2010-03-15

Lazy Sundy

2010-03-14

Film Stills



Freitag zur kurzen Vorbesprechung gewesen. Kommendes Wochenende an beiden Tagen von morgens bis abends die Kamera vor den Augen. Das Seminar heißt „Film Stills“ und Herr Foxxi und ich dürfen ein Wochenende lang ein Modell-Paar einkleiden, mit Requisiten quälen und professionell ausgeleuchtet in Szene setzen – das Ganze in weiträumiger geschichtsträchtiger West-Berliner Architektur. Ob dabei in Anmutung der alten Film-Photographie, wie ich sie - an dem Foto oben von der wundervollen Frau Indica unschwer zu erkennen – sehr mag und wonach die Umgebung des Shootings eigentlich schreit oder in farbenfroher Moderne unserer Zeit, steht uns frei zu entscheiden. Ich bringe ein Messer mit, ich hoffe Herr Foxxi denkt an den schwarzen Mantel, die langen Zähne und das Filmblut! Es wird anstrengend werden und sehr sehr spannend. Und hinterher sind wir wieder ein großes Stück klüger – ich freue mich schon sehr!

An dieser Stelle übrigens meinen herzlichen öffentlichen Dank an Frau Indica, die mir wie keine Zweite immer klaglos mit viel Freude und Geduld Modell steht – einfach so, zum Spaß!

2010-03-13

Auf wen ist in dunklen Seiten immer Verlass?

Auf die Titanic!


©Titanic

Ich taufe ihn dann jetzt mal liebevoll den „Guidoyota“.

Marktglück

Letztes Jahr war ich in Südfrankreich und davon ein paar Tage in einem meiner Lieblingsorte in den Cevennes und war – ganz simpel – sehr glücklich und geerdet, weil ich mir wertvolle Menschen nach so langer Zeit wieder in die Arme nehmen durfte, die Luft riechen, die Erde anfassen und endlich an das eine Grab eines ebenso wertvollen Menschen treten konnte. Dieses St. Jean de Buèges ist für mich der Platz an dem alles gut ist. Ich steige dort aus dem Auto und spüre förmlich im Hintergrund die eigenen Akkus wie von selbst voll laden.



Natürlich war ich auch in der Épicerie im Dorf einkaufen bzw. in der nebenan untergebrachten Cave, die neben dem Wein der Region auch die üblichen Besonderheiten der regionalen Produzenten anbietet, unter anderem Honig. Ein allerletztes Glas Miel de Cevennes gab es an dem Tag dort noch und das nahm ich natürlich mit. Früher habe ich immer bei einer älteren Dame den Kilobecher Honig de Lavande aus dem Dorf gekauft, ein Honig, wie ich ihn seither nicht mehr wieder getroffen habe. Leider ist die Dame mittlerweile verschieden und ein Imker direkt im Dorf ist nicht nachgewachsen. In Berlin zurück, habe ich später den Honig geöffnet und war perplex von seiner geschmacklichen Qualität. In diesem Honig ist jeder Sonnenstrahl drinnen, den man sich nur wünschen kann – ein tiefer warmer Geschmack, etwas herb im Abgang, tiefes Sonnengelb in der Farbe. Ich glaube, man muss Honig sehr mögen um mit diesem hier ins Reine zu kommen, so unverschämt geschmacksintensiv ist er. Definitiv kein Honig, den man im Tee versenkt. Ich war mehr als begeistert und beauftragte den damals ebenfalls vor Ort weilenden besten Ex-Freund der Welt mir noch ein Glas von dem Honig zu erkämpfen, in der Hoffnung, die Épicerie hätte vielleicht eine neue Lieferung erhalten. Hatte sie nicht. Im Internet habe ich ebenfalls gefahndet, es gibt zwar von anderen Produzenten Honig gleichen Namens aber der Produzent von „meinem“ Honig scheint von dieser Welt nichts zu halten. Ich hege und pflege dieses Glas Honig und trotzdem ist es schon unter dem Level der Hälfte seines Inhaltes abgesunken – mit Genuss und Bedauern gleichzeitig.

Heute früh war ich in Charlottenburg unterwegs und bemerkte, dass der Wochenmarkt meiner Kindheit im Pestalozzikiez noch offen hat und schlenderte darüber. Natürlich hat auch dieser Markt sich gewandelt und nicht mehr viel gemein mit dem üblichen Angebot der alten Wochenmärkte von früher. Heute muss alles betont Bio sein, der Käse betont Französisch, die Blumen betont exotisch, das Gemüse betont exquisit, selbst die Kartoffeln sind betont gereinigt … und manchmal vermisse ich die die Tradition der Kohlenkeller doch sehr. Im Schnitt kostet auf diesem Markt alles 1-2 Euro mehr als es auf den Märkten hier in Neukölln kostet. Charlottenburg. Eben. Dann lief ich an einem der Stände vorbei, der hauptsächlich lecker duftende Hartwurst anbietet und was stand da auf einem Podest? Mein Honig! Stehen einfach so mitten in Berlin auf einem Markt drei Gläser mit dem Miel de Cevennes rum und warten offensichtlich nur auf mich! Ganz nebenbei für beinahe die Hälfte des Preises, den man im unverschämt teuren Südfrankreich dafür bezahlt. Die Verkäuferin war sichtlich erstaunt über meine leidenschaftliche Freude und meinen kurzentschlossenen Großeinkauf.



Ich fühle mich heute wie ein Goldjäger, dem der Fund seines Lebens gelungen ist! Und die Adresse von dem Laden in Prenzelberg, wo es diesen Honig gibt, habe ich nun auch. Ich liebe diese Stadt!

