2016-07-11

Vertriebsoase

Was Vertriebsmitarbeiter anbelangt, scheine ich gerade 'nen echten Lauf zu haben:

„Könnten Sie bitte gucken, ob es diesen Schuh (hier Größe 39) in Größe 41 eventuell noch in anderen Filialen gibt?”

„Nein, das kann ich nicht, weil jeder Schuh eine andere Modellnummer hat.”

Technikstandort Deutschland, 2016

(Aus der Reihe: keine Pointe. Oder vielleicht doch, diese Kette (irgendwas mit einem Vogel und Innovation, blaues Logo) ist schon einmal in die Insolvenz gerasselt.)

Wie Miele mich einmal zum Geburtstag feiern einlud aber gar nicht mit mir feiern wollte …

Neulich auf Facebook in einer der Gruppen von Berliner Foodbloggern teile jemand die Einladung der Miele-Gallery unter den Linden in Berlin, die ihre fünfjährige Existenz feiern wollte. Vergangenen Samstag. Die Einladung klingt nett, Showkochen hier, Gewinnspiel da etc. Die Filiale ist nicht so weit von meiner Dockingstation gelegen. Also mache ich mich am Samstag kurzerhand auf den Weg, um, wie ich denke, dieser Einladung zu folgen und mitzufeiern, Miele-Technik gucken und lieben lernen bzw. Faszination bestätigt sehen. Irgendwas mit Erwartungen.

An der Tür wurde ich noch sehr freundlich von einer Dame empfangen, der ich erzähle, Berliner Foodbloggerkreise hätten mir gezwitschert, hier würde heute Miele gefeiert. Sie scheint professionell erfreut und verweist mich in den hinteren Teil des Ladens in Richtung Küche, denn dort hätte man gerade gekocht.

Ich folge ihrem Rat und stehe vor einer Küche, wo tatsächlich gerade fertig gekocht worden war. Ein Koch herum schwirrt, während eine junge Dame noch dabei ist, das Essen manierlich auf Tellern anzurichten. Hochkonzentriert. Sie spreche ich freundlich kurzerhand an und stelle fest, dass ich da wohl einen Moment zu spät gekommen sei. Mein Versuch von Kommunikation in einem – sollte man meinen – kundenorientierten Umfeld. Keine Reaktion, keine Antwort. Tatsächlich steht neben der Kücheninsel ein Schild auf dem angezeigt wird, dass jeweils zur vollen Stunde etwas Bestimmtes gekocht wird. Hätte man dass vorher in diesem Internet, zielgerichteter bei diesem Facebook kommuniziert, wäre ich etwas früher dort gewesen. Womöglich hätte es auch mehr Interessenten angelockt. Hatte man aber nicht. Die sind da in dieser Miele-Gallery nicht sehr expressiv.

Im Laden selbst wenig Menschen, eine Dame berät bei den Waschmaschinen. Die andere junge Dame, also die, die nicht mit mir kommunizieren möchte, richtet weiterhin Tellerchen an. Ich schleiche durch den Laden, gucke mir die sehr schicken Geräte an und genieße die Stille. Es ist so ruhig, fantastisch ruhig. Wenn Miele feiert, ist nichts laut. Kein Mensch bedrängt mich. Alles wuselt um mich herum. Jeder einzelne Angestellte für sich ist sich wichtig. Ich aber bin unsichtbar. Um diese für mich sehr skurrile Situation zu durchbrechen, denke ich, gehe ich auf die sehr schönen öffentlichen Orte und kehre einen kleinen Moment später zurück. Das Waschmaschinengespräch ist beendet, man guckt mich an, man spricht nicht mit mir. Die Angestellten sprechen und witzeln viel miteinander. „Sie feiern bestimmt, so mit sich, untereinander. Intim im Team”, denke ich. Dann gucke ich mir die Waschmaschinen an. Vermutlich bin ich immer noch unsichtbar. Auch wenn ich mich ein bisschen im Chrom der Bullaugen spiegele. Das beruhigt mich.

