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2025-07-25

Mimmo Bianco – Künstler in der Küche und Grenzgänger

Dass Mimmo Bianco nach Berlin gegangen ist, 1994, also vor vielen Jahren, eher eine Familiensache. Sein älterer Bruder Pino Bianco hatte Jahre zuvor die Heimat, die italienische Provinz Basilikata, verlassen und in Berlin sein Restaurant eröffnet, ihre Mutter Angela war dem Bruder nach Berlin gefolgt.

Die Kunst der Gastronomie liegt beiden Brüdern in den Genen, Vermächtnis des verstorbenen Vaters, der in Scanzano Jonico (Montalbano) immer schon in seiner Pizzeria die Gäste verwöhnt hatte. Mimmo folgte dem Ruf von Mamma Angela und Bruder Pino nach Berlin und eröffnete Jahre später das italienische Restaurant Sotto le Stelle.
2023 war Schluss. Mimmo hörte überdeutlich den Ruf seiner Heimat und folgte diesem gemeinsam mit seiner Frau Rosa. Das Großstadtleben hatte er satt. Die Zwillingssöhne standen längst auf eigenen Füßen. Das Sotto le Stelle wurde verkauft und kurz nach der Covid-Pandemie ging er mit seiner Frau entgültig zurück in die Heimat, in den südöstlichen Teil der Basilikata – kurz vor der Grenze zu Kalabrien. In die Familienresidenz in Scanzano Jonico (Montalbano), die nicht weit vom Meer entfernt liegt.

Die ehemalige Pizzeria des Vaters ist einigen charmanten Ferienwohnungen gewischen. Mimmos Frau, Rosa Massaro, begrüßt hier nun herzlich ihre Feriengäste in den acht vollständig ausgestatteten und hübschen Appartments im Jonico Guesthouse. Und falls Ihr eine Ferienunterkunft sucht in der Basilikata, gar nicht weit vom Meer entfernt – hier kann man sie buchen!

Ein Neuanfang in zwei italienischen Welten

Mimmo ist jetzt ein Grenzgänger, denn er hat sich noch einmal verliebt – in das kleine wunderschöne Dorf Rocca Imperiale. Das erste Dorf in Kalabrien hinter der Grenze der Basilikata. Die Menschen, die hier an den Grenzen beider Provinzen leben, kennen sich und lieben sich und streben auch nach zwei Jahrhunderten weiterhin die kulturelle Vereinigung an.

Bis 1816 gehörte Rocca Imperiale nämlich zu Lukanien (Basilikata) – diese formale Trennung wird von den Bewohner*innen beider Provinzen möglichst ignoriert. Warum auch nicht? Sie sind zusammen zur Schule gegangen, haben im gleichen Fußballverein trainiert, sie teilen sich das gleiche Meer, die Kultur, die Küche. Es wurde und wird sich grenzübergreifend verliebt, geheiratet … was sind da staatliche verordnete Provinzgrenzen?

Und so pendelt Mimmo mehrmals in der Woche von der Basilikata hinüber nach Kalabrien in dieses traumhaft gelegene Rocca Imperiale mit den fantastischen Zitronen Rocca Imperiale I.G.P. und den freundlichen Menschen, die engagiert daran arbeiten, dieses Borgho più bello d’Italia über seine Region bekannt zu machen. Daran arbeitet Mimmo Bianco, der Lunkanier, genauso engagiert wie sein Freund und Geschäftspartner Enzo Arcuri, der Kalabrese, aktiv mit.

Il Ristorante Ferrovie Calabro Lucane

Freunde sind sie schon ewig und haben sich einen lang gehegten Traum erfüllt: das gemeinsame Restaurant Ferrovie Calabro Lucane! Ihre moderne, dennoch sehr gemütliche Osteria begreifen sie als eine Sinnesreise zwischen den Welten. Sie verbinden die Tradition und Moderne beider italienischer Provinzen – und sind, wie sie selber liebevoll philosophisch sagen, auf einer Reise zwischen ihren Schwesterregionen.
In perfekter Lage des Borghos, am Corso Federico II di Svevia 30 – so etwas wie die Hauptstraße im Centro Storico von Rocca Imperiale – haben sie ihr neues Restaurant Ferrovie Calabro Lucane 2024 eröffnet! Das charmante Restaurant mit der kleinen, offenen Küche ist Cocktailbar, Kunstgalerie und kleiner Shop in einem! Die Außenterrasse mit dem sensationellen weiten Blick bis hin zum Adriatischen Meer und den überdimensionierten (sehr bequemen) Sitzkissen ist der abendliche Treffpunkt in Rocca Imperiale.

Die Aufgaben der Freunde sind geteilt, Enzo empfängt als charmanter Gastgeber und Bartender, Mimmo ist sichtlich glücklich an den Kochtöpfen. In seiner Heimat, wo er mit den frischesten und fantastischen Produkte Italiens kochen kann, was auch heißt: Mit den besten Produkten überhaupt kochen zu dürfen!
Beide sind sie überzeugte Anhänger der Slow-Food-Philosophie. Im Ferrovi Calabro Lucane darf man sicher sein, was hier auf den Tellern landet, hat nur die berühmten Zero Kilometre zurückgelegt. Das italienische Siegel für die nachhaltigste Küche, die man servieren kann. Man vertraut den lokalen Produzenten, baut oft sogar selbst an.
Diese Küche ist zwangsläufig eine saisonale. Nur das, was die Saison und das Meer hergibt, wird in Mimmos Kochtöpfen verarbeitet werden. So zeichnet sich das Ferrovie Calabro Lucano natürlich auch durch seine saisonal-flexible Speisekarte aus.


