2009-11-29

Einen schönen ersten Advent …



wünsche ich Euch – auch wenn uns das Wetter vorgaukelt, nächste Woche sei Ostern. Es fällt mir schwer so etwas wie weihnachtliche Gefühle zu zaubern, wenn auf dem Balkon der Rosmarin blüht, die Glockenblume sowieso, die Erdbeere sprießt und die Clematussis es ihr gleich tun.

Hier ist es gerade etwas still. Das liegt daran, dass ich den Katzen neue Abenteuerspielplätze bastle, ein wenig an den Wänden meiner Wohnung verzweifle und es schaffe, die wenigen Fehler die man beim Billy-Zusammenbau überhaupt machen könnte, unbedingt zu machen. Jeden einzelnen. Lacht nicht! Aber spart es wirklich so viel Geld. wenn man die Rückseiten der Regalbretter nicht auch mit 1.5 cm breiter 80 cm langer Folie beklebt? Früher war übrigens alles anders und besser, das gilt natürlich auch und insbesondere für Billys-Rückenwände. Ach ja und die 12 cm Höhenunterschied zwischen Billy und Expedit waren in meinem Kopf auch irgendwie kürzer als in der Realität. Gefühlt war ich die letzten Tage morgens, mittags, abends entweder im schwedischen Albtraumkaufhaus oder beim Baumarkt. Zwischendurch hasse ich Paketausträger, bereits schon im dritten Jahr oder backe diesen traumhaft lecker klingenden Orangen-Mandelkuchen, von dem ich heute bei fool for food las. Ich habe Rücken, kaputte Hände, suche einen guten Therapeuten, um meine frisch erworbene Wand-Bohrloch-Neurose zu besänftigen. Übrigens habe ich die zwei Sigmund Freud-Bücher aussortiert, die ich habe und in die ich auch nie geguckt habe. Hier sieht es aus wie bei Hempels. Aber wenigstens steht die Weihnachtspyramide, frisch geklebt – ein Erfolgserlebnis am Tag muss schließlich sein.

Es ist schön aber verwirrend zugleich, wenn man Ende November ungestraft und unverfroren stundenlang am offenen Fenster bloggen kann. Egal, für die weihnachtliche Stimmung finde ich auch irgendwo bestimmt noch eine Ikea-Kerze. Außerdem gibt es heute Rotkohl und ich werde zwei Adventskalender verschenken. Weihnachten – wir kommen!

2009-11-27

Canon – und wann zu viel einfach zu viel ist

Ich bekomme regelmäßig den Canon-Newsletter, gelegentlich lädt Canon ein, neue Kameras (so wie Pentax das ohne ein bisschen TamTam macht) zu testen. Bei Canon muss man gar nicht viel dafür machen, man muss sich vorher auf der firmeneigenen Plattform „Your View“ registrieren und dabei nur seine Seele verkaufen … zumindest aber Fragen nach Religionsbezug, Geschlechterrollenverhalten und Arbeitseinstellung beantworten.



Canon möchte auch wissen, ob man gerne oder nicht so gerne über andere Menschen Kontrolle hat oder daran interessiert ist, einen weiteren höheren sozialen Status zu erreichen.



Das sind Fragen, die würde ich nicht einmal einem künftigen Arbeitgeber beantworten – egal wie gerne ich den Job hätte. Bei Canon soll man das schon tun, wenn man nur eine lumpige PowerShot testen möchte.

2009-11-25

Nicht tun sollen, nicht lassen können

Spricht mich vorgestern auf dem U-Bahnhof nahe meiner Docking-Station so ein kleiner Knirps an, sieben vielleicht acht. Selbständig zur Schule gehend aber noch ganz kindlich und irgendwie … egal, ich finde Gören ja alle niedlich. Mein Defekt. Er ist aber erstaunlich unrotzig im Vergleich zu den Knirpsen seines Alters, die sonst hier herum laufen. Also spricht er mich an, zwischen Fahrscheinautomat und Kiosk, ob ich ihm einen Euro geben könnte. Frage ich ihn, wofür er ihn den den Euro bräuchte (Ticket kaufen wäre kein Thema). Und er sagt niedlich ehrlich: „Ich will mir etwas kaufen.“ „Hm“, sage ich, mich in der Bredouille befindend, dem Kind nichts abschlagen zu wollen können, andererseits damit kein gutes Zeichen zu setzen, überhaupt kein gutes Zeichen. Und noch einmal andererseits: ein Euro, wie oft drücke ich andere Leuten in der U- oder S-Bahn einen Euro in die Hand? Und weiß ich, ob seine Mutter überhaupt noch Geld hat, ihm diese kleinen Kiosk-Schweinereien zu kaufen? Ich kenne noch zu gut unsere eigene Historie. Er ist so ein ganz blasser, zierlicher und guckt mich mit großen Augen an, kein Gör auf dem Abzocktripp (eher vermutete ich hinterher, um die Ecke standen die Gören, die ihn abzocken.) „Cola-Pops.“ „Zeig mir mal, was Du willst“, meine ich zu ihm und sogleich meinte er aufgeregt „oder einen Euro fünfzig, dann kann ich mir noch das und das kaufen.“ Wir laufen die paar Schritte zum Kiosk und er zeigt mir den verpackten Spielkram nach dem sein Herz begehrt und Kaugummis in unterschiedlichen Geschmacksvarianten, natürlich will er sie in Cola.

