2009-12-15

Mein Blogwichtelbeitrag: Weihnachten für Weihnachtsmuffel

Wenn man sich umhört, sei es unter Freunden und Bekannten oder im Internet - so fragt man sich stellenweise, wer Weihnachten überhaupt mag. Man stöhnt über die Einkäufe, darüber, dass einem keine Geschenkideen einfallen, über den nadelnden Baum, die anstrengende Verwandtschaft, den Feiertags-Marathon, Kirchenzwang, Blockflötengetute, das Essen und so weiter und so fort. Das muss nicht sein, denn es geht auch anders, selbst wenn es denen, die ein Leben lang in einer Feiertagsroutine gefangen sind, die sie zu hassen gelernt haben. Hier ein paar praktische Tipps zum Thema "Weihnachten muss kein Schicksal sein".

– Geschenke: Viele verzichten überhaupt darauf, da sie sich dem Konsumterror nicht ergeben wollen. Andere kaufen gängige Artikel wie Parfum, Socken, Krawatten oder den "aktuellen Bestseller", der nach dem Fest zum Staubfänger mutiert. Das kommt für mich nicht infrage, denn ich liebe das Schenken an sich, sowohl als Schenkende als auch als Beschenkte. Eine gute Möglichkeit ist, etwas zu kaufen, was der Beschenkte wirklich haben möchte, und das ist meist nicht sonderlich praktisch. Oder, für die Ich-brauche-nichts-ich-habe-alles-Fraktion etwas wirklich Originelles, Witziges. Das muss nicht teuer sein. Wichtig ist, dass es die gestresste Runde unterhält, zum Beispiel eines dieser über den Tisch hüpfenden und dabei mit den Zähnen klappernden Gebisse für die Oma, als Zugabe für ein paar leckere Sachen (Essbares hat immer den Vorteil, dass es auf natürliche Weise verschwindet und nicht diskret im folgenden Sommer entsorgt werden muss).
Ganz wichtig: Nie am Wochenende einkaufen, es sei denn, man ist Masochist (dann will ich nichts gesagt haben). Lieber online bestellen, da gibt es auch alles.

– nadelnde Bäume: In Wohnungen nadeln die Dinger schon, wenn man sie zur Tür hereinbringt, was an der Wärme liegt. Natürlich kann man den Baum in einem ungeheizten Zimmer unterbringen, doch dort will sich kaum jemand aufhalten. Falls es ein Trost ist: Weihnachtsbäume sind eine neue Tradition (aus dem betulichen 19. Jahrhundert, dass uns mit vielen Errungenschaften bis heute dafür bestraft, dass es es gab). Außerdem sind so offensichtlich sterbende Bäume in der Zeit immer kleiner werdender Wälder und Grünflächen ein deprimierender Anblick. Wie wäre es mit einem Kerzenmeer nebst Räucherkerzen für den angemessenden Duft, großen Sternen etc.?

– Die anstrengende Verwandtschaft. Die drangsalieren einen meist mit ihren Vorstellungen von Weihnachten, die selbst die furchtbarsten unter ihnen selbst nicht schön finden können. Ich hänge der Theorie an, dass die, die früher unter so was leiden mussten, heute versuchen, uns leiden zu lassen. Da hilft nur: Nicht hingehen, sondern selbst einladen. Dann sagt Ihr, wo es langgeht in und mit der Heiligen Nacht. Hähä.

– Kirchenzwang: Hier ist die Empfehlung kurz: Nicht hingehen, wenn's Euch nicht gefällt (falls Ihr gern zur Kirche geht, diesen Punkt überspringen). Oder, falls es gar nicht anders geht: Ein kleinformatiges Buch, das man im Gesangbuch verstecken kann, mitnehmen und sich von der Pelzmantel-und-Perlenketten-Leistungsschau, die mit Gottesdiensten so viel zu tun hat wie Weihnachten in Deutschland mit der Geburt Christi, ablenken. Ein MP3-Player mit diskreten Kopfhörern kann auch gute Dienste leisten, vorausgesetzt, man dreht nicht zu laut auf. Ich empfehle für diesen Zweck ein Hörbuch. Wem das zu innovativ ist, der halte sich an den anfänglichen Vorschlag: Einfach nicht hingehen.

– Blockflötengetute, Weihnachts-CDs und plärrende Fernseher: Die Kinder sollte man erlösen (wäre auch mal ein Thema für den Jugendschutz) und den Fernseher sollte man ausmachen, der läuft ohnehin das ganze Jahr über. Weihnachts-CDs sollte man nur hören, wenn man WIRKLICH Lust darauf hat. Ansonsten kann man Musik auswählen, die einem wirklich gefällt (vor zwei Jahren lief bei uns die CD "Volk" von Laibach zu Heiligabend, und auch der Mutter hat's gefallen). Für Authentizitätsfanatiker empfiehlt sich arabische Musik aus dem vorderorientalischen Raum. Da kann man die schockierte Verwandtschaft mit dem Satz "Das hätte auch Jesus gehört" zum Schweigen bringen.

