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2026-03-18

Ganz besonders campen in der Basilikata: Le Due Barche!

Pino bringt uns zum Strand. Und erzählt. Von seinem Freund, der auf einem Campingplatz lebt. Der ein besonderer Mensch ist. Ein Künstler. Luciano Palermo.

Im November ist auf dem Campingplatz Le Due Barche (Die zwei Boote) natürlich tote Hose, vermeintlich. Dazu später mehr. Auf unserer Reise, die uns die Freiheit schenkt, zwischen der Basilikata und Kalabrien hin und herzuspringen, sind wir wieder in der Basilikata unterwegs. In Scanzano Jonico, Pinos Heimat. Der Ort Montalbano Jonico liegt etwas höher im Landesinneren, sein Pendant, Scanzano Jonico, hat es sich an der Küste des Ionischen Meeres gemütlich gemacht.
Dieses kleine Paradies ist von Matera in nur einer halben Stunde Autofahrt zu erreichen. Als wir aus dem Auto steigen, werden wir von dem Begrüßungskomitee in Emfpang genommen. Während ich ganz verzückt bin, grinst sich Pino eins, während wir weitergehen. Er weiß genau, wie es noch tierisch weiter gehen wird.
Ein langer, weißer Sandstrand liegt ruhig vor uns. Gelegentlich unterbrochen von etwas Gestein. Dann und wann schimmert weißes Treibholz im Sand. Im Sommer ist der Strand natürlich vollgestellt mit den geometrisch in Linie ausgerichteten Strandliegen der Lidi – wo es immer eine einfache, fantastische Küche in den dazugehörigen temporären Restaurants gibt. Der Campingplatz stellt in der Saison auch Rettungsschwimmer mit Gerät. Das Must have, um mit der blauen Flagge zertifiziert zu werden.
Jetzt im späten Herbst ist dieser Ort ein Paradies der Ruhe.

Stundenlange Spaziergänge, die völlig Schmerzbefreiten springen auch jetzt noch einmal kurz in das Meer an den wärmeren Tagen. Die Füße kann man auf jeden Fall noch ins Wasser halten. Kneipen in der Basilikata.
Alles ist so charmant ruhig, der Campingplatz ist leer.
Bis auf eben Luciano Palermo (kann denn ein Name italienischer sein?), der sich hier eingerichtet hat. Mr. Campingplatz lebt das ganze Jahr hier und macht diesen Ort zu einem sehr besonderen Fleck.
Er hat einen bezaubernden, kleinen und einladenden botanischen Garten installiert. Baut sein eigenes Gemüse an.
Überall gibt es etwas zu bestaunen. Seine Holzarbeiten, aus Treibgut oder gefällten Olivenbäumen hergestellt, laden auf dem Gelände zum Sitzen ein, mindestens zu ihrer Bewunderung.
Später zeigt uns Luciano seine Bilder. Umrahmt von selbst gezimmerten Hölzern.
Der Mann ist ein Tausendsassa! Und alles, was er hier geschaffen hat, macht diesen Campingplatz zu einem besonders liebevollen Urlaubsort.
Aber vorher ist er uns ein sehr herzlicher, ausgesprochen charmanter Gastgeber. Und nicht nur uns. Auch seinen Tieren. Die Katzen, die jetzt vorbeigucken, kennt er alle mit dem Namen.
Der junge, noch scheue Fuchs Willi, lebt hier mit seinen Eltern und gehört, …
… wenn auch mit etwas Abstand, zu ihrer Gang.
Wir sind hier einfach und es ist wunderschön. Die Sonne steht am Himmel, das Meer im Hintergrund plätschert vor sich hin, wir (später vor allem ich mit großer Begeisterung) füttern die kleinen Rabauken mit Wurst. Pino und Luciano kümmern sich um unseren Rossato. Sie zelebrieren dabei ihre lange Freundschaft. Besser geht’s nicht!
Das hier ist einfach ein wundervoller Platz. Kein auf Glamping gestylter Campingplatz. Er hat alles, was Camper brauchen in einfacher Weise. Hier man kann man noch wirklich campen, so wie diese Art des Urlaubs einmal angedacht war – in der Natur, gerade mit dem ausreichenden Comfort. Und Pino hatte seine diebische Freude uns diesen wunderschönen Platz am Meer zu zeigen. Man merkt ihm an, wie sehr er es liebt hier zu sein.
Blumentöpfe, in denen einige Pflanzen noch oder wieder blühen, Lucianos Papagei, den er irgendwie gerettet hatte, spricht mit uns. (Immerhin: Mein erster Papagei, der Italienisch kann!)
Und als wir den Ausflug an den Strand machen, folgen uns die Tiger samt Willi, spielen im Sand – und das alles mit dem Blick auf die türkisblaue See! Wer hat schon einmal einen Fuchs mitten in den Agaven gesehen?
Für mich war das der perfekte Moment in völliger Harmonie und für immer im Herzen festgeschrieben! Nun, was auch sonst bei solchen Aussichten?
Ja klar, in der Saison lebt es sich hier natürlich völlig anders auf diesem Campingplatz, dann tobt hier – seit immerhin 50 Jahren – das Leben: Tursi, Rabatana, Montalbano, Valsinni, das von Carlo Levi geliebte Aliano, das antike Eraclea, Bernalda, Scanzano, Rotondella. Alles spannende Orte in der nahen Umgebung, in denen man von „Le Due Barche” aus auf die eigene Entdeckungsreise in der Basilikata gehen kann.
Der Campingplatz lockt mit Musik und Kultur, hat seine eigene Bibliothek und verkürzt so die Sommerabende mit dem lukanischen Charme. Rundherum genießen Touristen die herzliche Gastfreundschaft der Lukanier, die die köstlichen Produkte direkt aus dem Garten Italiens servieren.
Der alternative Campingplatz hält über 100 Stellplätze bereit, die größtenteils im Schatten der hohen Pinien liegen. Es gibt darüber hinaus 15 mobile Häuser, die gemietet werden können, falls einem selbst der Camper fehlt. Tiere dürfen mitgebracht werden, ansonsten gibt es alles, was das Camperherz begehrt: Internet, Waschgelegenheiten,
Waschmaschine, Kühlschränke und Einkaufsmöglichkeiten. Und Lucianos Zoo, als auch seine Kunst und Freundlichkeit. Das alles ist so charmant, einfach und herzlich.

