2011-10-25

Ersatzverkehr

In Berlin fährt ja ab und an die S-Bahn mehr so nicht. Manchmal gar nicht. Gelegentlich partiell nicht. Auf der Strecke zum Flughafen Schönefeld fährt sie nun nach jahrelangem Chaos seit Neuestem mal wieder etwas häufiger, dafür aber gelegentlich des Nachts wieder auch nicht und dann fährt ein Bus. Mit diesem Bus hatte ich gestern die Freude zu fahren. Die nennen das Schienenersatzverkehr. Und der ging so: wir fuhren mit dem Bus ab der S-Bahnstation und Ersatzhaltestelle Grünbergallee bis zum S-Bahnhof Grünau, der eigentlich sonst nicht auf der Strecke dieser S-Bahnlinie liegt. Dann durften wir zwei Stationen bis zum Betriebsbahnhof Schöneweide mitfahren, und dort in den gegenüber wartenden Zug umsteigen, der eine Station bis Schöneweide fuhr, dort durften wir dann zu einem anderen Gleis wechseln, um in unsere gewünschten Linien der bevorzugten Weiterfahrt zu wechseln.

Das war schön viel Umgesteige und Gewechsle für so eine späte Nacht und ich habe bis heute, selbst nach erfolgreichem Rotwein-Abbau, immer noch nicht begriffen, warum die den Scheißbus nicht einfach alle Stationen abfahren lassen bis zum ersten Bahnhof der baufreien Zone?

(Aus der Reihe: versteht Ihr das doch, ich will nicht mehr!)

Gestern …

das Älterwerdungsritual von Frau multikulinarisch.es. Food-Blogger feiern den lieben ganz langen Abend am liebsten wo?

Nebenbei gestern die beste Kürbissuppe der Welt gegessen, muss ich ehrlich sagen! Und ich war von meiner eigenen schon immer überzeugt.

Wenn ein Mensch

aufgrund einer beruflichen und sozialen Frustration, z. B. weil er arbeitslos ist und für sich keine Zukunftsperspektive sieht, kriminelle Handlungen begeht, ist es medial zur allgemeinen Imageverschlechterung von Langzeitarbeitslosen ungemein wichtig nicht etwa zu schreiben, „ der arbeitslose Maler”, „der Mensch ohne Arbeit”, der „Arbeitslose” oder „Langzeitarbeitslose”, es ist nur richtig ihn als „«Hartz IV-Empfänger» fackelt Autos ab” zu beschreiben.

Weiterhin hat noch nie ein Mensch in diesem Land eine Leistung namens „Hartz IV” empfangen, bezogen noch erhalten. Ein Umstand, den ich meinen Freunden seit Jahren versuche zu erklären und sie bitte, sie mögen sich doch nicht auch noch an diesem Prozess der Stigmatisierung von Arbeitslosen beteiligen. Sinnlos. Leider. Sie begreifen es nicht.

2011-10-21

Deutschland, armes Facharbeiterland.

Arbeitsgebiet: Simulation des Wäschefalls in der rotierenden Trommel zur Vorhersage des Waschergebnisses. Eine Möglichkeit zur Promotion wird angestrebt.

An der Beuth Hochschule für Technik Berlin ist im Rahmen des Drittmittelprojekts "DynTexTro - Ansätze zur Vorhersage der Wäsche in der bewegten Trommel" im Fachbereich VIII - Maschinenbau, Verfahrens- und Umwelttechnik (Fachgebiet: Struktur- und Strömungssimulation), eine Stelle zu besetzen.

Fachliche Anforderungen: Abgeschlossenes naturwissenschaftliches oder ingenieurtechnisches Hochschulstudium mit Schwerpunkt numerischer Simulation. Erwartet werden umfassende Kenntnisse der numerischen Methoden der Strömungs- und Struktursimulation, sowie praktische Erfahrung mit den Softwarepaketen ANSYS, ANSYS CFX und LSDyna.

