2016-12-19

Immer!

Potentieller ebay-Kleinanzeigen-Kunde. „Hallo, würden Sie auch xyz versenden?”
Ich: „Ja, kann ich gerne machen. Kommt halt noch die Päckchen/Paketgebühr hinzu.”
Potentieller ebay-Kleinanzeigen-Kunde: *schweigt*

Jetzt zum dritten Mal in Folge. Was glauben die eigentlich? Dass ich mit dem Paketdienstleister schlafe und deren Leistung geschenkt bekomme?

2016-12-17

Quadratur des Kreises

Der Vater meiner Freundin liegt nach einem Lungenkollaps auf der Intensivstation. Sie und ihr Ehemann (bekannt auch als beste Freunde der Welt) waren beim Zusammenbruch nicht in Berlin, u.a. weil sein Onkel letzte Woche verstorben ist (erwähnten wir eigentlich schon wie sehr scheiße (pardon my french) 2016 ist?) Da ihre Mutter psychisch schwer krank ist, bin ich die letzten Tage zusammen mit dem Enkel eingesprungen. Der Enkel macht das toll, Mitte 20 aber es ist seine erste Erfahrung mit dem Gehen lassen müssen auf diesem speziellen Gebiet.

Das Ganze lehrt einem selbst natürlich wieder einmal sehr viel. Es lenkt den Blick auf die vielen sehr großartigen Menschen, die in der Pflege, hier Intensivpflege arbeiten. So hart arbeiten, professionell. Immer freundlich, ruhig und sachlich. Grenzgänger im optimistisch sein, täglich. Alles Irre. Im positiven Sinne.

Dann … die Mutter lebt in Köpenick, er ist in Charlottenburg im Klinikum untergebracht. Für nicht ortskundige: 30 Kilometer Entfernung, eine Autofahrt mit dem Auto/Taxi à 30 Minuten morgens um drei Uhr, 50 Minuten in normalem Verkehr – sind wir die letzten Tage sehr viel Taxi gefahren (für meine Verhältnisse), alleine diese wirklich ganz netten und interessanten Erfahrungen – darüber könnte man das Blog tageweise füllen.

Der Patient indes war nicht wirklich gut zu anderen, vor allem sich selbst in seinem Leben. Es ist schwierig. Schlussendlich, wenn so jemand gehen muss, weint man trotzdem. Und wenn man eigentlich um den Vater meint, der nun auch mit diesem hier gehen muss, weil man versteht, dass man nie den Vater haben wird, den man sich sein Leben lang so sehr wünschte. Zu sich selbst war er nicht gut, weil er irgendwann beschlossen hatte auf dem Sofa zu leben, zu fressen (pardon, aber ja, das ist der korrekte Ausdruck) und sich seiner durch seine Fettsucht erworbenen Diagnosen (Gicht, Diabetes, chronische Dyspnoe, die üblichen Knochen-/Muskulaturausfälle) selbst zu feiern – dabei einige Menschen mit ins Verderben zu reiten. Wir reden hier von einer langjährigen sehr früh begonnenen Rolator-Karriere, E-Mobil-Rollstuhl, die gleichen körperlichen Erscheinungen einer COPD mit allen technischen Geräten (die COPD wurde nie bestätigt; der Mann ist einfach zu dick zum atmen) bis hin zum Arschreiniger. Der Arschreiniger, von mir in einem Zustand der Fassungslosigkeit getauft, wird in Fachkreisen After-Reiniger genannt. Und ja, es gibt Amazon-Rezensionen auch zu diesem Produkt.

Der Arsch-Reiniger hat mich gestern beim Reinigungsprozess der leicht vergammelten Wohnung gemeinsam mit dem Enkel (dass die Wohnzustände eskalieren, ist eine Woche vorher auf die Füße gefallen und Änderungen sind bereits eingeleitet) schwer, nachhaltig, allumfassend beeindruckt. Menschen mit körperlichen Problemen, die sie in ihren körperlichen Bewegungen des Alltags einschränken, brauchen so etwas. Ein sinnvolles für den Betroffenen medizinisches Hilfsmittel, das ihm eine Unabhängigkeit in einem sehr intimen Lebensbereich garantiert. Ich frage mich die ganze Zeit, was geschieht in einem Menschen, wenn er aufgrund seiner Körperfülle gezwungen ist auf solche Apparaturen zurückzugreifen? Wenn man nicht einmal mehr dann aufwachen möchte, begreifen kann, dass da etwas ganz gewaltig schief läuft – für sich selbst? (Nicht, dass ich ernsthaft glaube, dass ein Mensch, dem seine Fettsucht die Atemluft abschnürt, sich noch von einem Arsch-Reiniger beeindrucken und umstimmen lassen würde.)

Es macht so … traurig.

Der Mann wird sterben. Selbst, wenn er das hier jetzt doch noch überleben würde, was ich ihm aus rein menschlichen Gründen nicht wünsche, weil das nicht gut sein wird – zumal klar ist, der wird sein Leben nicht komplett ändern können, was die einzige Konsequenz aus dieser Sache nun wäre. Er müsste an sich sehr hart arbeiten, das wird er nicht tun und er hat vorgesorgt, dass sein Körper das auch gar nicht mehr kann.

