2016-07-15

Menschen

Bei der Hebung des gesunkenen Flüchtlingsschiffes – beauftragt durch die italienische Regierung, nachdem die zuständige Staatsanwaltschaft von Catalania eine Hebung abgelehnt hatte, weil „nicht notwendig für die Ermittlungen, teuer und langwierig” – Anfang Juli ist man noch von ungefähr 300 ertrunkenen Geflüchteten im Wrack ausgegangen.

485 Menschen, das weiß man heute, sind es noch gewesen, die im Rumpf des Schiffes den Tod gefunden haben. Schiffe, die oft keinen Namen tragen, und daher leicht vergessen werden können, da sie nicht über ihren Namen mit dem Schreckens einer „Titanic” oder „Costa Concordia” verbunden werden können bzw. müssen.

In dieser Liste der weltweit gesunkenen Schiffe seit 2011 steht das Ungefährzeichen „≈” für die ungefähre Anzahl der zu Tode gekommenen Menschen auf der Flucht. Ungefähr, weil man die genaue Anzahl von Passagieren nicht kennt und weil man diese Schiffe nie bergen wird. Aus oben genannten Gründen. Es ist nicht wirtschaftlich vertretbar, es ist für die ermittelnden Behörden nicht von Relevanz. Man kann die Fälle nicht schnell abschließen. Das möchte man gerne, aus den Augen aus den Sinn.

Und irgendwo auf dieser Welt warten Menschen, Liebende, Verwandte auf eine Nachricht von diesen von ihnen vermissten Menschen. Sie werden nie endgültige Gewissheit erfahren. Sie werden nie beerdigen dürfen. Nie abschließen können.

Nicht jede Regierung hat das Rückgrat, wie die aktuelle italienische Regierung. (Womöglich hat die Regierung aus dem unfassbaren ersten Eintrag dieser Liste gelernt.)

Wie der italienische Regierungspräsident, Matteo Renzi, Mitte Mai 2015 in einem Interview sagte: „Ich will, dass die ganze Welt sieht, was geschehen ist. Es ist nicht akzeptabel, dass einige Leute weiterhin nach dem Motto 'aus den Augen, aus dem Sinn' handeln.”

Es liegt nun an uns, diesen 485 Menschen – und allen die nach ihnen gestorben sind und noch sterben werden auf diesem unsicheren Weg ihrer Flucht – ein Gewicht zu geben.

Unsere Regierung wird es ihnen nicht geben.

2016-07-13

Schnäppchen

Neulich an einer jungen Frau ein paar Schuhe gesehen, die mich schlicht geblendet hatten so schön fand ich die. Ganz unvermittelt. Schuhe á la Birkenstock, hellgrau glitzernd. Edel bis in die freiliegenden Zehenspitzen anzusehen. Noch nie habe ich so einen elegant wirkenden Fuß gesehen an dem eine Birkenstock-Sandale hing.

Kurz nachdem mir mein kleiner neidischer Golm, der noch bevor ich denken kann, wie immer zupolterte: „Warum die? Warum sind das ihre Schuhe? Wieso sind das nicht meine? Die würden mir viel besser stehen als ihr! Wie kann ich die Frau flink überfallen und ihr die Schuhe rauben, damit sie mein! mein! mein! sind? Die Welt ist so ungerecht. Die Frau ist doof. Die da, die hat MEINE Schuhe!”, ich wieder einen neutralen sinnvollen Gedanken formen konnte wie: „Frage die Frau einfach nett und freundlich, wo sie die Schuhe her hat.”, war sie schon wieder im Getümmel der undergründigen Bahnen verschwunden. Vielleicht war auch ich verschwunden, als Frau hat man nie ein gerechtes Gefühl für die vielen Kilometer, die man schon weitergelaufen ist, hat man so einen intensiven Schuhmoment.