Homepage: Le Due Barche

2026-01-26

Scharfe Hauptstadt

Diesen Mittwoch, den 28. Januar 2026, startet in Berlin die erste True Italian Spicy Week mit dem Fokus auf das wunderschöne Kalabrien! Es wird jetzt wirklich heiß in der Stadt, egal wie kalt es draußen ist. Und auch lange heiß, denn diese Spicy-Woche dauert ganze zehn Tage!

In 31 der besten italienischen Restaurants in der Stadt könnt ihr für nur 18 Euro ein besonderes italienisches Gericht mit deutlicher Schärfe auf dem Teller und dazu einen scharfen Amaro Spritz genießen – der richtig Spaß macht.

Auch die Begleiter im Glas zum Event sind scharfe Dinger! Der kalabrische Spirituosenproduzent Caffo präsentiert die neue Red Hot Edition seines legendären Vecchio Amaro del Capo. Das ist die pure Essenz Kalabriens: der ehrwürdige Amaro, der bittere Kräuterlikör aus dem Land der scharfen Schoten, deutlich aufgepeppt mit Auszügen der Chili. Da wird einem gleich zweimal warm in diesem Winter.
Das kulinarische Jahr in Berlin startet also mal richtig spicy!

Keine Region Italiens ist so bekannt für ihre hervorragend würzige bis richtig scharfe Küche, wie die Kalabriens. Von hier aus hat die rote Peperoncini ihren Siegeszug auf den Tellern hinaus in die Welt gemacht. Nicht umsonst gilt die kalabrische rote Peperoncino als das Symbol für Glück und Gesundheit. Jede*r hat in Kalabrien, ganz Italien, mindestens eine rote Schote als Dekoelement, trägt sie als Kette oder Schlüsselanhänger. Klar, auch meine Küche ist mittlerweile der Ort von Glück und scharfer Lebensfreude!
Und wer könnte dem scharfen Aroma einer Nduja di Spilinga entsagen? Die zarte rote Streichwurst, unserer Teewurst ähnlich, die in dem heißen Stövchen warm serviert zu geröstetem Brot als Antipasto serviert wird. Sehr charmantes (nicht nur) Winterfood!
Oder auch als Sugo, als Sauce, mit etwas Tomate, dann am besten noch mit den Chips der getrockneten frittierten Cruschi (die haben zwar von der Basilikata nach Kalabrien rübergemacht – aber die Grenzen nehmen die benachbarten Regionen da nicht so eng) für den Crunch serviert. Trippa a calabrese, scharf dank der Peperoncini? Königsklasse.
Die Soppressata di Calabria DOP, die scharfe Salami aus Kalabrien, die aus magerem Schweinefleisch und gutem Lardo allermeist in Handarbeit produziert wird. Sie muss mit einer guten Portion Chili mindestens 45 Tage im Naturdarm reifen, bevor sie die Antipasti bereichert oder eine knusprige Pizza schmückt. Oder – meist dünner geformt – die Salsiccia di Calabria, die gerne zusätzlich zum Fenchel und Knoblauch mit Chili verfeinert wird, als Bratwurst serviert. Oder ihr Fleisch zu Kugeln geformt als Polpette, die jeder schnellen Pasta sehr gut zu Gesicht stehen. Kommt, Ihr kennt und liebt sie doch alle!
Mein Favorit ist eine Pasta mit einem aromatischen, festen Pilz, am liebsten natürlich einem Steinpilz, und dazu das aromatische, Schärfe spendende Chiliöl – natürlich mit einem kalt gepressten Olivenöl selber hergestellt. Das ist das Beste und es gibt gerade erdigen Pilzen ein so wundervolles Aroma von Frische.