– Ach ja, das Essen. Wer keine Lust hat, bis Silvester noch von der Gans zu essen, Geflügel nicht leiden kann oder wer Würstchen mit Kartoffelsalat spießig findet, greife auf Alternativen zurück. Die syrisch-palästinische Küche ist köstlich, die Gerichte sind leicht und schnell zuzubereiten und den meuternden Gästen sagt man einfach, dass auch Jesus und seine Familie so gegessen haben. Oder macht was Afrikanisches. Das isst man mit den Händen, was auch die steifste Veranstaltung nachhaltig in Schwung bringt. Ein Fingerfood-Buffet ist die etwas formellere Variante. Ansonsten: Die Welt ist voll mit kulinarischen Traditionen, die es wert sind, entdeckt zu werden. Wenn's Geflügel sein soll, geht auch Entenbrust im Pekingenten-Stil (die hätte Jesus bestimmt gegessen, hätte er sie gekannt, und sie ist mengenmäßig überschaubar). Ich habe mal einen großen Erfolg mit Lammfleisch in Tscherkessensauce gehabt. Es war enorm lustig und vor allem lecker, und die Irritation meiner damals 82-jährigen Großtante, als ich sagte, dass wir nun alle das Fleisch und die Sauce in die Brottasche füllen, hielt auch nur ganz kurz an.

– Der Feiertagsmarthon: Wenn Ihr meint, dass ein Weihnachtstag reicht, dann ist das so. Für die beiden anderen Tage empfehlen sich DVD-Themenabende, Wellness-Kuren, Terrassen-Grillparties, sportliche Betätigung etc.

Wer die traditionelle deutsche Weihnacht nicht mag, der ändere sie, frei nach dem Motto: Besinnlichkeit auf Knopfdruck muss kein Schicksal sein. Macht einfach 'ne Party draus, ladet Eure Verwandtschaft zu Euch an und wartet, was passiert.

Dieser Beitrag wurde mir im Rahmen der diesjährigen Blogwichtelei 2009, von Frau Bhuti organisiert und dank Madame Toulouse ordnungsgemäß geprüft, überreicht. Und ich finde das ist eine ganz wundervolle Wichtelei, die sich da jemand für mich ausgedacht hat, denn es geht hier nicht nur um Essen, nein: bitte nehmt diese grandiose sehr feine Ironie zwischen den Zeilen zur Kenntnis! Ich glaube, da hat jemand wirklich großartige Erfahrung mit diesem Fest. Und scheint mich oder mein Blog gut zu kennen. Ich habe zum jetzigen Zeitpunkt nicht den Hauch einer Ahnung von wem dieses bonfortinöse Blogwichtel stammen mag, aber eins steht fest: ich finde es wirklich und ungelogen grandios und bedanke mich sehr herzlich für die mehr als charmant-kluge Blogwichtelei, die mir ja so etwas von auf den Leib geschrieben wurde! Und falls ich den/die Blogwichtel/in nie in Erfahrung bringen sollte, wünsche ich ihr/im fröhliche Weihnachten und viele Gebisse am Tisch, einfach damit das Fest viel Spaß macht! Merci!

2009-12-13

Ach nur so …

falls Ihr der Meinung seid, Frau Indica hat's am besten (wenn auch spät) hinbekommen, die Zutaten der diesjährigen BlogKochShow 2009: Vanillestange, Grapefruit, Gelatine, Mohrrüben, Rohrzucker sowie Walnüsse zu verwursteln, dann stimmt für sie ab.

Falls Ihr feststellt (wie ich), dass mindestens die klare Mohrrübenessenz von Frau Bhuti das Ganze einschließlich der Walnuss-Bohnen gerockt hat, dann stimmt bitte unbedingt hier für sie ab!

Sollte Eure Bewunderung für Frau Jekylla und ihr Menü und ihre unvorstellbare Leistung unglaublich groß sein, dann gebt Ihr bitte Eure wichtige Stimme. (Frau Jekylla hat mittlerweile eh gewonnen, sie kocht neuerdings UND sie kauft sich Küchenutensilien. Isses nicht unfassbar?!)

Solltet Ihr wie ich befinden, dass Herr Spontiv auch in die Bewertung aufgenommen werden sollte und nicht außer Konkurrenz mitgekocht haben nur weil er der sehr spendable Ideengeber war, dann tretet ihm bitte per Mail in den Hintern und fordert seine Nachbenennung!