Außerfachliche Anforderungen: Kenntnisse auf den Gebieten Strömungsmechanik, Thermodynamik und Festigkeitslehre sind vorteilhaft. Teamfähigkeit, soziale Kompetenz, Kreativität und Fähigkeit zu selbständiger wissenschaftlicher Arbeit wird vorausgesetzt.

(via bel, danke!)

2011-10-20

1,8 Millionen Euro in den Wind geblasen …

Julia Probst von Augenschmaus hat sich auf Facebook – ebenso wie ich über diese – weil letztendlich inhaltslose – Imagekampange der Bundesregierung aufgeregt. Nun, sie weiß natürlich noch viel besser als ich, was sich genau nicht tut in Deutschland hinsichtlich der Integration von Menschen mit Behinderungen im Alltagsleben dieser Republik. Die Kampagne kostet übrigens 1,8 Millionen Euro. Ein Schnäppchen im Vergleich zu dem was den Support echter integraler Aktionen kosten würde.

Dazu passt das heutige Mahnschreiben, verfasst vom Sozialverband Deutschland (SoVD), Deutscher Behindertenrat (DBR) und Elterninitiative „Gemeinsam leben – gemeinsam lernen” an die Kultusministerkonferenz, die weiterhin auf dem besten Weg ist, die UN-Behindertenrechtskonvention zu ignorieren. Integrativer Unterricht findet einfach nicht statt in diesem Land, vor allem dann nicht, wenn Kindern mit Behinderungen die Schulhelfer ohne Sinn und Verstand weggekürzt werden und ihnen damit schon der Besuch der Schule überhaupt schwer bis unmöglich gemacht wird!

Also wieder einmal: außer Spesen nichts gewesen!

Geahnt habe ich das schon immer …

… Knut ist gar nicht tot, Knut ist nur umgezogen:



Und zwar zum:



(Aus der Reihe: Ihr kennt diese unglaubliche Kreativität gepaart mit wilder Schönheit von Neuköllner Hochparterre-Fenstern nicht!)

2011-10-19

Gestern …

habe ich eine Freundin auf Facebook „entfreundet”. Warum? Sie ist derzeit dabei sich beruflich neu zu orientieren. Ihr Job ist ganz klar die Kommunikation. Soweit so gut und verständlich. In ihrem Bemühen sich jetzt nach außen als die beruflich sehr kompetente Person zu positionieren, die sie zweifelsohne auch ist, tut sie dies nun auch verstärkt in dem Bereich Social Media. Verstärkt heißt, sie ist seit jeher immer stark in ihrem Blog und auch, aber hier deutlich weniger aktiv als andere Freunde, bei Twitter und Facebook aktiv gewesen. Hier nur, wenn das Berufsleben Zeit für die Kommunikation ließ. Auf Facebook habe ich sie auch stärker nur in der Kommunikation erlebt, denn mit eigenen geposteten Inhalten. Das geschah übrigens auch immer hinsichtlich ihrer aktuellen beruflichen Funktion und besonderer Umstände sehr bewusst reduziert in den privaten Statements. Dies zur Erklärung. Und alles verständlich.

Neuerdings in dem ebenso verständlichen Ansinnen, sich aufgrund der Neuorientierung besonders in den Social Media-Kanälen kompetent zu positionieren, hat sie ihre Online-Aktivität vor allem bei Facebook stark erhöht. Das ist soweit sehr schön, denn ich lese immer gerne von den Leuten, denen ich bewusst in diesen Medien folge. Zunehmend wurde ich aber mit Inhalten aus dem Unternehmensprogramm (es ist ein in der Kultur aktives Unternehmen) „bespaßt” und gestern war es mir die eine Unternehmensmeldung zu viel! Ich befinde ehrlich: wenn mich das Unternehmen und dessen Aktivitäten über Gebühr interessiert (also jenseits des üblichen bereits existenten Kommunikationsflusses, den man eh über so ein Unternehmen erhält, weil die Freundin dafür aktiv ist), dann würde ich sicherlich dessen Kommunikationskanäle eigenständig in meine Feeds und Timelines holen – ganz unabhängig von der Zugehörigkeit meiner Freundin zu dessen Team. Aber tue ich das bewusst nicht, möchte ich im Bereich Unternehmenskommunikation unbehelligt bleiben. Und der Unterschied in diesem Fall ist mir zu omnipräsent greifbar, dass hier nicht mehr die Privatperson, der ich folge, kommuniziert; sondern nur noch die Unternehmenssprecherin, der ich bewusst nicht folge.