2010-03-12

Reistherapie



Montag habe ich an einem Sushi-Lehrgang in der VHS Marzahn teilgenommen. Die VHS bietet dort in der eigenen Küche Lehrgänge für einen einzigen Termin an für ca. 11 Euro zuzüglich einer Pauschale für die vom Seminarleiter besorgten essbaren Utensilien. Dieses System sagt mir zu – so kann ich gucken, ob ich mir die Dozenten wirklich etwas beibringen und muss mich nicht auf mehrere Tage festlegen, denn üblicherweise kann man an einem oder zwei Terminen oft nicht.

Also sind Peggy von Mulitkulinaria und ich aus dem Süden Berlins in den hohen Nordosten gereist. „Sushi für Anfänger“ heißt das Vergnügen und Dozentin ist eine gebürtige Japanerin mit dem wundervollen Namen Shoko Kono, gelernte Köchin und Dozentin, die hier in Berlin aktiv ist. Shoko fing dann auch an, pünktlich wie die Maurer, uns in die Welt der Sushi-Herstellung einzuführen und gab immer wieder sehr hilfreiche Tipps. Fakt ist, beim Sushi machen gilt Purismus und Sauberkeit als oberste Ordnung.



Nach einem Begrüßungstee aus Weizen wurde uns ein Glas mit milchiger Brühe präsentiert. Das war das erste Reiswasser, das Shoko anschaulich in einem Glas aufbewahrt hatte, da sie den Reis bereits vorgewaschen hatte. So standen zwei große Schüsseln gefüllt mit Reis und für seine Menge abgemessenem Wasser in klarer Ausführung neben den Herden. Für Sushi sollte niemals Klebereis verwendet werden, nur rundes Reiskorn – im Notfall funktioniert Milchreis als Alternative. Prompt erhielten wir den ersten Tipp, nämlich den Topf bevor Reis mit dem Wasser hinzugegeben wurde, mit etwas Wasser vorzuheizen – damit lässt sich leicht verhindern, dass der Reis später anbackt. (Funktioniert, habe ich gestern ausprobiert.) Dann wurde der Reis aufgesetzt, Deckel drauf bei voller Hitze. Reduziert wird, sobald die Klangkulisse kochendes Wasser vermeldet. Sodann muss auf das letzte Drittel Hitze reduziert werden für weitere zehn Minuten. Und danach soll der Topf vom Herd, damit der Reis noch weitere 10-15 Minuten quellen kann. Wichtig: niemals den Deckel lüften. Der Dampf darf nie entweichen, sonst droht fürchterlich schlechtes Sushi-Reis-Karma!

Während der Reis vor sich hin quellte, durften wir die ersten Arbeiten ausführen: Gurke in feine Streifen schneiden, ebenso das Sashimi. Nuri, das Algenpapier wurde in zwei Hälften geschnitten und eine andere Gruppe übte sich darin, japanisches Rührei, das Tamagoyaki, anzufertigen, das in mehreren hauchdünnen Schichten gebacken und in der Pfanne aufgerollt wird. Da ich Montag nicht zur Ei-Gruppe gehörte, habe ich gestern früh gleich selbst probiert, ob ich das kann. Und dabei auch getestet, dass es auch in einer runden Bratpfanne geht, wenn keine der typischen japanische Pfannen vorrätig ist: geht perfekt. Muss man eben ein Stück vom Ende abschneiden. Das Besondere an Tamagoyaki ist: es wird mit Zucker und Salz aufgeschlagen. Wird es für Sushi natürlich kalt verwendet, habe ich meinen Versuch gestern zum Frühstück frisch gegessen und es war das luftigste Rühreis, das ich je gegessen habe. Ich würde nur beim nächsten Mal die Zuckermenge drastisch reduzieren. Sicherlich macht diese Zubereitungsweise etwas mehr Mühe – lohnt sich aber!



Der nächste sehr praktische Tipp von Shoko: ein kleines Stück Haushaltspapier mit Pflanzenöl tränken, um damit die Pfanne zwischen den einzelnen Schichten schnell einzufetten. Dürfte auch sehr praktisch für die nächste Pfannkuchenrunde sein –mehr Fett braucht in einer beschichteten Pfanne kein Mensch. Hier ein youtube-Clip, der ganz anschaulich zeigt, wie Tamagoyaki zubereitet wird. Das gestockte Ei wird dann zum Auskühlen in eine Bambusrolle gelegt und je nach Wunsch in Form gebracht.



Mittlerweile war auch der Reis fertig und wurde in zwei Hälften geteilt, die nach und nach mit einer Lösung aus Reisessig, Zucker und Salz getränkt wurde. Das stoppt den Gährungsprozess und gibt dem Reis Geschmack. Zwei Teilnehmer durften nun ca. 5 Minuten lang mit Fächern wedeln, damit der Reis etwas schneller auskühlte. Umrühren sollte man vorsichtig, wenn man die Flüssigkeit hinzugibt, damit die Reiskörner nicht gequetscht werden. Auch sollte man während des Auskühlens immer wieder mal den Reis auflockern.



Nun zeigte uns Shoko, wie man traditionell Maki rollt (hier am oberen Ende vom Nori ca. 1 cm breiten Streifen frei lassen, damit die Rolle am unteren Ende schließen kann).



Wichtig ist letztendlich, dass man nicht zu viel Reis nimmt, diesen wirklich gleichmäßig verteilt und in der Größe der Füllung nicht übertreibt, sonst bekommt man die Rollen schlicht nicht geschlossen. Also so besser nicht:



Später rollten wir eine California-Roll (die in den USA übrigens erfunden wurde und gar nicht zum traditionellen Sushi-Programm der Japaner gehörte).







Damit der Roggen nicht in der Bambusrolle festklebt, wurden hierfür im Vorfeld die Bambusrollmatten mit Klarsichtfolie eingepackt. Es folgten Hinweise, wie man Makis zu schneiden hat, mit Betonung auf „schneiden“ und nicht „quetschen“.



