2016-05-24

Ich habe eine Stuhlkrise!

Nein, nicht was Ihr jetzt wieder denkt. Ich habe eine Stuhlkrise! Eine Echte. Und die geht so:

Vor einigen vielen Jahren kaufte ich – ganz analog – so mit Zweite Hand als Zeitung und mit Telefonanruf statt E-Mail einen Stuhl. Naja, mehr so einen Sessel. Einen Ohrensessel. Mehr so Fifties. So wie der hier. Aber mit spitzeren Ohren. Ich kaufte den einem netten Herren für 50 Deutsche Mark ab, der ihn mir sogar noch nach Hause fuhr.

Der Sessel hatte immer schon ein sehr hässliches braunes Design und es war ganz klar, der muss alsbald neu bezogen werden. Der Sessel wanderte in mein damaliges Wohnzimmer, wurde sofort von meinen Katzen besetzt und nie wieder für meine Verfügung frei gegeben. Der hässliche Bezug wurde mit einer weniger hässlichen, wenn auch nicht ultrahübschen Decke versteckt, was genau den Vorstellungen der damals im Hause lebenden Katzen, Daliah und Gigi und später auch Terry, entsprach. Denn unter solchen Decken kann man sich auf mehreren Ebenen verstecken.

Terry mochte diesen Stuhl so sehr, dass ich sie auf ihm einschläfern ließ. Was ein Mensch nicht alles für seinen Seelenfrieden so braucht.

Ich bin – aus Gründen unterschiedlicher Natur – nie dazu gekommen, den Stuhl neu aufpolstern und beziehen zu lassen. Was ich wirklich sehr gerne täte, weil ich persönlich der Meinung bin, dass er vom Aufbau her der coolste Ohrensessel unter dieser Sonne ist. Wenn ich richtig viel Geld hätte, würde ich mir nach seiner Vorlage noch einen Stuhl und ein dazu passendes Sofa bauen lassen. Habe ich nicht. Aber man soll seine Träume nie unter den Teppich kehren!

Persönlich liebe ich Ohrensessel. Früher lebte ich in dem Sessel meiner Großoma. Ich konnte mich darin fletzen, schlafen, träumen und vor allem stundenlang lesen. In diesem Ohrensessel war meine Welt für immer in Ordnung. Irgendwann warf meine Mum sie raus und kaufte sich eine neue Polstergarnitur. Seitdem ist meine Welt nicht mehr so in Ordnung.

Als damals Tally und Nishia bei mir einzogen, zogen sie beide zuallererst unter diesen Stuhl bzw. später auch auf diesen Stuhl unter die Decke. Dieser Stuhl hat nämlich magische Kräfte, die für Katzen sehr sinnvoll sind: Er macht sie unsichtbar. Aus Tallys Sicht hat er noch viel bessere magische Kräfte, denn ab und an konnte er Hände herbei zaubern, die frisches Hühnerfleisch vor eine sehr sehr ängstliche und fürchterlich traurige Katze hinlegten. Dieser Sessel machte Tally irgendwann so viel Mut, dass sie doch eines Tages beschloss unter ihm hervor krabbeln zu können, um den Rest der Wohnung und meine eine kennenzulernen.

Als ich nun umgezogen bin, sagten alle, ich solle den Stuhl zum Sperrmüll bringen. Konnte ich nicht. Allerdings wanderte er erst einmal in den Keller, weil er hier so in die Wohnung erst einmal nicht passen wollte. Vor allem, weil ich dort erst einmal kein Sessel- oder Couchelement mit Decke darüber haben wollte. Das Couchelement trägt nun übrigens dank einer Shiina eine Decke. Hier geht leider nur Leder. *seufz*

Der Sessel steht also im Keller.
Ich habe kein Geld, um ihn beziehen zu lassen.
Werde ich vermutlich nie haben.
Übermorgen kommt der Sperrmüll von der Hausverwaltung alle zwei Jahre organisiert.
Eigentlich müsste ich ihn dieser mitgeben, denn der Keller ist voll.
Aber es ist doch der schärfste Ohrensessel unter dieser Sonne.
Die Katzen lieben ihn. Ich auch.
Aber er steht im Keller.

Ich habe hier eine echte Stuhl-Krise. Danke fürs Zuhören!


P.S. Da in den Kommentaren Vorschläge zum Selbstbeziehen kommen. Das ist vielleicht sogar nicht das Problem. Aber das Polstern! Der Stuhl braucht neue Polster – und das kann ich wirklich nicht selbst. Trotzdem danke!

