2016-12-19

Was immer …

… die polizeilichen Ergebnisse hervor bringen werden, morgen werde ich auf einen Weihnachtsmarkt gehen. Und ich werde keine Menschen hassen noch angehen, nur weil sie „irgendwie” anders sind als ich.

So nicht! Nicht mit mir. Nicht mit meiner Stadt.

Und Kraft, irgendwann wieder Zuversicht den Hinterbliebenen, eine schnelle, hoffentlich komplette Genesung den Verletzten und baldiges Seelenheil den Traumatisierten!

Immer!

Potentieller ebay-Kleinanzeigen-Kunde. „Hallo, würden Sie auch xyz versenden?”
Ich: „Ja, kann ich gerne machen. Kommt halt noch die Päckchen/Paketgebühr hinzu.”
Potentieller ebay-Kleinanzeigen-Kunde: *schweigt*

Jetzt zum dritten Mal in Folge. Was glauben die eigentlich? Dass ich mit dem Paketdienstleister schlafe und deren Leistung geschenkt bekomme?

2016-12-17

Quadratur des Kreises

Der Vater meiner Freundin liegt nach einem Lungenkollaps auf der Intensivstation. Sie und ihr Ehemann (bekannt auch als beste Freunde der Welt) waren beim Zusammenbruch nicht in Berlin, u.a. weil sein Onkel letzte Woche verstorben ist (erwähnten wir eigentlich schon wie sehr scheiße (pardon my french) 2016 ist?) Da ihre Mutter psychisch schwer krank ist, bin ich die letzten Tage zusammen mit dem Enkel eingesprungen. Der Enkel macht das toll, Mitte 20 aber es ist seine erste Erfahrung mit dem Gehen lassen müssen auf diesem speziellen Gebiet.

Das Ganze lehrt einem selbst natürlich wieder einmal sehr viel. Es lenkt den Blick auf die vielen sehr großartigen Menschen, die in der Pflege, hier Intensivpflege arbeiten. So hart arbeiten, professionell. Immer freundlich, ruhig und sachlich. Grenzgänger im optimistisch sein, täglich. Alles Irre. Im positiven Sinne.

Dann … die Mutter lebt in Köpenick, er ist in Charlottenburg im Klinikum untergebracht. Für nicht ortskundige: 30 Kilometer Entfernung, eine Autofahrt mit dem Auto/Taxi à 30 Minuten morgens um drei Uhr, 50 Minuten in normalem Verkehr – sind wir die letzten Tage sehr viel Taxi gefahren (für meine Verhältnisse), alleine diese wirklich ganz netten und interessanten Erfahrungen – darüber könnte man das Blog tageweise füllen.

Der Patient indes war nicht wirklich gut zu anderen, vor allem sich selbst in seinem Leben. Es ist schwierig. Schlussendlich, wenn so jemand gehen muss, weint man trotzdem. Und wenn man eigentlich um den Vater meint, der nun auch mit diesem hier gehen muss, weil man versteht, dass man nie den Vater haben wird, den man sich sein Leben lang so sehr wünschte. Zu sich selbst war er nicht gut, weil er irgendwann beschlossen hatte auf dem Sofa zu leben, zu fressen (pardon, aber ja, das ist der korrekte Ausdruck) und sich seiner durch seine Fettsucht erworbenen Diagnosen (Gicht, Diabetes, chronische Dyspnoe, die üblichen Knochen-/Muskulaturausfälle) selbst zu feiern – dabei einige Menschen mit ins Verderben zu reiten. Wir reden hier von einer langjährigen sehr früh begonnenen Rolator-Karriere, E-Mobil-Rollstuhl, die gleichen körperlichen Erscheinungen einer COPD mit allen technischen Geräten (die COPD wurde nie bestätigt; der Mann ist einfach zu dick zum atmen) bis hin zum Arschreiniger. Der Arschreiniger, von mir in einem Zustand der Fassungslosigkeit getauft, wird in Fachkreisen After-Reiniger genannt. Und ja, es gibt Amazon-Rezensionen auch zu diesem Produkt.

Der Arsch-Reiniger hat mich gestern beim Reinigungsprozess der leicht vergammelten Wohnung gemeinsam mit dem Enkel (dass die Wohnzustände eskalieren, ist eine Woche vorher auf die Füße gefallen und Änderungen sind bereits eingeleitet) schwer, nachhaltig, allumfassend beeindruckt. Menschen mit körperlichen Problemen, die sie in ihren körperlichen Bewegungen des Alltags einschränken, brauchen so etwas. Ein sinnvolles für den Betroffenen medizinisches Hilfsmittel, das ihm eine Unabhängigkeit in einem sehr intimen Lebensbereich garantiert. Ich frage mich die ganze Zeit, was geschieht in einem Menschen, wenn er aufgrund seiner Körperfülle gezwungen ist auf solche Apparaturen zurückzugreifen? Wenn man nicht einmal mehr dann aufwachen möchte, begreifen kann, dass da etwas ganz gewaltig schief läuft – für sich selbst? (Nicht, dass ich ernsthaft glaube, dass ein Mensch, dem seine Fettsucht die Atemluft abschnürt, sich noch von einem Arsch-Reiniger beeindrucken und umstimmen lassen würde.)

