2009-03-31

Am 1. April 1978 …

– es war ein Samstag – kamen meine Mum nach einem schönen Tag vom Einkaufen nach Hause und während wir die Tüten auspackten, meine Mum sich einen Kaffee aufgesetzt hatte und wir allerbester fröhlicher Stimmung waren, klingelte das Telefon.

Der Cousin meiner Mum erzählte ihr, dass sich ihre Mama, meine Oma, erhängt hatte. Das ist wie gestern, dieses immer noch spüren, wie meine Mum immer hektischer in den Hörer rief «Lebt sie noch? Lebt sie noch?», dann irgendwann den Hörer auflegte und mit dem schlimmsten Schrei, den ich jemals in meinem Leben vernommen habe, im Wohnzimmer zusammen brach. Höre ihn heute noch. Dieser Gefühlsbruch, wir waren so froh und glücklich an dem Tag, ein Anruf und alles war nur noch schwarz und düster.

In was für einem Albtraum man zurück bleibt, wenn sich jemand selbstständig aus dem Leben wählt. Heute sehe ich das anders. Habe im nachhinein Verständnis für den Schritt meiner Oma, kann ihn verstehen, bewundere sie im Grunde für ihren Mut. Sie hatte ihr Leben lange genug ohne meinen Opa leben müssen, wollte mit der gesundheitlichen Diagnose – Alzheimer – nicht zugrunde gehen, wie sie es sonst wohl getan hätte, sie war müde und offensichtlich reif zu gehen. Aber damals? Wochenlang sind wir wie durch Nebel gewatet. Meine Mum wurde später sehr krank, verlor ihre Arbeit. So etwas zu verarbeiten, braucht viel viel Zeit.

Oma erhängte sich im Altersheim auf der Toilette. Taktvoll und rücksichtsvoll wie sie war, entschied sie, dass es für einen Mann wohl weniger schlimm wäre, sie zu aufzufinden und so wählte sie dafür die Herrentoilette. Wenn sich jemand erhängt, rät die Gerichtsmedizin sich den Menschen nicht noch einmal anzusehen.

Und trotzdem ist sie mir heute noch in meiner Erinnerung der sprudelnste und lebenslustigste Mensch, denn ich je kannte – neben meiner Mum.

2009-03-30

Großhirn …

an die gesamte versammelte Bagage: «Na, hat doch Mami immer gesagt: „Immer vom Körper weg schneiden!”»
«Und?», mault die Handfläche unter radikalem Schnitteindruck eines scharfen Sägebrotmessers Blut spuckend vor Wut in Richtung Groß-, Klein- und Stammhirn, «warum könnt Ihr Deppen nicht auf Mami hören?»

2009-03-29

Der Dunning-Kruger-Effekt

Der Dunning-Kruger-Effekt[1] (DKE) ist eine populärwissenschaftliche Bezeichnung für den Wesenszug inkompetenter Menschen, häufig ihr Können zu über- und die Leistungen von kompetenteren Personen zu unterschätzen. […]

[…]In einer speziellen Forschungsstudie zum Dunning-Kruger-Effekt fanden sie 1999 heraus, dass bei Fähigkeiten, über die Menschen in höherem oder im geringen Grad verfügen können,

— weniger kompetente Personen dazu neigen, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen,
— weniger kompetente Personen überlegene Fähigkeiten bei anderen nicht erkennen,
— weniger kompetente Personen das Ausmaß ihrer Inkompetenz nicht erkennen können,
— weniger kompetente Personen durch Bildung nicht nur ihre Kompetenz steigern, sondern auch lernen können, sich und andere besser einzuschätzen.

Die Autoren wurden im Jahr 2000 für ihre Studie mit dem satirischen Ig-Nobelpreis im Bereich Psychologie ausgezeichnet.[4]

2009-03-28

Habe ich eben gelacht …

Schreibtischgerangel

Der Monitor, der neue flache sorgt trotz seiner Größe für viel Platz in der Tiefe auf dem Schreibtisch an der Stelle, wo früher ein aufgeklapptes PowerBook stand. Viel Platz von dem X-, Y- und Z gemeinschaftlich glauben, er sei ihrer. Würde mich nicht weiter stören, würden sie endlich mal Nachhilfe bei Mr. Invisible nehmen.

2009-03-27

Schönwetterausflug mit PIN

2009-03-26

Sonne in Köln 2

Wortfolter

Trendpotenzial

2009-03-25

Sonne in Köln

Kaffee mit Keanu, Fisher Z im Ohr.

Stimmt.

Eine sehr kluge Ansage von der Frau. Neulich hatte ich das Vergnügen mit einem Botox- und Nasenlabialeigenfettaufspritz-Opfer zusammentreffen zu dürfen, dessen Nase auch etwas sehr kataloghaftes an sich hatte. Menschen, die so auf sehr natürliche Weise aussehen wie diese Frau auf unnatürliche Weise, haben üblicherweise einen Trisomie-21-Defekt.

2009-03-24

Feststellung des Jahrhunderts!

Schwundsocken und Halbwaisensocken sind gar kein männerspezifisches Problem! Oder aber ich trage zuviel Testosteron in mir.

Ein Essen spenden …

Das kann man nun wirklich machen! Hier sogar recht pfiffig animiert für Kinder in Düsseldorf. Und hier etwas statischer für Kinder in Berlin.

Visitenkarten

ein Sammelsurium einiger exzellenter Visitenkarten. Ich liebe die Rubbel-Karte.

via Mediengestalter-Blog

2009-03-23

Graffitiliebe



Manchmal sind ‘se ja doch ziemlich großartig. Der hier ist ein Mallorquiner.

2009-03-22

Heissa …

so kurz vor den Wahlen sagen sie, in diesem Fall Arbeitsminister Olaf Scholz, immer so feine Sachen. Daten einfordern für den gleichgeschlechtlichen Gehältervergleich oder das hier:

Fragen wir ihn in zehn Monaten noch einmal danach.

2009-03-21

Es muss mal geschrieben werden …

Post von der Agentur. Leistungsbezug und das Einstiegsgeld laufen zum 30. April ab. Und so schreiben sie mir, mein Leistungsbezug würde demnächst auslaufen und ich solle mich bitte rechtzeitig mit den beigefügten Forumlaren melden bei Bedarf.

