2006-04-02
2006-04-01
Noch eine Liebeserklärung: Sie ist da!
Aber auch so etwas von präsent. Nishia hat ein Sommerfell, dann ist sie der 'Glückskäfer'. 
Sie hat ein Winterfell, dann ist sie der 'Fellbomber'. 
Im Vergleich zur anderen Jahreszeit sieht sie wie eine komplett andere Katze aus. Während beider Jahreszeiten behält sie ihren überdimensionalen Schwanz.
Nishia steht morgens auf und murrt sich erst mal ihre gesamte Fangemeinde zusammen, mich eingeschlossen. Sie freut sich immer, wenn sie einen sieht. Sie ist so lebendig. Wacht sie auf, nach einer (für sie) langen Nacht, muss sie erst mal gucken, ob noch alles da ist, sie muss die andere Katze überzeugen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um mit dem Tag zu beginnen, sie muss mit der gelben Maus spielen, das Band auf's Bett schleppen, die blaue Maus vermöbeln, den Ball jagen, die Aufziehmaus alleine aufziehen, die Brotverpackungsklemme in die Luft werfen, gucken, ob alle Fenster noch zu sind, schauen, ob auf dem Schrank alles klar ist, aus dem Fenster gucken (auf der einen Seite), aus dem Fenster gucken (auf der anderen Seite), sich auf den Laptop legen, sich fragen, wohin die CD verschwunden ist, sich wundern, warum da die Stimmen aus diesen viereckigen Boxen kommen, sich den Flash-Film im LCD-Display ansehen, sich unter dem Tuch verstecken, unter die Dusche springen, die Wasserhahnaufdrehautomatik (ich) überzeugen, dass Wasserspiele angesagt sind, das Seepferdchenabzeichen machen, gemeinsam mit mir auf Toilette gehen, gelegentlich etwas fressen, die andere Katze jagen, die andere Katze küssen, die andere Katze putzen, die Waschmaschine inspizieren, ins Treppenhaus raus wollen, die Badvorläufer durcheinander bringen, das Katzenklo komplett einmal umgraben, die Katzensteine vor die Toilette schippen, die Vögel draussen zählen, der anderen Katze das Ergebnis mitteilen, mir beim Schminken helfen, dem Bügeleisen im Weg liegen, das Bett unterhalb der Bettdecke machen, sich Höhlen bauen, den Kratzbaum treffen, die rote Maus verprügeln, der anderen Katze auf den Kopf hauen, mir zeigen, wozu PC-Tastaturen wirklich gedacht sind (sie dienen eigentlich als Katzenunterlage), den Besuch an der Tür begrüßen, sich zwischen den Abwasch drängeln, die defekte Tchibo-Maus zu ihrer Maus erklären zu einem Zeitpunkt, als das Kabel noch nicht defekt war, im Fernsehen die Laufbänder mit den Börsendaten fangen, überhaupt sehr gerne im Fernsehen Trickfilme gucken, dem Gekko im Tierfilm eine runterhauen, weil er ihre Heuschrecke auch haben will, das Band fangen, beide Enden vom Band gleichzeitig, dabei keine 0.003 Sekunden vergehen lassen bis sie gefangen sind, die Einkaufstüten auspacken, versehentlich den Stapel Papiere vom Schreibtisch fegen, sich freudig begeistert mit mir 'diesen Unfall' ansehen und Fehleranalyse betreiben, beim nächsten Mal für den gleichen Stapel nur eine andere Flugbahn bestimmen, sich nur mal ganz kurz schlafen legen, aufstehen und sich ihre Fangemeinde zusammen murren, mich eingeschlossen, ihre Welt wieder von vorne entdecken, den Tag noch mal neu beginnen, dieses Mal von der anderen Seite, den Eingang dabei rot anmalen.
Wenn Kinder sich so verhalten, unterstellt man ihnen gerne ein ADS, ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Hyperaktiv. Von dieser Katze habe ich gelernt, dass sie – und vermutlich auch diese Kinder – einfach nur aufstehen und wissen, die Welt hat sich in dieser Zeit des Schlafens weitergedreht und sich somit logischerweise komplett verändert, und muss deswegen sofort neu entdeckt werden.
Sie ist einfach etwas intelligenter als andere Tiere und etwas wissbegieriger. 
Als sie im Himmel in der Fertigungsstätte 'Katze' auf dem Fließband vor den Engeln in den Abteilungen 'Neugierde' und 'Lebensfreude' vorbeigezogen wurde, muss das Fließband einmal gestoppt sein, einmal zurück gezogen worden sein und die Engel haben ihr versehentlich eine bis zwei weitere Kellen Neugierde und Lebensfreude extra zugeteilt. Das passiert eben. Manchmal.
In der Abteilung 'Charme' könnte das noch einmal passiert sein. Obwohl, so wie ich sie kenne, ist sie hier selber vom Fließband gesprungen, weil der Engel neben sich eine 'Scientific American' liegen hatte und sie hat angefangen mit ihm über Astrophysik zu debatieren. Nebenbei haben beide dann ein Konzept entwickelt, wie man die Fließbandtechnik für die Zukunft pannensicherer machen kann. Was auch immer, sie hat währenddessen unzählige viele Spritzer abgekommen, von all‘ den Kellen voller Charme, die alle anderen Katzen auf dem Fließband erhalten haben, die derweil auf dem Fließband vorbei gezogen sind. Wenn sie nicht gar von ganzen Kellen Charme versehentlich zusätzlich getroffen wurde.