Es macht so … traurig.

Der Mann wird sterben. Selbst, wenn er das hier jetzt doch noch überleben würde, was ich ihm aus rein menschlichen Gründen nicht wünsche, weil das nicht gut sein wird – zumal klar ist, der wird sein Leben nicht komplett ändern können, was die einzige Konsequenz aus dieser Sache nun wäre. Er müsste an sich sehr hart arbeiten, das wird er nicht tun und er hat vorgesorgt, dass sein Körper das auch gar nicht mehr kann.

Alles in allem sieht es so aus:

Der Mann konnte vom Notarzt nicht vor Ort mit Luft versorgt werden (weil er eben eh schlecht atmet und die medizinische Luftzufuhr in einem solchen Fall bereits sein Normalzustand ist), weil er zu dick ist.
Der Mann konnte vor Ort nicht reanimiert werden, weil er zu dick ist. Das muss man sich vorstellen, dass die händisch ausgeführte Herzmassage das Herz durch die Fettschicht nicht erreichen konnte. Übrigens hat auch ein Defibrilator da irgendwann … nun, Grenzen.
Der Mann konnte nicht auf der Trage, musste in einem Tuch transportiert werden, weil er zu dick ist.
Gestern musste ihm ein weiterer Zugang gelegt werden, weil die vorhandenen rund um die Uhr belegt sind, da war ein Intensivmediziner mit der Schwester in zwei Anläufen fast 45 Minuten alleine damit beschäftigt bei dem Mann eine Blutbahn zu erahnen und zu treffen, was praktisch nur noch auf Verdacht möglich ist, weil er zu dick ist.

Der Mann ist krank, weil er zu dick ist und nun konnte er nicht rechtzeitig medizinisch versorgt werden – obwohl die Hilfe und alle medizinischen Geräte schnell vor Ort waren – und auch jetzt ist es sehr schwer die einfachsten medizinischen Schritte an ihm vorzunehmen – weil er zu dick ist. Und das nenne ich die Quadratur des Kreises.

Man kann es sich bewusst machen. Und vielleicht allerspätestens beim After-Reiniger aufwachen.

2016-12-15

Geschenketipp – ob zu oder nicht zu Weihnachten ist egal. Hauptsache: verschenken!

Nicht nur einmal, mehrmals, ganz oft. Macht die Welt glücklich mit diesem Buch! „Im Sommer wieder Fahrrad” von Lea Streisand ist meine diesjährige absolute Verschenkempfehlung an Euch:

Im Sommer wieder Fahrrad” ist das wundervolle Buch, dass Lea über sich und ihre Oma geschrieben hat. Wer Leas Kolumne bei der taz mitgelesen hatte – dies ist nun endlich (!) das ganze Buch dazu.



Es ist ein perfektes Geschenk für Euch, für liebe Menschen neben Euch. Das ist so ein wundervolles Buch über den Wahnsinn des Lebens, über Omas, über Kunst, über Künstler, über das Sterben, die Liebe. Es ist ein Ausflug in die Vergangenheit und ein Dasein im Jetzt. Dieses Buch kann alles. Es ist einfache pure Liebe! Und es erinnert vor allem an die Liebe zur Oma. Diese ganz besondere Liebe, die wir doch irgendwie alle in uns tragen. VERSCHENKEN! Mindestens ganz doll an sich selbst! Und am Besten gleich an alle, die Ihr lieb habt oder von denen Ihr glaubt, sie können Liebe gebrauchen.

Ach und das zweite Buch von Lea gleich mitbestellen: „War schön jewesen” – wer Berlin, die Stadt mit ihren Gossen und seiner Goschen, mag – und Heinrich Zille vermisst – der ist bei Lea richtig gut aufgehoben.

2016-12-14

Wir können uns heute Abend übrigens …

… um 22:30 Uhr auf Sat1 mit dem Thema Vergewaltigungen in Deutschland auseinandersetzen und dabei Zeuge werden, wie eine Polizeibeamtin das Opfer fragt „ob sie sich irgendwie aufmunternd benommen hätte?” – bei sechs Prozent der angezeigten Vergewaltigungen sind Männer das Opfer und ich frage mich, ob man einem Mann so eine Frage in der Vernehmung auch stellen würde?

Oder wir informieren uns um 22:30 Uhr auf ZDFneo die Dokumentation „Wie sexistisch sind wir?” von Dunja Hayali und Jaafar Abdul Karim.

Man könnte meinen, beides relevante Themen in dieser Zeit. Warum dann nicht mal zur Primetime?

Ich indes wurde heute früh von einer Person auf Facebook – natürlich unter deren Klarnamen – in den privaten Nachrichten in einem grauenhaft schlechten Deutsch mit wirklich vielen Rechtschreibfehlern beleidigend angegangen, weil dieser Person gestern ein Kommentar von mir nicht passte und diese Person daraufhin meinte, mein Äußeres zu beleidigen wäre legitim. (Ich kenne diese Person nicht, sie mich auch nicht.)