Anschreiben genommen und mit breitem Grinsen und Glücksgefühl im Herzen zum Müll getragen. Der Plan sagte Anfang November vergangenen Jahres, mich nicht mehr ab dem 30.4.2009 dazugehörig zu fühlen. Der Plan hat erstaunlicherweise – sogar in diesen Zeiten – Bestand. Ich werde mich nicht mehr melden müssen. Ich werde schreiben, dass ich mich in der Lage sehe zum 1. Mai von meiner Selbständigkeit und Tätigkeit selber zu finanzieren, so wie es der Businessplan vorsah. Es sieht zur Zeit gut aus. Und so ist das Gefühl. Es ist anstrengend, es ist aufregend, es macht unglaublich viel Spaß, es ist von viel Lernen geprägt, es ist von Unterstützung von vielen Seiten geprägt, es ist toll. Und es ist eine einmalige Chance!

Die Agentur hat mich auf dem Weg im Rahmen ihrer Möglichkeiten großzügig unterstützt, sei es mit der Weiterbildung im vergangenen Jahr, sei es nun mit der Einstiegsgeld und der Unterstützung hinsichtlich technischer Notwendigkeiten, die sich ein Langzeitarbeitsloser auf dem Weg in die Selbstständigkeit so nicht leisten könnte, es aber ohne sie nicht funktionieren kann. Ich habe viel dafür kämpfen müssen. Stellenweise war es bitter zu erkennen, wieviel Professionalität sie von einem Bezugsempfänger verlangt, der sich selbstständig macht – auf der anderen Seite (das werfe ich dem Gesetzgeber vor, nicht den Mitarbeitern – von denen werden gelegentlich Dinge verlangt, für die sie überhaupt nicht ausgebildet sind) mit erschreckender Unprofessionalität und herzlich wenig Sinn für das betriebswirtschaftliche Leben agiert. Ich will nicht klagen, es hat geklappt. Obwohl ich die dort verbrauchte Energie in den letzten Monaten an anderer Stelle hätte klüger einsetzen und ich hätte die Motivation und Unterstützung einiger Bescheide deutlich früher gebrauchen können. Trotzdem, die Agentur tut was. Was die Banken in diesem Land nicht tun. Die wünschen viel Erfolg, fragt man bei ihnen um eine geringe Unterstützung nach und winken aber großspurig ab, wenn man sich in diesem Land selbstständig machen will. Dazu muss man nicht mal lange arbeitslos gewesen sein, um von ihnen den Unglauben an die Idee um die Ohren gehauen zu bekommen. Wer klein aber realistisch denkt in dieser Zeit, ist ihrem Glauben nach doof und ist es wert verraten zu werden. Ach, überhaupt Banken – diese unnützen geldgeilen Dinger, die sich vom Steuerzahler für ihre Inkompetenz bezahlen lassen und dafür jeden zweiten Mittelständler aus Jux und Spaß über die Klinge springen lassen, während die Deutsche Presse so tut als würde dieser Tage nur ein Unternehmen namens Opel – natürlich ganz fremdbestimmt – vor die Hunde gehen.

Sei es drum, ich wage es jetzt. Die eine Aufgabe sichert Miete, Krankenversicherung, Steuer und füllt den Kühlschrank – und macht dabei sogar Spaß und weckt in mir immer mehr den Kampfgeist, weil ich unglaublich kompetente engagierte kluge Menschen kennenlerne, die mir sehr viel geben alleine damit, dass ich einem Teil ihrer Arbeit beiwohnen darf. Die andere Aufgabe wird sich entwickeln, die Vorfreude auf sie ist groß und sie gibt mir die Möglichkeit meine Kreativität auszuleben. Irgendwie ist alles zur Zeit ein großes Glück.

Danke Euch allen, die ihr mich in den letzten Jahren hier unterstützt habt, Mut zugesprochen habt, geholfen habt mit Worten und Taten, an mich geglaubt habt, wenn ich es nicht mehr konnte, Daumen gedrückt habt, einfach da wart! Dieses Blog und Ihr wart oft unfassbar wichtig und wertvoll für mich in dieser Zeit und hat mich so manches Mal aus dem trüben Meer der Hoffnungslosigkeit gefischt. Das vergesse ich Euch nicht.

creezy=honk

Für neues Sparkonto neue «Abheben-macht-frei»-Karte erhalten mit neuer Pin-Nummer. Zur Sicherheit für die ersten beiden Abhebungen bis die Nummer sitzt (sie ist für mein zahlenabwesendes Hirn wirklich herausforderungswürdig) Pin-Nummer codiert als Telefonnummer aufgeschrieben. Nein, garantiert nicht im Portemonnaie aufbewahrt.

Neulich in einer Handtasche einen Zettel gefunden. Zuerst eine halbe Stunde auf den Zettel mit der Telefonnummer von einem, nennen wir ihn mal «Horst» geguckt und überlegt, wer Horst ist oder war und warum ich Horsts Telefonnummer notiert habe. Eine weitere halbe Stunde später beschlossen, überhaupt gar keinen Horst zu kennen.

Zettel weggeschmissen.

2009-03-19

Analog

Die Bank ohne Lehne steht in der neuen Neuköllner Einkaufshölle, der man nicht wie in allen anderen neuen Einkaufscentern dieser Stadt diese hübschen Massagesessel spendiert hat. Er sitzt da. Auf der Bank. Hinter seinem Rücken der Discounter dessen Name verblüffende Ähnlichkeit mit dem positiven Vorzeichen hat. Rechts von ihm hält «Deutschlands beliebtester Drogeriefachhandel» seine Pforten geöffnet. Direkt gegenüber werden Pornoschaufeln den Damen an die Hand geklebt. Seine Haare sind in der Mitte gescheitelt und wachsen in diesem undefinierbaren Mix von dunkel zu grau, nichts Halbes und nichts Ganzes. Er isst. Kartoffelsalat. Mit den Händen. Dabei stiert er in die Runde. Und stiert. Isst. Stiert.

Dann und wann in einem ungefähren Abstand von 120 Sekunden tönt seine tiefe, schnarrende und sonore Stimme durch die gesamte Halle mit einer Kraft, die zwei Stockwerke lässig beschallt mit dem immer gleichen Wortlaut:

«Du hast den Farbfilm vergessen!»

