2011-12-19

Die gute Nachricht in kurz …

… weil ich momentan nicht die Zeit für das lange Blogpost finde oder auch einige Nerven verlegt habe und ständig jemand an der Zeit dreht wie tollwütig: ich/wir (wir unter Vorbehalt, denn vor allem hat die Aktion K. gemacht, weil bei mir die Nerven blank lagen und ich arbeiten musste) habe/n seit letzter Woche meine Sachen bei diesem Pfandhaus ausgelöst und erst einmal in einen StorageCenter gebracht.

Das hat nur funktioniert dank Eurer Hilfe und Großzügigkeit! Und das werde ich Euch nie vergessen!

Zwar komme ich an die Sachen jetzt auch nicht ran, weil der Raum bis unter das Dach zugestellt ist. Aber sie gehören wieder mir! Und ich habe die Kameraausrüstung hier bei mir, d. h. ich kann also wieder arbeiten!

Tonnen von Steine sind letzte Woche von meinem Herzen gefallen. Ein Punkt mehr in dem Gefühlswirrwarr, aber ein guter dieses Mal.

Vielen Dank an Euch alle! Und lieben Dank an K.!

Nishia sieht …

das kleine rote Tier mit dem Puschelschwanz in rot, den sie selbst ja in grau trägt, hinter der Fensterscheibe und … schnurrt!

2011-12-16

Blogwichtel 2011

Die letzten Beiträge in diesem Blog haben mich sehr nachdenklich gestimmt. Wieso hat niemand vor ihrer mutigen Offenbarung von der Not der Bloginhaberin Notiz genommen? Und – habe ich selbst schon den Blick dafür verloren, wie es meinen Mitmenschen so ergeht? Ich hoffe nicht. Ich hoffe, dass mir noch jeder Einzelne auffällt, der eine helfende Hand benötigt. Ich habe schließlich auch geholfen, soweit ich konnte. Und ich möchte daran glauben, dass alles gut ausgeht. Wie in einem Märchen.

Es war einmal ein kleines Mädchen, dem waren Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte.

Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld. Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: "Ach, gib mir etwas zu Essen, ich bin so hungrig." Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: "Gott segne dir's", und ging weiter. Da kam ein Kind das jammerte und sprach: "Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich es bedecken kann." Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror, da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte: 'Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben', und gab es auch noch hin.

Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel und es waren lauter harte, blanke Taler; und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war von allerfeinstem Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.

Aus dem Märchenbuch der Gebrüder Grimm

In diesem Sinne wünsche ich Dir frohe Feiertage und ein besseres neues Jahr.
Dein Blogwichtel.

Im Rahmen der Blogwichtelei hat mir mein Blogwichtel dieses liebe Wichtel zukommen lassen, für das ich mich herzlich bedanke! Ich weiß, dass es unter den momentanen Inhalten hier sicherlich nicht leicht war, ein Wichtel zu basteln. Die Wünsche für ein besseres Jahr werde ich mir hinter die Ohren schreiben!

2011-12-13

Der sehr liebe anonyme Brief …

ist angekommen! Herzlichen Dank, doch das muss jetzt sein!

2011-12-09

Morgen ist Samstag.

Morgen will ich Rad fahren. Stundenlang Rad fahren. Über Felder. Im Grünen. Ich glaube, wenn das nicht klappt, laufe ich bald Amok. Und das will ja keiner.

(Aus der Reihe: bin radfahrtechnisch auf Turkey. Und das ist NICHT lustig.)

2011-12-07

Die drei tiefliegenden Fellträger …

… die haben es gut hier. Wir haben zwei Fenster zu ebener Erde in unserem Zimmer, die direkt in den Garten zeigen. Auf dem Baum treffen sich morgens drei Eichhörnchen. Die Amseln und Blaumeisen geben sich ein frühes „Stell Dich ein” und Lino hat morgens schon mit ihnen sein regelmäßiges Date verabredet. Das Großartige hier sind wohl die Fensterbretter auf denen die Katzen überall Decken zu liegen haben und sich richtig breit und gemütlich hinwerfen können und dieses ganze Gartenleben bewundern können.

Nishia hat neulich, puschelschwänzig wie sie ja nun mal ist, das ebenso puschelschwänzige Mitglied aus einer weiter entfernteren Linie, dieser komischen mit der Neigung zu Walnüssen, von ganz ganz nahem gesehen und sie diskutiert seit dem mit mir ihre Herkunft. (Als ob ich davon Ahnung hätte.)

Tally hat hier relativ früh schon am zweiten Tag ihre Deckung aufgegeben, was für sie bei ihrem Wesen nach dem Erlebten, wie ich fand, erstaunlich früh war und sich dann doch wieder stark zurückgezogen. Sie kam aber nachts immer ins Bett. Es scheint doch für das kleine Katzenmädchen sehr wichtig zu sein, ihre Bezugsperson dabei zu haben. Mit mir, für mich, stemmt die kleine bunte Maus so einiges! Ich bewundere sie. Letzte Woche gab es zwei Mal frische Pute, seitdem meint sie, alles ist wieder gut. Sie ist eigentlich die geborene Foodbloggerkatze. Kaum hat sie etwas im Bauch, kennt sie keine Probleme mehr.

