2016-06-12

Duschhaubencollection

Ich führte Euch neulich doch meine Duschhaubensammlung vor. Das praktischste Utensil für Hefeteige, seit es den Hefeteig (in Katzenhaushalten) gibt, wenn Ihr mich fragt.

Die bezaubernde Maike de Rose von „Berlin ißt Eis” (Nur richtig mit echtem Esszett) schenkte mir letzte Woche auf dem Foodiemeetup eine neue Haube, im Grunde die einer Bloggerin einzig würdigen Duschhaube – OMG! – es ist ein EINHORN!!!

Ganz lieben Dank, Maike, ich freue mich immer noch wie doll und verrückt!

2016-06-11

Markt

Der in Schöneberg, nähe Yorckstraße. Auch so ein Ort der Freude. Vor allem wenn Samstag ist, die Sonne scheint und man knapp zu der Zeit geht, in der in Schöneberg auch die Spätheimkommer wieder wach sind. Hier werden Samstags die Früchte feil geboten, die Freitag Abend am Maybachufer nicht weg gegangen sind. Je näher das Marktende sich hier nun nähert, um so sicherer, dass man eine ganze Stiege Erdbeeren für 2 Euro kaufen kann, kosteten vorher noch zwei Schalen einen Euro und fünfzig Cent, die Avocado gibt es für 10 Cent – natürlich so reif, dass die Guacamole noch am gleichen Tag zubereitet werde sollte. Vergnügliche Preise also – und viel Stimmung.

Der Markt hat architektonisch besonderen Charme, weil er wirklich nicht groß ist und sich zu den Damen mit Trolleys und Menschen mit Rädern (ich werde es nie verstehen) und zudem sich im Boden so schöne gepflasterte Rondelle befinden, die halb unter den Ständen vorblitzen, gerade so, dass man sie im Gedränge nicht sehen kann und schön stolpern kann. Aber man fällt nicht, die Gänge sind gerade an solchen Stellen sehr eng, der Andrang dementsprechend groß. Alles gut also.

Kunde, Typ noch nicht geduscht, Mode: Restdrogen im Blut läuft mit lauter, knarrender Stimme an Akzent durch die Reihen und ruft immer wieder: „Probierrrrrrän, sähr läckerrrrrrr. Probierrrrrrän, sähr läckerrrrrrr. Probierrrrrrän, sähr läckerrrrrrr.”
Marktverkäufer 1: „Richtig. Guter Junge.”
Marktverkäufer 2 (von gegenüber): „Böser Junge.”

2016-06-02

U-Bahn

Zwei Teenies, vielleicht 12-13 Jahre alt, sitzen mir in der Bahn gegenüber. Zwei Mädchen. Ein dazugehöriger Junge, der ab und an ins Gespräch geholt wird, steht etwas weiter weg. Das eine Mädchen bildhübsch mit dem Sitzhabitus eines Bauarbeiters, das andere Mädchen hat voll in die Kiste gegriffen: Akne und Zahnspange. Selbst ohne Brille eher Typ langweilig.

Natürlich haben beide ihr Smartphone in der Hand.

Mädchen, Typ Bau: „Und dann hab' ich ihm gesagt, da komme ich extra zu Deinem Geburtstag und Du stehst nur in der Küche rum.”

»Pause«

„Und später wollte er knutschen.”

Beide Mädchen deuten eher Ablehnung durch Ekel an beim Thema Knutschen.

Mädchen, Typ Strickliesl: „Ich bin soooo froh, dass ich keine Beziehung mehr habe.”

Davon abgesehen, dass ich stark annehme, sie hatte noch nie eine, spricht sie diesen Satz mit dem Tonus und der Altklugheit, wie ihn nicht einmal eine gestandene 95jährige ihn in die Runde werfen könnte.

Mädchen, Typ Bau: „Und WhatsApp ist soooo scheiße zum streiten! Das habe ich ihm auch gesagt, ich will nicht über WhatsApp streiten! Wenn ich dann nicht telefonieren darf, dann streiten wir uns per WhatsApp und dann liege ich nachts im Bett und heule.”