2009-03-17

Same Genöhle as every year …

Die Notwendigkeit besteht darin eine Übergangsjacke zu kaufen. Mir schwebte ein Trenchcoat vor. Allerdings einer der zurück genommenen Sorte. Glatt, klar geschnitten und ohne Gürtel – wie ein Blazer – ohne viel Firlefanz. Gürtel sind eh so Accessoires … Leider sind weltweit alle Designer der Meinung gewesen, gerade geschnittene Trenchcoats ohne Gürtel seien dieses Jahr nicht das, was ihnen für mich so vorschwebte. Sie sähen mich gerne in Trenchcoatjacken mit überfiesengroßen Knöpfen, gerne um die Abartigkeit neu zu dimensionieren mit stoffüberzogenen Knöpfen. Auch stellen sie sich vor, kleine in Falten genähte Abnäher oberhalb der Arme, die dezent hässliche Puffärmel andeuten, seien genau das, was die Trenchcoatträgerin von heute möchte. Oder auch der Hängerchen-Style wäre etwas für die Frau über 40 ohne Schwangerschaftsbauch. Es gibt sie übrigens, die Trenchcoats, so wie ich einen gerne hätte. Leider erst ab Größe 42 in der Herrenabteilung.

Daneben musste ich gestern lernen, dass mich der Kleiderhandel dieses Jahr tatsächlich gerne in übergroßen blumigen Designs, mit viel Puffärmel, vor allem aber Rüschen, Rüschen, Rüschen sehen möchte. Der Handel glaubt auch, Flieder sei die Farbe des Frühlings und diese sei für mich wie gemacht. Ich indes fürchte, da ist mein persönlicher Farbberater in mir völlig anderer Meinung und daher muss ich dem Handel sagen, ich lasse da wohl notgedrungen eine Runde aus. Was nicht geht, geht gar nicht!

Hattet Ihr (heute sind orthopädische Schuhe ja zum Glück doch ein klein wenig hübscher geworden) früher in Eurer Schule auch einen Jungen oder Mädchen, die sich aufgrund eines verkürzten Beines mit Fehlstellung mit diesem – im Straßenjargon «Klumpschuh» genannt – speziellem Schuhwerk, meist in Ka…braun gehalten, durch die Jugend quälen mussten? Gestern beim schwedischen Kleiderwoolworth gelernt: diese Schuhmode ist 2009 «le dernier crie!»



Nun, wenn‘s schön macht …

2009-03-16

Der Sender Vox

hält es offensichtlich für super witzig in seinem neuen Sendeformat «Top Cut» die Szene, wenn der Friseur (dort Hairstylist) Steve, ein Schwarzer, in einem dieser Wettkämpfe (dort Challenge genannt, weil es in der deutschen Sprache das Wort Wettkampf nicht gibt) «blind» – also mit verbundenen Augen – einem Modell die Haare schneiden muss mit einem Song von Stevie Wonder zu untermalen.

Die dachten dabei sicher, das sei der Brüller überhaupt. Andere denken sich sicher, das war taktlos gleichberechtigt Blinden und Schwarzen gegenüber. Man muss weder schwarz, noch blind, noch sehbehindert, noch ein schwarzer blinder Musiker sein, um das ziemlich scheiße zu finden. Ich suche den Witz dahinter jedenfalls heute noch.

2009-03-15

Weichspüler und Erfolghandicaps

Der eine Teil meines Arbeitsalltags besteht nun aus Sitzungen. Dazu geht man in einen Raum in dem meist ein großer runder Tisch steht oder mehrere Tisch längs in Reihe aufgereiht von einer oberen Reihe Tische, diese dann von quer stehenden Tischen unterbrochen, um in einer anderen Reihe wieder zurückgeführt zu werden, an deren Ende wieder ein paar quertanzende Tische so etwas wie eine U-Form simulieren. An diese Tische setzt man sich, zumeist gemeinsam in den jeweiligen Gruppen in denen man an diesen Sitzungen teilnimmt.

Wer zuerst im Sitzungsraum ist, hat es gut: er sucht sich die besten Plätze aus. Die sind meist dort, wo die besten Keksteller stehen, man eine bessere Sicht nach draußen (wichtig bei sehr langweiligen Sitzungen) hat – oder man am angenehmsten an Strom für die tragbaren Zweithirne gelangt. Für den Fall, dass der Akku des Zweithirns nach seiner besonderen Sorte Traubenzucker, Wechselstrom, verlangt. Wer zuerst im Sitzungsraum ist, hat es noch mal aus einem anderen Grund gut. Es gehört nämlich zum guten Ton, dass sich alle Sitzungsteilnehmender – egal wie sehr sie die andere Einstellung der Anderen zum Thema zum Kotzen (na, seien wir doch mal ehrlich!) finden – einmal frisch, fröhlich und frei per Handschlag begrüßen. Was das Mindeste ist, was man tun sollte. (Übrigens vergessen sehr viele dieser höchstdegradierten, studierten, ambitionierten Menschen, dass man, wenn man «Guten Tag!» sagt, sich auch in der ähnlichen Weise «Auf Wiedersehen!» zu sagen hat.) Gut hat es, wer zuerst in dem Raum ist und seinen Sitzplatz bereits eingenommen hat, denn dann müssen die später eintreffenden Gesprächsteilnehmer sich aufmachen und einmal die Runde herum in dem Raum machen, um die bereits Anwesenden persönlich zu begrüßen. In unserem Fall soll das schon Part zum Einstieg in die Gesprächsführung sein, denn die, die begrüßt werden, gelten als die Souveränen. Nun, ich schätze solch einen Habitus nicht, halte es auch für einen klugen Erwachsenen für nicht mehr würdig. Aber solche Spiele werden dort gespielt und ich spiele sie notgedrungen mit – man könnte die Crew dort eh nicht umerziehen (und es ist auch nicht meine Aufgabe.) Zumal natürlich nie einer von ihnen zugeben würde, dass dort mit solchen Kindergartenspielchen politisiert wird. Nur eines sieht man daran deutlich: es geht immer ums Ego!

