2016-12-28

Protipp

Wann immer Euch professionelle Köche im TV erklären wollen, irgendein physikalischer oder chemischer Vorgang durch Hitze manifestiert, würde irgendwelche Poren verschließen – hört einfach nicht hin. Es gibt nur ein Körperorgan, das Poren verschließen könnte und das ist die Haut. Und ob eine Hühnerbrust von einem verstorbenen Huhn noch mit Haut am Fleisch jemals über Mechanismen verfügt, die sie die Poren öffnen und schließen lassen lässt, darüber darf diskutiert werden.

Sollte jedoch gleicher unbedarfter Koch Euch erklären, Ihr solltet verdammt noch mal und wirklich sehr vorsichtig sein und richtig gut aufpassen mit dem, was Ihr tut, wenn Ihr Karamell zubereitet und diesem dann irgendwas zufügt, z. B. Butter, DANN HÖRT (AUCH) VERDAMMT NOCH MAL HIN UND TUT WAS DIESER MENSCH EUCH RÄT, weil sonst …



Das ist eine lässige Verbrennung dritten Grades. Und die passierte rasend schnell, im Grunde sehr unspektakulär (drei kleine Karamellspritzer auf die rechte Hand und an dieser Stelle mit der größten Konsequenz) und ich musste mich dafür nicht einmal besonders blöd anstellen. Sehr beeindruckt hatte mich der Grad des Schmerzes bei dieser Verbrennung (wenngleich dieser unter kaltem fließenden Wasser sich recht bald wieder mäßigte) und die Geschwindigkeit der Entstehung der Blase, ihrer Öffnung und der frei liegenden Wunde. Von 0 auf 100 in nicht einmal einer Stunde.

Das hat mich daran erinnert, dass ich immer in meine Patientenverfügung schreiben wollte, dass ich keine lebensverlängernde Maßnahmen wünsche bei Verbrennungen des dritten Grades bei einem Körperanteil von ab mehr als 50 Prozent. (Das hat was mit dem lebenslangen Schmerz zu tun.)

Kurz: ich bin sehr beeindruckt! Und ein bisschen dankbar, dass mir das Zeug nicht ins Gesicht gespritzt ist.

An dieser Stelle aber noch ein kurzes Foto von meinem kleinen Finger. (Ich habe ja auch ab und zu Erfolgserlebnisse.) Ihr erinnert Euch?



Der kleine Wellenschnitt? Hat der Doc wirklich exzellent genäht, der Finger sich bei der Heilung gut benommen und Maike großartig die Fäden gezogen. Auf der Fingerkuppe ist der Finger noch taub, den Gnubbel darunter massiere ich täglich, manchmal mag ich nicht mich am Finger stoßen. Aber das sind restliche Begleiterscheinungen, die auch noch mit der Zeit wieder verschwinden werden.

Die Narbe muss man sehr sehr suchen. Das Messer lebt noch.

Oru Kajak als eKajak

Ich bin seit geraumer Zeit großer Fan dieser Oru Kajaks. Das StartUp Oru Kajak Inc. aus San Francisco hat vergleichsweise leichte Faltkajaks auf den Markt gebracht, seinerzeit unterstützt mit dem heutzutage üblichen Crowdfunding, hier Kickstarter.



Mittlerweile, nach vier Jahren, ist die Produktpalette um vier weitere Modelle gewachsen und bietet für jeden Paddler, ob See, Fluss, Strand oder offenes Meer, das richtige Boot. Die Oru Kajaks bestehen aus Polypropylen, die Produzenten versprechen eine Stabilität ähnlich dem von Fiberglas. Oder …



Beeindruckend oder?

Verglichen mit den üblichen Faltkajaks ist der besondere Vorteil von den Oru Kajaks ihr Gewicht. Ab einer Länge von 3,7m (Beach, Bay) bis 4,9m (Coast/Coast +) wiegen die Kajaks ohne Zubehör 12-15,4kg. Das macht den großen Reiz dieser Faltkajaks aus: man ist mit ihnen erstaunlich mobil, benötigt für ihren Transport kein Auto etc. Sie kommen so gefaltet, dass man sie sich auf den Rücken schnallen kann und mit ihnen Rad fahren kann, jede Box ist nicht breiter als 81cm. Einen komfortablen Tragerucksack gibt es extra zu kaufen. Origami bekomm hier möglicherweise eine greifbare Bedeutung.