Danach formten wir rechtsseitig mit der feuchten Hand unfassbar lässig Reis, um linksseitig mit der trockenen Hand die kleinen Garnelen zu halten und diese mit Wasabi zu bestreichen, um beides zu einem Sushi zusammenzusetzen.



Das Gleiche passierte mit einer Scheibe Lachs und natürlich dem Tamagoyaki. Fritierte Tofuscheiben aus der Dose wurden auch mit Reis gefüllt. Und nachdem das jeder reiherum für seinen Teller einmal gemacht hatte, wurde Küche und Tisch gereinigt und wir haben uns ordentlich gemeinsam an unseren ersten selbst gemachten Sushi satt gegessen.

Zwischendurch beantwortete Shoko uns alle Fragen und forderte uns inständig auf welche zu stellen. Sie hat sehr viel Spaß dran, von ihrer Kultur zu erzählen – was für mich solche Kurse besonders spannend macht. Interessantes Intermezzo als ein Teilnehmer fragte, wo man in Berlin Messer professionell schärfen könne. Da musste Shoko lange überlegen und konnte keine echte Empfehlung aussprechen mit dem simplen Hintergrund, dass ein japanischer Koch bei seiner Ehre nie auf die Idee käme, seine Messer nicht selbst zu schärfen. Der deutsche Koch bringt dagegen ganz gerne mal alle paar Wochen seine Messer zum Profi, wie mir auch neulich die Jungs beim Hummer-Dinner bestätigten. Shoko erklärte uns lange die Unterschiede zwischen den einzelnen Soja-Saucen, welche zum Sushi richtig ist (die helle, die nicht wirklich hell aber dünnflüssiger ist). Wir erfuhren, dass das Sushi, so wie wir es heute essen noch relativ jung ist, ein- bis zweihundert Jahre alt vielleicht, und früher Sushi mit altem eingelegten Fisch und gegorenem Reis zubereitet wurde. Geschmacks- und Geruchswelten, die heute wohl auch nur noch die wenigsten Japaner zu schätzen wissen.



Wasabi wird heutzutage selbst in Japan immer weniger aus dem im Wasser zu erntendem, daher teuren grünen Meerrettich zubereitet. Man vertraut auf den weißen Rettich, pulverisiert und mit Farbstoff angereichert – so wie es ihn hier zu kaufen gibt. Und wir erfuhren, dass der durchschnittliche Japaner zu seinem Sushi deutlich weniger Ingwer isst, als die durchschnittliche creezyne das gerne macht. Natürlich gab sie uns auch jede Menge Einkauftipps.

Mein erster VHS-Sushi-Teller

Wir waren nach dem Essen pappsatt. Mir hat's sehr viel Spaß gemacht – ich werde auch zu den Kursen „Sushi für Fortgeschrittene“ und dem von Shoko neuen in der VHS angebotenen Seminar „Schneidetechnik der Asiatischen Küche“ gehen. Ich habe viel gelernt und war sehr motiviert, um gestern Abend gleich zu Hause alleine loszulegen, das Maki rollen – vor allem das schneiden – zu trainieren.


Mein erstes Sushi „at home“, Abend 1


Mein zweites Sushi „at home“, Abend 2


… funktioniert.

Frühling





2010-03-11

Siesta




Erziehungserfolg

Zweimal Gesetze von einer Regierung eingebracht, die vom Bundesgerichtshof wieder kassiert werden und 50% runter mit den Diäten.

2010-03-10

Da ist was im Pentax-Busch!

… hier entlang bitte!

2010-03-09

Für wen war der Fotoaufbau?

Sie würde nie Essen testen wollen, aber testweise posen …

2010-03-08

Spammen mit Killfaktor

Wow! Gleich drei Worte in einem SPAM-Betreff für blaue Pillen, die jeden Wunsch nach Erotik ad hoc killen:

1. Frieda
2. Walter
3. Schlafzimmerchen

2010-03-07

Die spinnen die Römer!

Hier geht es aber nicht um Glauben, sondern um Kindesmissbrauch und Abmahnungen derer, die sie aufklären wollen.

Die katholische Kirche wird zickig und mahnt nun Blogger ab, die über Missbrauch in katholischen Schulen/Kirchen/Gemeinden bloggen. Liebe Katholiken auf den professionellen oberen Etagen, so wird das nix mehr mit den neuen Eintritten von Gläubigen in Eure Kirche. Fahrt zur Hölle! Aber pronto!

Es ist doch unfassbar, momentan poppt in jeder Kleinstadt ein katholischer Missbrauchsskandal hoch und die glauben im Jahr 2010 das Internet still klagen zu können?

Neues aus dem Lager: Nishixpedit in neuen Varianten verfügbar!

Nach dem großen Erfolg von Nishixpedit im letzten Monat haben unsere Designer nachgelegt und ein paar neue Modellentwürfe geboren. Nishixpedit könnte je nach Erfolg der Marktforschungsanalysen demnächst für fast jedermann verfügbar sein:

Nishixpedit mit Ansage! (Kauernd und guckend):



Nishixpedit mit neuer BUNTE-Funktion! (Zentral kauernd, spitzelnd):



Nishixpedit mit Leseempfehlung! (Aktiv, reicht Buch an):



Und Nishixpedit für Teetrinker! (Entspanntes Warten auf Abendbrot):

2010-03-06

Ich möchte …

mein eines Blitzgerät verkaufen. An diesem Gerät sind Klettstreifen verklebt mit denen ich meine Softbox befestigt habe. Die Streifen, also primär das womit sie festkleben, versuche ich ungelogen seit nun mehr zwei Tagen zu entfernen.