Beide gucken auf ihre Smartphones. Sekunden später hält Mädchen Typ Bau dem Jungen ihr Smarphone hin: WhatsApp-Nachricht. Sie zu ihm:

Du bist so ruhig heute?”

Junge, Typ Junge: „War zu früh heute.”

Mädchen, Typ Bau und Mädchen, Typ Strickliesl: „Ja ja, war mir auch zu früh heute.”

(Aus der Reihe: Menno! Und wir glauben immer WIR hätten Probleme.)

2016-05-31

Die Nachbarn kommen heute nacht wieder.

Nach vier Wochen Lanzarote. Perfekte Nachbarin, die ich bin, habe ich eben die Wohnung gesaugt, die Getränke kalt gestellt und werde nachher noch etwas Brot, Käse und Wurst besorgen.

Wie immer, wenn meine Nachbarn verreist sind, stirbt hier einer unserer betagten Nachbarn und ist eine meiner Katzen sehr krank.

Tally war sehr krank. Den toten Nachbarn finde ich auch noch!

2016-05-27

Brioche-Burger-Buns und meine Duschhaubensammlung



Seit aller Orten richtig gute Burger-Restaurants aufmachen und wir alle selber für Hamburger backen und grillen, hat sich in der (für uns Foodblogger vermeintlichen) Umgangssprache ein völlig neues Vokabular rund um den Burger aufgetan. Es darf nicht mehr Burger-Brötchen heißen, sondern Buns. Und das Grillfleisch ist auch keine Boulette mehr, sondern ein Patty. Wobei Boulette, Frikadelle, Fleischpflanzerl etc. eh nie ein Patty waren, es sind zwei gänzlich unterschiedliche Lebensmittel. Aber das ist ein anderes Thema.

Als neulich das Flüchtlingsmädchen, das bei meinen Freunden lebt, ihren sechsten Geburtstag feierte, war nach einigen Vorgesprächen klar: das muss ein rauschendes Fest werden. Immerhin ist es ihr erster Geburtstag in Deutschland und sie geht nun in den Kindergarten, hat Freunde und Freundinnen, da muss das kindliche Volk ordentlich bespaßt werden. Wir beschlossen für die Kinder Hamburger zum Essen zu machen, auch weil das ein Essen ist an dem die Kinder gut selbst Hand anlegen können. Es war übrigens eine sehr gute Entscheidung, die Zwerge haben Hamburger gebastelt und gegessen wie die Scheunendrescher! (Protipp: essbare Blüten in die Schüssel mit Gurken, Zwiebeln und Tomaten legen – in der Altersklasse der Renner!)

Mein Job im Vorfeld war es die Backmamsell zu geben. Ich buk Maccarons, Cake Pops und eben jene Burger-Brötchen namens Buns, weil wir den Kinder natürlich nicht diese riesigen Brötchen aus dem Handel servieren wollten. Da ich mich selbst vorher noch nie an diesen Backwaren vergnügt hatte, legte ich die eine und andere Probebackung hin. Auch aber nicht nur, um das beste Rezept zu finden, sondern vor allem, um die richtige Buns-Größe für einen Kindergeburtstag herauszufinden. Was tatsächlich keine so dumme Idee von mir war, denn die ersten Ergebnisse waren einfach zu riesig.

Dieses Rezept lässt geschmacklich ganz feine leichte Buns gelingen, die dennoch ausreichend fest sind, um dem Burgergebilde ausreichend Stand zu geben – und die vor allem sich von Saucen – auch direkt auf das Brötchen aufgetragen – nicht durchweichen lassen. Übrigens sind das akzeptable Frühstücksbrötchen.

Um es vorne weg zu nehmen: ein für kleine Kinderhände von 4-10 Jahren praktikables Buns sollte aus ca. 30 Gramm Rohteig geschliffen werden. (Buns für Erwachsene sind ab 50 Gramm aufwärts gut dabei.)

Von den Rezepten, die ich ausprobiert habe, hat mich das Brioche Burger Buns-Rezept von Highfoodality am meisten begeistert. Übrigens ist das Rezept creezy-sicher (also idiotensicher), denn ich habe es in unterschiedlichen Variationen mit selbst eingebauten besonderen Herausforderungen aufgrund vorliegender Schusseligkeit für Euch getestet!