Ferrovie Calabro Lucano – Verbindung auf einfachen Schienen

Ferrovie Calabro Lucane – so hieß die alte ehrwürdige Eisenbahnlinie, in deren Zügen auf der meist eingleisigen Schmalspur die Regionen der Basilikata und Kalabrien (teilweise auch Apulien und Kampanien) verbindend gereist wurde im vergangenen Jahrhundert. In ihrer Glanzzeit befuhr sie ein stattliches, knapp 740 km langes Streckennetz.

1961, nach einem schweren Unfall, wurde dem betreibenden Unternehmen die Konzession entzogen und die Bahnlinie verstaatlicht. Mit dem zunehmenden Autoverkehr in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurden dem Unternehmen immer mehr finanzielle Leistungen gestrichen, Linienabschnitte still gelegt bzw. als Buslinien auf die Straße verlegt.

Im Jahr 1989 ist das übrig gebliebene FCL-Netz aufgeteilt worden und wird von zwei separat agierenden staatlichen Betreibergesellschaften aufgeteilt: die Ferrovie Appulo Lucane (FAL) und die Ferrovie della Calabria (FC). Die Ferrovie Calabro Lucane ist ad acta gelegt worden.
Für Mimmo und Enzo steht der Name Ferrovie Calabre Lucane sinnbildlich für die Förderung und Begegnung, den Austausch zwischen diesen beiden kultur- und traditionsreichen Regionen – und deren Entwicklung für ein künftiges Miteinander.
Das ist, was beide Männer mit ihrem Team hier im Kleinen abbilden: Verbundenheit, Tradition und der natürliche Kreislauf der Kulturen – vor allem den Küchen beider Provinzen –, die so vieles gemeinsam haben.

Köstliche Traditionen auf dem Teller, Kunst an den Wänden

Das trifft auch auf die Kunst zu. Das Obergeschoss des Restaurants ist gleichzeitig eine Galerie, wird selbstverständlich auch bewirtet. Hier, wie auch im ganzen Restaurant, können in regelmäßig wechselnden Ausstellungen lokale Künstler mit ihren Arbeiten die kreative Seele beider Regionen zum Ausdruck bringen.
Wir konnten uns selbst von der vorzüglichen Küche im Ferrovie Calabro Lucane überzeugen. Wer von Mimmo und Enzo begrüßt wird, spürt sofort: Beide haben hier ihren Platz gefunden.
Da strahlt die Freude in Mimmos Augen und grüßt die Herzlichkeit in Enzos Lächeln, beide verleihen diesem Restaurant eine gastfreundliche Aura schon beim Eintreten. Wer hierher findet, gehört zur Familie.

Kann man denn mehr wollen in einer – vielleicht für einen selbst als Tourist noch fremden Umgebung? Also neben der wirklich köstlichen Küche von Kalabrien und Lukanien?
Mimmo serviert eine sehr ehrliche Küche ohne ChiChi oder Fine-Dining-Ästhetik. Da leuchten die Farben des Frühlings auf unseren Tellern im traditionellen Design Süditaliens - mal mit Erdbeeren (und was sind sie köstlich im Frühling in der Basilikata), Fetakäse und bunten Blattsalaten und einer Vinaigrette mit aromatischem Balsamico, den er uns zur Vorspeise serviert.
Ein anderes Mal mit einem strahlendem Grün eines würzigen Erbsenpürees, darauf Calamaretti, Straciatella, Olio und knusprigem Pane oder schöner klingend:Calmari su crema di piselli e straciatella. Möchte ich immer wieder und wieder essen!
Und was für ein köstliches Zusammenspiel von grünem Spargel mit Butter und Walnüssen, Parmesan und dem gebratenem Eigelb mit Trüffel!
Der Salat mit Carosello (Melonengurke), bunten Tomaten und der herrlich weichen, aromatischen Straciatella. Dazu für uns extra noch aufgeschnitten: Prosciutto di Suino Nero Lucanco, zarter köstlicher luftgetrockneter Schinken vom schwarzen Schwein aus der Basilikata.
Weiter geht es mit Ravioli gefüllt mit Ricotta und Zimt in einer Sugo aus Tomaten mit karamellisierter Limone di Rocca Imperiale I.G.P. als Topping. Der Zimt und diese intensive Zitrone, wie können so einfache Zutaten ein Gericht so köstlich, neu und aufregend schmecken lassen?
Oder die Ravioli mit Ricotta auf dem Püree mit Guanciale … Es folgen Orecchiete al Sugo di Pezzente Lucano. Salame Pezzente ist die typische Salami der Basilikata, mit Fenchel und viel süßer Peperoncini gewürzt, dann vier Tage luftgetrocknet und mit mindestens einen Monat Reifung. Dieses Pastagericht ist herrlich fruchtig und würzig.
Dazu (extra anlässlich meiner großen Augen, als er das Gericht dem Nachbartisch servierte, nochmals für uns angerichtet – Danke! Danke! Danke!): Polipo su crema di patate e zafferano servito con crusco olive e capperi – Tintenfisch auf Kartoffel-Safran-Creme, serviert mit Oliven und Kapern. Was für eine Freude! Gebt einfach Safran an euer nächstes Kartoffelpüree – dazu zarter Pulpo – ich würde diesen Gang immer wieder bestellen wollen!