Samstag schleiche ich durch die festlichen Hallen, die eine Friedrichstraße so zu bieten hat, lande bei Strauss Innovation und sehe dort ein paar Zehsandalen im Stil einer Birkenstocksandale. Rosa. Glitzernd. Aber auch Helblaugraugrisbleu (so bei näherem Hinsehen). Auch glitzernd. In Größe 41. Es ist DER Schuh! Ich herzkaspere ein wenig still vor mich hin, nehme die Schuhe mit in die Ankleidekabine, gemeinsam mit einem reduzierten Oberteil. Und probiere beides an. Die Schuhe sind so fürchterlich bequem und sollen statt der 20,— von mir aufgerundeten Euro nun noch 16,— von mir aufgerundete Euro kosten – und Passform, Schönheit und Preis erschrecken mich so sehr, dass … ich die Schuhe erst einmal wieder in das Regal zurück stelle. RISIKO!!! Denn es ist nur ein Paar noch in der Größe und Farbe da. Trotzdem, dieser stille Moment von vollkommenem Glück überfordert mich gerade.

Das Oberteil hatte mich im Spiegel so dermaßen meiner körperlichen Hässlichkeit, Unpässlichkeit und Untrainiertheit überzeugt, dass mich kurzfristig mein Selbsthass aus dem kaufenden Mode geworfen hatte.

Nun, ich verließ den Laden in Gedanken an DIE Schuhe mit einem „überlege es Dir noch mal” und widmete mich anderen Geschäften, die mich nicht mit fiesen Spiegeln obzön offensiv an meine eigene physische Vergänglichkeit erinnern wollten.

Keine einhundert Meter weiter befindet sich in einer Unterführung ein Birkenstock-Geschäft und ich stehe vor haargenau dem gleichen Schuh. Genauso geklebt wie der andere (hatte Birkenstoff die Sohlen nicht mal genäht?), gleiches Kunstleder, gleiche Schnalle, Pinöpel oben am Zehenhalter. Einziger Unterschied: Schnalle und Pinöpel gülden, statt silber wie am Strauss-Modell (wobei das Silber dem Schuh deutlich passend zum dezenten Silberglitter definitiv besser steht). Und keine Birkenstockprägung im Kunstleder (was für mich mehr Feature als Bug ist, denn ich hasse es Werbeträger zu sein). Preis allerdings: 55,— von mir aufgerundete Euro.

Da drehte ich auf dem Absatz um, ging zum günstigeren Modell zurück, das noch auf mich wartete und sprach „Ich wusste, Du würdest zurück kommen und mich in die große Weite Welt des Berliner Trottoirs entführen!”, kaufte es und trug es vorsichtig, innerlich im Schnäppchenglück leuchtend, heim.

Später am Tag trug ich die Schuhe und es machte mich schon ein bisschen irre, wie man eine Zehensandale anziehen kann, sie so ein grandioses Fußbett haben kann, so bequem sein kann und nirgends scheuern wollte. Daher meine Idee mich in anderen Filialen dieser Kette auf die Suche zu machen, ob ich nicht noch irgendwo ein gleiches Modell finden konnte. Denn ich mache das ganz gerne, wenn mich ein Schuh im Ausverkauf überzeugt: mehrere Paare kaufen. Dann muss ich mir in der künftigen Saison keinen Kopf machen, denn jedem modischen Trend laufe ich nun eh nicht mehr nach. Meine Sammlung von Schuhen, die ich nicht anziehe, weil sie nicht passen, braucht auch keinen Zuwachs mehr. Was mir passt, das habe ich gerne mehrmals. Ihr kennt das vielleicht noch von Omma: „Ein Paar für gut!”

So klapperte ich Montag diverse Filialen ab, fand aber das Modell in meiner Größe immer nur im Rosa, was halt nicht meine Farbe ist und übrigens längst nicht so edel wirkt, wie das Hellblaugraugrisbleu. Ich bin auch einfach keine erwachsene Filly Fee. Was soll ich tun?