Alles in allem sieht es so aus:

Der Mann konnte vom Notarzt nicht vor Ort mit Luft versorgt werden (weil er eben eh schlecht atmet und die medizinische Luftzufuhr in einem solchen Fall bereits sein Normalzustand ist), weil er zu dick ist.
Der Mann konnte vor Ort nicht reanimiert werden, weil er zu dick ist. Das muss man sich vorstellen, dass die händisch ausgeführte Herzmassage das Herz durch die Fettschicht nicht erreichen konnte. Übrigens hat auch ein Defibrilator da irgendwann … nun, Grenzen.
Der Mann konnte nicht auf der Trage, musste in einem Tuch transportiert werden, weil er zu dick ist.
Gestern musste ihm ein weiterer Zugang gelegt werden, weil die vorhandenen rund um die Uhr belegt sind, da war ein Intensivmediziner mit der Schwester in zwei Anläufen fast 45 Minuten alleine damit beschäftigt bei dem Mann eine Blutbahn zu erahnen und zu treffen, was praktisch nur noch auf Verdacht möglich ist, weil er zu dick ist.

Der Mann ist krank, weil er zu dick ist und nun konnte er nicht rechtzeitig medizinisch versorgt werden – obwohl die Hilfe und alle medizinischen Geräte schnell vor Ort waren – und auch jetzt ist es sehr schwer die einfachsten medizinischen Schritte an ihm vorzunehmen – weil er zu dick ist. Und das nenne ich die Quadratur des Kreises.

Man kann es sich bewusst machen. Und vielleicht allerspätestens beim After-Reiniger aufwachen.

2016-12-15

Geschenketipp – ob zu oder nicht zu Weihnachten ist egal. Hauptsache: verschenken!

Nicht nur einmal, mehrmals, ganz oft. Macht die Welt glücklich mit diesem Buch! „Im Sommer wieder Fahrrad” von Lea Streisand ist meine diesjährige absolute Verschenkempfehlung an Euch:

Im Sommer wieder Fahrrad” ist das wundervolle Buch, dass Lea über sich und ihre Oma geschrieben hat. Wer Leas Kolumne bei der taz mitgelesen hatte – dies ist nun endlich (!) das ganze Buch dazu.



Es ist ein perfektes Geschenk für Euch, für liebe Menschen neben Euch. Das ist so ein wundervolles Buch über den Wahnsinn des Lebens, über Omas, über Kunst, über Künstler, über das Sterben, die Liebe. Es ist ein Ausflug in die Vergangenheit und ein Dasein im Jetzt. Dieses Buch kann alles. Es ist einfache pure Liebe! Und es erinnert vor allem an die Liebe zur Oma. Diese ganz besondere Liebe, die wir doch irgendwie alle in uns tragen. VERSCHENKEN! Mindestens ganz doll an sich selbst! Und am Besten gleich an alle, die Ihr lieb habt oder von denen Ihr glaubt, sie können Liebe gebrauchen.

Ach und das zweite Buch von Lea gleich mitbestellen: „War schön jewesen” – wer Berlin, die Stadt mit ihren Gossen und seiner Goschen, mag – und Heinrich Zille vermisst – der ist bei Lea richtig gut aufgehoben.

2016-12-14

Wir können uns heute Abend übrigens …

… um 22:30 Uhr auf Sat1 mit dem Thema Vergewaltigungen in Deutschland auseinandersetzen und dabei Zeuge werden, wie eine Polizeibeamtin das Opfer fragt „ob sie sich irgendwie aufmunternd benommen hätte?” – bei sechs Prozent der angezeigten Vergewaltigungen sind Männer das Opfer und ich frage mich, ob man einem Mann so eine Frage in der Vernehmung auch stellen würde?

Oder wir informieren uns um 22:30 Uhr auf ZDFneo die Dokumentation „Wie sexistisch sind wir?” von Dunja Hayali und Jaafar Abdul Karim.

Man könnte meinen, beides relevante Themen in dieser Zeit. Warum dann nicht mal zur Primetime?

Ich indes wurde heute früh von einer Person auf Facebook – natürlich unter deren Klarnamen – in den privaten Nachrichten in einem grauenhaft schlechten Deutsch mit wirklich vielen Rechtschreibfehlern beleidigend angegangen, weil dieser Person gestern ein Kommentar von mir nicht passte und diese Person daraufhin meinte, mein Äußeres zu beleidigen wäre legitim. (Ich kenne diese Person nicht, sie mich auch nicht.)

Und eben saß ich beim Asiaten bei einer Reisbandnudelsuppe und hörte zwei Proteinfressern mit Bushido-Haptik zu, wie der eine dem anderen erzählte, dass er eine Frau am Start hätte, die „eigentlich” ganz hübsch sei aber sich so wenig selbst schätzen würde und ihm Nachrichten schicken würde, die er dann vorlas: „Ich finde Dich so süß. Ich liebe Dich. Wann heiratest Du mich?”, was er goutierte mit einem lautstarken „er würde sie lecken und ihr in den Arsch ficken.”

Too much information.

Ansonsten bin ich heute über eine Straße gegangen und geradewegs auf eine gerade frisch überfahrene Taube zugelaufen, was ich so gut wie gar nicht ertragen kann. Um dann am Alexanderplatz direkt an einer gerade noch sitzenden aber fürchterlich sterbenden Taube vorbei gehen musste.

Too much visual perception.

Bin mit dem Tag durch. Es wird dunkler gerade. So generell. Ungemütlich im Gemüt.