Es ist ein relevanter Unterschied, ob ich einer Person – von der ich weiß, sie verkauft sich im Internet auch mit ihrer freiberuflichen Tätigkeit – von deren Wissen ganz bewusst auch von ihren beruflichen Informationen partizpiere, weil ich genau das möchte und für mich entscheide. Oder ob ich so mitten drinnen zum Spielball für die eigenen Interessen, dann aber auch für die Interessen eines mir verhältnismäßig fremden Unternehmens gemacht werde. Ich fühle mich benutzt und wenn auch ich bereit bin, das als Freundin partiell zu ertragen – hier wurde es zu offensichtlich, ich musste die Reißleine ziehen. Auch als Freundin, denn das ungute Gefühl wird zu groß, das ich dabei empfinde! Interessanterweise ist die Kommunikation der Freiberufler einfach eine viel ausgewogenere, denn in der Kommunikation wird die gesamte Person gemeinschaftlich mit der Tätigkeit in einem gesunden Verhältnis verkauft! Wer aber einerseits sehr offensichtlich im Web selber als private Person ganz reduziert präsentiert, dann in einer solchen privaten Verkaufssituation wie einer Arbeitsuche seinen derzeitigen Arbeitgeber allzu offensiv featured, das passt nicht gut zusammen.

Im übrigen zweifle ich keine Sekunde, dass Arbeitgeber oder Personaler nicht auch so klug sind, diesen Aktivismus im Stream zurückzuverfolgen und als plötzlichen Aktivismus klar zu hinterschauen. Ich bin mir also nicht sicher, ob sich die Person mit ihrem Handeln überhaupt einen Gefallen tut. Darüberhinaus sehen viele Personaler eine allzu offensichtliche Nichttrennung von Job und Privatleben heute gar nicht mehr als unbedingte Kompetenz, die Zurschaustellung blinder Unternehmenshörigkeit in gleichzeitiger Reduktion privater Interessen, mag für viele Personaler eher ein Grund sein nicht einzustellen.

Kurz, ich denke persönlich, man tut sich keinen beruflichen – und wie man an diesem Post merkt auch keinen persönlichen – Gefallen, nutzt man Social Media-Kanäle nur um gefallen zu wollen. Wer die persönliche Authentizität aus dem Auge verliert, sich als Angestellte/r zu sehr über den Job definiert, wirkt eher allzu gläubig. Es ist nichts dagegen zu sagen, dass jemand seinen Beruf mit Begeisterung ausübt und dies auch als Privatperson deutlich kommuniziert, die gesunde Ausgewogenheit mag hier das berühmte Zauberwort sein. Vor allem wer sich sehr bewusst – aus legitimen Gründen – als Person lieber reduziert sehen möchte, die Reduktion zugunsten eines Dritten plötzlich aufgibt, wirkt nicht mehr authentisch. Und nicht authentisch sind die allermeisten Unternehmen sowieso im Web, der Bedarf ist also gedeckt, mangelnde Authentizität brauchen wir nicht auch noch bei privaten Personen!

Ja, ich denke man muss für sich eine Entscheidung treffen, ob man wirklich Part dieser neuen Medien sein möchte – oder nur den willkürlichen Spielball geben möchte. Zunehmend sortiere ich Menschen aus meinen Timelines, bei denen ich merke, dass sie sich vor lauter Angst, sie könnten sich im Web den Hauch einer Blöße geben, ausschließlich auf eine sehr oberflächliche Art kommunizieren. Dann meine Empfehlung: lasse es lieber ganz! Eine Online-Identität zu führen, nur „weil man das ja so macht” und sich dann ein völlig uninteressantes, weil allzu neutrales Google-Image zu kreieren, das geht auf Dauer genauso nach hinten los, wie die berühmten Partybilder.

