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2026-01-25

Crottole – Stadt des Honigs

Sich treiben lassen auf Reisen und widrige Umstände annehmen, sie sein lassen, das kann wirklich schöne Momente schenken.

Einen solchen Moment erlebten wir im Herbst letzten Jahres in der Basilikata. Und das kam so: Uns begleiteten eine kurze Zeit der Reise ein langjähriger Freund von Pino mit seiner Tochter. Beide waren auf dem Weg an die Küste des Tyrrhenischen Meeres, wo sie ihre Wurzeln haben. Die Tochter war zuvor noch nie in Matera und Pino wollte ihr die Stadt zeigen. Ich kann sowieso nicht oft genug in Matera sein und bin selbst über den kürzesten Ausflug in diese Stadt (in der ich immer öfter das Gefühl habe, dann zu Hause zu sein) sehr froh.

Also besuchten wir Matera. Dummerweise zwangen uns im Umfeld der Stadt uns nicht bekannte Bauarbeiten in Staus, die wiederum unsere Zeitplanung – Mittagessen mit einem Freund Pinos – ziemlich zerschossen hatten. Wir hatten uns verfranzt, das half dem Termin auch nicht auf die Sprünge (und nein, nicht immer ist Elektronik dabei eine Hilfe).
Irgendwann also vertagten wir das Treffen mit dem Freund und reisten durch die Gegend. Mit dem Wissen, wir sollten in baldiger Zukunft irgendwo eine Gelegenheit zum Essen finden – der Süden Italiens ist, ich erwähnte es mehrfach schon, zeitlich strikt geregelt, was das Pranzo anbelangt.
So fuhren wir durch die schöne Landschaft mit ihren Hügeln und landwirtschaftlichen Flächen (die Basilikata auch gerne als Garten Italiens bekannt), teilweise schon abgeerntet, teilweise schon wieder neu bestellt. Was sollte uns passieren?
Der Himmel war blau und mit hübschen Schäfchenwolken bestückt, wir hatten Urlaub und irgendwo im Hintergrund, 30 Autominuten (falls kein Stau stört) von Matera entfernt, erblickten wir einen der typischen Orte in der Basilikata. Gebaut rund um eine Anhöhe, auf deren Spitze ein Castello ruht.
Crottole. Wer alt genug ist, erinnert sich an die schweren Erdbeben in den Abendstunden des 23. November 1980 in ganz Süditalien, denen über 3 000 Menschen zum Opfer fielen und über 400 000 Menschen ihrer Wohnungen und Häuser beraubt wurden. Crottole hatte, wie viele Dörfer in dieser Region, schweren Schaden nehmen müssen.

Viele Menschen dieser Region sind daraufhin weggezogen, die wenigsten wollten hier mehr wirklich neu bauen. Dennoch sieht man der Stadt an, dass ihre Bewohner immer noch an sie glauben. Tatsächlich findet man die Spuren der grausamen Naturgewalt heute noch in dem Ort – und wenn es stützende Gerüste sind, die mittlerweile vor sich hinrosten.
Knapp 2000 Einwohner zählt Crottole heute – in der Sternstunde dieser Stadt, so um 1010 n. Chr., waren es über 13 000 Einwohner. Damals hieß sie auch noch Cryptulae, kleine Grotten. Der Tatsache gehorchend, dass heute noch unter der Stadt viele prähistorische Grotten zu finden sind. Das über allem thronende Castello Feudale entstammt dem 9. Jahrhundert n. Chr. – als diese Gegend vom Fürstentum Salerno regiert wurde. Auch das Castello zeigt heute noch die Wunden des Erdbebens.

