2012-09-09

Manchmal macht Internet einfach Hals.

Bei mir. Seit gestern. Thema: Bettina Wulff. Frau Wulff wurde, als es ihrem Mann aufgrund seiner Verfehlungen an den Kragen ging, in einer widerlichen Art und Weise – wie man heute weiß – von Parteifreunden ihres Mannes denunziert, nämlich dergestalt, wie man Frauen seit Jahrhunderten am besten in der Außenwelt schädigen kann: man stempelt sie als öffentliche Dame a. D. ab.

Das Verhalten wirft drei massive Tendenzen auf, die kaum noch zu ertragen sind. Die öffentliche Demütigung und Schädigung einer Frau, weil man ihrem Mann schaden wollte. Diese Frau – so wenig ich CDU- noch Wulff-Fan bin, ganz im Gegenteil – das muss ich ihr zugestehen, hat letztendlich ihre Sache als sogenannte First Lady ziemlich gut gemacht. Sie ist vergleichsweise jung in eine Aufgabe gekommen, in die sie nie gewählt wurde. Was viele der Klugscheisser akut vergessen, die die Verfehlungen von Wulff auch ihr in die Schuhe schieben wollen: Frau Wulff war politisch nicht aktiv, noch Ministerpräsidentin, noch Bundespräsidentin, sie ist lediglich die Ehefrau des höchsten Staatsoberhauptes a. D. unseres Landes und ist somit in eine Funktion gehoben worden, die die Berufswahl ihres Mann ihr zwangsläufig auferlegt hat. Diese Aufgabe hat sie angenommen gut und würdevoll erledigt. Und nein, wer glaubt, das sei ein toller Job und die Erfüllung eines weiblichen Berufslebens in netten Kostümchen Staatsbesuchern die Hand zu reichen und immer nett gestimmt zu sein, soll weiter an Märchen glauben. So kann man das natürlich emanzipatorisch hinterfragen, es ist aber immer Privatsache von ihr. Sie in die ganze Kampagne einzubeziehen, unfair, denn letztendlich ist es auch mit Job einer Ehefrau des Bundespräsidenten gegeben ausdrücklich die Klappe zu halten, sie konnte sich nicht einmal wehren in dieser damaligen besonderen Krisensituation. Wir sollten generell das Wort „Freund” aus dem Begriff „Parteifreund” entfernen.

Die andere Tendenz ist der Beweis aus diesem Vorgehen, wie sehr weit weg doch die Mitglieder der CDU (natürlich auch CSU) vom heutigen Leben und Gesetzesumfeld denken und handeln. Prostitution gilt seit Jahren in diesem Land als legal. Wenn Frauen, die dieser Tätigkeit nachgehen oder nachgegangen sind, von Politikern immer noch dergestalt vorgeführt werden, als würden sie sich einer Verfehlung strafbar machen, dann stimmt etwas ganz massiv nicht in den Hirnen dieser „Staatsträger”. Ich hoffe sehr, dass auch die zweibeinigen Dinosaurier in dieser Welt endlich aussterben mögen. Vielleicht sollten aber auch nur mal alle öffentlichen Damen die zu ihnen und bei ihnen kommenden Politiker öffentlich machen. Dann hätte wenigstens diese Art der Verlogenheit ein praktisches Ende.

Eine dritte Tendenz, vermutlich die traurigste in der ganzen Sache: Journalisten, auch solcher von bis dato als halbwegs gründlichen Journalismus bietenden Medien, haben diese Vorwürfe nachgeplappert ohne auch nur halbwegs ordnungsgemäß zu recherchieren und zu hinterfragen. Die schreibende Meute ist blind vor Bluteifer in der Masse mit gerannt und hat die Beute in aller Öffentlichkeit zerfleischen wollen. Bewusst, gewollt. Alle journalistischen Regeln über Bord werfend. Frau Wulff zwei Kinder. Zwei schützenswerte ahnungslose Kinder, diese hat die deutsche Journaille gerne gleich auch geopfert. Übrigens: die gleiche Journaille, die heute weiß, welche Parteifreunde sich für die Gerüchte verantwortlich zeigen, nennen deren Namen natürlich nicht. Selbst die FDP-Politikerin, die dergleichen Vorwürfe in ihrem Blog kommunizierte, muss sich einer öffentlichen Gegenüberstellung nicht sorgen!

Frau Wulf geht nun gegen diese Behauptungen juristisch vor. Daher glaubt das halbe Internet sie weiterhin brüskieren zu dürfen. Das macht mich unglaublich wütend. Juristisch interessant ist dabei ihr Vorgehen gegen Google. Gestern stehe ich im Supermarkt an der Kasse und ein junges Paar, ca. Anfang 20, thematisiert hinter mir die eingereichte Klage von Frau Wulff. Sie erklärt ihm den Sachverhalt bezüglich Google mit der nun immer automatischen Verknüpfung ihres Namens mit den bekannten Begriffen des horizontalen Gewerbes. Er zuckt nur die Schulter und meint (wir kennen das: Google hat 125.998 Treffer, als wird es schon stimmen!) „Na, das wird dann wohl doch auch seine Richtigkeit haben!”

Hat es eben nicht. Mittlerweile hat man nämlich dann doch in den geneigten Fachkreisen recherchiert und musste feststellen, die damals geäußerten Aussagen hinsichtlich Frau Wulffs' angeblicher beruflicher Vergangenheit berühren in keiner Weise die Realität.