Und in diesem Zusammenhang kam es also auch zu diesem kürzlich gebloggten Intermezzo.

Gestern wollte ich es also wissen, einerseits immer noch auf der Suche nach dem Schuh – andererseits wollte ich wissen, ob es wirklich ein Warenwirtschaftssystem 2016 gibt, das nicht filialübergreifend nach einem Schuhmodell suchen kann. Ich machte mich früh morgens auf den Weg nach Schöneberg, wissend von dort komme ich mit der S-Bahn prima zur Filiale nach Zehlendorf. Dass es noch eine in Steglitz gibt, hatte ich ganz verdrängt.

Die Sandalen standen da – nur nicht in meiner Größe. Ich ging mit einem Modell zur Kasse, wo mich eine sehr freundliche Verkäuferin aufklärte, dass man tatsächlich nicht mittels der Technik suchen könne, sie aber gerne für mich in einer Filiale anrufen könne, allerdings nur in einer, wenn es die dort nicht gäbe, müsste ich die anderen Filialen selbst anrufen. Dieses doch ganz anders sehr kundenorientierte Angebot nahm ich gerne an und als wir über mögliche Filialen sprachen, brachte sie diese in Steglitz auf den Plan. Dieser Empfehlung folgte ich gerne, nach Zehlendorf konnte ich so oder so noch fahren. Sie rief an, man hatte noch ein (!) Paar auf Lager und legte es an der Kasse für mich zurück. Ich stieg in den Bus, der mich fast vor die Tür führt und nahm glücklich mein zweites Paar (das für gut!) in Empfang.

Selbstverständlich bedankte ich mich bei beiden sehr serviceorientierten Verkäuferinnen mehr als überschwänglich. (Ich fürchte, der in Schöneberg hatte ich ein „Sie sind ein Schatz!” an den Kopf geworfen.)


2016-07-12

Mache ich morgen …

Hier und da ließ ich schon durchscheinen, Orthopäden sind nicht so mein Ding. Wenn ich zum Orthopäden gehe, dann ist der Status „kurz vor Kopf ab” oder so ähnlich. Wenn ich in einem Wartezimmer eines Knochendoktors sitze, dann habe ich es wirklich wirklich nötig, höchstwahrscheinlich schon alles ausprobiert (sofern kein akutes Traumageschehen).

Meine Abneigung fängt schon damit an, weil jede orthopädische Praxis wie ein Mastbetrieb aufgebaut ist. Im Wartezimmer sitzen Massen von Menschen, am Thresen stehen Schlangen von Menschen. Wenn Orthopäden könnten, würde es ihrem Image nicht schaden, hätten die schon längst Wartezimmermarkenautomaten verteilt. Sitzplatzzuordnung per Nummer. Mit Leitsystem, weitere Verwendung der Nummern in der Vorsprechzimmerwartezone und im Röntgenbereich, später auch für die Physio verwendbar. Degradierung zur Nummer. Namen und Persönlichkeit sind in jeder orthopädischen Praxis nur noch notwendiges Übel.

Die orthopädische Praxis, die ich mir neulich bei meinem Schulteraussetzer (also neulich, 2013) aussuchte, ist eine Durchgangsarztpraxis. Die spielen in der Königsliga dessen, was ich oben beschrieben habe. Die haben aber den unbedingten Vorteil, dass ich da morgens hingehen kann, mich anmelden kann – ganz ohne Termin – und mir sagen lasse, bis wann ich zu Hause meinen Kaffee trinken kann, um wiederzukommen. Unschätzbarer Vorteil (wenn man laufen kann), der alles überwiegt. Deren Wartezimmer ist eine einzige Schlachtbank. Zum Glück wird dort recht wenig Deutsch gesprochen, der Oberdoc ist türkischer Herkunft, so also auch alle medizinischen Fachangestellten, um die zumeist türkisch sprechenden Patienten in deren Landessprache bedienen zu können.