Was war dieser Teller für eine Freude! Überhaupt, habe ich noch keinen Koch getroffen, der ein so geschmackssicheres Händchen für Pürees hat, wie Mimmo. Da gerät das Erbsenpüree, als Beilage gedacht, zum geschmackvollen Hauptdarsteller, würzig mit einer selbstbewussten Existenz auf dem Teller, dass man alleine davon gerne eine Kelle mehr hätte. Und das, obwohl es doch bei den Antipasti lediglich die sanft geschmorten Calamaretti mit Guanciale begleiten sollte.
Der Wein – aus der Basilikata

Dazu trinken wir einen süffigen Aperitivio zur Begrüßung, einem Spritz natürlich mit dem Limoncello der Limone Rocca Imperiale I.G.P.

Und später zur Begleitung unseres Abendessens einen lukanischen Weißwein: Re Manfredo IGT von 2022. Gewürztraminer und Müller-Thurgau, freundliche Fruchtigkeit mit Pfirsich, Birne und Litschi und dann lässt grüner Apfel den Wein überhaupt nicht ins Liebliche abdriften. Dazu die hellgelbe Farbe von reifer Birne mit seiner geschmeidigen Textur, die er an die Glaswände zeichnet. Ja, es mussten einige Flaschen von ihm geöffnet werden an unserem Tisch an diesem schönen Abend.
Angebaut wird der Wein auf dem Bergmassiv eines erloschenen Vulkans im Norden der italienischen Provinz Potenza in der Basilikata – oder wie es einfach heißt, ein Produkt der Cantina Terre degli Svevi. König Manfredi war übrigens der Sohn des hier – in Kalabrien wie auch der Basilikata – sehr verehrten Stauferkönigs Federico di Svevo II. Man entkommt dieser Familie hier einfach nicht!
Also wirklich, wer immer die Basilikata oder Kalabrien besuchen möchte, freut euch an der Grenze beider Regionen auf einen wundervollen herzlichen Austausch dieser italienischen Provinzen, deren Grenzen bewusst nicht gezogen werden wollen.

Und … besucht Rocca Imperiale unbedingt an den Tagen, an denen das Ferrovie Calabro Lucano geöffnet hat! Nach dem Besuch des Castello di Svevo und einem Spaziergang durch die alten pitoresken Gassen des wunderschönen Dorfes, vereint das Abendessen im Ferrovie Calabro Lucano beide Welten geschmacklich auf den Tellern. Ein Abendessen in diesem Restaurant ist eine wundervolle Erfahrung – und macht das Leben einfach reicher.


Ristorante Ferrovi Calabro Lucane
Corso Federico II di Svevia, 30, Rocca Imperiale, Italy
Phone: +39 375 787 0686
E-Mail: ferroviecl@gmail.com
Instagram

2024-09-17

Ein Ausflug in die Basilikata zur Cripta del Peccato Originale – und zu den Weinen der Dragones

Knappe 10 km² Gesamtfläche. 570.000 Einwohner. Die Basilikata (Lukanien) ist keine allzu große Provinz im Süden Italiens. Aber sie ist eine wunderschöne Region, die mit langen Wäldern, kurzen Meeresküsten, wilden Bergregionen und geschwungen Hügellandschaften lockt. Sie bietet viel Grün und vor allem einfach viel unberührte Natur. Ihre abwechslungsreiche Landschaft schenkt aromatische Olivenöle und tiefgründige Weine, Getreide, Hülsenfrüchte und die Peperone Crusco wird hier angebaut, auf dem Tisch serviert liebevoll Cruschi genannt.
Drei Tage durfte ich (endlich!) durch die Basilikata reisen, nachdem mich 2019 schon Matera verführt hatte. Und dieses Mal, nach zwei selbst gestalteten Tagestouren dorthin, erfüllte sich mein großer Wunsch: Einmal in den Sassi di Matera schlafen dürfen. Und ich durfte sogar zwei Nächte hier an diesem magischen Ort ruhen – aber auch die südliche Vielfalt der Basilikata sollte ich entdecken dürfen. Ihren Nervenkitzel auf ZIPLines oder auf einer ewig langen tibetanischen Brücke erleben, tief in ihre Historie eintauchen. Und die köstliche lukanische Küche genießen.

Von Matera im Norden der Basilikata nach Maratea an die lukanische Küste – alles geht im Prinzip an einem Tag. Obwohl man sich natürlich deutlich mehr Zeit nehmen sollte, um diese schöne und vielfältge italienische Region zu entdecken! Es war traumhaft.

Die Basilikata, deren Süden vor allem noch wenig vom internationalen Tourismus entdeckt ist, bietet wohl als eine der nur noch wenigen italienischen Regionen ein sehr unverfälschtes italienisches Leben.
An unserem ersten kompletten Reisetag haben wir Matera sehr früh mit dem Auto verlassen. Ivana Scilipoti von der Reiseagentur Ivy Tour Basilicata, hatte unsere Reise im Auftrag des Tourismusverbands der Basilikata nicht nur organisiert, sondern uns höchst charmant begleitet. Unser erster Weg führte nach ca. 1,5 Stunden Fahrzeit nach Castelmezzano in die lukanischen Dolomiten (Dolomiti Lucane). In dem kleinen Ort kann man das aufregende Erlebnis eines ZIPLine-Fluges erleben. Quatsch, hier wird das Erlebnis jeder anderen ZIPLine Europas noch getoppt, denn hier fliegt man – wer es möchte – gleich zweimal kurz hintereinander. Hier fliegt man nicht nur über eine Schlucht … die Reise durch die Luft führt auf den nächsten Hügel zu dem gegenüberliegenden Ort Pietrarossa. Und von dort kann man gleich noch einmal zurück nach Castelmezzano fliegen, wenn man es denn möchte.