Natürlich kann Frau Wulff bei alldem kaum noch gewinnen. Das beweist das kleine eben von mir geschilderte Supermarkthistörchen. Frau Wulff reicht die Klage pünktlich zum Erscheinen ihres literarischen Werkes ein und man beschuldigt sie, dies nur zu Werbezwecken zu tun. Was übrigens völlig legitim wäre, auch Frau Wulff hat als ehemalige First Lady sehr wohl das Recht die üblichen Gesetze hiesiger Marktwirtschaft anzuwenden. Vielleicht aber nutzt sie auch nur die mediale Aufmerksamkeit, der sich gerade sehr blind ihre ehemaligen Feinde, heute wieder Pseudofreunde, bedienen, um darauf hinzuweisen, in welcher Art und Weise ihr Unrecht geschehen ist. Klar, wer letzte Woche noch schön von ihrem Buch schwärmte, muss diese Woche auch über die Klage zwangsläufig schreiben. Sie ist Journalistin, sie kennt diese Regeln. Sie hat auch alles Recht der Welt sich nun dieser Regeln zu bedienen. Im übrigen bin ich mir sicher, dass eine Klage gegen Google vorzubereiten, ein juristischer Akt ist, der sehr gut und genau vorbereitet sein will und somit ausreichend Zeit beansprucht. Auch dazu hat sie mit ihren Anwälten das Recht. Es ist ein kluges Vorgehen dies besonnen anzugehen.

Derzeit stehen die Chancen gut, dass ihre Klage gegen Google vor Gericht nicht erfolgreich beschieden werden dürfte. Präzedenzfälle der Vergangenheit lassen dies vermuten. Sollte sie trotzdem gewinnen, wird sie dennoch nicht gewinnen können. Denn man wird Justitia in ihrem besonderen Fall die juristische Unabhängigkeit absprechen.

Der Punkt hierbei ist aber: wann immer die Kinder von Frau Wulff ihren Namen googlen werden, wird er ihnen gegenüber unsachgemäß mit einer Berufung präsentiert, der sie nicht gefolgt ist. Dabei ist egal, welcher Berufung. Es ist nun erwiesen die Unwahrheit. Frau Wulff muss sich ein Leben lang erklären. Alleine deswegen wünsche ich Frau Wulff hier einen Rechtsspruch zu ihren Gunsten.

Man hat ihr massiv geschadet. Mit den ältesten unfairen Mitteln der Welt, die leider auch heutzutage in unserer Gesellschaft nur allzu gut noch funktionieren. Wer das lustig findet und zudem Schwanzträger ist (meinem nichtrepräsentativen Gefühl nach reißen gerade hauptsächlich Männer in den sozialen Werken diese Witze, muss historisch bedingt sein), sollte sich mal überlegen, wie er sich fühlen würde, wenn das mit seiner Mutter, Schwester, Frau, Freundin geschähe. Nein, das ist nicht lustig!

Bester Artikel dazu im Web von Michaelis Pantlouris. Lesempfehlung.

Interessant ist dieser Artikel, denn Google kann offensichtlich auf Lobbyzuruf die Schlagwortvariablen ändern.

2012-09-08

Ist ja irre!

Diese Foodbloggerin Alexandra Neafotografiert „The Art of Afternoon Tea” nicht ihr Food. Sie zeichnet es! Und wie sie es zeichnet!

2012-09-07

Mensch, mensch, mensch …

was wir so alles mit uns Bloggern erleben …

My poor heart is achin‘

Ich weiß nicht wann, irgendwann muss ich Glumm/500 Beine aus den Augen verloren haben. Mittendrinnen in diesem ganzen eigenen Gedöns. Und dann bekommt der Kerl einfach einen Herzinfarkt.

Das eigene Facebookprofil in eine Seite wandeln …

Wann man das nur tun sollte, was man dabei wirklich beachten muss, dazu hat Kerstin Hoffmann, die deutsche PR-Bloggerqueen einen sehr guten Artikel geschrieben. Sehr hilfreich!

2012-09-05

Herr! Wirf Hirn …

Vorgestern beim schlimmen Discounter entdeckt: Bruschetta. In der Tiefkühltruhe. Für den nicht italienischen Küchenkonsument: Bruschetta wird gerne in italienischen Restaurants als Hors d'oeuvre gereicht. Also wurde früher als Hors d'oeuvre, seit die Restaurants wissen, der Kunde mag das Zeug, wird es in der Speisekarte aufgelistet, darf bezahlt werden und hat seither meist deutlich in der gereichten Qualität nachgelassen.

Bruschetta besteht aus einer kleinen Scheibe Weißbrot, beim Italiener würde man es Giabatta nennen. Ab und an wird es noch geröstet, so dass es warm auf den Tisch kommt – das ist dann ein Qualitätsmerkmal sondergleichen. Oben auf die Scheibe Brot kommt dann ca. ein Esslöffel kleingeschnittene Tomate hier und da verfeinert mit wahlweise kleingeschnittenen Zwiebeln und/oder Knoblauch und/oder frischen Basilikum und/oder Petersilie, immer mit einem Schuss Olivenöl.

Die Zubereitung von Bruschetta besteht also darin, dass man eine Scheibe Brot abschneidet ggfs. diese in einer Pfanne mit etwas Öl anröstet. Dann schneidet man eine Tomate und/oder Zwiebel und/oder Knoblauchzehe und/oder Basilikum/Petersilie klein und verrührt mit etwas Olivenöl und richtet auf dem Brot an.

