2010-05-01

Samstagsgedanken

Während dann nun in der Stadt doch wieder die Steine fliegen und auf 3SAT gerade Michael Jackson zelebriert wurde, fällt mir im Nachgang als Überlegung zu seinem Tod ein, dass es eine Sache gab im letzten Jahr, der möchte ich ehrlich gesagt auch nie wieder in diesem Leben begegnen müssen: dieser offensiv zur Schau getragenen Nichtrauer seinen eigenen Vaters.

Das berührt mich jetzt noch tief unangenehm, stelle ich fest. Als Nichtfan.

2010-04-30

Interview mit Alf Thum



bei arte-TV. Thum hat die „Front Deutscher Äpfel“ gegründet, eine satirische Organisation, die rechtsextreme Gruppierungen und deren Gedankengut parodiert. Er beschreibt in dem Interview mit deutlichen Worten den Realitätsstand der Nazibewegung.

Erlebnisgastronomie



Während ich heute mit der einen charmanten lustigen Hälfte von Tulip Photo, Susanne, in der Crellestraße im Café – bei dem schönen Wetter natürlich draußen auf der Straße – saß und mir von ihr von den wundervollen politischen Hintergründen des hiesigen Quartiermanagements erzählen ließ, schmiss sich ungeladen und daher von uns ganz unerwartet, ein nicht unerheblicher Brocken Berliner Fassadenkultur direkt knappe 50 cm vor meinen Füßen in den Straßentod. Seine staubige Hinterlassenschaft drängte sich dabei auf Tisch, im Kaffee und an uns auf und die Unvermittelheit, als auch Wucht und dann das spätere Erkennen doch irgendwie verdammt viel Glück gehabt zu haben, ließ uns erst mal blass und kleinlaut ins Café zurück ziehen.



Die Feuerwehr kam alsbald und versicherte sich der restlichen Haltekompetenz des restlichen Steinsimms und meinte lapidar, man möge doch jetzt die Hausverwaltung rufen. So geht er also weiter, der diesjährige Eiszapfenterror des vergangenen Winters, nicht nur die Straßenlöcher winken fröhlich – auch das sonstige Material schwächelt im Sommer.

Die Frida ist in town!

Heute öffnet die riesige Frida Kahlo-Retrospektive im Martin-Gropius-Bau. Morgen, 1. Mai 2010 findet zur Eröffnung ein Kuratorengespräch mit der Großnichte Cristina Kahlos statt. Zu besichtigen ist die Ausstellung bis zum 30. August diesen Jahres.

Ich lasse jetzt einfach die künstlerische Kraft von Frida auf mich wirken und bin sehr glücklich. Mit der Kunst dieser Frau in der Stadt kann meinem Gefühl nach nichts mehr schief gehen!

2010-04-29

Liebe Sandra Bullock,

irgendwie entzückst Du mich seit gestern einmal mehr – so als Mensch und prominente Person, die mit links der hiesigen Pressewelt so etwas von einer Blamage zugeführt und die gesamte verlogene Mischpoke so dermaßen vorgeführt hat. Respekt.

Zunächst einmal ist es eine unfassbare Leistung bei der Publicity, die Du in diesem Jahr vor dem Bekanntwerden der ein, zwei, drei Fehltritte Deines Gatten bereits im Vorfeld durch die Golden Globe- und Oscar-Nominierungen als auch dem Gewinnen dieser Awards als beste Hauptdarstellerin erhalten hast, an der Öffentlichkeit und diesem Paparazzi-Interesse an Deiner Person so ganz heimlich ein kleines Baby adoptiert hast – und keiner von ihnen hat's bemerkt.

Auch habe ich meine persönliche Freude daran, dass diese Adoption noch zu einer Zeit geschah als Du an Deiner Ehe keinen nennenswerten Zweifel hegen musstest und wie nach dem Bekanntgeben der Affäre Deinen Mannes dieser von der Presse in die Rolle des angeblichen Rassisten und Hitlervergötterers geschrieben wurde. Derselbe angebliche Rassist hat mit Dir gemeinsam ein Baby adoptiert, dessen Hauptfarbe man nicht als weiß bezeichnen würde. Das hat für mich einen eigenen Charme. Und für das Papier auf dem die Lügen der Yellow-Press gedruckt wurde, mussten Bäume sterben.