Die mittlerweile angerichteten Teller stehen in der Küche. Einigen Gästen werden sie im hinteren Restaurationsbereich an einen Tisch gebracht. Andere Gäste werden nicht etwa gebeten, doch auch zuzugreifen.

Eigentlich bin ich zum Feiern dort hin gegangen, gerne hätte ich mich über das und andere Küchengerät von Miele, über das was Miele zum Thema Smart Kitchen anbietet, informiert. Noch lieber hätte ich dem Geburtstagskind gratuliert, mich mit ihm gefreut, mir erzählen lassen von den vergangenen fünf Jahren an diesem Standort. Vielleicht hätte ich mit ihm angestoßen, aber es wollte nicht mit mir anstoßen. Es wollte auch nicht feiern. Es wollte nicht einmal mit mir sprechen.

Es war die traurigste Geburtstagsfeier meines Lebens. Zum Glück war es nicht meine.

Fazit: Miele kann nicht feiern.

Mein Vertrieblerinnentrainerherz hätte da sehr gerne Stimmung gemacht und den Leuten dort den Marsch geblasen. Den einzigen Eindruck, den ich Samstag von Miele gewonnen habe? Miele präsentiert sich als übersattes, elitäres und arrogantes Unternehmen. Unangenehm.

Faszinierend, jedes kleine Food-StartUp schafft es mit noch so kleinem Etat informative, herzliche und schöne Kundenevents aus dem Boden zu stampfen, auf denen man sich wohlfühlen und als möglicher Kunde informieren kann.

Mein Eventmanagerherz hätte dort gerne wirklich gerne Stände gesehen und Aktion erlebt, einen Cocktail-Stand, irgendwo eine Crepes-Produktion, Kuchen aus den Öfen, ein Wäschewettbewerb mit Waschbrettern für Kinder, Food serviert – von regionalen Anbietern angeboten. Ich hätte den Besuchern Prosecco oder was auch immer an der Tür in die Hand gedrückt, ich hätte für Partystimmung gesorgt.

Wenn ich als Unternehmen Kunden und künftige Kunden offiziell zu einer Feier einlade, dann hätte ich auch etwas zum Feiern angeboten. Ich hätte für irgendetwas gesorgt, was die Leute spüren lässt, dass man sich als Händler freut, seit fünf Jahren an einem sehr respektablen Ort seine Technik zeigen zu dürfen.

2016-07-10

Die Zeit …

Nächste Woche, am 13., ist S. vier Monate tot. Am gleichen Tag ist meine Mum vor zehn Jahren gegangen.

In beiden Fällen ist noch so viel Unfassbarkeit mit im Raum. Selbst diese Größe im Erleben für das eigene Leben aus der Endlichkeit der anderen Lieben – nicht zu fassen oder zu erfassen. Eine umwerfend große Aufgabe. Ein Hinarbeiten auf die eigene Endlichkeit. Leben.

Nicht oft aber manchmal ist es doch schwer nicht am Grab meiner Mum zu weilen. Ich würde gerne auf Mallorca sein, jetzt oder im September zu ihrem Geburtstag und ein Gespräch vor Ort mit ihr führen. Einige Dinge abschließen. Für mich. Für uns. Vorrangig für mich. Es wird Zeit, es ist wie eine geschlossene Tür auf die zugehen sich nicht lohnt, weil man weiß, sie ist verschlossen. Nun denn …

Man kann sich das nie vorstellen, wie es ist ohne die Mutter zu sein. Oder ohne diese Freundin. Und dann ist man es. Was die Vorstellung kein bisschen näher rücken lässt.

Der Tod ist eine komische Sache. Eine Aufgabe. Für jede Seite.

2016-07-09

Jetzt hab' ich's!