Mein persönlicher Eindruck: Nein, Deutschland ist nicht gut zu seinen Migranten. Ich sehe dort Menschen, die sich einfach kaputt gearbeitet haben. Ausgebrannt. Am Ende.

Für mich hat das den Vorteil, dass ich das Leid sehe es mir aber nicht anhören muss, denn ich verstehe kein türkisch. Ich wertschätze diesen Sachverhalt sehr. Kommt man dann dran, wird man in ein Sprechzimmer geführt, in dem man eine weitere Zeit X wartet (denn wie in jedem ordentlichen Schlachtbetrieb werden mehrere Sprechzimmer bedient und zwischendurch das Spritzenzimmer abgefeiert.) Im Spritzenzimmer ist generell Hochsaison. Es wird sehr gerne genutzt, um eine flinke Zwischensprechstunde abzuhalten, auf Privatsphäre wird prima gepfiffen. Haben ja eh fast alle das Gleiche.

Aber bevor man bei der Erstkonsultation vom Sprechzimmer, wo man knappe einskommafünf Minuten dem Schlächter vom Fach einen Hauch von Beschwerdebeschreibung servieren durfte über die Röntgenschleuse zurück ins Sprechzimmer geleitet wird, wo es in knappen zwei Minuten gerne eine pragmatische Diagnose gibt, ein Rezept, eine prima OP-Vision und dann abgeschoben wird ins Nebengelass, dem schon beschriebenen Spritzenzimmer.

Als ich „Schulter hatte”, habe ich in dieser Praxis die meiste Zeit damit verbracht zu argumentieren, warum ich keine Spritze haben wollte. Das war irgendwie ganz lustig, wenn auch im Nachhinein echt blöd von mir, denn die nur eine Spritze hatte mir doch erstaunlich viel meiner Qualen genommen – und die Schmerzen waren gut heftig. (Schmerzen vom Orthopäden gesetzt bekommen, sind noch ein ganz anderes Thema bei mir.)

Ich laufe seit einigen Wochen, realistisch betrachtet sind es nun schon auch Monate – mit eleganter Betonung auf den Plural – mit einer Sehnenscheidentzündung in der rechten Hand, vor allem Daumenbereich rum. Ich habe schon viel geschmiert, den Bereich mit einer etwas ausgenudelten Orthese ruhig gestellt (das Schmerzphänomen ist mir bekannt noch aus „Autotürzuklapp”-Zeiten und wurde bis dato immer wieder von mir eigenständig prima wegtherapiert), die am Computer verwendete Maus wieder mal gegen den Wacom-Stift getauscht. Und festgestellt, der Schmerz kommt blöderweise vom Fahrradlenker. Es ist dieser Griff in Kombination mit Gerüttel, der den Schmerz immer wieder hoch poppen lässt, der erstaunlich interessant mittlerweile durch die ganze Hand wandert.

Ich habe Muskelschwammaufbau in Wasserbädern mit essigsaurer Tonerde probiert, ein sehr aprobates Mittel mir als Teenager von einem Orthopäden empfohlen, der in Berlin als Koryphäe und Schlächter gleichzeitig galt. Als Schlächter übrigens gar nicht, weil er so brutal operierte, sondern weil er einen ziemlich derben Ton seinen Patienten gegenüber am Laib hatte, wenn die nicht so richtig spuren wollten.

Nicht richtig spuren wollten hieß dabei, nicht die von ihm verordneten Turnübungen (er kam mehr aus der Ecke Pilates, denn Chemie) machen wollen, um die ein Leben lang vernachlässigten Muskeln aufzubauen, um den Bewegungsapparat aus seiner falschen Methodik abzuholen. Im Grunde eines der approbateren, womöglich sogar einzig sinnvollen Mittel in der Orthopädie, welches nicht gerne von beiden beteiligten Seiten propagandiert wird, weil die betroffene eine Hälfte leider einfach nicht gerne Sport macht und somit nur ungerne den eigenen, dummerweise zwingend notwendigen Teil zur Genesung beitragen möchte. Die behandelnde andere Hälfte daran leider auch nicht so viel verdient. Dieser Orthopäde wäre in der heutigen Zeit immer noch ein Geschenk des Himmels, leider in diesem verkorksten Gesundheitssystem auch pleite.