Die Zubereitung von Bruschetta ist ein Witz. Das können auch die allergrößten Kochlegastheniker vor dem Herren.

WARUM also muss mir diese bescheuerte Foodindustrie diesen Witz von einem Essen in Plastikfolie eingeschweißt und Pappe verpackt aus dem Tiefkühler anbieten? WARUM? Ja, manchmal wünschte ich mir, es gäbe Dinge in dieser freien Marktwirktschaft, die würden verboten!

2012-09-04

made my day

Frau Nullzeitgenerator mit „mützeglatze” und verschiedene Perspektiven auf Schwanzologien.

2012-09-03

Herr M. ist nicht mehr.

Ich kannte Herrn M. gar nicht. Frau Lotta Lotter kannte ihn eigentlich auch nicht. Aber sie hat sich gekümmert. Einmal hat sie ihn getroffen, da war er schon am hinübergehen. Am Freitag, da hat sie ihm vorgelesen. Als sie Samstag nach ihm sehen wollte, hatte er es gerade geschafft. Herr M. war weit in seinen Achtzigern, Magenkrebsbesitzer, Vater von sieben Kindern und keines war da, bevor und als er starb.

Obwohl nun Herr M. Samstag gegangen ist, war er gestern, am Sonntag, mit Frau Lotta Lotter und ihrem Volvo, den wir beide sehr lieben, und mir auf Tour. Uli war auch dabei. Uli ist auch schon weg. Lange schon. Ich ehre die ehrenamtliche Arbeit von ihr, der Lotto Lotter, die Gespräche darüber, denn sie lehren mich viel über den Tod, die wichtigen Fragen beim Sterben, die wir heute für uns alle nicht auf dem Plan haben. Es fehlt uns doch allen an Erfahrung darin. Wenn es soweit ist, wird es zu spät sein die Dinge zu klären, die dann relevanten Fragen vorab beantwortet zu haben, das steht fest.

Da Frau Lotta Lotter Herrn M. erstmals traf, als er bereits nicht mehr kommunizieren konnte, wusste sie nicht, ob er Nähe mag oder was er überhaupt gerne mochte. Das ist schwierig beim Sterben mit der körperlichen Nähe, denn die menschliche Ehre lässt es nicht zu, den Sterbenden einfach anzutatschen – vielleicht sehnt er sich danach, vielleicht bereitet es ihm Qualen? Frau Lotta Lotter sagt immer, man muss so etwas aufschreiben. Wenn man zum Beispiel gerne zwischen den Zehen gekrault wird oder hinter dem Ohrläppchen, lieber auf dem Rücken liegen will, soll man das verflucht noch mal vorher aufschreiben. Wie sollen denn die Menschen im Hospiz wissen, was mann so gerne mag? Und was überhaupt nicht? Und nur wenn sie es wissen, können sie einem das Sterben so schön wie möglich machen, was doch in ihrem erklärten Sinn liegt: ein schönes Sterben unter gegebenen Umständen. Selber wird man sich kaum kümmern können in diesem Moment.

Frau Lotta Lotter hat Herrn M. also vorgelesen. Sie sagt, er schien entspannt. Jedenfalls war da nichts in seinem Gesicht an seinem Körper, das hätte erkennen lassen, er wolle das nicht. Ich fragte, „Was?” und sie sagte „Konsalik.” „Konsalik?!”, fragte ich zurück? „Ja”, sagte sie. Auch etwas unglücklich darüber die Schultern zuckend. Denn man weiß es nicht, vielleicht hat Herr M. Konsalik sehr gerne gemocht. Vielleicht auch nicht. Ich sage Frau Lotta Lotter, ich möchte bitte nicht Konsalik vorgelesen bekommen. Vorgelesen bekommen, finde ich an sich sehr schön und kann mir das auch für mich gut vorstellen. Ich sage, mir soll man lieber von Kishon vorlesen oder Max Goldt, Roald Dahl. Ich bekäme sicherlich gerne Bücher mit einem besonderen Humor vorgelesen. Ich habe nun sehr große Angst, man könnte mir, weil keiner weiß was ich gerne vorgelesen bekommen möchte, aus einem Hera Lind-Buch vorlesen wenn es soweit ist. Dann doch lieber die Bäckerblume.

Fatal wenn jemand glaubt, das wäre einem zu diesem Zeitpunkt längst egal. Ich bezweifle das stark. Ich weiß, wie ich leiden kann, wenn man mich mit der falschen Musik im Supermarkt beschallt. Und an der Kasse stehen ist ja nun längst nicht so ein intimer intensiver Moment wie mein Sterben. Also stelle man sich vor, man liegt da, stirbt – vielleicht über viele Tage – und wird von einem Lebenden vor dessen Lieblingsradiosender geparkt, aus dem Volksmusik erklingt. Musik fände ich nämlich auch schön, in Maßen. So wippend und zappelnd hinübergleiten, vielleicht bei richtig coolem Funk die Biege machen, stelle ich mir sehr charmant vor.

Nein, ich habe auch keine Ahnung. Ich kann mir nur vorstellen und es wird niemand meiner Vorstellung gerecht werden können, wenn ich nicht aufschreibe für meinen möglichen Hospizmoment, wie und was ich gerne mag.