Ich wünsche der Freundin, sie möge alsbald eine neue Tätigkeit finden und dann wieder sie selbst sein auf Facebook. Dann bin ich herzlich gerne wieder in ihrem Kommunikationsstream dabei. Ich habe mir die Entscheidung übrigens nicht leicht gemacht und bin mir auch nicht sicher, ob ich es nicht doch auch hätte aushalten sollen. Gestern jedenfalls war bei mir die Störung leider definitiv zu groß, ich fühlte mich für „fremde” Zwecke missbraucht!

2011-10-17

Immer schon …

… guckte ich mir in meiner frühen Jugend mit großer Begeisterung die Otto- und Quelle-Kataloge an, die uns pünktlich weit vor Saisonstart ins Haus fielen. Wir waren ein Haushalt des primären Mangels und dank der Kataloge konnte man sich das Leben ein bisschen schöner träumen. Je nach fortgeschrittenem Alter interessierte ich mich für Ken und Barbiepuppenhäuser und signalisierte völlig unauffällig Geburtstagswünsche in der Herbst-/Winterausgabe, die in kurzer Folge von Signalen für Weihnachtswünsche überknickt und bezettelt wurden. Später dann wanderte ich mit zugenommenen Alter ein kleines Stück weiter nach hinten zu dem Chemie-Baukasten, den ich mir sehr wünschte, den ich zu Weihnachten auch bekommen hätte, hätte es Quelle jemals geschafft diesen vor Ostern zu liefern. (Dieses sollte sich übrigens in meinem späteren Lebensverlauf als schlechtes Omen für meine schulchemische Karriere herausstellen.) Noch später wanderten meine Leidenschaften wieder weiter nach vorne in den Katalaog, wo es galt meine pubertären Kleidungsfantasien zu stillen (H&M sollte erst noch geboren werden) und sehr viel später bestaunte ich gerne auch die Seiten mit den Gesichtsmassagegeräten in Stabform und in Rosa, die freundlich mir zulächelnden Frauen mit hoch gesteckten Haaren viel gelassene Freude bereiten schienen. Irgendwann interessierten mich übrigens nur noch die HiFi-Seiten. Merkwürdigerweise wollte ich jedoch nie Fahrräder aus einem Katalog! Wenig später starb Quelle den ersten seiner vielen Tode, Amazon kaufte Otto oder Zalanda frühstückte Otto zum Brunch am FFK Strand. Irgendwie so etwas. Übrigens schrie man damals noch nicht beim Anblick von Paketboten, die viel später erst neudeutsch in DHL-Boten umbenannt wurden.

Was diese Kataloge gemeinsam hatten und ich mit meinem Interesse ebenfalls gerne beglückte: Betten! Und zwar spürte ich immer eine heimliche Faszination beim Anblick dieser Betten im Billig-Leder-Look, schwarz mit goldenen Applikatoren und wildestem Leoparden-Tiger-Löwen-Print-Lookalike-Matratzenfestbezug. Natürlich mit Radio im Kopfende! Ich fand die Dinger heiß und gräßlich zugleich und insgeheim ahnte ich, solche Betten würden mir nie in einem Zuhause der Eltern meiner Freunde und Freundinnen oder überhaupt begegnen. Es sei denn, ich würde mich emanzipieren und ein Bordell als ein Zuhause bezeichnen, was ich bis heute nicht geschafft habe. Kurz, mir war immer klar, es gab eine Bettenkultur in deutschen Versandhauskatalogen, die vornehmlich wohl ausschließlich an Adressen wie c/o „Chez Jaqueline” per Spedition verschickt wurden.

Heute, da bin ich ehrlich, vermisse ich den Anblick dieser Betten in Katalogen ja. In einem Manufactum-Katalog (der Einzige, den ich heute noch den Einzug ins Haus gestatte) werde ich ein solch lustvolles Exemplar von Bettenästhetik wohl niemals finden.

Neulich in der Filiale eines Möbel-Discounters, ein US-KingSize-Bett mit stoffbespannten Nachtischen und Ablageglasflächen. Ich war drauf und dran zu weinen! Es ist beruhigend zu wissen, dass Geschmacklosigkeit doch niemals aussterben wird!