Wir wären nicht in Italien, dem Land der puren Romantik; wäre hier der neumoderne Sprachgebrauch „ZIPLine” nicht ersetzt worden. Natürlich bucht man in Castelmezzano oder in Pietrarossa den Volo dell’Angelo – den Flug der Engel. Natürlich bin ich geflogen (ja, das bin ich auf dem Foto oben), teile meinen Einsatz als Engeline ein anderes Mal intensiver mit euch hier im Blog.

Die Cripta del Peccato Originale

Den Nachmittag verbrachten wir wieder in der Nähe Materas. Eingeladen waren wir, die „Cripta del Peccato Originale” zu besichtigen. Sie liegt ca. 15 Kilometer von Matera entfernt auf dem Gelände der Azienada vitivincola Casal Dragone an der Via San Biagio. Ein Agriturismo, ein Familienbetrieb, der seit mehreren Jahren in der Basilikata Getreide anbaut und seit dem letzten Jahrhundert auch Weine keltert. Erst 1963 wurde diese Krypta auf dem Gelände der Familie entdeckt. Familienpatron Vincenzo Dragone hatte am Ende der 2000er die Krypta einer Stiftung geschenkt, damit sie mit Spendengeldern und staatlicher Unterstützung restauriert, konserviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte, was einige Jahrzehnte dauern sollte. Seit 2023 sind die Restaurationen der Fresken aus dem 8. und 9. Jahrhundert abgeschlossen und die Krypta der Erbsünde kann von interessierten Besuchern (in kleinen Gruppen) besichtigt werden.

Wir waren begeistert von diesem Ort. Es ist ein einfaches multimediales Erlebnis, dem man sich sehr entspannt – zumal nicht fotografiert noch gefilmt werden darf – in der Höhle hingeben darf. Nur 20 Personen dürfen während einer Führung in den Raum und werden auf dem Boden sitzend platziert. Was schon einmal ein sehr geerdetes Erlebnis verspricht, denn der Kontakt zu dem Höhlenstein schafft eine seltene Verbundenheit. Eine musikalische und tonale Führung (es gibt Kopfhörer und Übersetzungen in den üblichen internationalen Sprachen), während die besprochenen Objekte – natürlich alle relevanten Persönlichkeiten des christlichen Geschehens – der Wandmalereien durch Lichter hervorgehoben werden, lässt diesen Ort in Ruhe und mit erstaunlicher Spannung erleben. Die Fresken sind wunderschön, teilweise erstaunlich gut erhalten. Die Besonderheit dieser Krypta sind die Mohnblumen, die die bemalten Wände über und über schmücken und diesem Ort eine fröhliche Leichtigkeit vermitteln.

Apericena und Wein-Tasting in der Azienada vitivincola Casal Dragone

Die Familie Dragone verwaltet die Besucherströme zur Krypta in ihrem Empfangsgebäude und bietet in den Räumen ihres Agriturismo Azienda Viticonala Casal Dragone nun vier Zimmer zur Übernachtung an und serviert eine bodenständige Küche aus eigenen Produkten und die der Landwirte aus dem direkten Umland. Natürlich wird hier auch der Wein verkauft, den wir verkosten dürfen, denn wir sind zu einem Apericena eingeladen. Ein Aperitivo, der direkt hinüber in das Cena, das Abendessen, schwelgen lässt. Wie gut kann es einem gehen?

Im Jahr 1882 zogen die beiden Geschwister Antonio und Cristina Dragone nach Matera, die Stadt hatte damals schon einen Namen als Umschlagplatz für Weine. Das erste eigene Familienweingut wurde 1920 in der Via San Biagio eröffnet. Der erste Wein wurde 1955 in Flaschen auch für den Verkauf abgefüllt: Es war das Produkt von Reben, die auf einem zehn Jahre zuvor erworbenen Grundstück in Contrada Pietrapenta, wenige Kilometer von Matera entfernt, angebaut wurden. Heute baut die Familie in der fünften Generation auf fünfunddreißig Hektar ihre Weine an. Die Cantina gehört zu den Gründungsmitgliedern der 1990 entstandenen Initiative Matera DOC (Denominazione di origine controllata), die sich für die Vermarktung der besonders hochklassigen Weine aus Matera engagiert.