2016-12-13

Gesänge

Ich liebe „Last Christmas” übrigens. Ich kann das Lied immer hören und nie genug. Ich liebe auch das Video, dass ich schon damals so wundervoll ironisch bis sehr putzig fand, weil ich Herrn G. Michael nie als die größte Hete unter der Sonne vermutet hatte. (Das größere Rätsel für mich war damals eher, ob Andrew Ridgeley [der interessanterweise keinen einen Wikipedia-Eintrag hat, also in der deutschen Wikipedia] auch schwul war und die ein Paar waren oder nicht.)

Dieses Lied von Mariah Carey indes hätte man nie komponieren müssen, wenn Ihr mich fragt. Mariah Carey geht mir auf den Geist. Mit allem. Vor allem mit ihrer Attitüde.

Das allerschönste Weihnachtslied aber immer noch ist für mich „The Little Drummer Boy”. Aber das erzähle ich diesem Internet schon seit über zehn Jahren. Die schönste Version natürlich ist für mich die mit David Bowie und Bing Crosby … dieses Jahr singen sie wohl gemeinsam im Himmel. Für immer.

Mensch David. Nach wie vor unfassbar.

2016-12-12

Leseempfehlung

«Das weisse Europa muss sich seiner selbst versichern, seine wacklige Identität behaupten, indem es alles Böse von sich weist, auslagert, outsourct. Funktioniert sonst auch bestens. Kinderehen kommen nur bei Eingewanderten vor. Die Thai-Touristen wissen, dass man nicht gleich jedes Kind heiraten muss, an dem man sich sexuell vergeht. […]»

Güzin Kar schreibt in ihrer Kolumne im Tagesanzeiger über das Frauenbild der Flüchtlinge – das Outsourcen des Bösen. Sie versenkt nicht nur mit dem oben zitierten Textauszug ganz viele Treffer in ihrem herausragenden Text.

Frau keinzahnkatzen hat es sich mit ihrer Katze gemütlich gemacht und beide unterhalten sich über das Sterben: «Die Katze betrachtet mich von oben bis unten und kommt vermutlich zu dem Schluss, dass eine übersprungene Mahlzeit in meinem Fall nicht lebensbedrohlich wäre.»

Dirk Helbing ist Professor für Soziologie verfasst einen Gastkommentar in der Neuen Zürcher Zeitung darüber, dass uns die wahre digitale Revolution erst noch bevorsteht. «Nebenbei könnte man ein solches «Finanzsystem 4.0» so gestalten, dass automatisch Steuern anfallen, um öffentliche Infrastrukturen zu finanzieren. (via Frank Kleinert)

La Pâticesse hat französische Heidesandkekse, Diamants á la vanille, gebacken – sie sind vielleicht ein bisschen anspruchsvoller in der Zubereitung aber … die schmecken doch schon im Foto oder?

Günter Wallraff verschenkt ein Buch von Benjamin Stuckrad Barre. «Ich schenke es an all die Gelegenheits-­ und Gewohnheitstrinker, all die sonst wie Süchtigen. Zu denen auch ich gehöre. Das Übliche halt: Beim Essen trinken, in Gesellschaft trinken, drei- bis sechsmal die Woche, jeweils mehrere Glas Wein trinken, auch mal eine ganze Flasche.» (via Don Dahlmann)

Ich mag das, wenn Leute sich vor andere Leute stellen und schöne Dinge über sie sagen. Ich mag es um so mehr, wenn ich „andere Leute” für mich aus meiner eigenen Erfahrung heraus längst in die Schublade „unschöne” Leute sortieren musste. (Ab und an sollte man in solche Schubladen gucken, aussortieren oder wenigstens darüber nachdenken zu sortieren.) Frau Trippmadam stellt sich vor Don Alphonso.

Bunte.de klärt auf.

Liebe Frauen, bitte künftig beachten:



• Eine Blasenentzündung gehört ab sofort zu Eurem Lifestyle.
• Wenn Euch eine Blasenentzündung heimsucht, bitte immer schön den Genitalbereich vor Scham mit den Händen bedecken.
• Und natürlich: dünnfigurig sein und quer gestreifte, deutlich zu große Shortys tragen – aus welchen Gründen auch immer.

2016-12-11

Meine Gedanken zum Mamma Screening Programm

Gestern noch schnell für dieses Jahr die Krebsvorsorge beim Gynäkologen abgehakt. Ich … äh … war da seit einiger Zeit nicht. Mir hatte das Bemühen um die Beendigung der einen Krankheit kaum Kraft, noch Luft gelassen, mich um diese Form der Vorsorge zu kümmern. Irgendwann will man keinen Mediziner mehr sehen. Also beschwerte das Versäumnis meine Seele. Nun denn, ein kleiner Nottermin neulich in der Praxis ließ mich den gestrigen Termin vereinbaren – und im Grunde war es gut, denn hinsichtlich der Tatsache, dass ich nun altersbedingt gynäkologisch in naher Zukunft in eine neue Entwicklungsstufe eintreten werde, war es für mich an der Zeit ein paar Fragen zu stellen. (Die Ärztin und ich vertagten das mögliche menopausige Gedöns auf „Kelch darf an mir vorüber ziehen.”)

Und so unterhielt ich mich mit der Ärztin über das Mamma Screening Programm (Umgs. Brustkrebsscreening) zu dem ich in diesem Jahr erstmals eingeladen wurde. Zwei Mal sehr übergriffig mit fester Terminvorgabe (wie ich das hasse, das ist eine Form der Bevormundung – direkter kann man bei mir den Schalter auf „Trotzphase” nicht umlegen.) Noch dazu in irgendwelchen Brustkrebszentren über den Bezirk Mitte (der ist groß) verteilt mit fast einstündiger Anfahrtszeit – während ich ein Brustkrebszentrum in Kreuzberg in fünf Minuten zu Fuß erreichen würde. Beim zweiten Anschreiben in kompetenter Nichtakzeptanz hinsichtlich meines Ortswunsches hatte ich höflich darauf hingewiesen, man möge mich aus dem Verteiler streichen. Ich würde mich um das Thema selbstständig kümmern.