»Er ist Deutscher Amateurgrillmeister, Deutscher Profi Vizegrillmeister und hat an Grillmeisterschaften in Europa und den USA teilgenommen.«

Grillwettbewerbe und -meisterschaften – das sind diese Misswahlen für Männer, nicht wahr?

2016-07-08

Manchmal bin ich auch 'ne fiese Möpp

Oder wie es in unserer Familie gerne hieß: Zimtzicke.

Die letzten drei Wochen war es hier in meinem Wohnumfeld etwas lauter. Also von dem seit Jahren hier fast rund um die Uhr existierenden Baulärm, weil jede Brache bebaut wird, die es hier entlang des Mauerweges so gibt, einmal abgesehen. Berlin ist mittlerweile so hipp, dass Menschen ernsthaft 5.000 € pro Quadratmeter ausgeben, um an einer befahrenden Hauptstraße mit relativ viel Null-Sexappeal – dafür 24-stündigem Notarztwagenverkehr – neben einem Discounter zu wohnen.

Dagegen wohne ich hier schick, obwohl geographisch nur auf der anderen Seite dieser Straße, weil nicht längs, sondern quer zu eben jener und im hinteren Bereich, man könnte es hier beinahe ruhig nennen. In der Flucht zwischen meinem Haus und dem gegenüber liegenden Haus der gleichen Wohnanlage: grün. Also ungepflegter, vor sich hinleidender Rasen mit viel Baumbestand, zwei Walnussbäumen und ein paar mehr Bäumen, viel Vogelbestand, ein paar Hasen, einige Ratten, die regelmäßig vom Kammerdiener bedient werden. Es könnte schlimmer sein.

Es deutete sich im vergangenen Jahr schon an und nun ist es soweit, diese Hofanlage wird gerade aktuell umgestaltet. Deutete sich an heißt, auf dem restlichen anliegenden, recht umfangreichen Gelände der Genossenschaft konnte man an den Veränderungen ahnen, es würde uns auch ereilen. Tut es nun auch. Und zwar mit einer Ankündigung im Stillen Portier, nur fünf Tage später begann man mit dem Baumaßnahmen.

Die kann man nun positiv oder negativ sehen. Die Grünfläche wird/wurde – mehr halbherzig – etwas aufgepoppt, hässliche Büsche dem Boden beraubt, dafür ein Rondell geschaffen mit etwas Grün, umwandert mit viel grauem Gestein, die alte Bank wird wohl von ihrem Standort umgesetzt werden. Sie machen es jetzt so richtig schön für unsere Dealer.

Während andere Rondelle auf dem Gelände mit schickem blühenden Pflanzensortiment bestückt wurde, wurden bei uns heute pflegeleichte Gräser gesetzt. Die „Zufahrtswege”, die laut meinem Mietvertrag nur von Sonderfahrzeugen bzw. für Umzüge überhaupt benutzt werden dürfen, verbreitert, damit vierkommafünf gar nix mehr merkende Nachbarn uns wieder Sonntags ab 7:30 Uhr ihre Blechkisten vor die Balkone stellen können. (Danke der Nachfrage, ja, ich kot…e im Strahl!) Um denen aber nun das Tempo zu rauben beim Vorfahren – was sie eigentlich gar nicht dürfen – hat man nun den älteren Mietern, die mit Rollatoren unterwegs sein müssen oder sonstigen Gehilfen bzw. Rollstuhl, extra Schikanen, nämlich Schwellen, in den Fußweg gebaut. (Nochmal danke der Nachfrage, ja: ich habe Hals!)

Soweit so schlimm. Was mich an dem ganzen Procedere am meisten nervt, ist diese Methode der Nullkommunikation. Hätte man nämlich mal mit uns Mietern – die wir alle auch Anteilseigner sind – im Vorfeld gesprochen und sich unsere Bedürfnisse angehört, hätte das hier ganz anders, viel schöner, vor allem kindgerechter und die nachbarschaftliche Gemeinschaft fördernder werden können. Beispiel: einige von uns Nachbarn wünschen sich eine Boule-Bahn. Kostet nicht viel, hätte man machen können. Anderes Beispiel, hier ziehen nur viele Kinder zu bzw. kommen hier zur Welt, wie schön wäre da (zumal nebenan die Prinzessinnengärten) ein Lehrgarten gewesen?