Mich hatte der Mann damals geknackt, denn nachdem ich bei einem anderen Orthopäden monatelang mit Vollgips (im Hochsommer) und Ruhigstellung, Cortisonspritzen en masse (und ich war erst 13) erfolglos behandelt hatte, kam der Schmerz immer wieder, weil ich nämlich immer schon eine sehr merkwürdige Haltung beim Handschreiben habe und solange man dort nicht ansetzte, konnte das Problem im Rahmen meiner schulischen Karriere gar nicht gelöst werden.

Der Schlächter also erklärte mir, ich solle meine Muskeln in dem Arm trainieren. Schlug mir vor, warmes Wasser einzulassen im Handbecken mit einer höher dosierten essigsauren Tonerde versetzt, den Ellenbogen dort hineinzulegen und immer wieder mit der Hand einen Schwamm zusammen zu drücken. Das mehrmals am Tag einige Minuten lang.

Ich tat das und war ziemlich bald beschwerdefrei. Bis eben halt jetzt. Und jetzt funktioniert diese Methode leider nicht so richtig, was dummerweise eher auf Arthrose tippen lässt. Was quasi eine altersentsprechende Diagnose wäre, die ich persönlich aber ablehne, den so ist es eben mit dem Altern: mein Kopf möchte nicht mit meinen Knochen gemeinsam altern.

Neulich probierte ich sogar die Elektrostimulanzmethode. Ich musste ein paar Löcher bohren. Löcher bohren mit der Hand, das war mir klar, würde weh tun. Aber irgendwann machte ich es und siehe da: es tat weh. Es tat sogar am gleichen Tag höllisch weh. So richtig mit Schmackes. Nur auszublenden über die Freude über die endlich gebohrten Löcher. Am nächsten Tag: Stille, kein Schmerz. So gar kein Schmerz.

Dummerweise gestern wieder Tätigkeiten ausgeübt, die den Schmerz blitzschnell erneut um die Ecke biegen ließen. Also entweder fange ich irgendwo als Bohrermamsell vom Dienst an oder aber …

… eigentlich also brauche ich einen anderen Fahrradlenker, eine bessere Orthese für einen Moment und dann etwas Muskeltraining. Für die bessere Orthese wäre ein orthopädischer Gang aus finanziellen Gründen anzuraten. Wäre da nicht all das, was ich oben lang und breit beschrieben habe, was mich davon abhält.

Und so geht es seit Tagen, wenn am Abend die Hand besonders schmerzt, weil kaum ruhig gestellt, ich so:

„Morgen gehe ich zum Orthopäden. Gleich früh gehe ich hin!”

Ich war heute wieder nicht da und weiß auch schon, dass ich morgen und übermorgen nicht gehen werde, weil dann andere therapeutische Maßnahmen anstehen und überhaupt … vielleicht ist Freitag ja wieder das Wetter schön. Samstag und Sonntag ist zum Glück die Praxis eh geschlossen. Und Montag ist ein prima Tag zum Orthopäden zu gehen, aber vielleicht regnet es Montag lustige Hunde, Dienstag ist eh nie schön beim Orthopäden, der Mittwoch ist vergeben, der Donnerstag auch …

2016-07-11

Vertriebsoase

Was Vertriebsmitarbeiter anbelangt, scheine ich gerade 'nen echten Lauf zu haben:

„Könnten Sie bitte gucken, ob es diesen Schuh (hier Größe 39) in Größe 41 eventuell noch in anderen Filialen gibt?”