Nishia und Lino waren die ersten Tage sehr sehr eng beieinander. Erstmals haben sie zusammen gelegen und geschlafen. Es stimmt eben: stecke Katzen gemeinsam in eine Ritterrüstung und lasse sie gegen den gemeinsamen Feind kämpfen, dann vertragen sie sich schon.

Sie haben hier im Haus zwei Treppen, eine zum runterfegen; die andere zum sehr lässig elegant drauf abhängen. Nishia kann das besonders gut! Sie ist auch der perfekte Mopp, kann man nicht anders sagen, wenn sie dann so über den Boden rollt. Der Katerfratz kann im hohen Hausflur schöne mallorquinische Arien singen. Laut singen. Und weil er das kann, macht er davon auch sehr viel Gebrauch. Hier ist auch viel Fläche zum Rennen, er mag das. Doch, ich glaube, sie mögen das Haus! Lino hat entdeckt, dass man auf mir sitzen kann, wenn ich liege. Hat er vorher noch nie gemacht. Sie können mir momentan alle nicht nahe genug sein.

Sie haben wunderschöne Pakete von Euch bekommen und die machen ihnen Spaß ohne Ende. Spielzeug, Sabberkissen, dieser unglaublich tolle Kratzbaum, den sie wirklich alle drei lieben! So leckere Sachen. Und ich habe so viel Freude daran, sie verwöhnen zu können!

Sie sind sehr kuschlig. Oder vielleicht bin ich es auch nur. Sind sind gerade ein unglaublich souveränes Team und machen mir viel Freude und Mut mit ihrer Gelassenheit. Es schenkt viel Ruhe so einen warmen Katzenbauch in der Hand zu haben. Dank der Katzen ertrage ich einiges wohl besser als mir das ohne sie gelingen dürfte. Es ist gut zu wissen, man kommt irgendwohin und sie sind dort! Diese kleinen niedlichen Lebensanker.

2011-12-04

Kraft

Ihr gebt mir so viel Hilfe, es ist unglaublich. Und ich habe die Dimension Eurer aller Unterstützung längst noch gar nicht erfasst. Es ist so viel Gutes, das muss ich verarbeiten. Das dauert noch.

Bin zur Zeit ziemlich durch den Wind, manchmal funktioniere ich ganz prima. Dann stehe ich Freitag auf dem Rixdorfer Weihnachtsmarkt auf den mich liebe Freunde zur Abwechslung entführt haben und lese an dem einen (es ist der karikative Weihnachtsmarkt Berlins) Stand, der sich für wohnungslose Menschen in der Stadt engagiert eben jenes Wort „wohnungslos” und in meinem Kopf fühlt es sich an, als knallte ich gerade mit 200 Sachen gegen die Mauer. Abstrus. Der Schock wirkt nach, ich habe zum Beispiel, das habe ich heute gemerkt, überhaupt keinen Orientierungssinn mehr. Man stellt mir Fragen und mir ist jede einzelne davon zu viel. Entscheidungen sind gerade mein Ding nicht. Ich gehe vorwärts, in kleinen Schritten. Alltag finde ich gut.

Ich versuche meinen Job gut zu machen und dort zu strahlen. Auch abstrus: hinten kracht Deine Welt runter, vorne bleibt die Fassade stehen. Ich bin gerade wie eine hollywoodesque Westernstadt. Vorne Saloon, direkt dahinter endet die Kulisse und es weht ein rauer Wind die trockenen Pflanzenballen über den Sand. Relationen: es war eine Woche mit vielen technischen Problemen auf der Arbeit. Ich grinste. Für Kollegen, deren Leben vielleicht momentan angenehm dahin plätschert, war das natürlich der GAU der Woche, dementsprechend die Stimmung. Für mich war das – im Vergleich zu meinen anderen Schwierigkeiten – lediglich wie ein Spaziergang bei 30 Grad im Schatten auf weißen Sand am blauen Meer, hinten am Horizont das weiße Segelboot und das einzig wirklich Dumme an der Situation, dass die Cocktails schneller warm werden als man den Alkohol trinken kann. Wie gesagt, Relationen.

Ich tue auf Twitter und Facebook so, als wäre alles in Ordnung. Irgendwie ist das therapeutisch für mich. Wie sich einmal zur Pause abmelden können vom Fließband.