2011-10-16

Dinge, die man sich nicht vorstellen möchte …

Bestimmt super lecker. Bin ich froh so eine Wellenschleuder nicht zu besitzen, sonst wäre ich bestimmt in Versuchung geraten …

2011-10-15

Neulich …

darf ich mit dem Audi von einem Bekannten fahren. Ich biege kaum um die erste Ecke (okay, es war die zweite), finde zufällig in der 30-Zone das Gaspedal, da zickt die Alte aus dem Navi mich an, ich sei ihrer ungefragten Meinung nach zu schnell unterwegs und erteilt mir den Auftrag, das gefälligst zu ändern. Erst bin ich natürlich erschrocken (mein letztes Auto startete noch mit Choke, ich kann Stadtpläne lesen und meine Waschmaschine spricht auch nicht mit mir), denn ich kenne also solche unangemessenen Kritiken hinsichtlich meines Fahrstils nicht. Schon gar nicht von so einer künstlichen Elektronenschabracke. Ich kann schon schlecht damit umgehen, wenn mir Menschen in meine Lebensmodalitäten rein reden wollen; macht es eine künstliche Intelligenz, sehe ich rot.

Und Ihr kauft jetzt alle iPhones mit oder wegen Siri? Heißt das, dass mein Alltagsleben in Zukunft vom nervigen Sound Eurer elektronischen Ziehmutter bereichert wird?

Das dürfte Tote geben!

The Grouch



Ist übrigens Nishias Lieblingspapiermüllhochstand. Wegen der Aussicht …

2011-10-14

Super Trouper


(Kunstkuhkater)

Etwas fassungslos hing ich …

… neulich vor dem Rechner als mir dieses „Mahnwerk” vor das Auge kam. Dann wurde ich sauer. Richtig sauer. Mich ärgerte die Art und Weise, wie andere Menschen die Trauer von Mitmenschen diskreditieren und ich fragte mich, woher sie für sich das Recht herausnehmen? Und ich fragte mich, wie sie eigentlich auf die zwischen den Fotos liegende Unterstellung kommen, Menschen, die um Jobs gerade trauern, würden nicht auch schon seit Monaten um die sterbenden Menschen in Afrika trauern, sich aktiv kümmern und spenden? (Alleine die implizierte Wahrnehmung ist zeitlich überhaupt nicht vergleichbar in der Intensität, denn die Hungersnot ist nicht erst seit vergangenen Mittwoch ein Thema, sondern bereits seit Monaten.)

Am allermeisten aber ärgerte ich mich über diese „Aktion”, weil sie so völlig destruktiv wie ein Kropf ist. Wenn ich einen Missstand vermute, eine Unverhältnismäßigkeit (hier übrigens banal plakativ aus der Luft gegriffen, denn letztendlich gibt es keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele Menschen der Tod von Jobs und die Hungersnot in Ostafrika tatsächlich berührt), dann geht es doch darum die Menschen, von denen ich glaube sie würden sich nicht ausreichend um andere Menschen in Not bemühen, zu motivieren, genau das jetzt bitte zu tun. Und? Werde ich das wirklich erreichen, nur weil ich denen erzähle, was für Arschlöcher sie doch sind, weil sie traurig sind, weil irgend so ein Computer-Heini gestorben ist, während next door Menschen Hunger leiden und daran sterben?

Ich würde ja fast behaupten wollen, der Umkehrschluss ist richtig. Wer nämlich Knete hat, sich Apple Computer zu leisten, die ja gerne als teurer kritisiert werden, hat vermutlich auch eher das Geld wenigstens finanzielle Hilfe anzudienen. Und ich erlebe diese Menschen in meinem Umfeld als sozial und interessiert genug, das auch zu tun. Vielleicht weil es von so einem blöden Mac aus noch mal einfacher und schöner ist auf betterplace.org zu klicken!

