden, die derzeit existieren, wären 90 Prozent der weltweit mit einem Browser erreichbaren Kinderpornografie nicht mehr verfügbar.

Im weiteren Verlauf des Interviews erzählt Bahls, dass sein Büro dem Ministerium Server gemeldet hatte auf denen kinderpornografisches Material verfügbar stehen:

ZEIT ONLINE: Was war die Reaktion?

Bahls: Daraufhin ist meine Nachricht noch einmal an das Ministerbüro zurückgeleitet worden. Die war bereits auf dem Weg in die Unterabteilung für Kinder- und Jugendhilfe. Das müssen Sie sich vorstellen … Ich habe da eine Straftat zur Kenntnis gebracht und sie waren dabei, das einfach nur an das Referat weiterzuleiten. Dabei behaupten sie immer, sie wollten Kinderpornografie im Internet bekämpfen.

Und anlässlich der heute von fünf großen deutschen ISPs unterzeichneten Sperrregelung kann man sogar ausnahmsweise mal einen SPON-Artikel verlinken, weil wundersamer Weise gar nicht schlecht geschrieben und er sehr simpel erklärt, warum diese Regelung genau gar nichts bringt hinsichtlich einer Bekämpfung der Server mit dementsprechenden Inhalten. Und hier auch noch der Link zum noch deutlicheren ct-Artikel zum Thema Kinderpornosperren und ihr zweifelhafter Sinn (nun auch auf SPON.)

Also viel Theater und BlaBla – und den Opfern wird damit in keiner Weise geholfen!

Beschlossen!

Wenn mal Hochzeit, dann nur mit Schleierbürzel. Betont den faltigen Hals so schön:

2009-04-16

Burnster

über Eichingers Bushido. Wieder mal ganz ganz großartig geschrieben! Weiß gar nicht, welchem Absatz ich zuerst die 1+ vermachen soll.

2009-04-15

Und es ist noch nicht einmal Mai …



Ganz simpel, Zucker und ein Hauch von Zimt.

Sehr interessantes Interview

mit Christian Rathmann, Professor am Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser. Spannend ist das Interview deshalb, weil es einen tieferen Einblick in die Entwicklung (und anscheinend Rückbildung) der Gehörlosensprache und deren Kultur in anderen Ländern vermittelt.

via ennomane. Wie icke det Internet lieben tue!

Über Geschmack lässt sich …

bekanntlich streiten. Wir erinnern uns an das U-Bahn- Baudebakel neulich in der Kölner Severinstraße? Zwei Tote, einige viele obdachlose Menschen, ein riesiger Haufen historischer Müll von ungeahntem Wert, eine überlebende Katze?

Das hindert die Firma RL-Liesegang nicht für ihre Abbruch-Tätigkeit mit ihrem üblichen Werbeslogan zu werben, der an dieser Stelle bei uns sechs Leuten sehr peinliche Betretenheit auslöste.





«Abbruch heißt für uns ... nicht nur der Einsatz von großen Baggern oder der Abbruch mit "Birne". Wir verstehen den Abbruch als Handeln mit Konzept, Technologie und Verstand.« Steht so auf deren Homepage (mit falsch gesetzten Ellipsen).

Na dann … Takt hat man eben. Oder auch nicht!

2009-04-14

Royal Cupcakes



Am österlichen Samstag trafen sich die eh schon versammelten Blogger mit dem freundlichen Herrn Spontiv und seinem ebenso charmanten Goldlöckchen, um dem Städtchen unser Wahl gemeinschaftlich etwas näher zu kommen und ebenso gemeinsam zu Abend zu essen. Wie das so unter Tortenjunkies ist, spürten wir am frühen Nachmittag leichte Entzugserscheinungen: die nach Kaffee. Zu diesem Zeitpunkt waren wir da, wo alle anderen Kölner auch waren: Fußgängerzone und jeder saß draußen. Herr Exit wollte uns zu Törtchen Törtchen (bloggen!) entführen, dem Laden vor dessen Schaufenster er – wie mir scheint – zu campen pflegt. Die hatten allerdings in dem Lädchen noch weniger Sitzplätze zur Verfügung als ein Pferd PS besitzt und so zog es uns nach gegenüber ins Royal Cupcakes, was wiederum Herrn Bellerophon wieder einmal bewog, seinen allgegenwärtigen Flunsch zu ziehen, denn der Herr war in Torten- und nicht in Cupcake-Laune.



Dieses Royal Cupcakes ist schlicht und simpel wunderbar! Sie servieren dort in stilvoll sicherer fliederfarbener Einrichtung mit dem wohl kleinsten öffentlichen Örtchen, das mir je in einem Etablissement begegnet ist, einen mehr als sehr passabel zu nennenden Kaffee und diese entzückenden vor Kreativität und vor allem aber geschmacklichen Novum der Extraklasse berstenden kleinen Cupcakes mit den wundervollsten Cupcakes-Namen, die man sich nur ausdenken kann für solche Kreationen, es war einfach nur: wow!