Ich habe nichts gegen Vorsorge, habe aber etwas dagegen günstiges Datenmaterial zu sein. Und: ich habe eine gut für mich funktionierende radiologische Praxis, die ich hinsichtlich von Mammographien für mich als angenehm einsortiert habe. Es gibt dort eine Ärztin, die sich vorrangig dem Thema dort widmet – ich weiß, dass in der Praxis mit unterschiedlichen Schallköpfen beim Ultraschall gearbeitet wird. Qualität in der Ultraschalldiagnostik hat ganz viel mit der korrekt eingesetzten Technik zu tun. Nicht wenige Ärzte verwenden bei Ultraschalluntersuchungen die falschen Ultraschallaufsätze und können so nicht korrekt befunden. („Bestes Gesundheitssystem … bla bla.” oder auch: Deutschland Deine Abgründe.)

Ich habe meine Probleme mit dem Screening. Es sorgt bekanntermaßen auch für falsch-positive und trotz aller technischen Möglichkeiten für falsch-negative Befunde; wo gehobelt wird, fallen Späne. Ich möchte mich nicht alle zwei Jahre ohne ernsthaften diagnostischen Grund der Strahlenbelastung einer Röntgenaufnahme aussetzen. Auch wenn die Belastung längst nicht mehr so hoch ist wie bei früheren Geräten, hinterfrage ich durchaus, wenn so etwas in einer Routine durchgeführt wird. Schlussendlich haben die letzten Jahre in vielen Ländern, in denen es das Screening schon länger gibt als bei uns, auch gezeigt: das Screening ist gar nicht so sehr der Erfolgsgarant bei der Früherkennung von Brustkrebs.

Die letzten aktuellen Zahlen hierzulande sprechen davon, dass man im Schnitt bei 48 Frauen von 1000 am Screening teilnehmenden Frauen einen positiven Befund nach der Mammographie hätte, der weiter diagnostisch verfolgt würde. Schlussendlich bleiben davon sechs (6) Frauen über, die mit der Diagnose „Mamma-Carzinom” in die weitere Behandlung gehen. Bei einem Teil dieser Frauen allerdings ist der Tumor lediglich ein sogenannter „klinisch nicht relevanter Brustkrebs”, eine Vorstufe von Brustkrebs, der sich allerdings nie zu einem metastasierenden Krebs entwickeln wird. Diese Vorstufen gibt es nicht so selten. Eine Behandlung, die Chemotherapie ist hierbei nicht notwendig. Leider werden durch das Screening Frauen mit nicht klinisch relevanten Brustkrebs (falsch-positiver Befund) in eine Behandlungsroutine entsendet, die ihnen mehr schadet als es der gefundene Tumor aufgrund seiner Harmlosigkeit je getan hätte. Chemotherapie ist immer auch das Leben gefährdend!

Für die echte Brustkrebspatientin ist die Früherkennung durch das Screening natürlich ein Segen. (In ausländischen Studien geht man übrigens von einem Schnitt von einem (1) frühzeitig erkannten echten Mamma-Carzinom pro 1000 Screeningfälle aus.) Das ist nicht viel – wenngleich es für die Betroffene natürlich das Leben bedeutet.

Es ist also tricky und schwierig für sich selbst die richtige Lösung abzuleiten – das meinte ich weiter oben mit „wo gehobelt wird, fallen Späne.” Aber nehmen wir einmal die geringe Menge der Frauen, die durch das Screening in eine unsinnige Behandlung entsendet werden, bleiben immer noch 48 Frauen, die sich zumindest eine Zeit lang mit der Möglichkeit einer Brustkrebsdiagnose auseinander setzen müssen – und aktiv mit der Angst umgehen müssen. Währenddessen – und vor allem in der weiteren Zukunft. Das macht etwas mit einem. Und ich habe meine persönlichen Zweifel, dass diese frühen falsch befundeten Frauen wirklich gut psychologisch aufgefangen werden in unserem System. Natürlich haben wir Frauen alle immer ein Stück weit Sorge einmal zu den Betroffenen zu gehören – aber für diese nicht unerhebliche Menge von Frauen wird die Angst dann richtig greifbar. Die Psychoonkologie ist jedenfalls für diese Frauen dann nicht zuständig.

Sollte man auch nicht unter den Tisch kehren: ab dem Moment in dem das Screening auf einen möglichen positiven Befund verweist, wird die vormals gesunde Frau zur Patientin. Die weitere Diagnostik erfolgt nicht mehr anonymisiert wie im Screening, sondern wird über die Krankenkasse bezahlt. Überlegt einmal, was das mit eventuell noch in der Zukunft abzuschließenden Versicherungen oder Krankenkassenwechsel machen könnte. Da kann die Frau schon mal abgelehnt werden oder es können die Versicherungsbeiträge steigen, man gilt ganz schnell als Risikopatientin – oder es können im Versicherungsfall Auszahlungen verweigert werden. Also lieber einmal mehr darüber nachdenken.