Bei ca. 20 Teilnehmern in den Sitzungen – und wir reden hier wirklich von studierten, gestandenen Menschen jenseits des 40. Lebensjahres – könnt Ihr davon ausgehen, dass mir 70% dieser Leute einen oft noch feuchten Waschlappen in die Hand legen anstelle eines kräftigen Händedruckes und 50% der Leute sich fürchterlich vor dem Blick in die Seele meinereine fürchten müssen, denn sie können mir nicht in die Augen sehen dabei. Was zuweilen sehr grotesk wirkt.

Und ich soll diese Herrschaften dann den Rest des Tages ernst nehmen in ihrem Kampf um die Sache. Dabei bin ich nur regelmäßig erstaunt, wie sehr sich wirklich kluge kompetente Menschen innerhalb ihres Berufslebens durch so sehr kleine, in der Wirkung aber recht fatale Fehler selbst degradieren.

Man muss nicht immer einen guten Tag haben, man kann auch mal mit Angst und Sorge in eine Sitzung oder in ein Gespräch gehen, man muss auch nicht über ein großes Selbstbewusstsein verfügen. Mein Tipp: dann aber wenigstens für einen kurzen Moment Theater spielen und so tun. Einmal knackig die Hand drücken und kurz den Augenkontakt suchen. Die allerwenigsten Menschen können mit ihren Augen töten.

Wer sich selbst nicht sicher ist, wie er nach außen wirkt im Moment der Begrüßung, einfach mal Freunde fragen und den Vorgang einer kurzen selbstbestimmten und selbstbewussten Begrüßung an ihnen üben. Wenig Aufwand, bringt aber wirklich viele Punkte. Ach ja und noch eines: wenn man sich in einer solchen Situation – also der Begrüßung mehrerer Personen kurz hintereinander – begrüßt: Konzentration auf die eine Person, vor der man gerade steht und der man gerade die Hand reicht. Jemandem die Hand zu reichen und sich währenddessen noch mit der vorgangenenen Person zu unterhalten oder schon mit der nächsten - dann kann man's gleich lassen. Die Begrüßung ist dann nämlich ausschließlich für'n Ar…!

2009-03-14

Die allergrandioseste

Minimenschen-Ankündigung diese Woche vom stilhäschen, bald stillhäschen. (Unbedingt auf den Soundtrack-Link klicken.)

Bloggerverständigung

Markus von Text und Blog weilt in Russland und trifft haufenweise russische Blogger. Kleine Überraschung: er bloggt darüber! Und hier bloggen alle anderen teilnehmenden Blogger in russisch und deutsch.

2009-03-13

Ich blende das aus.

Weil ich es unfassbar finde und meine Zeit brauche, bis ich so einen Vorfall in seiner Schrecklichkeit an mich heran lassen kann. Weil ich überhaupt nicht sehen möchte, wie die Kamera auf junge Menschen hält, nachdem sie wahrscheinlich das Schlimmste erlebt haben, was ihnen in ihrem jungen, meist noch unbedarft verlaufenem Leben passiert ist und sie unter Schock stehend nicht einmal sagen können: «Filmt mich nicht!». Weil einer von ihnen offensichtlich sein junges Leben nicht unbedarft leben durfte und fürchterlich einsam gewesen sein muss, denn kein Mensch, der unglücklich ist und sich verstanden fühlt, nimmt eine Waffe und drückt wahlos ab. Weil aus reiner Mediengeilheit vorverurteilt wird. Weil dieser junge Mensch vielleicht kaum Computerspiele gespielt hatte, möglicherweise nur zuviel deutsches Fernsehen geguckt haben mag? Weil die Online-Präsenz einer großen deutschen Tageszeitung meint, uns Trauer vorzugaukeln indem sie den Background auf schwarz setzt. Es aber nicht mal schafft soviel Rückgrat zu haben für zwei Tage ihren Kunden zu sagen, «wir schalten aus gegebenem Anlass keine Werbung!» und dann Geld scheffelt aus einer Tragödie ohne Ende.

Weil ein junger Mensch aus unserer Gesellschaft für sich und andere so einen Weg wählen musste.

Treffer, versenkt:

Gestern …

habe ich einen Handkuss bekommen und zwar einen richtigen formvollendeten! Das heißt, ich habe eigentlich keinen Handkuss bekommen. Aber einen angedeutet bekommen. Außerdem gab es Eis zum Nachtisch. Und Regen in Köln. Später auch in Berlin. Aber da wartete dann bonfortinöse Post. Post auf die ich fünf Monate und zwei Anträge lang gewartet hatte. Es fällt ein wenig schwer sich über Post, auf die man so lange warten musste und sich mit bösen Briefwerken erkämpfen musste, noch freuen zu können. Der Inhalt scheint dann unwirklich, so wie Handküsse …

2009-03-11

Die Quadratur der Badewanne

Der einzige Raum in meiner Docking Station, der so etwas wie einen Teppich besitzt, ist das Badezimmer mit seinen Badvorlagen. Diese sind rot. Katzen lieben rot. Katzen lieben es auch ausschließlich auf Teppiche und Vorleger zu kotzen. Auch weil sie rot sind. Vorallem aber weil sie danach das halbe Bad umschaufeln müssen, weil sie es nicht vor sich, anderen Katzen, der Welt im Allgemeinem, dem neuen Hund des amerikanischen Präsidenten und den Katzenflohzirkusbeauftragten ertragen auf die Vorleger gekotzt zu haben. Umschaufeln funktioniert mit Badvorlegern deutlich besser als mit Holzdielen. Übrigens gibt es in Google zu den Suchbegriffen «katzen kotzen» 81.900 Einträge, zu «katze kotzt» 182.000. Gemäß der Logik, die mir neulich erst wieder ein ehemaliger Psychologiestudent mit total viel langjähriger Weberfahrung zu verstehen gab: je mehr Google-Einträge, desto richtiger die These der Suchbegriffe. (Alleine schon aus Suchbegriffen Thesen abgeleitet zu sehen, ist ja auch ‘ne Kunst an sich.) Dementsprechend kotzt in Deutschland die Katze also viel häufiger als es die Katzen in Deutschland tun. Bei mir vorzugsweise auf Badvorlegern. Den Roten. «drei katzen kotzen» kennt Google nur 68.700 Mal – also sind wir eigentlich gar nicht da. Und im Prinzip kotzen wir zu dritt auch weniger als nur eine Katze es tut. Oder so.