Und verdammte Hacke – wozu leben wir im Jahr 2016 eigentlich in Zeiten des Internets, wozu hat die Genossenschaft eine Homepage – auf der man solche Dinge ganz simpel und günstig online in einer Art kleinen Wettbewerb hätte organisieren können. Und bevor jetzt wieder irgendwelche Argumente aus der Vorzeit kommen: Meineunter mir lebenden Nachbarn im hohen Alter von an die 80 haben mir neulich ihre Visitenkarten in die Hand gedrückt – mit E-Mail-Adresse. DAS Argument alte Menschen würden nichts ins Web gehen, es zählt einfach längst nicht mehr.

Auf der Grünfläche stehen, seit ich hier wohne, diverse Baumstümpfe von längst, bzw. in den letzten vier Jahren auch noch von mir miterlebt, gefällten Bäumen. Das war insofern kein großes Problem, weil das Gelände eh nicht zwingend zum Aufenthalt aufforderte. Ab und an trafen wir Nachbarn uns auf der traurigen Bank, wenn nicht gerade vom Junkie bevölkert, gelegentlich spielten die Kinder dort. Nun aber installierte man vor jedem Hauseingang Einbuchtungen für neue und vor allem mehr Fahrradständer – sowie das schon beschriebene Rondell. Man möchte also uns Mieter aufrufen das Gelände zu betreten, was eine gewisse neue Umsicht auch nötig macht.

Die man allerdings seitens der Planer etwas außer Acht ließ. So traf man z. B. sichtbare Vorinstallationen für den künftigen neuen Aufenthalt der Bank – direkt neben so einem Baumstumpf. Alternativ vor einer der Hausnummern setzte man den Radstellplatzhafen ebenfalls direkt neben so einem Stumpf. Dort einmal im Dunklen falsch getreten, könnte man echt gut fliegen. Dito bei der Bank: wenn sich da Eltern mit ihren Kinder aufhalten sollen und Kinder drum herum rennen, war eigentlich auch klar, was da schief gehen wird.

Und das sind so Dinge, da stellen sich mir die Nachenhaare hoch. Da bin ich einhundertprozentig sowas von Deutsche!

Ich hatte so eine Ahnung, dass diese Rumgebaue hier ordentlich Geld kostet und war doch dezent betrübt, weil man es offensichtlich nicht richtig machen wollte. Also schrieb ich höflich dem Verwalter und erkundigte mich, ob diese Baumstümpfe noch entfernt würden oder ob das jetzt ernst gemeint sei mit diesem womöglich ungesunden Geiz der Genossenschaft (klar so einen Baumstamm richtig zu entheben, das kostet halt 250-300 Euronen, das mal fünf Baumstümpfe auf dem Gelände …) … oder ob hier nur schlicht Profis bei der Arbeit wären?

Letzteres glaube ich ernsthaft keinen Moment lang, denn die Jungs arbeiten gut und sauber. Vielmehr hatte ich den Eindruck, dass denen das selbst nicht gefiel. Kein Landschaftsgärtner will so etwas gestalterisch hinterlassen. Der Verwalter überließ es dem zuständigen Beauftragten der Genossenschaft meine Anfrage zu beantworten, der das ausreichend von oben herab tat, was womöglich daran liegt, weil er laut Signatur der verantwortliche IT-ler der Genossenschaft ist (ich habe sehr gelacht!), so dass er mein kleines wildes Ego freilegte und ich nach gut fünf überschlafenen Nächten ähnlich von oben herab antwortete.