Tipp: sollte jemals jemand, der in der Etikettenkleberindustrie arbeitet, mit mir z. B. während einer Party in einem Raum sein, das bloß um Himmels willen nicht mir gegenüber zugeben! Wir wollen ja nicht, dass ein Einzelner meinen jahrelang aufgestauten Verbraucherfrust konzentriert abbekommt.

Wellness

2010-03-05

Le Dehillerin

Ich schrieb vor zwei Jahren schon von meiner Liebe zu Le Dehillerin, dem Pariser Kochhandwerkzeuggroßhandel. Claudia von foolforfood.de war neulich zur ersten internationalen Kochbuchmesse in Paris und hat E. Dehillerin natürlich einen Besuch abgestattet und eingekauft. Vor allem hat sie fotografiert. Mich hat der Beitrag eben sehr erfreut, das ist wie einmal kurz von Berlin nach Paris ausgeflogen und zurück.

2010-03-04

Schalentier



Wie neulich bereits angekündigt war ich letzten Freitag in charmanter Begleitung mit Peggy von multikulinarisch beim „Hummer satt“-Dinner, dem Berliner Monatsevent von tafelzeit.de. Das Ganze war gleichzeitig die Auftaktveranstaltung für die künftigen Aktiviäten von tafelzeit hier inne Hauptstadt. Im November 2009 gestartet, ist das junge StartUp noch in seiner Beta-Phase inzwischen in seiner Heimatstadt Hamburg, in Köln und nun Berlin aktiv. Weitere Städte werden folgen!

Eingeladen hatte neben tafelzeit.de, vertreten von einem der Geschäftsführer Jörg Grube und seiner reizenden Mitarbeiterin Britta, Frank Fiedrich – das Treffen war also ein Beispiel der zweiten Hälfte des Geschäftsmodells, ein gastronomisches Event organisiert von Profiseite. Da wird nicht privat vom Gastgeber gekocht, man trifft sich in der Restauration, weil man gerne gut isst und es mag, auf andere Menschen zu treffen Annähernd 30 Leute kamen so Freitag in der Temporären Kunsthalle auf dem Schlossplatz zusammen, ein Essen also auf absolut historischem Terrain!



Eingedeckt war in dem Kubus an einem langen weißen Tisch mit einer Besteckreihe, die dezent kurz vor der Unübersichtlichkeit stand – immerhin sechs Gänge hatte sie uns anzudienen


Da kriege ich sowas von Schnappatmung, wenn sie uns Berlinern auf heimischen Terrain Kölschgläser als Wassergläser eindecken!

Peggy und ich saßen in sehr charmanter Begleitung nach rechts wie auch nach links, die uns den Abend nicht einen Moment lang langweilig werden ließ. Die Runde war groß, vielleicht auch etwas zu groß, denn den einen Teil der „Mitesser“ hat man gar nicht gesprochen an diesem Abend. Da ich fotografieren sollte, durfte ich in die Küche.



Und echte Gastroküchen finde ich ja sehr zauberhaft als Aufenthaltsort für mich! Die kleine Küche unter der Obhut von drei charmanten jungen Jungs, die sehr ambitioniert und mit einer faszinierend guten Laune unser Dinner zauberten. Ich war da immer sehr gerne in dem elitären Bereich – und fühlte mich willkommen. Übrigens auch der Service vom Fiedrich: sehr reizend und aufmerksam, wir haben uns sehr wohl gefühlt!



Als Entrée gab es – wat bin ich froh, dass Peggy immer brav die einzelnen Gänge aufgeschrieben hatte – einen kleinen Hummercocktail mit Friséesalat, Chicoree und Safran, den fand ich sehr lecker.



Davon hätte ich problemlos noch ein paar dieser kleinen Gläser mehr haben wollen. Bodenständig und dennoch sehr fein. Vor allem schmeckte man hier gleich am Anfang die Qualität und Frische des Hummers – der Cocktail machte Lust auf mehr!



Schnell folgte als erste Vorspeise die obligatorische Hummersuppe, angekündigt mit flambierter Thai-Vanille, Cognac und – das erfuhr ich später – Teufelchili.



Nicht zu vergessen: die Basilikum-Cognac-Mascarpone. Die Suppe fand ich geschmacklich gut, vielleicht etwas zu dünn. Andere Gäste fanden sie wiederum geschmacklich zu bitter im Abgang. Dabei war ich sehr froh, dass man uns mit der Mascarpone nicht so etwas üblich Gesüßtes in den Gang einspeiste. Um der Suppe das Bittere zu nehmen, wurde die Thai-Vanille vorab mit Cognac flambiert, bevor der Hummersud angegossen wurde, erklärte mir die Küchencrew später. Ich fand das gelungen. Dennoch mit Einvernehmen am Tisch wurde die Hummersuppe als der schwächste Gang des Abends empfunden, was aber nicht heißen darf, die Suppe war schlecht.



Zweite Vorspeise – oder Zwischengang – ein frischer Salat mit Orangenfilets. Das fand ich ganz erstaunlich, da geht man zu einem Hummeressen und erwartet natürlich Hummer. Und dann kommt da ein einfacher, fröhlicher Salat pfiffig um die Ecke und macht schlicht glücklich! Und natürlich – Pointe muss sein – ganz ohne Hummer. Eine sehr, sehr leckere Vinaigrette – wie gerne hätte ich davon das Rezept! Der Salat hat Energien gestiftet und war eine feine Sache mit großer Wirkung für mich. Genau passend im genau richtigen Moment, ein schlichtes Frühlingshappening mit – bei mir – großer Wirkung. Kurz: Salat und vor allem Vinaigrette für mich eines der Highlights!. ‘Tschuldigung Hummer!