Ach so, was ich schreiben wollte: Katze(n) kotzte(n) neulich grünes Gras mit braunem Restfutter auf die roten Vorleger. Der hausfrauengetriebene Plan sagt somit, ab in die Wäsche damit! Nun aber ist es so: ich müsste duschen und ich müsste das Bad putzen. Duschen finde ich ohne Vorlagen ziemlich eklig, weil es kalt ist an den Füßen, wenn ich aus der Wanne steige. Außerdem ist das Bad dann so unrot. Was ich auch gar nicht mag. Gleiches gilt fürs Bad putzen, denn ich laufe grundsätzlich barfuß in meiner Wohnung. Auch wenn es draußen schneit oder Glascherben herum liegen. Es bietet sich grundsätzlich an, vor dem Bad putzen zu duschen, dann hat die Badewanne wenigstens mal zwölf Stunden Ruhe. Um nicht in die Verlegenheit zu kommen, auf Stein zu stehen nach dem Duschen oder Putzen, müsste ich beides zuerst tun, bevor ich die Badvorleger in die Waschmaschine stecke. Wozu ich momentan allergrößte Lust hätte. Zum duschen und zum Bad putzen indes nicht.

Was tun?

bettlebum

auf der CeBit. So schön treffend.

Besser essen auf Wanderschaft!

NutriCulinary hat‘s entdeckt und dessen Einleitungstext bietet schon ausreichend Humoriges. Insofern meine Empfehlung seinen Text zu lesen, bevor Ihr Euch dieses Video anschaut, in dem es um Testessen und -trinken von Cheeseburgern aus der Dose und gefriergetrocknetem Rotwein geht. Ach ja, ich habe das dumme Gefühl, irgendwie werden in dem Beitrag offensichtlich dann doch lebende Tiere gequält:

Schön, vielleicht sogar besser

Erst Blogs lesen am Morgen, dann die Tageszeitung (online).

2009-03-10

Mogli



Die Geschichte von Mogli hatte ich schon anlässlich meines letzten Insel-Urlaubs erzählt. Der Hund ist nach wie vor ein Goldstück, extrem witzig und hat für viele gute Lacher gesorgt. Wie auch immer – zu einem guten gelungenen Urlaub gehören auch Tiere, meiner kleinen unbedeutenden Meinung nach. Bei langen Wanderungen mit Hunden sieht man eben die Welt auch noch mal aus einer anderen Perspektive. Jedenfalls finde ich, wenn man sich Mogli so anguckt, dass natürlich völlig klar ist welche Hunderasse bei dem Entwurf der Figur von Goofy wohl Pate gestanden hatte … muss ein Königspudel gewesen sein.



Geständnis

Ich gehöre zu den Lesern, die an keiner «Was macht eigentlich …?»-Kolumne vorbei kann.

2009-03-09

Lieber Freund!



Erstens: mit mal eben eilig ist heutzutage nix mehr. «Schnell» ist out, das lerne ich täglich aus den Spam-Mails dieser Viagra-Offerten aus meinem Spam-Ordner aus dem ich zufällig Deine Mail gefischt … habe, mein lieber Freund. Tut mir natürlich total leid, Du!

Zweitens: bevor Du nach Deutschland spammst, informiere Dich erst mal darüber, dass und wie hier gerne gegendert wird. Frauen sind nämlich auch super gerne total doof und machen einen auf dubioses Geldgeschäft, reagieren aber echt total zickig auf nicht gegenderte Mails und so.

2009-03-08

Frauentag

Heißt das, ich bin heute mehr Frau als an den anderen 364 Tagen im Jahr? Oder weniger? Oder überhaupt? Oder was?

2009-03-07

1a-Frühlingsymbolik

In einer Mail schreiben: «Ich habe nichts anzuziehen!»

2009-03-06

Ich darf zur Zeit gar nix …

zum Thema «Essen» oder so bloggen, weil ich tatsächlich Freunde habe, die hier lesen und gerade fasten. Andererseits …



Nö, entsetzt sein und «iehhh» rufen, gilt nun nicht. Dafür kommt bei uns hierzulande das Fleisch viel zu billig auf den Tisch. Erstens essen sehr viele von uns zu Ostern wieder ganz gerne Lamm. Und noch lieber das feine Milchlämmchen (der Name kommt übrigens nicht davon, dass das Fleisch in Milch eingelegt wird, sondern davon, dass das Lämmchen vor seinem Tod noch nicht einmal «abgestillt» ist – also noch säugt und Tiermutter und Tierkind nicht einmal die von der Natur vorgebene Zeit hatten, sich voneinander zu entwöhnen.) Und zweitens ist das genau das, woraus das Futter unserer Vierbeiner besteht und glaubt mal nicht, dass nicht genau das vom Tier in den Brühwürfeln oder industriell gefertigten Fonds steckt, die in Euren Speisekammern schlummern. Dafür darf man den Tieren ruhig einmal ins Gesicht gucken. Post mortem.

Ich schätze die Art und Weise des Fleischangebotes in den südeuropäischen Ländern sehr. Sie erinnert hin- und wieder daran, wer für meinen Genuss das Leben lassen musste. Sie erinnert mich aber wiederum auch daran, wie gutes frisches oder auch gutes abgehangenes Fleisch auszusehen hat: wie in Südeuropa eben. Und nicht wie in unseren gekühlten Auslagen unserer Supermärkte. Die Unterschiede darf man getrost als himmelweit bezeichnen. Der Spanier kauft noch gerne das Fleisch vom Schwein an dessem Kopf und klaren Augen er erkennen kann, wie kurz zuvor die Sau erst das Zeitliche gesegnet hat und an den anderen Signalen des Kadavers, ob das Tier denn auch ein gesundes war. Da hält der Fischverkäufer Dir den Fisch hin und drückt direkt von Deinen Augen in das Fleisch, damit Du Dich selber überzeugen kannst, wie frisch der Fisch ist. Oder der Franzose offeriert Euch den Vogel mit Kopf, denn auch an dessen Augen wird der Verwesungsprozess am sinnvollsten bestimmt bzw. an dessem restlichen Federkleid lässt sich noch erkennen, ob wir wirklich die Vogelart erhälten, die wir auf dem Tisch haben wollten.



