2010-01-27

In Haiti …

werden gerade ganz viele supererfolgreiche künftige John Travoltas und Tim Cruises gerettet.

Ich mochte Travolta ja mal, is‘ aber schon ‘ne Weile her. Und persönlich bin ich der Meinung, man soll anderen Menschen und ihrem Glauben gegenüber tolerant sein. Auch ist mir wirklich egal, woran Travolta oder Cruise glauben. Aber wenn sie Menschen helfen wollen, dann sollen sie es verdammt noch mal auf neutralem Wege als Menschen tun und Menschen in der Krise gefälligst nicht mit ihrem Glauben behelligen. Und schon gar nicht ihre Hilfe von einem etwaigen Entgegenkommen der Menschen (gelbe Scientology-T-Shirts tragen), die gerade sehr verzweifelt sind, abhängig machen.

Ich schreibe schließlich auch nicht auf meine Spendenüberweisungsträger, dass ich hier und da buddhistisch denke, fühle, bete.

Hm …

iPad = iTampon
iTupfer geht auch.

Das Ding könnte geschäftsschädigend für die Nagelstudios dieser Welt sein. Vermutlich* schlecht zu bedienen mit Pornoschaufeln.

*Wat weiß denn ich.

2010-01-26

Der eigentliche Skandal …

an dem Oettinger-spricht-Englisch-Skändalchen ist meiner Meinung ja viel eher der, dass diesen Mann auch kaum einer versteht, wenn der Deutsch spricht. Da frage ich mich, wie konnte einer politisch in einem Land soweit kommen ohne von den restlichen 69 Millionen Leuten verstanden zu werden?

sänk ju for jor ättention!

Wohlgemerkt …

die Anweisung an die deutschen Krankenkassen endlich mal Vorschläge zu machen, wie sie denn in Zukunft und überhaupt zu sparen gedenken, kommt von der Ministerin für Verbraucherschutz Ilse Aigner. Der Vorschlag kam nicht von Philipp Rösler, unserem jungen FDP-Freund im Gesundheitsministerium. Das wäre auch für mich Plan A gewesen, zuerst Sparmodelle vorzulegen bevor ich mich an eine Drittförderung von Versicherten vergreife – die immer mehr bezahlen sollen, dafür interessanterweise immer weniger relevante Leistung erhalten. Davon abgesehen, dass alleine das Reinholen dieser Zusatzbeiträge Millionen kosten wird. Sogar der „Stern“ fragt bereits „Was macht eigentlich der Gesundheitsminister? Gibt es ihn noch? Und wenn ja, warum?“ und fordert den jungen ärztlichen Freund höflich auf, endlich seinem Job nachzugehen.

Mag eine/r bitte nachgucken gehen, wie viel Spenden die FDP von der Kassen- bzw. Ärzte-Lobby und der Pharmaindustrie kürzlich erhalten hat? Ich frag nur weil die FDP ganz plötzlich neulich so viel Sonne im Herzen hatte.

2010-01-25

Kochtipp 01/2010 Nudeln mit Zucker und Zimt

Gestern war Mümmelwetter. In Berlin und Umgebung ist es ja zur Zeit etwas kühler. Und zwar so kalt, dass das Draußen sein nur noch bedingt Spaß macht – egal, wie warm man sich anzieht dabei. Okay, es scheint wenigstens die Sonne wieder. Großer Fortschritt für's eingetrübte Gemüt!



Lange Rede, die äußeren Temperaturumstände ließen mich gestern sehnsuchtsvoll auf Twitter meine Gelüste zum Kaffee äußern und die bestanden lapidar aus Nudeln mit Zucker und Zimt. Das setzte in den einen Tweets viel Erstaunen, in den anderen mehr Äußerungen des Ekels … kennt denn wirklich keiner Nudeln mit Zucker und Zimt mehr? Dieses Kindernudelgericht gab es bei meiner Oma früher schon, damals in der Milchvariante mit Spiralnudeln und natürlich noch nicht mit Spaghetti oder Spaghettini und es ist trivial in der Zubereitung, weil ein typisches Nudeln-Resteessen (in meiner Familie wenigstens). Wenn übrigens auch den Schlesiern (und deren Vertriebene) als vollwertiges Mittagessen bekannt und dann gerne mit geschmortem Backobst serviert. Denn bei den Schlesiern kommt ja hier und da zum Glück auch mal ein süßes Mittagessen auf den Tisch (kommt wie viele Mehlspeisengerichte aus der Fastenzeit). Davon abgesehen, waren Milchnudeln tatsächlich früher eine selbstverständliche Beilage zum deftigen Fleischgericht.