Frühling total war übrigens auch der portugiesische Weißwein, den wir in unserer Ecke vornehmlich tranken. Casal Carcia Vinho Verde. Wir durften beim Wein wählen zwischen weiß und rot, zu rot kann ich nichts sagen. Weiß war eine sehr gute Wahl. Ein charmanter, junger, spritzig hüpfender Weißer, der gute Laune machte und uns wirklich alle glauben ließ, draußen wäre ein lauer Sommerabend und das Meer würde an die Steinmauern des nahe gelegenen Spree-Ufers säuseln. Im späteren Verlauf des Abends wurde aufwertend auf einen Grauburgunder, Lergenmüller Bundsandstein aus der Pfalz umgeschwenkt. Denn konnte man natürlich sehr gut trinken – aber Spaß, den hat mir der Portugiese in der Hauptsache gemacht. Den möchte ich im Sommer wieder treffen!



Als erster Hauptgang folgte ein wunderschön farbenfroh angerichteter Teller mit pochiertem Hummer und Avocado-Staudensellerie-Salat mit geröstetem Sesam und Granatapfelvinaigrette und gerösteter Coppa. Sehr gut. Ich glaube, wer vorher immer einen weiten Bogen um Staudensellerie gemacht hatte und das sind ja nicht wenige, der wäre hier erstmals ins Grübeln gekommen, ganz fein, unaufdringlich und knackig. Ein bonfortinöser Gang. Auch dank des Hummers, aber nicht nur wegen ihm. Was die Jungs in der Küche ihm da zur Seite serviert haben, das konnte bestehen.



Zweiter Hauptgang: Spaghetti … mit Hummersud parfümiert und frischen Cocktailtomaten sowie Zuckerschoten. Da kam dann Chili und leichte Schärfe ins Spiel. Die Pasta war gut, sehr gut. An sich ganz trivial – geschmacklich sehr überzeugend.



Ich hoffe, die beiden Pastateller mit Suco con Carne haben auch gemundet – es gab zwei Fischallergiker beim Hummeressen! (Was man in der Küche nicht alles mitbekommt!)



Der letzte Gang, das Dessert, war der Gang, der mich persönlich am wenigsten überzeugen konnte. Es gab eine Schokoladenmousse mit Hippen (Teig und Schokolade) und gehackte Pistazien. Die Mousse war eine Variante der „fluffigen“ Sorte. Sie war lecker, zweifelsohne. Leider, leider war der Gang etwas zu warm als er serviert wurde (wobei das sicherlich dem Umstand der kleinen Küche geschuldet war). Mein Hauptproblem ist, dass ich empfindlich bockig reagiere, wenn man mir ein Dessert vorsetzt, das so tut als als hätte es keine Kalorien. Das mag ich nicht. Ich will ein Dessert – ich liebe Desserts – also will ich alles! Eine Mousse ist ein Dessert und sie hat gediegen zu sein und muss Charakter zeigen. Ich finde, wenn ich eine Schokoladenmousse ordere, dann muss die dunkel und schwer sein und der Tisch hat gefälligst vor Ehrfurcht ihrer Tiefe in die Knie zu gehen, wenn sie auf ihm serviert wird. Eine Schokoladenmousse hat nach Tragödie schmecken! Eine Schokoladenmousse, die nicht mehr weiß, ob sie Sahne oder Schokolade sein soll, zählt bei mir nicht. Nun gut, wir waren in Mitte und das muss eine Mousse mehr so fliegen können.

Rundrum war das ein bonfortinöses Dinner mit perfektem Service, sehr spannenden Menschen – also ein mehr als gelungener Abend – der nach dem offiziellen Ende in verkleinerter Runde im Prenzl'berg ein frühes Ende, früh im Sinne von morgens, nahm. Also ich denke für Leute, die gerne essen, vielleicht sogar selber kochen und auch öfter in einer anderen Stadt weilen und für einen Abend Anschluss suchen, ist tafelzeit.de das richtige Modell, um mit Gleichgesinnten zusammen gekommen und schöne Abende zu verleben. Ich würde da sofort mitmachen, muss aber, fürchte ich, vorher zuerst dringend einen Küchen-Renovierungs-Flashmob ausrufen. Hier könnt Ihr das Post von Peggy lesen mit mehr Hintergrundinformationen zum Geschäftsmodell von tafelzeit.de.

Vor allem aber, wenn Ihr für Eure Firmen, Veranstaltungen etc. ein Catering/Eventveranstalter in Berlin sucht: Fiedrich&Co empfehle ich.

2010-03-03

Spart mal schön!

Meiner persönlichen Meinung nach ist das Westerwelle-Sozialschmarother-Theater nur initiiert, um momentan von dem inkompetenten Desaster abzulenken, das unser Gesundheitsminister Rösler gerade vollbringt. Der Mann wird uns – also Euch! – noch richtig viel Geld kosten. Vor allem aber wird er Euch immer schlechtere gesundheitliche Versorgung einbrocken.

Aber ehrlich gesagt, wir sind auch selbst schuld! Wir lassen es mit uns machen wie die Kuhherde, die vom Feld aus zum Schlachter geführt wird. Wir nehmen zur Kenntnis, dass Krankenkassen offensichtlich Preisabsprachen vornehmen aber weigern uns nicht Zusatzbeiträge zu zahlen. Wir nehmen zur Kenntnis, dass Krankenhäuser und einige Ärzte offensichtlich zu unseren Ungunsten abrechnen, bekommen am Rande mit, dass Kassen etwaige Fehlsummen in Milliardenhöhe von Krankenhäusern zurückfordern – und fragen dennoch nicht, warum wir trotzdem Zusatzbeiträge zahlen sollen, noch welches Qualitätsmanagement so etwas überhaupt zulässt?! Wir akzeptieren ungerührt wie dumme Schafe, dass die pharmazeutische Industrie nur noch in Deutschland die Preise für Medikamente festlegen darf. Mit der dreisten Aussage, sie müsse ja schließlich die Entwicklungskosten reinbekommen, von uns völlig überhöhte Preis abverlangt. Wir fragen nicht laut, warum die Pharmaindustrie ausgerechnet nur von uns Deutschen diese Entwicklungskosten einfordert, während jedes andere Land innerhalb Europas nur die Hälfte für Medikamente zahlen muss – für genau die gleichen Medikamente!