Als wir in Crottole auf der Via Nazionale hineinfuhren, grüßte uns stolz das Schild „Stadt des Honigs”. Das sind Neuigkeiten, auf die Menschen wie Pino, Sibi und ich (und auch unsere Begleiter) natürlich sofort hereinfallen. Ach, Honig! Durch die Straße rasende Traktoren, signalisierten deutlich welche Tageszeit geschlagen hatte!
Wir liefen ein paar erste Meter durch die Stadt, rechter Hand eine kleine Salumeria mit prachtvollem Gemüse in der Auslage, linker Hand eine Bar, Bar Trattoria Quaranta, die nicht wirklich den Eindruck eines Restaurants auf mich machte.
Aber das ist auch der Charme Italiens: Wenn man denkt, da geht man vielleicht besser nicht hinein, das sieht nicht sooo gemütlich aus – ruhig hinein mit euch! Meist passiert die Magie in irgendeinem Hinterzimmer und die Küche schmeckt göttlich!
Nun, Pino kennt natürlich die regionalen Gepflogenheiten seiner Heimatprovinz, also traten wir ein, fragten nach einem Mittagessen und wurden zu dem Zeitpunkt noch als erste Gäste in einen fantastisch, leicht skurril dekorierten Hinterraum geführt.
Der sich übrigens kurze Zeit später sehr füllen sollte – ein simples Zeichen dafür, dass wir hier mehr als richtig waren.
Mit einem irrsinnigen Tempo servierte man uns erst den Wein (zum Wasser) und dann die deftigen Antipasti mit Schinken, Speck, …
… feinstem Käse und Nodini, …
… Oliven und eingelegtem Gemüse.
Später Pastagerichte mit duftender Sugo …
die Orecchietti mit aromatischen Cruschi! Die übrigens in einem weiteren Hinterzimmer vor sich hin trockneten.
Beste einfache Küche mit den fantastischen Produketen der Heimat namens Lucania.
Während ich von der hochbetagten, sehr gepflegten Patronin ins Herz geschlossen wurde, von deren Erzählungen ich nicht so viel verstand, sie aber außerordentlich genoss – und das ist halt der Unterschied zu unseren deutschen einfachen Gaststätten, wo selten mehr Austausch stattfindet neben der Bestellung. Im italienischen Gegenentwurf freut man sich immer über neue Gesichter und will deren Geschichte erfahren.
Pino, der trotz seines Alters sich immer noch die Neugierde eines kleinen Kindes bewahren konnte, fragte natürlich auch nach dem Honig, den die Stadt zu ihrem besonderen Namen verholfen hatte. Ich liebe diesen Stolz der Italiener, den ich in Deutschland sehr vermisse: Da schafft jemand ein gutes Produkt, das vielleicht sogar prämiert wird, und die ganze Gemeinschaft derer Heimat ist stolz wie Bolle!
Kurz nachdem wir das Essen beendet hatten, betrat ein hübscher junger Mann die Szenerie, mit vier Honiggläsern im Beutel – und erzählte uns seine Geschichte und stellte uns seinen Honig vor. Und was für Sorten! Korianderhonig (Coriandolo) Süßkleehonig (Sulla), Trifoglio (Klee) und Millefiori (Tausend Blumen) – insgesamt elf Sorten – bekannt unter dem Namen L’Oro Dei CampiDas Gold der Felder!
Rocco Filomeno (links im Foto, rechts Pino) ist in Grottole aufgewachsen und fand schon als Kind Bienen spannend. Imker ist er erst nach seiner Ausbildung zum Friseur geworden. Seine Leidenschaft für die schöne Landschaft Lukaniens, die absolut nachvollziehbar ist, hat ihn zu einem mittlerweile im Land sehr anerkannten Imker werden lassen. Diese Liebe ist aus der seiner Familie zu ihm entstanden, denn sie war es, die ihm das erste Buch über Imkerei zusammen mit seinem ersten Bienenstock geschenkt hatten. Daraus sind binnen zwölf Jahren 150 Bienenstöcke geworden und er ist der Vater von über 90 000 Bienen, mit denen er je nach Jahres- und Blütezeit durch die Region zieht – ein Bienennomade. Und wird mit seinem Honig hochgeschätzt, von dem sein Millefiori 2020 als bester Honig dieser Bezeichnung in der Basilikata prämiert wurde, 2022 wurde sein Kastanienhonig mit dem Tre Grocce D’Oro (Grande Mieli D’Italia) sogar als bester Honig Italiens prämiert. Kein Wunder, dass alle seine Honige von 2025 – zumindest in seinem Onlineshop – ausverkauft sind. Und dass sich Crottole ihm zu Ehren nun Stadt des Honigs nennt.

Daran sind aber auch wir ein bisschen schuld, denn, obwohl er so liebenswürdig war, mir die mitgebrachten Honige zu schenken (und ich bin sehr dankbar dafür, sie sind wirklich köstlich!), haben wir alle noch vor Ort bei ihm ordentlich eingekauft. Für uns selbst, Pino und Sibi für die Trattoria. Aber … merkt euch den Namen L’Oro Dei Campi und die Webadresse für die nächste Honigsaison, schreibt ihm eine Mail, es lohnt sich wirklich!