Der Aufbau der Orus ist denkbar einfach (Okay Spezies gibt's immer: „Initially I had some trouble putting it together—the instructions are clear, but maybe like Ikea clear.”, Kommentar auf der Homepage von Oru Kajak), diverse Videos im Netz zeigen das. Das Zubehör ist umfassend und durchdacht. Die Preise für die Boote sind natürlich gediegen, das Einsteigermodell the Beach startet bei 1.290,— Euro, das hochseetüchtige the Coast + zieht einem schon 2.690,— Euro vom Konto. In Deutschland kann man es bei Chris Kajak beziehen, der leider nicht die attraktiven Sets des US-Herstellers anbietet.

Für mich sind diese Boote ein Träumchen – und träumen wird man ja wohl noch dürfen. Was mich neulich einmal mehr amüsiert hat, ist der Elektroantrieb, den es mittlerweile auch für die Oru Kajaks gibt. Der Produzent Current Drives Inc. hat für die Modelle einen netten kleinen elektronischen Antrieb namens ElectraFin® entwickelt, der die Boote knapp 8 km/h ohne Muskelantrieb durch das Nass gleiten lässt. Der Akku ist in 4-5 Stunden geladen und hat eine Reichweite von bis zu 16 Kilometer bei Höchstgeschwindigkeit, im langsamen Fluss kommt man bis zu 32 Kilometer weit. Das LED-Display zum Bedienen wird kabellos am Paddel befestigt, alle Teile einschließlich Akku-Case sind natürlich wasserfest und hochseetauglich.

ElectraFin® kann auch an jedem aufblasbaren Kajak befestigt werden. Der Akku oben auf dem Boot festgeklemmt. Die Schiffsschraube wird unter das Boot geklebt und ab die Post. Der Spaß kostet 1.895,— US-Dollar. Auch so'n Schnäppchen. Wie gut dass es noch keine Version für den europäischen Stromstandard gibt.

Gut, ich bin natürlich Paddlerfan und mir sind diese ganzen „Ich-nehme-Euch-die-Arbeit-ab”-Technologien immer leicht suspekt, insbesondere bei sportlichen Aktivitäten – aber dieses Gimmick finde ich wirklich witzig:



Und hier noch viel mehr lustige visuelle Oru Kajak-Appetitmacher!

2016-12-26

Gute Weihnachten!



Ja, ich bin spät mit meinen Wünschen. Fröhliche Weihnachten mag ich dieses Jahr nicht mehr wünschen. Besinnlich auf alle Fälle – ich hoffe, Ihr hattet und habt noch ein paar wundervolle Tage.

Besinnlich waren meine Weihnachten irgendwie nicht. Die Ereignisse in der vorletzten Woche haben unerwartet hier und dort Zeit gestohlen bzw. den Zeitplan ad absurdum geführt. Man zelebriert dieses Weihnachten der Kinderzeit eben nicht mehr, man trifft sich, kocht und isst gemeinsam, unterhält sich, doch besinnt man sich?

Das Leben sehen auf einer Intensivstation stellt viele Dinge in Frage. Das was in Berlin geschehen ist, sowieso. Es ist nicht so als wäre es neu, noch nicht erlebt aber es schärft den Sinn für das schnelle Vorüber dieses einen Lebens. Von dem ich eh immer glaube, es nicht genug zu leben, spätestens seit dieser Krankheit, die gefühlt mich eh nie etwas richtig machen lässt. Aber man wird demütig, dankbar. Man hat, was man hat. An Wärme, Liebe, Zuneigung, Hoffnung – das ist was zählt und wichtig ist.



Ich möchte mich für die lieben Weihnachtswünsche bedanken! Für die Post! Für die vielen wundervollen Weihnachtsgeschenke (was hätte ich eigentlich ohne den größeren Tisch gemacht, wohin mit den vielen Päckchen?), die mich sehr froh stimmten und im Herzen freuten, ein bisschen auch sprachlos machen. Und wieder ganz demütig. Ja, ich freue mich sehr. (Leider hat Amazon hier und dort mir verschwiegen woher ein Geschenk kam.) An alle aber: ganz herzlichen Dank! Das gibt viel Kraft und Zuversicht – neben der Freude und Dankbarkeit. Und auch Tally und Shiina bedanken sich ganz herzlich für die freundlichen Futtergaben! (Ich bin doch immer sehr stolz, wenn andere Menschen meine beiden Mäuse glücklich sehen wollen.)



Am heiligen Abend war ich bei Freunden, die Künstlerin hatte einen wundervollen Tisch gedeckt.



