2012-02-15

Bewerbung

Wenn Dinge im Leben passieren, die alles ändern und alle Sichtweisen neu definieren, ändert man sich zwangsläufig selbst. Ich bin ja nunmehr in einer Situation, aus der ich ein fatalistisches „viel Schlimmeres kann mir nun kaum noch passieren” mitnehme und so einerseits das ganze Erleben immer noch erstaunlich vielfältig nachwirkt, so merke ich andererseits, es bringt ein wenig Stärke zurück ins Leben und diese ist ganz anders, als das was ich vorher Stärke benannte oder kannte.

Gestern ein Bewerbungsgespräch gehabt. Gleiche Firma, Abteilung ist derzeit in der Umstrukturierung, einer sehr spannenden, die sicherlich einerseits sehr weh tun wird; andererseits aber auch viel Potential für Neues bietet. Guter Moment in einer angespannten Zeit, grandiose Energien. Habe mich auf die Trainer-Position beworben. Meinen Präsentationstermin hatte ich gestern und ich habe mich auf die Arbeit (vorgegebene Aufgabenstellung daraus Konzeption entwickeln, drei Aufgaben abhandeln) sehr gefreut und mich auch auf die Präsentation und das Gespräch gefreut. Einfach nur gefreut und den Spaß darin gesehen. Es war wie ein Schaumbad mit abschließender Massage und Champagnercocktail, etwas, das man nur für sich selbst tut. Diese Gefühl ist für mich ganz neu. Angstlos sein. Nur auf die Freude am tun ausgerichtet.

Es war, glaube ich, ganz gut. Es sind viele Bewerber (firmeninterner Bewerbungsprozess) im Rennen, die Entscheidung wird nächste Woche getroffen. Keine Ahnung, ob es etwas wird. Wenn ja, toll. Weil wirklich eine schöne Aufgabe und etwas, wofür ich andere Dinge glatt bei Seite legen könnte.

Aber am meisten bin ich immer noch erstaunt über die Selbstverständlichkeit, ganz angstlos, in einem Handeln, das ich noch vor gut fünf Monaten als für mich völlig unmöglich erachtet hätte.

Am Wochenende werde ich die Telefonnummer aller meiner Freunde löschen, die vom sehr frühen Zeitpunkt von meiner besonderen Situation erfahren haben und bis zum heutigen Tag es nicht ein einziges Mal geschafft haben, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen. Noch vielleicht mal zum Jahreswechsel aufmunternde Zeilen an mich versenden wollten. Das ist sehr bitter und tut weh. Ich muss es aber akzeptieren, durch deren Netz offensichtlich gefallen zu sein. Ich denke drei Monate Schweigen sind sogar mir zu lange.

Um so mehr das Gewicht und die Freude über die Freunde und Menschen, die zu mir gehalten haben. Und noch halten. Auf persönlicher und virtueller Ebene. Danke!

23 Kommentare:

Arthurs Tochter hat gesagt…

Liebe creezy, von ganzem Herzen mit festem Daumendrücken liebe Grüße! Ich habe das hier heute mit unglaublicher Freude gelesen!

Christian hat gesagt…

Das zu lesen macht Laune.
Ich wünsche Dir viel Glück.

kaltmamsell hat gesagt…

Wenn nicht mal Daumendrücken hülfe - was dann?

walküre hat gesagt…

Da kommt ja schon beim Lesen jede Menge Energie rüber - großartig !
Katharsis. Danach gehören Sie zu den Edelmetallen. ;-)

Liisa hat gesagt…

Huch? Wo ist denn mein Kommentar geblieben? Also nochmal, wenn auch verkürzt: Ich freu mich, dass in Deinen Zeilen wieder soviel Zuversicht und Hoffnung mitklingen und wünsche Dir, dass das Leben sich weiter freundlich zeigt. Drücke die Daumen mit für die Bewerbung!

Ramona hat gesagt…

Ja @creezy, genau so musst Du auf dem neuen Weg weitermachen. Schau nicht zurück, auch wenn es vielleicht im Moment schmerzhaft ist. Dein neu gewonnenes Selbstvertrauen gibt Dir den Mut und auch die Sicherheit, Dich neu zu orientieren. neues anzugehen.
Die echten Freunde haben sich herauskristallisiert und es wird Platz für neue Bekanntschaften, für Menschen aus deren Energie Du schöpfen kannst.
Ich wünsche Dir viel viel Glück!

kelef hat gesagt…

na sehen sie, das klingt doch schon ganz wunderbar (und neues leben blüht aus den ruinen, oder so). ich freu mich sehr für sie. es wird weiter aufwärts gehen, und der frühling kommt auch schon ganz bald. 2012 wird toll.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Das klingt wunderbar. Ich wünsche Dir von Herzen, daß Du die Stelle bekommst - wenn nicht, weißt Du aber, daß es trotzdem weitergeht mit dem Leben!

Wendelbald Klüttenrath hat gesagt…

Ja, ich spüre es ganz deutlich durch Deine Zeilen durchschimmern, daß es klappt. Natürlich werde auch ich Dir die Daumen drücken, einer mehr kann ja nicht schaden ;-)

Frau Dinktoc hat gesagt…

Sie wissen jetzt, was und wer Ihnen wirklich wichtig, lieb und wert ist. Das gibt Selbstvertrauen und setzt Energien frei. Schön, einen so sprühenden Post zu lesen, weiter so!