Aufschreiben! Herr M., da danke ich Ihnen jetzt! Denn ich habe von Ihnen etwas gelernt. Nämlich, dass man sich rechtzeitig vorher mit viel Liebe betrachtet und sich überlegt, was man sich für sich wünschen würde, um einen möglichst schönen Übergang zu haben. Wer sich selbst ein bisschen mag, sollte sich diesen Moment im Vorfeld gut gestalten. Denn vielleicht können ja diese Wünsche eines Tages erfüllt werden. Ich glaube, es stirbt sich schöner mit letzten erfüllten Wünschen als mit reinen Vermutungen. Das beste Wohlwollen gepaart mit Unwissen, könnte wohl recht quälend sein. Also Herr M., machen Sie es gut!

Tipp von Frau Lotta Lotter: das Vorsorgebuch. Kaufen, ausfüllen, hinterlegen. Es ist heute ganz einfach, die unangenehmen Dinge zu regeln.

2012-08-30

So …

… alles was ich im Haushalt zur Zeit anfasse, geht kaputt: Waschmaschine, Vileda-Wischdings u.s.w. u.s.f.

Wo zum Henker sind die gutgebauten Putzhelfer im Slip, wenn man sie mal dringend braucht?

Verkaufe InDesign CS 5 Lizenz deutsch für Apple

Fakt 1: Die Lizenz habe ich Anfang letzten Jahres auf einem Treffen der InDesign-User-Group gewonnen und habe sie nie aktiviert. Es ist tatsächlich ein Key, mit dem man die bei Adobe herunter geladene Software frei schaltet (also keine physikalischen CDs/Paket etc.). Ich versende nach Zahlungseingang die Mail-Korrespondenz mit dem Key. Und kann an Eidesstatt erklären, dass dieser nie von mir oder anderen aktiviert worden ist.

Ich habe die Lizenz nie gebraucht, weil bei mir auf dem Rechner die Suite schon installiert war und hätte, wenn, lieber die damals aktuellere Photoshop-Version haben wollen. Aber so ein Tausch war wohl nicht möglich. Nun ja, gewisse traumatische Ereignisse im vergangenen Jahr haben die ganze Sache bei mir in den Hintergrund treten lassen, sonst hätte ich sie schon angeboten. Auf alle Fälle ist die Lizenz zum gängigen Markpreis auf die derzeit aktuelle InDesign CS 6 upgradefähig. Das habe ich von der Mitarbeitern von Adobe schriftlich.

Fakt 2: Die Waschmaschine ist nun endgültig kaputt. Ich brauche also derzeit dringend etwas Geld, um dieser Waschmisere zu entkommen.

Ich glaube € 500,– sind ein realistischer Preis. Wer mag, schickt mir einfach eine Mail an creezy at gmx.de. Bin für spontane Verlinkungen auch sehr dankbar.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!

Winkekatze & Putzekatze

Winkekatze nicht winkend, Putzekatze nicht schäumend …



2012-08-29

Mitläufer – wir gehen mit!

Ich möchte Euch ein sehr schönes Projekt vorstellen: Die Mitläufer – wir gehen mit und Euch einladen aktiv dabei mitzumachen.

Aufgeschreckt von einem Artikel in der FAZ, wie mit nach Arbeit suchenden Menschen bei der Arbeitsagentur bzw. den Jobcentern umgegangen wird, welche Regeln von Amtsseite verletzt werden, haben die Organisatoren mit Mitläufer eine Plattform im Netz entwickelt, auf der sich Menschen, die sich Begleitung für Amtsgänge, vorrangig bei den Arbeitsagenturen wünschen und Menschen, die als Zeugen, Trostspender, Motivatoren einfach mitgehen wollen, zusammenfinden können.

Warum so eine Begleitung, die von jedem von uns mit etwas Zeitaufwand aber ohne notwendiges Fachwissen aktiv durchgeführt werden kann, notwendig ist, kann in dem Artikel nachgelesen werden:

Die Jobcenter teilen ihre Kunden in mehrere Kohorten ein: arbeitsmarktnah, arbeitsmarktfern, nicht vermittelbar. Doch es gibt auch eine inoffizielle Kategorie: Kunden, die ihre Rechte kennen. Sie kommen oft zu zweit aufs Amt, begleiten sich gegenseitig. Insider berichten, das seien etwa zwei Prozent der Kunden. „Wären es fünf bis zehn Prozent“, so ein Insider, „könnten wir einpacken“.

Möglicherweise kann so ein Mitlauf dem einen oder anderen Zweifler an den realen Wünschen von Lanzgeitarbeitslosen Arbeit zu finden auch ein wenig die Augen öffnen für die tatsächliche Arbeitssituation in diesem Land. Und dem System der Hartzkonzeptionen. Dahingehend wie wenig tatsächlich unterstützend seitens der Agentur bei der Suche mitgewirkt wird, wie kontraproduktiv lieber an vielen Orten sanktioniert wird aus der Hilflosigkeit (oder aufgrund von Anweisungen von oben) heraus.

Mitmachen! Kostet nicht mehr als einen Tag Urlaub oder Freizeit! Oder verlinken, aufmerksam machen ist auch hilfreich.

Leon – Backen Herzhaft & Süß



Die charmante Katharina Hönk von Valentinas Kochbuch fragte mich neulich (endlich!), ob ich Lust hätte ein neu erschienenes Kochbuch zu rezensieren. Hatte ich! Für mich war es insofern eine besondere Herausforderung, weil ich a) mich als Waage nie entscheiden kann (koche bitte drei Rezepte nach!) und b) ich mich ja selten an Kochrezepte halten kann, was ich hier allerdings musste. Was für eine Gaudi!