Seiner Argumentation nach wäre nämlich schweres Gerät vor Ort notwendig gewesen, um diese Stümpfe dem Boden platt zu machen. Und das hätte man eben nicht. Antwortete ich, die ich ja das Tagesgeschehen live miterlebt habe, das schwere Gerät sei sehr wohl ganz am Anfang vor Ort gewesen (und im übrigen würde es immer noch vor Ort gelagert), denn man hätte doch auch tiefes Wurzelwerk einiger altgedienter Sträucher genau so nur entfernen können.

Dann wollte er mir mitteilen, dass diese supertolle Maßnahme immerhin so ca. 30.000 Euro kosten würde – also die Genossenschaft mitnichten geizig wäre und man immerhin diese Maßnahme großzügig auch nicht auf uns Mieter umlegen wollte. Nicht umlegen dürfe, antwortete ich da prompt, da per se aus juristischen Gründen Hofneu- und -umgestaltungen – im Gegensatz zur Hofpflege – nicht auf die Mieter umgelegt werden dürfen.

Dann erklärte ich ihm, dass niemand von der Genossenschaft verlangen würde, die Stämme auf dem tiefen Grund zu heben, aber dass man sie wenigstens mit einer Baumfräse abfräsen könnte. Dass sich so eine Fräse in jedem größeren Bau- bzw. Gartenmarkt ausleihen ließe, was im Vergleich günstige 170,— Euro kosten würde/Tag und ich gerne bereit wäre mitzuhelfen, wenn es nötig sei. (Ist ganz praktisch Menschen mit ordentlich Grundstück und Baumbestand im sozialen Umfeld zu haben. Und ja, ich hätte wirklich gerne mal meinen Spaß mit so einer Fräse gehabt.)

Schlussendlich erklärte ich, dass ich wirklich keine fiese Möpp sein wollte, aber mir schon ein bisschen die Sicherheit der Anwohner – vor allem der Kinder (nicht zu vergessen unsere Junkies und Dealer) – in diesem Fall am Herzen liegen würde und womöglich Schadensersatzforderungen bei etwaigen Unfällen die Gesellschaft teurer kommen könnten. Und ich mir nicht sicher sei, ob diese dann nicht doch auf die Mieter/Anteilseigner umgelegt werden könnten. Und wenn man schon 30.000 Euro für so eine Maßnahme raushauen würde, warum man es dann nicht einfach gleich richtig und schön machen könne?

Die Baumstümpfe sind weg.

Mal verlieren die einen, mal gewinnen die anderen …

Ich konnte gestern ganz entspannt in dieses Spiel gehen als Zuschauerin, denn unter dem Strich wäre ich so oder so mit einem Gewinn zufrieden ins Bett gegangen. Dachte ich. Vor dem Spiel. Ich bin nämlich nicht zufrieden ins Bett gegangen.

Wer mich kennt, der weiß, dass meine Mannschaft so oder so eher die Franzosen sind. Also ein Gewinn der Franzosen wäre für mich okay gewesen. Zumal ich eh der Meinung bin, die werden Europameister. Also … der Meinung war. Auf der anderen Seite die deutsche Nationalmannschaft für die ich auch prima sein kann, denn schlussendlich macht sie viel richtig, es ist ein gutes Team von einem guten Trainerteam geführt, die einen guten Fußball spielen und, wie ich finde, im Vergleich zur Mannschaft, die als erstes Team für das Finale feststand, den deutlich besseren, weil attraktiveren Fußball als Gesamtmannschaft gezeigt hatte.

Also habe ich mich gestern relativ neutral vor den Fernseher gesetzt (tatsächlich auf die deutsche Mannschaft getippt, weil die Franzosen die bekannte Torschwäche haben) und war ganz guter Dinge. Eine Mannschaft würde schon gewinnen.