Noch ‘ne Anmerkung: tatsächlich habe ich dieses Rezept nie mit Weizenmehl gebacken, weil bei den Kinder-Buns Dinkelmehl eine Vorgabe war. Also 500g Dinkelmehl tun es auch ganz prima! Die Mehlmenge habe ich leicht erhöht, denn es ist ein sehr feuchter Teig.


Zutaten (ca. 8 Brötchen à 60 Gramm, ca. 16 à 30 Gramm)

3 Esslöffel warme Milch
200 ml warmes Wasser
2 Teelöffel Trockenhefe oder ein Eckchen frische Hefe
2,5 Esslöffel Zucker
2 Eier (Größe M) (1 Ei kommt in den Teig, das zweite Ei ist für das Bestreichen der Brötchen – beide Eier sollten Zimmertemperatur haben)
425g Mehl Typ 550
60g Mehl Typ 405 (plus Mehl zum Verarbeiten)
1,5 Teelöffel Salz
80g weiche Butter
Sesam


Zubereitung

Den Zucker und die Hefe in der Milch und dem Wasser auflösen und ca. 15 Minuten zu einem Vorteig gehen lassen. Derweil ein Ei schaumig rühren. Das Mehl mit dem Salz mischen und die Butter zugeben und das mit der Küchenmaschine zu einem klumpigen Teig (Streusel) verarbeiten.

Den Vorteig sowie das gerührte Ei zum Mehl hinzugeben und ordentlich kneten. Ich lasse ihn in der Küchenmaschine bei Stufe 2 gute zehn Minuten bearbeiten. Solange sollte man ihn, wenn analoge Betreuung, auch mit der Hand bespaßen. Der Teig wird seidig und ist relativ feucht.



Die Schüssel wische ich ganz leicht mit wenig Öl aus, damit sich der Teig nachher besser aus ihr lösen kann. Ziehe meine wundervolle Duschhaube – die wirklich die allerbeste Variante für ein gutes gesundes, warmes und vor allem: zugloses Hefeklima schafft – über die Schüssel und stelle die Schüssel ins Bett unter die Bettdecke. Leider weiß ich nicht mehr, woher ich diesen Tipp mit der Duschhaube für Hefe habe – aber der war richtig richtig gut! So gut, dass ich mittlerweile ein Adlerauge habe für schräge Duschhauben. Danke für den Spaß!





Im Originalrezept steht der Teig soll eine Stunde lang an einem warmen Ort stehen. Mein Teig ist bei allen Versuchen mindestens 2-3 Stunden gegangen, denn nach nur einer Stunde hatte er sich nie verdoppelt. Dafür hat er aber auch einen Lufteinschluss wie im Träumchen:



Nach dem er sich im Bett schön ausgeruht hat, dürfte er so aussehen:



Ist der Teig ausreichend gegangen, etwas Mehl auf die Arbeitsplatte geben und den Teig darauf fließen lassen. Ja fließen, der Teig ist unglaublich sexy in seiner Konsistenz!



Den Teig ganz vorsichtig weiter drücken und ca. zwei Mal von allen vier Richtungen von außen zur Mitte vorsichtig falten, aber nicht die ganze Luft heraus drücken. Dann den Teig mit dem Schuss nach unten zu einer Rolle formen und mit einem Teigschaber und einer Waage jeweils Teigteile in gewünschter Grammmenge abstechen.



Diese werden dann einmal kurz gefaltet und dann von oben nach unten solange zart gezogen bis die Oberfläche ordentlich Spannung bekommt. (Ich poste unten dazu noch ein, zwei YouTube-Clips, die das sehr gut erläutern). Am Ende werden die Brötchen mit einer Hand rund geschliffen. Man legt sie auf die bemehlte Arbeitsplatte und führt sie mit der unteren Handfläche in dem man sie leicht im Kreis dreht in eine runde Form.





Dann ab mit den Brötchen auf das Backblech – bitte gut Platz lassen, denn sie werden noch ordentlich wachsen – und noch einmal an einem warmen Ort (im Ofen) ca. eine Stunde gehen lassen.