„Nein, das kann ich nicht, weil jeder Schuh eine andere Modellnummer hat.”

Technikstandort Deutschland, 2016

(Aus der Reihe: keine Pointe. Oder vielleicht doch, diese Kette (irgendwas mit einem Vogel und Innovation, blaues Logo) ist schon einmal in die Insolvenz gerasselt.)

Wie Miele mich einmal zum Geburtstag feiern einlud aber gar nicht mit mir feiern wollte …

Neulich auf Facebook in einer der Gruppen von Berliner Foodbloggern teile jemand die Einladung der Miele-Gallery unter den Linden in Berlin, die ihre fünfjährige Existenz feiern wollte. Vergangenen Samstag. Die Einladung klingt nett, Showkochen hier, Gewinnspiel da etc. Die Filiale ist nicht so weit von meiner Dockingstation gelegen. Also mache ich mich am Samstag kurzerhand auf den Weg, um, wie ich denke, dieser Einladung zu folgen und mitzufeiern, Miele-Technik gucken und lieben lernen bzw. Faszination bestätigt sehen. Irgendwas mit Erwartungen.

An der Tür wurde ich noch sehr freundlich von einer Dame empfangen, der ich erzähle, Berliner Foodbloggerkreise hätten mir gezwitschert, hier würde heute Miele gefeiert. Sie scheint professionell erfreut und verweist mich in den hinteren Teil des Ladens in Richtung Küche, denn dort hätte man gerade gekocht.

Ich folge ihrem Rat und stehe vor einer Küche, wo tatsächlich gerade fertig gekocht worden war. Ein Koch herum schwirrt, während eine junge Dame noch dabei ist, das Essen manierlich auf Tellern anzurichten. Hochkonzentriert. Sie spreche ich freundlich kurzerhand an und stelle fest, dass ich da wohl einen Moment zu spät gekommen sei. Mein Versuch von Kommunikation in einem – sollte man meinen – kundenorientierten Umfeld. Keine Reaktion, keine Antwort. Tatsächlich steht neben der Kücheninsel ein Schild auf dem angezeigt wird, dass jeweils zur vollen Stunde etwas Bestimmtes gekocht wird. Hätte man dass vorher in diesem Internet, zielgerichteter bei diesem Facebook kommuniziert, wäre ich etwas früher dort gewesen. Womöglich hätte es auch mehr Interessenten angelockt. Hatte man aber nicht. Die sind da in dieser Miele-Gallery nicht sehr expressiv.

Im Laden selbst wenig Menschen, eine Dame berät bei den Waschmaschinen. Die andere junge Dame, also die, die nicht mit mir kommunizieren möchte, richtet weiterhin Tellerchen an. Ich schleiche durch den Laden, gucke mir die sehr schicken Geräte an und genieße die Stille. Es ist so ruhig, fantastisch ruhig. Wenn Miele feiert, ist nichts laut. Kein Mensch bedrängt mich. Alles wuselt um mich herum. Jeder einzelne Angestellte für sich ist sich wichtig. Ich aber bin unsichtbar. Um diese für mich sehr skurrile Situation zu durchbrechen, denke ich, gehe ich auf die sehr schönen öffentlichen Orte und kehre einen kleinen Moment später zurück. Das Waschmaschinengespräch ist beendet, man guckt mich an, man spricht nicht mit mir. Die Angestellten sprechen und witzeln viel miteinander. „Sie feiern bestimmt, so mit sich, untereinander. Intim im Team”, denke ich. Dann gucke ich mir die Waschmaschinen an. Vermutlich bin ich immer noch unsichtbar. Auch wenn ich mich ein bisschen im Chrom der Bullaugen spiegele. Das beruhigt mich.

Die mittlerweile angerichteten Teller stehen in der Küche. Einigen Gästen werden sie im hinteren Restaurationsbereich an einen Tisch gebracht. Andere Gäste werden nicht etwa gebeten, doch auch zuzugreifen.