Tsja, und dann hatte eine Mannschaft Fußball gespielt, das waren die Deutschen. Und wie es so ist, wenn einer arbeitet und der andere nicht, macht der, der arbeitet, die Fehler. Und der andere nicht. Der kassiert dafür dann das Lob ohne einen Finger gekrümmt zu haben. Kennen wir vermutlich alle.

Damit kommen wir zum Punkt. Das französische Team steht im Finale – nur ich kann es ihnen nicht gönnen, weil sie nicht wirklich verdient im Finale stehen, weil sie gestern aus einer einzigen Abwehr bestanden, im Grunde kaum an diesem Spiel teilgenommen hatten und im Grunde dem Spiel der Deutschen kaum Paroli geboten haben. Nicht etwa, weil sie es nicht gekonnt hätten, sondern weil sie es nicht wollten.

Und wer solche Defensivspiele in einem Halbfinale liefert, gehört meiner Meinung nach nicht berechtigt in ein Finale.

Der Rest war gestern nämlich Glück für die Franzosen. Glück kann ich jeder Mannschaft gönnen, wenn sie es sich ein Stück erarbeitet. Zum Schiedsrichter ist zu sagen, die Gelbe für Özil, das war für mich Memmenpfeifen. Es gehört meinem Empfinden nach auch zu einem Job eines Schiedsrichters, ein Team aufzufordern die Anwesenheit vor dem eigenen Tor aufzubrechen und so viel Spieleinsatz zu zeigen, dass man das Gefühl haben kann als Zuschauer, da spielen zwei gleichberechtigte Teams auf dem Rasen. Denn nur das Team abzustrafen, dass auf dem Rasen Einsatz zeigt und spielt – das ist mir zu wenig Schiedsrichterleistung. (Egal welches Team das trifft.)

Lange Rede: ich bin mit dem Finale nicht einverstanden – obwohl die Franzosen mitspielen, denn sie haben nach dem gestrigen Spiel die Teilnahme einfach nicht verdient „gewonnen”. Das war typischer italienischer Fußballstyle, wie ich ihn grundtief verabscheue.

Schade, denn der Einzug der Franzosen ins Finale hätte so schön für mich sein können.

2016-07-06

Die Kapernblüte



Der echte Kapernstrauch, lat. Capparis spinosa, blüht gerade im Mittelmeerhaus im Botanischen Garten hier in Berlin. Für mich eines der schönsten Geschöpfe der Natur. Steht man auf der Kathedrale in Palma de Mallorca, dann kann man die halbe Kathedralenmauer vom Kapernstrauch bewachsen und blühen sehen. Und den Duft riechen!

Es ist nicht ganz unkompliziert, den Kapernstrauch hierzulande zu ziehen. Er mag es halt vegetativ gut trocken und viel Sonne. Winterhart ist er absolut nicht! Die Samen brauchen unbedingt eine Kälteperiode im Kühlschrank vor der Aussat.



Die kleinen Kapern, die wir hierzulande gerne ins Frikassee geben, sind übrigens die Blütenansätze des Strauches. Die großen Kapernbeeren, die in den letzten Jahren zu uns auf die Teller gefunden haben, sind die eigentlichen Früchte nach der Blüte des Strauches. Ich glaube, hätte ich eine Kapernpflanze, ich würde nur die Beeren ernten – die Blüten sind einfach zu schön, um sie bei zu früher Ernte zu verhindern.



In einigen südeuropäischen Ländern, vor allem in Griechenland, werden übrigens auch die Blätter der Kapern gegessen. Roh sind sie nicht zu genießen aber in Essig eingelegt, ähnlich wie Weinblätter, sind sie eine geschmackvolle Beilage in Saucen und Salaten. Auch die Triebe, sehr früh im Jahr gesammelt bevor sie die Stacheln austreiben, können einige Tage in Salzlake eingelegt, eine schmackhafte Delikatesse sein. Zumindest die eingelegten Blätter erhält man in jedem gut sortierten griechischen Fachhandel – und natürlich online.