Hin- und hergerissen bin ich dennoch immer, wenn ich in den Markthallen der Länder stehe und mir den Tod vor Augen führen lasse. Für mich, die ich in dieser (Städte-)Kultur Deutschlands groß geworden bin, wo bitteschön von mir allzuweit fern gehalten wird, dass es ja doch Tiere sind (mit einem Bewusstsein, daran glaube ich fest), die für mein Steak ihr Leben lassen, ist der Anblick des toten Ferkels oder grinsender Lammköpfe doch ein simples Spiegelbild der ungerührten Brutalität meiner eigenen Rasse; von meinem Egoismus, ein schlimmes Zeichen meiner Macht als Mensch, die ich hier voll auskoste gegenüber dem mir unterlegem Individuum. Es gruselt und fasziniert mich zugleich. Ein perfides Spiegelbild.



Bis vor kurzem hatte ich den naiven Gedanken in den Ländern, in denen einem der Tod des Tieres visuell ungeschönt in der Kühlauslage serviert wird, würde deutlich weniger Fleisch gegessen. Interessenshalber habe ich den Fleischverbrauch in Europa recherchiert und bin eines Besseren belehrt worden. Interessant zu lernen, dass selbst in den Ländern, die täglichen Fisch auf dem Tisch haben könnten, deutlich mehr Fleisch essen. Dort gilt Fleisch wohl immer noch als das Luxusgut, das man sich früher nicht leisten konnte und der Fisch als das Mahl der Armen mag eher unattraktiv sein (obwohl die Fischpreise auch im Süden Europas mittlerweile eine ganz andere Aussage haben.) Tatsächlich aber essen wir Deutschen im europaweiten Vergleich (vor allem zu den Ländern, die deutlich weniger Einwohner haben als wir) nicht übermäßig viel Fleisch. Frankreich beispielsweise liegt weit vor uns.

Da ist eine Art von Schmerz, die mich seit einigen langen Jahren durch mein Leben begleitet und der beim Gang durch die Markthallen im wieder hochkommt: ich wäre gerne Vegetarierin. Ich war das auch in der Vergangenheit, mich treibt's immer wieder dahin. Gesundheitliche, ökologische oder öknonomische Aspekte sind mir, ehrlich gesagt, egal dabei. Historische Argumente «der Mensch hat schon immer …» fallen auch flach. Ich rede von einem Gefühl, meinem. Mir schmeckt Fleisch. Ich fühle mich aber unwohl dabei, dass für mich jemand sein Leben lassen muss und wie jemand für mein Wohlwollen sein Leben fristen muss, wie ängstlich und wenig «human» sein letzter Weg, seine letzten Stunden dabei sind. Alle Varianten habe ich mittlerweile durch (ausser dem Dasein als Veganer), ob komplett ohne Fleisch oder nur mit Fisch. Die Ernährung war soweit ausgewogen, ich habe darauf geachtet. Ich finde das generell gut ohne Fleisch zu leben, meiner Überzeugung nach bin ich damit sehr zufrieden. Nach drei Monaten ist man im übrigen auch durch mit dem «Jieper» nach Fleisch. Nur: mir geht es leider nach drei Monaten gesundheitlich auch schlecht, ich sehe aus wie der Tod auf Latschen und ich fühle mich, als würde ich nicht mehr nur auf drei sondern nur noch auf anderthalb Töppen laufen. Mittlerweile bin ich an dem Punkt angekommen zu glauben, dass es manche Menschen gibt, die fleischlos leben können und andere es wohl nicht können auf Dauer. Meine persönliche Lösung daher: wenig Fleisch essen und wenn es bewusst zu tun und es wertschätzen, dass ein Tier für mein Wohlergehen sein Leben gelassen hat.



Ich stamme noch aus einer Generation, wo – als wir klein waren – gebetet wurde, wenn wir zusammen am Essenstisch saßen. Nicht, dass ich meine Familie zu dieser Zeit als besonders christlich aktiv in der Erinnerung hätte. Man tat das damals halt so. Auch im Kindergarten. Es ist eigentlich ein sehr schönes Ritual vor dem Essen für das Essen auf dem Tisch zu danken. Man muss das, je nach Gusto und Glauben, heute nicht zwangsläufig bei Gott tun. Aber man könnte im Geiste ruhig einmal am Tag «Danke!» zum Schwein, zum Huhn, Rind oder der Garnele sagen, auch zur Kartoffel. Und dann vielleicht viel bewusster essen, das, was für uns sein Leben gelassen hat. Zumal «gutes» Essen auf unseren Tischen seltener werden wird in den kommenden Jahren.

Wo ist denn unser Respekt vor dem Lebewesen (von anderen Anwesenden ganz abgesehen), wenn wir unser morgendliches Wurstbrot essen während wir dabei Zeitung lesen? Wenn wir vor dem Kochtopf stehen, das Gulaschfleisch anbraten und lauthals über die miese Fleischqualität schimpfen, weil das für «unsere gesunde Ernährung» mit Antibiotika gespritzte Schwein nun im Topf Wasser lässt ohne Ende? Wir hatten ihn einmal, diesen Respekt, damals als Fleisch nur am Sonntag auf den Tisch kam. Der Bauer hat ihn heute noch, wenn er seine Kuh zum Schlächter führt und es ihn dann doch schmerzt von ihr Abschied zu nehmen. Der isst sein Huhn, das ihm morgens noch über den eigenen Weg lief, noch deutlich bewusster als wir das tun – für die der Gockel nie einen Kopf hatte. Wir sollten diesen Respekt nicht verlieren vor einem Wesen, das wir vielleicht als «niedriger» schätzen, nur weil es uns als Futtermittel zu dienen hat. Sehr wahrscheinlich keine Entscheidung, die je von einem Tier bei Selbstwahl so gefällt worden wäre. Er ist das Einzige, was uns in dieser Sache schließlich noch «menschlich» macht. Und da wir ihn allerspätestens schon bei unserem ersten Burger von McDonals verloren haben, könnten wir uns ruhig auf die Suche machen und versuchen ihn wiederzufinden. Anstatt in unsere Kultur das Essen lebendiger Insekten (vor TV-Kameras) Einzug halten zu lassen.

Fasten könnte ein Weg sein.