Dieses Mahnplakat, das gerade im Internet umhergeht, ist nicht einmal so konstruktiv gestaltet worden, dass darauf Adressen vermerkt wurden, die es den Menschen, die sich vielleicht wirklich davon überzeugt sehen (es werden so viele nicht sein) wenigstens einfach gemacht hätten etwas zu tun und wenn es nur eine Spende ist. Nein, dafür hat es bei den Initiatoren nicht gereicht. Es soll also den Menschen nur klar gemacht werden, dass sie Arschlöcher sind, weil sie etwas nach dem Tod eines Menschen empfinden, den sie wahrscheinlich nie getroffen haben. Was letztendlich genau das Zeichen dafür ist, dass es den Initiatoren auch nie um die sterbenden Menschen in Afrika ging. Es ging ihnen einzig darum, sich über eine geringe Menge Menschen zu erheben. Diese Aktion ist eine Nulllösung!

Und jetzt kommen wir zu dem anderen Thema, dass mich diese Woche seit dem Hinscheiden von Jobs im Web ständig begleitet. Das dumpe Nachplappern der Vergehen von Apple auf dem chinesischen Arbeitsmarkt. Ja, Apple hat sich da nicht mit Lorbeeren bestückt. Das tun aber leider die Hersteller der anderen Computer auch alle nicht. Jeder, der in China produzieren lässt, tut dies, weil ihm die dortigen Arbeitsbedingungen unter dem Strich das meiste Cash in der Bilanz bringen. Jeder Zuflieferer von ThirdParty-Produkten Eurer PCs tut dies! Bei Apple kam es raus, weil Apple eben trotz der hochpreisigen Politik erstaunlich erfolgreich war und unverständlich in einem rückläufigen Markt Zuwachszahlen generiert und man daher gerne mal besonders hingucken wollte. Aber lügt Euch doch verdammt noch mal nicht so in die Tasche. Es gibt einen Grund, warum in China ALLE produzieren wollen. Weil es dort verdammt billig ist und weil es die chinesische Regierung einen Scheiß interessiert, was mit deren Arbeitern passiert. Ja, Ausbeutung ist ein Problem, auch bei Apple. Aber bitte hört doch auf, so dummdreist auszublenden, dass es nur Apple wäre. Apple ist ein vergleichsweise kleines Unternehmen! Apple hat zwar Zuwächse, hält aber im Vergleich zu HP und Dell nur halb so viel (und noch weniger) Marktanteile weltweit! (Hier mal die Zahlen für Westeuropa.) Klingelt da was?



Ja, bitte, tut etwas für die Ungerechtigkeiten in dieser Welt und macht darauf aufmerksam! Aber tut es bitte ohne unseren Intellekt zu unterschätzen. Und lasst Menschen gefälligst traurig sein, weswegen sie auch immer traurig sein wollen. Das menschliche Herz ist zufällig groß genug, um für mehrere Erleben traurig sein zu können und zu empfinden! Und separiert vor allem vielleicht auch einmal das, was Presse glaubt schreiben zu müssen, alleine um Auflage zu machen, von dem, was Menschen vielleicht wirklich empfinden, denken und glauben! Dann wären wir schon mal einen deutlichen Schritt weiter hinsichtlich sozialer Intelligenz! Und um die geht es hier ja wohl, oder?

Malte Welding: Brot statt Böller (Lesen!)

So, und wer jetzt was für Afrika tun möchte, egal ob Apple- oder PC-Experte, kann das hier tun:

Ärzte ohne Grenzen
Unicef
Aktion Deutschland hilft!