Es gibt sehr viele gute Gründe für ein Screening und sehr viele sprechen auch dagegen. Wer am Screening teilnimmt, darf sich so oder so nicht in Sicherheit wiegen. Wenn ich mich Montag mit allen technischen Raffinessen untersuchen lasse und als krebsfrei befundet werde, heißt es eben nicht, dass nicht schon den Montag drauf Zellen entarten und über die nächsten zwei Jahre unbemerkt wachsen können. Und das ist – für mich – der Hauptgrund, warum ich diesem Screening nicht so hyperbegeistert gegenüber stehe. Es garantiert mir eben genau gar nichts: es gibt sie nicht, diese Sicherheit.

Was vorrangig zählt in der Brustkrebsvorsorge ist die Selbstbeobachtung. Und davon entbindet uns kein Screening dieser Welt.

Selbstbeobachtung heißt: sich ständig selbst anzutasten. Dazu gehört, dass man sich und seine Brust und die Lymphknoten kennt – und zwar nach, in der Mitte und kurz vor dem Eisprung, beziehungsweise der Menstruation. Die Brust verändert sich – vor allem bei Frauen mit einer Mastopathia fibrosa cystica (hat jede zweite Frau und lasst es Euch nicht als Krankheit andrehen) – spürbar im Zyklus. Die eigene Brust im Zyklusverlauf mindestens so gut zu kennen wie die eigene Handtasche, das ist die halbe Miete bei der Brustkrebsfrüherkennung. Und wenn man dann Dinge spürt, die einem komisch vorkommen ab zum Arzt, es umgehend abklären lassen. Da muss auch nicht viel Diagnostik passieren – oft kann der Arzt schon nur nach dem Tastbefund Entwarnung geben. Im zweiten Schritt nach einem Ultraschall. Bei einer Zyste ggf. eine Punktion. Alles erst einmal harmlose Mittel in der Diagnostik.

Ich kann inzwischen alleine durch das Abtasten meiner Brust sagen, wann mein Eisprung ist oder war. Dahin sollte jede Frau für sich kommen. Selbstbeschäftigung mit sich, eine liebevolle Fürsorge für sich und der eigenen Brust – dieses diagnostische Merkmal in der Früherkennung kann Euch kein Radiologe abnehmen! Euer Gynäkologe beim halbjährlichen Check übrigens auch nicht. Ich habe z. B. einen Drüsenstrang, der zu einem bestimmten Zeitpunkt nur zwei Tage im Zyklus kurz vor der Mensis im Liegen einem wirklich einen Schrecken einjagen kann, im Stehen fühlt man ihn gar nicht. Es vermittelt wirklich Ruhe, wenn man seine Brust selbst sehr gut kennt und solche Phänomene deuten kann.

Einen kleinen Tumor tastet man am ehesten selbst direkt nach der Mensis, wenn das Brustgewebe frei von Wassereinschluss und Zysten ist. Öffentlich werden wir immer aufgefordert gerade dann uns selbst abzutasten. Deswegen sollte man gut wissen, wie sich die eigene Brust in den anderen Zyklusstadien anfühlt – so kann man viel besser differenzieren. Meinem Empfinden nach wird das viel zu selten angesprochen.

Beobachtet bitte auch Eure Brust regelmäßig im Spiegel und fotografiert ab und zu Eure Brust selbst! Gar nicht selten kann man einer Brust ein Tumorgeschehen frühzeitig ansehen – lange bevor man etwas ertasten kann: Hautveränderungen, Rötungen, die nicht weggehen, Dellen in der Haut, dort plötzlich auftretende Cellulite (Veränderung der Hautporen), eine leichte Verformung, eine plötzlich auftretende Größenveränderung einer Brust, eine Veränderung der Brustwarze: ganz oder partieller Einzug der Warze, des Warzenvorhofes – da hilft ein Vergleichsfoto enorm. Und wenn Ihr solche Veränderungen seht: ab zum Gynäkologen.

(Ladet die Fotos nicht zwingend in irgendeiner Cloud hoch, packt sie so separat, dass sie beim Smartphoneklau nicht fremden Leuten in die Hände fallen können und: fotografiert nur die Brust, nicht Euer Gesicht dazu. Und hört auf genervt mit den Augen zu rollen – ich weiß genau, warum ich das extra anmerke.)

Ich würde im übrigen bei solchen Merkmalen auch nicht lange warten. Wann immer ihr morgens bei Eurem Gyn auf der Matte steht und sagt „mit meiner Brust stimmt was nicht”, nimmt der Euch am gleichen Tag auch dran. Denn mit möglicher Sorge längere Zeit durch das Leben zu gehen, macht es nicht schöner. Vertagen ist im schlimmsten Fall die dümmste Entscheidung, die man für sich selbst treffen kann.

Ich für mich habe mich entschlossen mich gut immer wieder zu beobachten und hin- und wieder außerhalb des Screenings auch ein Ultraschall der Brust (öfter) bzw. eine Mammographie (seltener) durchführen zu lassen. Aber sicherlich Letztere nicht im Zweijahresrhythmus. Per Überweisung. Bei meinem Wunschradiologen.