Wenn Ihr befindet, dass Koch-Newcomer Julius seine Sache mehr als wundervoll gemacht hat, dann stimmt bitte für ihn ab!

Und wenn Ihr das Menü und die Kochkunst von northerndelight bis ins unendliche bewundert, dann stimmt bitte unbedingt für ihn ab!

Und falls Ihr von der Möhrentarte des Herrn Exit mindestens so begeistert wart, wie ich beim rüberschielen in sein Menü – dann stimmt bitte für ihn ab!

Und nur für den ungewöhnlichen Fall, dass Ihr der Meinung wart, ich hätte ganz passabel im Rahmen der diesjährigen BlogKochShow 2009 gekocht, dann könnt/dürft/sollt/müsst Ihr für mich und mein Menü abstimmen. Denn in diesem Jahr gibt es Preise zu gewinnen! Und eine Rührschüssel kann man nie zuviel im Haus haben, dass ist ja man klar nech?

Und falls Ihr sie noch nicht gelesen habt, hier ist die famos schön geschriebene Menü-Kritik von dem reizendsten Mitesser dieser Welt, den ich mir als Gast überhaupt wünschen konnte, Herrn Foxxi. (Verspasst bloß nicht den schönen Film „creezy und ihr erstes Mal!“

Und jetzt zur Abstimmung – entweder hier:





Oder drüben direkt beim Spontiv, dem ich noch einmal für das wundervolle Erlebnis und den Spaß danke, den die diesjährige BlogKochShow mir wieder gemacht hat. Und übrigens: ich habe abgestimmt – nicht für mich! Und das war schwer, weil alle bonfortinös gekocht haben, wirklich!

2009-12-12

Ja, haben wir denn schon den ersten April?

Hä? Bunte Post ist teurer.

2009-12-11

Potzblitz

Recht hat sie am zweiten Tag ihrer 10 Tage, 10 Listen: unbequeme Themen, die Katharina von esskultur.at. Sagenhafte Punkte rund um die Ernährung, die sich nicht einmal an zehn Abenden im erlauchten Freundeskreis mit Rotwein salopp diskutieren ließen.

Dekorationskatze



(Tolle neue Regale!)

2009-12-10

Fledermaus Fürst Frederick Fon Flatter

Kurz: Fred, macht täglich in Comics. Macht aber gerade auch ganz entzückend den „Der Fetzige Fred-Adventskalender“:


comic by fred

Außerdem hat Frederick sehr nette Geschenke: Hintergrundbilder oder ein Fred-Memory. Einfach so.

2009-12-09

Klare Sache!

Es passiert mir immer wieder, dass ich nach langer Gewohnheit einen Rückschritt entgegen industrieller Küchenevolution mache und Dinge tue, die meine Oma wie selbstverständlich getan hat – sie notgedrungen, weil's das industrielle Pendant damals noch gar nicht gab. Und hier und da auch aus Überzeugung. Meine Erfahrung in den allermeisten Fällen: warum das teure chemisch aufgeplusterte Ersatzprodukt kaufen, wenn es doch so einfach ist, die Dinge selber zu tun? Und meist deutlich besser schmeckt. „Besser schmecken“ liegt für mich darin begründet, dass meine Oma (Kaltmamsell bei Osram) für uns gut gekocht hatte und ich somit noch mit der gustatorischen Wahrnehmung einer ursprünglichen Küche sozialisiert wurde. Der Apfelsaft kam vom Baum aus Omas und Opas Garten (ein Grund, warum ich heute noch sehr selten Apfelsaft aus der Flasche trinke), das Kompott ebenfalls aus Früchten eingemacht, geerntet vom kleinen Grundstück. Ein Apfelbaum, ein Birnenbaum haben ausgereicht, dass die ganze Familie diesbezüglich bis zur nächsten Saison sehr gut über die Runden – uns manchmal die mangelnde Vielfalt aus den Ohren – kam und dass wir Kinder Mandarinen aus der Dose als exotisches Glück der ganz seltenen Ausnahme empfanden. Das Glück haben viele Kinder heute nicht mehr. Es gibt zu viel zu jeder Jahreszeit, Geschmäcker verflüchtigen sich und oft schmeckt nur noch gut, was die Industrie als Geschmack vor definiert.