Man nehme die vom Vortag übrig gebliebenen Nudeln und erwärme diese in einem Topf, wahlweise einer Pfanne (ich mag sie ja am liebsten leicht angebacken, plädiere also für den Pfannenmode). Dann schwenkt man sie in etwas Butter, streut Zucker und Zimt darüber – et voilà! Ein macht-creezyne-happy-Essen. Und wenn es kein Resteessen ist, dann setzt man die Nudeln anstatt in Wasser in Milch mit einem guten Stück Butter und etwas Zucker auf und gart sie bei leichter Hitze. Selbstverständlich kann man sie auch in der im Kühlschrank vorrätigen Caramelsauce schwenken und den Zimt so darüber streuen. Aber was mit Milchreis geht, geht natürlich auch mit Nudeln.

Ich verstehe gar nicht, wie Milchnudeln aus der Mode kommen konnten.

2010-01-24

Sonntagsgeständnisse

Ich lese Sonntags zum Frühstückskaffee sehr gerne die als Regionalmagazine getarnten Briefkasteneinwurfssendungen aller Discounter und Möbelgeschäfte im Dreh (was sich in Berlin gelegentlich auf Mecklenburg Vorpommern erstreckt), die ich dem Nachbar aus dem Briefkasten klaue, weil ich selbst auf dem Briefkasten den Einwurf von Werbung per ausgeschilderter Anordnung verbiete, wie meine Sonntagsfrühstückszeitung.

Dabei stelle ich jeden Sonntag aufs Neue fest, dass ich wohl nicht der klassische Typ für Wohnlandschaften bin.

Und ich merke jedes Mal aufs Neue, dass mir Fertigkuchen vom Discounter schreckliche Angst einjagen.

2010-01-23

Haiti

Heute früh lief dann nach den deutschen Spendenbeiträge im Fernsehen, die große US-Spendengala „Hope for Haiti now“ im Fernsehen. Hierzulande übertragen von MTV/Viva, zusammengetragen mit Liveperformances aus NewYork und Los Angeles, weitestgehend organisiert von George Clooney. Das war die etwas andere Spendengala – im Vergleich zur unserigen diese Woche im ZDF. Ein einfach gestaltetes Bühnenbild in blau gehalten, Glühbirnen zur Dekoration, der Hintergrund aus Bannern auf die meist die Bilder von Opfern projeziert wurden. Keine Zuschauer, kein Applaus, die Damen meistenteils entgegen ihrer sonstigen Obsessionen sehr verhalten gekleidet, wenig Schmuck. Dem Anlass angepasst gab es nur wenig Up-Temposongs. Viel Musik, trotzdem viel Stille. Immer wieder wurden die an den Telefonen sitzenden Künstler bei den Telefonaten gezeigt – und es waren unglaublich viele Telefonplätze, die da besetzt waren. Zwischendurch sprachen Künstler und US-Haitianer von den Geschehnissen vor Ort über ihre Heimat, von den Wundern, natürlich durfte Gott nicht fehlen. Zuschaltungen von einem CNN-Reporter vor Ort, berichteten von diesen kleinen Wundern, zeichneten aber auch in einer bisher kaum im Fernsehen gezeigten Dringlichkeit die Folgen der Katastrophe.

Der kleine Junge, der nach acht Tagen aus den Trümmern geborgen wurde, zehn seiner Angehörigen verloren hat, dem nur – oder wenigstens – ein Onkel geblieben ist, dessen Dehydrierung zwar zwischenzeitlich behoben werden konnte aber dessen schwerwiegende Fußverletzungen lange noch nicht so behandelt werden können, wie sie es hätten sollten. Obwohl er unter ärztlicher Betreuung steht. Aber es fehlt an so vielem!

Und krampfhaft versuchen die Ärzte, ihn und seinen Onkel in dem Lager einen Moment länger behalten zu können. Irgendwie – obwohl sie Platz vorhalten müssen für die, die viel schwerer verletzt sind (als ob gebrochene Beine nicht schon schwere Verletzung genug wären).