Falls ich euch jetzt Appetit gemacht habe und wer in Berlin gerne die scharfen Pasten Kalabriens oder Nduja oder Salsiccia Kalabriens kaufen möchte – in einer der drei Fillialen von Centro Italia werdet ihr mehr als fündig. Und: Keine Angst, sie tun gar nicht weh!
Die teilnehmenden Restaurants der True Italian Spicy Week findet ihr, wie immer, in der Map auf deren Homepage. In Mitte, Wedding, Tiergarten, Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Friedrichshain, Treptow, Neukölln, Schöneberg, Charlottenburg und Halensee – überall in diesen Berliner Bezirken wird es am Mittwoch scharf.

Und das liest sich auszugsweise so: Gefüllte Ravioli mit Nduja, Ricotta, Tomaten und Kapernpesto. Oder als Pizza Sapori di Kalabria (auch mit Nduja), Fiamme Ioniche. Platte mit kalabrischen kalten Vorspeisen, Salami, Prosciutto und Käse oder Salat mit Fenchel, Orangen, grünen Oliven und Tropea-Zwiebeln.
Fischfan? Dann sind es die Tagliolini Nudeln mit scharfen Sardellen aus Calabrien, Stracciatella und Bergamottenzeste und mit scharfem Brotcrumble, die durfte ich gestern bei Modi – Salumeria & Bistro (Ringbahnstraße 4, drei Fußminuten vom S-Bahnhof Halensee) für euch vorschmecken. Übrigens ein sehr charmantes Bistro, wo ich gestern bestimmt nicht zum letzten Mal war. (Liebe Grüße!) Wie immer bei den True Italian Events, bieten die teilnehmenden Restaurants mindestens eine vegane Variante an.
Bei Modi ist das die Casarecce Pasta mit einem Ragout von karamellisierten Cipolle di Tropea (so köstlich!), Tomate, Chili, gerösteten Brotkrumen. Und mit einem Hauch Lakritz – auch so ein Geschenk Kalabriens: Aber meine Blogleser*innen wissen das ja längst. Die Pastagerichte bei Modi waren gestern beide richtig gut, ich mochte die Schärfe der veganen Casarecce sehr!

Wir hatten dabei auch viel Spaß mit der Verkostung der scharfen Pasten von z. B. Delizie di Calabria oder La Bumba. Die Schärfe Kalabriens ist eine vornehme Schärfe. Manchmal kommt sie gleich vorne an und macht wach, verschindet aber wieder schnell. Manchmal lässt sie den Gaumen etwas auf sich warten, bleibt dafür länger. Aber sie tut nie weh, ganz im Gegenteil. Sie macht Spaß, weckt den Organismus und das Capsaicin der Chilischoten reget unseren Stoffwechsel an und fördert damit die Durchblutung – was wiederum die Infektionsbereitschaft des Körpers senkt. Die True Italian Spicy Week Fokus Kalabrien ist Medizin!

Also: Ab Mittwoch, 28.01. bis einschließlich 8.02.2026 – ein scharfes Pastagericht oder Pizza – dazu ein Capo Arrabbiato Spritz und einen Amaro del Capo Red Hot Edition als Digestif für 18 Euro. Das Jahr startet scharf. Alle teilnehmenden Restaurants findet ihr hier.
Und wenn die True Italian Spicy Week euer Interesse an Kalabrien geweckt hat – es ist eine traumhaftschöne Reiseregion Italiens mit einer wundervoll abwechslungsreichen Landschaft, tollen Küsten und viel Geschichte. Vielleicht überzeugen euch meine Blogposts zu dieser wunderschönen Region Italiens) Lest selbst!