In der Zwischenzeit das zweite Ei, das nicht zu kalt sein darf, sonst macht es Euch die letzte Gare kaputt, verquirlen und ganz vorsichtig die gegangenen Brötchen damit einpinseln. Bitte möglichst gar keinen Druck dabei ausüben. Die Brötchen mit Sesam bestreuen und – so sagt es das Originalrezept – bei ca. 200 Grad Celsius für ca. 20 Minuten im vorgeheizten Ofen auf der mittleren Schiene backen.

Bei meinem Ofen sind 200 Grad viel zu viel, da werden sie zu braun. Ich backe sie bei Ober-/Unterhitze bei ca. 170 Grad und auch nur 15 Minuten.



Nicht verkehrt ist es, den Ofen ein bisschen einzuschwaden. Das heißt dem Backprozess etwas Feuchte zuzuführen. Dazu spritzt Ihr mit einer Wasserspritzflasche kurz vor dem Einschub der Brötchen ordentlich Wasser in den Ofen und macht sofort wieder die Tür zu. Und direkt nach dem Einschub nochmals ordentlich sprühen – aber bitte nur unterhalb des Bleches! Dann könnt Ihr förmlich zugucken, wie die Brötchen im Ofen noch einmal mehr aufgehen. Es ist ein wunderschönes Backerlebnis.


Protipps aus … ähem Gründen:

Ihr könnt das zweite Ei versehentlich oder auch absichtlich mit in den Teig geben. Der Teig wird dann etwas „briochiger”. Das tut dem Ganzen aber gar kein Abbruch. Wenn er dadurch zu feucht wird (was er wird!), spendiert Ihr ihm nochmals ein bis zwei Löffel Mehl.

Ihr könnt die Butter vergessen. Ob mit Absicht oder ohne, ist egal. Dann wird der Teig etwas fester.

Und nochmal, weil's wirklich wichtig ist: das Ei zum Bestreichen muss warm sein, nicht direkt aus dem Kühlschrank nehmen. Streicht die Brötchen so sensibel wie möglich sein. Das ist der einzige Punkt am Rezept, bei dem Ihr es noch mal verderben könntet. Wenn Ihr mehrere Bleche nacheinander backt, die Buns erst kurz vor dem Einschub in den Ofen bestreichen.

(Fragt mal, woher ich DAS alles weiß.)

Diese Buns kann man gut schon ein paar Tage vorher backen und in einem Gefrierbeutel einschweißen bzw. einfrieren. Die müssen nicht einmal zwingend aufgebacken werden, lassen sich also gut auf Vorrat zubereiten. Eine ganz sichere Nummer. Vor allem: eine ganz herrliche Nummer!

Der Brotdoc zeigt anschaulich, wie man den Teig vorsichtig faltet. Wenn Ihr keine Panflöte mögt, macht ruhig den Ton aus – er sagt eh nix.

Backen zum Steak erklärt ganz gut, wie man die Brötchen formt (ohne Schleifen). Vor allem hat der auch die richtige Musik im Hintergrund.

2016-05-26

Und noch einmal Lobetaler Bio-Molkerei

Ich habe den Bio Company-Ausflug vorletzten Sonntag nicht alleine gemacht, Eva von Dental-Food war mit dabei. Und hat nun in ihrem Blogbeitrag „Barfuß oder Lackschuhe?” auch darüber berichtet.

Und sie macht darin mit dem Thema auf, dass uns beide sehr umgetrieben hatte, schon während und nach der Tour: das Rentnerdasein. Also dieses Rentnerdasein! Das grauhaarige (ja, es gibt natürlich auch andere), konsumierende, meckernde, unzufriedende, nur noch an Oberflächen agierende Rentnerdasein.

Für uns war im Erleben diese Tour ein großer Bruch, denn der Bus war vollbelegt mit Menschen, die allesamt schon grauhaariger Natur waren (bis auf zwei jüngere Damen). Daran ist nichts Schlechtes, aber der Anspruch dieser Leute – bis auf wenige Ausnahmen – an dem besonderen Thema, der war sehr unterschiedlich zu unserem.