Wenn Ihr dieses Namensschild lest, werdet Ihr verstehen, was ich meine …



Frau Indica entschied sich mit der ihr eigenen Grandezza, weil farblich auf's Oberteil abgestimmt, für «Grace Kelly»,



während ich, Carla Bruni war schon ausgegangen, zur britischen Tretminenverkösterin »Princess Diana» tendierte,



die im späteren Verlauf unseres Happening leicht errötete und geschmacklich schlicht und einfach in einer ganz großen Liga spielte.



Die Mehrzahl der Anwesenden indes waren «King of Pop»-Fans:



Stimmt, diese Cupcakes sind kaum größer als fünf Pralinen und die meisten meiner Begleiter bemängelten die geringe Größe dieser kleinen traumhaften Naschereien. Ich indes fand die Größe für dieses großartige Geschmackserlebnis völlig ausreichend. Man kann sie einfach nur genießen und von ihnen träumen und im Cupcake-Glücksgefühl schweben.

Leider wird Herr Exit nie mehr in die Hauptstadt reisen dürfen, ohne nicht wenigstens für jeden von uns mindestens einen Cupcake im Gepäck zu haben! Je suis amoureuse!

Ich weiß, ich weiß …

Adobe Produkte wie Photoshop oder Bridge gelten gemeinhin als die absoluten Schnarchnasen. Aber Ihr glaubt gar nicht, wie unglaublich schnell einem Photoshop an einem 2,93 GHz MacBook Pro mit 4 GB und einer 7200er-Platte vorkommt, wenn der jahrelange Standard vorher ein Titanium 667er Powerbook mit 768 MB mit 'ner 20 GB-Scheibe war. Dat ist wie mit 'nem Ferrari im Kreis fahren.

Ich freue mich immer noch wie dumm und verrückt!

2009-04-13

Noch ein Kölner Osterhase …

Österliche Impressionen aus der Domstadt

Ich sage da jetzt mal nix zu …










2009-04-12

Der Kölner


pix by The Exit

setzt sich schon mal zu Ostern zwei halbnackte Männer mit Schminke im Gesicht und Osterhasenohren auf ein Sofa in sein Schaufenster. Das wiederum erfreut den Kölner-, Ulmer-, Bulgarischen-, Dresdner Männerfreund. Da wird geknipst, gejohlt, gestrahlt und das Sofamaterial untereinander aufgeteilt. Mich hätte der Anblick auch freuen sollen, ich hatte aber irgendwie das merkwürdige Gefühl, ich sei gar nicht* gemeint als potentielle Zielgruppe.

(*ergriff mit anderer femininer Begleitung logische weibliche einzig angemessene Gegenmaßnahme: nebenanliegendes Schuhgeschäft betreten und bis zur Kasse durchgekämpft. Danach mit einer Papiertüte den restlichen Tag in der Hand verbracht.)

Happy Ostersonntag!



sagte das Osterkätzchen.

2009-04-11

In Spanien …



Als ich gestern früh in Köln landete, meinem ersten Germanwings-Flug übrigens – ich verzichtete auf den € 2,60-Kaffee, las nach langer langer Zeit mal wieder die «freundin», sowie das Bordprogramm – hieß uns der Stewart nach dem Aufsetzen zunächst einmal „Herzlich Willkommen in Berlin Schönefeld“. Ich schickte kurz danach einen Mitreisenden auf dem Bahnhof in die falsche Richtung (vor einem Kaffee), holte ihn aber wieder zurück auf den richtigen Bahnsteig (nach einem Kaffee). Auf dem Weg von der Tram zum Jeckpalast wurde ich dann von dem ersten älteren Herren, mir auf der Straße begegnend, herzlich begrüßt und als wir uns noch ein zweites Mal über den Weg liefen schickte er mich fröhlichen Grüßen für die weiteren Feiertage ins Kölner Rennen. Der nächste ältere Herr, meinen Weg kreuzend, freute mich zu sehen und erklärte mir in seiner Begeisterung «Köln stirbt aus!». Er würde jetzt schon seit zwei Stunden durch die Straßen laufen und ich sei erst die zweite Frau, die ihm heute begegnen würde.