Mir haben sehr sehr viele Menschen geschrieben (hier und in meinen Mails) oder mich angerufen, die mir erzählt haben, dass sie sich selber schon in einer Situation wie der meinen befunden haben. Sei es gesundheitlich, sei es finanziell mit Wohnungsräumung oder eben sehr kurz davor. Menschen, die ich teilweise persönlich kenne und bei denen ich, wie man so schön sagt, natürlich auch „nie gedacht hätte”, dass sie einmal so dunkle Zeiten selbst erlebt haben, denn ich erlebe sie heute teilweise sehr erfolgreich in ihrem Leben oder überhaupt am Leben oder wenigstens auf dem Weg der Besserung. Eure Offenheit hat mir in dieser Woche so unglaublich viel Mut gemacht und Kraft gegeben, es vielleicht doch irgendwie schaffen zu können. Vielen Dank für Euer Vertrauen, Eure Offenheit tut mir sehr, sehr gut. Dieses Feedback ist neben Eurer Großzügigkeit, die ich auch noch nicht verstanden habe und verwundert ansehe – entschuldigt bitte, ich bin wirklich ein wenig überfordert gerade, – das, was mir gerade so enorm, vielleicht am meisten gerade hilft! Danke. Ich fühle mich nicht mehr ganz so schmutzig.

Ich habe gut daran getan, meine Geschichte aufzuschreiben. Mein Blog ist ein guter Ort. Ein irgendwie magischer. Ich habe hier oft meine Traurigkeit in Worte gefasst und oft änderten sich danach die Dinge im Leben wie von selbst durch Zauberhand.

Diese Mal seid Ihr alle die Zauberhand! Danke Euch allen, die Ihr mir in den größten Variationen Hilfe angeboten habt. Mir haben wildfremde Menschen Kameras zur Leihstellung oder auch als Geschenk angeboten, damit ich erst einmal wieder arbeiten kann oder eben mich in dieser Situation mit meiner Fotografie therapieren kann. Ich habe das alles abgelehnt, weil ich Angst hatte in meiner schlechten Phase da irgendetwas zu verlieren, kaputt zu machen. Ein sehr sehr lieber Freund (Micha, ich bin sehr froh, dass Ihr zwei, drei, vier in der Stadt seid!) hat mir einfach seine in die Hand gedrückt. Keine Widerrede!

Jemand, der in Paris lebt, und selten in der Stadt ist aber einen Transporter besitzt, hat mir angeboten, wenn es soweit ist, beim Transport zu helfen in seiner knappen Freizeit. Ein anderer toller Mensch schrieb lapidar, „schreibe für meine Zeitung über Fotografie, wenn Du magst!” Zwei Bücher zur Besprechung habe ich hier schon liegen. Nur zwei Beispiele! Ihr habt mir so viele Hände gereicht, ich konnte Euch noch gar nicht allen antworten. Entschuldigt bitte, es ist nicht böse gemeint – ich tue das noch!

Mittwoch kam ich von der Arbeit nach Hause und fand drei große Pakete von lieben Menschen vor! Ein wundervolles Paket für mich und die Katzen mit lauter Leckereien, ein wertvolles Paket mit besonderem Diätfutter für meinen Kater und zwei wunderschöne Burmesenkater haben meinen Dreien einen dermaßen tollen Kratzbaum geschenkt, dass sie nur noch breit grinsend durch die Gegend laufen (wenn sie den denn überhaupt mal verlassen.) Ich habe geweint vor Freude.

Gestern nacht habe ich zum ersten Mal lange und gut, vor allem durch geschlafen. Seit Monaten das erste Mal! Dann habe ich lange mit den Katzen geschmust und bin hier, bei den Freunden, bei denen ich derzeit wohne, in den Garten gegangen und habe mir Blasen an die Finger Laub geharkt. Ist das gut gerade körperlich zu arbeiten an der frischen Luft. Ich wollte nie ein eigenes Haus haben. Aber es ist sehr praktisch, wenn Freunde eines haben! Ich wohne bei ihnen einen Raum im ausgebauten Keller des Hauses, habe ein eigenes Duschbad und kann hier auch erst einmal bleiben (solange ich den Kamin putze, den Garten bestelle, den Boden schru… (kleiner Witz). Sie sind großartig. Sie kümmern sich, nehmen mir viel ab. Ich fühle mich im Moment aufgehoben. Aber es ist auch schwer all diese Dinge zu tun, die ich jetzt tun muss. Der Gang neulich zur Insolvenzberatung war schwer. Ich bin gar nicht so weit. Ich will das nicht. Es muss einen anderen Weg geben! Aber die Frau dort sagte etwas sehr Kluges: „Kümmern Sie sich jetzt erst einmal um sich!” Sie hat Recht, ich muss von diesem Druck runter, sonst wird das nichts auf lange Sicht. Ich musste da nicht alleine hingehen. Es gehen Freundinnen mit, die ich nicht einmal fragen muss, ob sie das tun würden. Sie sind einfach da. Ich habe Glück!

Danke C.! Danke K.! Danke B./M.! Danke Melody! (Ich hätte das nie gekonnt.)

Ich konnte Leute im finstersten Moment anrufen und sie standen mir 20 Minuten später bei. Ich habe Glück! Ich darf morgen arbeiten gehen! Ich habe Glück! Ihr seid da und jeder einzelne von Euch, der mir beisteht, ob mit Worten, angebotener Hilfe, angebotener Arbeit und Eurer unglaublichen finanziellen Unterstützung. Ich habe Glück. In dieser ganzen unerträglichen Situation habe ich so viel Glück!

Danke!

Danke für's Kraft spenden!