Einige Links zur Sache:
Wie sinnvoll ist das Brustkrebsscreening?
Krebsinformationsdienst: Radioaktivität und Röntgenstrahlung als Krebsrisiko
Mammakarzinom der Frau (hier: Punkt 2.4: Risikogruppen)
mammazone – Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V.
Mammographie Screening Programm

2016-12-10

Gestern …

… beim gynäkologischen Ultraschall fröhlich mit dem linksseitigen in seiner Sprengung Springung befindlichen Ei geschäkert „Na, machste mir dieses Mal wieder hübsche Fressattacken?” „Auf mich ist doch immer Verlass!”, säuselte mein Ei und haarte der Dinge.*

*Getippt mit dem 85igsten Frühstücksbrötchen im Mund heute. *seufz*

Ich habe hier …

… vier Päckchen von Amazon stehen, die ich natürlich noch nicht auspacken darf, weil noch nicht Weihnachten ist, weswegen ich noch gar nicht so explizit „Danke!” sagen kann an die lieben betreffenden Personen, trotzdem möchte ich schon einmal „Danke!” sagen!

Danke!

2016-12-04

Wie gefährlich ist Big Data?

«Am Tag, als Kosinski diese Erkenntnisse publiziert, erhält er zwei Anrufe. Eine Klageandrohung und ein Stellenangebot. Beide von Facebook.»

Bildungstext. Absolute Leseempfehlung. „Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt.

Und hier ist der im Artikel angesprochene Vortrag von Alexander Nix auf der Concordia Summit: „The Power of Big Data and Psychographics.

2016-11-29

Meine Güte!



… schreibt Gabor Steingart, Herausgeber vom Handelsblatt. Und der meint das ganz ernst.

Ich meine …

… Martin Schulz, seit 1994 Mitglied des Europäischen Parlaments, seit 2012 Präsident desselben (mit Unterbrechung.)

2016: diverse Politiker einschließlich einem Teil der deutschen Journaille: „OMG! Der Mann hat ja gar kein Abitur!”

Ernsthaft? Also, ist das wirklich Euer Ernst? Ganz ehrlich?

Davon abgesehen würde ich mir wünschen, dass irgendjemand – gerne mit/ohne Abitur – Herrn Steingart den Unterschied zwischen einem „Trinker” und einem „trockenen Alkoholiker” erklären könnte. Ihm zuliebe, damit er seine ihm abiturgegebene Ahnungslosigkeit künftig nicht ganz so blöd raushaut.

bildblog: Ein Einschub voller Verachtung

2016-11-27

Guckempfehlung

Das Magazin makro von 3sat hat sich in dieser Woche dem Thema „Lebensmittel” insbesondere „billige Lebensmittel” angenommen – heraus gekommen ist eine mehr als spannende Sendung. Sie macht deutlich, wie sehr wir hierzulande als Verbraucher von einer lobbyhörigen Politik bevormundet werden und dass uns – die deutsche Bevölkerung – das durchaus jetzt schon auf mehren Ebenen schadet. Finanziell: Stichpunkt Nitrat im Grundwasser aufgrund Überdüngung (Gülle en masse) also teure Wasseraufbereitung oder gesundheitlich: Stichpunkt Antibiotikaresistenzen also gesundheitlicher Schaden infolge der Tiermast.

Momentan sieht es so aus als würde in der tierischen Lebensmittelproduktion übrigens der Tierschutz komplett an die Wand gefahren, weil die Politik sich nur noch an der Lobby der Lebensmittelproduktion ausrichtet, nicht an den Belangen der Tierschützer und Verbraucher.

Wir exportieren wie wild günstige Lebensmittel in die EU, USA und nach China und überdüngen unsere Acker – die deutsche Politik zuckt mit den Schultern. Nun hat Anfang November d. Jahres die Komission der Europäischen Union Deutschland wegen der immer steigenden Nitratwerte im Grundwasser verklagt. Es ist nicht so als hätte der hiesige Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft nicht schon seit Jahren mehrfach die Chance bekommen, diesen Misstand hierzulande zu beseitigen, Verwarnungen gab es seit Jahren; den letzten Warnschuss seitens der EU gab es im Februar diesen Jahres. Er ist immer wieder vor der Industrie eingeknickt. Die Strafgelder zahlt nun aber nicht etwa die hiesigen Agrar- noch Fleischproduzenten. Die zahlt wieder einmal die deutsche Bevölkerung.

Und zum Schluss ein kleiner Einblick dahingehend, was künstliche Aromen für unsere Gesundheit und schlussendlich Umwelt (Vanillin wird aus Kiefern gewonnen) bedeutet. (Mein Lieblingssatz in dem Beitrag als nach China geht: „Umweltauflagen gibt es hier so gut wie keine.” China ist weltweit größter „Bio”-Exporteur. Alles klar?

Eine gute Sendung, die einerseits verdeutlicht, dass wir unsere Konsumgewohnheiten (nicht nur) beim Lebensmittelverbrauch überdenken sollten. Und andererseits klar macht, dass wir hierzulande die Politik viel mehr in die Pflicht nehmen müssen, sie zwingen eine Politik zu betreiben, die sich zunehmend gegen die Bevölkerung richtet, nur noch den Bedürfnissen der Lobbyisten folgt.

Billige Lebensmittel – Deutschlands unrühmlicher Spitzenplatz (Ab heute, Sonntag, noch vier Tage in der Mediathek.)

2016-11-26

Wohngemeinschaft



Hier ist heute ein Tisch eingezogen. Ein Esszimmertisch. In groß. Eigentlich hätte ich gerne ich einen kleineren Tisch haben wollen als ich schon hatte, vor allem keinen schwarzen, sondern einen alten runden, ausziehbar. Aber dieser hier stand Freunden nach dem Umzug heimatlos im alten Haus rum und wollte weg zu mir. Jetzt habe ich einen größeren Tisch als ich jemals haben wollte – dafür einen schöneren. (Und die Minitrix kann man auch darauf aufbauen.)