Bei Plusminus gestern ein Beitrag zum Thema: „Der deutsche Patient – das dumme Schlachtvieh“, online abrufbar, der Beitrag heißt „Unnötige Gesundheitskosten“ und ist ein Pflichtbeitrag für jeden, der Herrn Rössler noch sympathisch und als Mann der Stunde empfindet. Spannend überhaupt, dass sich sein Ministerium weigert Redaktionsanfragen zu beantworten. Dazu passt auch der Beitrag der letzten Plusminus-Sendung vom 16.02.2009: „Wie Krankenhäuser Patienten ausnehmen“. (Auch in der Mediathek zu finden.)

Aber wir stellen uns nicht vor das Kanzleramt und machen mal richtig Volksdruck, wenn die Politiker wieder – ganz offensiv – Bockmist verzapfen in den Gesetzen der Gesundheitsreformen und lieber pro Lobbyismus der Krankenhausgesellschaft und Pharmaindustrie agieren. Nun denn, offensichtlich haben wir alle noch so viel Geld, um uns das leisten zu können! Und ausreichend Phlegma, um es mit uns nach wie vor machen zu lassen.

2010-03-02

Grüße von Sari



Zunächst einmal möchte ich mich bei Euch, die Ihr neulich meinem Spendenaufruf hier und bei twitter sehr großzügig und hilfreich gefolgt seit, nochmals mein persönliches Dankeschön ausdrücken! Ihr habt viel Herz gezeigt und sehr geholfen und bei Babs und Tilo, den geprüften Dosenöffnern von Sari, ein großes Staunen mit anschließender ungläubiger Freude verursacht mit Eurer Hilfsbereitschaft. Vor allem habt Ihr ihnen etwas Druck von der Seele genommen.

Die kleine Sari war so entzückt, dass sie kurzerhand alle Menschen in ihrer Umgebung in Bewegung setzte und hat Euch zum Dank eine eigene Webseite ins Netz stellen lassen, auf der sie von ihrem weiteren gesundheitlichen Werdegang und Tagesablauf berichtet. Neben Fotos sind dort vor allem immer wieder auch Videos von Sari zu sehen, in denen sie Euch zeigt, wie gut es ihr – auch dank Eurer Hilfe – zur Zeit wieder geht.

Letzte Woche hatte Sari ja großen Konsultationstermin bei einem neuen Tierarzt und ihrer auch neuen Tierheilpraktikerin. Beide arbeiten im Fall Sari zusammen, was ich schon sehr bemerkenswert finde. Fakt ist, dass Sari von ihrer vormaligen Tierärztin mit den Luminaletten leider völlig überdosiert wurde, der neue Tierarzt als auch Tierheilpraktikerin konnten kaum etwas zu ihr sagen, weil Sari aufgrund der Dosis völlig narkotisiert schien. Nun wird sie erst einmal entgiftet und die Luminaletten werden nach und nach reduziert.

Die Tierheilpraktikerin hatte nach der ersten Untersuchung aufgrund Saris Pupillenveränderung einen etwaigen Gehirntumorverdacht. Daraufhin ist Sari gestern in einer Frankfurter Tierklinik, die ein CT haben, vorgestellt worden. Ein CT bei ihr durchzuführen, wäre sehr problematisch, da Ataxie-Katzen keine Narkose erhalten sollen. Aber der Tierarzt dort vor Ort konnte aufgrund seiner Untersuchung und großen katzeneurologischen Erfahrung auch ohne CT Entwarnung geben und hat Sari als sehr lebensfrohe Katze mit einer starken Ataxie und eben Epilepsie befundet, deren Medikamentation jetzt einfach ordentlich eingestellt gehört. Er prophezeite Sari ein langes glückliches Leben! Babs, vielen anderen, natürlich auch mir, ist damit selbstverständlich ein großer Stein vom Herzen gefallen (na gut, an eine Tumor-Diagnose wollte ich eh nicht recht glauben) aber so eine Vermutung lastete die letzten Tage schwer auf den Herzen.

Sari hat alle Arztgänge entspannt hingenommen und jeden ihrer neuen Freunde mit ihrem Charme und Spaß am Dasein um ihre Pfötchen gewickelt. Ihr geht es – nach nunmehr einer Woche langsamer Luminaletten-Reduktion und der Gabe neuer Medikamente – deutlich besser! Sie ist nicht mehr nur noch müde und hat dementsprechend viel mehr Spaß, guckt mit Begeisterung ihren Mäusen zu und geht jetzt, wenn die Sonne wieder scheint, auch am Geschirr in den Garten – was sie natürlich toll findet. Vor allem aber – jetzt alle mal Holz klopfen – hatte sie seit fast einer Woche keine neuen Anfälle mehr!

Die neuen Medikamente sind wie erwartet immens teuer, waren aber dank Eurer Hilfe für Babs erst einmal bezahlbar. Eine sehr große Freude hat die Tierheilpraktikerin Babs und Co. gemacht, denn nachdem sie die Webseiten von Babs angesehen hat und von ihrem Engagement für Ataxie-Katzen gelesen hatte, hat sie kurzentschlossen ihre Behandlung und Untersuchung für Sari geschenkt! Das war nach drei Stunden Konsultation natürlich ein großer Batzen Geld, der nun wieder in die Medikamente fließen kann.