Nach dem Abschied von Vincenzo im Jahr 2011 führt nun sein Sohn Cataldo Dragone mit seinen drei Geschwistern die Azienda und hat pünktlich zur Eröffnung der Krypta das alte Familienhaus restauriert und erweitert, sodass hier heute Verkostungen aber auch Feierlichkeiten in großem Rahmen zelebriert werden – und sie natürlich einen Shop beherbergt, wo man die fantastischen Weine und Produkte der Küche erwerben kann. Und natürlich alles, was begeisterte Besucher an die Krypta erinnert. Sagen wir es so: Der Vater hatte mit seiner Entscheidung, die Krypta abzugeben, sehr gut vorgesorgt für die seinen.
Wir wurden herzlich von Angela Dragone empfangen, die Schwester von Cataldo, die uns mit ansteckender Freude durch das kleine, jedoch sehr feine Weinangebot probieren ließ, während uns aus der Küche immer wieder neue Köstlichkeiten serviert wurden. Hier auf dem Foto zeigt sie uns voller Stolz die Teigschüssel ihrer Mama, mit der sie heute noch in der Küche arbeitet. Ich verstehe sie so gut.
Natürlich probieren wir die knackigen Taralli, aber auch die köstlichen, knusprigen Cruschi. Es sind an der Luft getrocknete rote Peperoni, die kurz in – natürlich – Olivenöl frittiert werden und sehr viel Freude machen beim Essen! Man muss sich keine Sorge vor etwaiger Schärfe machen. Cruschi sind eine typische lukanische Spezialität, die man außerhalb der Basilikata wohl nicht finden wird. Denn die süßlichen Früchte der Peperoni di Senise sind seit 1996 in ihrem Ursprung geschützt und dürfen nur um Matera und die Provinzhauptstadt Potenza angebaut, so bezeichnet werden.
Apropos Olivenöl. Natürlich stellt die Familie auch ihr eigenes Olivenöl her; die Bäume auf dem Weg zur Cripta tragen jetzt im September reichhaltig große und kleine Früchte je nach Sorte. Uns wird das hausgemachte Öl zum hausgemachten Pane serviert – und es ist unvergleichlich gut. Fruchtig, mild, mit einer fröhlichen Säure! Leider verkaufen sie es noch nicht, sondern verwenden es ausschließlich in der eigenen Küche. Darüber war ich richtig traurig! Nun, so musste getrocknete Pasta und die schwarzen Kichererbsen – eine Besonderheit Apuliens und der Basilikata – in die Tasche wandern.
Es war ein heißer (und mittlerweile langer) Tag und der sehr herunter gekühlte Pietrapenta aus der autochthonen Traube der Malvasia-Rebe, ein trockener, beinahe leichter Weißwein mit 12,5 % Alkohol-Gehalt von 2023, war genau der richtige Wein zu den Cruschi (Kruski) und der Platte mit Prosciutto, Salami (wie gut schmeckt bitteschön die Salami aus der Basilikata?!!!) und einer Käseauswahl aus drei unterschiedlichen Sorten Pecorino.
Pietrapenta natürlich nach dem Terroir benannt, auf dem die Dragones ihre Weine ausbauen.
Glücklich machte mich der Teller mit Ruccola und zarten Nodini (Mozarella zu Knoten geformt). Ich bin immer noch verspielt genug, um mich an diesem kleinen, so liebevoll geformten frischen Käse zu erfreuen! Große Zustimmung an unserem Tisch erhielt der Brotsalat (Panzarella), der in Lukanien anders heißt. Nur wie? Ich habe es vergessen!
Als besondere Zutat enthält er diese köstliche Gurke Süditaliens, Carosello (in Apulien) und Barratiere (Basilikata), die mit ihrem süßlichen Melonenaroma spielt. Diese Gurkensorten enthalten kein Cucurbitacin, den typischen Bitterstoff hiesiger Gurken. Für mich eines der besten Gemüse in der Hitze Süditaliens – reich an Wasser und sie werden eiskalt gekühlt serviert in den Sommermonaten zum Aperitivo. Köstlich! Gut gewürzte und gegrillte, hauchdünn geschnittene Zucchini und Auberginen, sowie sehr aromatisch gegrillte (und deswegen) besonders köstliche Peperoni machten die Vorspeisen komplett.
Zwischenzeitlich hatten wir auf den zweiten Wein, den ersten Rotwein im Angebot der Cantina Casal Dragone gewechselt. Kistos Cisto Rosso, ein Cuvée aus Primitivo, Merlot und Cabernet – schwarz wie die Nacht im Glas, 2021 abgefüllt. Der Wein ist üppig, mit ausgewogenem Tanningehalt, weich im Abgang.
Ich persönlich hatte leider wieder mein typisches genetisch bedingtes Cuvée-Problem. Bei mir schmecken weiße Verschnitte nach Bier, roter Verschnitt schenkt mir einen muffigen Abgang. Dem anwesenden Wein-Profi hat der Wein gemundet, und das lasse ich herzlich gerne als Empfehlung so stehen. (Das ist wirklich mein Problem und spricht mitnichten gegen den Wein!)
Der letzte Wein unseres Tastings, der Pietrapenta Primitivo 2020, konnte mich zufriedener stimmen. Ein strukturierter Wein mit der tiefen Säure der Primitivo-Traube und grandioser Substanz im Abgang. Weit weg von den leichten Tischweinen, von denen wir an Primitivi hierzulande mittlerweile leider überschwemmt werden. Dieser Primitivo ist ausbalanciert und lockt mit den Aromen von Holz, roten Beeren und Vanille, außerdem hat er für einen Primitivo eine erstaunliche Eleganz. Ein feiner Wein – für 10,— Euro die Flasche zu haben. Übrigens, der höchste Preis für die Weine der Familie Dragone.
Hier begleitete er ein geradezu faszinierend einfaches, dennoch ganz köstliches Gericht. Wir bekamen die „armen Ritter” Italiens in herzhafter Variante serviert! In Milch und Ei eingelegtes und in der Pfanne frittiertes altes Pane, das mit aromatischem Tomatensugo satt serviert wurde. Und unser zartes Dessert, ein Mandelgebäck, mit intensiver Schokolade bestrichen. Sehr einfach, zart und intensiv im Geschmack.
Fazit: Unser Nachmittag in der Cripta del Peccato Originale war ein faszinierendes Erlebnis, dem ein köstliches Abendessen mit soliden, hervorragend zu trinkenden Weinen in der Azienada vitivincola Casal Dragone folgte – alles mit der typischen herzerfrischenden, fröhlichen Gastfreundschaft Süditaliens präsentiert.
Wir haben diesen Abend sehr genossen – und später auf der Terrasse unseres B&B in Matera und einer Flasche Pietrapenta Malvasia von diesem wundervollen Weingut ausklingen lassen.


Adressen
Tourismusverband: Entdecke Basilikata!