Nun ist Eva in diesem Jahr 65 geworden, ich werde 51. Wir beide haben uns da (nicht nur) visuell doch sehr abgehoben. Und ich möchte das nicht als fishing for compliments verstanden wissen. Die Kluft war so massiv, weil wir beide nicht so weit weg sind von dem Alter der anderen Teilnehmer – vielleicht zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre. Und mich hatte dieses Erleben umgetrieben, weil ich die ganze Zeit denken musste: „Wann? Wann passiert das eigentlich, dass man dann doch so alt wird? Wann legt sich dieser Schalter um? Kann man das an irgendetwas fest machen? Wann hat man das Bedürfnis mental satt zu sein? Wann wird man so ungnädig zu anderen Mitmenschen?”

Zur Information, diese Informationstouren der Bio Company kosten ein eher geringes Geld. Damit wird höchstwahrscheinlich der Bus finanziert. Das ist schon ein idealistisches Entgegenkommen – weil das, was man dafür bekommt, so ich es erlebt habe, immens viel ist. Wenn man denn annimmt, was man auf so einem Ausflug bekommen kann: tief gehende Informationen zum Produktionsprozess, Produkte quasi vor dem Entstehen zum Anfassen und bei Thema Bio natürlich dieses Vermitteln eines anderen landwirtschaftlichen Grundverständnisses bis hin zur politischen Diskussion. Aber hey: das Thema ist Bio! Das weiß ich vorher.

Bei dieser Tour jedoch: Bequemlichkeit wurde groß geschrieben. Es ist am Anfang nicht alles glatt gelaufen, der gemietete Bus war kaputt. Es musste ein Ersatzbus her, der kleiner war. Einige der Teilnehmer verzichteten mit einem sehr großzügigen Angebot der Bio Company hinsichtlich einer Wiedergutmachung und gingen nach Hause. Die, die dabei blieben, mussten auf den Ersatzbus warten. Das alles verlief selbstbestimmt. Das kann passieren, da steckt man als Organisator nicht drinnen. Aber damit legte sich schon über diese Tour so eine launige Stimmung.

Und vor Ort, ja klar, nicht jeder kann mit siebzig Jahren noch viel laufen oder lange stehen – aber ich frage mich, ob man solche Bedürfnisse nicht mit Hilfsmitteln (z. B. Stuhl) für sich selbst im Vorfeld regeln kann, da man sich ihnen bewusst sein solle. Aber nein, lieber verdirbt man den anderen über das eigene Gebrechen ihr Erlebnis – in dem man mitten in der spannenden inhaltlichen Diskussion über den Kopf weg der anderen den Abbruch fordert, weil es einem jetzt reicht. Und bevor jetzt falsche Vermutungen aufkommen, nein, wir wurden nicht gezwungen, die ganze Zeit bei der Führung anwesend zu sein. Davon abgesehen, kann man so etwas so und so kommunizieren. Hier wurde so kommuniziert, dass man sich manchmal fragen musste in welchen schlechten Film man geraten war.

Das ist hart, wenn man einen sehr engagierten Menschen vom Fach vor sich hat, dessen Intention so abgebügelt wird – weil einzelne Personen ihren Bedarf an Entertainment gedeckt sehen.

Anderes Beispiel: ein Teil der Führung fand in der Produktion statt. Dort ist es sehr laut, denn die Kühlung läuft. Eine der Teilnehmerinnen bat – nachdem sie sehr lange ausgehalten hatte – ob man nicht den Standort wechseln könnte, weil sie aufgrund der Lautstärke der Umgebung schwer verstehen konnte, was gesprochen wurde. Eine ganz legitime Bitte und sie wurde von ihr auch als Bitte vorgetragen. Ihr glaubt nicht, was da los war. Wie diese Frau von den Hyänen angegangen wurde – nur weil sie äußerte, dass man im äußeren Umfeld der ca. 30 Personen schlecht verstehen konnte. Da wurde von alten Leuten ein Altersdiss abgelassen („soll sie sich gefälligst ein Hörgerät anschaffen”), das kann man sich nicht vorstellen!