Kindernothilfe

2011-10-13

Passend …

… zur Ausladung, dann heute pünktlich erstmals dieses Plakat gesehen (Kampagne der Bundesregierung gegen die UN-Rüge):



Tsja …

Was ich wirklich nicht will …

Ich treffe ja gerne Freunde und Bekannte unterwegs. Meistens. Passiert hier in der Stadt auch ständig. Also passiert zwar als Berliner eher dann, wenn man in der Weltgeschichte unterwegs ist. In Tokyo zum Beispiel, kann ich mir vorstellen, trifft man ständig bekannte Berliner oder in New York. In Berlin oft auch. Vermutlich nicht so oft wie in Tokyo, denn das wäre zu naheliegend. Aber im Grunde weiß ich das nicht, denn ich war noch nie in Tokyo. Ich war mal in New York und da hatte der Anzugverkäufer, der meinem damaligen Freund nachts um 22:30 Uhr noch ein paar Anzüge verkaufte und anpasste und nebenbei perfekt Deutsch sprach, obwohl er aus dem Libanon kam, uns erzählt, dass er Maschinenbau in Aachen studiert hatte, was insofern ganz lustig war, als das mein Freund auch aus Aachen kam, bevor er dann aus umzugstechnischen Gründen aus Berlin kam. Das war fast so, wie als Berliner einen Berliner in New York zu treffen. Für drei Tage Aufenthalt jedenfalls war ein Aachner auf einen Aachner gar kein so schlechter Schnitt. Fanden wir damals jedenfalls.

Was ich eigentlich sagen wollte. Also ich treffe mich sehr gerne unverhofft. Nur nicht heute. Als ich an dieser Bushaltestelle direkt vor der Scientologen Zentrale stand. Das wäre mir irgendwie unangenehm gewesen. Es gibt Orte in der Stadt, da will man einfach nicht gesehen werden.

Ausgeladen!

Bundestag lädt 300 Menschen mit Behinderungen ein. Und lädt sie wieder aus. Weil der Bundestag für mehr als einen Finanzminister im Rollstuhl hinsichtlich seiner Brandschutzbestimmungen nicht ausgelegt ist. (Und überlest bloß nicht die Kommentare!)

(Aus der Reihe: oft ist mir dieses so fortschrittliche moderne Land ehrlich peinlich!)

2011-10-09

Da haben …

immer alle Angst vor den Linken, denn die bringen ja garantiert mit dem Kommunismus auch die Stasi zurück ins Land. Stasi? Äh … moment mal …

(Neu: jetzt auch für Macintosh!)

Wie großartig!

Kaffeehauschefin über Macchiato-Mütter: "Die Weiber denken, sie wären besser"

(Aus der Reihe: ich liebe den geschriebenen Berliner Dialekt. Den Rest auch.)

Arbeit und Struktur

Das Blog Arbeit und Strukur ist nicht alleine wegen dieses einen wundervollen Blogposts zu empfehlen. Es gibt in diesem Blog sehr sehr viele solcher Posts! Wolfgang Herrndorf hat ein Glioblastom und schreibt über seinen Alltag mit dem Tumor in der Neurologie als auch zu Hause. Man möge mit diesem Blogpost anfangen …

Good luck, Wolfgang!

13.3. 10:07

Erster Besuch zu Hause ohne Begleitung, der beruhigende Anblick vertrauter Gegenstände. Die Waschmaschine, die meine Eltern beim Aufenthalt in meiner Wohnung zerstört zu haben glaubten und die mehrere Waschgänge lang nicht tat, was sie tun sollte -, tut es wieder. Einfach so. Miele. Die Maschine wurde noch von meiner Großmutter erworben, ein Waschautomat der 1968er-Baureihe, also aus einer Zeit, als der Mond noch nicht betreten, Borussia Neunkirchen noch in der Bundesliga und das elektronische Signallämpchen nicht erfunden war.

Das mechanische Äquivalent zum Signallämpchen ist die Überschwemmung des Fußbodens, die den Besitzer darauf hinweist, daß das Flusensieb voll ist. Man muß das Sieb dann rausnehmen und entflusen, etwa alle fünf Jahre, was bedeutet, daß dies im Leben des Automatens sieben oder acht Mal geschah, und ich erinnere mich, wie gerührt ich immer beim Entflusen war: wie die Zeit vergeht. Die Maschine wurde nie gewartet und war ansonsten nie defekt. Die vollständige Aufschrift lautet: MIELE AUTOMATIC W 429 S.

Legt bloß …

Granatapfelkerne mit in Eure Rumtöpfe ein. Oder legt Granatapfelkerne alleine in Rum ein. Himmel, sind die lecker!