Köln stirbt aber gar nicht aus, möchte ich als Laie behaupten, denn wir liehen uns gestern am richtigen Rheinufer Fahrräder mit Rücktrittsbremse (ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal ein Rad mit Rücktrittsbreme benutzen musste – irgendwie schwimmt mir vor dem geistigen Auge immer die Situation, wie ich bei Oma im Garten auf Mamas Riesenrad aus noch kurz knapp nach dem Krieg-Rad fahren lernte) und da begegneten uns mindestens ganz viele Kölner auf Skatern, noch viel mehr auf Rädern und überhaupt ganz Köln auf Beinen. Ich glaube heute, ich bin für die Version Damen Hollandfahrrad nicht gemacht. Übrigens kreuzten wir kurz hinter dem Friedenswäldchen den Jungs vom 1. FC, die vom karfreitäglichen Trainingslauf zurück kehrten und begegneten wir an besonderer Stelle einer Tram Modell K 4000 der Linie 7, die bekanntermaßen (!) das einzige niederflurige S-Bahnmodell mit Eisenbahnzulassung ist, weil sie irgendwann in ihrem Streckenverlauf die Straßenbahngleise wechselt, um auf Eisenbahnterritorium tiefer gelegt weiter zu schnaufen. Desweiteren lagen wir zwischenzeitlich an Seen und haben uns gestern alle an einem mediterranem Sonnenbrand erfreuen dürfen. Aus Köln!

Da Frau Indica diesen Monat in Kürze das jährlich wiederkehrende Älterwerdungsritual begehen wird, diskutieren wir gemeinschaftlich bereits mögliche Geschenkvarianten, die wir mittlerweile auf genau zwei eingeschränkt haben: einen Dackel namens Tosca, nach der Tunnelröhre in der Severinstraße, auf der wir gerade schlafen, oder aber einen Königspudel namens Wotan, den wir mittlerweile allerdings in Przemysław umgetauft haben, weil der Name schwieriger zu schreiben und noch deutlich schwieriger auszusprechen ist (Geschenke mit Anspruch!). Frau Indica zögert noch.

Herr Exit dekoriert gerade die Wohnung österlich, nachdem er das Toilettenpapier sanktioniert hatte, das Material fand gestern den Weg aus dem Keller nach oben – nachdem zunächste ein wenig Deckenputz von ihm gewedelt werden musste. Die Vermieterin meint aber, das Haus bliebe trotz tunneliger Baumaßnahmen stehen. Somit steht das Haus tatsächlich auch nach dieser Nacht noch, die Kölner sind fröhlich und wünschen sich ständig unten auf der Straße «Guten Morgen!»

Wir gehen jetzt Osterlamm kaufen und uns der mediterranen Sonne zeigen … ich soll schön grüßen!

2009-04-10

Fröhliches Eiersuchen!



Ich fliege dann mal eben zum Eier färben nach Köln und werde somit das traditionelle diesjährige bulgarische Eierstoßen, die deutsche Tortenschlacht und das kölnische Osterlamm am richtigen Rheinufer zelebrieren mit flüchtigen, urlaubenden und reisenden Bloggern. Nächtigen werde ich erneut in der kurz vor dem Abriss stehenden Severinstraße in der hoffentlich alle Katzenbesitzer schon mal anfangen, ihre Katzen für den Notfall zu mästen.

Und Ihr kommt mir bitte nicht auf dumme Ideen und fangt etwa an den Osterhasen zu gendern! (Vergnügliche Nachhilfe zum Freund gibt es bei Frau Ingeborch.) Ansonsten wünschen ich allen, die suchen, eine erfolgreiche und fröhliche Suche! Und dem Rest ein paar schöne friedliche und erholsame Feiertage!

2009-04-09

Da ich ja selber…

(alleine wohl schon auf Grund meines Sternzeichens Waage) Meisterin der Manipulation bin, ärgert es mich immer maßlos, wenn andere Leute versuchen mich zu manipulieren, denn zum einen bin ich auf recht natürliche Weise nicht ganz blöd und außerdem weiß ich im Allgemeinen schon lange vor ihnen was sie vorhaben – da ich an ihrer Stelle das Gleiche getan hätte.

Es ist ein ewiger Kreislauf. Ursache und Wirkung.

2009-04-08

Der Held meiner Jugend …



und meine erste Erfahrung mit einem Comic. Ich würde mal sagen «Lurchi und seine Freude» habe zum einen meine Freundschaft zu Reptilien geprägt und zum anderen war ich dank ihnen erstmals in meinem Leben echtes Werbeopfer. Große Trauer, wenn das aktuelle auserkorene Lurchi-Modell nicht passen wollte oder den Eltern zu teuer war. (Den Eltern war Lurchi sowieso immer zu teuer, da musste schon Oma ran.)

Wettrennen

Die zu beschreitende Straße durch Neukölln, die mich vom S-Bahnhof zu meiner Docking Station in Tempelhof unterhaltsam begleitet, ist seit einigen Jahren die ewige 30. An einer Stelle – dank Kindergarten und Spielplatz – ist ein Zebrastreifen installiert. Dahinter wurde eine technische Vorrichtung der Tempomessung mit direkter Weitergabe zum Tachometervergleich an den Autofahrer mit Foto-Aufsteller und einem lustig drein blickenden Gör, welches den Tempoverinnerlichten ein fröhliches «Danke!» beiderseits zu ruft, installiert.

