2026-07-02

Vermaledeite Zeit!

Die Dinge sind schwierig und bleiben es leider auch. Wer hier regelmäßig mitliest, weiß, dass ich im letzten Dezember die große Freude hatte, nach Israel reisen zu dürfen. Lange Zeit nach dem grauenvollen Überfall auf Isral am 7. Oktober 2023 und dessen ebenso grauenhaften Folgen, vor allem für das palästinensische Volk. Endlich, nach den Friedensvereinbarungen, schien es langsam wieder möglich für Israel zurück in die Zeitrechnung zu finden, in der es wieder nach langen schwierigen Jahren, die auch hier wie überall mit der Covid-Pandemie begonnen hatten, Touristen begrüßen konnte.

Das weitere Verhalten der israelischen Regierung steht – absolut zu Recht – in der Kritik und gehört unbedingt beendet. Dass ich das genauso sehe wie die allermeisten Menschen auf diesem Planeten, setze ich als bekannt voraus unter meinen Lesern. Ich finde es fürchterlich und menschenverachtend. Wie alle Kriege auch völlig sinnlos. Wobei ich mir nicht anmaße, alles, was dort vor sich geht, wirklich begreifen zu können.

Es tut mir weh, meine letzten Reiseberichte für mich zu behalten, ist es gefühlt nicht die richtige Zeit, darüber bloggen zu können. Aber … da ist noch meine Zeit in Jerusalem. Dem Jerusalem. Meine Ausflüge zu den besonderen Orten am See Genezareth. Die Weine Israels!
So viel will noch erzählt werden. Es gibt doch auch immer noch dieses so besondere Land, das ich kennenlernen durfte, in dem so viele Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religionen in Frieden zusammenleben. Frieden für alle wollen! Das Land, das eben auch geflüchteten Menschen seit Jahren – nicht nur aus der Ukraine – aus anderen Krisengebieten ein neues Zuhause bietet. Ein Land voller offener, für den Frieden betender Menschen, herzlicher Menschen – so, wie ich sie erlebt habe. Die mir eine wunderbare Zeit in dieser Schönheit, ihrer Menschlichkeit, der Besonderheit ermöglicht haben. Und mich viel über Leben im Krieg, Neuanfang und Optimismus gelehrt haben.

Diese Menschen arbeiten auch im Tourismus Israels. Sie erleben seit Covid eine fürchterlich lange Zeit des Verzichts, mussten sich teilweise neue Existenzen suchen, haben ihre Agenturen verloren und mussten in andere berufliche Tätigkeiten, die womöglich überhaupt nicht ihrer eigentlichen Leidenschaft entsprechen, wechseln. Und oft sind es die Ärmsten, die in diesem Bereich arbeiten, nicht wenige Menschen davon übrigens arabischer Abstammung. Sie leiden besonders unter dem kaum noch möglichen Tourismus. 

Vor einigen Wochen bin ich eingeladen worden in die israelische Botschaft in Berlin. Eingeladen waren alle Besucher Israels, die seit 2015 Israel bereist haben, sei es mit den Delegationen über die Botschaft im politischen Austausch. Sei es, wie ich, auf Einladung des israelischen Tourismusministeriums auf einer Pressereise, oder wie ich es im Vergleich gerne nenne: Spaßreise (sie war pure Freude), und in der Folge Botschafter für das Land Israel geworden sind.
So verstehe ich mich eben auch. Als Botschafterin trotz oder wegen aller Widrigkeiten zum Trotz. Ich bin keine für diese Politiker und ihr Handeln, aber ich möchte Fürsprecherin für das Land und die Menschen Israels sein. Ich möchte weiterhin über ein besonderes Land, das Leben dort, die wundervollen Menschen, die fantastische Landschaft und die unfassbar leckere Küche schreiben. Das ist mir ein Bedürfnis. Und damit die Menschen, die dort leben und eben auch unter dieser vermaledeiten Situation leiden, unterstützen.
Mich hat auf diesem Sommerfest entsetzt, die Menschen erzählen zu hören, die aus dem gesamten Bundesgebiet, teilweise auch aus dem Ausland angereist sind, wie sehr sie aktuell, also wieder in unserem Land, unter antisemitischen Angriffen zu leiden haben, weil sie Juden sind. In Deutschland geborene Menschen, die hier immer lebten und sich jetzt nicht mehr wohlfühlen dürfen in ihrer Heimat – weil sie Juden sind. Das darf doch nicht sein!

Das darf nicht die Konsequenz sein, die wir hierzulande ziehen, dass Menschen in eine Verantwortung genommen werden – für die sie in keiner Weise verantwortlich sind! Haben wir denn wirklich so sehr wenig aus den vergangenen 100 Jahren deutscher Geschichte gelernt? Und sollten vor allem wir Deutschen uns aktuell nicht zunächst an die eigene Nase fassen im erstarkten und lauten Rassismus seitens der demokratisch gewählten Regierung?

Ron Prosor, der Botschafter Israels in Deutschland, sprach treffend und versöhnend in seiner Rede anlässliches des Sommerfestes: „Diejenigen, die Israel erleben – das hält jahrlang! Die israelische Realität sehen, verstehen. Und umgekehrt. Ich freue mich, weil ich hier diese Menschen sehe, die Israel seit 2015 bis 2025 besucht haben. Es gibt kein besseres Mittel, Israel zu verstehen.”

Das stimmt so sehr! In seiner Rede bat er uns alle freundlich, wir mögen weiterhin Botschafter Israels sein. Und ja, ich möchte das. Wie gesagt, es gibt noch so viel zu erzählen …

Es war mir ein Bedürfnis, das einmal aufzuschreiben: Lange Rede, kurzer Sinn: Erlaubt mir bitte weiterhin, in einem positiven Sinn über Israel zu schreiben – als das Land, das es eigentlich ist: Sensationell schön, voller Herzlichkeit, ein besonderes Land!

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