Den Menschen wurden und werden Gliedmaßen amputiert, um sie überhaupt aus den Trümmern zu retten bzw. weil der Körper der Zeit, die sie unter dem Geröll eingeklemmt waren, Tribut zollt. Oder weil sich kleinste Verletzungen dort unter den schlechten hygienischen Bedingungen entzündet haben. Die Amputationen passierten in Haiti zur Zeit unter freiem Himmel, nun mittlerweile vielleicht sogar in einem Zelt einer Hilfsorganisation, die Menschen sind – wenn sie ganz großes Glück haben – betäubt dabei.

Betäubt heißt, örtlich betäubt. Keine Vollnarkose.

Ein Arzt sagte es deutlich: „Das hier ist keine Notfallmedizin. Das ist Kriegsmedizin.“ Die Ärzte der Hilfsorganisationen betteln um Antibiotika. Antibiotika wurde gestern als meist gebrauchtes Hilfsmittel zuerst genannt, noch vor Wasser. Wie oft habe ich diese Woche Ärzte und Pfleger vor laufender Kamera weinend zusammenbrechen sehen?

Menschen nach sehr schwerwiegenden Operationen werden im Schatten unterm freien Himmel abgelegt und müssen in das zerstörte Nichts zurück, sobald sie nur können, um den vielen anderen Schwerverletzten Platz zu machen. Es gibt momentan kaum eine Möglichkeit der Nachsorge, die dringend notwendig ist. Das heißt Menschen, denen ein Bein oder Arm amputiert werden musste, müssen ohne Schmerzmittel noch Entzündungshemmer zurück in dieses Chaos. Sie können momentan allenfalls Medikamentation in der Erstversorgung bekommen. Sie haben keine Zeit der Rekonvaleszenz, sie erhalten keine Reha, keine Medikamente in der Nachsorge. Ob sie jemals Prothesen bekommen? Im Moment gibt es dort nicht einmal genügend Gehhilfen!

Dieses Erdbeben hat ganze Generationen von Einbeinigen – Menschen mit körperlichen und seelischen Behinderungen – geschaffen, wenn sie denn überleben werden!

Die Ärzte vor Ort sprachen aus, was auf der Hand liegt aber vielleicht einmal deutlich gesagt werden musste. Selbst die Menschen, wie der kleine Junge oben, die gerettet wurden und die wir daher in Sicherheit wägen, sind es nicht. In dem momentanen Umfeld von Staub, mangelndem Wasser, mangelnder Hygiene, den immer noch Tausenden verwesenden Körper der Leichen in den Trümmern, sind Infektionen etwas, dem die Schwerverletzten dort vor Ort kaum entkommen können. Das wird selbst für Leichtverletzte zur tödlichen Gefahr, für die Menschen, die dort Schutt zu beseitigen versuchen und sich nur eine einfache Schnittwunde zuziehen, die sich dort unter den gegebenen Umständen entzünden muss. Menschen, mit „nur“ einem offenen Beinbruch, sterben zur Zeit in Haiti daran. Haiti war vor dem Erdbeben schon ein armes Land, Tetanus-Impfungen sind dort kein Standard. Ihr wisst, was das heißt?

Als ich Kind und krank war, bei einer einfachen Erkältung, gab es Menschen, die sich um mich gekümmert haben. Allen voran meine Mum, die alles stehen und liegen ließ, mich liebevoll umsorgte, für mich kochte, Wickel machte – vor allem aber mich zu jeder Zeit und nach jedem Fiebertraum in den Arm nahm und mir dieses überlebenswichtige Vertrauen ihrer Liebe gab.

In Haiti werden Kindern, denen dieses Erdbeben die komplette Familie genommen hat, Gliedmaßen amputiert und dann liegen sie da notversorgt, sicherlich liebevoll betreut mit der wenigen Zeit, die die Helfer dort vor Ort haben. Sie haben keine Mama, keinen Papa, keinen Onkel, keine Tante, noch eine Oma oder einen Opa, keine Familien mehr, die sie jemals wieder in den Arm nehmen wird. Diese Kinder haben keinen Schnupfen. Sie sind schwer verletzt. Völlig traumatisiert. Und es ist kaum jemand da, der ihnen in diesem Chaos der Katastrophe akut die Last dieses schrecklichen Erdbebens abnehmen – noch Hoffnung auf eine Zukunft machen kann.

Das hat mich einmal mehr zerrissen. Dabei weiß ich insgeheim, ich habe immer noch nur einen Bruchteil dessen begriffen, was diese Katastrophe für die Menschen in Haiti wirklich bedeutet.

Hope for Haiti now
Rettungsanker Haiti
Ärzte ohne Grenzen
Ein Herz für Kinder