Meine Rezension gemeinsam mit denen der beiden anderen Mitbäckerinnen lest Ihr drüben bei Valentinas Kochbuch! Ich bin die in rot.

Bleibt hier noch Fotos nachzureichen für das wirklich unglaublich leckere Eis: „>Brunos pochierte Erdbeeren mit Grüner-Pfeffer-Eiscreme”. Mit diesem Eis kann man auch Gäste begeistern, die nicht so auf Süßes stehen, bin ich mir sicher!



Von den Makronen gibt es kein Foto. Die und ich waren einfach kein Pärchen.

Ganz wundervoll fand ich die Französische Zwiebeltarte, weil sehr einfach und dünnteigig. (Dicke Pizzaböden hasse ich wie Mückenstiche zwischen den Zehen.) Alleine die Zwiebeln zu dünsten, war ein aromatisches Freudenfest! Wird übrigens mit Dinkelmehl gemacht, wer also mit Weizen ein Problem hat … nur zu!

Zutaten

Teig
125 g Dinkelmehl
1 Prise Salz
1 Prise Zucker
100 g kalte Butter in Stücken
4 EL Eiswasser

Belag

5 EL Olivenöl
2 Zwiebeln (in dünne Ringe geschnitten)
1 TL Essig
1 kleines Bund Thymian
50 g schwarze Oliven
6 Anchovis
Salz und Pfeffer
1 Ei


Zubereitung

Die Zutaten für den Teig werden vermischt und die Butter wird in Stücken so groß wie Knoblauchzehen ungefähr mit dem Messer eingearbeitet. Da der Teig nur kurz verknetet wird, bleiben die Stücke so erhalten und der Teig wird so ähnlich einem Blätterteig – nur in ganz simpel erstellt. Dann das kalte Wasser hinzugeben, verkneten, ab in Folie und in den Kühlschrank für mindestens 30 Minuten. Später wird er relativ dünn auf Mehl ausgerollt, maximal 3 mm dick und auf das Backblech auf Backpapier gelegt.



Die Zwiebelringe werden in Öl leicht angebraten, dann wird mit Essig ggf. zwei Esslöffel Wasser abgelöscht. Die Zwiebel kommen von der Pfanne und werden mit dem Thymian gewürzt. Der ausgerollte Teig wird mit den Zwiebeln, dann mit Anchovis und den (im Originalrezept entsteinten und in Hälfte geschnittenen, habe ich mir geschenkt) Oliven belegt und mit Salz und Pfeffer gewürzt. Den Rand mit dem Ei bestreichen.

Ab in den Ofen für ca. 25-30 Minuten bei 160 Grad/Gas Stufe 3.



Anmerkung, die hier angegebene Menge ist wirklich minimal (ergibt vier kleinere Fladen oder einen größeren) und ist sehr schnell gegessen – also bei mehreren hungrigen Essers lieber gleich die Teigmenge verdreifachen und die anderen Stücke nach Gusto mit anderen leckeren Dingen belegen wie z. B. getrocknete Tomaten und Mozzarella oder Salami und Pepperoni etc.

2012-08-28

Aussicht auf Kochbuchfreude!

Wer „So schmecken Wildpflanzen” gelesen und die wundervollen Rezepte daraus nachgekocht hat (ich glaube, meine gesamte Twitterfoodbloggertimeline hat bereits mehrfach den Holundersirup aus dem Buch zubereitet), der weiß, das Buch steht für ein wildes Bewusstsein an natürlicher Qualität.

Nun haben es der Meisterkoch Meinrad Neukirchner und Foodjournalistin Katharina Seiser, Katha von esskultur wieder getan und sich diese Mal das vegetarische Österreich auf die Koch- und Autorenstange geschrieben. „Österreich vegetarisch” erscheint am 17. September 2012. Es muss ein wundervolles Buch sein, denn alleine wenn ich an die vielen großartigen Mehlspeisen denke, für die die Küche Österreichs ja steht – und die ich persönlich über alles liebe!

Ich schätze an Katha so sehr, wie verdient sie sich für die österreichische Küche und natürlich Produkte macht, sich gleichfalls so stark für die Foodblogszene aus Österreich einsetzt – die tolle Blogs bietet!

Das neue Buch (als auch der Vorgänger) können bei Katha im Blog vorbestellt werden, wer bis zum 17.09.2012 bestellt, erhält die Lieferung ohne Versandkosten zugestellt und auf Wunsch auch mit Widmung der Autorin!

2012-08-27

Wandern

Yewa läuft seit Samstag zu Fuß von München nach Verona und erfüllt sich damit einen lange gehegten und geplanten Traum. Die Fernwanderin bloggt von der Reise in ihrem Blog: Auf Schusters Rappen.

Pasta mit Siedefleisch



Ich äußerte mich neulich schon angetan von diesem Kochbuchgeschenk „Trattoria-Tour Eine kulinarische Reise durch Italiens Lieblingslokale” von Bertolli. Man hat also quer durch Italien in den einfachen Restaurants der verschiedenen Regionen gespeist, offensichtlich gut und das eine und andere Rezept in dieses Buch geschrieben.

Es ist ein einfaches Kochbuch, dem man als Koch nachsehen muss, dass hier und dort dann bei den genannten Kochzutaten die Sugo oder das Pesto mit dem Firmenname verknüpft ist, aber dieser höflichen Empfehlung kann man elegant durch selber kochen entkommen, alternativ ihr auch einfach nachgehen. Bei Nennung von Knorr zum Thema Gemüsebrühe schüttelt es mich persönlich ein wenig, aber nu', das Buch ist ein Produkt der Marktingeinheit und soll es denn eben sein.