Wir haben also Crottole zufällig gefunden, haben diesen Ort sehr satt, reich beschenkt und im Honigglück verlassen – und möchten unbedingt wiederkommen. Auch das ist die besondere Schönheit Italiens.

2025-06-12

Tanti Auguri Mamma Angela!

Neunzig Lebensjahre! Ein Ehemann, den sie früh beerdigen musste. Zwei Söhne, zwei Enkel. Ein Umzug in ein fremdes Land. Ein arbeitsreiches Leben. Ein mutiges Leben.

So lässt sich wohl in kurzen Stichworten das Leben von Angela Mattarese beschreiben. Am 5. Juni 2025 ist die Lukanerin Mamma Angela – wie wir Berliner sie nennen dürfen (sie besteht auf die Schreibweise mit zwei M) – 90 Jahre alt geworden. Am darauf folgenden Sonntag haben wir sie herzlich hochleben lassen in ihrer Wirkungsstätte, der Trattoria a' Muntagnola, und diese wunderschöne, sehr aktive Frau gefeiert! Es war der Abschluss einer viertägigen Geburtstags-Sause – die ihren müde aussehenden Enkeln etwas ins Gesicht geschrieben stand.

Sie dürfte wohl die älteste, immer noch in der Küche arbeitende Köchin Berlins sein!
Unsere Mamma Angela, die Mama der Gastronomen Pino und Mimmo Bianco kocht seit nun vierunddreißig Jahren im Restaurant ihres Sohnes Pino, Trattoria a' Muntagnola in der Fuggerstraße 27 (nahe Wittenbergplatz), das, was ihr im Blut liegt: ursprüngliche, köstliche lukanische Küche. Geboren in Cirigliano, einem kleinen Ort südwestlich von Matera in der Provinz Basilikata, wuchs sie in der Bergregion ohne fließendes Wasser oder Kanalisation auf. Dieser kleine Ort war damals nur mit dem Maulesel zu erreichen. Ihre Herkunft gab dem Restaurant den Namen: Muntagnola – Frau aus den Bergen. Ihr erstes Geld verdiente sie als Bahnwärterin in dem kleinen Küstenort Scanzano, wo sie in ihren Jugendjahren hingezogen war. Der Ehemann, ein Kind der Küste, schenkte ihr liebevoll den Kosenamen Muntagnola.

Es ist die Küche ihrer Heimat, der Basilikata, die sie mit nach Berlin gebracht hatte, um Pino in seinem 1991 eröffneten Restaurant zu unterstützen. Eine dringend notwendige Mission, denn, wie Pino selber zugibt, ist er bewiesenermaßen ein umtriebiger und kreativer Gastronom, ein wundervoller Gastgeber – aber ein miserabler Koch. Zwei Monate wollte sie gekommen, um ihren Sohn zu unterstützen. Und ist geblieben, genießt diese lebendige Stadt.
Seit über 34 Jahren serviert Angela uns diese aromatische Küche Süditaliens. Eine Küche mit einfachen Zutaten, mit geschmackvollem Gemüse, nach den Rezepten ihrer eigenen Mama und ihren Nonnas. Immer sollte man in der Trattoria nach den Tages- bzw. Wochengerichten fragen, denn die besten Gerichte sind die der Saison, sie stehen nicht auf der Karte. Diese Ausflüge in die Küche Lukaniens sind besonders wertvoll, man wird sie oft kein zweites Mal essen können.