Ja, so wird es gewesen sein!
(Eine Liebeserklärung: Sie ist so anders!)
at 08:34 5 comments
Labels: tieffliegende fellträger
2006-03-31
Eine Liebeserklärung: Sie ist so anders …
würden die Leute sagen, wäre Talytha ein kleines Menschenkind und käme nun in die Schule. Talytha wäre scheu, introvertiert, ganz in ihrer eigenen Welt versunken, sich selbst genug. Sie würde auf die anderen Kinder gucken, als hätte sie schon alles gesehen, manchmal begeistert mit ihnen spielen und die große Last, die auf den kleinen Schultern ruht, völlig vergessen. Im nächsten Moment würde sie schon wieder ganz in sich sein und niemandem Eintritt gewähren. Talyhta würde die Welt viel später entdecken als andere Kinder, sie würde auf den Spielplatz erst nach drei Wochen gehen und sich erst auf die Schaukel setzen, nachdem sie diese tagelang mit offenem Blick analysiert hätte und für sich als Freund deklariert hätte.
Leute, die sich nie Zeit nehmen, würden sie als eigenartig bezeichnen. Andere würde sie vielleicht sogar als autistisch diagnostizieren. Talytha würde nur ein oder zwei Freunde im Leben haben. Später würden die Leute sagen: 'die war schon immer so komisch.' Talytha würde niemandem etwas zuleide tun, aber die Menschen würde sie nicht mögen und sie nicht integrieren. Weil sie eben so anders ist.
Talytha ist aber in diesem Leben als Katze geboren worden. Und irgend jemand hatte beschlossen, wir beide wären in diesem Leben gemeinsam besser aufgehoben. Ein Glück. Nun leben wir seit acht Monaten zusammen und ich habe akzeptiert, dass sie so schreckhaft und schüchtern ist, wie noch nie eine Katze zuvor. Und das sie in ihrer eigenen kleinen Welt lebt in die sie mir zunehmend öfter Einlass gewährt, aber eben doch nicht immer.
Als sich nach der Kastration einer der Fäden an ihrer Narbe verkapselt und einen dicken Abzess produziert hatte, habe ich ihr die halbe Nacht lang den Bauch massiert. Am nächsten Tag ist die Geschwulst zum Glück aufgegangen. Seitdem bin ich als beste Bauchkraulerin akzeptiert.
Sie denkt, ich bin ganz nett. Nicht nur, weil ich ihr das Futter hinstelle, sondern weil ich auch verstanden habe, dass sie beim Fressen gestreichelt werden möchte und es generell mag, wenn man sie zum Futternapf begleitet. Sie wird zunehmend entspannter. Sie legt sich neuerdings einfach irgendwohin, wo sie gerade gestanden hat. Sie will auch immer mehr dabei sein. Vor vier Monaten habe ich noch gedacht, die Katze würde nie liegenbleiben, wenn ich zu ihr komme und sie streicheln will. Mittlerweile schnurrt sie sogar, wenn ich das tue. Sie will partout nicht fotografiert werden. Sie schimpft dann. Sie geht.
Sie wird unsichtbar, wenn Besuch kommt. Sie wird ganz schnell wieder sichtbar, wenn der Besuch etwas isst oder Milchkaffee mit Milchschaum trinkt. Sie findet Essen grundsätzlich toll. Sie heisst auch 'el mampfo'. Sie hat mir beigebracht, alle meine Freunde dahingehend zu erziehen für sie fressbare Mitbringsel mitzubringen.
Gelegentlich glauben wir beide in ein und derselben Sekunde ganz fest daran, dass ich als Katzenfreundin nicht die schlechteste bin. Ich sehe, sie hat die hübscheste Fellzeichnung um Näschen und Schnäuzchen, die eine Katze nur haben kann. Und ich liebe ihre kleine Elefantenpfote.
Als ich sie vor acht Monaten besucht habe, war sie von den drei Katzen die zur Option standen, genau die Katze, die keiner hätte haben wollen. 'Ich bin schwierig!' stand in ihren Augen und auf jeder Faser ihres kleinen Körpers. Nicht zu vermitteln. Ich habe gedacht, wer sonst soll schon so eine Katze nehmen und sie ertragen, wenn nicht ich? Sie war die einzige von den dreien, die nichts kosten sollte.
Und jetzt ist sie ganz kostbar. Sie ist so anders. Mein Glückskeks.
(Noch eine Liebeserklärung: Sie ist da!)
at 06:56 8 comments
Labels: tieffliegende fellträger
2006-03-30
Nachtrag Früjahrsputz
Nachtrag zum Eintrag vom 21. März 2006. Sollten wir uns nächstes Jahr immer noch hier an dieser Stelle treffen – Ihr lesend, ich schreibend. Sollte ich dann in etwa um die gleiche Zeit wieder nach dem Frühling schreibend schreien, tut mir einen Gefallen: einfach einmal kurz in den Kommentaren das Wort 'Frühjahrsputz' setzen.
Das sollte reichen.
Um mich zum Schweigen zu bringen.
at 14:45 0 comments
Labels: creezy und wie sie die welt sah
Ein Selbstläufer