Habe ich also den alten mir schon zu großen Bjursta-Tisch von Ikea am Dienstag zum verschenken inseriert und 40 Minuten später stand bei mir ein (wunderschöner) junger Mann in der Tür, höflich, klug, mit Werkzeug könnend umgehend, dem ich stundenlang auf die schönen langen Hände und Finger hätte gucken können. Ein junger Mann, der offensichtlich noch vor kurzer Zeit in fernen, heute verbombten Ländern beheimatet war, noch mit der deutschen Sprache in der Aussprache kämpfend aber mit erstaunlich guten Grammatikkenntnissen – so wie die Geflüchteten ganz oft sind, wenn man sie nicht durch die braun gefärbten Brillen der Überängstlichen sehen muss. Ach, wenn mal alle Deutschen so eloquent, gepflegt wären und hochdeutsch sprechen würden, die man durch die ebay-Kleinanzeigen kennenlernen kann. Lange Rede: Tisch weg. Mann glücklich. Katze(n) sauer.

Heute haben wir den neuen alten Tisch aus dem schönen Schmöckwitz abgeholt, in sein neues Zuhause getragen, zusammen gebaut (mit absurd schlechtem Werkzeug aber das ist noch eine ganz andere Geschichte) und nun steht er hier rum.

Und sieht sehr schön aus. Er hat noch eine Sitzbank mitgebracht, die beide Katzen ganz formidabel finden – denn man kann sich auf ihr verstecken.



Gut, das Wohnzimmer sackt womöglich bald ab unter seiner Last – zumindest muss es demnächst anbauen (oder sich nach einer kleineren Couch umsehen). Aber der Tisch residiert hier so schön und er ist immerhin so groß, dass Shiina ganz klein auf ihm aussieht.



So klein!



Tally hat ihn auch schon bestiegen, aber ihr wollte ich nicht gleich noch eine Fotosession in ihrer Unsicherheit zumuten. Dass sie an Tag eins so etwas Neues besteigt, ist genug Löwenherz für einen grauen Herbsttag für so eine kleine bunte Katze.

Weihnachtliches …

Mein kleines persönliches „Adventskranzgate”. Ich bastelte gestern meinen ersten Adventskranz. So richtig mit Kranzrohling, Draht und Heißklebepistole. Erstaunlich unschwierig, man muss halt nur das ganze Bastelgedöns haben. Und auch: erstaunlich Spaß machend.



2016-11-22

Frau Walküre datet …

«Beim vereinbarten Treffpunkt beobachte ich die Passanten und denke mir dabei ein paar Mal: Bitte, lieber Gott, lass es nicht den sein! Im Schützengraben gibt es keine Atheisten, das war mir bekannt. Dass es auch bei Blind Dates keine gibt, weiß ich seit diesem Abend auch.»

… und schreibt sehr höflich, tagebuchförmig und respektvoll darüber. Abenteuer Mann.

Schubladen

Heute früh ist mein erstes Tweet (dank des besonderen Sonnenaufgangs) „Spannendes Licht hier in Berlin. #berlin #wetter” und prompt werde ich auf eine Liste gesetzt:



Interessant dabei, mich interessiert Wetter eher nicht so. Ich würde mich als wetterunabhängig bezeichnen, höre bei Nachrichten oft schon vor dem Wetter weg. Wenn's regnet, regnet es eben. Mein Wetterbarometer bin meist ich selbst auf dem Balkon.

So schnell wird man also entgegen seiner Interessen wenig zutreffend einsortiert.

Und darüber können wir ruhig einmal nachdenken.

2016-11-20

„Kann den wer anzünden bitte?”

Florian Klenk, Journalist, twittert die Idee deutschsprachige Nachrichten mit türkischen Untertiteln abrufbar zu machen, damit Türken, die kein Deutsch verstehen, sich ein Bild zur kritischen Berichterstattung über Erdoğan machen können. Schwups wird er von den Rechten wie die Sau durch Facebook getrieben. Ein Kommentator, Boris, schreibt: „Kann den (Florian Klenk) wer anzünden bitte?“

Klenk besucht diesen Boris darauf hin in seiner Heimatstadt und unterhält sich mit ihm.

«Boris fragt einmal ganz verzweifelt, „wieso sich die Herren Staatenlenker nicht endlich einmal hinsetzen und Frieden machen“. Man müsse Extreme wählen, sagt er, wenn man eine Kurskorrektur wolle.»

«Frottier (Pattrick Frottier, Psychologe) zögert mit Ferndiagnosen. Aber er sagt, wenn sich Menschen „ihrer selbst nicht mehr sicher“ seien, wenn sie Angst vor Kontrollverlust hätten, dann seien drei Reaktionsmuster zu beobachten: Weglaufen. Erstarren. Oder eben: der Angriff. Es seien übrigens die Wohlhabenden, jene, die nie Not oder Elend kennengelernt hätten, die sich nun vermehrt bei Pegida und FPÖ wiederfänden. Weil sie Angst vor dem Abstieg und dem Kontrollverlust hätten, eine Erfahrung, die sie nicht kennen.”

Lesenswert! (via Mela Eckenfels)

Gestern …

… eine Tüte Nüsse geöffnet. Walnüsse. An der Verpackung sofort auf der Rückseite die Ecke zum Ziehen gefunden, die sich auch ganz leicht von der unteren Packungsfolie lösen ließ. Daran gezogen. Packung ließ sich sofort öffnen, ganz leicht.