Wir saßen am brennenden Kamin



und mästeten uns im Übermaß mit zwei Enten (hier tranchiert die Hausfrau selbst!), Kartoffeln und Klößen, einer Mousse zum Nachtisch. Ich mästete vorher den wuscheligen Hund mit einem Stück Ochsenschwanz. So einem Hund auf seiner Decke neben dem brennenden Feuer glücklich den Knochen knabbernd zuzusehen. Doch, das war dann doch besinnlich (nicht für den Ochsen). Vorab hatte ich ein ganz kleines Dominosteinekoma. Die Klöße habe ich selber gemacht, die Hausfrau wünschte sich dieses und auch wenn mich die Konsistenz noch nicht ganz überzeugte, wobei diese vermutlich völlig richtig war und wir nur verwirrt waren, weil sie nicht so wie industriell produzierte wirkten. Wie dem auch sei, der TV-Koch Rainer Sass gab mir vorher in diesem Dingens namens Internet den Tipp mit auf den Weg an den Kloßteig braune Butter (Nussbutter) zu geben und ich möchte Euch diesen Tipp zwingend weiterreichen. Denn Klöße mit Nussbutter sind geschmacklich ein kleines rundes Glück auf dem Teller!



Wir hatten Soße ohne Ende! Die Hausfrau lässt die Enten immer erst entfetten, gießt es ab und kocht nebenbei im Schnellkochtopf das Entenklein zur Brühe aus und übergießt die Enten mit dieser immer und immer wieder. So hat man am Ende sehr viel, sehr feine Soße – mit Betonung auf sehr viel Soße! Die Vögel waren sehr gut zu uns! Der Rotkohl auch, die Klöße auch! Ach … und der Kamin!

Gestern dann Gans bei der Nachbarin mit ihren Kindern, weiteren lieben Nachbarn und zwei Hunden.





Cava satt, ich steuerte den Rotkohl (der erste der Saison mit viel Liebe zubereitet, so was von ordentlich durchgezogen!) und Grünkohl dazu. Den Grünkohl habe ich dieses Jahr erstmals selber gemacht. Ich vertraute bis daher den Meinungen derer, die es wissen müssten, dass der aus dem Glas genauso gut sei (O-Ton Oma väterlicherseits, Kaltmamsell bei Osram, im späteren Verlauf ihres Küchenlebens der ewigen Küchenleistung müde), wollte es aber dieses Mal selbst für mich wissen. So kaufte ich den Kohl am Öko-Stand, wusch, blanchierte, schnitt, schmorte, verliebte mich aufs Neue in dieses grüne Kraut. Er war genau wie Omas als sie ihn noch selbst zubereitete, mehr kann ich von meinem ersten Grünkohl nicht wollen.

In diesem Jahr wieder einmal mehr begriffen, was meine Omas, meine Mama an Weihnachten immer geleistet haben mit der ganzen Organisation, den Einkäufen, den Vorbereitungen, der Küchenarbeit. Ich glaube, gerade meiner Oma haben wir mit dem Einbehalten der üblichen Traditionen am Ende ihres Lebenswomöglich viel zu viel abverlangt, weil wir gar nicht verstehen wollten, dass sie alt geworden war über die Jahre. Die Omas dieser Generation haben ja nie geklagt.

Die Todesnachricht von George Michael wirft mich seit gestern aus der Bahn. Ich dachte an ihn neulich und hatte ein komisches hellsichtiges Gefühl dabei. Die Impfung dieses Jahres 2016. Dann hörte ich, es ginge ihm wohl besser nach den letzten gesundheitlich anstrengenden Jahren, dass er wieder bereit sei, Musik zu machen und ich fühlte mich erleichtert. Ich war nie ein großer George Michael-Fan in dem Sinn, dass ich auf seine Konzerte gegangen bin, seine Musik gekauft hätte. Ich habe ein Album von ihm. Das Album, das er nach seinem Rechtsstreit gegen Sony veröffentlichte, weil ich ihn damals so mutig fand und ihn dann unterstützen wollte. Aber seine Musik hat mich mein Leben lang begleitet, meine Ratlosigkeit über diesen doch so offensichtlich schwulen Mann und Künstler, der sich gefühlt nie zu seinem Sein bekannte, dem die Zeitungen immer weibliche Liebschaften andichten wollten, was sich immer falsch anfühlte. (Also für mich, einen jungen Menschen in Berlin groß geworden, wo wir dankenswerterweise früh schon auf anerzogene homophobe Gefühle verzichten durften.) Bis ich begriffen habe, dass man sich als Mensch in einer Öffentlichkeit stehend eben nie so einfach outen darf, davon abgesehen, dass mich der private Mensch hinter einem Künstler nicht zu interessieren hat. Aber das Gefühl so lange so offensiv mit diesen Lügen zu leben – mein Begreifen wie sehr groß so ein Opfer wohl sein muss, dass es einen sensiblen Menschen wohl zerreißen muss. Die Traurigkeit so einem Menschen nicht die Hand reichen zu können, obwohl er einem so viel Schönes gegeben hat und mit stiller Verzweiflung von seinen ungesunden Süchten lesen zu müssen; obwohl man ihn unbekannterweise doch für so sehr viel klüger halten wollte. Und glücklicher im Leben. Das alles ist George Michael für mich. Ich will ihn glücklich, gesund und schaffend haben. Mit seiner unglaublichen Bühnenpräsenz, dieser eine Mann auf einer dunklen Bühne ganz alleine, der mit dem ersten Wort seiner Songs die Leute in seinen Bann ziehen konnte. Ich weiß noch, wie er bei dem Freddy Mercury-Tribute Konzert von Queen „Somebody to Love” sang und beim ersten Akkord so klar war, würde es je einen würdevollen Mercury-Nachfolger geben, dann wäre er das. Symbiotisch.