Auch heute noch vergeht kein Tag – außer sie ist im Sommerurlaub in der Heimat (wo sie sich schnell langweilt) oder mit Sohn Pino in der Welt unterwegs – an dem sie nicht mindestens einmal am Abend durch ihr Restaurant geht, mit ihrem besonderen Lächeln ihre Stammgäste begrüßt und in der Küche nach dem Rechten sieht. Ist sie in Berlin, steht sie beinahe täglich am Vormittag, gemeinsam mit Chefkoch Sibi, in der Küche. Bereitet die hausgemachte Pasta zu oder setzt den Teig für das fantastische Brot an. Kommen die vielen Kisten mit frischen Artischocken oder Limonen aus der Heimat nach Berlin, weil sie gerade Saison haben, schält sie und bereitet sie diese zu bzw. kocht sie ein, setzt den Limoncello an.
Wie viele Tonnen von Pasta wird sie über die vielen Jahre zubereitet haben? Lange Jahre wurde Angelas jüngster Sohn, Mimmo Bianco,
im Fiat auf die Autobahn geschickt, um die Gemüse der Saison, Kräuter, Käse- und Wurstwaren der Basilikata für das Restaurant einzukaufen.
Soppressata, Capocollo und Pancetta, frische Saubohnen (die hier in Deutschland keiner mehr anbauen wollte), Cime di Rape, Zicchorie, Zucchiniblüten. Mittlerweile alltägliche Zutaten unserer heutigen Fusion-Küche, die es damals auf dem Berliner Großmarkt kaum zu kaufen gab. Frittierte, gefüllte Zucchiniblüten wurden in Berlin erstmals wohl in der Trattoria a’ Muntagnola serviert.
Dabei taten wir Berliner uns in den ersten Jahren schwer mit dieser sehr ursprünglichen, echten italienischen Küche. War sie doch so anders als das, was uns eingedeutscht bisher in anderen Restaurants als Küche Italiens verkauft worden war. Pino aber hielt an dem Konzept für sein Restaurant fest: authentische, köstliche Küche seiner Herkunftsregion. Und wer sich verzaubern ließ, der war immer von der Küche Mamma Angelas gefangen! Fällt heute in einem Gespräch die Trattoria a' Muntagnola, folgt grundsätzlich mit einem sehnsuchtsvollen Seufzer: „Die Caponata von Mamma Angela!” Es ist so, ganz Berlin schwärmt von Angelas Caponata!
Und wie fantastisch schmeckt es hier: Fave e Cicoria, aromatisches Saubohnenpüree mit wildem Löwenzahn und gutem Olivenöl. Sensationell das Carpaccio aus dünnen Zucchinischeiben, mit Minze, Olivenöl und Limone parfümiert – in der nicht vegetarischen Variante umhüllen sie Garnelen. Cicoria di Catalogna – in Streifen geschnittene Puntarelle mit dieser köstlichen Soße aus Sardinen, frischem Knoblauch, Öl und Limone. Wenn es die mit Brennessel und Ricotta gefüllten Ravioli gibt: probieren! Zwiebelsuppe gibt es hier – mit den süßen roten Zwiebeln aus Tropea, Kalabrien, der Nachbarregion der Basilikata. Beide Provinzen teilen sich viele Köstlichkeiten – auch die erwärmte, sehr pikante Nduja findet man in den Vorspeisen der Trattoria a’ Muntagnola. Dazu das luftige, knusprige Pane di Matera, das hier noch selber gebacken wird.

Die Pizza, der Teig aus einem Mehl-Mix bekommt eine tagelange Gare. Die Pizza Limone – mit dem Saft und Zesten aromatischen Limonen Kalabriens – unbedingt probieren! Ravioli serviert Mamma Angela schon lange mit Kürbis, bevor dieser hierzulande seine Renaissance erlebte. Bei der Pasta in leicht süßlicher Variante, mit Zimt im Kürbis und in Butter geschwenkt, machen diese Ravioli sehr zufrieden. Dann die Fleischgerichte: Gebackenes Kaninchen, im Ofen geschmortes Lamm. Oder Rind, das Ossobucco, deftig geschmort mit süßen Pomodorri und Gemüse. Wie köstlich sind die hausgemachten Tagliatelle in cremiger Soße mit Thunfisch oder Lachs!

Gemeinsam mit ihrem Mann hatte Angela bis zu dessen unerwarteten Tod in der Basilikata eine Pizzeria geführt, auch von ihm hat sie viel seiner Kochkunst übernommen. Dann holte sie Pino nach Berlin in sein gerade eröffnetes Restaurant im bunten Motzstraßen-Kiez von Berlin. Dieses Erbe, eine hervorragende Gastgeberin zu sein, hat sie an die Söhne bis in die Enkelgeneration weitergegeben. Das ist ihr sehr wichtig, Traditionen zu pflegen, überliefertes Wissen den Enkeln weiterzugeben, ihnen den Respekt vor den Lebensmitteln zu vermitteln.
So wirkt sie auf ihre beiden Söhne und mittlerweile auch auf Zwillingssöhne von Sohn Mimmo ein. Beide führen in Berlin erfolgreich Restaurants, das Marina Blu und die Mozarella Bar. Mimmo selber hatte sein langjähriges Restaurant in Berlin Al Contadino Sotto le Stelle vor einigen Jahren verkauft und ist wieder zurück in seine Heimat gekehrt, wo er wieder – sehr erfolgreich – das Restaurant Ferrovie Calabro Lucane mit einem Partner in Rocca Imperiale (Kalabrien) führt. Über viele Jahre hatte Angela dem heutigen Chefkoch Sibi, der gemeinsam mit Tina Sento
inzwischen auch Teilhaber der Trattoria ist, ihre Rezepte gezeigt und ihm die Küche ihrer Heimat beigebracht. Er war einer der wenigen Köche, die in den Jahren zu ihrer Unterstützung eingestellt wurden, der blieb und dem sie ihre Familienrezepte anvertrauen wollte. Er bringt heute ihr Rezepterbe auf den Tisch, genauso wie Stammgäste, die Küche der Trattoria seit vielen Jahren wertschätzen.