Wortfolter

Aktivurlaub

2009-03-04

Es gibt da so ein Ritual bei uns

und das beinhaltet, dass, sobald ich an das Anziehen von Jacke und Schuhen nur denke, das kleine bunte Katzenmädchen hocherfreut um mich herumtänzelt und mich mauzend und schnatternd gar nicht schnell genug aus der Wohnung treiben kann. (Ich versuche mein schmerzendes Herz an dieser Stelle immer seelisch aufzubauen, denn ich weiß ja, es ist nichts Persönliches an sich … ÄH …oder doch?) Nun, die Tradition will es – und das ist es worauf Talytha so abfährt – dass es zum Abschied kleine Nascheinheiten gibt. Hat für mich den Vorteil, dass ich bei drei Katzen weiß, dass keine auf dem Balkon ausgesperrt ist und für die Katzen den Vorteil, dass es was Bonfortinöses in den Bauch gibt. Nun, Nishia und Lino nehmen dieses Ritual gnädig an, ich darf es ihnen hintertragen – Tally aber würde indes dafür töten. In der Variation dessen, was gegeben wird, ob Malzpaste, Whiskasherzchen im Miniformat, Vitamintabletten und leckere Katzensticks, gibt es natürlich eine Hitliste und die geht so: alles ist lecker – für die Katzensticks aber würde Tally wieder … richtig: töten! (Katzensticks müssen irgendwie gepresste Spatzen an Bulimie sein, keine Ahnung.) In dem Moment in dem ich nur die Tür anfasse, hinter denen sich die Katzensticks befinden, sucht «el mampfo» Körperkontakt, widerspricht Küchentischverboten, macht verbal deutlich, dass ich ein Auspacklahmarsch bin und hat den irren Blick eines Katzenmonsters auf dem Beutemachtripp. Katzenbesitzer wissen genau wovon ich schreibe, jeder Hund beim Betteln ist auf Valium dagegen.



Nun also dieser Tage wegen der Allergie der kleinen Maus: Sticksverbot. Ich hatte zur gleichen Zeit als ich eine neue Sorte des üblichen Futters ins Haus holte, gleichzeitig angefangen die Sticks bei einem neu aufgemachen Drogerie in meiner Nähe zu kaufen. Weiß also nun nicht genau, worauf sie allergisch reagiert – also wanderte strikt beides vom Speiseplan.

Gestern tat ich das einzige Sinnvolle, ich brachte den Nachbarn (mit ein Katz) das restliche Futter und die vielen restlichen Sticks. Tallys Lieblingssticks (Hier auf dem Foto die «guten»). Von denen sie seit Samstag keinen einzigen mehr erhalten hatte – obwohl ich natürlich mehrfach das Haus verlassen hatte in der Zwischenzeit. Wir können sagen, Tally ist komplett auf Sticksturkey. Nur zu ertragen, weil die von der Ärztin verabreichte Spritze sie für zehn Tage etwas ruhig stellt und den Leck- und Kratzmodus runterregelt. (Leider funktioniert die LMAA-(leck-mich-am-Ar*)-Stimmung der Medizin genau bis kurz vor den Stick und keinen Schritt weiter.)

Ergo also keine Sticks momentan für Tally und dann auch noch der Gang meinereine an den Schrank, beim Nachbarn geklingelt und ihm mein Vorhaben der Futter- und Sticks-Schenkung erklärt.

Tally stand währenddessen in der Tür. Und glaubt es mir, Tally steht nie in der Tür, wenn es um den Nachbarn geht. Er ist ihr zu laut und überhaupt liebt sie das Treppenhaus nur solange es komplett unberührt ist von anderen Zweibeinern oder sich öffnenden alternativ sich schließenden Türen. Also Tally stand in der Tür, breitbeinig, guckte fassungslos wie der Nachbar ihre Sticks entgegen nahm … das Gesicht, der Blick …

Ich fürchte, Tally wird töten.

2009-03-03

Ich bin dann mal beim Augenarzt, die Nasenfalte pimpen

Ein interessanter Beitrag lief gestern in der ARD bei report aus München zum Thema «Fachärzte werden zu Schönheitsspezialisten». Bis Minute 00:02:09 ist das sehr Wesentliche bereits gesagt, weiter gucken lohnt natürlich dennoch.

Ich werde so sauer bei der Argumentation des Augenarztes. Wenn der Mann allen Ernstes in seiner marketingorientierten Aussage erklärt, ohne seine zusätzliche Fachqualifikation wäre er vorher nicht in der Lage gewesen, seinen Patientinnen und Patienten zu erklären, warum die eine Brille bei ihnen nicht sitzt (im übrigen ein Gespräch, das tendentiell wohl eher mit dem Optiker geführt wird als mit dem Augenarzt – und überhaupt dachte ich, die haben gar keine Zeit mehr für diese Form von BlaBlaBla weil sie soviel Verwaltungskram auszufüllen haben?), war er vorher schlicht bereits ein inkompetenter Augenarzt. Der Sitz einer Brille hat garantiert nichts mit Nasendesign oder Labialfalten sondern allenfalls mit mangelndem Brillenfunktionsdesign zu tun. Eingriffe in einen gesunden Körpfer, dazu gehören auch Injektionen mit nicht langzeitgeprüften Materialien (es weiß niemand, was Botox oder Eigenfettbehandlungen in zehn Jahren in den Körper der allermeisten Nutznießer anrichten), bergen immer ein Risiko für die Gesundheit des Patienten. Und Fachärzte, die dieses Risiko ihren Patienten verkaufen, nur um ihr Konto aufzubessern, denen sollte sofort die Approbation entzogen werden. Hier wird Geld verdient immer mit dem unbedingten Risiko Menschen zu schädigen und das geht, meiner Meinung nach, absolut nicht mit der eigentlichen Aufgabe eines Arztes konform.

Wenn man sich desweiteren anhört, wie hier in diesem Land diese zusätzlichen «Qualifikationen» (möglichst billig, natürlich, die ganze Sache muss sich für den Arzt ja ordentlich lohnen) vermittelt werden, kann einem schon mal die Sprache wegbleiben.

Andererseits, wenn ich mir die jungen Schickse angucke, die in dem Beitrag bei ihrem Zahnarzt auf dem Stuhl sitzt und sich ihre Lippen aufspritzt, fällt mir auch nur ein: «Selbst schuld die Maus, wenn's dann schief geht!” Patienten suchen sich eben an mancher Stelle wohl auch zielgenau die Mediziner aus, die sie verdienen.