Homepage der Krypta: Cripta del Peccato Originale

Homepage der Azienda Dragone: Azienada Vitivincola Casal Dragone

2025-02-13

Maratea – an der Küste der Basilikata

Die Basilikata – eine einzigartige Landschaft

Was mich in der Basilikata überwältigt hatte? Das ist ihre naturgegebenen Erscheinung, die keinen meiner Wünsche an Natur offen lässt. Wie oft habe ich in den drei Tagen gedacht: „Hier will ich wandern gehen!” oder „Menschenskinder, jetzt hier Rad fahren dürfen!” Je nach Jahreszeit öffneten sich uns weite flache Landschaften, auf denen die Landwirtschaft blüht. Alte Weizensorten wiegen im Wind, Mohnblumen blühen satt. Weinreben und alte Olivenbäume sortieren sich in klaren Linien.
Immer wieder durchbrochen von den kleinen lukanischen Dolomiten, an denen sich kleine Dörfer schmiegen. Die Bergketten der Apenninen sind manchmal von einer harten Kargheit geprägt, laden auf ihren Erhebungen aber unbedingt ein, die angesiedelten kleinen Dörfer zu besuchen. Einige von ihnen sind verlassen, wie das alte Craco, das nach Erdrutschen 1963 evakuiert werden musste. Die umgesiedelten Bewohner der Altstadt haben am Fuße der Erhebung in Craco Peschiera ihre neue Wohnheimat gefunden. Aber die Geisterstadt oben am Berg lockt heute einen stetigen Strom von Touristen an.

Die von den lukanischen Calanchi geprägte Landschaft, sie ist besonders beeindruckend.
Steile Hänge mit wenig Vegetation und lockeren Sedimenten – in der Basilikata sind sie aus Lehm und daher sehr anfällig für Erosion. Niederschläge haben tiefe Furchen im Gestein hinterlassen – ich fühle mich bei ihrem Anblick ein wenig wie auf den Mars versetzt.
An anderen Orten sind die Gebirge der Basilikata dicht bewaldet. Der längst erloschene Vulkan Monte Vulture hat dieser Region die übliche Fruchtbarkeit der Lavaböden geschenkt. Nicht gesehen habe ich z. B. die Laghi di Monticchio, die Nicoletta von Sonoitalia schon besuchen konnte. Die Basilikata lädt in ihren beiden großen Nationalparks Parco Nazionale del Pollino und Parco Naturale di Gallipoli Cognato e della Dolomiti Lucane zu traumhaften Wanderungen in (fast) unberührter Natur ein. Teilweise von Flüssen durchzogen, locken auch beeindruckende Wasserfälle. Die Tier- und Pflanzenarten, die es hier zu entdecken gibt, einzigartig! Der höchste Berg der Basilikata ist der Sirino mit einer Höhe von 2005 Metern.

Maratea – eine bezaubernde Perle an der Küste der Basilikata

Und dann … ist da noch die Küste. Der Golf von Taranto im Ionischen Meer und der Golf von Policastro im Tyrrhenischen Meer umspielen die 70 Kilometer lange Küste der Basilikata ganz im Süden in der Provinz Potenza. Schroffe Steilküsten, tief ins die Felsen laufende Buchten und Grotten erwarten uns am Golf von Policastro im Südwesten der Basilikata. Im Südosten locken weiße, weite, lange flach ins Meer laufende Sandstrände mit dem türkis schimmernden, glasklaren Wasser. Mit einer Besonderheit lockt die schöne Küstenstadt Maratea: der Spiaggia Nera, ein Strand mit schwarzem vulkanischen Sand.

Maratea war unser letzter Anlaufpunkt unserer Pressereise. Ein Wettertief gab in den hohen Lagen alles und vermittelte uns eine Idee, wie nass es in den Bergregionen doch sein kann. Nachdem ich in Castelsaraceno im Zwischenhoch mein Selbstbewusstsein pushte und mich über die tibetanische Brücke traute, fuhren wir durch beeindruckende Regenschauer die Serpentinen hinunter zu dem traumhaft schön gelegenen Küstenort, der als der schönste Badeort der Basilikata gilt. Die Küste empfing uns indes – wie ich es für uns alle auch beschlossen hatte – im strahlendem und wärmenden Sonnenschein mit ihren vielen Blautönen!
Knapp 5.000 Einwohner zählt diese kleine Gemeinde. Ihre besonderen touristischen Attraktionen sind – natürlich – die traumhaft schöne kleine Altstadt, der schon erwähnte Spiaggia Nera, die Christus-Statue aus weißem Marmor und als neueste Errungenschaft der Skywalk von Maratea. Entlang der Küste sind sieben historische Leucht- und Wachtürme aufgereiht. Teilweise restauriert und begehbar – oder man findet von ihnen nur noch die Reste einer Ruine.

Maratea wird auch liebevoll die Stadt der 44 Kirchen genannt. Wer sich für diese Kultur interessiert, wird in der Stadt Schätze aus dem 16. und 17. Jahrhundert besichtigen können. Die Stadt lebt vom Tourismus, der sicherlich immer noch eher von Italienern wahrgenommen. Allzu viele Touristen verirren sich noch nicht aus dem Ausland – aber wer gerne wandern geht, gerne gut isst, die Ruhe wertschätzt und natürlich den Wassersport liebt, wird in Maratea einen traumhaften Urlaub verleben!

Der Bahnhof des Ortes liegt an der Linie Salerno-Reggio di Calabria. Die nächstgelegenen Flughäfen liegen in der Nachbarprovinz Calabrien. Von Neapel aus kann man in drei Stunden hierher gelangen. Aber man kann auch ab Bari mit dem Zug in den Süden der Basilikata reisen. Mit dem Zug ab Bari gelangt man in ca. sieben Stunden hierher.