Zwei Rezepte habe ich bisher flugs nachgekocht. Das unglaublich gute Tomatenhuhn, dem leider kurz vor Einschub in den Ofen meine königsblaue Lieblingskeramikauflaufform zum Opfer fiel (ich will nicht darüber reden!), was die ganze Chose visuell unattraktiv werden ließ und das Rezept mit dem Siedefleisch, das sehr einfach und daher unglaublich lecker war.

Zutaten

Siedefleisch
500 g Suppenfleisch vom Rind
1 Suppengrün
1 Zwiebel
Salz und Peffer

Sugo
1 Kilo reife Cherrystrauchtomaten
2 Esslöffel Olivenöl
4 mittelgroße Zwiebeln
1 Knoblauchzehe
1 Esslöffel Zucker
1 kleine Dose Tomatenmark, dreifach konzentriert
Salz, Pfeffer
frische Kräuter: Thymian, Rosmarin, Oregano
Basilikum

Zubereitung

Das Rezept habe ich, wie immer, höflich zur Kenntnis genommen und mein ureigenes Ding daraus gedreht. Es ist schon erstaunlich, wie selten ich es hinbekomme ein Rezept 1:1 nachzukochen. Im Grunde genommen, ist es Suppenfleisch in Sugo zubereitet. Im Originalrezept wird es mit mit mehr Zwiebel zubereitet, auch kommt Salbei hinzu und wird lediglich mit Brot angereicht, ich sortierte Pasta dazu.

Zunächst wurde ein schönes Stück Suppenfleisch (ca. 500 g) mit einem Suppengrün, Zwiebel, Salz und Pfeffer aufgesetzt und durfte ca. 2 Stunden vor sich hin köcheln. Wenn es fertig ist, wird das Fleisch aus der Brühe genommen und in sehr kleine Stücke geschnitten. So klein, dass Fleisch mit Nudeln nachher von einer Gabel aufgenommen werden können.

Dann habe ich die einfach(ste) (pfui!) Sugo der Welt zubereitet, für mich die beste, die sich im Grunde selber macht. Die sehr klein geschnittenen Zwiebeln kommen ins Olivenöl und werden glasig gedünstet. Dann kommen die Cherrystrauchtomaten in den Topf und zwar ganz! Also so:



Ich pfeife auf Stengel entfernen, Kerne entfernen oder Gehäuse schälen. Das dem grünen Stengel der Tomate angedichtete giftig wirkende Solanin befindet sich dort nicht, sondern allenfalls in noch grünen Bereichen der Schale einer unreifen Tomate. (Und man müsste schon mehrere Kilo solcher Tomaten essen, bevor sich das Gift beim Menschen bemerkbar macht.) Je nach Tomatenart verkocht der grüne Ansatz mit Schale meist und selbst, wenn die Sorte eine härtere Schale besitzt: ich mag das Ganze der Frucht in meinem Sugo. Ich finde die Sugo mit etwas Haut und Kernen genau richtig und es täte mir in der Seele weh, so viel von der Tomate dem Abfall zu überlassen. Aber das ist jedem selbst vorbehalten, natürlich ließe sich meine Sugovariante zum Schluss mit dem Pürierstab klein mixen.



Wenn die Tomaten nach kurzer Zeit anfangen aufzuplatzen, streue ich etwa 1 Esslöffel Zucker darüber, nun kommt der klein geschnitten Knoblauch hinzu. Wer es mehr arabiata mag, gibt nun auch Chili nach Gusto dazu, ebenso Salz und Pfeffer und die frischen klein geschnittenen Kräuter. Das Ganze darf jetzt bei geschlossenem Topf und zurück genommener Hitze vor sich hin schmoren. Sind nach einer Weile die Tomaten so gut wie zerfallen, rühre ich das Tomatenmark unter. Tomatenmark nutze ich in diesem Fall einerseits zur Bindung, andererseits zur Farbgebung. Die Sugo wird so einfach deutlich hübscher, weil sehr appetitlich rot. Sie darf nun weiter auf ganz kleiner Hitze reduzieren und köchelt so zwei Stunden lang. Mindestens.



Ganz zum Schluss kommt das frische klein geschnittene Basilikum dazu. Da ich grundsätzlich einen großen Topf ansetze, wird die eine Hälfte der Sugo eingekocht (in mit heißem Wasser ausgespülte Gläser füllen, Deckel drauf, umdrehen: hält sich monatelang im Kühlschrank) oder eingefroren. So habe ich immer eine Portion auf Lager bei Bedarf und auch in weniger tomatenprächtigen Zeiten.

Hier kommt in die Portion jedoch das Siedefleisch und alles darf nochmals ca. 20 Minuten kochen. Serviert wird Sugo und Siedefleisch auf Pasta, auf Wunsch mit Parmesan.

Macht ziemlich glücklich. Schmeckt einen Tag später übrigens noch besser!

2012-08-26

Meine Güte!

Ich weiß nicht mehr genau, wann ich den Code von Statcounter in meinem Blog eingebunden habe. Schätzungsweise ein Jahr nach Start von Holy Fruit Salad.