Anonym hat gesagt…

hallo, viel glück für deine bewerbung. vl. solltest du diese sogenannten freundInnen einmal treffen und mit ihnen reden. ich beendete vor 10 jahren einge freundschaften und manchmal bereue ich meinen damaligen schritt. leider oder gott sei dank sind wir alle nur menschen und machen fehler!

Bhuti hat gesagt…

Wir drücken hier mal weiter Daumen und Pfoten, dass es mit der Stelle klappt. Und falls doch nicht, dann, dass Du dieses gute Gefühl in die nächsten Bewerbungsgespräche mitnehmen kannst.

Lila hat gesagt…

Ich bewundere Dich für die Energie, die ich aus Deinem Beitrag rauslese. Ich kenne Dich nicht, aber diese Energien sind meiner Erfahrung nach immer ein Anzeichen von Begabungen, die nach oben drängen. Sowas macht einen beim Angucken froh. Ich wünsch Dir Erfolg, unberufen.

Was die Freunde und "Freunde" angeht: Krisen sind die besten Siebe. Das sieht man immer wieder. Aber sorg Dich nicht. Für die Leute, die sich selbst ausgesiebt haben, kommen bessere nach, wertvollere.

Und auch wer aus Angst, Scheu oder menschlicher Unfähigkeit, mit Krisen umzugehen, den Kontakt zu Dir nicht mehr gesucht hat, ist nicht gegen Krisen gefeit. Das Leben verschont keinen. Irgendwann sind wir alle mal dran.

Es ist eine Illusion der Ängstlichen, daß Vermeidung von Menschen, die gerade mal Pech hatten, einen selbst davor bewahren kann. Mancher Mensch wird vielleicht eine Weile brauchen, länger als drei Monate, bis er sich überwindet und mit Dir Kontakt aufnimmt.

Mancher hat auch vielleicht seine eigenen Krisen. Und um manche ist es nicht schade.

Drum nicht bitter sein.

Anonym hat gesagt…

Telefonnummer niemals loeschen. Damit man dann auch weiss wer anruft und man ignorieren kann :-)

Maike hat gesagt…

Was für ein kraftvoller Post. Macht Mut. Macht mir Mut.
Danke.
Manchmal muss man altes (Freunde) loslassen, um Platz für neues (Freunde) zu schaffen.
Ich drücke alle Daumen und Pfoten, die ich finden kann. Es geht voran.

viele Grüße
Maike

Ruthy hat gesagt…

Na das hört sich ja super an. Ich drück mal die Daumen mit.

LG, Ruthy

Fr. Wieczorek hat gesagt…

Das sind fröhliche und bittere Zeilen in einem sehr schönen Text vereint, der hoffentlich viele Menschen etwas in sich gehen lässt und zum Nachdenken anregt. Die Nummern zu löschen finde ich sehr richtig. Leider ist es so, dass Sozialkontakte abspringen oder "versagen", sobald sie von Probleme wie H4 oder W-losigkeit erfahren. Aber zu dem zweiten Satz: Doch, es hätte viel schlimmer kommen können. Das sehe ich beim ehrenamtlichen Einsatz, durch den ich nebenbei bemerkt auch gelernt habe, die kleinen Dinge in meinem eigenen Leben bewusst wahrzunehmen und zu genießen. Zwar macht mich diese Erkenntnis noch lange nicht zur glücklich grinsenden Kuh, aber sie relativiert immerhin meine Einstellung zum eigenen Leben etwas.

Viele Grüße
Fr. Wieczorek von den Straßenseiten

Anonym hat gesagt…

Danke. Ein sehr motivierendes Posting. Ich bin selber an einem Scheideweg und einer Art Lebenskrise, wenn auch nicht im Ansatz so drastisch und dramatisch wie bei Ihnen.

Der Text macht Mut. Lebbe geht weider, wie es Dragoslav Stepanović formulierte.

diemanuela hat gesagt…

Ich drücke auch weiter ganz fest die Daumen und am Wochenende tanze ich wieder einen Hula für dich!

nachtschwester hat gesagt…

Bremsen und Hemmnisse sind immer im eigenen Kopf zu suchen. Nicht bei der ARGE oder der Politik oder der Gesellschaft, wie es in so vielen deiner früheren Posts anklang. Schön, dass du sie überwindest.

Sandra hat gesagt…

Kopf hoch und sei stark - das packst und ich glaube dabei an dich!

Anonym hat gesagt…

Hallo,
ich bin eine von den Anonymen, die Dir damals sogar Geld gespendet hat (das klingt jetzt irgendwie blöd, aber Du weißt sicher, was ich meine)
Ich war länger nicht auf Deinem Blog unterwegs und wollte jetzt einfach gucken, ob sich irgendwas bei Dir getan hat.
Mein lieber Herr Gesangsverein!
Du klangst schon immer sehr positiv, selbst als Du ganz unten warst, mußte man unwillkürlich über Deine Formulierungen lächeln (auch, wenn man dann wieder ein schlechtes Gewissen bekam), aber jetzt klingst Du zudem noch mutiger!
Als wenn das Leben Dir ganz viele Zitronen gegeben hätte und Du gerade das Rezept für Limonade wieder gefunden hättest. Du suchst zwar noch den Zucker und das richtige Gefäss für das Getränk, aber Du bist auf dem Weg.
Toll!
Weiter so!

Narana hat gesagt…

Klingt gut. Hier ist alles gedrückt, was gedrückt werden kann.

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