Und eben saß ich beim Asiaten bei einer Reisbandnudelsuppe und hörte zwei Proteinfressern mit Bushido-Haptik zu, wie der eine dem anderen erzählte, dass er eine Frau am Start hätte, die „eigentlich” ganz hübsch sei aber sich so wenig selbst schätzen würde und ihm Nachrichten schicken würde, die er dann vorlas: „Ich finde Dich so süß. Ich liebe Dich. Wann heiratest Du mich?”, was er goutierte mit einem lautstarken „er würde sie lecken und ihr in den Arsch ficken.”

Too much information.

Ansonsten bin ich heute über eine Straße gegangen und geradewegs auf eine gerade frisch überfahrene Taube zugelaufen, was ich so gut wie gar nicht ertragen kann. Um dann am Alexanderplatz direkt an einer gerade noch sitzenden aber fürchterlich sterbenden Taube vorbei gehen musste.

Too much visual perception.

Bin mit dem Tag durch. Es wird dunkler gerade. So generell. Ungemütlich im Gemüt.

2016-12-13

Gesänge

Ich liebe „Last Christmas” übrigens. Ich kann das Lied immer hören und nie genug. Ich liebe auch das Video, dass ich schon damals so wundervoll ironisch bis sehr putzig fand, weil ich Herrn G. Michael nie als die größte Hete unter der Sonne vermutet hatte. (Das größere Rätsel für mich war damals eher, ob Andrew Ridgeley [der interessanterweise keinen einen Wikipedia-Eintrag hat, also in der deutschen Wikipedia] auch schwul war und die ein Paar waren oder nicht.)

Dieses Lied von Mariah Carey indes hätte man nie komponieren müssen, wenn Ihr mich fragt. Mariah Carey geht mir auf den Geist. Mit allem. Vor allem mit ihrer Attitüde.

Das allerschönste Weihnachtslied aber immer noch ist für mich „The Little Drummer Boy”. Aber das erzähle ich diesem Internet schon seit über zehn Jahren. Die schönste Version natürlich ist für mich die mit David Bowie und Bing Crosby … dieses Jahr singen sie wohl gemeinsam im Himmel. Für immer.

Mensch David. Nach wie vor unfassbar.

2016-12-12

Leseempfehlung

«Das weisse Europa muss sich seiner selbst versichern, seine wacklige Identität behaupten, indem es alles Böse von sich weist, auslagert, outsourct. Funktioniert sonst auch bestens. Kinderehen kommen nur bei Eingewanderten vor. Die Thai-Touristen wissen, dass man nicht gleich jedes Kind heiraten muss, an dem man sich sexuell vergeht. […]»

Güzin Kar schreibt in ihrer Kolumne im Tagesanzeiger über das Frauenbild der Flüchtlinge – das Outsourcen des Bösen. Sie versenkt nicht nur mit dem oben zitierten Textauszug ganz viele Treffer in ihrem herausragenden Text.

Frau keinzahnkatzen hat es sich mit ihrer Katze gemütlich gemacht und beide unterhalten sich über das Sterben: «Die Katze betrachtet mich von oben bis unten und kommt vermutlich zu dem Schluss, dass eine übersprungene Mahlzeit in meinem Fall nicht lebensbedrohlich wäre.»

Dirk Helbing ist Professor für Soziologie verfasst einen Gastkommentar in der Neuen Zürcher Zeitung darüber, dass uns die wahre digitale Revolution erst noch bevorsteht. «Nebenbei könnte man ein solches «Finanzsystem 4.0» so gestalten, dass automatisch Steuern anfallen, um öffentliche Infrastrukturen zu finanzieren. (via Frank Kleinert)

La Pâticesse hat französische Heidesandkekse, Diamants á la vanille, gebacken – sie sind vielleicht ein bisschen anspruchsvoller in der Zubereitung aber … die schmecken doch schon im Foto oder?

Günter Wallraff verschenkt ein Buch von Benjamin Stuckrad Barre. «Ich schenke es an all die Gelegenheits-­ und Gewohnheitstrinker, all die sonst wie Süchtigen. Zu denen auch ich gehöre. Das Übliche halt: Beim Essen trinken, in Gesellschaft trinken, drei- bis sechsmal die Woche, jeweils mehrere Glas Wein trinken, auch mal eine ganze Flasche.» (via Don Dahlmann)

Ich mag das, wenn Leute sich vor andere Leute stellen und schöne Dinge über sie sagen. Ich mag es um so mehr, wenn ich „andere Leute” für mich aus meiner eigenen Erfahrung heraus längst in die Schublade „unschöne” Leute sortieren musste. (Ab und an sollte man in solche Schubladen gucken, aussortieren oder wenigstens darüber nachdenken zu sortieren.) Frau Trippmadam stellt sich vor Don Alphonso.