Angela Mattarese liebt Berlin! Wohnt direkt über dem Restaurant – und möchte mittlerweile nicht mehr weg aus der Stadt, die ihr eine zweite Heimat geworden ist. Die Trattoria a Muntagnola ist Familie. Wer hierher essen kommt und auch nur einmal wiederkommt, gehört einfach dazu. Die hervorragende, ehrliche Küche mit einigen Klassikern, die uns Gäste sofort wieder in den Urlaub zurückversetzen. Angela hat in den langen Jahren für viel Prominenz gekocht: Bundeskanzler Gerhard Schröder probierte ihre Pasta, die gesammelte Politikprominenz der Grünen kennt diese Trattoria. Vertreter der klassischen Opernhäuser von Berlin, Schlagersänger und Schauspieler. Die Wand, die mit den Fotos vieler prominenter, internationaler Gäste der Muntagnola gestaltet ist, zeigt ein kulturelles Potpourri von Angelas und Pinos Gästen.

Angelas Caponata ist – nicht nur für mich – die beste Caponata, die ich in dieser Stadt je gegessen habe und das absolute Vorbild meiner eigenen. Die herzliche Begrüßung, der typische schnelle italienische Service. Kein Chichi, karierte Decken, heimatliches Porzellan, großformatige Fotos – vor allem von Matera – machen einfach Lust auf die nächste Reise in diese einzigartige Region Italiens. Wo so herzliche Menschen herkommen, die diese leckere Küche servieren – da muss man einfach hinfinden.

Das sind Mamma Angela gemeinsam mit ihrem Sohn Pino eben auch: Die besten Appetitmacher für eine Reise in diese Region – und es funktioniert. Unterhält man sich mit den zahlreichen Stammgästen, die Mamma Angela auf ihrer Feier ein Blumenmeer bereiteten, gibt es kaum einen Gast, der nicht schon einmal auf deren Empfehlung in die Basilikata gereist ist – und begeistert war. Sogar so begeistert, dass einige von ihnen zwischenzeitlich sich dort ein Haus, ein Appartement gekauft haben, und sich spätestens im Rentenalter dort niederlassen möchten.

Und wer das nicht kann, der geht eben weiterhin zu Mamma Angela, zu Pino, zu Tina und Sibi – die beiden Letztgenannten bilden die junge Generation, die Pino als Teilhaber in die jüngst gegründete GmbH geholt hat. In Vorbereitung seiner eigenen Rente, um uns diesen schönen Ort unserer kurzen, köstlichen Lukanien-Urlaube weiterhin zu erhalten.

Denn Mama Angela hat noch viele Pläne, die außerhalb der Trattoria a’ Muntagnola real werden. So neugierig sie ist und in Berlin gerne andere Restaurants besucht, beispielsweise das Sticks n Sushi, wo ihr großes Geburtstagsessen mit der ganzen Familie stattgefunden hatte, will sie reisen. Der nächste Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff Richtung Spanien – an dieser Art zu verreisen, hat sie Geschmack gefunden – ist bereits in Planung!

Tanti Auguri, Mamma Angela! Grazie mille – und auf viele Jahre unterwegs in schönen Ländern.


Trattoria a' Muntagnola
Fuggerstraße 27, 1077 Berlin
Telefon: +49 30 211 66 42
E-Mail: trattoria@muntagnola.de
Reservierung

2025-05-21

Matera – immer eine Reise wert!

