2010-11-05

Annette Humpe

Annette war eine sehr präsente Person in meiner Kindheit. Sie gehörte zu dem bunt-verrückten-verruchten Haufen der Buddhisten der Sokka Gakai, die sich in den 70igern auch hier in Deutschland formierten, zu denen sich meine Mutter als eine von den ersten vielleicht zwanzig Deutschen Aktiven zählte. Wir waren multikulturell ohne Ende – obwohl es dieses Wort damals selbstverständlich noch gar nicht gab. Und wenn wir etwas neben dem Budhhismus einen großen Raum gaben, dann der Kunst. Zwangsläufig, obwohl Leute wie meine Mum, als Kontoristin, oder Inge, als Verkäuferin, eher die Ausnahmen bildeten im Verhältnis zu den anderen, die irgendwie alle professioneller mit Kunst jeglicher Richtung zu tun hatten. Die Stilrichtung im weitesten Umfeld, denn für einige bestand deren Kunst darin nach Berlin vor dem Wehrdienst geflohen zu sein und hier dann doch erst mal nicht allzu fleißig zu studieren oder sich der Kunst der bunten Welt der Drogen hinzugeben. Der Buddhismus brachte uns bunte Melange zusammen, um gemeinsam zu chanten, zu singen, zu tanzen, Theater oder Pantomime zu spielen und für meinen Bruder, für mich und für meine Mum sowieso, war diese Zeit das Beste, was uns zur Kompensation der sehr unschönen Scheidungszeit meiner Eltern passieren konnte. Ich traf also als Kind auf viele Menschen mit dunkler Hautfarbe, schmalen Augen, osteuropäischen Akzenten, die alle reizend zu uns Kindern waren, denn wir hatten ein immensen Stellenwert und das Bemühen war groß, uns Kindern viel Spaß und Freude zu schenken und uns darin zu fördern, unsere Kreativität auszuleben.

Annette hatte damals lange Haare, schön zu einer riesigen Afromähne gedauerwellt und schien immer ein wenig spröder im Vergleich zu den anderen – oder einfach nur eigen; mit meiner heutigen Lebenserfahrung würde ich beschützend formulieren: schüchtern. Diese damalige enorm expressive Zeit, muss für Menschen, wie sie, schwer gewesen sein. Auch sie kam aus dem – für uns damals – durch den Transit getrennten Westdeutschland und sie spielte Keyboard und jeder war von ihrem Talent als Musikerin überzeugt. Im Grunde spielten in unserer Gemeinschaft fast alle ein Instrument, im Zweifelsfall eben das Tamburine oder die Triangel (!), aber es gab eben auch die echten, ernsthaften musikalischen Talente und Annette gehörte zweifelsohne zu ihnen. Ich mochte Annette, wegen ihrer Haare und weil sie immer ein bisschen anders war als die anderen. Sie taute etwas mehr auf, als ihre Schwester Inga auch nach Berlin und zu uns stieß. Annette ging nach Hamburg zu einer Zeit, als sich der alte Kern der Buddhisten etwas auflöste. Dies weil die Sache zu schnell zu groß wurde und wie so oft der Mensch und sein Organisationszwang, der eigentlich schönen Sache in ihrer weiteren Entwicklung störrisch im Wege stand. Aber so ganz hatte ich als Kind nicht begriffen, wieso man so einfach weggehen konnte und uns alleine lassen konnte, so wie Annette das konnte.

Jahre später in den 80igern, ich war mittlerweile längst kein Kind mehr, sondern eine erwachsene junge Frau, die sich dem Spaß der Neuen Deutsche Welle hingab, stand ich vor dem Reichstag in Berlin, wo damals schon gerne Konzerte for free in unmittelbarer Mauernähe gegeben wurden und traf hier Annette erstmals seit meiner Kindheit wieder. Sie stand oben auf der Bühne mit Ideal und intonierte „Ich steh‘ auf Berlin“. Erfolgreich. Später war sie mit ihrer Schwester, Inga, weiter erfolgreich. Während mich immer wieder meine Wege – auch als nicht allzu aktive Buddhistin damals – hier und da in die Arme der alten Freunde und Bekannte aus dieser Zeit führte, habe ich Annette nie wieder gesehen. Irgendeiner wusste immer, wo sie ist, was sie machte, dass es ihr gut ging und erfolgreich war mit dem, was sie offensichtlich gerne tat. Man freute sich, das aber war es. Privat wurde sie relativ spät Mutter, lebte weiterhin in Hamburg und erlebte ihren vielleicht größten kommerziellen Erfolg mit Ich + Ich und ich bewundere sie dafür, konsequent gleichzeitig Part und Nichtpart dieser sehr speziellen Erfolgsgeschichte zu sein. Nichtpart, wenn es um ihre visuelle Präsenz geht natürlich nur. Eine wundervoll gelebte Konsequenz in diesem Business.

