Stadt Furaidis in Israel: Höhlenentdeckung aus der sehr frühen Zeit der Acheulo-Yabrudian-Kultur
Ausgrabungen Universität Haifa in Furaidis © Emil-Aladjem, Israel-Antiquities-AuthorityLes
Im nördlichen Teil Israels, im Karmelgebirge nahe der Stadt Furaidis bei Haifa ist schon 1970 bei Bauarbeiten eine bedeutende prähistorische Fundstätte entdeckt worden. Damals wurde die Höhle in ihrer Entstehung auf einen Zeitraum von 200.000 Jahren vor heute geschätzt.
Die eigentliche Sensation ist allerdings das dort arbeitende Forschungsteam, geleitet von Dr. Kobi Vardi und Amit Gabbay von der Israel Antiquities Authority (IAA), in Kooperation mit Prof. Ron Shimelmitz vom Zinman Institute of Archaeology und der School of Archaeology and Maritime Cultures der Universität Haifa jetzt erst bewusst geworden. Sie konnten eine Besiedlung schon vor 400.000 Jahren nachweisen!
Ausgrabungen Universität Haifa in Furaidis © Emil-Aladjem, Israel-Antiquities-AuthorityLes
Es handelt sich um eine – im wahrsten Sinne des Wortes – uralte Höhle aus dem Beginn der Acheulo-Yabrudian-Kultur, die in der gesamten Levante und in Bereichen des Nahen Ostens lebten. Sie konnte in ihrem originalen Zustand entdeckt werden. Mit ihrem frühen Entstehungsdatum reiht sich diese Höhle in die nur eine Handvoll Fundstätten aus jener fernen Epoche ein.
Die Acheulo-Yabrudian-Kultur ist eine spätsteinzeitliche Kultur von großer Bedeutung für die menschliche Evolution im Nahen Osten. Zu ihrer Zeit entwickelten die Menschen erstmals soziale Gefüge und bildeten Lebensgemeinschaften in größeren Gruppen und nutzten stärker Elemente, wie Feuer und sie fertigten Waffen und Werkzeuge.
Die gefundenen Artefakte wie Handäxte, Schaber und Klingen, sowie Tierknochen von Damhirschen, Gazellen und Urpferden beweisen bereits ein langes Leben innerhalb dieser Höhle über Jahrtausende hinweg. Es muss hier Wasservorkommen gegeben haben, was diese Umgebung für Jäger und Sammler besonders einladend machte, sodass sie über diesen enorm langen Zeitraum immer wieder aufgesucht worden war. Das macht sie zu einem besonders frühen Zeugnis für soziales Zusammenleben und die Weitergabe von Wissen in jener Zeit – über menschenähnliche noch vor den Neandertalern lebende Wesen.
Historische Handäxte © Emil-Aladjem, Israel-Antiquities-AuthorityLes
„Diese Zeitkapsel gehört einer einzigartigen Phase am Ende des frühen Paläolithikums an – kurz bevor Neandertaler und moderne Menschen dominant wurden. Lediglich eine Handvoll Fundstätten aus dieser wichtigen Periode wurde im Levant freigelegt, und die meisten sind für die Forschung unzugänglich“, unterstreicht Prof. Ron Shimelmitz von der Universität Haifa diese besondere Entdeckung. Und fügt hinzu: „Die schrittweisen Veränderungen dieser Epoche in menschlicher Physiologie, Technologie und Gesellschaft waren Vorläufer der komplexen Verhaltensweisen, die Neandertaler und moderne Menschen später prägten. Wir betrachten sie als die Samen, aus denen unsere komplexe Kultur erwuchs.“
Dr. Kobi Vardi, Head of the Prehistory Branch der Israel Antiquities Authority, betont den außergewöhnlich gute Erhaltungszustand dieser Höhle, was sie zu einer archäologischen Stätte von globaler Bedeutung macht, denn selten zuvor wurde eine archäologische Stätte in einem solchen unberührten entdeckt! Für ihn als Prähistoriker reiht sich dieser Ort in seiner Bedeutung auf dem Niveau der bekannten Nahal-Meʽarot-Stätte ein – beide werden in die gleiche Epoche datiert.
Ausgrabungen Universität Haifa in Furaidis © Emil-Aladjem, Israel-Antiquities-AuthorityLes
Aktuell planen die Israel Antiquities Authority und die Universität Haifa ein groß angelegtes Forschungsprogramm, das rekonstruieren soll, wie Menschen damals lebten, sich anpassten und neue Technologien entwickelten. Langfristig wird die Stätte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – für die Bewohner von Furaidis, Schulen der Region und alle, die sich für die Urgeschichte des Nahen Ostens interessieren.
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