Regelmäßige Leser*innen dieses Blogs haben schon verstanden: Ich habe einen leichten Crush auf Matera. Diese einzigartige Stadt in der Basilikata zu besuchen, macht mich immer happy. Als sich anlässlich unserer Reise nach Rocca Imperiale in Kalabrien am ersten Tag zumindest ein halber Tag in Matera in unser Programm schmuggelte – es lag auf dem Weg – waren meine Emotionen natürlich mehr als freudig gestimmt. Es gab einen kurzen Moment der Ekstase, durch einen Happy Dance ausgedrückt. Aber es ist so: Ich setze den Fuß in diese Stadt und bin voller Frieden.
Das Flugzeug landete nach einem sehr frühen Start um kurz vor neun Uhr in Bari. Eine knappe Dreiviertelstunde später waren wir in Matera, blauer Himmel, Schäfchenwolken und eine dezente Brise – perfektes Reisewetter! Eingeladen waren wir von Michele Brucoli, der uns gemeinsam mit Claudio Latorre die Zeit in dieser wundervollen Stadt mehr als angenehm bereitete. Claudio führte uns zuerst durch Matera – und entpuppte sich später als profunder Sommelier, der uns einige spannende Rebenschätze der Region vorstellte. Aber zuerst nahm er uns mit zur Panificio Il Forno di Gennaro der Familie Perrone.
Diese Bäckerei zelebriert ihre Backkunst seit dem Jahr 1890 – in den aktuellen und jüngst modernisierten Räumen schon seit 1960 – und nunmehr in der vierten Generation.

Panificio Il Forno di Gennaro

Nicola startete das familiäre Geschäft Ende des 19. Jahrhunderts am Holzofen, gefolgt von seinem Sohn Giuseppe, in dessen Fußstapfen später Enkel Gennaro in den 40igern im letzten Jahrhundert trat.
Eine unzählbare Menge Pane di Matera wurde seither gebacken, heute ist der Betrieb immer noch Familiensache und wird von Gennaros Töchtern und Enkeltöchtern sehr modern geführt.
Seit 2000 vertreiben sie ihre Backwaren auch in der Distribution – und ein Seminarraum ist auch in die Bäckerei eingezogen.
Patrizia und Sabrina bieten neben dem besonderen Brot saftige Focaccia und die berühmten Friselle an. Bei den doppelt gebackenen Friselle musste ich zuschlagen, einfach weil sie so eine schöne dunkle Farbe hatten.
Enzo – der seit 62 Jahren hier das Pane di Matera im Holzofen backt – zeigte uns gemütlich, wie souverän und gelassen, dennoch rasant schnell er das Pane faltet, schneidet und – für uns Zuschauer – stempelt – und in den Ofen schiebt. 1000 dieser Brote verlassen täglich die Bäckerei!
Enzo schien sehr in sich zu ruhen – ich glaube, Brot backen ist ein sehr medidativer Prozess. Das Brot, mit der fast ebenso alten Mutterhefe Lievito Madre, angesetzt, erhält eine lange Teigführung und ist daher sehr bekömmlich. Das von Il Forno di Gennaro verwendete Hartweizengrieß bzw. -mehl entstammt der Region Genzano di Lucania.
Die Stempel entstammen noch der Zeit als die Familien ihre Brote selber herstellten und in den großen Gemeinschaftsöfen backten und mit diesen Stempel ihr Brot mit ihren Familienkürzeln kennzeichneten. Er wird nach dem Falten und dem Schneiden der Dreifaltigkeitskrone in den Teig gedrückt. Dieses Brot ist ein Geschenk aus Backkunst, traditionellen unverfälschten Zutaten – und sehr viel Zeit. Seine Kruste ist irre knusprig und kracht im Ohr beim Reinbeißen. Es braucht nur leckeres Olio di Olivi – herrlich!


Die Piazza Vittorio Veneto di Matera – unendlich viele Sehenswürdigkeiten

Weiter ging es zu Fuß in Richtung Sassi di Matera zur Piazza Vittorio Veneto. Auf die vielen Sehenswürdigkeiten dieses Platzes mit der Chiesa di San Domenico; dem Palazzo dell’Annunziata aus dem 18. Jahrhundert, heute Ort für viele kulturelle Veranstaltungen; der Springbrunnen: die Fontana Ferdinandea, als auch auf die Palombaro Lungo: eine Zisternenwelt unterhalb von Matera, die immerhin 5 Millionen Liter Wasser fassen konnte, sowie die Ausgrabungsstätte des früheren Marktes Fondaco de Mezzo konnten wir aus zeitlichen Gründen lediglich einen kurzen Blick werfen. Viele kleine Appetizer – es gibt für mich in Matera immer noch so viel zu entdecken. Ich brauche unbedingt einmal eine ganze Woche in Matera!
Claudio führte uns zum Balkon Belvedere Luigi Guerricchio. In der Vorbereitung zu dieser Reise war es mir ein Herzanliegen, dass meine mitreisenden Kolleg*innen, die Matera zuvor noch nie besucht haben, von hier einen allerersten Blick auf die Sassi werfen konnten. Und danke schön an Claudio und Michele, dass sie es ihnen ermöglicht haben!

