Der arme Autor des Grillmaster 2000 ist verwirrt …
und fragt in seinem grillmaster 2000-Blog äh Tagebuch: Zwingt 'die Agentur' die Leute oder sind die selber blöd? (nehmt den Kommentar vom 1.3.2006)
Ach Grillmaster, Dir helfe icke doch jerne über'n Bürgersteig:
Die Agentur zwingt die Leute. Der Fallmanager erklärt seinem Klienten, 'ab heute schreibst Du 20 Bewerbungen im Monat.' Shiet egal, ob der Arbeitsmarkt für die Qualifikationen dieses Bewerbers 20 Ausschrei-
bungen überhaupt hergibt. Also schreiben die Leute in ihrer Verzweiflung auch schon mal auf Stellengesuche, deren Ansprüche sie nur zu 50 % und weniger erfüllen. Dem Fallmanager ist's scheiss egal, ob er Leute wie Dir, die Wichtigeres zu tun haben, damit unnötige Arbeit bereitet: der braucht Quote. Den Bewerber plagen da schon größere Qualen im Wissen um Deine knappe Zeit, aber diese Qualen helfen ihm nicht weiter, droht doch der Fallmanager bei Verzug mit Kürzung der Leistungen. Capice?
Gelegentlich schreiben natürlich auch Menschen in großer Verzweiflung auf Stellengesuche, weil sie einfach nur dringend Arbeit brauchen oder Bewerbungen schreiben sowieso die einzige Aufgabe ist, die sie haben im Leben. Tendenziell würde ich dem einen oder anderen Bewerber sogar zutrauen, das dieser sich zwischen Vertragsunterzeichnung und dem Beginn der Tätigkeit in drei Wochen mehr Perl-Know How aneignet, als es so mancher Informatik-Student in vier Semestern vermag.
Aber keine Sorge: der 'Arbeitsmarkt' hat mittlerweile gute Gegenmittel erwogen, die uns Arbeitslosen den Nachweis unserer Bewerbungs-
bemühungen noch ein bisschen schwerer gestalten lassen, dafür lassen sich so aber alle per E-Mail eingehenden Bewerbungen gut abspeisen:
'Sehr geehrte Bewerberin, sehr geehrter Bewerber,
vielen Dank für die Einsendung Ihrer Bewerbungsunterlagen. Mit so vielen Interessenten haben wir nicht gerechnet. Wir bitten um Geduld und Verständnis, dass wir Ihre Einsendung nicht persönlich beantworten können.
Wir werden unsere Auswahl in spätestens drei Monaten abge-
schlossen haben. Wenn Sie dann nichts von uns hören, sagt dies nichts über Ihre Fähigkeiten aus. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeitssuche.
Mit freundlichen Grüßen'
Diesen Text mit passendem Artikel habe ich Ende Februar auf spiegel.de gelesen. Seither regnen solche 'Pro Forma'-Absagetexte nur noch in mein Postfach. Sollte ich 'ne Regel basteln à la: 'wenn die e-Mail folgende Wörter enthält: 'viele' + 'Interessenten' + 'nicht persönlich' + 'Auswahl' + 'nichts' + 'ihre Fähigkeiten' + 'viel Erfolg' – dann direkt in das Postfach 'Absagen' sortieren?
mit müden Grüßen
creezy