Das Beste aber heute in den allgemeinen Schlagzeilen: Die gelbe Presse bejubelt, dass Du einen drei (!) Monate alten kleinen Sohn hast, der seit Januar diesen Jahres bei Dir lebt. Wir schreiben heute Ende April. Immerhin den vierten bzw. fast schon fünften Monat des Jahres. Ich hoffe, Dein Sohn altert jenseits der Presse irgendwann doch noch altersentsprechend. Sonst dichten Dir die gleichen Hornochsen demnächst noch ein Alien als Sohn an.

2010-04-28

Tulipan 1/2010

Weil Django 'ne Monatskarte hat (= creezy 'ne Jahreskarte) dieses Jahr als Mehrteiler. Sonntag waren wir in den Tulpen, die noch längst nicht so weit waren wie in anderen Jahren zu Frau Indicas Älterwerdungsritualen. Und ich habe auch nur schnell „knips“ gemacht, weil ich lieber mit Herrn Exit plaudern wollte. Da kommt noch was. Aber für heute schlicht Frühling:







2010-04-27

Kleine Änderung

Den inflationär häufig ausgestrahlten Werbespot (dem einen von den momentan massenhaft im Fernsehen beworbenen Medikamenten gegen Sodbrennen) für das Medikament „Antra“ von Bayer Vital gegen Sodbrennen hat man dieser Tage unauffällig im Text korrigiert neu aufgelegt.

Während in der früheren leicht antiquiert Version der schnittige junge Chef seiner älteren, auf old fashioned getrimmten Sekretärin (vermutlich wollte man mit diesem Muster den mütterlich besorgten Habitus der Frau besonders herausstellen *seufz*) frisch motiviert zuruft, „sie solle den Arzttermin nun wieder absagen, denn nun hätte er das supi-dupi wirkende Hilfsmittel seiner Wahl für sein Problem mit der aufsteigenden Magensäure“, geht es in der tonal neu gestalteten Variante nur noch darum, dass er jetzt nur kein „Rezept mehr vom Arzt für das Sodbrennen-Mittel bräuchte, denn es gäbe ja jetzt das rezeptfreie Produkt in der Apotheke.“ Das visualisiert die Abwahl der ärztlichen Notwendigkeit natürlich etwas unauffälliger.

Ja, was ist denn hier passiert?

Meine Vermutung: Da hat die Lobby der deutschen Ärzteschaft Bayer deutlich auf die Füße getreten und die Möglichkeit, „wenn Ihr uns so offensiv als unnötig bewerbt, dann können wir völlig entspannt künftig ausschließlich die Medikamente der Konkurrenz verschreiben“ dem Hersteller in Aussicht gestellt. Das könnte wohl dem Pharma-Riesen ganz schön weh tun.

Vielleicht haben aber auch nur die an unserer Gesundheit tatsächlich noch interessierten Gesundheitsverbände ihr Veto erhoben, denn über eine längere Zeit auftretendes Sodbrennen kann sehr wohl ein dringendes Alarmsignal für ernsthafte Erkrankungen im oberen Gastro-Intestinal-Trakts sein – das gehört insbesondere ab einem bestimmten Alter tatsächlich erst einmal abgeklärt.

Also beim Auftreten von Sodbrennen: Kaffee von der Liste streichen, Zigaretten und Alkohol sowieso, Diät leben und mal einen Takt runter schalten. Wenn's dann besser wird, weiß man, dass man an dem Symptom selber schuld ist. Wenn das Sodbrennen nicht aufhört, schnellstens zum Arzt gehen – und sich eben nicht nur mit einem Medikament abspeisen lassen. Sehr wahrscheinlich hätten wir in Deutschland ein paar Speiseröhren- und Magenkrebstote weniger, wenn man die ersten Symptome sich nicht werbebeinflusst einfach wegschminken würde.

Und was lernen wir aus dem Spot sonst so?

Der Jungmanager von heute findet zwar den Weg in die Apotheke, ist aber a) zu feige zum Arzt zu gehen und b) zu doof, um selbst für sich einen Termin auszumachen.

Das Modell Sekretärin way back 1965, das dort verkörpert wird, habe ich im realen Leben schon seit ewigen Zeiten nicht mehr aktiv erlebt. Und das ist auch gut so.