2008 traf ich Annette zufällig in Charlottenburg beim Asiaten in der Kantstraße, ich während meiner Weiterbildung in unserer kurzen Mittagspause mit Schulkollegen, sie mit ihrem Sohn setzte sich zu uns an den Tisch und dann quatschte ich sie einfach an mit einem „Du bist doch Annette?“ Was für sie merkwürdig gewesen sein muss, denn unüblich ist es schon, wenn eine erwachsene Frau eine andere erwachsene Frau plump duzt. Zumal wenn man meint, diese noch nie gesehen zu haben. Ich erklärte ihr, wer ich sei und natürlich konnte sie sich nicht an mich erinnern bis zu dem Moment, als ich ihr den Namen meiner Mum Evi nannte. Mich selbst wird sie das letzte Mal als vielleicht elfjähriges Mädchen gesehen haben, ich bin eine komplett Fremde für sie. Auf ihre Nachfrage hin musste ich ihr erzählen, dass meine Mum zwei Jahre zuvor verstorben war, was ihr leid tat und wir tauschten ein paar Informationen über gemeinsame Bekannte aus der damaligen Zeit aus. Bis ihr Essen kam und für uns es Zeit gekommen war, zurück zum Unterricht zu gehen.

Letze Woche wurde Annette 60, was ich natürlich insbesondere unserer Geschichte unfassbar finde, weil mir auch klar wird, wer von den Leuten alles also auch so jung alt mittlerweile ist. Annette sieht längst nicht wie eine 60jährige aus und ich wünsche ihr weiterhin viel Glück, Erfolg und Freude bei dem, was sie tut. Eine gute und lange Gesundheit – und viel Spaß in Berlin. Sie soll wieder nach Hause gekommen sein.

2010-11-04

Wie im echten Leben …

Jawl ist sozial vereinsamt am Arsch.

Bunga Bunga

ist das das neue politisch korrekte Wort für Schnackseln?

2010-11-02

Gestern bei einer Alpensendung auf arte

hängen geblieben. Mich in Steinböcke verliebt.

Ich freue mich sehr für die Zahnärzte, …

dass sie im Jahr 2010 so früh – also am Anfang des vierten Quartals – schon bei einigen Krankenkassen ihre Mäuschen ins Trockene geholt haben, dass sie auf den unangenehmen Winterdienst verzichten können!

Natürlich wird kein Zahnarzt einen AOK-Patienten abweisen – er muss nur privat und bar zahlen! Ach und man möge Vertreter der ablehnenden Gattung bitte melden.

Herbst

2010-11-01

Spree-Praline 2010

Erinnert Ihr Euch noch an die Spree-Praline? Auch bekannt als „Dr. Ingrid Wengler“? Ich schrieb 2006 über die stählerne Wasserleiche und gestern führte uns der herbstliche Spaziergang wieder einmal an ihr vorbei …



Vom tollen Marina-Bay immer noch keine Spur, die Allianz Treptowers suchen verstärkt Mieter und die Baumaßnahmen am gegenüberliegenden Osthafen scheinen abgeschlossen. Zwischendurch sind ätzende Leuchtreklamen, das Ufer und Stadtbild verschandelnd, genehmigt worden und die aktive Initiative, die dafür kämpft, dass nicht jede Berliner Uferfläche ausschließlich dem Kommerz zum Opfer fällt, hat die Ingrid einfach zum Maskottchen „Mediaspree“ gelabelt. Politisch ist sie also noch geworden auf ihre alten Tage, die Dame!



Sie indes ruht weiterhin stolz vor sich hin und trägt ihren Verfall so konsequent zur Show, wie die Berliner Politik versucht der Stadt konsequent ein zweitklassiges architektonisches Antlitz zu skandalisieren. Dann doch lieber Schrott!

Halloween

Alle Kinder, die ich gestern in Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof abends mit Tüten nach „Süßem oder Saurem“ habe fahnden sehen, waren als Kids mit Migrationshintergrund verkleidet. Seit Sarrazin gilt das wohl als besonders gruselig.

(Aus der Reihe: ich habe ja keine Ahnung von sowas.)

2010-10-31

RTL 2 Irreführung als Programm

Die hysterische RTL-2-Show "Tatort Internet" hat eine Mission: Ein Gesetz soll her, um Erwachsene bestrafen zu können, die sich online an Kinder heranmachen. Was die Macher der Sendung lieber verschweigen: Das Gesetz existiert längst - und verbietet sogar, was außerhalb des Internets erlaubt ist.

Dietmar Hipp hat das RTL-2-Format unter den gegebenen juristischen Gesichtspunkten kommentiert.

2010-10-30

Fährt der alte Lord fort, fährt er nur im Ford fort …

Bei uns inne Familie waren ‘se 1969 schon emanzipiert. Muttern machte den Führerschein, mein Vater machte den nie. Unser erstes Auto war dieser entzückende Ford Taunus 12m (P4), gebraucht. 40 PS. Hammer!