7 Kommentare:

Lucy in the Sky hat gesagt…

Hm, selber beziehen? Das war auch der Rat, den ich einer Polsterwerkstatt bekam, als ich entsetzt guckte, weil das Neubeziehen des Ikea-Sofas Jahrgang 1995 etwa das Dreifache des Anschaffungspreises gekostet hätte. "So schwer ist das nicht", und das stimmte. Der neue Bezug ist jetzt auch schon wieder 10 Jahre alt und haltbarer als der, der ursprünglich drauf war.

kelef hat gesagt…

ach herrjeh! ich verstehe das. das fauteuil mit den löwenfüssen, in das ich mich als kind unsterblich verliebt habe, und das ich dann fast ein vierteljahrhundert später bekam, wurde vom tapezierer gebracht, frau hunt selig besah sich die sache, sprang hinein, und: ihr sessel. später dann auch katzen-sessel. jetzt hund-und-katz-sessel. am teuren möbelstoff kann man auch prima - als einzigem möbelstück im haus - die krallen schärfen.

jedenfalls aber, was ich eigentlich von mir geben wollte: wenn der rest in ordnung ist, stoff besorgen (in ausreichender menge für reparaturarbeiten) und selber tapezieren.

vom konzept her geht das so: stoff grosszügig zuschneiden, dann einsäumen und mit stecknadeln am alten stoff feststecken. eventuell mit tapezierernägeln o.ä. an den ecken sichern.

dann an den stössen zusammenheften und geradezuppeln - notfalls weiter mit näh- oder sicherheitsnadeln sichern.

zusammengenäht wird mit dicker nähseide und einer zeltnadel (so einer halbrunden) und viel geduld so, dass die naht nicht sichtbar ist. oder man appliziert dann irgendwelche passenden borten drüber - möglichst welche, die von katzen ohne schäden abgepopelt werden können, soll ich vom julchen ausrichten, also aus reiner baumwolle, bitte.

man kann dazu je nach beabsichtiger beanspruchung auch relativ dünne stoffe verwenden, dann sollte man allerdings auf die mögliche abnutzung achten und genügend reserve haben für die neuralgischen stellen wie lehnen und polster.

ich hab das früher ein paarmal gemacht, mit entsprechend geduld wird das tadellos. empfehlenswert sind übrigens baumwollstoffe, durchaus auch samt, oder dickere vorhangstoffe. nix, was gebügelt werden oder in die putzerei muss nehmen, waschbar ist gut.

du brauchst keinen tapezierer. du kannst das selber machen, ganz bestimmt! rettet den stuhl!

kelef hat gesagt…

edit: wenn auf dem sessel auch solche knöpfe sind wie auf dem verlinkten, dann kann man die knöpfe einfach abschneiden und - sollte man denn wirklich wert darauf legen - neue anbringen. dazu mit einer ahle durch den rücken durchstechen und dort die fäden der einzelnen knöpfe miteinander fest verbinden. aber man kann auch die knöpfe einfach weglassen und dann die lehne des sessels ein wenig auflockern mit einer dicken z.b. stricknadel, die einbuchtungen entstehen ja nur durch die knöpfe, deren existenzberechtigung wieder daher rührt, dass sonst der stoff leicht verzogen wird durch leute, die zu lange und zu sehr darin lümmeln, ansonsten drücken die knöpfe sowieso nur ins kreuz.

man kann auch die knöpfe sein lassen wo sie sind, und einen dünnen polsterungsbelag - z.b.schaumgummi - mit stoffkleber drüberkleben.

stoffkleber kann man auch zur sicherung grosser flächen nehmen. und an den stellen, wo man mit der nadel nicht hinkommt, einfach genügend stoff hinten einschlagen - wenn man der sache auf den grund geht: der tapezierer macht das auch nicht anders, der hat mir das nämlich genau so erklärt.

geheimtipp zum ende: alle verwendeten nadeln vorher und nachher zählen. jetzt nicht, dass ich da erfahrungen hätte, ich wollte es nur nicht unerwähnt lassen, so leise und ganz am rande.

Sammelmappe hat gesagt…

Einen Stuhl habe ich in meiner handwerklichen Ungeschicklichkeit auch schon bezogen. Das ging ganz gut, auch die Lehne. Aber ein Sessel ist nicht einfach.
Ich habe mich ja entschieden meinen Haushalt sehr reduziert zu halten und bin damit seit meinem letzten Umzug sehr zufrieden, das ist jetzt drei Jahre her. Habe es nie bereut und wüsste daher auch wie ich mich an deiner Stelle zu verhalten hätte.
Aber ich bin nicht an deiner Stelle. Das bist nur du allein und wenn du noch nicht so weit bist, dich von diesem Stuhl zu trennen, dann lass es einfach.
Der Leben zwingt uns zu so vielen unfreiwilligen Trennungen, da müssen wir uns keine Selbstkasteiung auferlegen, wenn uns etwas wichtig ist.

Sanddorndiva hat gesagt…

Aber Sperrmüll wär doch schade. Nein, das geht nicht.

Monika hat gesagt…

nicht weggeben, niemals nicht! Irgendwann finde sich die Lösung bezüglich Aufpolsterung.

Maxxie hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

Kommentar veröffentlichen

Fröhlich sein, freundlich bleiben und bitte immer gesund wieder kommen!