Und ich bin immer froh gewesen „Last Christmas” zu hören, ich kann das Lied zu jeder Jahreszeit hören. Es ist für mich eines der größten Liebeslieder aller Zeiten.

Ich möchte nun nicht seine Nachrufe lesen müssen. Oh bitte, lass ihn die letzten Jahre glücklich gewesen sein!

2016-12-22

Geträumt …

… Heidi Klum hätte irgendeinen biederen Gynäkologen heiraten wollen und zwar in einem völlig desaströsen 08/15-Outfit, was ich ihr verbieten musste und ihr darauf hin irgendetwas Schickes aus meinem (ähem!) Kleiderschrank überzog und sie dann erst wieder richtig gut aussehend vor den Traualtar entließ.

Die ganze Zeit im Traum in einem Loop gedacht: „Das kann doch alles nicht wahr sein.”

Örgs

Da frage ich meinen Lieblingszeitungs-Mohammed (der, der immer Hundesticks für die ihn besuchenden Hunde parat hält), was heute das Porto für so eine Geschenkkarte mit Umschlag ist und zeige auf die Karten, die da bei ihm im Ständer auf lustige Käufer warten. Er verlautet 70 Cent, ich kaufe einen ersten Schwung Briefmarken. Natürlich sind die Weihnachtsmotive hier im Osten bereits ausverkauft. Ich schreibe einen ersten Schwung Karten und verschicke sie.

Gestern gehe ich mit einem weiteren Teil der Karten wieder zu ihm, weil einige ins benachbarte Ausland verschickt werden sollten – da ruft er plötzlich auch für die eine nach Deutschland gehende Karte einen ganz anderen Preis auf, nämlich fast das Doppelte!

Fange ich an zu diskutieren und mir bricht dabei der leichte Schweiß aus – da sind die Karten, die ich versende halt an jeder Seite 5mm breiter, insgesamt also 1cm und passen somit nicht mehr durch die Post-Messlatte und fallen somit unter Großbrief. Verdammt!

Also bekomme ich die ersten Karten alle zurück oder von einigen von Euch, den armen Empfängern, wird ein Strafporto verlangt werden. (Ihr habt ja keine Ahnung, was meine Unzulänglichkeit in solchen kleinen Dingen mit meinem Gemüt anzustellen weiß.)

Es tut mir so leid – im Zweifelsfall lasst sie zurück gehen.

Es ist ja nur eine Weihnachtskarte.
Mit Glitzer.
Und etwas Katzencontent.

*schnief*

2016-12-20

Tally …

… ist heute drei Mal an der Nachbarin (auf dem Sofa sitzend) vorbei gelaufen, hat einmal an ihren Fingern gerochen (Hund, Bella) und hat dann unter dem Sofa und uns geschlafen. Zwei Mal quasi mit einer Futterunterbrechung.

Mehr Mut und Zuneigung von einer kleinen bunten Katze geht nicht.

S. hätte heute Geburtstag gehabt. Wie ich in diesem Jahr ihren 51., den 50. haben wir im vergangenen Jahr noch miteinander gefeiert. Es ging ihr sichtlich nicht gut aber sie hat sich feiern lassen. Sie fehlt.

In dieser Zeit wird einem viel bewusst.

Ich schreibe Weihnachtspostkarten, habe immer Sorge jemanden zu vergessen und denke ständig: es ist nicht genug.