Ich also immer noch hin- und hergerissen, greife vier von den Kaugummis ab (Cola), zahle 20 Cent, gehe mit ihm nach draußen und greife ihn mir. Standpauke auf nett. Wie wenig in Ordnung das ist, was er da mit ihm fremden Menschen macht. Habe ihn gefragt, was er denn so tun würde, für so was. Und ob er nicht wüsste, dass er niemals mit Fremden mitgehen darf. Da hat er mir erklärt, er wüsste und das würde er ja auch nie tun. „Und?“, meinte ich zu ihm, „Du bist mit mir aber eben mitgegangen in den Laden, weil Du dachtest, Du bekommst was. Du bist also schon mit jemandem Fremdes mitgegangen!“ Da war er zerknirscht. Ich habe ihm dann die vier Kaugummis gegeben und er musste mir in die Hand versprechen, das nie mehr zu tun. Was er auch tat. Ob er es auch tun wird, bleibt mir nur zu hoffen.

Keine Ahnung, zählt heute ein Handschlag unter uns Kindern eigentlich noch?

2009-11-24

Selten finde ich in letzter Zeit …

Artikel bei SPON von denen ich sagen kann, okay Hirnschmalz offensichtlich noch eingesetzt und gut geschrieben. Das hatte ich gestern anlässlich des Artikels zu Wachkoma-Patienten, die laut neueren Untersuchungen viel häufiger noch wach und ansprechbar sind als es ihnen ihre Körperfunktionen allzu offensiv erlaubt unter Beweis zu stellen. Schon im ersten Artikel „Tausende Wachkoma-Diagnosen zweifelhaft“ wird Rom Houben zitiert, der von seiner Zeit im Wachkoma, in der er gegensätzlich zur Diagnose alles um ihn herum ganz klar wahrgenommen hat, dem Spiegel in einem Interview berichtet. Dieses Interview „Meine zweite Geburt“ steht heute online.

Ganz gruselig finde ich darin folgenden Satz – und der macht auch die Dimension des Ganzen deutlich: „Auch in Deutschland ist das ein Problem. Hier wird nicht einmal unterschieden zwischen vegetativem und minimal bewusstem Zustand. Solange die Patienten noch in der Obhut einer Klinik sind, muss das kein Schaden sein: Gute Betreuer beobachten, ob sie etwa bei einer Luftröhrenspiegelung schwitzen oder Grimassen schneiden. Dann bekommen sie Medikamente gegen die Schmerzen, bis sie sich wieder entspannen.“

Menschen, die im Wachkoma liegen, erhalten also offensichtlich in Deutschland bei schmerzhaften und sehr unangenehmen Untersuchungen nicht von vorne herein mehr eine Betäubung. Was unter Umständen sehr schlimm sein kann, weil sie dem Patienten lange heftige Schmerzen bereitet

Also lasst Euer Familienmitglied, wenn ein Wachkoma-Patient, bloß nie bei unangenehmen Untersuchungsmethoden mit Ärzten alleine.

„Dann steht sie fest wie Herz und Eisen.“

Da war die ARD ja mal auf Zack. Im Zuge der dank Hollywood aus der längst verschütteten Erinnerung ausgegrabenen Julia Child wird am Mittwoch, 25.11.2009 um 20:15 Uhr dem deutschen Pendant Clemens Wilmenrod filmisch ein Denkmal gesetzt. Wilmenrod, schon seit 1967 nicht mehr unter uns weilend, hieß Carl Clemens Hahn und war eigentlich Schauspieler – und irgendwie der Pionier des deutschen Merchandisings im TV. Aber lest selbst, was Wikipedia über den Herrscher über die Elektrokochplatten schreibt.

In dem Film der ARD, der das Leben und die Karriere von Clemens Wilmenrod zeigt, spielt Jan-Josef Liefers die Hauptrolle, was meiner Meinung nach ein Garant für einen unterhaltsamen Fernsehabend ist. Ich liebe Liefers in seiner Tatort-Rolle, er hat dem Tatort zu einer neue Dimension von Fernsehenunterhaltung verholfen.