Die jüngste Sehenswürdigkeit – der Skywalk von Maratea

Wir besuchen als Erstes den Skywalk von Maratea. Er wurde entlang eines historischen Naturwanderwegs angelegt, folgt dem Küstenverlauf entlang des Tyrrhenischen Meeres und bietet den Besucher*innen einen traumhaften Blick über die Küste des Golfes von Policastro. Er ist brandneu, nämlich 2024 (dem Jahr unserer Pressereise) erst eröffnet worden.
Ein ausgebauter Übertritt mit Glasboden liegt direkt über dem Meer und kann bei Besucher*innen den Blutdruck leicht heben. Barrierefrei angelegt ist der Skywalk nicht sehr lang und es locken auch einige Bänke für ruhige Momente an diesem Ort.
Wer auf ihm unterwegs ist, hat das Gefühl, von der Natur völlig umarmt zu werden.
Ein entspannender Ort, an dem man vom Duft der Macchia, der hinter ihm hochwachsenden Berges begleitet wird, vom flüsternden Wind und dem an die unteren Felsen mit beruhigender Regelmäßigkeit schlagendem Meer, dessen Geräusche den Herzschlag sofort senken lassen. Wir atmen tief durch und genießen das Bild, das sich uns mit der langsam sinkenden Sonne bietet.

Natürlich kann man auf dem Skywalk grandiose Sonnenuntergänge erleben.

Il Christo Redentore di Maratea

Oder man bewegt sich doch wieder in die Höhe – was wir natürlich tun. Hierzu fahren wir zuerst eine Passstraße hoch, die eindeutig alle visuellen Zeichen der 70er Jahre trägt, nicht immer schön – aber historisch durchaus wertvoll! Ein Parkplatz sichert dem eigenen Auto den Stellplatz, ein Schulbus aus vergangenen Tagen fungiert als Shuttlebus ganz nach oben – und mit dem zu fahren, das ist ein Vergnügen für sich!
So haben wir ganz ohne Anstrengung den Monte San Biagio erklommen. Was man durchaus aber auch tun könnte, wandert man durch das Gelönde. Hier auf seinem Gipfel hatte sich vor vielen Jahren die Stadt Maratea angesiedelt, davon finden sich hier nur noch Ruinen. Die Stadt ist später ins Tal gewandert. Es ist ein angenehmer Ort – man hat einen grandiosen Überblick auf Maratea, die weite Aussicht über die Küste und das Meer. Hier können sich allenfalls die Wolken vor den Sonnenuntergang schieben – und ihn damit auch einzigartig gestalten.
In 624 Metern Höhe steht hier „Il Christus di Maratea” eine Christusstatue nahe an der Küste. Ihre Besonderheit: Sie blickt nicht auf das Meer, sondern guckt auf die „Perle des Tyrrhenischen Meeres”, die Stadt Maratea zu ihren Füßen und scheint diese mit ihren ausgebreiteten Armen von insgesamt 19 Metern Länge umarmen zu wollen.
Christus ist beeindruckend groß: Mit seinen 21,13 Metern Höhe ist er so groß wie ein typischer Berliner Altbau aus dem 19. Jahrhundert mit vier Stockwerken. Er besteht aus einer speziellen Mischung von Flocken aus weißem Carrara-Marmor und Zement.
Der Marmor sieht nun nach 60 Jahren Standfestigkeit den Naturgewalten und Vogelliebe ausgesetzt etwas angegraut aus. Der Kopf dieses Christus ist alleine drei Meter groß. Die Statue, deren Fundament mehr als zehn Meter in dem Boden verankert liegt, wiegt 400 Tonnen! Ihre Größe beeindruckt.

Diese Statue wurde zwischen 1963 und 1965 errichtet, ihr Schöpfer ist der italienische Bildhauer Bruno Innocenti. Als ein Geschenk für Maratea hat sie Graf Stefano Rivetti finanziert und erbauen lassen. Der reiche Norditaliener, ein Industrieller der Textilindustrie, verliebte sich einst in diese Stadt im tiefen Süden Italiens und siedelte, um sie aus der lukanischen Armut zu holen, seine Industrien dort an.
Diese seine Liebe zu Maratea erklärt auch, warum Christos auf die Stadt blickt und nicht hinaus auf das Meer. Und ich verstehe ihn. Es ist ein guter Ort, wir haben einen grandiosen Überblick über Matera, wie es da entspannt im Tal zwischen den Bergen liegt, deren grüße Natur die kleine Stadt umschließt. Der Bahnhof mit den ein- und ausfahrenden Zügen wirkt von hier wie eine Modelleisenbahn. Und auf der anderen Seite kann man lang entlang der Küsten sehen – bis hinüber nach Calabrien und die Weite des Meeres feiern.
Zu Füßen der Statue, die bei jedem Wetter und zu jeder Stunde anders aussieht und – natürlich – ein viel geliebtes Fotomotiv ist, liegt die kleine Kirche San Biagio – sie ist für süditalienische Verhältnisse erstaunlich neutral gehalten.
Ein wenig Restauration und Souvenirshops laden ein, einen Café zu trinken, um auf den Sonnenuntergang über dem Meer zu warten – der von hier aus natürlich eine Grandezza unter Beweis stellt, die ihresgleichen sucht.