So sind wir im Moment alle guter Dinge, freuen uns jeden Tag über Fortschritte, die die kleine Sari im Alltag macht und wie sie diesen mit Spaß am Leben und Erleben mit großer Freude meistert. Überzeugt Euch selbst, hier geht es zu ihren Videos!

Und wir freuen uns über die vielen kleinen und großen Hilfen, die die Menschen um Sari herum – also auch Ihr – machen. Daher noch einmal: Herzlichen Dank an Euch!

2010-03-01

Brett verlegen.



Neulich an einem dieser dunklen deprimierenden Wintersonntage, von denen wir diesen Winter einen bis sehr viele hatte, surfte ich durch's Web und auf meinen erklärten Lieblingsseiten: Baumärkte. Baumarktseiten sind wie Brautkleiderseiten an fiesen depressionsgeschwängerten Wintertagen, an denen man keine Sau vor's Haus treiben wollte: ungemein unterhaltsam.

Dabei bin ich auf der Seite der Bauhaus-Märkte in die Ecke Aktivitäten vorgedrungen und habe zur Kenntnis genommen, dass man dort nette Verkaufsveranstaltungen in Kombination mit „how-to-do-it-yourself“-Workshops offeriert, gelegentlich für's weibliche Volk als „Womens week“ getarnt. Eigentlich gehöre ich ja in den „Kids Club“ aber wem hätte ich da wieder mein fortgeschrittenes ausgewachsenes Stadium erklären sollen? Weil mir neulich so langweilig war, ich gerade im üblichen „ich muss unbedingt wieder was lernen“-Mode war – das ist der Moment in dem die Volkshochschule auch ab und an gut an mir verdient – und ich zudem ahnte, dieser Winter wird noch lang werden wollen, habe ich mich angemeldet. Einmal für's Laminat verlegen und einmal im Rahmen dieser Frauenveranstaltung für's Fliesen legen.

Mir ist im letzten Jahr eine Stichsäge zugelaufen und ich habe im Hinterkopf den Flur als ersten Testobjekt meines Talents mit Laminat zu verkleiden. Der ist von der Größe her übersichtlich, das scheint also machbar und wenn's schief läuft, ist der finanzielle Verlust vielleicht noch zu verkraften.

So meldete ich mich also an und während die Anmeldung für die Weiberwoche online professionell mit Rückantwort vonstatten ging, musst man für den Laminat-Lehrgang eine Mail schreiben auf die ich nie eine Antwort erhielt, so dass ich drei Tage später in der Filiale anrief und man mir telefonisch bestätigte, ich würde in der jeweiligen Liste bereits geführt.

Der Laminatlehrgang war auf letzten Samstag terminiert. Um zwölf Uhr mittags, das war insofern unpraktisch, weil ich Samstag erst um fünf Uhr nach Hause kam. Aber ich gewann den Kampf, richtete mich rechtzeitig auf und machte mich auf den Weg in den Süden Berlins. Das war schon im Vorfeld ein bisschen die Prämisse für den Lehrgang, ich wollte etwas in der Nähe machen, und Tempelhof/Neukölln gehört zum Süden Berlins. Allerdings ist der Süden Berlins so dehnbar wie ein Marshmallow kurz nach seiner Herstellung. Der Begriff „Süden Berlins“ muss die Vorlage zur Raumschiff Enterprise-Trailer-Weisheit „Unendliche Weiten … “ gewesen sein und so unentschieden ich nach 20 Jahren wohnungsbedingter Zugehörigkeit immer noch bin, dem Süden Berlins einen gewissen Charme zuzusprechen, kann ich ihm eine gehörige Vielfalt an schönen Ecken und hässlichen Ecken nicht absprechen. Der Süden Berlins ist ein komisches Ding.

Also besprach ich mit der BVG wie ich wohl am unkompliziertesten zum Ort meiner Wahl kommen würde. Obwohl ich Samstag sehr gut erstmals wieder hätte Rad fahren können. Aber ich verwechsle in dieser Ecke immer sehr gerne die eine Hauptstraße mit der anderen Hauptstraße und verfahre mich grundsätzlich, was ungünstig ist an diesem Ort, weil dieser Teil des Süden in Berlin, wie schon angedeutet, unendlich weit ausgelegt ist. Und das bringt keine Punkte eine Stunde zu spät zu einem Lehrgang zu erscheinen. Die BVG sprach von S-Bahn mit 1x umsteigen oder von Bus mit 0x umsteigen. Als ich an der Dockingstation ankam, kam jener Bus gerade um die Ecke und 30 Minuten durch die Stadt gegondelt zu werden, entsprach meiner restalkoholisierten müden Verfassung. So stieg ich ein, sicherte mir einen der attraktiven Fensterplätze für's gleiche Geld und wir fuhren los in Gegenden Berlins, die ich – das schwöre ich – noch nie gesehen habe. Dabei liegen sie gleich nebenan.