Heute gehe ich mal wieder Links gucken, denn wenn ich ehrlich bin, nutze ich in letzter Zeit Statcounter hauptsächlich, um Blogs kennenzulernen, die auf mich verlinken. Ich habe im Schnitt 500-600 Leser werktags, ca. 400 am Wochenende (ohne Feeds). Jut ist's, also ist für ein deutsches 08/15 Blog, glaube ich, ganz okay.

Nun lese ich heute eine Zahl, die mich tatsächlich nun doch ein bisschen umhaut, denn die Millionen-Marke ist geknackt Das beeindruckt mich nun schon ein bisschen …



Irgendwie schön, das alles. Also dieses Bloggerleben mit Euch!

In diesem Sinne: Dankeschön! Für die Treue und das Wiederkommen, das Kommentieren, das mit mir leben, lesen, erleben, ertragen! Bleibt bitte gesund!

Rettet die Prinzessinnengärten!

Und wieder einmal soll in Berlin eine viel genutzte Freiraumfläche dem schnöden Kommerz geopfert werden. Mit dem Verkauf des Geländes der Prinzessinnengärten würden wieder ein Stück Berliner Subkultur sterben.

Gerade die Prinzessinnengärten tragen in diesem Umfeld als Naherholungsfläche bei und sind ein gelungener Ausgleich hinsichtlich der jüngsten Entwicklung in diesem Bereich der Stadt. Hier treffen Kommerz, Kunst und grüner Freiraum in einem ausgewogenen Maß aufeinander und machen den Bereich um den Moritzplatz besonders lebenswert. Dieses Umfeld gilt es zu schützen!

Die Petition an den Berliner Senat den Verkauf zu verhindern, kann hier gezeichnet werden!

2012-08-24

Hilfe ist nötig!

Ich besuche hier in Berlin oft die InDesign User Group. Eine meiner Mitstreiterin, Michaela, ist, wie ich gerade gelesen habe, im Mai mit einer Krebsdiagnose konfrontiert worden. Sie ist Freiberuflerin und musste daraufhin ihre Selbstständigkeit quittieren. das bedeutet letztendlich besondere finanzielle Not, da fehlt sogar das Geld für die Zuzahlungen der medizinischen Versorgung.

Die in diesem Link angebotenen Geräte bzw. die Software sind vermutlich schon verkauft. Aber jede noch so kleine Spende würde Michaela helfen durch die Therapiezeit zu kommen. Denn jetzt steht die Reha an.

Hier der Link zu betterplace.org.

Vielen Dank für das Mitmachen!

Edit, Dezember 2012: Michaela ist im November 2012 eingeschlafen.

Neues vom Allerweltstypen

Ich stehe gestern Abend am Kotti in der kleinen Fischhandlung. Souterrain. Ein Serviceladen in dem einen der Händler fragt, ob er die 300 g Sardellen noch ausnehmen soll!

Vor mir ist ein Kunde dran, der ordentlich einkauft, so dass ich versucht bin, mich bei ihm zum Abendessen einzuladen. Ich gucke mir das Angebot an und stelle fest, dass es wieder Muscheln gibt. In der Kühltheke liegt – außer Miesmuscheln – ein Sack Vonogelnmuscheln.

Kommt ein Typ rein, Helm unter dem Arm, grätscht den beiden ins Verkaufsgespräch und drängelt letztendlich sich somit vor meine Wenigkeit und raunzt den Verkäufer an, ob er denn Vongolenmuscheln hätte. Der meint ja und zeigt auf die Theke. Der Typ pflanzt sich zwischen den anderen Gast und mich, guckt auf den Sack und meint dann: „Die sind ja ziemlich klein, oder?” (sic!) Dann stellt er fest, er würde jetzt erst mal zu Bank gehen und der Verkäufer solle ihm den Sack reservieren. Und geht.

Ich gucke ihm hinterher, in mir schüttelt sich der Kopf. Ich gebe zu, kurzweilig bin ich versucht mein Abendessen auf Muscheln umzustellen.

Nun, ist so ein Verhalten in letzter Zeit in meinem Erleben leider keine Seltenheit mehr. Typen (ja, muss ich jetzt hier sagen: es sind hauptsächlich Typen) stellen sich im Vertriebsumfeld, das eine Wartesituation notwendig macht, mit einer primatösen Selbstverständlichkeit in die nächste noch so kleine Lücke, manchmal nicht einmal mehr das, und meinen damit, sie seien auf der Stelle dran zu kommen. Sie gucken nicht nach rechts, noch nach links mit einem völligen Unverständnis, dass sich dort andere befindliche Personen zufällig nicht just for fun dort aufhalten.

Jungs, die Art von Egonummer geht mir auf den Sack! Und wenn Ihr das nächste Mal von mir eine zynische Ansage bekommt (bis jetzt war ich immer höflich), nein, ich bin nicht zickig; ich hab's bloß satt.

2012-08-23

Kunstformen, die mir politisch nicht auf die Sprünge helfen …

Die Aufregung um die russische Mädchenkombo dieser Tage, war hierzulande enorm. Gelegentlich war ich geneigt – möge man mir bitte den Zynismus und die Abgeklärtheit meines hohen Alters nachsehen – die hätten die Gören in Russland installiert, damit hierzulande (und wahrscheinlich auch in anderen medialen Sommerlöchern weiterer europäischer Nationen) Merkel wieder irgendwelche Gesetzesvorlagen an uns (also mehr an unserer hiesigen beduselten Presse) elegant vorbei winken kann.