Gestern an dem – wie jeder bemerkt haben dürfte – frühlings-sommerhaften (das kriegt Berlin irgendwie nie ordentlich getrennt) lauen Abend führte mich mein Heimweg an eben jener Stelle an einen kleineren Auflauf jüngerer Menschen vorbei, der offensichtlich großen Spaß hatte und von Zeit zu Zeit applaudierte, während wiederum immer einer von ihnen wie von der Tarantel gestochen die Straße ein kurzes Stück hoch rannte.

Offensichtlich galt, wer zu Fuß die 30 km/h-Meldung schafft, hat gewonnen. Einer von ihnen war mit gemessenen 28 km/h nahe dran. Großer Spaß bei den Teilnehmern und Zusehenden also auch mir.

2009-04-06

Warum nur …

ist dieses Meer nie in der Nähe, wenn man es mal braucht?

So ganz nebenbei …

das Arbeitslosengeld I ist tot! Was eine schöne Meldung an sich wäre, nur sind die Gründe keine guten.

2009-04-04

Wow!

Habe gerade per Apple Mail eine Einladung mit Terminangabe im Text erhalten und die ziemlich oberaffenbärentatzenstarke Funktion zu iCal erlebt … das ist doch der Hammer! Alleine dafür muss man doch mal jemanden bei Apple zu Grund und Boden knutschen.

Allerdings waren sie im Ordner-Design vor Leopard deutlich cooler drauf, da haben sie wohl noch komisch Sachen geraucht.

Die wirklich relevanten Tätigkeiten …

eines Mac-Users bei der Neueinrichtung eines Apple-Computers:



Gardinen aufhängen:

2009-04-02

Arbeiten und Geld verdienen

haben ja so ihr Gutes, zum Beispiel darf ich heute (vermutlich, vielleicht, eventuell) das neue kleine, ungemein schnelle Zweit-MacBook Pröchen mit Ganzvorderfront-Beifahrerinspiegel (!) für Nishia abholen. Das ist natürlich bonfortinös. Und Ihr habt ja gar keine Ahnung, wie ich darauf freue! … äh sich Nishia freut.



Arbeiten und Geld verdienen hat aber auch manchmal etwas Schlechtes, zum Beispiel habe ich dieses Jahr nur allerhöchstens diesen heutigen einen Donnerstag, um zur re:publica ‘09 zu gehen. Ich bin sehr gespannt auf die gleichzeitig stattfindende re:health.

2009-03-31

Am 1. April 1978 …

– es war ein Samstag – kamen meine Mum nach einem schönen Tag vom Einkaufen nach Hause und während wir die Tüten auspackten, meine Mum sich einen Kaffee aufgesetzt hatte und wir allerbester fröhlicher Stimmung waren, klingelte das Telefon.

Der Cousin meiner Mum erzählte ihr, dass sich ihre Mama, meine Oma, erhängt hatte. Das ist wie gestern, dieses immer noch spüren, wie meine Mum immer hektischer in den Hörer rief «Lebt sie noch? Lebt sie noch?», dann irgendwann den Hörer auflegte und mit dem schlimmsten Schrei, den ich jemals in meinem Leben vernommen habe, im Wohnzimmer zusammen brach. Höre ihn heute noch. Dieser Gefühlsbruch, wir waren so froh und glücklich an dem Tag, ein Anruf und alles war nur noch schwarz und düster.

In was für einem Albtraum man zurück bleibt, wenn sich jemand selbstständig aus dem Leben wählt. Heute sehe ich das anders. Habe im nachhinein Verständnis für den Schritt meiner Oma, kann ihn verstehen, bewundere sie im Grunde für ihren Mut. Sie hatte ihr Leben lange genug ohne meinen Opa leben müssen, wollte mit der gesundheitlichen Diagnose – Alzheimer – nicht zugrunde gehen, wie sie es sonst wohl getan hätte, sie war müde und offensichtlich reif zu gehen. Aber damals? Wochenlang sind wir wie durch Nebel gewatet. Meine Mum wurde später sehr krank, verlor ihre Arbeit. So etwas zu verarbeiten, braucht viel viel Zeit.

Oma erhängte sich im Altersheim auf der Toilette. Taktvoll und rücksichtsvoll wie sie war, entschied sie, dass es für einen Mann wohl weniger schlimm wäre, sie zu aufzufinden und so wählte sie dafür die Herrentoilette. Wenn sich jemand erhängt, rät die Gerichtsmedizin sich den Menschen nicht noch einmal anzusehen.

Und trotzdem ist sie mir heute noch in meiner Erinnerung der sprudelnste und lebenslustigste Mensch, denn ich je kannte – neben meiner Mum.