2016-05-25

Ein Fisch namens Cobia.


©Open Blue

Als mich die befreundete Agentur anfragte, ob ich Lust darauf hätte einen Fisch zu testen, sagte ich spontan ja. Meine Liebe zum Fisch lässt ihn, habe ich die Wahl, immer vor einem Stück Fleisch sortieren. Mir immer noch gänzlich unverständlich, warum ich nicht am Meer in die Familie eines Fischers geboren wurde.

Ich sagte also „ja!”, und „aber bitte ein besonders großes Stück. Wegen diesem befellten Premiumcontent in da house.”



Einige Wochen später lieferte mir das Frischeparadies einen großen Karton, darin ein wirklich sehr großes Stück Fisch auf Eis.



Einen Cobia. Schwarzer Lachs. Black King Fish. Oder Offiziersbarsch. Und frischer geht’s nicht. Ich war beeindruckt ob dieses Lieferservices!

Ich zerlegte ihn in passable Stücke und bastelte in meinem Hirn kleine Rezeptideen wie ein Cobia-Carpaccio, Cobia im Ofen, Cobia gebeizt. Und ich opferte zwei kleine Probestückchen den Katzen. Tally war begeistert. Ich auch. Shiina nicht so. Ich wieder. (Katzenbesitzer, entweder sie frisst’s, dann freuen wir uns oder sie frisst’s nicht, dann bleibt mehr für uns über. Es ist immer ein Fest mit ihnen!)



Dieser Cobia kommt aus dem Karibischen Meer. Kurz vor Panama gelegen im Karibischen Meer wird Cobia von Open Blue in Marikultur gezüchtet und ungefähr ein Jahr aufgezogen. Mit einem Gewicht von ca. sechs Kilo wird der Fisch seiner weiteren Bestimmung zugeführt. In diesem Fall nach der japanischen ike jime-Methode. (Unbedingt lesen! Zu spannend, was es nicht alles gibt!)

In der Marikultur werden die Fische in Salzwasserorganismen – also im Meer – gezüchtet, so dass der Wildfischbestand geschont wird. Vor allem Beifang wird so ausgeschlossen und der Meeresboden geschützt, da der brutale Schleppnetzfang weg fällt. Es ist noch eine vergleichsweise junge Form der Fischzucht.


©Open Blue

Die Cobias werden nach dem Schlüpfen an Land in Zuchtbecken drei Monate aufgezogen. Ist der Fisch ca. 150 Gramm schwer, wird er direkt ins Meer in große Netzzylinder (Open Ocean Platform) umgezogen und dort weiter gefüttert bis zu seiner weitern Bestimmung.

Open Blue hat in Panama hierfür ein zehn Quadratkilometer großes Seeschutzgebiet angelegt und die Netzgehege am Meeresboden verankert. Gefüttert wird nach Bedarf, immer ohne Zusatzstoffe und genmodifiziertes Futter. Ohne Hormone und Antibiotika. Die modernen Futtertechniken sorgen dafür, dass das Meer durch nicht verwendetes Futter belastet wird. Die starke Strömung in den Netzen sorgt dafür, dass die Wasserqualität optimal „gefiltert” wird – und die Fische im Training bleiben.

Ich konnte bei meinen Recherchen nicht herausfinden, was mit den Fischexkrementen geschieht. Im Web gibt es nur Filme in denen Netze direkt ins offene Meer gereinigt werden, was auf Dauer bei Zunahme solcher Zuchtformen für die Meere leider suboptimal sein dürfte. (Nun gut, natürlich verklappen wir Menschen noch ganz andere Dinge en masse ins Meer.)

Aber zurück zu meinem Cobia, so wie er auf der Küchenarbeitsplatte lag. Der wurde also nach ike jime in die ewigen Jagdgründe geschickt und in Panama City in einer eigens – aus hygienischen Gründen – ausschließlich für den Cobia-Fang gebauten Verarbeitungsanlage versandfertig gemacht und binnen sechs Stunden nach seinem Fang auf den Weg geschickt. Hier lag er nun:



Sehr hell, fast weiß, rosa durchzogen mit sehr (sehr, also erstaunlich sehr) festem Fleisch. Seine Konsistenz ist tatsächlich mehr der von einem Stück vom Rind als vom Fisch ähnlich – so fest. Dieser Cobia hier ist gänzlich ohne Fischgeruch. (Wie schon erwähnt, die Liefermethode hat mich beeindruckt.) Seine Haut ist ledern, zweifarbig schwarz und weiß.



Was mich in der späteren Zubereitung beeindruckt, egal wie ich den Cobia zubereite, er behält diese feste Konsistenz.



Natürlich probiere ich den Cobia sofort (gemeinsam mit den Katzen) roh. Denn er wird als hochwertiger Sparringpartner für Sashimi und Sushi angepriesen. Geschmacklich erinnert er kaum an Fisch, natürlich ist da auch ordentlich Meer – aber mit verbundenen Augen würde ich vermutlich Kalb raten als einen seiner schwimmenden Kollegen. Nach dem ersten Bissen dachte ich sofort „Carpaccio!”. Eigentlich darf kann ich den Geschmack nicht mehr als nussig beschreiben denn:



Sandra hat Recht, da herrscht momentan in den Beschreibungen in der Fantasie der Leute leichte Flaute. Und eben nicht nur beim Fleisch. Tatsächlich aber kann ich beim Cobia sogar differenzieren, denn es ist ganz klar Walnuss, die geschmacklich eine Rolle spielt.

Der Cobia ist sehr reich an Omega-3-Fettsäuren, merkt man ihm beim essen an. Es ist … ein sehr gestandener Fisch. Der ist ein Energizer. So zurückhaltend er in seinem Fischgeschmack ist, so sehr präsent kommt er mit seiner Konsistenz daher. Toller Fisch zum Grillen! Will man ihn geschmacklich filigran anrichten, muss man ihn wirklich sehr dünn schneiden.



Ich indes schnitt ihn einmal dünn auf und servierte ihn als Cobia-Ceviche mit einem Mango-Avocadosalat, packte ihn in Pergamentpapier in den Ofen mit etwas Butter und Vanille und sein Ende durfte sich mit einem Beizprozess vergnügen. Die Rezepte blogge ich in den nächsten Tagen.



Aber probiert den Cobia ruhig einmal, wenn er Euch in der Fischtheke begegnet (zur Zeit im Frischeparadies und Globus) – es ist ein feiner Fisch. Einer der Eindruck macht.

Und falls Euch das Thema Marikultur und Cobia-Zucht interessiert, hier ein Imagefilmchen von Open Blue:

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