Als ich in meine erste eigene Wohnung einzog und zwangsläufig dem zögernd wachsenden Vergnügen meiner ersten eigenen Küche gegenüber stand, habe ich natürlich auch zu Maggi-Tüten gegriffen. Überhaupt Maggi! Gab es zu meiner Kinderzeit nur Flüssiges und ehrlich, gelegentlich Maggi in den Eintopf getropft, ganz wenig, das mag ich auch heute noch – das ist auch so eine Oma-Küchen-Erfahrung in jungen Lebensjahren. Aber zurück zu den Tüten: als Jugendliche habe ich meine Unwissenheit in der Küche durch die Tüte ersetzt. Bis ich irgendwann mein echtes erstes Paprika geschenkt bekam und mit Hilfe eines Kochbuches feststellte, wie einfach doch diese Tütenwürze durch eine ganz pure Mischung aus erstaunlich wenigen Gewürzen aus meinem Regal hergestellt zu ersetzen war. Und zwar deutlich einfacher und schneller in der Herstellung als die Industrie es einen glauben machen wollte, nebenbei in der Konsequenz viel günstiger. Solche Lernerfahrungen, der Wille die Dinge einmal selber auszuprobieren, haben mich rückwärts von der Bequemlichkeit weg, dafür in meiner Küchenentwicklung vorwärts gehen lassen. Getrieben von der Erfahrung dabei immer wieder, oft unverhofft, die längst verloren geglaubten Geschmäcker meiner Jugend wiedergetroffen zu haben.

Genauso ging es mir mit Butterschmalz, etwas womit unsere Großmütter ständig in der Küche arbeiteten, weil es hierzulande Öle, geschweige denn Olivenöle, damals noch gar nicht gab. Butterschmalz hat interessanterweise vor einigen Jahren durch die indische Küche zurück den Weg in die deutschen Küche gefunden, nämlich als „Ghee“ als der ultimative Geschmacksträger verkauft. Trotzdem ist es nur Butterschmalz und Oma hatte das damals schon, nicht aus dem Kühlregal. Selbstgemacht. Einfach.

Meistens brate ich mit Öl. Wenn nicht zu lange bei zu hoher Temperatur gebraten wird besonders gerne mit Olivenöl, weil ich es selbst günstig aromatisieren kann. In den seltenen anderen Fällen mit anderem hitzebeständigerem Öl. Ab und an kaufte ich auch Butterschmalz aus dem Handel, des angeblich guten Geschmacks wegen, den ich doch nie in diesem Produkten fand. Das roch und schmeckte nicht wie bei Oma. Und was nicht wie bei Oma riecht und schmeckt, stimmt einfach nicht!

Letzte Woche habe ich aus dem Kühlregal zwei Pakete Butter mitgenommen mit dem festen Vorsatz, endlich Butter selbst zu klären, um ein anständiges halbwegs reines Butterschmalz herzustellen. Gestern war es soweit, mein vor gut zehn Tagen selbst vakuumiertes im Kühlschrank zum Reifen gelagertes also gut „abgehangenes“ Roastbeef (Steamy Kitchen brachte mich mit diesem Post darauf), sollte seine endgültigen Bestimmung zugeführt werden. Und zu einem Braten gehört gutes Butterschmalz. Und das macht man so:



Die Butter (zwei Pakete ergeben in der Menge hinterher eine Schüssel in Bol-Größe) wird in einem Topf verflüssigt also erhitzt bis sie ganz leicht zu köcheln beginnt.



Nun hebt man vorsichtig die oben ausgetretene Molke mit einer Schöpfkelle vorsichtig ab.



Je sorgfältiger man dabei vorgeht, desto qualitativ hochwertiger ist hinterher das Butterschmalz – wird also nicht verbrennen.



Die Butter ruht nun, bis sich der Satz auf dem Boden des Topfes absetzt.



Ich habe eine Fett-Trennkanne in die ich die flüssige Butter gegossen habe und ca. eine Stunde später so flüssiges Fett vom Molkesatz vorsichtig getrennt. Man kann die Butter auch noch einmal filtrieren, will man das Schmalz besonders rein haben. (Soweit ich weiß, wiederholen die Inder diese Vorgänge mehrmals, um besonders konzentriertes Ghee zu erhalten.)

Übrig bleibt herrlich gelbes Butterschmalz,



das im Kühlschrank bis in alle Ewigkeiten halten dürfte – vorausgesetzt es wird kaum verwendet. Was bei mir nicht passieren wird, ich habe gestern dann sofort das Roastbeef in einem Esslöffel Fett angebraten (Butterschmalz kann sehr sparsam verwendet werden) und die Küche durchzog ein feiner Buttergeruch so wie sich durch das ebenfalls im Fett angebratene, später abgelöschte Röstgemüse intensive köstliche Butteraroma bis in die Soße trug.



Ein Geschmackserlebnis wie in Omas Küche. Und die übliche Erfahrung: mit wie wirklich wenig Aufwand dieses Butterschmalz selber herzustellen war. Ich hätte es wirklich viel früher schon selber machen sollen.