Der Patient, dem die Ärzte Freitag eine Überlebenschance von allerhöchstens 25 Prozent einräumen wollten, ist nun nach der gestrigen Tracheotomie noch weiter aus dem künstlichen Schlaf geholt worden als er es schon am Montag wurde, wo er bereits auf die Berührungen der Frau reagierte und ab und an die Augen öffnete und sichtlich unter der Beatmung über Mund und Nase litt. Er weinte heute als er seine Tochter sah. Er öffnete länger die Augen. Er hat auf ihre Fragen bezüglich der Musik auf ihre Fragen genickt bzw. diese verneint.

Die Ärzte stehen an seinem Bett und glauben an ihr Weihnachtswunder. Die Ehefrau ist tablettenbedingt sichtlich gleichgültig. Morgen wohl das CTG. Geschätzte 10 Minuten ohne Sauerstoff hatte sein Hirn nach der Recherche wohl aushalten müssen.

Womöglich wirklich ein Weihnachtswunder, womöglich doch noch das ganz große Drama.

Weihnachten. Unwirklich dieses Jahr. Vielleicht war früher wirklich mehr Lametta? Ich hoffe, Euch allen geht es gut!

Schluss ist.

Interessenvertretungen – egal welchen Ursprungs, welcher Couleur, welchem Thema verbunden – können nur funktionieren und für ihre Sache profitieren in dem sie auf sich aufmerksam machen. Dazu bedarf es Werbung für sich und die eigene Sache. Soweit so gut.

Nun gibt es solche Vereinigungen, die glauben, im Sinne ihrer Ideologie, eine gesellschaftliche Veränderung nur erreichen zu können, in dem sie andere Menschen physisch und psychisch schädigen. Das unterstreicht vor allem die besondere Schwäche einer solchen Vereinigung. Soweit so schlecht.

Dem Mann, der gestern in Berlin mindestens zwölf Menschen tötete, offensichtlich mit Vorsatz und mindestens 50 Menschen physisch verletzte, – die Menschen, die psychische Verletzungen vom Erleben vor Ort davon tragen, die zählt man üblicherweise nicht – werde ich den Gefallen aber nicht tun. Weder werde ich ihn als das bezeichnen, wie ihn die Medien bezeichnen wollen; noch werde ich ihn auch nur ansatzweise in die Nähe irgendwelcher Vereinigungen sortieren, die sich allzu gerne für das gestrige Geschehen feiern wollen.

Das tue ich nicht. Ich werden ihm diese Form der Zuwendung entsagen. Sein Spiel spiele ich nicht mit.

Ich bin ab sofort eine Spielverderberin!

Er ist für mich lediglich ein Mörder. Er Verirrter. Einer, der sich in seiner armseligen Existenz nicht anders zu helfen wusste als zu töten. Seinen möglichen Hintergründen schenke ich keine Relevanz. Ich werde ihm und auch denen, die sich so sehr wünschen, er hätte das für ihre Sache getan und sich mit den fremden Federn dieses Mörders schmücken möchten (obwohl sie es selbst nicht einmal wissen) nicht die Macht geben, dass das, was da gestern getan worden ist für irgendeine Sache geschehen ist. Es gibt keine Zuordnung von mir.

Die üblichen Worte unserer Gesellschaft, die auf solches Tun marktschreierisch verwendet werden und so diesen Vereinigungen in die Hände spielen und den Zweck ihres Tun somit heiligen, werde ich nicht mehr verwenden. Ich werde mich diesem Glossar, der so ungefiltert zunehmend in unsere Alltagssprache einzieht, entziehen.

Ich wünsche mir sehr, Medien und Politiker würden das Gleiche tun. Wir würden, Ihr würdet es alle tun. Das ist, was solchen Menschen die Luft zum Atmen nimmt, ihnen die Grundlage für ihr Tun abspricht. Sie nicht mehr für ihr Tun mit einer Sache in eine Verbindung zu bringen. Sie in eine andere Ecke sortieren – in die sie nicht wollen.

Ich gehe davon aus, dass der Mann für sein Tun auf der Basis der Demokratie in der ich lebe und ihrem Rechtsverständnis einen fairen Prozess bekommt, keine Gelegenheit erhält sich diesem zu entziehen und ein gerechtes Urteil über ihn gefällt wird: für den vorsätzlichen Mord an z. Zt. zwölf Menschen, der Körperverletzung an mindestens 50 Menschen aus niederen Beweggründen.

Game is over!