Eigentlich bin ich zum Feiern dort hin gegangen, gerne hätte ich mich über das und andere Küchengerät von Miele, über das was Miele zum Thema Smart Kitchen anbietet, informiert. Noch lieber hätte ich dem Geburtstagskind gratuliert, mich mit ihm gefreut, mir erzählen lassen von den vergangenen fünf Jahren an diesem Standort. Vielleicht hätte ich mit ihm angestoßen, aber es wollte nicht mit mir anstoßen. Es wollte auch nicht feiern. Es wollte nicht einmal mit mir sprechen.

Es war die traurigste Geburtstagsfeier meines Lebens. Zum Glück war es nicht meine.

Fazit: Miele kann nicht feiern.

Mein Vertrieblerinnentrainerherz hätte da sehr gerne Stimmung gemacht und den Leuten dort den Marsch geblasen. Den einzigen Eindruck, den ich Samstag von Miele gewonnen habe? Miele präsentiert sich als übersattes, elitäres und arrogantes Unternehmen. Unangenehm.

Faszinierend, jedes kleine Food-StartUp schafft es mit noch so kleinem Etat informative, herzliche und schöne Kundenevents aus dem Boden zu stampfen, auf denen man sich wohlfühlen und als möglicher Kunde informieren kann.

Mein Eventmanagerherz hätte dort gerne wirklich gerne Stände gesehen und Aktion erlebt, einen Cocktail-Stand, irgendwo eine Crepes-Produktion, Kuchen aus den Öfen, ein Wäschewettbewerb mit Waschbrettern für Kinder, Food serviert – von regionalen Anbietern angeboten. Ich hätte den Besuchern Prosecco oder was auch immer an der Tür in die Hand gedrückt, ich hätte für Partystimmung gesorgt.

Wenn ich als Unternehmen Kunden und künftige Kunden offiziell zu einer Feier einlade, dann hätte ich auch etwas zum Feiern angeboten. Ich hätte für irgendetwas gesorgt, was die Leute spüren lässt, dass man sich als Händler freut, seit fünf Jahren an einem sehr respektablen Ort seine Technik zeigen zu dürfen.

2016-07-10

Die Zeit …

Nächste Woche, am 13., ist S. vier Monate tot. Am gleichen Tag ist meine Mum vor zehn Jahren gegangen.

In beiden Fällen ist noch so viel Unfassbarkeit mit im Raum. Selbst diese Größe im Erleben für das eigene Leben aus der Endlichkeit der anderen Lieben – nicht zu fassen oder zu erfassen. Eine umwerfend große Aufgabe. Ein Hinarbeiten auf die eigene Endlichkeit. Leben.

Nicht oft aber manchmal ist es doch schwer nicht am Grab meiner Mum zu weilen. Ich würde gerne auf Mallorca sein, jetzt oder im September zu ihrem Geburtstag und ein Gespräch vor Ort mit ihr führen. Einige Dinge abschließen. Für mich. Für uns. Vorrangig für mich. Es wird Zeit, es ist wie eine geschlossene Tür auf die zugehen sich nicht lohnt, weil man weiß, sie ist verschlossen. Nun denn …

Man kann sich das nie vorstellen, wie es ist ohne die Mutter zu sein. Oder ohne diese Freundin. Und dann ist man es. Was die Vorstellung kein bisschen näher rücken lässt.

Der Tod ist eine komische Sache. Eine Aufgabe. Für jede Seite.

2016-07-09

Jetzt hab' ich's!

»Er ist Deutscher Amateurgrillmeister, Deutscher Profi Vizegrillmeister und hat an Grillmeisterschaften in Europa und den USA teilgenommen.«

Grillwettbewerbe und -meisterschaften – das sind diese Misswahlen für Männer, nicht wahr?