Skript und Video zu «Fachärzte auf Abwege» (schöner Titel!) stehen hier nachträglich zur Verfügung.

Von Sehnsüchten und so.

2009-03-02

Ich glaube …

hier kann jemand (Jens Weinreich) unsere Unterstützung gebrauchen. Kleinvieh macht auch Dreck.

Für einen Hotelriesen natürlich nur Peanuts,

für eine kleine Designerin womöglich die Existenz. Die in Berlin ansässige Designerin Mari Otberg kreiert Kleider, hauptsächlich Hochzeitskleider. Ihren eigenen Namen hat sie in dem Namen für ihre Label mit dem passenden Wortspiel zum Heiraten: «JustMariOt» (mit einem «t») also zu deutsch «nur Mari Ot» und führt unter diesem Namen ihren eigenen kleinen Laden. Kommt eine große Hotelkette daher, die sich Mariott (mit zwei «t») nennt und findet, der Name der Designerin würde doch zu sehr dem eigenen Firmennamen ähneln, entwickelt ein Angstsyndrom und zwingt die Frau juristisch ihren Labelnamen zu liquidieren. Ohne ihren Namen nutzen zu dürfen, sieht die Designerin allerdings keinen Sinn mehr in dieser Form von Existenz und gibt konsequent den Laden auf.

Müssen wir uns künftig umtaufen lassen, wenn wir zufällig Mercedes heißen und einen Mann heiraten, der zufällig Benz heißt, wenn unser berufliches Glück in Führung einer Imbissbude liegt und wir diese nach uns selbst benennen wollen?

Ich habe gerade via Kontakseite des Mariott-Konzerns kurz und knapp dem Konzern erzählt, was ich von seinem Handeln halte und warum ich garantiert nicht in diesem Leben in einem der Hotels dieses Konzerns nächtigen möchte und werde.

Kicher …

Geht doch mal wieder zur Volkshochschule:

Männer  Frauen

Wir sind die Sintflut …



Ab Minute vier läuft er sich richtig warm.

via Tilla

2009-03-01

Nun mehr …

befinde ich mich hinsichtlich meiner neuen beruflichen Aufgabe (der einen von den dreien oder nein, es sind doch eher vier) auf einem neuen Level des Lernens. In den ersten drei Monaten lernte ich viele Gesichter, Namen, Abkürzungen (im Geiste auszuschreiben), Zuordnungen (offensichtliche und versteckte) kennen, erlernte wieder das Reisen, das sehr frühe Aufstehen, lernte den Sekt von Lufthansa, die Laugenstange und den Playboy als Morgenlektüre von AirBerlin kennen. Lernte über merkwürdige Umgänge miteinander, hintereinander, voreinander, dass gestärkte Hemden ein trügerisches Anzeichen von Vorhandensein von Stil sein können aber nicht sein müssen, wie käuflich Menschen doch sind, wie armselig Menschen doch sind, wie – und das nehme ich am liebsten und am meisten mit – großartig Menschen doch sind. Ich lernte wie schlecht das Essen im Gesundheitswesen sein kann: werdet mir bitte bloß nie Politiker und seid dabei Vegetarier, denn das passt gar nicht! Ich las mich durch Akten, Fakten, Schreiben, Berichte, wunderte mich über Sprachen, denen ich doch aufgrund meiner geburtlichen Disposition eigentlich mächtig sein sollte, verstand vieles nicht. Und wenn ich verstand, erschreckte es mich recht ordentlich. Zum Glück werde ich wissend und wohlbehüted begleitet. Kurzum: ich habe meinen Spaß und sehe eine Entwicklung hinsichtlich des Verstehens zum Positiven hin. Allmählich.

Also folge ich nun der nächsten Stufe des Lernlevels: man schult mich. Sehr freundlich und intensiv sowie wohl umsorgt. Dabei lerne ich über mich, dass ich ja doch an der Schule ein bisschen was vom Dreisatz mitgenommen habe und man sich vor dem Wurzelziehen nicht übertrieben sorgen muss, solange man einen Taschenrechner besitzt. Ihr werdet es nicht glauben, ich hatte doch tatsächlich in der vergangenen Woche mathematische Erfolgserlebnisse. (Ich lernte übrigens auch, wie sehr unglaublich unterschiedlich einzelne Taschenrechner funktionen. Obwohl sie alle das Gleiche machen sollen.) Ich lerne, dass Menschen, mit 6+3 (oh, diese Aufgabe spendierte passend zum Thema eben der auf der Tastatur stehende Lino, dann soll sie bleiben) … mit abgeschlossenem Studium und Dissertationen im Hintergrund genau so ungerne rechnen wie ich, obwohl sie es in ihrem Job viel öfter können müssten als ich. (Was ein wenig Panikgefühl auslösen könnte, würde man länger und intensiver darüber nachdenken. Aber solange sie wenigstens unterm Strich ausgerechnet bekommen, was sie verdienen oder nicht – immer zuwenig –, ist's ja gut.)

Ich lernte in dieser Woche Studien und Reviews lesen und auswerten, was Evidenz bedeutet und wo sie einen in der Beurteilung von Statistiken gerne auf das Glatteis führt. Nun werde ich noch mehr Freude an Statistiken haben. Besonders viel Spaß machen dabei übrigens die der besonderen Sorte: von der Pharmazie in Auftrag gegeben. Heissa! Dann empfindet man detektivische Freude beim Lesen zwischen den Fakten und Zeilen. Zum Beispiel, wenn ein alteingesessenes Medikament in der Behandlung einer Diagnose untermedikamentiert wird, damit das als neu einzuführende Allheilmittel entgegen der alten Behandlung als das bessere Medikament dargestellt werden kann. (Was im Klartext bedeutet, dass man eine Menge x von Patienten schlicht bei krankhafter Disposition mal eben für die Zahlen über die Klinge springen lässt.) Kurz und gut: ich habe wirklich meinen Spaß! Nur ob mir die neue Form von Zynismus wirklich gut zu Gesicht steht, die ich gerade entwickle, ich weiß es nicht …

Wieder was gelernt!

Kannte ich noch nicht: Das Godwin-Gesetz Trifft es aber, wie die Faust auf‘s Auge.