Ich möchte nicht wissen, wie diese Tour abgelaufen wäre, wären da Familien mit kleineren Kindern mitgefahren – so wie die da drauf waren. (Mensch, habe ich Kinder in dem Bus vermisst.)

Es war auf menschlicher Ebene stellenweise sehr unangenehm.

Nun mag es sein, dass unsereins – als Blogger, netzaffine Person – hier sich von der breiten Masse über die Jahre anders entwickelt hat. Klar, ich kenne es kaum noch, dass ich solche Unternehmungen oder Events wahrnehme, wo das Interesse am Thema eher weichgespült ist. Man trifft sich vorrangig mit Menschen, die mindestens das Interesse an dem Thema verbindet. Und dass ein Blogger, Foodblogger der ersten Stunde (das sind die Foodblogger für mich, die selbst kochen mit Blick auf die Herkunft eines Produktes) natürlich von vorne herein schon anders im Thema drinnen ist und tieferes Interesse hat, ist klar. Gilt für alle anderen Themen auch. Man ist über ein Thema schneller eine Gemeinschaft – die natürlich ihre eigenen Komplikationen mit sich bringt. Und da sind die Ansprüche am Input gemeinschaftlich gehoben.

Aber so eine graumilierte Kaffeefahrt – schwierig. Falls jemand den Bann der spannenden Bio Company-Touren brechen möchte, Ausflugsziele gibt es auf der Homepage. Schon Sonntag geht es mit dem Rad durch Berlin zu Imkern, Gärtnern und Manufakturen.

Aber wann nur passiert es, dass man so grummelig altert?

2016-05-25

Verliebt in meine Hood

Morgen ist hier wieder Sperrmüll. Die Wohngenossenschaft lässt alle zwei Jahre große orange Autos vorfahren, damit wir unsere Keller leer räumen können. Das ist schon für sich wirklich sehr charmant.

Mit meiner einen Lieblingsnachbarin (Hund) unterhalte ich mich neulich, weil ich ein paar Sachen aus dem Keller los werden will, die wirklich schwer sind, wie ich die zum Müllplatz (wir müssen den Müll zu einem von drei Plätzen bringen, der von unseren Häusern aus etwas weiter weg liegt – also nicht wirklich weit, aber die Strecke wächst so komisch, wenn der Kram schwer ist, den man dorthin bringen will) bekomme. Es gibt auch einen Lkw-Service für sehr große sperrige Sachen. Muss man aber für telefonieren. Mit dem Telefonieren habe ich es nicht so, weswegen man für mich die E-Mail erfunden hatte. Außerdem braucht man dazu eine besondere Nummer vom Hausmeister, die ich klugerweise neulich gelöscht habe.

Ich räume vorhin im Keller, sortiere viel aus. Schmeiße viel weg. Stelle viel nach vorne in den Vorraum. Lasse den Sessel erst mal noch stehen – und habe das Gefühl, der Keller ist immer noch viel zu voll. Ist er auch. Aber das sind alles Dinge, die in den Hausmüll können, wenn ich sie in zwei Jahren immer noch nicht bei ebay reingestellt habe.

Dann backe ich Burger Buns. Nur so. Weil ich sie backen wollte, weil Burger Buns backen mir gut tut.

Die Burger Buns sind fertig. Währenddessen findet jetzt im Hof Völkerwanderung von Nachbarn mit Möbeln statt. Klar, alle die morgen vormittag arbeiten müssen, stellen jetzt dort alles hin. Da klingelt diese eine Lieblingsnachbarin, sie sieht gerade wie Sau aus, weil sie ihren Keller ausgemistet hat, wäre auf Betriebstemperatur und ob sie mit mir meinen Kram noch schnell nach hinten schleppen soll.

Habe ich nicht nein gesagt und schwups, haben wir mit drei Gängen alles dorthin entsorgt.

Dafür hat sie jetzt eine Tüte Buns bekommen und für die anderen Lieblingsnachbarn (Nichtmehrnachbarbabyjunge und Baby) bei ihr im Haus habe ich auch noch eine Tüte mitgegeben, weil die auch gerne auf dem Balkon grillen. Habe ich nur noch für mich vier Buns. Kann ich wieder backen.

So ist das hier. Ich liebe es sehr!