2026-01-25

Crottole – Stadt des Honigs

Sich treiben lassen auf Reisen und widrige Umstände annehmen, sie sein lassen, das kann wirklich schöne Momente schenken.

Einen solchen Moment erlebten wir im Herbst letzten Jahres in der Basilikata. Und das kam so: Uns begleiteten eine kurze Zeit der Reise ein langjähriger Freund von Pino mit seiner Tochter. Beide waren auf dem Weg an die Küste des Tyrrhenischen Meeres, wo sie ihre Wurzeln haben. Die Tochter war zuvor noch nie in Matera und Pino wollte ihr die Stadt zeigen. Ich kann sowieso nicht oft genug in Matera sein und bin selbst über den kürzesten Ausflug in diese Stadt (in der ich immer öfter das Gefühl habe, dann zu Hause zu sein) sehr froh.

Also besuchten wir Matera. Dummerweise zwangen uns im Umfeld der Stadt uns nicht bekannte Bauarbeiten in Staus, die wiederum unsere Zeitplanung – Mittagessen mit einem Freund Pinos – ziemlich zerschossen hatten. Wir hatten uns verfranzt, das half dem Termin auch nicht auf die Sprünge (und nein, nicht immer ist Elektronik dabei eine Hilfe).
Irgendwann also vertagten wir das Treffen mit dem Freund und reisten durch die Gegend. Mit dem Wissen, wir sollten in baldiger Zukunft irgendwo eine Gelegenheit zum Essen finden – der Süden Italiens ist, ich erwähnte es mehrfach schon, zeitlich strikt geregelt, was das Pranzo anbelangt.
So fuhren wir durch die schöne Landschaft mit ihren Hügeln und landwirtschaftlichen Flächen (die Basilikata auch gerne als Garten Italiens bekannt), teilweise schon abgeerntet, teilweise schon wieder neu bestellt. Was sollte uns passieren?
Der Himmel war blau und mit hübschen Schäfchenwolken bestückt, wir hatten Urlaub und irgendwo im Hintergrund, 30 Autominuten (falls kein Stau stört) von Matera entfernt, erblickten wir einen der typischen Orte in der Basilikata. Gebaut rund um eine Anhöhe, auf deren Spitze ein Castello ruht.
Crottole. Wer alt genug ist, erinnert sich an die schweren Erdbeben in den Abendstunden des 23. November 1980 in ganz Süditalien, denen über 3 000 Menschen zum Opfer fielen und über 400 000 Menschen ihrer Wohnungen und Häuser beraubt wurden. Crottole hatte, wie viele Dörfer in dieser Region, schweren Schaden nehmen müssen.

Viele Menschen dieser Region sind daraufhin weggezogen, die wenigsten wollten hier mehr wirklich neu bauen. Dennoch sieht man der Stadt an, dass ihre Bewohner immer noch an sie glauben. Tatsächlich findet man die Spuren der grausamen Naturgewalt heute noch in dem Ort – und wenn es stützende Gerüste sind, die mittlerweile vor sich hinrosten.
Knapp 2000 Einwohner zählt Crottole heute – in der Sternstunde dieser Stadt, so um 1010 n. Chr., waren es über 13 000 Einwohner. Damals hieß sie auch noch Cryptulae, kleine Grotten. Der Tatsache gehorchend, dass heute noch unter der Stadt viele prähistorische Grotten zu finden sind. Das über allem thronende Castello Feudale entstammt dem 9. Jahrhundert n. Chr. – als diese Gegend vom Fürstentum Salerno regiert wurde. Auch das Castello zeigt heute noch die Wunden des Erdbebens.