Ohne jegliche Hilfsmittel wie Bulldozer, Kettensäge, Flex oder Scherensortiment.

Packung ließ sich auch genauso komfortabel wieder schließen.

Vor Schreck ermattet am Küchenschrank entlang auf den Boden gesunken. Weinkrampf.

Vor Freude.

(Aus der Reihe: Dass es das noch gibt.)

2016-11-19

Das Verständnis von Qualität im Zusammenhang mit Deutschlands Politik …

… im Großen und im Allgemeinen.

Die Tagesschau berichtete diese Woche, dass eine verhältnismäßig hohe Zahl von gegen die Bescheide der Jobcenter angestrebten Klagen der ALG II-Empfänger vor den Sozialgerichten erfolgreich wären. 40 % dieser Klagen sind demnach zu Recht erfolgt.

Der Artikel nennt im September 2016 189.340 eingereichte Klagen gegen ALG II-Bescheide bei den Gerichten anhängig. Nun kann man natürlich sagen, davon 40 % sind im Umkehrschluss eben auch 60 % offensichtlich zu Recht erfolgte Kürzungen, Sanktionen, Zeitverschleppungen seitens der Jobcenter. Aber wohl nur die Arbeitsagentur käme hier auf die Idee das als Erfolg für sich zu werten. Es bleibt dabei in 40 % (und es gibt genügend Menschen, die falsche Bescheide einfach hinnehmen, weil die des Kämpfens müde sind; sprich da gibt es durchaus eine höchstwahrscheinlich höhere Dunkelziffer) dieser Bescheide wurde der Job einfach schlecht gemacht. Oder sind gar nicht erfolgt. Im Zusammenhang mit dem Jobcenter ist die Untätigkeitsklage zu einem beflügelten Amtsmittel geworden.

Was ich aus diesen Zahlen lese – und das ist für mich die eigentliche schreckliche Nachricht – die Jobcenter haben ihre Qualitätssicherung längst an die Sozialgerichte ausgelagert. Sie machen ihre Jobs offensichtlich in einer hohen Anzahl von Fällen schlecht. Die Kosten tragen alle in dieser Gesellschaft!

«Die Zahlen belegen nach Ansicht von Zimmermann, wie anfällig das System für Fehler und Willkür sei.» Sabine Zimmermann, (stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag)

Das ist eine Frage der Qualität.

In dieser Woche machte immer wieder im Zusammenhang mit der Tatsache, dass nun Donald Trump als neuer US-Präsident vereidigt wirkt, die Runde, dass unsere Bundeskanzlerin dem Herrn Trump gar nicht zur Wahl hätte gratulieren können bzw. erst drei Tage später, weil die Telefonnummer des Herrn Trump ihr nicht zur Verfügung gestanden hätte (!). Generell hätte man noch gar keinen Kontakt noch Zugang zu seinem Gefolge. Im Unterton sollte dabei gerne mitschwingen, der Herr Trump wäre ein arroganter, für unsere Heiligkeit „die Deutschen” nicht erreichbarer, nicht einschätzbarer künftiger Präsident der Vereinigten Staaten.

Das mag zum Teil stimmen. Dennoch würde ich da gerne Einspruch einlegen. Die hiesige Regierung war schlicht zu arrogant, zu ignorant, um in den letzten Monaten sich auch auf den Plan zu schreiben, Donald Trump könnte die Wahl gewinnen und hat sich schlicht nicht um Kontaktmöglichkeiten zu ihm bemüht. Man hat ihn nicht ernst genommen, man hat nicht eine Sekunde an Plan B geglaubt. Deswegen hat man sich auch in Regierungskreisen offensichtlich nicht um einen Zugang zu ihm bemüht. Man ist mittlerweile schlicht zu doof für Plan B. Oder zu bequem, was weiß ich. Man hat es offensichtlich darauf angelegt, zu einem zweiten Kandidaten keine Kontakte aufzubauen.

Das ist dann eine Frage der Qualität.

Ein Verständnis dafür, wie möchte ich meinen Job machen? Qualifiziert und möglichst fehlerlos? Oder ist es mir egal, was am Ende dabei herauskommt? Denn: Irgendeiner wird es am Ende schon richten.

Ja, irgendeiner wird es am Ende schon richten. Bauten, die am Ende nicht fertig gestellt werden oder viel später und Milliarden kosten. Irgendeiner richtet das schon. Ausschreibungen, die sich anfechten lassen. Irgendeiner richtet das schon. Schlampiger Straßenbau? Irgendeiner richtet das schon.

Irgendeiner richtet das und irgendeiner ist dann oft ein Unternehmen aus der freien Wirtschaft, die dann die Jobs machen (siehe in Berlin z. B. die Organisation im LaGeSo), die von einer mangelhaft arbeitenden Politik an zum Teil mangelhaft arbeitende Behörden abgegeben werden. Ob diese Unternehmen dann den Karren wirklich weniger mangelhaft aus dem Dreck ziehen, ist dahingestellt. All das kostet Geld. Viel Geld. Unser aller Geld. Dabei bleibt immer mehr das Verantwortungsbewusstsein auf der Strecke, die Liebe dazu die Dinge richtig machen. Irgendeiner wird das am Ende schon richten. Irgendeiner wird das schon bezahlen.

Made in Germany ist längst kein Qualitätsurteil mehr. Made in Germany ist ein einziger Bug.

Es tut mir im Herzen weh, wie sehr sich dieses Land kaputt schlampt.