Vor Jahren hatte ich dort selber meine erste Berührung mit den Sassi und das besondere Gefühl angesichts dieses Wimmelbildes von Steinhäusern, das ich damals empfinden durfte beim Blick vom Balkon, hatte mich nicht mehr verlassen. Das wollte ich weiter gegeben wissen. Selber war ich wieder glücklich bei diesem grandiosen Anblick auf einen relativ kleinen Teil der Sassi!
Zumal ich dort mit Pino Bianco sein konnte – auch so ein Wunsch von mir, mit Pino einmal seine Heimat entdecken zu dürfen. (M)Ein Geschenk!
Als Nächstes zeigten uns Claudio und Michele zuerst den kleinen täglichen Markt, Mercato storico di Matera centrale, der keine zwei Minuten entfernt in einer Querstraße an der Piazza Ascanio Persio liegt. Er ist übersichtlich in seiner Größe, täglich geöffnet und bietet bis 14 Uhr alles, was man für die gute lukanische Küche braucht, …
… einschließlich frischem Fisch- und perfektem Fleischangebot. Mit Fans.
(Hier wanderten Face di cravatta, Caroselli und natürlich viel Oregano in meinen Rucksack.)
Nächster Stopp, die Salumeria Il Buongustaio Matera direkt auf der Piazza. Dort gibt es alles! Käse, Wurstwaren (ja, auch die aus Pferd hergestellt), Trüfffel, Konserven, Gewürze, Süßigkeiten – nur frisches Gemüse (kauft man natürlich auf dem Markt). Alle Spezialitäten der Basilikata, können hier in viel menschlichem Gewusel erworben werden.
Ich finde diesen Feinkostladen sehr charmant, auch dank seines schönen alten Interieurs aus Holz, würde es aber vorziehen, dort einzukaufen, wenn andere Touristen noch schlafen – also eher um 08.30 Uhr.


Traumhafte Lofts in der Il Granile

Unser nächster Stopp führte mich in eine Straße von Matera, in der ich zuvor noch nie gewesen war. Und Michele als auch Claudio entpuppten sich plötzlich als großzügige, sehr charmante Gastgeber (Michele), Claudio als ebensolcher Sommelier. Michele, mit seiner Frau Ferdinanda, als talentierter Kunstsammler.
Il Granile – die ehemalige Speicherstadt von Matera, wo z. B. das Getreide gelagert wurde – galt früher als eine der sehr reichen Wohngegenden Materas in früheren Jahren. Hier hat Michele gemeinsam mit Ferdinanda drei Lofts ausgebaut.

Wir befanden uns auf der zweiten Ebene im Palazzo Malvinni Malvezzi, einem beeindruckenden weitläufigen Gebäude, das um 1857 erbaut wurde. Unter ihm befindet sich ein weitläufiges Areal, das aus von Menschenhand in den Fels gehauenen Höhlen besteht. Von der Straße aus führt eine steile Treppe hinab zu den Höhlen, die früher als Lager und für die Konservierung landwirtschaftlicher Produkte der großen Adelsgüter rund um Matera dienten. Natürlich gab es hier auch Weinkeller, Ställe für die Maulesel und Zisternen.
Haben wir nicht besichtigt, denn wir waren indes herzlich eingeladen, uns die Lofts anzusehen! Sie sind mindestens genauso beeindruckend. Die Eheleute verbindet die Liebe zur Kunst und zu Antiquitäten – und so haben sie die Contemporary Lofts quasi zu bewohnten Galerien umgestaltet und vor allem mit den Exemplaren ihrer Sammlungen ausgestattet bzw. in das Loft-Design integriert.

