2026-01-21

Tage, die es nie gab

Ich bin neulich in der Mediathek über die deutsch-österreichische Krimiserie „Tage, die es nie gab” gestolpert, weil dort auf die zweite Staffel aufmerksam gemacht wurde. So habe ich dann die erste Staffel jetzt erst mir angesehen und … wow! Großartiges Fernsehen. So klug initiiert, aufgebaut und überraschend. Jede Folge erzählt die Geschichte von vier Frauen, deren Männern, einer üblen Scheidung, einem Kind mit Suizid und einem abgestürzten Schuldirektor, dessen Todesfall als Cold Case wieder aufgerollt wird nach drei Jahren.

Mit einer großartigen Sissi Höfferer, die ich sehr vermisst habe die letzten Jahre, die mit ihrem Nachwuchskriminalbeamten sehr fein akzenturiert stille humorvolle Momente kreiert (und von ihm, Spoiler, in der zweiten Staffel wieder in ein Hotelzimmer gesteckt wird). Es ist so fein!

Fantastisch Jutta Speidel als Karrierefrau a. D. und dann wieder i. D., deren Verhältnis zu Doris, ihrer Tochter ein bisschen fragwürdig ist. Wenn man ständig denkt, der alten hätte ich schon längst jeden Kontakt untersagt, Diana aber Doris' Tochter zu leicht, deren Bissigkeit respektiert.

Beiden Frauen, Sissi Höfferer und Jutta Speidel, ist hoch anzurechnen, dass sie sich dem Schönheitsdiktat des Alterns im deutschen Schauspielwesen pragmatisch versagt haben. Sie sind schöner gealtert als z. B. Iris Berben, meiner Meinung nach.

Auch ganz wundervoll Jasmin Gerat, die ich sehr schätze, der man das Bemühen und ihr Leiden in den Auseinandersetzungen mit dem späterpubertierenden Sohn absolut abkauft, während Wanja Mues als ihr Ehemann ziemlich blaß bleibt in seiner Vaterrolle.

Grandios überraschend in einer ernsten Rolle als (sehr) gut aussehender Ehemann von Doris und TV-Starkoch: Rick Kavanian. Aber sie spielen alle wundervoll – ein grandioses Cast durch und durch.

Vor allem hatte mich die Serie mit diesem Schuldirektor so an meine Schulzeit erinnert am Gymnasium. Geschichts- und Sozialkundenlehrer Herr Frank. Stellvertrender Schulleiter. Zigarrenraucher. Hässlich wie die Nacht, immer unangenhem müffelnd. Ein kleiner Mann (wir haben ihm immer eine Nazi-Vergangenheit unterstellt), der seine Komplexe an uns mit vorsintflutlichen Lehrmethoden abarbeitete. Der kollektive Klassenhass auf ihn war enorm.

Ein Beispiel war, dass sich die ganze Klasse hinstellen musste, wenn er den Raum betrat und ihn begrüßen musste in militärischer Strammstehmanier. Dann wurden Geschichtszahlen abgefragt. Wer traf, konnte sich setzen. Die letzten drei, die noch standen, hatten dann für den Tag eine sechs kassiert. Ja, genauso motiviert man Schüler zum Unterricht. Ich weiß heute nicht eine einzige Jahreszahl mehr (außer 1936 und 1945) oder sonstiges Datum. Er war auch so ein Winzling, der Schüler vor allen anderen Schülern gerne bloß stellte. Mich schüttelt es heute noch, wenn ich an den Kerl denke. Der hat mir den Spaß an Geschichte richtig vermasselt.

Lange Rede: „Tage, die es nie gab” lohnt es sich sehr zu sehen. Und unbedingt die erste Staffel vor der zweiten gucken. In der ARD Mediathek.

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