Centro Storico

Keine Zeit! Keine Zeit! In Maratea sind wir eindeutig viel zu kurz! Wir können nur einen kurzen Spaziergang in die Altstadt machen, wo wir die beliebten Cruschi einkaufen, die sich in den letzten Tagen ganz schön in unsere Gourmetherzen geschmuggelt haben.
Uns bleibt leider gar keine Zeit für einen Vino oder Chinotto (Limonade mit Bitterorange) auf der kleinen charmanten Piazza.
Schade, denn das Centro Storico belebt sich gerade wieder zur Stunde des Aperitivo. Auch sehen wir keine der 44 Kirchen von innen.
Dafür aber die Farmacia dei sani, wo uns Giovanna, die Besitzerin, in ihrem hübschen, kleinen Delikatessenladen empfängt und wir uns sehr bereitwillig das Geld aus der Börse ziehen lassen für Cruschi, getrocknete Peperoncini und Dolce. Ivana hatte uns diesen entzückenden kleinen Laden empfohlen, um die besten Cruschi zu kaufen! Es gibt sie getrocknet, zum selber frittieren oder bereits frittiert, luftdicht verpackt und natürlich auch eingelegt. Ganz nebenbei ein traumhaft pikantes Olio di Peperoncini! Die deliziöse Farmacia ist den Besuch wert. Auch die in unmittelbarer Nähe liegende Pasticceria Pranza, die süße lukanische Versuchungen anbietet.

Agriturismo Val Sirino

Dennoch: Ciao Maratea! Wir müssen noch eine Weile fahren, um zu unserem neuen Nachtlager zu gelangen – und dort das Abendessen zu genießen. Erneut fahren wir die Serpentinen entlang nach Val Sirino, dort wartet das wunderschön angelegte Agriturismo Val Sirino. Ein Familienbetrieb, der dort landwirtschaftlich arbeitet und Naturliebhabern einfache Unterkünfte anbietet, mit dem Erlebnis echter lukanischer Küche.
Es ist bereits dunkel und wir erkennen gar nicht, in was für einer traumhaften Gegend wir angekommen sind. Wir genießen nach dem Check-in ein typisches, aber sehr schmackhaftes Abendessen im rustikalen Charme der Cucina Povera. Die einfache Küche der armen Leute Italiens, die wirklich zum Niederknien ist, wenn man sich an das eine oder andere sehr ursprüngliche Gericht traut.

Ich erhalte ein zweites Mal in diesem Jahr die Möglichkeit, Trippa zu probieren. Ich finde sie hier besser, aromatischer als im Frühling in Venetien – dennoch reicht mir ein Probebissen.
Hingegen gab es ein ähnliches Gericht, dessen Namen ich leider nicht parat habe mit der geschmorten Schwarte vom Schwein, gewürfelt und in Tomaten geschmort. Dass man dieses Essen nach einem harten, langen Arbeitstag in der sicherlich nicht immer freundlichen Natur in dieser Gegend liebt, kann ich sehr nachvollziehen! Und davon nehme mir sehr gerne noch einmal nach! Auch von den Polpette.
Natürlich werden uns auch feinste Wurstwaren zu den warmen Antipasti serviert, Käse – alles selbst produziert oder vom Landwirt nebenan. Später noch Fave mit – natürlich – Cruschi.
Die hängen im Restaurant des Agriturismus Val Sirino satt über dem Kamin. Die heißbegehrten Ciceri – die Kichererbsen eingekocht in würziger Creme. Ich bestelle mir zum Hauptgang lediglich noch einen Salat, denn das es nach den wirklich mehr als reichhaltigen Antipasti noch einen Hauptgang geben sollte – überforderte mich einfach! Ein gutes und sehr schmackhaftes Abendessen, dazu ein ehrlicher Hauswein.

So viel haben wir an diesem Tag erlebt, ich packe nur noch meinen Koffer für die Rückreise am nächsten Morgen und falle in den Schlaf in meinem kleinen, einfachen (auch hellhörigen) Zimmer – aber mit Bad en Suite.
Am nächsten Morgen stelle ich mir sehr früh den Wecker und laufe noch ein bisschen durch die Anlage des noch sehr ruhigen Agriturismo. Dort bellen mich aufgeregt die Hunde an, die letzten Rosen duften. Es summt und piept in der satten Natur. Das mitten in der Wiese vor dem Haus ein Pony im Gras knabbert, gefällt mir natürlich sehr!
Dahinter tun es ihm zwei Pferde auf der Koppel gleich. Und im Hühnerstall betteln die kleinen Katzenbabies – zum Schutz vor dem Fuchs mit Hühnern und Gänsen eingesperrt – um ihre Freilassung. Da darf ich ihnen nicht helfen – erkenne aber, wen wundert es, ihr sehr großes Niedlichkeitspotential.

Das Agriturismo liegt am Monte Sirino im Nationalpark Appenino Lucnao Val d’Agri Lagonegrese – grüne Natur, so weit man schaut. Ein traumhaft schöner Baumbestand umschließt uns.
Irgendwo im Hintergrund bimmeln die Glocken der, für mich, unsichtbaren Huftiere. Von hier aus wird man grandiose Wandertouren machen können. Sehr gerne würde ich jetzt losmarschieren und gucken, ob mir vielleicht hier und dort ein netter kleiner Herbstpilz winkt.
Das Frühstück ist wieder so reichhaltig, wie es schon unser Abendessen war. Typisch italienisch süß – aber die Marmeladen sind selbst gemacht und sehr köstlich! Gleiches lässt sich zu den selbst gemachten Käsen und Ricotta sagen. Auch der Kaffee schmeckt köstlich – und wir sind ein bisschen traurig, als der Bus vorfährt, um uns zum Flughafen nach Bari zu bringen. Hier oben kann man wirklich perfekt zur Ruhe kommen – außerhalb der Saison auf jeden Fall.