Am Montag lese ich auf dem Portal der Berliner Morgenpost ein leidenschaftliches Plädoyer für den Erhalt des Flughafen Tempelhof, Horst Pillau meint: 'Lasst Tempelhof leben!‘ Schwieriger Artikel für die erlauchte Leserin, einerseits muß ich dem Mann Recht geben, gerade als Berlinerin, die die Stadt aus Mauertagen kennt und um die Geschichte weiß, die dieser Flughafen hat. Andererseits möchte ich den Autor ob der einen oder anderen naiven Aussage auch nur schütteln.
In einem hat er Recht: wird dieser Flughafen dicht gemacht, ist Tempelhof tot. Der Bezirk wird nicht mehr sein, als eine Fläche durch die ein Teilstück der Autobahn führt, die gen Schönfeld führt.

Die Illusion Tempelhof würde nach Mauerfall dank seiner zentralen Lage binnen zehn Jahre die neue industrielle Mitte Berlins werden, hatte zu unglaublichen Bauspekulationen geführt, die die alten Mieter – allen voran die Industrie, die hier stark etabliert war – dank günstiger Ost-Förderungen direkt hatte abwandern lassen. Neue Objekte wurden dank irrsinniger Preiskalkulationen nie wirklich angenommen und haben noch nie das Glück gehabt, einen Mieter von nahem zu sehen.

Wen gibt's noch? Bahlsen (incl. Fabrikverkauf!), Gillette, die Union Film, die aber schon ewig keine Sendungen mehr hier produzieren. Irgendwo steht das prächtige Ullstein Gebäude. Die ufa fabrik hält tapfer Hof.

Dabei ist Tempelhof schön!

Oder? Etwa? Nicht?
at 09:48 2 comments
Labels: mein kiez, photography
2006-03-29
Fehler im Programm?
Gestern bin ich S-Bahn gefahren. Das ist an sich nichts Neues, aber hoffentlich das letzte Mal in diesem Jahr. Ab jetzt wird Rad gefahren. Die Aussicht war schön wie immer. Wenn man mit der Ringbahn ab Hermanstraße Richtung Norden fährt, dann fährt sie am Flughafen Tempelhof vorbei in Richtung Schöneberg. Vorher hält sie auf diesem gigantischem Neubau von einem S-Bahnhof Papestraße, der kurz vor seiner Vollendung steht. Und man sieht diese kleine 'wannabe' Skyline vom Potsdamer Platz und rechts davon steht der Funkturm Fernsehturm*, ganz klein, weil noch ein gutes Stück weit weg. Und dann immer, dann denke ich: 'Das ist Deine Stadt. Mein Berlin. Ist die schön!'
Ich schaute mich in der S-Bahn um und fand, wir würden alle, die wir das so saßen, ganz schön winterlich abgerissen aussehen. Die Gesichter völlig bleich. Die Frisuren stark Mützen geschädigt, die Haare heizungstrocken gestresst. Die Wintermäntel und -jacken komplett übermüdet. Und keiner hatte offensichtlich mehr Lust etwas Energie in den Schuhputz der Winterschuhe zu stecken.
Nur der saubere, frische und weichgespülte Punk neben mir, der den 'Gegen Nazis'-Sticker selber säuberlich auf den Hängebeutel genäht hatte, dessen Doc Martens waren sowas von pic-o-bello poliert.
Wenn der gepflegteste Fahrgast auf einer S-Bahnstrecke, die durch Neukölln führt, ein Punk ist, dann verschiebt sich gerade meine Weltanschauung. Und ich kann so rein gar nichts dagegen tun.
* Edit: dank microbis Einwurf korrigiert: icke lerne det nie mit die fernsehenden funkenden Türme!
at 09:27 3 comments
Labels: creezy und wie sie die welt sah, mein kiez
2006-03-28
Frühling!!!
Da ist er!
Schnell noch die Frühlingsfotos vom letzten Jahr verballern, bevor Nachschub kommt!
Die beiden tieffliegenden Fellträger haben sich gerade warm trainiert und liegen nun ganz ihrem Wellnessprogramm entsprechend in der Entspannungszone (Bett), genießen die Atemtherapie (Balkon offen) und erhalten über ihre Kopfhörer (Ohren) die aktuellen Chartbreaker der New-Age-Musik (Vogelgezwitscher) in ihre smarten Hirne implementiert.
Die Sonne krabbelt durch das Fenster. Mensch, geht es uns gerade gut!
at 08:26 0 comments
Labels: photography, tieffliegende fellträger