Als wir in Crottole auf der Via Nazionale hineinfuhren, grüßte uns stolz das Schild „Stadt des Honigs”. Das sind Neuigkeiten, auf die Menschen wie Pino, Sibi und ich (und auch unsere Begleiter) natürlich sofort hereinfallen. Ach, Honig! Durch die Straße rasende Traktoren, signalisierten deutlich welche Tageszeit geschlagen hatte!
Wir liefen ein paar erste Meter durch die Stadt, rechter Hand eine kleine Salumeria mit prachtvollem Gemüse in der Auslage, linker Hand eine Bar, Bar Trattoria Quaranta, die nicht wirklich den Eindruck eines Restaurants auf mich machte.
Aber das ist auch der Charme Italiens: Wenn man denkt, da geht man vielleicht besser nicht hinein, das sieht nicht sooo gemütlich aus – ruhig hinein mit euch! Meist passiert die Magie in irgendeinem Hinterzimmer und die Küche schmeckt göttlich!
Nun, Pino kennt natürlich die regionalen Gepflogenheiten seiner Heimatprovinz, also traten wir ein, fragten nach einem Mittagessen und wurden zu dem Zeitpunkt noch als erste Gäste in einen fantastisch, leicht skurril dekorierten Hinterraum geführt.
Der sich übrigens kurze Zeit später sehr füllen sollte – ein simples Zeichen dafür, dass wir hier mehr als richtig waren.
Mit einem irrsinnigen Tempo servierte man uns erst den Wein (zum Wasser) und dann die deftigen Antipasti mit Schinken, Speck, …
… feinstem Käse und Nodini, …
… Oliven und eingelegtem Gemüse.
Später Pastagerichte mit duftender Sugo …
die Orecchietti mit aromatischen Cruschi! Die übrigens in einem weiteren Hinterzimmer vor sich hin trockneten.
Beste einfache Küche mit den fantastischen Produketen der Heimat namens Lucania.
Während ich von der hochbetagten, sehr gepflegten Patronin ins Herz geschlossen wurde, von deren Erzählungen ich nicht so viel verstand, sie aber außerordentlich genoss – und das ist halt der Unterschied zu unseren deutschen einfachen Gaststätten, wo selten mehr Austausch stattfindet neben der Bestellung. Im italienischen Gegenentwurf freut man sich immer über neue Gesichter und will deren Geschichte erfahren.
Pino, der trotz seines Alters sich immer noch die Neugierde eines kleinen Kindes bewahren konnte, fragte natürlich auch nach dem Honig, den die Stadt zu ihrem besonderen Namen verholfen hatte. Ich liebe diesen Stolz der Italiener, den ich in Deutschland sehr vermisse: Da schafft jemand ein gutes Produkt, das vielleicht sogar prämiert wird, und die ganze Gemeinschaft derer Heimat ist stolz wie Bolle!
Kurz nachdem wir das Essen beendet hatten, betrat ein hübscher junger Mann die Szenerie, mit vier Honiggläsern im Beutel – und erzählte uns seine Geschichte und stellte uns seinen Honig vor. Und was für Sorten! Korianderhonig (Coriandolo) Süßkleehonig (Sulla), Trifoglio (Klee) und Millefiori (Tausend Blumen) – insgesamt elf Sorten – bekannt unter dem Namen L’Oro Dei CampiDas Gold der Felder!
Rocco Filomeno (links im Foto, rechts Pino) ist in Grottole aufgewachsen und fand schon als Kind Bienen spannend. Imker ist er erst nach seiner Ausbildung zum Friseur geworden. Seine Leidenschaft für die schöne Landschaft Lukaniens, die absolut nachvollziehbar ist, hat ihn zu einem mittlerweile im Land sehr anerkannten Imker werden lassen. Diese Liebe ist aus der seiner Familie zu ihm entstanden, denn sie war es, die ihm das erste Buch über Imkerei zusammen mit seinem ersten Bienenstock geschenkt hatten. Daraus sind binnen zwölf Jahren 150 Bienenstöcke geworden und er ist der Vater von über 90 000 Bienen, mit denen er je nach Jahres- und Blütezeit durch die Region zieht – ein Bienennomade. Und wird mit seinem Honig hochgeschätzt, von dem sein Millefiori 2020 als bester Honig dieser Bezeichnung in der Basilikata prämiert wurde, 2022 wurde sein Kastanienhonig mit dem Tre Grocce D’Oro (Grande Mieli D’Italia) sogar als bester Honig Italiens prämiert. Kein Wunder, dass alle seine Honige von 2025 – zumindest in seinem Onlineshop – ausverkauft sind. Und dass sich Crottole ihm zu Ehren nun Stadt des Honigs nennt.

Daran sind aber auch wir ein bisschen schuld, denn, obwohl er so liebenswürdig war, mir die mitgebrachten Honige zu schenken (und ich bin sehr dankbar dafür, sie sind wirklich köstlich!), haben wir alle noch vor Ort bei ihm ordentlich eingekauft. Für uns selbst, Pino und Sibi für die Trattoria. Aber … merkt euch den Namen L’Oro Dei Campi und die Webadresse für die nächste Honigsaison, schreibt ihm eine Mail, es lohnt sich wirklich!

Wir haben also Crottole zufällig gefunden, haben diesen Ort sehr satt, reich beschenkt und im Honigglück verlassen – und möchten unbedingt wiederkommen. Auch das ist die besondere Schönheit Italiens.