Ich muss mich wohl selbst als religiös schimpfen. Ich nenne Buddhismus zwar lieber Philosophie. Dennoch gibt es in meiner Philosophie ein paar glücklich machende Rituale, die das Gefühl einer religiösen Abhandlung aufkommen lassen; auch wenn ich das lieber Meditation (und es gerne mit Joggen gehen vergleiche) nenne. Was aber auch immer: ich schätze es persönlich sehr, dass in dieser Welt meiner Religion und auch in unserer Gemeinschaft, mich per se erst einmal niemand mit politischen Ideen, Kritiken etc. nervt. Es geht nicht ums Ausblenden. Wer mich kennt, weiß, ich bin eine politisch und dabei oft kritische Person. Aber Politik bitte dort, Religion bitte da. Beides mischen funktioniert nicht gut, das wissen, glaube ich, aus jahrhundertlangen Erfahrungen, die bis ins Heute reichen, alle ziemlich gut. Ich möchte nicht die bekannten Fehler anderer persönlich nochmals nachbilden. Zumal ich persönlich meine Religion/Philosophie sehr bewusst als einen Zufluchtsort fern von politischen Welten verstehe.

Ich kann Kritik an Putin verstehen. Wenn mir ein Politiker sehr suspekt ist, dann ist es er. Ich kann auch Kritik an der Kirche verstehen. Auch kann ich Kritik an der russisch-orthodoxsen Kirche nachvollziehen. Ansonsten verstehe ich verhältnismäßig wenig vom derzeitigen politischen System in Russland, mangels meiner Sprachkenntnisse. Ich bin auf die Deutung anderer angewiesen, die sich oft mit subjektiven Eindrücken mischen. Letztendlich kann ich nur ahnen, und das ist sicher nichts Gutes.

Aus meinem persönlichen Empfinden kann ich aber auch verstehen, dass es gläubige Menschen nicht lustig finden in einem Gotteshaus, ihrem persönlichen Zufluchtsort, von der politischen Meinung anderer penetriert zu werden. (Und penetriert habe ich an dieser Stelle sehr bewusst gewählt, das erklärt sich dann aus der Lektüre des unten verlinkten Artikels.) Protest, der in seiner Ausführung andere – unbeteiligte – Menschen verletzt, ob nun mental, physisch oder psychisch, ist immer kontraproduktiv. Aus etwas Ungutem wird selten etwas Gutes geschaffen.

So habe ich die Aktion dieser russischen Frauen nicht verstanden. Ich fand sie respektlos. Bei aktiv zelebrierter Respektlosigkeit mag ich nicht mehr gerne einen möglicherweise guten, noch einen wertvollen Sinn hinterfragen, bei allem Verständnis und verstandener Relevanz hinsichtlich der notwendigen politischen Auseinandersetzung in dieser noch russischen jungen Demokratie, die meinem Verständnis nach, sehr laut hinterfragt gilt hinsichtlich ihrer derzeitigen Regierung.

Seit jeher werden Menschen, die sich in einem öffentlichen Umfeld nicht angemessen verhalten, vom Gesetz des jeweiligen Landes bestraft. So darf ich hierzulande nicht am helllichten Tag in irgendeinem Park, auf irgendeiner Parkbank mich meinen sexuellen Gelüsten hingeben, ohne dafür abgestraft zu werden. Dafür gäbe es übrigens auch in Deutschland keine Ordnungsstrafen, üblicherweise werden dann Haftstrafen ausgsprochen. Auch Rowdytum im deutschen Straßenverkehr wird abgestraft. Mitglieder der russischen Mädchenkombo ficken in öffentlichen Museen, masturbieren mit Hühnern in Supermärkten. Gerne tun sie die Dinge vor Augen von Kindern, teilweise den eigenen Kindern die somit bei Aktionen instrumentalisiert werden. Dafür habe ich ungefähr null bis gar kein Verständnis. Dafür wurden sie bis dato mehrfach lediglich verwarnt, nie abgestraft. Das nenne ich vom russischen System vergleichsweise moderat reagiert.

Wie schön, dass pünktlich zur Verurteilung dann auch der russischen Mädchenkombo neue Platte auf den Markt kam. Sorry, Punk geht m. E. nach anders. Punk ist Handeln aus Kritik an dem System ohne ein daran offensichtlich gebundenes finanzielles Interesse. Ich erinnere mich gut, ich war schon dabei, als das Wort geboren wurde. Punk ist für mich nicht das Instrument einer schnöden PR-Kampagne für eine gehypte Mädchenkombo, die in Russland offensichtlich niemanden hinter den Ofen hervor lockt, weil ihre Aktionen ein ganzes Land nur noch abnervt bis peinlich berührt. Übrigens verstehe ich dabei gerade Russland nicht als ein sexuell unaufgeklärtes prüdes Land. Nun hat man dabei einem wegbrechenden Absatzmarkt im eigenen Land dann jetzt den gesamteuropäischen Markt hinzugewonnen. Sehr sicher bin ich, Putin wird den juristischen Rest in seinem Imagesinne schon zeitnah richten. Und ständig muss ich an t.A.T.u. denken.

Höfliche Leseempfehlung: „Wer sich schon mal die Frage gestellt hat, warum der Support seitens der russischen Bevölkerung gegenüber Pussy Riot vergleichsweise eher verhalten ist, der kommt ganz schnell zu dem Schluss, dass das gesamte russische Volk gewisslich dermassen gebrainwashed von Putins Angst-und Schreckensregierung ist […] Vielleicht haben die Russen aber auch einen entscheidenden Vorteil uns gegenüber: Die können russisch!”