Als erstes stelle ich fest, dass der Bus, den ich mit zehnminütigem Fußweg vorne an der S-Bahn-Haltestelle erwartete, auch mit nur fünfminütigem Fußweg von meiner Wohnung zu erreichen gewesen wäre, wäre ich einfach nur „hinten raus“ gelaufen. So exzellent kenne ich mich also aus in meiner unmittelbaren Wohnumgebung. Der Bus warf mich auf die Minute pünktlich raus und ich marschierte froher Dinge in das riesige Bauhaus (das früher mal das riesige Pluta nach dem größenwahnsinnigen Neubau gewesen war, eine der nettesten und kompetentesten Pflanzeninstitution Berlins). Beschwingt meldete ich mich am Informationstresen, wollte mich melden, aber die Dame hing beschäftigt an einem Telefonhörer und wie ich dem Gespräch entnehmen konnte, telefonierte sie wegen eben jenem Laminat-Verlegeworkshop – der auf dem riesigen Werbeständer zu ihren Füßen auch angeschlagen war – und schien von einer Veranstaltung am Samstag nichts zu wissen. Tenor des mitgeführten Gespräches war „die hätten sich halt anmelden müssen.“ „Die“ waren ein junger Herr, der sich kurz zuvor bei der Dame gemeldet und sie zu diesem Telefonat motiviert hatte und ich. Wir wurden durch den Baumarkt nach hinten zur Bauabteilung geschickt, sollten uns bei einem Herren melden. Der uns empfing, um uns zu sagen, niemand hätte der Abteilung unsere Anmeldungen weitergeleitet, weswegen man dem eigentlichen Workshop-Leiter abgesagt hätte. Aber da wir ja nun mal da waren, sprang der junge Verkäufer motiviert in die Bresche und erklärte uns die Welt der Laminatkunst und führte uns in ihre kleinen Geheimnisse ein.

Beispielsweise erklärte er, dass als Abstandhalter zur Wand er die aus Plastik besser fände als die aus Holz, weil letztere glatt seien und daher gerne auch verrutschen. Abstand sei sowieso da zentrale Thema beim Laminat verlegen, auch Heizungsrohre mögen bitte mit ausreichend Abstand beschenkt werden. Er machte Wohnungsmenschen mit geraden Wänden (Neubau) sehr viel Laminat-Mut, Wohnungsmenschen mit ungeraden Wänden (Altbau, zufällig ich) Aussicht auf eine hohe Vielzahl möglicher interessanter Erfahrungen. Er machte uns darauf aufmerksam, dass man im Dielenbereich doch lieber mehr Geld in einen höheren Härtegrad investieren sollte, weil so ein Splittsteinchen gerne auf Laminat Schaden anrichtet, und er versicherte mir, dass man Laminat mittlerweile auch im Nassbereich, sogar in Bädern, verlegen könne. Er wies daraufhin, dass man in dem – momentan ach so modernen – dunklen Laminaten viel schneller Macken und Kratzer sehen würde als in den hellen und diese sich dafür gerade für den Eingangsbereich besser eignen würde. An der Stelle fragte er uns, ob wir einen großen schweren Hund hätten? Was ich wahrheitsgemäß beantwortete mit, „ich hätte nur einen großen schweren Kater!“ (Was gar nicht stimmt, denn Lino hat viel abgenommen und passt mittlerweile sogar zwischen die Balkonbalustrade, wie ich gestern erfreut zur Kenntnis genommen habe. Mist, ich kriege nicht mal ein Laminat-Post ohne Premiumcontent gebacken.) Jedenfalls seien große schwere sich im Eingangsbereich freunde Hunde eine besondere Herausforderung für Laminat, das dann nach Härtegrad 33 fordere. Er gab Tipps zum Zuschnitt, bei Stichsäge möglichst von der unteren Seit her zuschneiden – und dass es mittlerweile sogar extra Schnittblätter für Laminat gäbe. Hört! Hört!

Der Verkäufer beantwortete mir sehr kompetent alle meine Fragen zu „wo fange ich warum und weswegen an zu verlegen bei meinem speziellen Fluraufbau und in welche Richtung verlege ich?“ (Lichteinfall beachten, der macht die Fugen sichtbar), „was mache ich mit der Eingangstür zu welcher der Übergang natürlich anders ist als zu den anderen Türen?“, „was nimmt man für Abschlüsse an den Türen oder Zimmerübergängen?“ Wir durften im Testmodell selber verlegen, wenn auch wir auf den Zuschnitt verzichteten – aber auch dazu gab es kompetente Tipps und er zeigte uns sehr genau, auf welche böse Phänomene wir möglichst achten sollten und rechtzeitig verhindern sollte, damit sie uns später nicht Ärger bereiten. Der junge Familienvater, der mit mir Fragen stellte, plant sein Laminat auf Fußbodenheizung zu verlegen – insofern bekam ich auch zu dieser speziellen Anforderung ein erstes Fachwissen vermittelt.

Der junge Workshopleiter war nicht müde uns zu jeder Frage aus dem Sortiment die notwendigen Hilfsmittel aus der Packung reißend vorzulegen und in der Anwendung zu demonstrieren, als auch deren Vor- und Nachteile zu erläutern. Zum Schluss erklärte er leicht hämisch grinsend – wir waren beim Thema Leisten verlegen angelangt – dass das die eigentliche tückenreiche Arbeit beim Laminat verlegen sei. Alles andere vorher sei wie ein Spaziergang. Und wenn man Kabelleisten mit Abschlussleisten integriert andübeln würde, dann um Himmels willen in die Berge der unebenen Wand, nicht in die Täler dübeln (wobei dübeln alleine auf der niedrigen Höhe bestimmt total viel Spaß macht …) und schlussendlich gab er uns noch mit auf den Weg, dass man auch gerne Handwerker beim Bauhaus „einkaufen“ könne. Was ja irgendwie auch viel Mut macht.

Trotz des merkwürdigen Einstiegs in den Workshop – wofür der junge Verkäufer/Handwerker wirklich nicht konnte – eine gelungene informative Veranstaltung, da hatten wir Glück mit ihm. Nach gut anderthalb Stunden der vorab angesetzten drei Stunden, waren wir fertig und voller Wissen und Tatendrang – und jetzt muss ich nur noch ausmessen und einkaufen. Dann gibt es Laminat holdriho.

Alles wird gut!
Bestimmt! Vielleicht. Mal sehen.

In zwei Wochen reise ich übrigens nach Spandau: Fliesen verlegen für weibliche Runaways …