Und sie stellen auch Kunst aus! Aktuell hängen dort zum Beispiel die Exponate des Künstlers Nicola Kalura mit seiner PopUp-Installation „Munnu Era”. (Die Gang: Michele Brucoli, Pino Bianco und Nicola Kalura v. l. n. r.)
So ein cooler Ort! Der Mix aus Elementen, die aus ihrer früheren Funktion in die heutige Gestaltung implementiert wurden, wie hier zum Beispiel eine alte Waage …
… heute als Treppenelement – der ist einfach großartig und gelungen. Spannendes Interieur, integriert in die sinnvolle Innenarchitektur heutiger Moderne, gelungen, faszinierend.
Überall gibt es etwas zu entdecken. Eine alte Getreideschütte, die die ursprüngliche Nutzung des Speichers unter Beweis stellt, der TV-Screen steht auf einer Malerstaffel.
Und alle Räume mit Heizung ausgestattet. Ich fand die Heizkörper so schön im Design, …
… also es gibt keinen Grund diese Lofts nicht auch einmal außerhalb der üblichen sommerlichen Reisesaison zu buchen. In einem der Lofts die Faltküche!
Ein Problem, das Gäste in diesen Unterkünften haben dürften, ist, dass sie gar nicht mehr verlassen wollen. Was ein heftiger Zwiespalt wäre in dieser spannenden Stadt. Ich hatte früher schon Fotos gesehen von Micheles Appartements – im Real Life sind sie viel besser. Gleichzeitig durften wir die Kunst von Nicola bestaunen, die derzeit in den Appartements aushängt.

Der perfekte Aperitivo

Nun, in dieser exklusiven Umgebung servierte uns das Ehepaar Brucoli einen leckeren, mehr als reichhaltigen Aperitivo. Zum Teil sogar selbst hergestellt von Micheles Ehefrau (die er übrigens einst aus Bari nach Matera entführt hatte). Ihre stark angerösteten Peperoni in Olivenöl mit Kapern und Rosinen – ein Rezept ihrer Nonna – werde ich auf jeden Fall nachkochen! Die haben uns alle sehr begeistert. Die Parmigiana oder überbackenen Muscheln … ging es uns gut!
Auch Claudio, der uns feine Spumante (ich kann italienische Spumante nicht hoch genug preisen!) und exzellente Weine von Winzern aus der Basilikata in die Gläser schenkte. Diese Weinverkostung war wirklich besonders.
Die Basilikata als Weinland sollte unbedingt mehr entdeckt werden. Vor allem, finde ich, dürften hierzulande die lukanischen Weißweine endlich mehr Beachtung finden!


Im Cabriolet durch Matera

Sehr satt und zufrieden wurden wir in ein Auto gesteckt. Einem Van von Mercedes, als Cabriolet umgebaut, der uns durch die Sassi von Matera fuhr. Hatte ich jemals einen echten touristischen Moment in Matera – da war er! Mit Zwischenstopps unten in den Sassi di Matera, oberhalb der Gravina (der Fluß in der Schlucht).
Mit erfrischenden Kaltgetränken (Touri-Mode) fuhren wir aus den Sassi raus. Immer wieder beeindruckend die Steigung am Ende der Sassi – ja, das Anfahren am Berg, sollte man hier beherrschen dürfen. Wir fuhren über die Landstraße durch die blühenden Landschaften genau auf die andere Seite der Schlucht, mit dem traumhaften Blick auf die Totale von Matera.
Wow! Das war etwas, was ich mir immer gewünscht hatte (gut, ich wäre mit mehr Zeit irgendwann dorthin gewandert und möchte das auch immer noch einmal machen.) Was für ein einzigartiger Blick auf die gesamte Stadt! Diese Historie. Wie skurril dann im Hintergrund die Neubauten wirken, so klein und unbedarft. Und diese Stille dort. Ein wunderschöner, mich tief beeindruckender Ort.

Nur etwas mehr als fünf Stunden waren wir in dieser besonderen Stadt – und ein schönes Momentum reihte sich an das andere! Grazie Michele e Ferdinanda e Claudio (und an alle anderen, die uns die Zeit in Matera so schön gestaltet haben.)

Ich möchte wirklich immer, immer, immer wiederkommen.


Il Granile Contemporary Loft
Via XX Settembre, 14, 75100 Matera MT, Italien
Homepage e-Mail: booking@mateintravel.com


Stadtführungen in Matera und Weinverkostungen
Claudio Latorre
Phone: +39 348 325 6103

Damasco Travel Service (Autoservice mit Fahrer)
info@autoservizdidamasco.it


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