Es gibt leider nur noch zwei Mitschnitte aus der Sendung Wilmenrods. Einer davon „Heringssalat auf bretonische Art“ (für den Skatabend des liebenden Ehemannes) ist in der NDR-mediathek gerade zu sehen. Eine Empfehlung! Wie er die Gewürze nicht anwärmt, sich kaum die Hände schmutzig macht, mit lustigen Geräten Tomaten schneidet, dabei philosophiert und praktische Ratschläge für unrutschbare Glasschüsseln verteilt, da weiß man, was man hat.

Linktipp via Nutriculinary.com

2009-11-23

Blogwichteln 2009

wird dieses Jahr nach Abdankung vom Blogwichtelkönig Hollemann liebenswerterweise in froher Tradition von Frau Bhuti weiter geführt. Wer noch mitmachen möchte, melde sich bei Bhuti hier in den Kommentaren bis zum 27.11.2009.

Man sollte allerdings das Blogwichteln nicht auf die allzu leichte Schulter nehmen und schon ein klein wenig Zeit und Mühe einplanen und willig sein, sein Wichtel pünktlich abgeben zu wollen. Unschön ist nämlich, wenn alle anderen ihr Blogwichtel schon haben und bloggen und dann so manch einer in die Blogröhre gucken muss, weil sein Wichtel ihn vergessen hat oder den Weihnachtsstress unterschätzt hat. Der kommt ja immer ganz plötzlich um die Ecke.

Haben sich schon sehr nette Blogger angemeldet – fehlt Ihr also nur noch!

Besucher 2 …

Der kleine Fratz war gestern früh prompt wieder da. Daran zu hören, dass Lino plötzlich wieder anfing zu bellen knurren und zu meckern in seinen höchstmöglichen Kastratentönen. Schön zu hören. Nishia ganz aufgeregt, was denn ihr Freund und gleichzeitg Erzfeind haben könnte, sang irgendwann mit. Tally hielt sich still im Hintergrund, war aber wenigstens wieder zu sehen. Sie muss sich Samstag so dermaßen über diese fremde Katze auf dem Balkon erschrocken haben, dass sie den Rest des Tages ihr Unsichtbarkeitsschild übergezogen hatte.

Fratz selber hatte viel Freude am Kater hinter der Scheibe, fauchte und grummelte ordentlich zurück, wollte aber andererseits ihn auch ständig anfassen und spielen (sie ist wirklich noch jung). Weil das nicht klappte, zog sie es vor dann mein Mauerseglergras wiederzukäuen und meine (blühende) Glockblume nieder zu trampeln. Macht sie so weiter, hat sie in mir eine echte Freundin.



Als sie sich dann wieder auf den üblichen Aussichtskatzenplatz zurück gezogen hatte, der in ihrem Fluchtweg liegt, habe ich die Tür aufgemacht. Lino saß wie vom Donner gerührt breit in der Tür, sein Harem hinter ihm verteidigend und Nishia sprang entzückt wegen diesem Besuch an ihm vorbei direkt auf den Stuhl und ging schon mal freundschaftlich schnuppern. Es fauchte am anderen Ende der Nase, das fand Nishia betrüblich, später uninteressant. Für schlechte Vibrations ist Nishia nicht so zu haben, hat sie keine Zeit für. Fratz selber läuft auch vor mir nicht weg, guckt interessiert, schnuppert an der Hand – haut aber zu, will ich sie anfassen. Ich habe Schmauchspuren auf einem Handrücken. Na gut, wer sich vorher 20 Minuten lang hinter einer Glasscheibe von einem schwarzweißen grazilen Riesenkater anschimpfen lassen musste, ist wohl auch etwas echauffiert bis durch den Wind.

Lino macht zwar tonal total viel Wind, ob der kleinen Bunten, war dann aber sehr vorsichtig in der Annäherung und traute sich noch nicht auf den Stuhl, musste ihr aber sofort hinterher klettern, als sie wieder auf den Balkonvorsprung sprang. Dort wurde sie von ihm weiter besungen, was sie so schön fand, dass sie auf dem zehn Zentimeter Mauervorsprung hinter dessen kurzen Ende es deutlich abwärts geht, Lino die niedliche Katze geben wollte und das putzige Unterwerfspiel spielte. Womit sie meine Fürsorgepflicht und mich ein bisschen sehr in den Wahnsinn trieb.



Und schön, dass sie dann wenig später (Lino räumte den Platz wieder) Nishia zeigte, wie man von dem Mauervorsprung auf das Dach springen kann. Hat sich Nishia genau angeguckt, gemerkt und notiert. Ich habe genau gesehen, wie sie die Formel für die aufzuwändende Energie im Kopf rechnete. *grmpf*

Das wird noch anstrengend werden, X, Y und Z zu erklären, dass sie nicht tun dürfen, was Fratz tun darf.

Tally ist einfach nur froh, dass sie Samstag doch keine Gespenster gesehen hat und die anderen beiden Katzen das auch alles komisch finden.