In diesem Auto lernte ich nicht mehr direkt auf der Rückbank zu reiern, wenn's um mehr als zwei Ecken gegangen ist. Hinter Mama und mir als Vierjährige, hinter dem bonfortinösen Auto und dem Rohbau im Hintergrund, liegt übrigens direkt die Deutsche Oper Berlin an der Bismarckstraße. Parkplätze gab es damals noch – ohne Ende!

2010-10-29

Bitte schickt doch …

mal der lieben Liisa von Charming Quark ein bisschen Mut, Sonne, Fröhlichkeit, einen Haufen guter Energie, wenn Ihr selber könnt und übrig habt. Sie ist so ein herzensgutes Blog-Urgestein und ich glaube, sie kann momentan gute Gedanken und liebe Worte gebrauchen!

So ein virtueller Knuddler versetzt auch dunkle Berge, glaube ich fest daran!

Vielen lieben Dank!

Das Schwarzbuch der Steuerzahler

gibt es übrigens auch als PDF zum Download. (Aber bitte nicht mitten beim Lesen Amok laufen.)

Die andere Zahl heißt übrigens 6,6 Millionen

Die Regierung erzählt zwar, es gäbe nur noch 2.9 Millionen Arbeitslose. Dafür gibt es aber nach wie vor 6.6 Millionen Empfänger von Leistungen wie ALG II oder ergänzendes ALG II.

Das heißt nur unter der CDU wurde der Pool der Menschen mit Arbeit, die sich von ihrem Verdienst im fünfreichsten Land der Welt nicht alleine ernähren können.

Das ist Deutschland! Du bist Deutschland!

2010-10-28

Begrüßen Sie bitte

Frau erpaufee in der Blogwelt! Sie ist noch frisch unterwegs und hätte gerne Mitleser, möchte ich wetten.

Ich weiß die Antwort! Und Ihr?



Der Tagesspiegel weiß es ganz genau …

Wie gerne …

hätte ich manchmal auch solche Drogen!

2010-10-24

Das ist Nele …



Nele kenne ich über Twitter und ist die Nachfolgerin der lieben Taja, einer Beagle-Hündin, die vor einigen Wochen leider altersbedingt das Zeitliche segnete. Taja lebte mit zwei Flusenkatzen und ging täglich ins Büro. Und so macht das auch ihre Nachfolgerin Nele, deren weitere Gemeinsamkeit zur Vorgängerin ist, dass sie ein „Labor-Beagle“ war. Labor-Beagle sind eine fremdbestimmte Rasse der Beagle, die ja als gemeinhin sehr freundliche liebenswerte Hunde bekannt sind und sich daher offensichtlich prima zur Laborhaltung und für Experimente eignen, über die wir wohl lieber nicht näher nachdenken wollen …

Nele ist zwei Jahre alt, hat dem Labor schon Babies (man nennt das in Labordeutsch „Vermehrerhündin“) geschenkt und durfte, aus welchen Gründen der Nichteignung auch immer, nun in die Freiheit entlassen werden. Sie hat ihr neues Zuhause bei der Menschin von Taja und zwei Flusenkatzen gefunden. Nele bloggt ab sofort, was spannend zu lesen ist, weil Nele trotz ihres „hohen“ Alters ja nun überhaupt erst das Leben in einer Welt voller Menschen, Straßen, Natur, Hunden, Katzen und den üblichen Dingen, die jedem „normalen“ Hund von Anfang an vertraut sein dürfen, kennenlernt. Im Moment lernt ihr Immunsystem sich mit all den Dingen, die in der Freiheit bekämpft werden müssen, auseinander zu setzen.

Das Unangenehme an Nele ist, die guckt einem auf einem Foto mal in die Augen – und schon ist's um einen geschehen. Und falls jetzt jemand von Euch darüber nachdenkt, einem Hund ein Zuhause zu geben, hier geht es zur Labor-Beaglevermittlung!

Ach, und hier sind lauter kleine Filme, mit Nele, wie sie lernt „High Five!“ und so zu machen.

Herzliche Grüße nach Wiepersdorf!

Frau Indica ist heute in Sachen Netz offline unterwegs und refferiert im Rahmen des Symposiums „Bettina von Arnim als Kommunikationsexpertin“ über Kunstfiguren offline und reale Personen online und wie sie sich treffen, wenn sie sich treffen, wo immer sie sich treffen.



Frau Indica trifft man somit heute im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, wo sie den Zuhörern erzählt, wie sehr Bettina von Armin heute wohl eine Vorreiterin im Social Networking wäre. Womit die Frage zu klären ist, ob nicht in uns Bloggern von heute auch ein Stückchen der modernen Bettina von damals steckt.

Leider kann ich nicht dabei sein, wie eigentlich geplant. Aber ich wünsche allen Teilnehmern, vor allem der Referentin, eine spannende Zeit vor Ort und ein vergnügliches spinnen von Netzwerken ganz im Geiste einer klugen einzigartigen Frau und Schriftstellerin!

2010-10-23

Malte Welding

zur Leitkulturdebatte. Muss man lesen! Wirklich!

Überhaupt und generell …